Buchautor und Bürgerrechtler Carl Gibson bezichtigt Herta Müller des literarischen Plagiats und der Täuschung der Öffentlichkeit – Presseinformation

Presseinformation : Plagiatsvorwurf Carl Gibsons gegen Herta Müller

Buchautor und Bürgerrechtler Carl Gibson bezichtigt Herta Müller des literarischen Plagiats und der Täuschung der Öffentlichkeit

http://www.fnweb.de/region/main-tauber/bad-mergentheim/carl-gibson-gegen-herta-muller-1.1251813

Pünktlich zur Vergabe der Nobelpreise in Stockholm und zur Eröffnung der Buchmesse 2013 in Frankfurt
erhebt der ehemalige Dissident und Buchautor Carl Gibson Plagiatsvorwürfe gegen Herta Müller.

Bad Mergentheim:
Wie aus den jüngsten Veröffentlichungen auf dem Blog des – ebenfalls aus dem rumänischen Banat stammenden – Autors und seinem jüngsten Rundschreiben an die Medien zu erfahren ist,
soll Herta Müller, die Nobelpreisträgerin für Literatur 2009, ihre seinerzeit im ZEIT-Magazin im Juli 2009 erstmals geschilderte
körperliche Securitate-Folter frei erfunden
und bei der literarischen Ausgestaltung aus Gibsons zweibändigem Erinnerungswerk
„Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, 2008,
und – auszugsweise auch aus – „Allein in der Revolte. Eine Jugend im Banat“, vollständig 2013 erschienen,
abgeschrieben haben.

Herta Müller habe in ihrer fragwürdigen und unglaubwürdigen Folter-Darstellung einschneidende Ereignisse, Erfahrungen aus Carl Gibsons Biographie instrumentalisiert sowie zahlreiche essentielle Details aus dem Dissidentenleben und der antikommunistischen Opposition übernommen, namentlich Elemente eines authentischen Securitate-Verhörs und dieses und – mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ereignis – angeblich erstmals als selbst erlebt geschildert.

Darüber hinaus seien Ideen, Konzeptionen, Stilmittel – bis hin zu vollständigen Hauptsatz-Aussagen – nachweislich auf Carl Gibsons Aufklärungswerk zurückzuführen.

Über das “Plagiat” hinausgehend
– durch die Vorspiegelung falscher Tatsachen, speziell der körperlichen Folter durch den rumänischen Geheimdienst, die reine Fiktion sei -
habe Herta Müller die bundesdeutsche und internationale Öffentlichkeit massiv getäuscht, nur um ihre Nobelpreisnominierung zu rechtfertigen.

In der im Internet und über Email jüngst verbreiteten Pressemitteilung Carl Gibsons heißt es:

„Herta Müller, Nobelpreisträgerin für Literatur 2009, schreibt seit Jahren aus meinem Werk ab.

Dabei werden die individuellen Securitate-Erfahrungen eines authentischen Opfers der kommunistischen Diktatur von Herta Müller als eigene Erlebnisse ausgegeben bzw. zu eigenen Zwecken belletristisch wie biographisch instrumentalisiert.

Inzwischen habe ich mich entschlossen, an die Öffentlichkeit zu gehen und das – nach meiner Auffassung – offensichtliche literarische – “Plagiat“ zur Diskussion zu stellen.“

Carl Gibson verweist auf die bereits erfolgte Ankündigung der Plagiat-Debatte auf seinen Blogs u. a. unter:

http://carlgibsongermany.wordpress.com/2013/06/01/herta-muller-nur-mit-der-schere-unterwegs-zum-plagiat-beruhmte-collagen/

http://carl-gibson.blogspot.de/2013/08/wo-kupfert-herta-muller-ab.html

Eine kritische Auseinandersetzung mit Herta Müllers Behauptungen, sie sei vom rumänischen Geheimdienst Securitate verfolgt und physisch gefoltert worden, liefert Gibson auf nahezu hundert Seiten in dem Beitrag:

http://carl-gibson.blogspot.de/2013/05/herta-mullers-erfundene-securitate_18.html

Weitere Beiträge des seit Jahren einschlägig bekannten Herta Müller-Kritikers, der den Anspruch erhebt, die schwer zugängliche Materie aus Insider-Sicht überprüfbar aufzuklären, finden sich ebenfalls im Internet.

Carl Gibson, Gründer der ersten „Freien Gewerkschaft rumänischer Arbeiter SLOMR“ in Temeschburg, (Timisoara), im rumänischen Banat, langjähriger Dissident und während der Ceausescu-Diktatur ein halbes Jahr im kommunistischer Gefängnishaft,
appelliert an Ethos und Gewissen der freien Presse und fordert investigative Recherchen sowie eine kritische, unparteiliche Berichterstattung ein.

Es gelte,
„Politisch hochbrisantes Material zum Thema (erschlichener) Nobelpreis an Herta Müller – (inszenierte Verfolgung, politische Einflussnahme, Protektion durch Politik und Medien)“ aufzuarbeiten.”

Der Autor, Mitglied des Verbandes deutscher Schriftsteller (VS) in Baden-Württemberg, schreibt in seinem Rundschreiben:

„Nach jahrelangen Recherchen im In- und Ausland habe ich herausgefunden, dass die von politischen Kreisen (CDU/SPD) massiv geförderte, jedoch kontrovers diskutierte deutsche Nobelpreisträgerin für Literatur 2009 Herta Müller in zahlreichen Punkten die Unwahrheit gesagt hat.

Ihre „Verfolgung“ durch die „Securitate“ während der kommunistischen Diktatur in Rumänien ist frei erfunden. Die Nominierung für den Literatur- Nobelpreis wurden nach meiner Auffassung politisch forciert bzw. erschlichen – und dies bei rücksichtsloser Täuschung der internationalen Öffentlichkeit.

Vielfache Bemühungen um Richtigstellungen
– aus der Sicht eines ehemaligen Bürgerrechtlers, Zeitzeugen und konkreten Opfers der kommunistischen Diktatur Ceausescus –
wurden seinerzeit von der Konrad Adenauer-Stiftung der CDU bzw. von der Redaktion des Magazins DIE ZEIT willkürlich abgewürgt.
Eine öffentliche Debatte über die „moralische wie politische Integrität“ der Kandidatin, die eine Nobelpreisvergabe an Herta Müller unmöglich gemacht hätte, wurde so verhindert.

Zum Einstieg in die komplexe Materie (mit viel Erklärungsbedarf und Vorwissen)biete ich als ersten Einblick folgende Beiträge mit Thesen und Argumenten an:

http://carlgibsongermany.wordpress.com/2012/11/19/david-gegen-goliath-und-leviathan-erfahrungen-eines-dissidenten-mit-der-konrad-adenauer-stiftung-der-cdu-beim-kas-preis-an-herta-muller/

http://carlgibsongermany.wordpress.com/2012/11/22/die-saubere-zeit-und-der-schmutzige-journalismus-in-deutschland-offener-brief-an-die-herausgeber-des-magazins-die-zeit-zur/

http://carlgibsongermany.wordpress.com/2012/10/02/offener-brief-an-die-herausgeber-der-frankfurter-allgemeinen-zeitung-wie-halt-es-die-faz-mit-der-wahrheit/

Weiteres Material zur Thematik von grundsätzlicher Relevanz, inklusive einer differenzierten Beweisführung, stelle ich den Medien auch in schriftlicher Form zur Verfügung.

Was in diesem Fall seit 2004 (KAS-Literaturpreis an Herta Müller bzw. Nominierung ohne öffentliche Aussprache) an Verschleierung und Vertuschung erheblicher Tatsachen ablief, ist nach meiner Auffassung ein Skandal.

Die freie Presse muss endlich dagegen halten und einiges aufklären.

Die unheilige Allianz zwischen Kräften der CDU und der SPD bei der Durchsetzung einer Kandidatin mit fragwürdiger Vita aus Gründen der Staatsraison sollte nicht nur durchschaut, sondern auch im Sinne der Wahrheitsfindung öffentlich diskutiert werden, auch nach dem „Fait accompli“ der Nobelpreisehrung.

Es kann nicht sein, dass ein einst systemprivilegierter Wendehals, der opportunistisch rücksichtslos mit den Kommunisten einer Diktatur paktierte, nunmehr als lupenreines Aushängeschild einer Demokratie inszeniert und geehrt wird.

Politische Konsequenzen aus dem – publizistisch noch unentdeckten – Skandal sind bisher ausgeblieben.

Ganz im Gegenteil –statt berechtigten Vorwürfen nachzugehen, statt konsequent aufzuklären, setzte die deutsche Politik noch eines drauf und ehrte die kontrovers diskutierte „Unbeugsame“ auch noch mit dem Großen Bundesverdienstkreuz, vielleicht nur, um eine Lüge zu decken oder um vom eigenen politischen Versagen in diesem Fall abzulenken.

Seit 2008 wird vielfacher Druck auf mich ausgeübt.
Darüber hinaus wurde eine Anwaltskanzlei beauftragt, mich von weiteren Aufklärungsaktivitäten in der Causa Herta Müller abzuhalten.

Es ist nur eine Frage der Zeit, wann und von wem diese Thematik von besonderer politischer Tragweite und verschwörungsähnlichem Charakter journalistisch aufgegriffen und als Story präsentiert wird.

Da die literaturwissenschaftlichen Mühlen der Alma Mater recht langsam mahlen und politische Implikationen dort in der Regel ignoriert werden, würde ich es begrüßen, wenn kritische Medien sich bald dieser Materie annehmen würden.“

Wer den kulturpolitisch höchst brisanten Fall aufgreifen will, kann sich meiner Zusammenarbeit als Insider und kritischer Autor sicher sein.

Die fiktiven Konstruktionen Herta Müllers verbunden mit der flankierenden Deckung aus der Politik sind – bei Mitwirkung eines kompetenten, eingelesenen Insiders – bereits durch die kritische Aufarbeitung ihres ZEIT-Artikels
„Die Securitate ist noch im Dienst“ detailgerecht nachweisbar.

Die ausführliche Offenlegung zahlreicher, systematisch ausgebreiteter Lügen erfolgt hier:

http://carlgibsongermany.wordpress.com/2013/05/13/carl-gibson-herta-muller-und-die-securitate-dichtung-oder-wahrheit/

In dem kompilatorischen Bericht
„Die Securitate ist noch im Dienst“,
an welchem auch die ZEIT-Redaktion kreativ mitwirkte, kupfert Herta Müller nachweislich plagiatorisch aus meinen Werken ab.

Die detaillierte Beweisführung dieses – aus meiner Sicht – eindeutigen Plagiats ist bereits ausgearbeitet und liegt vor unter dem Titel:

Literarisches Plagiat oder Inspiration?
Herta Müllers konkreative Carl Gibson-Rezeption.

Das bis jetzt zurückgehaltene, noch unveröffentlichte Beweis-Material (mehr als 150 Seiten) werde ich Presse und Medien ebenfalls vorlegen, insofern eine differenzierte Berichterstattung zugesagt wird.

Ethischer Journalismus verpflichtet solchen Ungerechtigkeiten auf den Grund zu gehen und diese berichtend aus der Welt zu schaffen.“

Carl Gibson

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Carl Gibson – Allein in der Revolte

Das Gesamtwerk Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte

Das Gesamtwerk Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte7 ok

Carl Gibson Allein in der Revolte Titelbild

Das neue Buch von Carl Gibson

Vor wenigen Tagen ist erschienen:

Carl Gibson, Allein in der Revolte

Eine Jugend im Banat

Aufzeichnungen eines Andersdenkenden –Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat

J.H. Röll Verlag, Dettelbach, 409 S.
ISBN 978-3-89754-430-7

http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokales/bad_mergentheim/Auf-der-Suche-nach-Freiheit;art5642,2072768

http://www.openpr.de/news/704256/Allein-in-der-Revolte-Carl-Gibsons-neues-Buch-ueber-die-kommunistische-Diktatur-in-Rumaenien.html

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte
Carl Gibson

carl Gibson, Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte, Titelbilder

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte Buckrückseite

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte

Nachdem bereits ím Jahr 2008 die “Symphonie der Freiheit” im gleichen Verlag erschienen war, wird jetzt der noch ausstehende Teil des Gesamtwerkes vorgelegt.

Die “Symphonie der Freiheit” ist nunmehr vollständig.

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der RevolteNeuerscheinung:
Carl Gibson

Weshalb wurde der zweite Band vor dem ersten publiziert?
Weil die wichtigen Inhalte absolute Priorität hatten.

Nun aber wächst doch noch zusammen, was zusammen gehört!

Die Graphik auf dem Titelbild (Kirche in Bukarest) stammt
von Michael Blümel,

das Foto auf der Buchrückseite wurde im Zentrum von Temeschburg
von Monika Nickel im Jahr 2009 aufgenommen.


Einige Kurzinfos aus dem Text auf der Buchrückseite:

Carl Gibson, M. A., Jahrgang 1959, Bürgerrechtler während der kommunistischen Diktatur in Rumänien, lebt als Philosoph, Historiker und Schriftsteller (VS) in Bad Mergentheim.

Mehrere Buchveröffentlichungen, Aufsätze, Essays. Zu seinen Hauptwerken zählen die literaturhistorische Dichter-Monographie: Lenau. Leben – Werk – Wirkung, Heidelberg, 1989 sowie die autobiographische Darstellung: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, Dettelbach 2008.

Ergänzend zur “Symphonie der Freiheit”, ein Erinnerungswerk, in welchem die Geschichte der ersten freien Gewerkschaft “SLOMR” im Ostblock aus der Insider-Sicht eines Dissidenten sowie die Bedingungen der politischen und kulturellen Opposition differenziert wie kritisch beschrieben werden, schildert der Autor nunmehr im Folgeband “Allein in der Revolte” seinen Weg in den antikommunistischen Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur.
Carl Gibson beschreibt das Phänomen des “real existierenden” Kommunismus aus der konkreten Erlebnisperspektive eines jungen Nonkonformisten in Temeschburg im Banat und erörtert dabei den Kampf um Menschenrechte sowie das Ringen der deutschen Minderheit um ethnische Identität.
Zeitgeschichtlich orientiert fragt der Autor nach den Ursachen und Gründen, die zum Exodus der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen aus Rumänien führten.

Die Neuerscheinung ist seit Februar 2013 auf dem Buchmarkt und überall im Buchhandel erhältlich, auch online u. a. hier:

http://roell-verlag.de/shop/article_978-3-89754-430-7/Gibson,-Carl%3A-Allein-in-der-Revolte%3A-Eine-Jugend-im-Banat.-Aufzeichnungen-eines-Andersdenkenden-%E2%80%93-Selbst-erlebte-Geschichte-und-Geschichten-aus-dem-Securitate-Staat.html?pse=apq

Das Buch erscheint nach einer – fast dreijährigen – Verzögerung durch den Verlag.

Potenzielle Rezensenten bitte ich, Rezensionsexemplare direkt beim J.H. Röll Verlag in Dettelbach anzufordern.

Für eine Bekanntmachung meiner Buchpublikation auf einer Website oder Homepage bin ich dankbar.
In dem Buch steht das, was ich zum Banat und zur kommunistischen Diktatur zu sagen hatte.
Carl Gibson

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte
Carl Gibson

P.S.: Eine Weiterverbreitung dieser Informationen freut mich.

Kontaktdaten:
Carl Gibson
Ketterberg 8
97980 Bad Mergentheim
Telefon: 079731 99 27 176
Email: Gibsonpr@aol.com
Email: carlgibsongermany@gmail.com

Zur Person, zum Autor bzw. Bibliographie:
http://www.gibsonpr.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gibson_(Autor)

Auszüge aus dem Werk finden sich auf diesem Blog.
Soweit diese Erstinformationen – weitere Infos werden folgen.

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte 9
Carl Gibson

REZENSIONEN:

Über Carl Gibsons neuestes Buch „Allein in der Revolte“,

Luzian Geiers „Mehr als „eine Jugend im Banat“,
eine Rezension, die keine ist

Gegendarstellung des Autors Carl Gibson mit Richtigstellungen und wesentlichen Zusatzinformationen.

Ist Luzian Geiers „Mehr als „eine Jugend im Banat“ über Carl Gibsons neuestes Buch „Allein in der Revolte“, besprochen in der „Siebenbürgischen Zeitung“ (Druckausgabe!) vom 15. August 2013 eine gut gemeinte Gefälligkeitsrezension?
ONLINE-Version unter:

http://www.siebenbuerger.de/zeitung/artikel/kultur/13649-allein-in-der-revolte-carl-gibsons.html

Gefälligkeitsrezensionen sind bekanntlich kontraproduktiv – sie schaden dem Autor und dem Rezensenten, weil sie auf Anhieb als konstruiert durchschaut werden und in der Regel an des Pudels Kern vorbei gehen, auch wenn sie scheinbar kritisch daherkommen.
Eine Buchbesprechung dieser Art ist zweifellos Luzian Geiers jüngster Schnellschuss.
Obwohl der Journalist Luzian Geier, der sein Handwerk bei KP-Genosse Nikolaus Berwanger in Temeschburg im Banat bei der „Neuen Banater Zeitung“ erlernte, mein Werk bestenfalls quergelesen, also nur oberflächlich durchblättert hat, tut er in seiner „Besprechung“ so „als ob“ das Gegenteil der Fall sei.
Statt den essentiellen Fragen auf den Grund zu gehen, statt die Leistung einer mehrjährigen, intensive Forschungsarbeit herauszustellen, sie zu würdigen oder zu tadeln, verbeißt sich der Rezensent haarspalterisch-pedantisch am Akzidentiellen.
Dabei lenkt vom – gewollt oder ungewollt – vom Wesentlichen ab, von der eigentlichen Substanz des Buches, von seiner Botschaft und dem ihm immanenten Geist.
Namentlich wird das besondere Anliegen der Publikation in zwei Bänden, namentlich die Aufklärung kommunistischer Verbrechen und grober Menschenrechtsverletzungen während der Ceausescu-Diktatur in Rumänien, praktisch unterschlagen – mit Absicht oder nicht!?
Die wichtigsten Sach-Informationen zur Publikation, die zur Lektüre ermuntern sollen, bleiben ebenfalls auf der Strecke
So erfährt der werte Leser, der eine angemessene Auseinandersetzung mit aufklärenden Materie aus der Insider-Sicht eines oppositionellen Antikommunisten erwartetet, in dieser etwas merkwürdigen Buchpräsentation nicht explizit, dass mit dem fünf Jahre verspätet vorgelegten Band
„Allein in der Revolte“
eben der lange ausstehende, nur durch Intrigen verhinderte, zweite Teil der „Symphonie der Freiheit“ der Öffentlichkeit präsentiert wird –
und somit ein weiteres Werk zur Geschichte der konkreten politischen antikommunistischen Oppositionen in Rumänien während der Ceausescu-Diktatur, zum Widerstand bzw. zur Gründung der freien Gewerkschaft rumänischer Arbeiter SLOMR.

Die Veröffentlichung der Publikation, die im eigentlichen Sinne des Wortes nicht „neu“ ist, sondern dem Ausausarbeitungstand der „Symphonie der Freiheit“ (2008) entspricht, musste – trotz eindeutiger vertraglicher Regelung nach jahrelangem Hin und Her zwischen Autor und Verlag – letztendlich juristisch durchgesetzt werden.

Wer dieser Autor Carl Gibson ist, erfahren die bundesdeutschen Leser (auch jene der Online-Ausgabe der SbZ) in Luzian Geiers Rezension ebenfalls nicht, vermutlich weil der aus der Nachbargemeinde Jahrmarkt im Banat herstammende Rezensent davon ausgeht, dass die aus Rumänien ausgesiedelten Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben ihre Pappenheimer wohl kennen … wie jenen bunten Hund.

Ob hier ein reiner „Schriftsteller“ aus der Langeweile heraus nur fiktionale, „schöngeistige Literatur“ produziert und postdadaistische Experimente in die Welt setzt oder ob ein durch mehrere einschlägige Buchveröffentlichungen ausgewiesener „Historiker“ ein weiteres Sachbuch veröffentlicht, ein „zeitkritischer Philosoph“ einen tausend Seiten-Essay über Freiheit und Widerstand, Material, aus dem eine Herta Müller wohl zehn bis zwanzig dünne Büchlein fabriziert hätte, oder ob letztendlich ein ganz normaler, (unbedeutender) Zeitzeuge spricht, der bestimmte Ereignisse während der Zeit des kalten Krieges und der Konfrontation zweier ideologisch antagonistischer Blöcke miterlebt hat, um diese dann a posteriori subjektiv darzustellen, erfahren die Leser ebenso wenig, obwohl der zweite, doppelte Untertitel das aussagt:

Aufzeichnungen eines Andersdenkenden –
Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat

Nach Geier artikuliert sich da nicht etwa ein „ehemaliger Bürgerrechtler“, der in die „antikommunistische Opposition schlitterte“, weil ein repressives, totalitäres System ihn in diese Rolle gedrängt hatte – und der dann mehrere Jahre seines Lebens die Kommunisten und die Unterdrückungsformen der verbrecherischen kommunistischen Partei bekämpfte, sondern ein ganz beliebiger Autor, der sich quasi selbstgefällig selbst zum „Andersdenkenden“ stempelt und der ein beliebiges Buch vorlegt, das er als gar als „Lebenswerk“ verstanden wissen will.
Diese undifferenzierte Ambivalenz, die mich in ein falsches, ja hybrishaftes Licht rückt, kann ich so nicht stehen lassen, vor allem deshalb nicht, weil daraus eine unberechtigt erscheinende Selbststilisierung herausgelesen werden kann und weil die Relevanz der Publikationen so en passant untergraben wird. Auf diese Weise kann man Bücher kleinreden

Es mag sein, dass Luzian Geier, wie im Internet auf der Plattform Kulturraum Banat selbstdarstellend zu erfahren ist, in landsmannschaftlichen Kreisen, wo die „Pipatsch“ als Quintessenz der Intellektualität gilt, ein vielgefragter Referent und vielbeschäftigter Schreiber agiert.
Wenn er aber ein zeit- und ideologiekritische Buch zur Besprechung annimmt, dann sollte er –auch ohne Honorar – sauber und gewissenhaft arbeiten -wie etwa der journalistische Kollege Hans-Peter Kuhnhäuser von der „Tauber-Zeitung“, der zwei Monate seiner Zeit in die Lektüre von „Allein in der Revolte“ investierte , sich als Bundesdeutscher wacker durch die diffizile Materie kämpfte, um dann nach sechs weiteren Stunden des persönlichen, vertiefenden Gesprächs mit dem Autor Carl Gibson seinen umfassenden Bericht anzugehen.

http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokales/bad_mergentheim/Auf-der-Suche-nach-Freiheit;art5642,2072768

Die am 22. Juni 2013 veröffentlichte Buchbesprechung „Auf der Suche nach Freiheit“ ist ein gründlich recherchierten Bericht, in welchem alles Wesentliche nachgelesen werden, namentlich gerade das, was bei Geier –mehr oder weniger bewusst – unter den Tisch fällt, nämlich die „Revolte“ eines Jugendlichen im Banat gegen realkommunistische Missstände.

Während der Bad Mergentheimer Journalist mein Werk aus eigenem Antrieb heraus rezensieren wollte, eben weil er sich mit der „Idee der Revolte“ gegen das Etablierte identifizierte, hat man den Eindruck, anderen Journalisten aus der systemkonformen Ecke liege das Thema Widerstand im Kommunismus überhaupt nicht, nicht zuletzt deshalb, weil sie, bevor sie die chamäleonhaft die Fronten wechselten, opportunistisch mit dem Strom schwammen wie tote Fische und nicht „gegen den Strom“!

Dann aber sollten diese ehemaligen direkten und indirekten Handlanger des Kommunismus – „cu musca pe caciula“ – konsequent bleiben, zu ihrer früheren Mitläufer-Rolle als KP-Mitglieder und Kommunismus-Rechtfertiger stehen, ohne aus falsch verstandener, vom schlechten Gewissen getriebener Kompensation die Biographie der echten Opfer des Kommunismus „würdigen“ zu wollen, auch nicht, um etwas wieder gut zu machen, denn Halbheiten verfälschen mehr als ein radikaler Verriss.
Leider Gottes tummeln sich im journalistisch-literarisch-intellektuellen Bereich überwiegend Leute mit KP-Vergangenheit, die schon aus Selbstrechtfertigungsgründen immer wieder den Bock zum Gärtner machen. Die Geschichte der echten Opfer des Kommunismus wird heute allzu oft von Tätern und Mitläufern geschrieben, die, ohne Verständnis für das Engagement, die Perspektive und Moralität des Opfers nur selten in der Lage sind, tatsächliche Leistungen der anderen Seite objektiv zu würdigen. Den kleinkarierten, oft von Neid und Missgunst und Ressentiments angetriebenen Opportunisten und Karrieristen vorn gestern fehlen in der Regel das intellektuelle Format und die menschliche Größe, den Einsatz und sie Leistungen anderer und konkret Politischen oder im Geistigen anzuerkennen. Wer selbst nichts Großes hervorgebracht hat, missgönnt dies anderen.

Viele Lügen und Mythen aus der Welt der Securitate und des Kommunismus wurden erst möglich, weil recherchefaule Journalisten nicht sauber arbeiteten. Der überwiegend positiv-wohlwollende Duktus einzelner Ausführungen der Besprechung, mit der vielleicht andere gut leben könnten, wird nicht darüber hinwegtäuschen.
Gefällige, ja schmeichelnde Bemerkungen, Carl Gibsons neues Buch sei „lesenswert und sogar empfehlenswert“ sind zwar gut gemeint, machen die Sache aber nicht besser.
Ganz im Gegenteil – sie lenken von der eigentlichen Substanz und Botschaft des Werkes ab – und sie wirken auch deshalb unglaubwürdig, weil das dagegengehaltene „Kritische“ keine Kritik ist, sondern, wie noch zu zeigen sein wird, nur an den Haaren herbei gezogene Unterstellung.

Meine Intention, im Nachwort, das einer Selbstrezension des Gesamtwerkes gleichkommt, ausführlich dargelegt, bestand nicht nur darin, das allgemeine wie politische Leben in Rumänien nach 1944 einzufangen, es plastisch zu beschreiben und zu werten – das können andere Autoren auch … und vielleicht auch besser, als ich es schilderte.

Meine eigentliche Absicht war und ist, in dem Gesamtwerk „Symphonie der Freiheit“ und „Allein in der Revolte“ einige Jahrzehnte real existierender Kommunismus-Realität einzufangen.

Darüber hinaus galt es, einige Jahre intensiv erlebter und durchlittener antikommunistischer Opposition zu schildern, aus der Sicht eines der selten gewordenen echten Securitate-Opfer der nachstalinistischen Zeit, mit einprägenden existenziellen Ereignissen, mit Securitate-Verhör, mit Folter, mit Haft, mit Menschenrechtsverletzungen unterschiedlicher Art.

Mir kam es nicht auf Unterhaltung an, auf die Fabrikation effekthaschender Belletristik, sondern vielmehr auf die „objektive Aufklärung kommunistischer Verbrechen während der Diktatur in Rumänien, die immer noch nicht erfolgt ist, nicht zuletzt deshalb, weil die öffentliche Debatte darüber noch nicht angemessen stattfand, ja verhindert wurde – unter anderem durch das systematische Boykottieren und Totschweigen einzelner Werke wie „Symphonie der Freiheit“.

Die sogar mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Belletristin Herta Müller war sich nicht zu schade, gerade diese authentischen Passagen aus meiner „Symphonie der Freiheit“ und aus den vorab veröffentlichten Teilen aus „Allein in der Revolte“ zu lesen, auf ihre Art zu rezipieren, sie umzumünzen und sie – hochgradig plagiatsverdächtig – in eigenen Beiträgen quasi als selbst gemachte Erfahrungen mit der Securitate auszuschlachten.

Das hätte dem kritischen Rezensenten auffallen können, wenn er denn wirklich akribisch und mit literaturhistorisch-analytischem Sachverstand vorgegangen wäre. Das ist in Geiers „Besprechung“ leider nicht der Fall.

Nichts von dem eminent Wichtigen aus „Allein in der Revolte“ kommt in seiner Buchrezension vor, weder die Schilderung der Ereignisse des „Prager Frühlings“ im Jahr 1968 und die Auswirkungen, noch die Goma-Menschenrechtsbewegung, der ich angehörte oder mein lebensgefährlicher Fluchtversuch an der Donau.
Nahezu alle Schlüsselwörter fehlen, Begriffe und Ausdrücke wie Diktatur, Repression, Kommunismus-Kritik, Revolte, Opposition, Nicolae Ceausescu, SLOMR, deutsche Identität, Widerstand etc.

Wasch mir den Pelz, doch mach mich nicht nass?
Wer Angst vor der brisanten Materie hat, vor der Securitate- und Kommunistenvergangenheit, wer Angst vor Herta Müller hat und vor ihrem Seilschaften, wer Ross und Reiter nicht beim Namen nennen will, der sollte die Finger von politische heißen Buchbesprechungen lassen!

Statt den in meinem Buch dargelegten Oppositionskampf anzusprechen, die Bedingungen von Widerstand im Kommunismus zu erörtern, das Ringen um Freiheit und deutsche Identität, relevante Themen, denen ich viele Kapitel widme, hält sich Geier, der seinerzeit, als wir opponierten, ein systemloyaler Journalist war – von Haus aus Lehrer – mit Marginalien auf, unter anderem mit dem undifferenzierten Hinweis, ich würde eine Pauschalschelte betreiben und unter anderem meine einstigen Lehrer tadeln.
Wo betreibe ich eine Pauschalschelte?
Meine Lehrer, und das waren bestimmt nicht die staatstragenden Säulen des Systems und der kommunistischen Ideologie, werden in dem Buch durchaus gewürdigt, gerade jene Lehrer und Vorbilder, die mir frühzeitig den Sinn für Freiheit schärften, für das „Lieber tot als in Sklaverei“ der alten Germanen. Angeprangert habe ich nur einen ominösen „Lehrer“ mit Parteibuch und einige weitere, die ihre Schutzbefohlenen prügelten, züchtigten und psychisch quälten, statt sie zu unterrichten.
Wenn der Rezensent mehr und genauer gelesen hätte, dann wäre ihm bestimmt noch einiges mehr aufgefallen.

Dass Luzian Geier das Buch, das er unbedingt besprechen wollte, auf keinen Fall besonders intensiv gelesen haben kann, spricht aus dem meinem Werk zugeordneten Titel
„Gegen den Strom“,
ein Titel, der überhaupt nicht mehr existiert.

Der zweite Band der „Symphonie der Freiheit“ trägt in großen Lettern die Überschrift
„Allein in der Revolte“.
Es ist rätselhaft, wie dieser die Gesamtkonzeption vorgebende Haupttitel übersehen werden konnte!
Wie konnte das passieren? Peinlich, peinlich!

Statt bei mir das Haar in der Suppe zu suchen, andeutend man hätte gründlich gelesen und besitze Insider-Wissen, hätte Geier den Pfahl in eigenen Auge erkennen müssen.

(In der Online-Ausgabe der Rezension in der SbZ vom 16. August wurde der verräterische Fauxpas redaktionell korrigiert – aber erst nach meiner Intervention! )

Doch woher kam der der Drang, gerade mein kommunismuskritisches Werk besprechen zu wollen, nachdem der Rezensent doch schon vorgewarnt war?

Luzian Geier wollte bereits seinerzeit (2008) die „Symphonie der Freiheit“ für die „Siebenbürgische Zeitung“ „besprechen.

Laut Röll-Verlag bekam er damals zwei Exemplare. Wenn er seinerzeit auch darin gelesen hat, kannte er die Materie, die Sprache, den Stil, die Konzeption, die Intention.
Eine Besprechung aber, mit der ich als im öffentlichen Focus stehender Autor fest gerechnet hatte, wurde Monate lang hinausgezögert blieb damals schließlich gänzlich aus, aus welchen Gründen auch immer. Der antikommunistische Bürgerrechtler und Zeitzeuge hatte das Nachsehen! Rezensiert haben damals andere, auf die dann aber auch Druck ausgeübt wurde.

(Vielleicht hatte die von Richard Wagner und Herta Müller verkündete Vendetta-Enthüllungs-Kampagne, die in dem Lügen-Artikel im Wochenmagazin DIE ZEIT gipfelte, einige Leute so sehr zurückgescheucht und sie abgehalten, für den Aufklärer Carl Gibson Partei zu ergreifen.
Jedenfalls freuten sich die von mir in der „Symphonie der Freiheit“ heftig kritisierten Kommunisten aus der so genannten Aktionsgruppe Banat, dass einiges an Fakten nicht an die große Glocke kam und dass die vielen Lügen der Herta Müller nicht weiter beachtet wurden.

So, durch verhinderte Aufklärung, wurde schließlich ein Nobelpreis möglich!)

Bis zum heutigen Tag weiß ich nicht, weshalb Geier mein Werk rezensieren wollte und weshalb der den Auftrag nicht zurückgab, als er feststellte, dass er nicht liefern kann oder will.

Auf diese Weise wurde eine wichtige Besprechung blockiert und verhindert, die ein anderer Rezensent vielleicht sachkompetent erstellt und abgeliefert hätte.

Auf diese Weise wurde seinerzeit auch die kritische, von mir öffentlich geführte Diskussion um Herta Müllers „moralische Integrität“ ausgehebelt, da die breitere Debatte vereitelt und verhindert wurde.

Auf diese Weise wurde die Nobelpreisehrung einer verlogenen Plagiatorin möglich, die nicht nur aus meinem Aufklärungswerk dreist abgeschrieben hat.

Weshalb bemühte sich Geier dann noch um den zweiten Band?

Wollte Luzian Geier nunmehr etwas wieder gut machen, wo der Kelch doch an einigen vorbei gegangen war und das Racheschwert einige Köpfe geschont hatte?

Als eine Art Kompensation?
Also war ich nicht sehr „amused“, als mir die SbZ-Redaktion den Namen des Rezensenten mitteilte, da mich das monatelangen Abwarten und endgültige Ausbleiben der mehrfach zugesagten Symphonie-Rezension (2008) irritiert und belastet hatte.

Angesetzt waren nun ab März 2013 ein bis zwei Monate Bearbeitungszeit. Als nach vier Monaten Wartezeit immer noch keine Ausarbeitung vorlag, befürchtete ich schon den bereits erlebten Präzedenzfall eines dilatorischen Hinauszögerns ins Nichts.

Nach dem Nachhaken kam dann dieser inadäquate Schnellschuss, der sich nur ganz wenigen Abschnitten widmet, der aber über Struktur, Form, Stil und Sprache meines Werkes nichts aussagt. Ein Buch besteht jedoch nicht nur aus Inhalt!
Und wer ein komplexes Werk angemessen besprechen will, der sollte vielleicht selbst einmal einen anspruchsvolle Buchpublikation vorgelegt haben.

Wie auch immer …
Von meiner Enttäuschung – nach einer Wartezeit von immerhin fünf Monaten – über den nun vorgefundenen kurzen Abriss, berichtete ich auch der „SbZ“-Redaktion.

Ja, in der Tat: Die knappen kritischen Zeilen von Geier erinnern – wie man an der deutschen Alma Mater zu spotten pflegt – an den kreisenden Berg, der eine Maus gebären wird – und das nach einem halben Jahr!
Doch wir sind bescheiden geworden – Diese Besprechung sei immer noch besser als überhaupt keine Besprechung, meinen einige! Andere könnten mit einer Besprechung dieser Art leben – ich kann es nicht.
(…)
Luzian Geier weiß wohl nicht, welches Buch er besprochen hat!

Ich habe es bisher noch nicht erlebt, dass ein Rezensent den Haupt-Buchtitel nicht beachtet, wenn er es bespricht.
“Gegen den Strom” ist längst Makulatur.
Darüber hinaus hat Geier in seiner höchst oberflächlichen Besprechung, die jede Opposition und alle Kommunismus-Kritik unterschlägt, einiges behauptet, was falsch ist und von mir widerlegt werden kann. Etwa die Sache mit Ortinau. Und z.B. die Einschätzung seines Chefs Berwanger – Ich gab meine damalige Sicht wieder (1977- 1979) und nicht die historische Wertung an sich nach CNSAS-Akteneinsicht.
Heute bin auch ich schlauer und könnte viel umschreiben, da ich auch in meiner Sache mehr weiß.
Wesentliche Informationen fehlen in der Besprechung, etwa der Hinweis, dass das Buch Bd. 1 der Symphonie der Freiheit ist, dessen Edition rechtlich durchgesetzt werden musste.
Was die vielen von Geier als noch“ offenen Fragen“ angeht – gerne würde ich noch einige beantworten.

Von den von Geier monierten „Fehler“ trifft nur die Unachtsamkeit „k.u.k“ zu.

Alles andere ist an den Haaren herbei gezogen, ja sogar üble Unterstellung.
Zu meinem Landsmann Gerhard Ortinau aus Sackelhausen, dem ich drei Abschnitte widme, die mehr als 30 Jahre nach den Ereignissen aus dem Gedächtnis erstellt wurden.

Dass er, das Opfer, die Dinge gerade so sah, vergleichbar mit Herta Müllers Haltung in „Niederungen“ zur gleichen Thematik und nicht anders, fand ich später in einer knappen Erzählung bestätigt, die Horst Fassel und Josef Schmidt in dem „Banater Lesebuch“ „An Donau und Theiß“ im Jahr 1986 veröffentlichten. Unter der Überschrift „Kleine Geschichte“ beschreibt Gerhard Ortinau die Situation seiner Geburt in der Verbannung: „Den Erzählungen meiner Eltern ist zu entnehmen, dass ich am späten Abend in einer Art schilfgedeckten Erdhütte geboren wurde. Im Zimmer befand sich das Wichtigste. Draußen hatten die Leute tagsüber Tunnels in den mannshohen Schnee geschaufelt, mittlerweile hatte sie aber der Sturm schon wieder zusammengewirbelt. (…) Ich erblickte am 17. März des Jahres 1953 in dem Weiler Movila Gildaului das Licht des Bărăgans. Alles andere erfuhr ich aus Büchern und aus Zeitungen: die Fehler, die Zufälle. Ich habe vieles begriffen, nicht aber meine Eltern. Sie, die sie ihre Erinnerungen haben, fragen immer noch: warum? Erklärt ihr es ihnen, sie könnten ansonsten noch einen Irrtum mit ins Grab nehmen. (Es wäre der einzige nicht, aber es wäre einer mehr.)“ Soweit Gerhard in der Rückschau, in einer Betrachtung, die er wohl nach unserem Zusammentreffen im Jahr 1980 in Berlin verfasste? Denn damals besaß er wohl noch keine Schreibmaschine, ein – im Text oben mit erwähntes –„Luxusgerät“, das im kommunistischen Rumänien während der Ceauşescu -Diktatur zu den verbotenen Dingen gehörte – wie Waffen, eben weil es eine Waffe war. Im Gegensatz zu seinen Eltern, die nicht aufhören wollten zu fragen, warum, kannte Gerhard, der aufgeklärte Dichter, die richtige Antwort. Dieses „Darum“ und ein „Deshalb“ markierten den Unterschied zwischen uns. Eine Gesamtverantwortung für eine deutsche Gesamtschuld lehnte ich aus meiner damaligen Erfahrungswelt heraus ab. Eigenverantwortlich sah ich nur mein Tun und die Taten meiner Vorväter aus meiner Familie, die rein waren und nichts Verwerfliches an sich hatten. Was konnte ich mehr verantworten als das eigene Handeln? Mit den Verbrechen des braunen Diktators hatte ich genau so wenig zu tun wie die kommunistischen Utopisten meines Umfelds mit den Gräueln des roten aus dem Kreml. Statt meine Energien „gegen die eigene Identität“ einzusetzen, konzentrierte ich mich auf die Bekämpfung der kommunistischen Ideologie und Gesellschaft, die mir in ihrem Wesen heuchlerisch und vielfach verlogen erschien.

Statt auf die Brisanz der Aussage zu achten, dass hier ein echtes Opfer des Stalinismus die eigene Opfer-Rolle und somit die gesamte Deportation der Banater Schwaben in den Baragan rechtfertigt, ist Geier um das Entstehungsdatum der Kurzgeschichte besorgt, um mir unterstellen zu können, ich hätte das besagte Werk nie gelesen.

Dem Rezensenten entgeht, dass ich zusammenfassend keinen Aussagesatz konstruiere, sondern eine Frage – und er kommt auch nicht darauf, dass ich das Motiv „Schreibmaschine“ nur einsetzte, um die Thematik einer zu „registrierenden Schreibmaschine – als Waffe“ exponieren zu können.
(Zudem wird aus dem Zitat noch deutlich, dass ich als Autor, dem fehlende Quellenangaben unterstellt werden, zahlreiche Quellen in den Text einfließen lasse, um das Werk nicht mit Fußnoten zu belasten.)

Besonders schäbig empfinde ich die Unterstellung, ich hätte die Deportation der deutschen aus Rumänien in das Jahr 1946 verlegt, ein Datum, das als Tippfehler nur im Zusammenhang mit dem Schicksal meines damals deportierten Vaters vorkommt.
Auf die allgemeine Deportation bezogen schreibe ich aber explizit:

Die Deutschen in Rumänien hatten nach 1945 schlechte Karten. Generell galten sie als „Hitleristen“ und Faschisten. Als „Feinde des Vaterlandes“, also der neu entstehenden „Volksrepublik“, standen sie unter Generalverdacht. Wer seinerzeit als Volksfeind denunziert wurde – und jeder Deutsche war aufgrund seiner „ungesunden nationalen Herkunft“ ein potenzieller Volksfeind – war schnell im Gefängnis und manchmal rasch ein toter Mann. Gleichzeitig war dies die Zeit der von langer Hand noch vor Kriegsende in Moskau beschlossenen und vorbereiteten Deportationen. Von den mehr als vierhunderttausend Deutschen in Rumänien wurden ab Januar 1945, einem Befehl Stalins folgend, etwa siebzig- bis achtzigtausend Personen, Männer wie Frauen im arbeitsfähigen Alter, in die Zwangsarbeitslager der Sowjetunion deportiert, Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen. Unter ihnen war auch mein Vater; ein unbescholtener, kaum neunzehn Jahre zählender junger Mann, der nunmehr fünf Jahre seines Lebens in einem tristen Arbeitslager in der Dnepr-Region bei Kriwoj Rog in der heutigen Ukraine verbringen sollte – als Sühne für eine Schuld, die er nicht auf sich geladen hatte..

Trotzdem will der Rezensent kleinlich-pedantisch einen Kasus daraus machen.
Wird man auf diese Weise einem vielschichtigen Buch gerecht, dessen Haupttitel man nicht einmal zu Kenntnis nimmt?
Solche Rezensenten lobe ich mir!

Zu Luzian Geiers Chef aus der NBZ-Redaktion und der Kommunistischen Partei Nikolaus Berwanger:

Da es mir in meinem Werk auf die Darstellung der „geistigen Situation der Zeit“ in Temeschburg im rumänischen Banat ankommt, widme ich dem System- und Kulturrepräsentanten Nikolaus Berwanger ebenso mehrere Kapitel wie dem Poeten aus der Aktionsgruppe Ortinau, Kapitel, die durchaus konziliant und keinesfalls apodiktisch sind.
Ein aufmerksamer Leser oder Rezensent kann dort (Siehe unten!) die Sätze vorfinden:

Einiges an guten und nützlichen Dingen hat Berwanger sicherlich auch bewirkt und umgesetzt, doch um welchen Preis?
Manche, die ihm näher standen und auch den Kulturbetrieb der Stadt näher kannten, unter ihnen seine Protegierten und Mitarbeiter bei der NBZ, die heute allesamt in der Bundesrepublik leben, könnten und sollten, schon aus historischen Überlegungen heraus, seine Taten ansprechen und seine eventuellen Meriten aus heutiger Sicht bewerten. Reden wir doch darüber, was er „angerichtet“ hat!

Ergo delegiere ich die Einschätzung an diejenigen Akteure, die den Repräsentanten der deutschen im Banat besser kannte als ich.

Da Geier sich scheut, viele im Werk kritisch angegangene Phänomene und Personen beim Namen zu nennen und oft diffus ausweichend bleibt, selbst im positiven, würdigenden Duktus, wo auf tiefere Einblicke verwiesen wird, wird der Materie die Brisanz genommen, die ihr innewohnt, ja sie wird indirekt verniedlicht, sogar abgewertet und trivialisiert.
Als Autor kann ich nur hoffen, dass nicht allzu viele potenzielle Leser von der Lektüre angehalten werden und jeder kritische Geist sich selbst ein Bild macht.

Jeder Rezensent kann nur das hermeneutisch vermitteln, was er erfasst –im Rahmen seiner Kompetenz und Möglichkeiten. Komplexere Sachverhalte bedürfen eines umfassenderen Instrumentariums.
Bevor rein subjektive Meinigen artikuliert werden wie „langatmig“, „weitläufig“ etc., sollte das erörtert werden, was objektiv an Materie vorgelegt wurde, z. B. die „Destruktion des Ideals Freiheit“ im Freien Westen, der den letzten Teil des Buches einnimmt, statt nach terminologischen Spitzfindigkeiten zu suchen oder Zitate aus dem Kontext zu reißen.
Zur „politisch korrekten“ bzw. Überkorrekten Terminologie, die mir von Geier vorgeworfen wird.
Dem ehemaligen NBZ-Journalisten ist wohl nicht aufgefallen, dass ich zwanzig Seiten meines Buches „Allein in der Revolte“.
anderen Andersdenkenden widme, namentlich den „Zigeunern“, ihrer Freiheit und ihrer Musik.
Und was den Terminus meiner Geburtsstadt „Temeschburg“ angeht: ich setze diesen historisch begründeten Begriff systematisch ein und werde ihn auch künftig beibehalten, weil ich ihn der ungarischen Bezeichnung „Temesvar“ oder dem umgangssprachlichen „Temes(ch)war“ aus vielen Gründen vorziehe.

Doch solche Kleinkariertheiten sind nicht signifikant. In meinem Buch geht es um weitaus relevantere Dinge.
Es geht um die kritische Aufarbeitung des Kommunismus, um den auf eigener Haut erlebten Securitate-Terror, um Folter, um Flucht, um existenzielle Belange, um Geist und Kunst, um Werte und Moral.
Von alle diesen Dingen hat Luzian Geier nichts bemerkt – kein Wunder, dass letztendlich auch der Haupttitel des Buches „Allein in der Revolte“.
unter den Tisch fiel.
Aufgrund meiner Intervention, konnte der Buchtitel noch in die Online-Ausgabe hinüber gerettet werden.
Ich würde es begrüßen, wenn die Redaktion der „Siebenbürgischen Zeitung“ das ihr von mir zur Verfügung gestellte Material zu einer weiteren vertiefenden Konkretisierung nutzen würde.

Nachdem er sich durch meine 409 großformatigen Buchseiten in Kleinschrift durchgearbeitet hatte, legte der professionelle Journalist Luzian Geier, der heute die Seiten der aus der Bukowina vertrieben Deutschen betreut, seine ultimativen Erkenntnisse der Redaktion der „Siebenbürgischen Zeitung“ vor, aber ohne die sonst üblichen „bibliografischen Daten“ der Rezension voranzustellen.
Wenn diese Daten nicht noch rechtzeitig vom Autor nachgereicht worden wären, dann hätte Geier ein Buch besprochen (Gegen den Strom), das es de facto nicht gab, das jedenfalls nicht unter diesem Titel erschienen war.
Fakt ist: Ein Autor, der als Jugendlicher im Kommunismus rebellierte und sich gegen totalitäre Willkür eines repressiven Systems zur Wehr setzte, muss sich auch heute noch wehren, wenn ihm – auch unbeabsichtigt – Unrecht geschieht, etwa in einer richtigstellenden „Gegendarstellung“ wie dieser, zu der ich, Gott sei’s gedankt, als „selbstbewusster Autor“ durchaus noch in der Lage bin.
Seinerzeit, vor Jahren, als ich die Aufklärungsarbeit aufnahm und die 1000 Seiten erstellte, gab ich alles, um allein und aus eigener Kraft ohne Seilschaften und Protektion eine – mir notwendig erscheinende – Aufklärung über die vor mir erlebten Verbrechen des Kommunismus aufzuzeichnen.
Also werde ich es nicht zulassen, dass meine Arbeit entstellt und trivialisiert wird.
Wird uns die Aufklärung kommunistischer Verbrechen schwer gemacht?
In der Tat, es ist so!
Und die Zurückweisung und Ausbremsung der wenigen Opfer des Kommunismus, die ihr „Testimonium authenticum“ literarisch-wissenschaftlich darlegen, beginnt bereits mit einer „Rezension“!
Fazit des Ganzen:
Wer Angst vor Brandwunden hat, der sollte eine heißes Eisen nicht anfassen!
Wer ein halbes Leben angepasst war und mit roten Wölfen geheult hat, der sollte nicht über Revolte und Widerstand schreiben.
Und wer ein Buch nicht gründlich gelesen und angemessen durchreflektiert hat, der sollte es auch nicht „besprechen“.
Die „Oberleichthindrüberschuscher“ aus der Rezensenten-Kaste, gegen die bereits der im Banat geborene Dichter vom Weltformat Nikolaus Lenau wettert, sind noch nicht ausgestorben. Eine einfach redaktionelle Notiz ist solch irreführenden Besprechungen sicher vorzuziehen.
Der Wahrheitsfindung in einer Welt ohne Moral in der Zeit der Chamäleons dient solch fragwürdiger Journalismus jedenfalls nicht.

Carl Gibson, Allein in der Revolte

Eine Jugend im Banat

Aufzeichnungen eines Andersdenkenden –Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat

J.H. Röll Verlag, Dettelbach, 409 S.

ISBN 978-3-89754-430-7

Preis: 39,90
Eine Edition des Autors als E-Book ist vorgesehen.

Deutsche Nationalbibliothek:

http://d-nb.info/1031825320/about/html

Das Buch kann über Amazon oder direkt beim Röll-Verlag in Dettelbach bezogen werden:

http://www.roell-verlag.de/shop/article_978-3-89754-430-7/Gibson,-Carl%3A%3Cbr_%3EAllein-in-der-Revolte%3A-Eine-Jugend-im-Banat.-Aufzeichnungen-eines-Andersdenkenden-%E2%80%93-Selbst-erlebte-Geschichte-und-Geschichten-aus-dem-Securitate-Staat.html?shop_param=cid%3D18%26aid%3D978-3-89754-430-7%26

http://carl-gibson.blogspot.de/2013/03/allein-in-der-revolte-das-neue-buch-von.html

(Die Titelabänderung von „gegen den Strom“ wird hier begründet,
ebenso in dem Ihnen vorliegenden Interview-Material.

Material eventuell für eine zusätzliche redaktionelle Notiz:

http://www.openpr.de/news/704256/Allein-in-der-Revolte-Carl-Gibsons-neues-Buch-ueber-die-kommunistische-Diktatur-in-Rumaenien.html

Carl Gibson, Allein in der Revolte

Eine Jugend im Banat

Aufzeichnungen eines Andersdenkenden –Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat

J.H. Röll Verlag, Dettelbach, 409 S.

ISBN 978-3-89754-430-7

„Allein in der Revolte“ –

Ein Buch über individuelles Freiheitsstreben während der kommunistischen Diktatur Ceausescus,
über Rumänien,
über deutsche Identität und Exodus,
über kritische Kommunismus-Aufarbeitung, Vergangenheitsbewältigung und Neubeginn in Europa

Der Leser wird in „Allein in der Revolte“ Erinnerungen vorfinden, Aufzeichnungen, die sich zum fragmentarischen „Lebensroman“ zusammenfügen, zum „autobiografischen Roman“, der literaturtheoretisch bewertet nur bedingt einer ist, weil das „Romanhafte“ fehlt, das Romantisch-Versponnene und Irreale.

Das Buch ist vielmehr eine „realistisch gehaltene Zeitstudie“, die zwar nicht die gesamte Existenz einfängt, aber repräsentative Teile daraus in einer bestimmten Zeit, wobei möglichst viel von der damaligen Erkenntnisweise herübergerettet werden soll – die „Perspektive eines jungen Menschen in der Revolte“ gegen einen selbstherrlichen Staat.
Dargestellt werden allerdings nur jene biografischen Abschnitte, die zur Erklärung von Regimekritik, Dissidenz und Widerstand notwendig sind. Dabei erschließt sich dem Leser das „Psychogramm einer Diktatur.

Die Kerngeschichte von „Allein in der Revolte – Eine Jugend im Banat“, der Weg eines Jugendlichen deutscher Herkunft in die Auseinandersetzung mit einem totalitären Staat und das „unfreiwillige Hineinschlittern in Dissidenz und Opposition“, wird, umrahmt von Elementen einer musikalischen Komposition – wie im 2008 voraus gegangenen Band des Gesamtwerkes „Symphonie der Freiheit“ – in mehreren Sätzen einer sprachlichen Symphonie eingefangen.
Der Symphonie-Begriff markiert die offene Struktur des Ganzen, während die Freiheit das tragende Thema ist, das Hauptphänomen, dem alle anderen Motive, auch der Widerstand, nachgelagert sind:
Freiheit – großes Thema mit Variationen bis hin zur Destruktion des Ideals in der freien Welt des Westens.
Die vielen Facetten und Nuancen der großen Thematik werden dabei literarisch zum Zusammenklang gebracht.
Die Geschichte selbst, in welcher der Name des Protagonisten unwichtig ist, steht repräsentativ für vergleichbare Schicksale, speziell im zweiten Band, die von anderen Menschen aus dem ehemaligen Ostblock und in anderen Diktaturen der Welt ähnlich erlebt wurden.
Neben der Gewerkschaftsgründung, die eine reale Einzelgeschichte ist, umkreisen die zahlreichen Miniaturen, Erzählungen und Essays, das Kernmotiv wie Planeten ihre Sonne, und bilden zwischen Prolog und Epilog angesiedelt, einen Rahmen des Gesamtgeschehens, das die jüngste rumänische Vergangenheit und die aktuelle Situation in Rumänen einzufangen sucht.
Der Rhapsodische Block verweist noch einmal auf die Priorität der freien Form des Dionysischen vor der Begrenztheit des apollinischen Systems. Auf diese Weise entsteht ein Ausschnitt aus einer intensiv erlebten Zeit und einer Welt, Vergangenheit spiegelnd und in die Zukunft ausstrahlend.
Ohne den Anspruch, eine ausführliche Autobiografie sein zu wollen, wurde diese Sammlung von Geschichten und Essays in erster Linie für den westlichen Leser geschrieben, für den Deutschen, den Österreicher, den Schweizer, den Franzosen, der sich für das noch ferne Volk der Rumänen interessiert – aber auch für das Schicksal der deutschstämmigen Landsleute vor seiner Haustür, die unter den Völkern des Ostens aufwachsen und die Kriegsfolgen austragen mussten.
Das Buch soll eine geistige „Heranführung“ sein an eine noch junge europäische Nation, an das Kulturvolk der Rumänen, die durch die Jahrhunderte der Geschichte ihrer Selbstwerdung oft selbst Opfer mächtigerer Konstellationen waren, aber auch ein Element der inneren Versöhnung unter Deutschen.
Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen werden hier etwas von ihrem Ringen um die schwer zu wahrende, eigene „Identität“ wieder finden und einiges, was ihnen vielleicht „aus der Seele spricht“, während die genuinen Rumänen selbst, denen hier nochmals aus der Ferne die versöhnende Hand gereicht wird, gerade in „Allein in der Revolte“ mit der Perspektive eines Deutschen konfrontiert werden, der sie aus einer Minderheit heraus, aber auch von der eigenen kulturellen Warte aus betrachtet.
Keiner aus den im Werk thematisierten Völker und Volksgruppen wird nur Harmonisches vorfinden, dem er uneingeschränkt zustimmen kann – doch das liegt im Wesen der Sache. Im Blickpunkt des Autors steht, fern von schöngefärbtem Harmoniestreben, die tatsächlich erlebte realsozialistische Gesellschaft in ihrem Querschnitt darzustellen – immer aus der Perspektive des Ankämpfenden, des politisch Andersdenkenden, der manches anders sah, der aber auch heute weit davon entfernt ist, eine ideologische Abrechnung betreiben zu wollen.

Geisteswissenschaftlich betrachtet wird versucht, zusätzlich die Sicht des Philosophen einzubringen. Da dieser der historischen Wahrheit und dem Ethos mehr verpflichtet ist als der absolut frei und somit wertungsfrei gestaltende Dichter, wird er – bis zu einem gewissen Grad auch aus südosteuropäischer Sicht – politisch-gesellschaftlich doch wesentlich anders werten, indem er aufgrund seiner Erfahrungen existenzielle wie ethische Prioritäten setzt, wobei die Klarheit eines Descartes zum Vorbild wird:
Nicht Verdunkelung ist angesagt, kein Obskurantismus im neuen hermetischen Gewand des Irrealen, Surrealen und Unmoralischen, sondern ein spätaufklärerisches Erhellen – als Existenzerhellung und als Welterhellung.

Diese Pressemitteilung wurde auf openPR veröffentlicht.

Carl Gibson
Ketterberg 8
D-97980 Bad Mergentheim
Tel. 07931 99 27 176

Carl Gibson, M.A., geboren 1959 in Temeschburg, Rumänien, aufgewachsen im Banat. Von 1976 bis 1979 engagierte sich Gibson als Bürgerrechtler und Dissident in in Rumänien. Nach seiner Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland (1979) setzte er sich weiter für demokratische Strukturen in Rumänien ein und trat als Sprecher der SLOMR im Westen auf. Ab 1982 studierte er Politik, Geschichte und Philosophie an den Universitäten Erlangen-Nürnberg, Tübingen, Wien, Freiburg und Würzburg. Nach seinem Abschluss (Philosophie, Germanistik, Geschichte) arbeitete er als Dozent und wissenschaftlicher Mitarbeiter.
Carl Gibson veröffentlicht seit 1982 und ist journalistisch tätig. Neben wissenschaftlichen Buchpublikationen schreibt Gibson Essays. Gibson lebt seit 1992 überwiegend in Bad Mergentheim, wo er 1993 ein Institut für Wirtschaftsethik begründete, das 2005 zur philosophischen Praxis ausgeweitet wurde. Gibson publiziert auch online und betätigt sich als Blogger.

Veröffentlichungen:
Nikolaus Lenau, Leben – Werk – Wirkung. Heidelberg 1989, Carl Winter Universitätsverlag, Beiträge zur neueren deutschen Literaturgeschichte, Folge 3, Bd. 100.
Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. Chronik und Testimonium einer tragischen Menschenrechtsbewegung in literarischen Skizzen, Essays, Bekenntnissen und Reflexionen, J. H. Röll Verlag, Dettelbach, 2008. 418 S. Mit 16 Tuschezeichnungen von Michael Blümel.

Aufsätze:
“Nietzsches Lenau-Rezeption” In: Sprachkunst,1986,
“Auftakt mit einer Bestie – oder: Zuckerbrot und Peitsche”, In: Halbjahresschrift für südosteuropäische Geschichte, Literatur und Politik.
“Ion Caraion: Der Konflikt zwischen dem Bleibenden und dem Vergehenden.” In: Matrix. Zeitschrift für Literatur und Kunst. Herausgeber Traian Pop. Nr. 2
“Das kurze Aufleuchten von Widerstand. Die Gründung und Zerschlagung der ersten freien Gewerkschaft in Rumänien.” In: Horch und Guck: Zeitschrift zur kritischen Aufarbeitung der SED-Diktatur.
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(Die Gauck-Behörde hat den bereits Titel angeschafft.)

http://www.bstu.bund.de/DE/Wissen/Bibliothek/Auswahl-Bibliographie/2013_neuerwerbungsliste_mai_juni.pdf?__blob=publicationFile

Von Freidorf aus in die Unfreiheit – Verschleppung Deutscher in die Sowjetunion

Die Deutschen in Rumänien hatten nach 1945 schlechte Karten. Generell galten sie als „Hitleristen“ und Faschisten. Als „Feinde des Vaterlandes“, also der neu entstehenden „Volksrepublik“, standen sie unter Generalverdacht. Wer seinerzeit als Volksfeind denunziert wurde – und jeder Deutsche war aufgrund seiner „ungesunden nationalen Herkunft“ ein potenzieller Volksfeind – war schnell im Gefängnis und manchmal rasch ein toter Mann. Gleichzeitig war dies die Zeit der von langer Hand noch vor Kriegsende in Moskau beschlossenen und vorbereiteten Deportationen. Von den mehr als vierhunderttausend Deutschen in Rumänien wurden ab Januar 1945, einem Befehl Stalins folgend, etwa siebzig- bis achtzigtausend Personen, Männer wie Frauen im arbeitsfähigen Alter, in die Zwangsarbeitslager der Sowjetunion deportiert, Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen. Unter ihnen war auch mein Vater; ein unbescholtener, kaum neunzehn Jahre zählender junger Mann, der nunmehr fünf Jahre seines Lebens in einem tristen Arbeitslager in der Dnepr-Region bei Kriwoj Rog in der heutigen Ukraine verbringen sollte – als Sühne für eine Schuld, die er nicht auf sich geladen hatte.. Nach dem Debakel bei Stalingrad im Jahr 1943 kämpften neu rekrutierte Volksdeutsche, nahezu 55 000 an der Zahl, – wie es oft plakativ hieß und heißt – freiwillig in Verbänden der Waffen-SS für das Deutsche Reich gegen den Bolschewismus, gerade an jenen Fronten, wo es am härtesten zuging. Entsprechend hoch waren die Opfer. Von den sechshundert eingezogenen sogenannten „Freiwilligen“ aus Sackelhausen fielen bis zum Kriegsende einhundertfünfzig Mann für Volk und Vaterland – und, mehr gedrängt als freiwillig, für einen von Anfang an kranken Führer sowie für Hitlers aberwitzige Wahnvorstellungen von germanischem Übermenschentum und Lebensraum im Osten.
Vater Jakob Gibson, 1926 in Sackelhausen geboren und dort aufgewachsen, ein junger Mann mit visionärem Blick und stets freundlichem Antlitz, war nicht unter den Eingezogenen – vielleicht, weil er ziemlich klein und schwächlich war; weil er nicht ausreichend nationalistisch fanatisiert war; vielleicht aber auch nur deshalb, weil er „kein Held“ sein wollte, zumindest nicht in einer Sache, die ihm fremd war und die nicht die eigene war. Doch büßen sollte er trotzdem als Teil der deutschen Minderheit – nach den sonderbaren Gesetzmäßigkeiten der Kollektivschuld der Attischen Tragödie, die einen Urahn fehlen und dann tausend Nachkommen büßen lässt, über Generationen hinweg! Schließlich hatten alle deutschen Siedler irgendwann gebüßt, seitdem die Ansiedlung sie zwischen die Nationen der Ungarn, Serben und Rumänen versetzt hatte. So betrachtet waren die Deutschen im Banat nicht weniger eine stigmatisierte Minderheit in Rumänien als die verfemten und auch heute noch verfolgten Zigeuner aus Hinterindien. Sie saßen alle im gleichen Boot – und viele genuine Rumänen, die keine Kommunisten waren, mit ihnen.
Der Zufall wollte es, dass Vater, dessen Familie im Herbst 1944 auf Geheiß der Wehrmacht nicht „heim ins Reich“ geflüchtet war, vielleicht deshalb, weil sie bereits eine Heimat hatten, zusammen mit weiteren einhundertvierundzwanzig Personen aus Sackelhausen zunächst zehn Kilometer zu Fuß nach Freidorf marschieren durfte – bei Wind und Wetter in der Eiseskälte eines Januarmorgens, damit nicht alle mitbekamen, was da vor sich ging. Viele bürgerliche Juden waren aus deutschen Städten ebenso still und leise aus ihren Betten geholt, im Morgengrauen zu den Zügen gebracht und dann in zweitausend Kilometer entfernte Vernichtungslager ins Baltikum verschickt worden. Das war bekannt. Doch die hehren Kommunisten, die eigentlich bessere und gerechtere Menschen sein wollten, waren sich nicht zu schade, das ganze „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ noch mehrfach zu wiederholen, getreu nach Plänen, die Stalin bereits ein Jahr zuvor selbst ausgeheckt hatte. Die Vergeltung an den Deutschen, wo immer man ihrer habhaft werden konnte, ob im Banat oder an der Wolga, hatte System. Die den Nazis in effizienter Diversion vielfach vorgeworfene „Menschenvernichtung in Arbeitslagern“ praktizierten die Kommunisten nun selbst; und dies sogar im Bewusstsein, das „moralische Recht“ auf der eigenen Seite zu wissen. Stramme Antifaschisten der ersten Stunde – sogar aus den Reihen der deutschen Minderheit – sahen die Dinge – mit den Linken der Bundesrepublik und den Offiziellen der DDR – ähnlich. Recht so sagten sie. Und einige ihrer Nachgeborenen Bert Brechts wiederholten die gleichen Worte, als sie die Pforte der roten Alma Mater überschritten gute zwanzig Jahre später. Was an jenem Januarmorgen 1946 geschehen war, interessierte sie nicht weiter.
Vater, ein Jüngling in den besten Jahren wie viele Millionen in der Wehrmacht, die gerade erst in blindem Gehorsam gen Osten marschiert waren, stapfte ergeben durch den Schnee, dem nahen Temeschburg entgegen, er, einer aus der Hundertschaft der anderen Opfer aus Sackelhausen, die nur des Verbrechens bezichtigt wurden, deutsche Zivilisten zu sein, Menschen, die sich ihrer Unschuld bewusst, nicht „heim ins Reich“ geflohen waren. Sie waren zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Fügung des Schicksals? Göttlicher Wille? Welcher Sinn stand dahinter, Unschuldige zum Schafott zu führen? In Freidorf endete für ihn – wie für alle anderen aus der Gruppe der zum Leiden Auserkorenen – jede Form von Freiheit! Oder, anders formuliert: Die Unfreiheiten und Qual eines fünfjährigen Martyriums in Straflager-Verbannung für eine fiktive, unbekannte Schuld, begann in zynischerweise in Freidorf. Von „Freidorf“ aus sollte es noch am gleichen Tag auf „Große Fahrt“ gehen – an den Dnepr, sozialistisch korrekt und human in einem Viehwaggon, in dessen Ecke ein kleines Loch für die Erledigung der Notdurft eingeschnitten worden war. Der Transport von neunzig Menschen, eingepfercht in einem Waggon mit zugenagelten Türen, kam zehn Tage später am Zielort an, in der Ukraine bei Kriwoj Rog. Wenn einer dem Stress schier unerträglicher Bedingungen nicht gewachsen war, der durfte ableben – wie die Juden auf dem Weg nach Lettland oder wie das Vieh auf neuzeitlichen Tiertransporten. Auch „Dezimierung“ war integraler Bestandteil der Vergeltung an den Deutschen.

Zu G. Ortinau

Dass er, das Opfer, die Dinge gerade so sah, vergleichbar mit Herta Müllers Haltung in „Niederungen“ zur gleichen Thematik und nicht anders, fand ich später in einer knappen Erzählung bestätigt, die Horst Fassel und Josef Schmidt in dem „Banater Lesebuch“ „An Donau und Theiß“ im Jahr 1986 veröffentlichten. Unter der Überschrift „Kleine Geschichte“ beschreibt Gerhard Ortinau die Situation seiner Geburt in der Verbannung: „Den Erzählungen meiner Eltern ist zu entnehmen, dass ich am späten Abend in einer Art schilfgedeckten Erdhütte geboren wurde. Im Zimmer befand sich das Wichtigste. Draußen hatten die Leute tagsüber Tunnels in den mannshohen Schnee geschaufelt, mittlerweile hatte sie aber der Sturm schon wieder zusammengewirbelt. (…) Ich erblickte am 17. März des Jahres 1953 in dem Weiler Movila Gildaului das Licht des Bărăgans. Alles andere erfuhr ich aus Büchern und aus Zeitungen: die Fehler, die Zufälle. Ich habe vieles begriffen, nicht aber meine Eltern. Sie, die sie ihre Erinnerungen haben, fragen immer noch: warum? Erklärt ihr es ihnen, sie könnten ansonsten noch einen Irrtum mit ins Grab nehmen. (Es wäre der einzige nicht, aber es wäre einer mehr.)“ Soweit Gerhard in der Rückschau, in einer Betrachtung, die er wohl nach unserem Zusammentreffen im Jahr 1980 in Berlin verfasste? Denn damals besaß er wohl noch keine Schreibmaschine, ein – im Text oben mit erwähntes –„Luxusgerät“, das im kommunistischen Rumänien während der Ceauşescu -Diktatur zu den verbotenen Dingen gehörte – wie Waffen, eben weil es eine Waffe war. Im Gegensatz zu seinen Eltern, die nicht aufhören wollten zu fragen, warum, kannte Gerhard, der aufgeklärte Dichter, die richtige Antwort. Dieses „Darum“ und ein „Deshalb“ markierten den Unterschied zwischen uns. Eine Gesamtverantwortung für eine deutsche Gesamtschuld lehnte ich aus meiner damaligen Erfahrungswelt heraus ab. Eigenverantwortlich sah ich nur mein Tun und die Taten meiner Vorväter aus meiner Familie, die rein waren und nichts Verwerfliches an sich hatten. Was konnte ich mehr verantworten als das eigene Handeln? Mit den Verbrechen des braunen Diktators hatte ich genau so wenig zu tun wie die kommunistischen Utopisten meines Umfelds mit den Gräueln des roten aus dem Kreml. Statt meine Energien „gegen die eigene Identität“ einzusetzen, konzentrierte ich mich auf die Bekämpfung der kommunistischen Ideologie und Gesellschaft, die mir in ihrem Wesen heuchlerisch und vielfach verlogen erschien.

Gebt Gedankenfreiheit – oder: von der unfreien Presse im real existierenden Sozialismus

Die rumäniendeutschen Politiker der Ceauşescu-Zeit sind alle tot: Nikolaus Berwanger, Ernst Breitenstein, Eduard Eisenburger. Der interessanteste von ihnen, der widersprüchlichste, war sicher Berwanger. Durch ihn konnten wir am Anfang der achtziger Jahre manches innerhalb des Adam-Müller-Guttenbrunn-Kreises machen, Regimekritisches, andererseits hat er auch manchen Schaden angerichtet. Was seine wirkliche Rolle war, lässt sich auch heute nicht feststellen, sagt Richard Wagner in einem Gespräch mit Stefan Sienerth. Damit ist eine Richtung markiert, die auf eine „höchst ambivalente Figur“ der Temeschburger Neuzeit verweist. Nikolaus Berwanger, Chefredakteur des deutschsprachigen Regionalblattes „Neue Banater Zeitung“, die er selbst mit dem Segen und unter der Ägide der kommunistischen Partei in die Welt hatte setzen dürfen, war zweifellos der Mittelpunkt des Wortgeschehens. Doch, wem diente und nutzte jene Miniaturzeitung mit dem Sitz in Temeschburg, die eine Alternative, doch kein regionales Gegengewicht zum landesweit erscheinenden Neuen Weg, darstellte?
Den Freunden der Mundart vielleicht? Die sich an ihrer literarisch unterhaltsamen Beilage erfreuten; an der „Pipatsch“, in welcher der leitende Redakteur, der auch ein Mundartdichter war, am liebsten eigene Beiträge druckte? Einem Temeschburger Bildungsbürger bot die NBZ kaum mehr als ein Mitteilungsblatt. Der Dialekt war ihm unzugänglich. Aber auch auf dem Land, wo es sehr verschiedene Dialekte gab, war es nicht immer einfach, das nachzuvollziehen, was gerade gedruckt wurde. Dessen ungeachtet war die Zeitung in gewissen Kreisen recht populär und wurde überwiegend in den Hecke- und Heidedörfern gelesen. Mir entsprach sie nicht, da sie neben der stark provinziellen Ausrichtung auch noch eine Tendenz ins Seichte aufwies und oft unkritisch im Unerheblichen verflachte. Heute behagt mir das zur Beilage zusammengeschrumpfte Blättchen noch weniger, da ich über dieses Medium, also von Rumänien aus von Richard Wagner angegriffen und verleumdet wurde, ein Blättchen, das von dem Aktionsgruppenkollegen Wagners Werner Kremm redigiert wird.
An dem damaligen Blatt, das immerhin einigen wenigen, weitgehend „angepassten“ Journalisten aus der Region eine gewisse, wenn auch nicht adäquate Wirkungsstätte bot und auch Mal den Beitrag eines frei Schaffenden abdruckte, störte mich seinerzeit nicht nur die kurzsichtige Innenschau, die einer Volksverdummung Vorschub leistete, sondern der grundsätzliche Aspekt, dass die NBZ als Presseorgan zu keinem Zeitpunkt wirklich frei war und nie an ein „journalistisches Ethos“ appellierte. Jetzt, nach drei Jahrzehnten ein solches von Redakteuren wie Werner Kremm einfordern zu wollen, der sich, fern von internationalem Presserecht weigerte, meine legitime „Gegendarstellung“ auf Wagners Replik zu drucken, wäre vergebliche Liebesmüh.
Es ist heute nur schwer vorstellbar, dass kritische und konsequente Journalisten wie taz- Autor William Totok, Horst Samson, Luzian Geier, Eduard Schneider und andere, die jahrelang in der Redaktion der NBZ agierten, dort zuständig für Literatur und Kultur, unter den gegebenen Verhältnissen über Jahre geistig überleben konnten – solange bis etwa Totok, offiziell als Übersetzer tätig, aus „Inkompetenz“ und „mangelndem patriotischen Geist“ rausgeworfen wurde. Die „Neue Banater Zeitung“ war ungeachtet einer gewissen Nischenexistenz genau so wenig souverän und frei wie die größere Tageszeitung aus Bukarest, der „Neue Weg“, in dessen Redaktionstuben mein Landsmann aus Sackelhausen Heinrich Lauer sein Brot verdiente. Beide Zeitungen deutscher Zunge und die Blätter aus Siebenbürgen waren genau so unfrei wie alle Zeitungen und Zeitschriften im Land oder im gesamten Ostblock. Schließlich waren Zeitungen und Zeitschriften „Instrumente der Meinungsbildung“, die sich nicht in Freiheit vollziehen sollte. Inzwischen ist einiges vom Ungeist des Journalismus in den Redaktionen westlicher Publikumszeitungen angekommen, wo es auch längst nicht mehr um „Wahrheit“ geht, sondern nur noch um die Durchsetzung bestimmter Positionen, die gerade opportun und zweckdienlich sind.
Wenn es gesellschaftspolitische Entwicklungen von hoher politischer Brisanz gab – wie bei der freien Gewerkschaftsgründung SLOMR in Bukarest und bald darauf durch uns in Temeschburg oder beim Ausbruch von Studentenunruhen – durfte einfach nicht berichtet werden. Realsozialistische Zeitungen waren reine Mittel der Machtausübung und des Machterhalts. An den Schalthebeln der Macht in den Zentralen saßen loyale Stützen des Systems, Handverlesene, die an der Partei- und Journalismushochschule „Stefan Gheorghiu“ ausgebildet worden waren, leider Gottes auch Deutsche.
KP- Mann Nikolaus Berwanger war eine der tragenden Säulen des Systems. Kraft seiner Position als „Chefredakteur“ und Vertrauensmann hatte er ein serviler Diener des Systems zu sein. Alle Bürger im Land, die sich des gesunden Menschenverstandes bedienten, wussten, dass die Partei alle Führungsfunktionen ausschließlich mit loyalen Kräften bestückt hatte, vom kleinen Meister in der Fabrik aufwärts bis zum „Direktor“, der auch nur Direktor sein durfte, wenn es der Partei gefiel. Persönlichkeiten, die auf die politische Meinungsbildung Einfluss nehmen konnten, die besondere Presseaufgaben umzusetzen hatten, wichtige Multiplikatoren wie er und seine leitenden Mitarbeiter, mussten „ganz auf Linie“ sein. Das waren die oft ungeschriebenen „Spielregeln“, ostblockweit – und das war allen bekannt. Überall im kommunistischen System war dies so – also war das auch jedermann bewusst, der in einem der osteuropäischen Staaten lebte und „offenen Auges durch seine Welt schritt“. Die potjomkinschen Fassaden waren da – man brauchte nur dahinter zu gucken!

„Gegen den Strom“? „Repräsentant“ ohne Legitimation und Kulturfunktionär im Auftrag

Da jede Medaille zwei Seiten hat und die komplexe Existenz eines Menschen in schwieriger Zeit viele Facetten aufweist, kann, je nach veränderter Perspektive, auch das hervor gekehrt werden, was andere nicht sahen. Es gab viele Möglichkeiten und Gründe, zum Kollaborateur zu werden und sich in individuelle Schuld zu verstricken, vor allem dann, wenn man erpressbar war. Und Schriftsteller und Dichter, die ihre Werke veröffentlicht sehen wollten, waren – viele Beispiele verweisen darauf – tatsächlich erpressbar.
In den Augen seiner damaligen Gefolgsleute und Anhänger war Berwanger ein sozialistisches Vorbild; eine Person, die sich aus einfachen Anfängen heraus auf der vielversprechenden Welle des Antifaschismus mit Parolen in eine soziale Stellung hochgedient hatte, die ihm Ehre und Macht verlieh; die ihm – im Rahmen einer tolerierten Narrenfreiheit – auch die Möglichkeit bot, „einiges für das Deutschtum in der Region zu tun, speziell für die Beibehaltung der deutschen Sprache und der deutschsprachigen Literatur.“ Einiges an guten und nützlichen Dingen hat Berwanger sicherlich auch bewirkt und umgesetzt, doch um welchen Preis? Manche, die ihm näher standen und auch den Kulturbetrieb der Stadt näher kannten, unter ihnen seine Protegierten und Mitarbeiter bei der NBZ, die heute allesamt in der Bundesrepublik leben, könnten und sollten, schon aus historischen Überlegungen heraus, seine Taten ansprechen und seine eventuellen Meriten aus heutiger Sicht bewerten. Reden wir doch darüber, was er „angerichtet“ hat!
Ein kleines Symposion zu dem Thema „Berwanger“ beim IKGS in München, dessen Essenzen eigentlich veröffentlicht werden sollten, brachte laut Presse nicht viel Neues. Das Thema wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Je nach Interessenlage wurde auch ich in den letzten Jahren kräftig munitioniert – von beiden Seiten, wobei es an gegenseitigen Verfehlungen und Schuldzuweisungen nicht mangelte. Der vielsagende und in manchen Punkten erhellende Briefwechsel Berwangers mit früheren „Genossen“ und Freunden – etwa mit Dieter Schlesak – verstaubt noch unausgewertet in den Literaturarchiven. Anderes unterliegt dem Datenschutz – Nahrung für neue Mythen.
Mir erschien Berwanger seinerzeit im Jahr 1978 aus meiner systemkritischen und deshalb nicht gerade objektiven Sicht nur als ein Typus, den die Rumänen „lichea“ nennen, als ein saturierter Bonze und ein systemtreuer Opportunist, der auch als willfähriger Literaturfunktionär agierte. Als solchen hat ihn selbst Richard Wagner in „Ausreiseantrag“ skizziert. Wagner, damals serviler Untertan seines Herrn, müsste es genau wissen. Er, der Lyriker, diente ihm, dem Chef, dem Chefredakteur und Mundartdichter, als Chauffeur!
Nur Berwanger heute posthum gar als „Schwimmer gegen den Strom“ stilisieren zu wollen, was auch schon erfolgt ist, übersteigt jedoch jeden Realitätssinn, jeden guten Geschmack, ist hochgradig absurd, eine Verhöhnung all jener, die unter solchen Handlangern der Diktatur bis in die Gefängnisse hinein zu leiden hatten. Wenn Berwanger „gegen den Strom“ schwamm – wogegen schwamm ich dann selbst in meinem jahrelangen Ankämpfen gegen Totalitarismus und kommunistische Diktatur? Etwas Aberwitzigeres lässt sich dem Titel dieses Buches „Gegen den Strom“ kaum noch entgegenstellen!? Berwanger, der, mit einem sehr bescheidenen Talent ausgestattet, selbst dichtete, menschlich sogar jovial und bisweilen vielleicht sogar integer sein konnte, war jedoch nicht nur ein serviler Zuträger des Systems und ein Literaturverwalter. Er war darüber hinaus – und das wird oft vergessen – ein „waschechter kommunistischer Politiker deutscher Nationalität“ mit klar definierten Aufgaben. Er war ein klarer Funktionsträger und der beratende Ansprechpartner der Kommunistischen Partei schlechthin, wenn es um Minderheitenangelegenheiten der Deutschen im Banat ging und Fragen, die uns alle betrafen, auch jenseits der Literatur und Kultur. In dieser Eigenschaft, das wussten wenige und vergaßen nach dem Umsturz viele Zeitgenossen, griff er direkt in die Existenz seiner donauschwäbischen und Temeschburger Landsleute ein und bestimmte ihr Schicksal mit.
Für die von ihm wahrgenommenen Aufgaben, die deutsche Minderheit im Banat kulturell und indirekt auch politisch zu vertreten, hatten viele ehemalige Banater überhaupt kein Verständnis, da sie zu keinem Zeitpunkt demokratisch legitimiert war. Mit den Wölfen zu heulen war eine Haltung, die vielen einfachen Menschen zutiefst fremd war, da das Mitjaulen nur den Schrecken verstärkt, den das Rudel verbreitet. Für mich, den politisch wie historisch Festgelegten, waren „Charaktere“, die „ihre Identität“ preisgaben, um ehrgeizig Karriere zu machen und ihre Selbstverwirklichung zu betreiben nicht mehr als seelenlose Vehikel der Macht, Marionetten im Tanz, die um den Despoten Ceauşescu rotierten.
Berwanger, dessen angebliche „antifaschistische Haltung“ ich durch keine entsprechenden Taten belegt und bestätigt sah, war nur einer unter den sanktionierenden Stützen des Systems – und er lebte gut dabei. Die Partei dankte es ihm und den anderen in ähnlicher Position mit Privilegien aller Art.
Immer wenn ich seinerzeit als Jugendlicher über diese Ungerechtigkeiten nachdachte, kam Wut auf und heftige Erregung. Verrat aus den eigenen Reihen? Da rebellierte es in mir. Doch Berwanger war nicht nur Journalist, Berufsantifaschist, Mundartdichter und Politiker; er war ein Tausendsassa und – man mag es gar nicht aussprechen – er repräsentierte sogar die „Kultur“ in der Region. Er, das Proletarierkind aus dem Zuckerfabrikhof in Freidorf, bestimmte über die Kultur eines ganzen Raumes, schlechthin über unsere Köpfe hinweg, selbst den Gang des Geistes in den Köpfen bestimmte er mit. Als Kultur-„Macher“ war er mir vor allem deshalb unerträglich, weil er, ähnlich der Schlange im Paradies, als verkappter Kulturimperialist auftrat, der andere, vor allem junge Künstler, die sich noch nicht festgelegt hatten, verlockend korrumpierte, einen Köder einsetzend, den die Partei genehmigt hatte.
Im Umfeld, wo er mir begegnete, kam ihm die von den Oberen auferlegte Aufgabe zu, den losen Kreis kreativer Menschen, die dichteten und schrieben, an sich zu ziehen, ihn zu binden und ihn so zu instrumentalisieren, dass von seinen Mitgliedern keine geistige Gefahr mehr ausgehe. Mich wunderte es nur, wie gerne die „sonst so kritischen Geister“ dem „Rattenfänger“ folgten.
Zuviel Macht war in seiner Person gebündelt. Er stand dem „Adam Müller Guttenbrunn-Kreis“ vor und bestimmte über diesen die Literaturpolitik der Region. An ihm vorbei konnte kaum ein Schriftsteller debütieren. Er war früher Lektor, Liktor und Zensor zugleich. Er war der Mann mit der großen Schere, von dem Heine spricht, er war der Metternich Lenaus. Er war die Kontrollinstanz, die das „Plazet“ aussprach, der allem seine Weihe und damit die indirekte Sanktion der Partei gab.
Während meiner seltenen Begegnungen mit diesem selbst ernannten Mäzen kam es zu keinen Erkenntnissen mit nachhaltiger Wirkung. Kurz: Berwanger beeindruckte mich nicht, da er nur durch seine Position präsent war, nicht aber als Persönlichkeit von Format. Vielmehr scheute ich ihn, da mir nichts einfiel, was ich mit ihm hätte erörtern können, ohne zu heucheln und ohne mich selbst verbiegen zu müssen.
Weshalb ich ihm und dem Kreis meine damals verfassten Texte vorenthalten habe, fragt man mich heute? Was hätte ich damals im Dialog erörtern können oder sollen? Mein „antistalinistisches Zeitromanprojekt“ vielleicht, „Die Flucht in die Heimat“, in welchem es um stalinistische Geschichtsschreibung und primär um die Verbrechen der Roten ging, um den Genozid an Deutschen? Wie hätte Berwanger das unzeitgemäße und ketzerische Werk aufgenommen? Hätte er geschwiegen? Oder hätte er doch gleich diskret zum Telefon gegriffen und kurz Hauptmann Pele oder Major Köppe von der „Securitate“ informiert, im typisch vorauseilenden Gehorsam und als potenzielle Empfehlung? Solch ein Risiko konnte ich nicht eingehen. Mir fehlte einfach das Vertrauen. Nie konnte ich herausfinden, ob er wirklich integer war.
Als „Mann des Systems“ unterhielt Berwanger exzellente Kontakte zum Geheimdienst „Securitate“, namentlich zu ihrem damaligen Chef Mortoiu. Er soll auch – in einem Anflug von schriftstellerischer Solidarität – einzelne Dichter, deren Verse gerade auf dem Prüfstand der Sicherheit standen, aus der Untersuchungshaft herausgeholt haben. Mag sein. Doch sollte man deshalb auch den verbrecherischen NS-Bonzen Hermann Göring sympathisch finden, nur weil er von den Vielen auf der „Liste zur Vernichtung im KZ“ einige Wenige gerettet hat – und dies vielleicht nur aus dem perversen Antrieb, um seine Macht voll auszukosten?
Aus solchen Überlegungen heraus verhielt ich mich Berwanger gegenüber stets reserviert, mied seinen Umgang, seine Nähe und reduzierte meine Rolle in dem weiten, losen Kreis auf die untätige Präsenz eines Statisten, der alles aus der relativen Ferne einer Ecke beobachtete und auf diese Weise seine Konsequenzen zog. Lieber im Obskuren ausharren, als mitschuldig werden an einem geistigen Verrat, der die Gesellschaft bedrohte.
Berwangers Verhalten erschien besonders dann hochgradig suspekt, wenn er, ungeachtet der Mangelgesellschaft, in der wir lebten, einem generösen Pascha gleich, im Bierkeller großzügige Bestellungen für alle aussprach und ebenso selbstgefällig wie leger die dicke Zeche beglich, aus welchen Mitteln auch immer. Entsprach das nicht einer „direkten Vereinnahmung“ junger Menschen? Einer Vorform zur Ermöglichung einer Buchproduktion? Wer konsequent war, hatte wenig Verständnis für solche Formen materiellen Bezirzens, die irgendwann in eine weitere Kollaboration münden konnten. Wer „A“ sagte, musste später auch „B“ sagen; zunächst zur „Partei“ – und dann, das vergaßen die Dichter, auch zur „Securitate“.
Selbst die erste Stufe der Mitarbeit über Vereinnahmung und Privilegien hatte nach meiner damaligen Auffassung bereits etwas „Verräterisches“ an sich. Zahlreiche Menschen aus meinem Umfeld lehnten diese Art des unterwürfigen und speichelleckerischen Vasallentums ebenfalls ab, weil es weitgehend dafür verantwortlich war, dass die Heuchelei im Land weiterhin triumphieren und regieren konnte. Es waren die Gleichen, die es ablehnten, der „einzigen Partei“ beizutreten und die vielen daraus folgenden Konsequenzen negativer Art ertrugen.
Berwanger, der zeitweise im bescheidenen Maße literarisch aktiv war, publizierte und irgendwann, nachdem ihn seine Minderheit verlassen hatte, noch vor seinen Schützlingen in der Bundesrepublik ankam, empfand sich selbst als Mäzen und Protektor junger Dichter, selbstherrlich und freigiebig wie ein barocker Fürst im Absolutismus. Dank seiner guten Kontakte zur Partei hat er auch die Edition des einen oder andern Lyrikbändchens ermöglicht. Wer waren die Nutznießer? Eine „Handvoll Leute“ aus dem Partei-Umfeld, deren Büchlein in kleiner Auflage allesamt gedruckt wurden, die aber auch die Preise der Jungendorganisation dieser totalitären Partei einheimsten – ohne Scham, „Preise“, die später andere Preise ermöglichen sollten! Als lohnte sich die unethische System-Kollaboration doch?
Über den literaturhistorischen Wert solcher Lyrikeditionen, die kaum ein Publikum fanden, mag man diskutieren. Vielleicht glaubte Berwanger daran, so auf dem richtigen Weg zu sein und im Rahmen seiner Möglichkeiten das herauszuholen, was machbar war. Ihm und seinem Umfeld standen alle Verlagstüren im sozialistischen Rumänien offen; und er durfte sich als einer der wenigen „ein paar Zwischentöne“ erlauben wie früher der Hofnarr am Königshof, „leise Kritik“, die anderen Akteuren sicher eine Verfolgung wegen „antisozialistischer Propaganda“ und somit „einige Jahre Haft“ eingebracht hätten, ganz nach dem Motto: Quod licet Iovi … Immerhin fand ich in einigen seiner kleinen, unerheblichen Geschichtlein aus dem realsozialistischen Alltag mit satirischem Unterton mehr „Kritik“ vor, als in Herta Müllers „Niederungen“, wo nur die „deutsche Gemeinschaft“ des Banats unter Anklage stand. Weshalb ließ Berwanger dieses Spott-Bändchen gegen das eigene Volk zu? Weshalb förderte er es gar direkt oder indirekt? Vielleicht um mit den rumänischen „Genossen“ aus der Kommunistischen Partei einmal genüsslich über die „dummen Deutschen“ im Land zu lachen?

Januskopf – Ein Bild im Wandel

Nikolaus Berwanger, der eigentlich erst sehr spät als „Poet“ debütierte, eigentlich als „Mundartdichter“, erst 1976, zu dem Zeitpunkt, als ich mit seinem erstmals Kreis in Berührung kam, wurde von der späteren „regionalen Literaturkritik“ recht schonend behandelt, verständnisvoll, ja gnädig – selbst von Personen, die unter dem von ihm gestützten System als Literaten zu leiden hatten wie Herbert Bockel, dessen Dissertation am Anfang der siebziger Jahre nach Faschismustendenzen untersucht wurde. Bockel, dem die zahlreichen ambivalenten und fragwürdigen Verhaltensweisen Berwangers sehr wohl bewusst sind, findet in einem 1997 gehaltenen, veröffentlichten Vortrag auch manches Positive und Lobenswerte an dem Mundartdichter, bisweilen auch ein paar tiefgründige Zeilen.
Berwanger, der glaubte, seine Zeit gelebt zu haben – und nicht sein Leben, wurde ein Opfer seiner Zeit, weil er ihren „Ungeist“ mittrug und sich vom billigen „Zeitgeist“ tragen ließ. Als er seine „herausgehobene Stellung des einzigartig Privilegierten“ doch noch aufgab, was für eine gewisse menschliche Größe spricht, für späte Einsicht und Reue – und von einer Besuchsreise in die Bundesrepublik nicht mehr nach Temeschburg zurück reiste – katapultierte er sich selbst in die Bedeutungslosigkeit und in die Isolation. Die Anfeindungen in der Bundesrepublik aus konservativen Kreisen gingen über die Würdigung der spärlichen Meriten hinaus. Die Kompromisshaltung des Paktierers, der aus dieser Haltung heraus vielleicht auch etwas an Gutem bewirken konnte, wurde von vielen ausgereisten Landsleuten genauso wenig verstanden und geachtet wie einst von mir im zarten Alter von achtzehn Jahren. Doch Berwanger wurde nicht nur von seinen früher oft übergangenen Landsleuten geschnitten, gar bestraft und von seinen marxistischen Zöglingen, die sich allesamt von ihm abwandten, sondern auch von der bundesrepublikanischen Gesellschaft, die ihn der Anonymität und der Bedeutungslosigkeit preisgab. Das Resultat war existenzielle Verbitterung, die aus einer späten, in der Bundesrepublik entstanden Lyrik herausgelesen werden kann. Nach seiner Flucht 1984 saß er nicht nur „zwischen den Stühlen“; er geriet sogar zwischen die gnadenlosen Mühlenräder aus Stein, die ihn letztendlich zermalmten. Ob er noch eine späte Würdigung erfahren wird für das Positive, was er in einem ausgefüllten Leben „zwischen den Fronten“ als „ehrlicher Makler“ geleistet hat? In seiner Heimatstadt Temeschburg hat man immerhin eine Straße nach ihm benannt, nicht in „Freidorf“, sondern zentral, im Herzen der Stadt. Wenn das nicht mehr ist, als nur der Wink einer alten Seilschaft? Viele Fragen bleiben offen – Raum für die Forschung!?
Ob eine aktive „Kollaboration“ der deutschen Minderheit mit der RKP überhaupt sein musste, um das Überleben der Kultur zu sichern und im Interesse vieler Menschen, das ist eine Grundsatzfrage, die hier nicht zu Ende diskutiert werden kann. War sie notwendig? Wie weit konnte, durfte man gehen? Wurde sie von den richtigen Personen wahrgenommen? Und hat Berwanger das Maximale herausgeholt, bevor er sich 1984 von den „Kommunisten“ endgültig absetzte? Ob er auch „über seinen Schatten springen“ konnte, ob er es „durfte“, um sich dabei „Freiheiten herauszunehmen“ wie andere Protegés in anderen Diktaturen, Narrenfreiheiten, die gar „Regimekritisches“ ermöglichten?“ Ob Berwanger gar die „schwere Last des Amtes“ nur aus „Altruismus“ angenommen hatte, um, sich selbst aufopfernd, für die „Deutschen im Banat Gutes zu tun“? Vielleicht! Vielleicht auch nicht! Ob er das, was er tat, vor seinem Gewissen rechtfertigen konnte? Später scheint er wirklich einiges bereut zu haben? Ob er nur da war, eingesprungen war, um einen „Schlimmeren an gleicher Stelle zu verhindern“?
Das alles sind Denküberlegungen beruhend auf Fakten, die jedem von uns, ob Schriftsteller, Dissident oder normaler Staatsbürger, mehr oder weniger bewusst waren. Vieles aber, was beim Wägen der Meriten und Verfehlungen wichtig wäre, ist noch nebulös und unbeantwortet. All das wird auch noch eine Weile im Bereich der Spekulation verbleiben, nicht zuletzt deshalb, weil enge Wegbegleiter, die Licht ins Dunkel bringen könnten, nur das zu seiner Person aussagen, was ihnen aktuell in den Kram passt, Leute wie Richard Wagner, die nicht „historisch aufklären“, sondern rücksichtslos bis impertinent die „Version“ und „Interpretation“ der Ereignisse in die Welt setzen, die den „eigenen Interessen“ dient. Das habe ich in meiner Auseinandersetzung mit ihm auch in der Sache Herta Müllers innerhalb von zwei Jahren immer wieder erfahren müssen.
„Regimekritisches“ jedenfalls hat – nach meinem Erkenntnisstand – weder Berwanger ermöglicht, noch einer aus dem kommunistischen Umfeld, am wenigsten der von ihm geförderte KP-Genosse Richard Wagner, der „kein Dissident“ sein wollte und deshalb mit der „Metapher“ opponiert haben will, nach eigener Aussage unter einer Tarnkappe versteckt. Grotesk! „Regimekritisches“!? Ein schönes Thema für eine Abhandlung, für eine Apotheose oder eine Apologie. Schon seit längerer Zeit warte ich auf einen Bericht über die regimekritischen Aktivitäten der Linksintellektuellen aus Berwangers Umfeld vor 1985. Bisher ist er ausgeblieben – vielleicht kommt er noch!
Ironie des Schicksals: Gerade diejenigen unter den linken Literaten, die Berwanger als Mäzen, Mentor und Protektor wohl am meisten verdanken, ignorieren ihn heute fast vollkommen und tun so, als ob sie ihn und seinen Kreis nie gekannt hätten. Undank ist der Welt Lohn – Unser oberster Repräsentant im Ceauşescu -Staat könnte ein Lied davon singen, auch eines von „kommunistischer Solidarität“, wenn er denn nicht bereits verstorben wäre. Bereit „auszupacken“ war er in jedem Fall, zumal er die Selbstinszenierungen, Stilisierungen und Retuschierungen gerade in der Vita von Herta Müller nach ihrer Ankunft 1987 in der BRD nicht mittragen wollte. In einem weitgehend nur Insidern bekannten Interview an entlegener Stelle in der Zeitschrift für Politik „Düsseldorfer Debatte“, namentlich in dem Gespräch mit Volker Kaukoreit, plaudert der einst mächtige Mann des Banats aus dem Nähkästchen und sagt dort mehr, als Herta Müller angenehm sein kann. Auszüge aus dem brisanten Dialog wurden von mir in der internationalen Presse mehrfach zitiert und kommentiert – trotzdem: Die Karawane zieht weiter … ohne dass bestimmte historische Details weite Kreise interessieren würden.
Nikolaus Berwanger, von mir und anderen Oppositionellen seinerzeit als reiner Funktionsträger der KP wahrgenommen, interessiert heute primär als „Zeitzeuge“. Da er eine Schlüsselposition innehatte, kann sein Schrifttum viel über das „Innenleben des Systems“ aussagen; darüber hinaus auch noch einiges zum literarischen Werdegang früherer Systemzöglinge, deren Lebenslauf gerade in Sachen Opportunismus und Kollaboration manche dunklen Stellen aufweist.
Weshalb er sich absetzte und wie es ihm gelang zu fliehen, ohne dass die „Securitate“ dem langjährigen Vertrauensmann der KP in hoher Stellung ein Mordkommando hinterherschickte, das ist eine andere Geschichte. Vielleicht gelang es ihm, sich zu arrangieren? Vielleicht baute man ihm eine „goldene Brücke“ und ließ ihn ziehen, wohl wissend, dass er zwischen den Fronten und in der Bedeutungslosigkeit landet? Wie auch immer! Fakt ist allerdings, dass Berwanger floh, als der Exodus der Deutschen im Banat über doppelte Freikaufzahlungen auf seinen Höhepunkt zustrebte. Ein interessanter Zeitpunkt, denn Herta Müller und ihr KP-Gatte Richard Wagner sagten damals noch „Nein“ zu einer Ausreise in die BRD. Sie wollten in Ceauşescus Staat bleiben!
Weshalb? Weil es ihnen dort schlecht ging? Weil sie verfolgt wurden? Weil sie gar gemartert wurden? Ganz im Gegenteil! Ceauşescu ließ sie reisen! Herta Müller kam seit 1984 bis zu ihrer Ausreise mehrfach in die Bundesrepublik, während ihr KP-Gatte 1985 zum Schriftstellerkongress nach Münster in Westfalen durfte – vier Jahre vor der Wende. Berwanger lief davon – seine Zöglinge Müller und Wagner blieben! Weshalb?

Carl Gibson wurde abgelichtet von Monika Nickel.

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Stuttgart im Herbst – Bilder aus der schwäbischen Hauptstadt rund um Kultur, Geschichte, Literatur

Stillleben im Herbst

Stillleben im Herbst

Ein Rundgang durch die Stadtmitte – ohne Worte.
Die Bilder sprechen für sich.

Der Schelling und der Hegel,
der Schiller und der Hauff,
das ist bei uns die Regel,
das fällt hier gar nicht auf.

Symbole

Symbole

Stiftskirche

Stiftskirche

Blick über Platenen in der Königsstraße auf den guten Stern über Stuttgart

Blick über Platenen in der Königsstraße auf den guten Stern über Stuttgart

Gedenken an den Widerstand von Dr. Eugen Bolz gegen die NS-Diktatur- Bronzeplastik von Alfred Hrdlicka

Gedenken an den Widerstand von Dr. Eugen Bolz gegen die NS-Diktatur- Bronzeplastik von Alfred Hrdlicka

Götterbote

Götterbote

Otto Dix im Kubus

Otto Dix im Kubus

Königsbau am Schlossplatz

Königsbau am Schlossplatz

Hirsch - Symbol und Wappentier

Hirsch – Symbol und Wappentier

Erinnerung an den Hitler-Attentäter und Widerstandskämpfer Graf von Stauffenberg

Erinnerung an den Hitler-Attentäter und Widerstandskämpfer Graf von Stauffenberg

Geburtsort des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker - Neues Schloss

Geburtsort des späteren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker – Neues Schloss

Stillleben im Herbst

Stillleben im Herbst

Durchblick -veränderte Perspektive

Durchblick -veränderte Perspektive

Fernsehturm im Novembernebel

Fernsehturm im Novembernebel

Vor der Oper

Vor der Oper

Kunst und Bahnhof

Kunst und Bahnhof

Friedrich Schiller-Statue vor der Oper - visionär - der poeta laureatus von Vandalen beschädigt

Friedrich Schiller-Statue vor der Oper – visionär – der poeta laureatus von Vandalen beschädigt

Friedrich Schiller ohne Hand - von Vandalen beschädigt

Friedrich Schiller ohne Hand – von Vandalen beschädigt

Oper

Oper

Herbst in Stuttgart

Herbst in Stuttgart

Berliner Mauer, Rest,  in Stuttgart

Berliner Mauer, Rest, in Stuttgart

Autoren-Büchertisch, VS-Mitgliederversammlung im Ratskeller

Autoren-Büchertisch, VS-Mitgliederversammlung im Ratskeller

Über den Dingen - Philosoph GWF Hegel am Stuttgarter Rathaus

Über den Dingen – Philosoph GWF Hegel am Stuttgarter Rathaus

Stuttgarter Rathaus

Stuttgarter Rathaus

Stuttgardia am Ratskeller

Stuttgardia am Ratskeller

Brunnen vor der Stiftskirche

Brunnen vor der Stiftskirche

Inschrift

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B

Stiftskirche,Seiten-Portal

Stiftskirche,Seiten-Portal

 Altes Schloss mit Flohmarkt

Altes Schloss mit Flohmarkt

Inschrift Widerstandsdenkmal von Ernst Bloch

Inschrift Widerstandsdenkmal von Ernst Bloch

Friedrich Schiller Denkmal

Friedrich Schiller Denkmal

Friedrich Schiller Denkmal, Detail

Friedrich Schiller Denkmal, Detail

Friedrich Schiller Denkmal, Detail

Friedrich Schiller Denkmal, Detail

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Landtag BW

Landtag BW

Ein Freund der Wahrheit -GWF Hegel-Büste, am Stuttgarter Rathaus

Ein Freund der Wahrheit -GWF Hegel-Büste, am Stuttgarter Rathaus

Wappen Königreich Württemberg - Initialen Fridericus Rex

Wappen Königreich Württemberg – Initialen Fridericus Rex

B

Widerstand Mahnmal gegen Gewalt und Terror

Widerstand Mahnmal gegen Gewalt und Terror

Ein Gesicht der "historischen Wahrheit" - Teilstück der "Berliner Mauer" ausgestellt in Stuttart

Ein Gesicht der “historischen Wahrheit” – Teilstück der “Berliner Mauer” ausgestellt in Stuttart

OperNeues Schloss Rückseite Wappen

[/caption]Plan der ehemaligen Carlsschule

Herbst im Park

Herbst im Park

Halleluja!

Halleluja!

Röhrenbrunnen am Markt

Röhrenbrunnen am Markt

Panta rhei - alles fließt, Röhrenbrunnen am Markt, Detail

Panta rhei – alles fließt, Röhrenbrunnen am Markt, Detail

Königreich Württemberg -Hoheitssymbole

Königreich Württemberg -Hoheitssymbole

Rest der 1944 zerstörten Carlsschule

Rest der 1944 zerstörten Carlsschule

Löwenstark - das Ländle!

Löwenstark – das Ländle!

Muße und Muse

Muße und Muse

Der Landtag von Baden-Württemberg

Der Landtag von Baden-Württemberg

Am Schlossplatz

Am Schlossplatz

Zum Schutz der Politiker und Ministerialbeamten?<br /><p class=Grimmiger Leu am Tor zum Neuen Schloss” width=”300″ height=”261″ class=”size-medium wp-image-4096″ /> Zum Schutz der Politiker und Ministerialbeamten?
Grimmiger Leu am Tor zum Neuen Schloss

Quo vadis?

Quo vadis?

Säulengang, Kollonaden, Königsbau

Säulengang, Kollonaden, Königsbau

Königlicher Zierbrunnen ohne Wasser

Königlicher Zierbrunnen ohne Wasser

Fotos und Copyright: Carl Gibson

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„DIE“ saubere „ZEIT“ und der „schmutzige Journalismus“ in Deutschland!? – Offener Brief an die Herausgeber des Magazins „DIE ZEIT“ – zur kritischen Herta Müller-Debatte

Offener Brief an die Herausgeber des Magazins „DIE ZEIT“

„DIE“ saubere „ZEIT“ und der „schmutzige Journalismus“ in Deutschland!?

DIE ZEIT aus Hamburg - Welch ein Vorbild!?

DIE ZEIT aus Hamburg – Welch ein Vorbild!?

http://www.fnweb.de/region/main-tauber/bad-mergentheim/carl-gibson-gegen-herta-muller-1.1251813

Werte Herausgeber,

Gibt es einen Unterschied zwischen der Berichterstattung der ZEIT und jener der BILD-Zeitung?

Das fragte ich mich oft – und kam zur Schlussfolgerung:

Ja, es gibt einen kleinen, feinen Unterschied zwischen beiden Blättern:

Die BILD-Zeitung ist ehrlicher!

Dafür ist DIE ZEIT umso heuchlerischer !

Nun, wie kam ich zu dieser Überzeugung?

Ich habe in einem konkreten Fall überprüft, wie es DIE ZEIT mit der Wahrheit hält und musste dabei feststellen, dass die ZEIT der Lüge ein breites Forum einräumt, während sie gleichzeitig die Wahrheit abwürgt, unterdrückt,

um die Lüge zu decken

und um vom eigenen Versagen abzulenken, dieses zu kaschieren, statt sich der offenen Debatte zu stellen.

DIE ZEIT betreibt unprofessionellen, unethischen, ja schmutzigen Journalismus – und wer dagegen hält, das Recht auf freie Meinungsäußerung einfordert, der wird mit Anwaltspost konfrontiert.

Ergo sollte DIE ZEIT sich selbst an die Nase fassen, statt breit über guten Journalismus die Werbetrommel zu rühren.

„Jedermann kehre vor seiner eigenen Tür“, las ich an einer Hausfront.

Das sollten die ZEIT-Herausgeber und Redakteure beherzigen, wenn sie mit ungleichem Maß messen, der frechen, unverhohlenen Lüge Raum geben und dabei im gleichen Atemzug die Wahrheitssuchenden ausbremsen.

Es ist ein Skandal, was sich DIE ZEIT geleistet hat,

ein noch nicht bekannt gewordener Fauxpas der Sonderklasse, der unethische Konsequenzen hatte und der noch zum Bumerang werden kann,

gerade weil die Glaubwürdigkeit der ZEIT eminent tangiert ist.

Fakt ist:

Ein ZEIT-Redakteur oder mehrere ZEIT-Redakteure haben an dem Lügen-Artikel, in welchem Herta Müller sich selbst erfindet, ihre Verfolgung im Kommunismus erdichtet und dabei sogar noch bei ihrem wohl schärfsten Kritiker Carl Gibson plagiatsverdächtig abkupfert „Die Securitate ist noch im Dienst“ kräftig mit gestrickt.

Trotzdem erschien dieser ominöse Team-Work-Artikel – mit der volksverhetzenden Zwischenüberschrift

„Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben“

unter dem Namen der für den Literaturnobelpreis nominierten Herta Müller.

Wer ist für die zahlreichen Unwahrheiten in dem Artikel verantwortlich?

Herta Müller oder DIE ZEIT?

Wer hat die Urheberschaft an dem Ausspruch:

„Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben“,

Herta Müller oder DIE ZEIT?

Das fragte ich damals vielfach öffentlich – und das frage ich auch heute noch, weil eine Antwort auf diese wichtige Frage noch aussteht.

Herta Müller hat bekanntlich den Nobelpreis für Literatur bekommen!

Nach meiner Auffassung wurde dieser Nobelpreis forciert und mit massiver Protektion durchgesetzt.

Herta Müller hätte diese symbolträchtige Auszeichnung und Ehrung nie erhalten, wenn DIE ZEIT die öffentliche Auseinandersetzung mit dem Lügenartikel „Die Securitate ist noch im Dienst“ nicht willkürlich abgewürgt hätte.

Diesem moralischen Vorwurf muss sich die ZEIT stellen, wenn sie ihre künftige Glaubwürdigkeit nicht aufs Spiel setzen will.

DIE ZEIT hat vieles von meinen berechtigten Richtigstellungen zur Thematik gestrichen – aus welchen Gründen aus immer .

Trotzdem bemühe ich mich seit dem Zeitpunkt des Erscheinens des Lügenberichts um eine umfassende Wahrheitsfindung – bis zum heutigen Tag als Einzelkämpfer, als David gegen Goliath, als einsamer Rufer in der Wüste … und auf fast verlorenem Posten.

Seinerzeit appellierte ich mehrfach an DIE ZEIT-Redaktion.

Email an DIE ZEIT Online-Redaktion vom 31. Juli 2009

als Reaktion auf die Sperrung des Kommentators Carl Gibson auf der Seite DER ZEIT Online,

nachdem dieser eine Reihe von Richtigstellungen zum Lügen-Artikel von Herta Müller „Die Securitate ist noch im Dienst“ vorgenommen und veröffentlicht hatte.

„Sehr geehrter Herr Kuhn,

ich bin bereit, Ihnen alles zu beweisen und für jede meiner Aussagen Belege zu unterbreiten.

In welcher Form darf ich das tun?

Ich komme gern in die Redaktion und führe ein differenziertes Gespräch mit Ihnen oder Ihren Kollegen.

Mir geht es um die Sache. Ich bin ein Opfer der Diktatur, habe Ceausescu persönlich über die UNO verklagt – und mein Leben riskiert.

Damals war RW in der RKP.

Als Historiker habe ich meine Zeit dokumentiert und bin dabei auf viele offene Fragen gestoßen.

Seinerzeit, als wir 1979 in nach der Gründung der freien Gewerkschaft SLOMR in die Gefängnisse geworfen wurden, berichtete DIE ZEIT darüber.

Ich bin Ihrem Magazin verbunden und werde es auch bleiben, auch wenn jetzt in der Auseinandersetzung mit den rum(änischen) Kommunisten die Wogen etwas hoch gehen.

Ich bin für eine absolute Versachlichung der Diskussion.

Bitte publizieren Sie meinen offenen Brief an Herta Müller als eine Art Gegendarstellung der dort erlebten Realitäten – oder Teile daraus.

Es ist im Interesse der Öffentlichkeit, wenn die Geschichte adäquat aufgearbeitet wird.

Einige meiner Mistreiter liegen tot am Wegrand – ein wichtiger Zeitzeuge, der bei der UNO Klage gegen Ceausescu neben mir auftrat, wurde in den USA umgebracht.

Die Details finden Sie in meinem Buch “Symphonie der Freiheit” –

über books.google können Sie Einblick nehmen.

Es tut mir leid, dass die Sache eskaliert ist. Aber wir können alles wieder beheben, wenn wir den objektiven Diskurs erreichen.

Auf öffentliches “Streiten” kommt es mir nicht an.

Bitte besprechen Sie die Materie auch im Rahmen einer Redaktionskonferenz.

Danke!

Meine Mitwirkung ist Ihnen sicher.

H. Müller ist für Fiktion zuständig – politische Wirklichkeit wurde von Dissidenten abgedeckt, die bereit waren, den konkreten poltischen Kampf zu führen – für Menschenrechte und gegen die Diktatur.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass DIE ZEIT für diese Thematik kein offenes Ohr hat – die Opfer aus der Zelle ignoriert.

Bitte schalten Sie mein Account wieder frei – ich werde mich an alle Spielregeln halten.

Mit freundlichen Grüßen

Carl Gibson“

Ich solle mich auf meiner eigenen Homepage austoben, schrieb mir die ZEIT-Redaktion, in der Hoffnung, der Wirbel werde sich bald legen und Gras werde nicht nur über die Lügen von Herta Müller sondern auch über das eklatante journalistische Versagen der ZEIT-Redaktion wachsen.

Während ich die Debatte an anderen Stellen online weiter führte, u. a. in Beiträgen auf meinen Blogs, ging DIE ZEIT in der Materie Securitate auf Tauchstation.

Der Schwarze Peter blieb bei mir haften – ich hatte den Schaden als Mensch und Autor und dies nur, weil ich Unwahrheiten öffentlich richtig gestellt hatte.

Am 1. August 2012 hakte ich noch einmal nach und schrieb an DIE ZEIT:

Carl Gibson

Ketterberg 8

97980 Bad Mergentheim

tel. 07931 99 27 176

www.gibsonpr.de

Betr. Rehabilitation nach Stigmatisierung und Sperrung von Carl Gibson seit 2009 auf ZEIT Online

Sehr geehrter Herr Geschäftsführer Roepke,

sehr geehrter Herr Chefredakteur Blau,

im Juli 2099 veröffentlichte DIE ZEIT ONLINE einen Bericht – angeblich – aus der Feder der späteren Nobelpreiträgerin Herta Müller unter dem Titel”

Herta Müller über die Geheimpolizei

Die Securitate ist noch im Dienst

http://www.zeit.de/2009/31/Securitate

in welchem zahlreiche Unwahrheiten transportiert werden, unter anderem auch das m. E. volksverhetzende Zitat:

“Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben”.

Ich habe seinerzeit auf den Gang zur Staatsanwaltschaft verzichtet und versucht, aus der Sicht eines ehemaligen Bürgerrechtlers, Banater Schwaben und eines tatsächlichen Opfers der Securitate mit Hafterfahrung die Materie korrekt zu kommentieren.

Mein “Offener Brief an Herta Müller” mit zahlreichen Details und Richtigstellungen wurde einfach entfernt.

Weitere Kommentare wurden zerstückelt, während die Vorwürfe gegen meine Person aus der Feder des zweiten Gatten von Herta Müller Richard Wagner heute noch im Internet auf Ihrer Seite aufrecht erhalten werden. (Siehe Anhang!)

Das Material finden Sie im Anhang in der Word-Datei.

Seinerzeit führte ich ein ausführliches Telefonat mit Ijoma Mangold. in welchem ich viele Insider-Informationen gab bzw. erläuterte, Fakten, die die Zeit-Redaktion nicht wissen konnte und erklärte mich darüber hinaus bereit, auch persönlich detailgerecht vertiefend zu informieren.

Trotzdem wurde ich daraufhin gesperrt und hatte keine Möglichkeit der Kontaktaufnahme über Email, da diese zurück kamen.

Da ich selbst seit 30 Jahren als Journalist arbeite, kann ich die Praxis der ZEIT nicht verstehen, der Position von Herta Müller unkritisch Priorität einzuräumen, während die Kritiker-Position eines antikommunistischen Dissidenten einfach abgewürgt wird.

Bis zum heutigen Datum steht nicht fest, was in dem o. g. Bericht von Herta Müller stammt und was von der ZEIT-Redaktion.

Das ist ein journalistisches Unding, das man vielleicht bei der BILD erwartet, wo die Beiträge anonym sind, aber nicht bei DIE ZEIT.

Wäre die Diskussion seinerzeit weiter geführt worden – eine “Herta Müller ” hatte sich bereits online angemeldet, wohl bereit einzugreifen – wäre es mit Sicherheit zu keiner Nobelpreisverleihung an Herta Müller gekommen.

Ergo griff die ZEIT in das Zeitgeschehen ein und beeinflusste so eine Entwicklung, zu der es nie hätte kommen dürfen.

In meinem “Offenen Brief an Herta Müller” hatte ich die “moralische Integrität” der Kandidatin in Frage gestellt – die Argumente, die die Welt hätte erfahren müssen, wurden so zurückgehalten, verhindert.

Dafür trägt die ZEIT die Verantwortung – auch moralisch.

Sie werden verstehen, dass ich diese Bevorzugung so nicht hinnehmen kann.

Wenn wir keinen Konsens finden, werde ich auf die Herausgeber der ZEIT zugehen und alles noch einmal öffentlich machen, bevor ich juristische Wege suche.

Hinzu kommt die Passage mit m. E. strafrechtlicher Relevanz, für die die Redaktion der ZEIT die Verantwortung übernommen hat.

Ich weise daraufhin, dass ich seit Juli 2009 mit dieser Stigmatisierung leben muss, mit einem “Makel”, der vom Herta Müller-Lager zur Diskreditierung meiner Person genutzt wurde – siehe u. a. den Richard Wagner Kommentar im Anhang.

Seitens der ZEIT erwarte ich – beginnend mit der Entsperrung – eine volle Rehabilitation und die Möglichkeit, meine Sicht der Dinge darzustellen.

Es kann nicht sein, dass ein Opfer des kommunistischen Systems in Deutschland zum Schweigen verdammt ist, während einst systemloyale und systemprivilegierte wie Herta Müller und ihr Gatte Richard Wagner das freie Wort verhindern.

Es darf nicht sein, dass DIE ZEIT zum Forum wird, Lügen in die Welt zu setzen.

Diese Angelegenheit ist für mich prinzipieller Natur. Deshalb werde ich – nach längeren gesundheitsbedingtem Schweigen – nun die Öffentlichkeit suchen.

In Erwartung Ihrer schriftlichen Stellungnahme

verbleibe ich mit kollegialen Grüßen

Carl Gibson,

Philosoph und Schriftsteller,

Mitglied im VS

http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gibson

Mehrere Wochen Funkstille. DIE ZEIT verweigerte sich.

Dann schrieb ich noch einmal:

Sehr geehrte Damen und Herren,

darf ich noch auf eine Antwort hoffen?

Vier Wochen sind ins Land gegangen – Urlaubszeit, das verstehe ich.

Ich bitte um eine kurze Nachricht – so oder so!

Falls keine Antwort erfolgt, behalte ich mir vor, mein Schreiben als “0ffenen Brief an die Herausgeber der Zeit” auf meinem Blog zu veröffentlichen.

Sie erreichen mich telefonisch (…) – ich bin gesprächsbereit und will die Sache aus der Welt schaffen, ohne Gerichte und Eskalation.

DIE ZEIT hat einen guten Ruf zu verlieren!

Mit freundlichen Grüßen

Carl Gibson

Vielen Dank!

(…)

Bitte übermitteln Sie trotzdem mein Email auch Chefredakteur Giovanni dir Lorenzo, da, wie betont, der Artikel zunächst in der Druckversion DIE ZEIT erscheinen ist.

Die Sache ist sehr wichtig.

(Kleine Tippfehler wurden nachträglich korrigiert)

Jetzt erst meldete sich eine vom Verlag beaufragte Anwaltskanzlei mit dem Tenor, ich hätte inzwischen genug geredet und solle nun endlich schweigen.

Meine Antwort an die Juristen der ZEIT  steht hier:

„Kanzlei

Dr. Heinrich Senft

Joachim Kersten

Jörg Nabert

Mathies von Eendenburg

Malte Wagener

Friederike Stinshof

Postfach 13 0851

Schlüterstraße 6

D-20146 HAMBURG

Email: (…)

Eine Frage der Ehre

20. September 2012

Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert,

Ihr Schreiben überrascht mich in der Tat, da ich das (bisher recht einseitige) „Gespräch“ a posteriori mit DIE ZEIT-Geschäftsführer Giovanni di Lorenzo bzw. mit den Chefredakteuren der ZEIT und DIE ZEIT Online Roepke und Blau suchte und zu führen gedachte.

In meinem Email vom 1. August appellierte ich an die verantwortlichen Journalisten, nachdem ich der Sekretärin von GF di Lorenzo die Brisanz der Thematik mündlich in ausführlicher Weise geschildert hatte.

Fünf Wochen geschah nichts – keine Reaktion seitens DIE ZEIT.

Erst mit meinem Nachhaken vom 4. September, verbunden mit dem Hinweis, ich werde die im o. g. Email kurz skizziert präsentierte Angelegenheit zu einem

„Offenen Brief an die Herausgeber des ZEIT-Magazins“

ausformulieren und veröffentlichen, kam das Schreiben Ihrer Kanzlei mit dem Hinweis, ich hätte – auch in anderen Foren -genug geredet und möge nun die Diskussion einstellen.

Wie darf ich das verstehen?

Als Androhung einer Klage?

Als Unterlassungsaufforderung?

Nach meiner Auffassung hat die Diskussion über Herta Müllers ZEIT-Artikel noch nicht einmal richtig begonnen, da DIE ZEIT eine differenzierte Erörterung der Securitate-Materie ohne Aussprach e abgewürgt hat. Da ist nicht der „ethische Journalismus“, den ich und andere von DIE ZEIT erwarten.

Ja, ich mache dem ZEIT-Magazin den Vorwurf, eine für die breite deutsche Öffentlichkeit wichtige Diskussion willkürlich abgewürgt zu haben,

aus welchen Gründen auch immer,

eine wichtige Debatte, die die Entscheidungsfindung des Nobelpreiskomitees in Stockholm möglicherweise beeinflusst haben könnte.

Nach wie vor vertrete ich die Überzeugung, dass bei erfolgter differenzierter Erörterung der Fakten aus dem skurrilen Bericht

„Die Securitate ist noch im Dienst“

Herta Müller den Nobelpreis für Literatur im Jahr 2009 nicht erhalten hätte.

Das ist auch für das Ausland interessant, da viele Nationen bei der Nobelpreisvergabe übergangen wurden und Herta Müller aufgrund ihrer höchst fragwürdigen moralischen Vergangenheit die hohe Ehrung nicht verdient.

Der Nobelpreis ist laut Alfred Nobels testamentarischer Festlegung ethischer Natur. Also ist er nicht für Mitläufer und aktive Propagandisten totalitärer Systeme gedacht.

Herta Müller aber war lange Zeit eine Nutznießerin und Privilegierte der Ceausescu-Diktatur.

(Ein kritischer Hinweis darauf aus meinem Werk

„Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, 2008, der länger als ein Jahr im Internet auf Wikipedia zu lesen war, wurde unmittelbar nach der Nobelpreisvergabe 2009 aus Herta Müllers deutschem Wikipedia- Porträt herausgestrichen, wegretuschiert, einfach, entfernt!)

Wenn ich als ein Opfer der kommunistischen Diktatur darauf hinweise, dass Herta Müller in ihrem Artikel in DIE ZEIT offensichtliche Lügen verbreitet hat, dann kann ein Medium in einem demokratischen Rechtstaat mich nicht daran hindern, dies anzusprechen.

Mich auszusperren, um vom eigen Versagen abzulenken, erinnert an vordemokratische Zustände und ist der ZEIT nicht würdig.

Ja, ich werfe der ZEIT moralisches Versagen vor.

Moral ist nicht justiziabel.

Aber Volksverhetzung ist justiziabel.

Justiziabel ist auch die Diskreditierung meiner Person auf der Seite der ZEIT ONLINE durch den langjährigen Kommunisten und geistigen Brandstifter Richard Wagner, der meine Aussperrung auf DIE ZEIT ONLINE nachträglich einsetzte, um mich öffentlich zu diffamieren, namentlich auf der Seite

„Die Achse des Guten“ unter:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/die_gibsons_oder_die_banater_schwaben_ihre_selbsternannten_sprecher_und_uns/

Er verleumdete mich in seinem Kommentar auf DIE ZEIT ONLINE – und diese Verleumdung steht auch noch heute, am 18. September 2012 im Internet, während meine Antwort an diesen roten Genossen, der in Ceausescus Diktatur nach eigener Aussage „kein Dissident sein wollte“ von den Redakteuren der ZEIT gestrichen wurde.

Der aufrechte antikommunistische Bürgerrechtler Carl Gibson soll also auf der Seite der ZEIT Online schweigen,

während der langjährige aktive Befürworter des Kommunismus in Rumänien Richard Wagner, zweiter Ehemann von Herta Müller, mich als Opfer der Kommunistendiktatur verunglimpfen kann.

Ist das der Geist der ZEIT?

Es ist eine Frage der Ehre, dass ich dies nicht hinnehmen werde.

DIE ZEIT, die Lügen transportiert und Wahrheiten verhindert, hat für mich viel an Glaubwürdigkeit und moralischer Integrität verloren.

Ich kämpfe um meine Rehabilitation, ganz egal ob es politische oder geschäftliche Kreise stört oder Einflussnahmen durcheinanderbringt.

Ich werde es nicht hinnehmen, dass DIE ZEIT einer Person, namentlich Herta Müller ein Forum bietet, ihre persönliche Vendetta gegen Banater Schwaben zu führen, wobei Menschen und Werte meiner Heimat und Herkunft auf fragwürdige Weise in Misskredit gebracht werden.

Wie bereits betont, gedachte ich als ehemaliger Bürgerrechtler, Buchautor und Philosoph einen politisch-geistigen sowie ethischen Dialog zu führen, keine formaljuristische Debatte.

Ihr differenziertes Eingelesensein in die komplexe Herta Müller- bzw. Securitate-Materie voraussetzend, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert,

bin ich auch bereit, die Diskussion mit Ihnen zu führen, auch auf literaturhistorischer und ästhetischer Ebene.

Die ZEIT-Redaktion um Ijoma Mangold war seinerzeit sicher überfordert, die Securitate-Materie in dem Herta Müller-Bericht zu vermitteln – wie aus der äußerst unprofessionellen , ja dilettantischen Handhabung der Materie zu erkennen ist, die in der impertinenten und weite Teile der deutschen Bevölkerung beleidigenden Sentenz gipfelt:

„Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben?

Die Banater Schwaben sind Deutsche im Sinne des deutschen Grundgesetzes (GG) und kein Abschaum, mit dem man literarisch nach Gusto verfahren kann.

Für F.C. Delius vom SPIEGEL aus Hamburg war

das „Banat“,

inspiriert von der Lektüre des – von den Kommunisten prämierten – Herta Müller-Debütwerkes  „Niederungen“ nicht weniger als

„die Hölle auf Erden“.

Für mich, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert, ist das Banat

„Heimat“,

also  ein Wert an sich.

Herta Müller hat diesen Wert an sich auch für andere Banater Schwaben trivialisiert und ad absurdum geführt – und damit die Gegenreaktionen aufrechter Deutscher auch aus den Reihen der Landsmannschaft auf sich gezogen.

Das war bereits 1982.

(Seinerzeit erfolgte in meinem Namen als Sprecher der ersten freien Gewerkschaft SLOMR in Osteuropa von Genf aus die UNO-Beschwerde gegen das Ceausescu-Regime, für mich unter Lebensgefahr, während Herta Müller und Richard Wagner, die sich später selbst als Oppositionelle inszenierten, mit der KP Ceausescus paktierten und ihr als ideologische Aktivisten und geistige Brandstifter angehörten, indem sie gegen ihre eigene deutsche Minderheit anschrieben und aus ihrem Kreis heraus die Verbrechen der Kommunisten seit Stalin, unter anderem die Deportationen der Volksdeutschen in die Sowjetunion und in den Baragan moralisch rechtfertigten.)

Meine Kritik an Herta Müller setzte erst im Jahr 2008 in meinem Werk „Symphonie der Freiheit“ ein, nach jahrelangem Quellenstudium und aufwendigen Forschungsarbeiten.

Wo bleibt die Empathie der ZEIT-Redakteure?

Wie wäre es, wenn jemand den Begriff „Banater Schwaben“ durch eine andere völkische Bezeichnung im gleichen Kontext ersetzen würde?

Etwa durch Hamburger Bürgerschaft oder Einwohner von Berlin oder Palästinenser, Kurden, Iren etc. etc.

Würden Sie sich als Hamburger Bürger noch länger wohlfühlen, wenn ein Belletrist Sie, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert, á la Herta Müller verhöhnte, Ihre Werte permanent in den Dreck zieht und sie zu einer Art Untermensch abstempelt –

und dies noch aus dem Munde einer Person, deren fragwürdige „Literatur“ in einem totalitären System  von Kommunisten gefördert und prämiert wurde, die mit einem kommunistischen Scharfmacher und KP-Mitglied verheiratet war?

Fakt ist:

In DIE ZEIT wurde gehetzt (auch gegen mich!) – und die Saat dieser Hetze ist noch nicht aus der Welt.

Solange dieser Zustand anhält, werde ich öffentlich moralisch dagegen vorgehen.

Kein Gesetz der Bundesrepublik Deutschland wird mich abhalten, eine ethische Debatte zu führen.

Als Banater Schwabe bin ich unmittelbar betroffen, auch wenn ich nicht zur Landmannschaft der Banater Schwaben gehöre.

Sie werden verstehen, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert,

dass ich Ihre Relativierung der Zwischenüberschrift nicht teilen kann.

Jeder, der lesen kann, liest, was dort steht.

Wenn ein Journalist nicht das meint, was er schreibt, dann hat er seinen Beruf verfehlt und seine Aussagen führen zur babylonischen Sprachverwirrung oder noch schlimmer:

zu Missverständnissen und Beleidigungen Unschuldiger im undifferenzierten über den Kamm scheren-

Herta Müllers „literarische“ Laufbahn begann mit dem Verhöhnen der Wertewelt der Banater Schwaben.

Zu Ihrer Information, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert:

Frühe Kritik an diesen Provokationen kam von den Landsleuten vor Ort, aus Temeschburg bzw. aus dem schriftstellerisch-journalistischen Umfeld dort und erst später in den Publikationen der Landsmannschaft.

Persönlich hätte ich es begrüßt, wenn die Landsmannschaft der Banater Schwaben sich seinerzeit unmittelbar nach der Verunglimpfung der Banater Schwaben öffentlich verteidigt, den Staatsanwalt informiert hätte und vor Gericht gezogen wäre. (Es sollte aber bekannt sein, dass dieser Verein nur ca. 10 Prozent der ausgereisten Banater Schwaben in Deutschland vertritt.) Freie Bürger können und dürfen laut GG für sich selbst sprechen. Davon mache ich guten Gebrauch.

Sehr geehrter Herr Nabert,

in Ihrem Schreiben vom 11. September 2012 an Carl Gibson stellen Sie fest:

„Seit nunmehr drei Jahren führen Sie eine umfangreiche Diskussion über einen Satz, für den sich Ijoma Mangold im Namen der Redaktion

bereits im Juli 2009 entschuldigt hat. Unsere Mandantin möchte diese Diskussion nicht länger fortsetzen und bittet Sie deshalb, von weiteren Stellungnahmen zu diesem Thema abzusehen.“

 

Ich zitiere die Berichtigung in Druckfassung vom 30 Juli, DIE ZEIT Nr. 32), Zitat:

DIE ZEIT

Berichtigung:

S.54

„In Herta Müllers Artikel über die Aktivitäten des rumänischen Geheimdienstes (ZEIT Nr. 31/0 9) haben sich zwei Fehler eingeschlichen.

So wurde Herta Müller nicht in Poiana Brasov, sondern in Temeswar von zwei Männern in Empfang genommen.

Und es sind keineswegs die Banater Schwaben insgesamt, die der Verleumdung beschuldigt werden, sondern nur deren organisierte Landsmannschaft.“

Das ist der genaue Wortlaut, der als Berichtigung der ZEIT um die Welt ging. Wo, sehr geehrter Herr Nabert, erkennen Sie eine Entschuldigung?

Wie kann es sein, dass eine Nobelpreiskandidatin nicht mehr weiß, ob sie im Flachland, in der Banater Heimat, an ihrem Studienort Temeschburg von Securitate-Kräften in den Dreck gestoßen wurde oder im hunderte Kilometer entfernten Gebirge über dem siebenbürgischen Kronstadt?

Wie kann es sein, dass sie als Ort des Geschehens einen Bahnhof nennt, den es dort oben in den Bergen der Poina Brasov überhaupt nicht gibt?

In meiner mehr als dreijährigen Oppositionszeit gegen den Ceausescu-Kommunismus in den Jahren 1976 – 1979 bin ich mehrfach verhaftet, verprügelt und gefoltert worden. Doch im Gegensatz zu Herta Müller erinnere ich mich noch ganz genau, wann und wo das war und welche Folterknechte an den Taten beteiligt waren.

Details wie diese werfen ein bedenkliches Licht auf die Glaubwürdigkeit einer Person, die in ihrem Bericht nichts weiter präsentiert als ihre „subjektive, imaginierte Wahrnehmung“ bestimmter Ereignisse, wobei Tatsachen und Fiktion willkürlich mit einander vermischt werden.

In der „Berichtigung“ der ZEIT wird auch nichts darüber ausgesagt, wer die Fehler zu verantworten hat, wer der Autor des Hetzzitates ist oder das die zweite Fassung, namentlich die „überarbeitete“ Fassung des Artikel auf DIE ZEIT ONLINE etwa die Druckfassung ersetzt.

Das sind – nach meiner Auffassung – schwere Versäumnisse, die Grund genug sind, die Diskussion vertiefend weiter zu führen.

Es werden sich sicher investigativ orientierte Journalisten finden, die den Verdrehungen, Verzerrungen und Lügen auf den Grund gehen, die kritisch, ohne Rücksicht auf Protegés und Protektion unvoreingenommen und unabhängig recherchieren, um der Wahrheit zum Licht zu verhelfen, hier in Deutschland oder im Ausland, wo man meine Kritik an Herta Müller nach der überraschenden Nobelpreisvergabe ganz anders aufgenommen hat.

Die literaturhistorische, philosophische und politische Forschung wird ebenfalls ihren Beitrag leisten, hoffentlich auch von Rumänien aus, da die mit der Aufarbeitung der kommunistischen Vergangenheit beschäftigten Rumänen ebenso von Müller-Vorwürfen betroffen sind.

DIE ZEIT erweist sich nur einen Bärendienst, wenn sie die Aufklärung der Materie zu verhindern sucht.

Errare umanum est!

DIE ZEIT-Herausgeber Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt hat seinerzeit in den letzten Tagen der NS-Diktatur als Deutscher und aktiver Wehrmachtsoffizier im Gerichtssaal mit ansehen müssen, wie der sogenannte Volksgerichtshof des NS-Schergen Freisler Widerstandskämpfer gegen das Hitler-Regime in einem schäbigen Schauprozess aburteilte.

Er nahm das hin, ohne zu opponieren, ohne aktiv gegen das offensichtliche Unrecht Position zu beziehen oder gar konkret zu agieren wie die aufrechten Charaktere um Graf von Stauffenberg.

Dadurch lud Helmut Schmidt eine moralische Schuld auf sich, die er vor einigen Jahren im Rahmen einer Rekrutenvereidigung vor dem Reichstag in Berlin öffentlich tilgte, indem er in der gehaltenen Rede vor dem gesamten deutschen Volk sein damaliges Versagen ansprach.

Herta Müller und ihr zweiter Ehemann Richard Wagner, ein Provinzpoet, der als KP-Mitglied, Ja- und Amen-Sager sowie Abnicker der Ceausescu-Diktatur auftrat –

in einer Zeit, wo ich im Gefängnis einsaß und verfolgt wurde, dichtete er,

„hier ist alles in ordnung“ –

haben ebenfalls massiv mit den Kommunisten Ceausescus paktiert.

Im Unterschied zu Kanzler a. D. Helmut Schmidt haben sie jedoch nie Reue gezeigt oder für ihr demagogisches, opportunistisches, antideutsches und unethisches Verhalten bei den Opfern um Entschuldigung gebeten.

Ganz im Gegenteil.

Wie Sie, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert, aus den Kommentaren zum Herta Müller-Artikel „Die Securitate ist noch im Dienst“

ersehen können, werde ich von Richard Wagner frech verleumdet und sogar kriminalisiert, obwohl ich das Opfer der Kommunisten war und die RKP Ceausescus und Wagners der direkte Auftraggeber der Exekutive, des repressiven Geheimdienstes „Securitate“, eine Einrichtung des Terrors nach innen und nach außen,, die Herta Müller nur vom Hörensagen her kennt.

Mehr als drei Jahre lang wurde ich von der Securitate verfolgt, verhaftet, gefoltert, eingesperrt.

Und nun kommt die Systemnutznießerin und privilegierte Westreisende Herta Müller daher und stellt die Welt auf den Kopf, indem sie sich selbst als Opfer inszeniert und als angebliche Dissidentin Vorteile und Ehrungen einkassiert, die ihr nicht zustehen. Der Widerstand der echten Antikommunisten aus den Gefängniszellen Ceausescus wird rücksichtslos kleingeredet, ihre Vita wird ignoriert, nur damit man selbst die Position besetzen kann.

Was wusste Ijoma Mangold von all diesen Hintergründen?

Nicht viel, vielleicht nichts!

Er ließ sich eine Geschichte auftischen, in welcher gegen die Landsmannschaft der Banater Schwaben gewettert wurde, gegen einen Verein, der sich nicht wehren, verteidigen konnte, durfte oder wollte.

Hat er die hanebüchenen Storys hinterfragt, ihre Plausibilität redaktionell erörtert?

Wohl kaum!

Wie die „Frankfurter Rundschau“, die FAZ, „Focus“ , DER SPIEGEL“ und andere bekannte Blätter Herta Müllers Behauptungen nichtverifiziert übernahmen, so über nahm auch DIE ZEIT ungeprüft das Müller- Material und veröffentlichte es in einer Form, die einem unterdurchschnittlichen Schulaufsatz gleichkommt.

Schon damals fragte ich mich: Wer instrumentalisiert wen?

Und kann es sein, dass ein Blatt seinen Ruf riskiert, nur um über billige Effekthascherei kurz interessant zu wirken?

Wer hat ein Interesse daran, dass offensichtliche Absurditäten und Trivialitäten Verbreitung finden?

Seit dem ausführlichen Telefonat mit ZEIT-Feuilletonchef Ijoma Mangold,

 in welchem er mir zusagte, die ZEIT werde die Materie kritisch überprüfen bzw. man werde mir seitens der ZEIT die Möglichkeit einräumen, meine Beweise vorlegen und meine Sicht der Dinge explizit in Druck darzulegen, ist seitens der ZEIT-Redaktion nichts geschehen.

DIE ZEIT hat mir gegenüber eine Bringschuld, moralisch wie faktisch, da ich eine potenzielle Straftat zur Anzeige brachte.

Man behandelte die gewichtige Sache jedoch dilatorisch, ließ mich im Regen stehen und schob mir durch Sperrung auf ZEIT ONLINE den Schwarzen Peter zu, was dazu führte, dass ich, der Aufklärer, in der Öffentlichkeit stigmatisiert und negativ belastet dastand und immer noch dastehe.

Die Vertröstung durch Ijoma Mangold verlief im Sande.

Die Thematik „Volksverhetzung“ ist jedoch noch längst nicht aus der Welt, trotz halbherziger Richtigstellung.

Immer noch kann ich zur Staatsanwaltschaft gehen und die Sache anzeigen, da die Druckfassung weiterhin vorliegt und in dieser Form auch in die Forschung einfließt.

Um einen Konsens herbei zu führen, fordere ich den zugesagten Raum in den Kolumnen der ZEIT – ich will – etwa im Rahmen eines Interviews mit Ijoma Mangold oder einem anderen Redakteur – meine Sicht der Dinge darstellen und so meine Rehabilitation herbeiführen.

Wie bereits in meinen Kommentaren in DIE ZEIT betont, hat DIE ZEIT hat einen guten Ruf zu verlieren, vor allem dann,

wenn sie Partei ergreift,

wenn sie aufrichtige Bürgerrechtler und Dissidenten ausgrenzt,

ihnen einen Maulkorb erteilt,

ihre Richtigstellungen stoppt, streicht und sie endgültig sperrt, ihnen also die Möglichkeit nimmt, auch in andere Diskussionen kritisch einzugreifen.

Im SPIEGEL Online durfte ich zur Herta Müller- bzw. Securitate-Thematik meine Kommentare abgeben, auch in der FAZ, auch wenn gelegentlich gekürzt wurde, aber ohne so massiv diskriminiert zu werden wie in DIE ZEIT.

Was meine auf DIE ZEIT ONLINE angegebenen und dort redaktionell „entfernten“ Kommentare betrifft, die gelöscht wurden, obwohl ich der ZEIT die Beweisführung angeboten hatte:

Ich werde sie der weltweiten Öffentlichkeit erneut vorlegen daran erinnernd, dass die New York Times sich auch zu entscheiden hatte, als die Veröffentlichung der Watergate-Dokumente anstanden.

DIE ZEIT hat sich für die Version der Belletristin Herta Müller entschieden und gegen den Aufklärer und antikommunistischen Bürgerrechtler Carl Gibson.

Die Zukunft wird darüber entscheiden, ob diese Entscheidung richtig war oder ob aus Watergate ein Waterloo wird.

Die freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut, um das ich existenziell exponiert gekämpft habe – auch als David gegen Goliath im Kampf gegen die Securitate, während die systemkonformen Herta Müller und ihr Mann fürs Grobe, Richard Wagner, mit den roten Wölfen heulten.

Umwertung aller Werte – auch bei der ZEIT?

Die Gängelung des freien Wortes und der Meinung durch Medien ist eine Vorform der Zensur!

Wehret den Anfängen!

Das Wesen des Kämpfers ist der Kampf, sehr geehrter Herr Rechtsanwalt Nabert!

Bitte führen sie eine außergerichtliche Einigung zwischen den Parteien herbei, die meine volle Rehabilitation impliziert.

Das Nichthandeln der ZEIT führte geradezu zu meinem publizistischen Tätigwerden – nicht nur in eigener Sache, sondern auch aus prinzipiellen Gründen heraus.

Während meiner langjährigen Opposition gegen den Kommunismus in Rumänien habe ich aufrechte Charaktere erlebt, die – wie die deutschen Widerständler gegen Hitler – für ihre ethischen Überzeugungen in den Tod gingen, andere, die ihre Gesundheit opferten und ein Leben lang Stigmatisierung und Schmach erdulden mussten.

Als Gestapo, NKWD, KGB, Staatssicherheit und Securitate kamen, um sie zu verhaften, konnte keines dieser Opfer auf dem Weg zum Schafott wie Herta Müller  in ihrem o.g. ominösen Artikel) sagen:

„Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit“!

Wer so dumm und realitätsfremd daher redet, verhöhnt alle Opfer des Totalitarismus und führ jede aufrechte Ausarbeitung und Bewältigung totalitärer Vergangenheit an absurdum.

Den echten Opfern schulde ich meinen ethischen Protest.

Wenn wir keine gütliche Einigung erzielen, werde ich mich an die kritischen Magazine der Fernsehanstalten wenden und dort ein offenes Ohr suchen und die Materie ausführlich in einer kritischen Buchveröffentlichung zu Herta Müller  darstellen.

Auch werde ich die prinzipielle Auseinandersetzung mit den Netzwerken des Kommunismus und deren Helfershelfern in Deutschland solange führen, bis alle historischen Fakten aufgeklärt sind und  der Gerechtigkeit Genüge getan ist.

Öffentlich.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Carl Gibson

P.S. Alles, was ich schreibe, werde ich auch veröffentlichen.

Bitte lassen Sie dem Kollegen Ijoma Mangold eine Kopie dieses Schreibens zukommen, da seine Person darin mehrfach Erwähnung findet-

An die Adresse der ZEIT:

Diese Veröffentlichung erfolgt auch aus Gründen des Selbstschutzes und der Selbstverteidigung eines Opfers der kommunistischen Diktatur.

Mobbing, Stigmatisierung, Ausgrenzung machen krank, vor allem dann, wenn Unrecht und Lüge die Antriebe sind.

Um gesund und am Leben zu bleiben, nehme ich diesen ungleichen Kampf um Wahrheit und Gerechtigkeit wieder auf.

Eine differenzierte Argumentation über das bisher Gesagte und Festgestellte hinausgehend, werde ich noch nachreichen, damit die Welt erfährt, wer den Nobelpreis für Literatur 2009 erhalten hat und welchen fragwürdigen Anteil die ZEIT an diesem Ereignis hat.

Alles hat seine Zeit – die Lüge und die Aufklärung.

Steter Tropfen höhlt den Stein – und die gute Sonne bringt es an den Tag.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Carl Gibson

Anlagen:

Was die ZEIT Redaktion gestrichen hat:

Carl Gibson »
28.07.2009 um 18:20

5. Offener Brief an Herta Müller

Offener Brief an Herta Müller“ – aus der Feder eines Zeitzeugen und Opfers der Ceausescu-Diktatur In Ihrer jüngsten Selbstdarstellung in dem Magazin DIE ZEIT vom 23.07.2009. informieren Sie die bundesdeutsche Öffentlichkeit – fast beiläufig am Ende des langen Beitrags – auch darüber, dass eine „Akte“ des ehemaligen rumänischen Geheimdienstes „Securitate“ Sie als „systemtreue Kommunistin, skrupellose Agentin“ darstellt bzw.…

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Offener Brief an Herta Müller“ – aus der Feder eines Zeitzeugen und Opfers der Ceausescu-Diktatur

In Ihrer jüngsten Selbstdarstellung in dem Magazin DIE ZEIT vom 23.07.2009. informieren Sie die bundesdeutsche Öffentlichkeit – fast beiläufig am Ende des langen Beitrags – auch darüber,
dass eine „Akte“ des ehemaligen rumänischen Geheimdienstes „Securitate“ Sie als „systemtreue Kommunistin, skrupellose Agentin“
darstellt bzw. verunglimpft.
In den gleichen Beitrag sagen Sie, der Bundesnachrichtendienst BND hätte Sie unmittelbar nach Ihrer Einreise in die Bundesrepublik Deutschland 5 Tage lang verhört.
Diese beiden Aspekte werfen Fragen auf, kritische Fragen, die ich Ihnen öffentlich seit mehr als einem Jahr stelle.
Mit welchem Recht?
Diese Fragen stelle ich als kritischer Bundesbürger, der wissen will, wer die Bundesrepublik Deutschland als Nobelpreiskandidatin für Literatur in Stockholm repräsentiert.
Darüber hinaus frage ich aus der Position eines tatsächlichen Opfers der Ceausescu-Diktatur heraus, der für seine Überzeugungen ins kommunistische Gefängnis ging, während Sie noch mit der Rumänischen Kommunistischen Partei paktierten. Das war 1979.
Im Jahr 1981 brachte ich als Zeitzeuge und Sprecher der ersten freien Gewerkschaft in Osteuropa SLOMR eine UNO-Klage gegen das Ceausescu-Regime auf den Weg, zu einem Zeitpunkt,
als ihr Debütband „Niederungen“, den Sie, nach eigener Aussage aus einem Gefühl des Hasses heraus gegen ihre deutschen Landsleute im Banat geschrieben haben,
noch nicht veröffentlicht war.
Er erschien im Jahr 1982 mit dem Segen der Rumänischen Kommunisten in Bukarest und wurde mit dem Preis der Jungkommunisten (UTC/VKJ) ausgezeichnet und zusätzlich mit dem Debüt-Preis des Rumänischen Schriftsellerverbandes.
Aus der Sicht eines antikommunistischen Dissidenten, der die Diktatur nachweislich bekämpft hat, sind das sehr merkwürdige Fakten,
Fakten, die sowohl die Herausgeber der ZEIT als auch die Verantwortlichen bei der Konrad-Adenauer-Stiftung hellhörig machen sollten.

Im Herbst des Jahres 2006 habe ich eine Anfrage an Sie gerichtet, die Sie nicht beantwortet haben. Weshalb?
Vor einem Jahr habe ich Ihnen im Rahmen der Diskussion „Spitzelaffäre in Berlin“ erneut viele Fragen gestellt und dabei Ihre „moralische und politische Integrität“ hinterfragt.
Als Folge eines einschlägigen Beitrags zur Thematik in der „Siebenbürgischen Zeitung“ entwickelte sich eine einjährige Debatte in den Foren mit hohem Publikumsinteresse ( mehrere Zehntausend Klicks), in welcher ich viele grundsätzliche Fragen aufgeworfen habe,
unter anderen auch die Frage, was eine KAS-Stiftung wohl veranlasste, eine Schriftstellerin auszuzeichnen, die den „Hass“ als Motor ihrer Literatur definiert und die, seit ihrem Debüt, via Literatur gegen ihre eigenen Landsleute hetzt.
Darf gegen Teile des deutschen Volkes gehetzt werden, verehrter Herr Bundespräsident Köhler?
Ihre Reaktion darauf:
Sie drohten mir über Richard Wagner und zusammen mit ihm,
mit Anwälten und Gericht im Versuch, mir einen Maulkorb zu verpassen und mich mundtot zu machen.
Das funktioniert in einer Demokratie nicht, Frau Müller!
Alles, was ich an grundsätzlichen Dingen zur Opposition in Rumänien und auch zu Ihrer Rolle damals zu sagen hatte, ist in meinem Buch „Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, Dettelbach 2008, ausgesagt.
Aus meiner Sicht sind Sie ein rücksichtsloser „Wendehals“, der sich seit der Ankunft in der BRD im Jahr 1987 eine neue Legende zugelegt hat in der Hoffnung, dass nie herauskommt, was vor 1987 in Rumänien war.
Sie sitzen im Glashaus und werfen mit Steinen!
Sie zeigen auf Securitate-Informanten (Antohi, Hoisie) und selbst im jüngsten Artikel auf den „Kulturbeauftragten“ der Landsmannschaft der Banater Schwaben in offensichtlicher Denunziation, wollen aber ihre eigene Vita nicht offen legen.

Das habe ich hundertmal gefordert, auch im Namen der Forschung – und vor allem deshalb, weil eine Vergangenheitsbewältigung nur so möglich ist.
Mich, den langjährigen Opponenten aus der Zelle, haben Ihre Geschichten in dem ZEIT –Artikel nicht überzeugt.
Weshalb belassen Sie alles in der Ambivalenz, das,
wonach ich vielfach fragte( und was auch partiell eingearbeitet wurde, ohne den Fragende zu nennen)?
Weshalb nennen Sie bei ihren aufklärenden Details nicht das genaue Datum, den Ort, die Personen? Wo sind die Beweise? Die Quellen?
Konkret, ich zitiere:
„In meiner Akte bin ich zwei verschiedene Personen.

Die eine heißt »Cristina«, ist Staatsfeind und wird bekämpft. Um diese
»Cristina« zu kompromittieren, wurde in der Fälscherwerkstatt
der Abteilung D (Desinformation) eine Attrappe fabriziert, mit
allen Zutaten, die mir am meisten schaden — systemtreue Kommunistin,
skrupellose Agentin. Wo immer ich hinkam, hatte ich
mit dieser Attrappe zu leben.
Sie wurde mir nicht nur hinterhergeschickt,
sie eilte mir auch voraus.
Obwohl ich von Anfang an
und immer nur gegen die Diktatur geschrieben habe, geht die
Attrappe bis heute ihre eigenen Wege. Sie hat sich verselbstständigt.
Obwohl die Diktatur seit 20 Jahren passe ist, irrlichtert
diese Attrappe umher.
Wie lange noch?“

Meine Fragen dazu:
Wie kam es, dass die Rumänen Ihnen die „Akte“ bei der CNSAS? Diesmal aushändigten,
obwohl Ihnen das jahrelang verweigert wurde?

Woher wissen Sie, dass die zweite Akte, die Sie als Kollaborateur der Securitate ausweist,
ein Machwerk der alten Securitate ist,
eine Fabrikation zur Desinformation,
zur Diversion?
Wer sagte Ihnen das?
Und wer lieferte den Beweis der „Fälschung“?

Was, außer Ihrem subjektiven Aussagen dazu, können wir im Westen überprüfen?

Seit wann werden Sie mit den Auswirkungen der „Attrappe“ hier im Westen konfrontiert?

Kann es sein, dass der BND als erster darauf reinfiel – und Sie und Ihren ehemaligen Gatten Richard Wagnerdeshalb 5 Tage lang befragte – gegen die Regel?

Oder war Richard Wagner verdächtig, weil er wie Sie auch – ein privilegierter Westreisender war (noch 1985, als das Land am Boden lag!) – und langjähriges Mitglied der RKP (1972-1985?)?

Und was ist mit „Cristina“, die angeblich ein „Staatsfeind“ gewesen sein soll?

Waren Sie ein „Staatsfeind“, Frau Herta Müller? Wirklich?

Was haben Sie überhaupt mit „Dissidenz“ zu tun?

Zur Dissidentin wurden Sie und Richard Wagner nach 1987 hier in der BRD vom „SPIEGEL“ gemacht,
inszeniert!

In Rumänien Ceausescus saßen sie im Schoß der einzigen Partei im Land
Und ließen sich fördern, ihr Büchlein drucken und prämieren,
während die eigentliche Dissidenten in den Gefängnissen saßen
oder schon umgebracht worden waren.

Als ich 1981 Ceausescu verklagte und der Terrorist Carlos beim Radiosender RFE seine 1 000 000-Dollar –Bombe hochgehen ließ,
hetzten sie gegen unsere Landsleute im Banat in dem Pamphlet „Niederungen“ (kurz vor der Edition),
während ich (der Kronzeuge der Klage gegen Ceausescu) die wahren Morddrohungen erhielt.

Dann kamen Sie in den Westen und berichteten zusammen mit Richard Wagner in der „Spiegel-Gespräch frech und ungeniert , in Rumänien hätte es keine Opposition gegeben.
Sie verleugneten uns damit, die Dissidenten aus der Zelle – und die Opfer des totalitären Systems, gegen das Sie – von Anfang an! – geschrieben haben wollen.
Wo waren Sie, als der Menschenrechtskampf nach der KSZE-Konferenz tobte?

Wo waren Sie, als genau vor 30 Jahren
als in Temeschburg die Regionalorganisation der SLOMR ( Freie Gewerkschaft rumänischer Arbeiter)
fast zwei Jahre vor Solidarnosc gegründet wurde?

Wir wurden verhafte, verurteilt, ins Gefängnis geworfen?

(Dokumentation im Internet – auch die UNO-Klage)

Wo waren Sie damals?

Im Jahr 2006 fragte ich Sie,
wann ihre angebliche Opposition begonnen hat.
Weshalb verschweigen sie uns das Datum?

Alle wirklichen Dissidenten während der Ceausescu-Diktatur wurden verfolgt, verhaftet, verurteilt?

Was haben Sie oder Richard Wagner Regimekritisches getan und wann?

Und weshalb wurden sie nicht echt verfolgt?

1979 wurden per Dekret 153 in wenigen Tagen 50 000 Menschen, so genannte „Parasiten“ verhaftet und in Gefängnisse geworfen.

Weshalb waren Sie nicht dabei?

Wo arbeiteten Sie damals – und wie lange?

Weshalb kann niemand Ihre angebliche Opposition bestätigen?

Mein engster Streitgefährte bei SLOMR wagt seit 30 Jahren keine Rückkehr nach Rumänien,
ich auch nicht,
weil Rechtsunsicherheit besteht –
Sie waren oft nach der Revolution in Rumänien!

Wie kommt das, wo Sie doch gerade vor einem Jahr noch dort verfolgt wurden?

Hatten Sie keine Bedenken, die KAS dorthin zu begleiten und dort zu lesen, wo doch die alte Securitate angeblich hinter Ihnen und Richard Wagner her ist?

Immer noch?

Kein Opfer kehr freiwillig an seine Folterstätte zurück – Sie aber doch?

Früher reisten Sie mit der Gnade der Kommunistischen Partei in den Westen, während Ihre Landsleute an der grünen Grenze totgeschlagen wurden.

Jetzt reisen Sie mit Vergnügen nach Rumänien, um dort über Ihre Verfolgung zu lesen und zu berichten?

Wer hat Sie wann verfolgt?
Wer hat Sie verhört?
Wann und wie lange?
Und was wollte der BND ( oder war es der Bundes-Verfassungsschutz?) in fünftägiger Befragung von Ihnen wissen?

Meine langjährige Dissidenz war hier gut bekannt – über die Botschaft und Menschrechtsorganisation bzw. die UNO.
Weshalb glaubte der BND Ihnen nicht und auch nicht KP Genosse Richard Wagner?

Ich habe bisher als Historiker gefragt, als Moralphilosoph, als ehemaliger Bürgerrechtler und Zeitzeuge – und ich werde weiter Fragen.

Die „Frankfurter Rundschau“ hat meine Antwort auf Ihren offenen Brief an den Leiter des Rumänischen Kulturinstituts (RKI) vor einem Jahr nicht veröffentlicht, vielleicht weil ich zu unbekannt war.
Das hat sich geändert. Inzwischen sind viele Tausend Menschen mit den kritischen Fragen vertraut – über den Radius der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen hinaus.
Wer die Argumente kennen lernen will, kann alle Diskusionen in den Foren nachlesen. Auf www.siebenbueger.de
Was in einem Jahr an Argumenten vorgetragen wurde, kann hier nicht wiederholt werden.
Aber die differenzierte Diskussion kommt noch.
Und auch die großen Zeitungen FAZ , die ZEIT, der SPIEGEL etc. werden sich diesmal nicht mehr entziehen können.
Ich habe immer wieder auf die innenpolitische Brisanz der Materie hingewiesen.
Es geht nicht an in einer Demokratie, dass das „Hass-Prinzip“ auch noch gehrt wird –
wie aus Unwissenheit heraus von der Konrad Adenauer-Stiftung,
die auch meine im letzten Jahr schriftlich gestellten Anfragen nicht mehr beantworten will.

Ich zitiere Ihre Worte, Frau Müller:

„Und die Briefkampagne der Securitate hat offenbar ein Eigenleben
entwickelt.
Als mir 2004 der Literaturpreis der Konrad-
Adenauer-Stiftung zugesprochen wurde, erhielt nicht nur die
Stiftung stapelweise Briefe mit den üblichen Verleumdungen.
Die Aktion steigerte sich diesmal ins Maßlose, auch das Präsidium
des Deutschen Bundestages, der damalige Ministerpräsident
Erwin Teufel, die Vorsitzende der Jury, Birgit Lermen,
und Joachim Gauck als Laudator erhielten Briefe, die mich als
Agentin, Mitglied der Kommunistischen Partei Rumäniens
und Nestbeschmutzerin verunglimpften.
Nachts Viertel vor
zwölf klingelte bei Birgit Lermen das Telefon, Punkt Mitternacht
bei Bernhard Vogel, dem Vorsitzenden der Stiftung,
und Viertel nach zwölf bei Joachim Gauck.
Schmähungen
und Drohungen, unterlegt mit dem Horst-Wessel-Lied. Diese
Anrufe kamen nächtelang, bis die Polizei den Anrufer durch
eine Fangschaltung ermittelte.
Die von der Fälscherwerkstatt erfundene
Person verselbstständigt sich“

Ihr ehemaliger Gatte Richard Wagner hat mich verdächtigt, einer dieser Briefeschreiber zu sein.
Die KAS könnte den Gegenbeweis liefern, das macht sie aber nicht. Weshalb?
Ich habe dementiert und darauf hingewiesen, dass meine Anfragen direkt an Sie, Frau Müller erst im Jahr 2006 erfolgte, als ich im Rahmen der Ausarbeitungen meines Erinnerungswerks „Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur“ auf viele Ungereimtheiten im Zusammenhang auch mit Ihrer angeblichen Dissidenz stieß.
In meiner Anfrage habe ich darauf hingewiesen, nie etwas mit der Landsmannschaft der Banater Schwaben zu tun gehabt zu haben. Jetzt vermuten Sie die Agenten der Securitate in den Reihen der Landsmannschaft – und Sie tun genau dass,
was Werner Kremm von der ADZ in Rumänien bzw. von der Banater Zeitung dort in seinem Drohartikel mit antisemtischen Unterton „Franzls Kumpan Judas“ angekündigt hat :Sie starten einen Heißen Herbst der Denunziationen, in der Hoffnung selbst reingewaschen zu werden – als Befreiungsschlag?
Sie eröffnen jetzt diesen Reigen mit der Denunziation des „Kulturbeauftragten“ der Landsmannschaft der Banater Schwaben – nach dem Motto:
Haltet den Dieb!
Diversion ist nicht immer effizient, Frau Müller.
Sie kann auch ins Auge gehen , wie jetzt, wo viele Köpfe kritische Fragen stellen werden.
Als Sie 1987 in die Bundesrepublik kamen, wurden Sie hier innenpolitisch instrumentalisiert, um dem konservativen lager eines auszuwischen.
Das begann mit der „Niederungen“-Rezension Ihre Bekannten F.C. Delius vom Spiegel, der nach der Lektüre ihrer Texte zur Schlussfolgerung kam, das Banat sie die „Hölle auf Erden“ mit dummen Menschen, die sich gegenseitig hassen.
Und im „siebenbürgischen Dorf“ dahinter sei es ähnlich! Hat Oskar Pastior Ihnen in diesem Punkt nicht widersprochen?
Sie fielen Ihren Landsleuten gezielt und mit Häme in den Rücken – und Sie beschleunigten den Exodus der Deutschen aus Rumänien, als sie in den Jahren 1984/85 mit den Rücken zur Wand standen und existentiell exponiert waren sowie in Massenpanik vor der Dezimierung über Assimilation bzw. vor der Aufgabe ihrer deutschen Identität.
Auch erschwerten sie die Integration dieser Stigmatisierten hier in der BRD.
Damals 1984/ 85 standen Sie und Richard Wagner stramm und unkritisch zur Rumänischen Kommunistischen Partei ( Wagner als Mitglied) des Diktators Nicolae Ceausescu,
obwohl das ganze Land auf den Abgrund zusteuerte.
Der Ingenieur Radu Filipescu streute nach dem Vorbild der „Weißen Rose“ und der Geschwister Scholl Flugblätter in Bukarest, wurde verhaftet, Jahre eingesperrt –
Und Sie komme dann daher und behaupten frech:
Eine Opposition habe es in Rumänien nicht gegeben,
trotz SLOMR,
trotz Bergarbeiterstreiks im Schiltal,
trotz Goma-Menschenrechtsbewegung in Gefolge der Chata 77.
Sie verleugneten die Dissidenz und den Widerstand der anderen,
um sich selbst zu inszenieren
wie in dem Märchen, wo der falsche Drachentöter die Zungen vorzeigt, um die Prinzessin zu freien.
Ich riskierte wirlich mein Leben, als ich die UNO-Klage gegen Ceausescu 1981 ermöglichte – und Sie?
Sie drohen mir, ich soll schweigen!
Das ist nicht hinnehmbar, Frau Müller und Herr Aktgenosse Wagner!
Anderen gedroht wurde im „Kommunismus“!
Als alter antikommunistischer Widerstandskämpfer lasse ich mir nicht drohen, auch nicht nach 30 Jahren
und auch nicht, wenn Sie Frau Müller,
von der CDU-nahen Konrad Adenauer-Stiftung, namentlich von Dr. Bernhard Vogel und von dem Herausgeber der ZEIT Michael Nauman von der SPD protegiert werden.
Die Wahrheit schulde ich den Opfern am Wegrand,
die es nicht zulassen, dass aus Unwissenheit und Ignoranz Dinge auf den Kopf gestellt werden.
Zu differenzierten Stellungnahmen bin ich bereit.
Auch behalte ich mir vor, diesen offenen Brief noch auszuweiten.
Als Journalist und Wissenschaftler, der an die Freiheit der Meinungsäußerung bzw. an die Freiheit von Forschung und Lehre glaubt, der für seine Überzeugungen und Menschrechte ins totalitäre Gefängnis ging, appelliere ich an die freie Presse in diesem Land, diesen „Offenen Brief an Herta Müller“ publik zu machen und zu verbreiten, indem die exponierten Thesen aufgegriffen und kritisch behandelt werden.
Carl Gibson, Zeitzeuge, Philosoph und Buchautor

1.     11. DIE ZEIT-Rückrufaktion der

DIE ZEIT-Rückrufaktion der Printausgabe wegen Herta Müllers volksverhetzenden Äußerungen?

Fehlerhafte Produkte werden zurückgerufen und vom Markt genommen, weil sie Menschleben gefährden?

Was ist mit den gefährdeten Seelen, wenn von deutschem Boden aus wieder zur Hetze aufgerufen wird, verehrter Herr Bundespräsident?

In der Printausgabe der ZEIT leistete sich die kontroversierte Schriftstellerin Herta Müller die ungeheuerliche volksverhetzende Aussage:

“Die Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben”.

Es ist von amtlicher Seite zu prüfen, ob Herta Müller in ihrer Verleumdungskampagne gegen die Banater Schwaben als Teil des deutschen Volkes mit ihrer hetzerischen Äußerung gegen § 130 des Strafgesetzbuchs verstoßen hat.

DIE ZEIT hat in grob fahrlässiger Weise – und gegen den Geist eines ethischen Journalismus – diese Hetze transportiert und mitgetragen.

Eine Abänderung der Aussage in der Online-Fassung behebt die erste Aussage in der Druckfassung nicht.

Carl Gibson

  1. V                                                                                                                                        

Carl Gibson »
30.07.2009 um 14:36

13. „Verleumdung gehört zum

 „Verleumdung gehört zum Brauchtum der Banater Schwaben“ –

wer hat das gesagt, Herta Müller?
Oder wer?

Das ist Hetze!

So ging es gegen die Juden hier los, nach 1933 im NS-Staat –

deshalb will es die Verfassung dieses Staates, dass
“von deutschem Boden”

aus keine Hetze mehr ausgeht!

Ich habe 10 Semester Rechtswissenschaft studiert – in diesem, unserem Lande,
das “Grundgesetz” und das “Strafgesetzbuch”,
besonders § 130 : “Volksverhetzung”.

Herta Müller hat gegen beide Gesetzeswerke eklatant und öffentlich in mehreren Punkten verstoßen.

Jeder aufrechte Banater Schwabe,
der sich diese Pauschal-Verunglimpfung aus dem Munde einer höchst kontroversierten Schriftstellerin,
die nicht zum erstem Mal gehetzt hat,
nicht gefallen lassen will,
kann Herta Müller anzeigen.

So will es Recht und Gesetz.

DIE ZEIT hat da eine gewisse Mithaftung.
Die Details sind zu prüfen.

§130 Volksverhetzung

(1) Wer in einer Weise, die geeignet ist, den öffentlichen Frieden zu stören,

1. zum Hass gegen Teile der Bevölkerung aufstachelt oder zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordert oder
2. die Menschenwürde anderer dadurch angreift, dass er Teile der Bevölkerung beschimpft, böswillig verächtlich macht oder verleumdet, wird mit Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft.

(2) Mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe wird bestraft, wer

1. Schriften (§ 11 Abs. 3), die zum Hass gegen Teile der Bevölkerung oder gegen eine nationale, rassische, religiöse oder durch ihr Volkstum bestimmte Gruppe aufstacheln, zu Gewalt- oder Willkürmaßnahmen gegen sie auffordern oder die Menschenwürde anderer dadurch angreifen, dass Teile der Bevölkerung oder eine vorbezeichnete Gruppe beschimpft, böswillig verächtlich gemacht oder verleumdet werden,

a) verbreitet,
b) öffentlich ausstellt, anschlägt, vorführt oder sonst zugänglich macht,

Es wird zu prüfen sein, was Herta Müller sich im Verhältnis zu den abgekanzelten und stigmatisierten Banater Schwaben öffentlich geleistet hat.

Carl Gibson

Auf die Antwort auf meinen oben zitierten Offenen Brief an Herta Müller warte ich noch – wie auf meine Anfrage aus dem Jahr 2006 an Herta Müller
– wie lange noch?

Weshalb enthält Herta Müller der bundesdeutschen Öffentlichkeit einen ausführlichen Lebenslauf mit genauen Daten und Fakten?

Subjektive Aussagen reichen zu einer Anklage anderer bzw. zu einer a posteriori an den Haaren herbei gezogen “Dissidenz” nicht aus.

Herta Müller und Richard Wagner haben nichts mit “Dissidenz” und antikommunistischer Regimekritik während der Ceausescu-Diktatur zu tun.

Was hier seit 1984 der deutschen Öffentlichkeit präsentiert wird, ist Mythos und durch keine oppositionellen Widerstandsaktionen gedeckt.
Im Gefängnis waren andere.
Herta Müller und Richard Wagner ( von 1972 bis 1985 ) in der Rumänischen Kommunistischen Partei als Mitglied haben die RKP-Führung anerkannt und gestützt,
auch noch als das Land am Boden lag
und der Exodus der Deutschen fast vollzogen war.

Carl Gibson

(Kleine Tippfehler korrigiert.)

http://www.zeit.de/2009/31/Securitate

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  1.                 

Carl Gibson »
30.07.2009 um 22:19

19. Hallo Herr Richard

Hallo Herr Richard Wagner,

seit ihrer Drohung vor einem Jahr – in Rahmen der so genannten Spitzelaffäre in Berlin -einiges dazu nachzulesen auch auf

www.siebenbuerger.de

habe ich von Ihnen nicht mehr allzu viel gehört.

Bis auf den von Rumänien aus gesteuerten Artikel “Trittbrettfahrer”,

in welchem Sie mich und die freie Gewerkschaftsbewegung SLOMR in Temeschburg verunglimpfen.

Auch das kann alles nachgelesen werden.

Sie und Herta Müller haben darauf verzichtet, mich zu verklagen.

Weshalb?

Sie sprachen damals für sich und im Namen von Herta Müller?

In wessen Namen sprechen Sie diesmal – und mit wem reden Sie überhaupt?

Ich zitiere einen Abschnitt aus Ihren Ausführungen, den ich mit Interesse verfolgt habe:

“Ein anderer notorischer Leserbriefschreiber ist ein selbsternannter Führer einer Ausreisegewerkschaft.

Sein Lebenswerk vollbrachte er bereits mit achtzehn. Nun hat er seine Memoiren verfasst, und sie ähneln mehr Visionen als Erinnerungen.

Der Mann war seit 1980 nicht mehr in Rumänien.

Das hindert ihn aber nicht daran, sich unentwegt über unsere angebliche kommunistische Vergangenheit aufzuregen, als hätte er persönlich darunter zu leiden gehabt.

Herta Müller aber war nie Mitglied der KP, sie wurde vielmehr, wie man heute weiß, in einer konzertierten Aktion von Landsmannschaftsfunktionären und Securitate-Mitarbeitern zur Agentin des ZK erklärt, ein ziemlich origineller Titel, selbst für rumänische Verhältnisse.

Ob der Mann mit unserer kommunistischen Vergangenheit nach Italien fährt, ist mir nicht bekannt.

Nach Rumänien, sagt er, fährt er nicht.

Und seine Akte will er auch nicht sehen. Er will weder seine Akte sehen, noch unsere. Wahrscheinlich aus sehr unterschiedlichem Grund. Was er bei uns sucht, könnte er es vielleicht bei sich finden?

Nein, so weit wollen wir nicht gehen, und so nennen wir auch ihn, der Einfachheit halber, einen nützlichen Idioten. “

Wer da wohl gemeint ist?

Falls Sie sich auch diesmal mir Ihrer ehemaligen Gattin Herta Müller abgestimmt haben sollten, können Sie mir vielleicht auch mitteilen, wann die bundesdeutsche Öffentlichkeit mit einer Antwort auf meinen “Offenen Brief an Herta Müller ” rechnen kann.

Ich habe dort Fragen gestellt, die ich objektiv sachlich und jenseits jeder Fäkal-Terminologie diskutieren will.

Punkt für Punkt.

Ich habe öffentlich die “moralische und politische Integrität” von Herta Müller in Frage gestellt, weil ich ihre Version der Realitätsdarstellung als unwahrhaftig und unglaubwürdig ablehne.

Sie, Herr Richard Wagner, ein Poet, der die Diktatur mit der “Metapher” verändern wollte,
der ein “loyaler Kritiker” des real existierenden Kommunismus sein wollte,

Sie haben mir überhaupt nichts zu sagen.

Sie sind im Jahr 1972 in die Rumänische Kommunistische Partei eingetreten –

und Sie waren im Jahr 1985 immer noch in dieser Verbrecher-Partei,
die Auftraggeber des repressiven Apparats “Securitate” war.

Diese “Securitate” hat mich Jahre hindurch verfolgt .

Nach der Gründung der ersten freien Gewerkschaft SLOMR in Rumänien wurde ich als Initiator der Bewegung in Temeschburg verhaftet, verurteilt und für sechs Monate ins Gefängnis geworfen.

Das war 1979!

Wo waren Sie damals?

Im Westen angekommen, habe ich als Sprecher der unterdrückten freien Gewerkschaft rumänischer Werktätiger SLOMR eine UNÖ-Klage gegen das Ceausescu Regime auf den Weg gebracht – unter Lebensgefahr!

Wo waren Sie damals?

Sie standen zur Rumänischen Kommunistischen Partei

und noch im Herbst 1984 forderten Sie (während Herta Müller in der BRD weilte) “Privilegien ein.

1985 durften Sie in die Bundesrepublik reisen, während andere Landsleute an der grünen Grenze totgeschlagen wurden.

Und nun kommen Sie, verehrter Altkommunist, und wollen mir etwas von Widerstand erzählen – und von nützlichen Idioten?

Wo ist die ausführliche Vita von Herta Müller?

Als sie beide 1987 in den Westen kamen, in eine Welt, die Ihnen vorher zutiefst suspekt war,

haben Sie die “Dissidenz” vor Ihrer Zeit in Rumänien einfach geleugnet,
um sich dann selbst als Dissident zu inszenieren?

Wann, wo und wie haben Sie und Frau Müller opponiert?
Wo sind die Beweise?
Wo sind die Zeugen?

Wie wäre es mit einer öffentlichen Disputation, mir einer Podiumsdiskussion im Deutschen Fernsehen?

Sind Sie und Frau Herta Müller bereit dazu?

Ich bin bereit – meine Beweise sind überall im Internet abrufbar?
Wo finde ich Ihre Beweise?

Die Belege für Ihre Opposition?

Ich schrieb es Ihnen vor einem Jahr klar und deutlich – mit der Landsmannschaft habe ich nichts zu tun.
Ich bin auch in keiner Partei.

Aber ich bin ein Zeitzeuge, der seine Zeit kritisch dokumentiert.
Nach guter Sitte und wissenschaftlichem Brauch stütze ich mich auf Fakten und Beweise.

Legen Sie diese vor, Herr Wagner und Frau Müller.

Meine Anfrage an Frau Müller habe ich 2006 formuliert, vor der Niederschrift meiner Zeitdokumentation.
Auf die Antwort warte ich noch heute.

Wann erfolgt die Antwort auf meinen “Offenen Brief an Herta Müller”?

Wie lange will sie noch schweigen?

Carl Gibson

Tippfehler korrigiert

Frage: Weshalb hat die ZEIT das alles gestrichen?

johannes.kuhn »
30.07.2009 um 20:37

17. Stellungnahme Ijoma Mangold

Sehr geehrter Carl Gibson,
Ijoma Mangold hat uns gebeten, folgende Stellungnahme zu übermitteln:
——————
Sehr geehrte Leser,
ein Teil der Debatte über Herta Müllers Essay kann vollständig
vernachlässigt werden. Wie wir bereits in der aktuellen Ausgabe der “Zeit”
richtig gestellt haben, stammt die Formulierung über die “Verleumdung als
Teil des Brauchtums der Banater Schwaben” nicht von Herta Müller.

Dieser Zwischentitel war ein gedankenloses Versehen der Redaktion, das wir sehr
bedauern. Der Vorwurf, Herta Müller verleumde die Banater Schwaben, ist also
gegenstandslos.

Ijoma Mangold, Redaktion DIE ZEIT

DIE ZEIT,

DIE ZEIT,

Copyright: Carl Gibson

Das Gesamtwerk Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte

Das Gesamtwerk Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte7 ok

Carl Gibson Allein in der Revolte Titelbild

Das neue Buch von Carl Gibson

Vor wenigen Tagen ist erschienen:

Carl Gibson, Allein in der Revolte

Eine Jugend im Banat

Aufzeichnungen eines Andersdenkenden –Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat

J.H. Röll Verlag, Dettelbach, 409 S.
ISBN 978-3-89754-430-7

http://www.openpr.de/news/704256/Allein-in-der-Revolte-Carl-Gibsons-neues-Buch-ueber-die-kommunistische-Diktatur-in-Rumaenien.html

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte
Carl Gibson

carl Gibson, Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte, Titelbilder

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte Buckrückseite

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte

Nachdem bereits ím Jahr 2008 die “Symphonie der Freiheit” im gleichen Verlag erschienen war, wird jetzt der noch ausstehende Teil des Gesamtwerkes vorgelegt.

Die “Symphonie der Freiheit” ist nunmehr vollständig.

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der RevolteNeuerscheinung:
Carl Gibson

Weshalb wurde der zweite Band vor dem ersten publiziert?
Weil die wichtigen Inhalte absolute Priorität hatten.

Nun aber wächst doch noch zusammen, was zusammen gehört!

Die Graphik auf dem Titelbild (Kirche in Bukarest) stammt
von Michael Blümel,

das Foto auf der Buchrückseite wurde im Zentrum von Temeschburg
von Monika Nickel im Jahr 2009 aufgenommen.


Einige Kurzinfos aus dem Text auf der Buchrückseite:

Carl Gibson, M. A., Jahrgang 1959, Bürgerrechtler während der kommunistischen Diktatur in Rumänien, lebt als Philosoph, Historiker und Schriftsteller (VS) in Bad Mergentheim.

Mehrere Buchveröffentlichungen, Aufsätze, Essays. Zu seinen Hauptwerken zählen die literaturhistorische Dichter-Monographie: Lenau. Leben – Werk – Wirkung, Heidelberg, 1989 sowie die autobiographische Darstellung: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, Dettelbach 2008.

Ergänzend zur “Symphonie der Freiheit”, ein Erinnerungswerk, in welchem die Geschichte der ersten freien Gewerkschaft “SLOMR” im Ostblock aus der Insider-Sicht eines Dissidenten sowie die Bedingungen der politischen und kulturellen Opposition differenziert wie kritisch beschrieben werden, schildert der Autor nunmehr im Folgeband “Allein in der Revolte” seinen Weg in den antikommunistischen Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur.
Carl Gibson beschreibt das Phänomen des “real existierenden” Kommunismus aus der konkreten Erlebnisperspektive eines jungen Nonkonformisten in Temeschburg im Banat und erörtert dabei den Kampf um Menschenrechte sowie das Ringen der deutschen Minderheit um ethnische Identität.
Zeitgeschichtlich orientiert fragt der Autor nach den Ursachen und Gründen, die zum Exodus der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen aus Rumänien führten.

Die Neuerscheinung ist seit Februar 2013 auf dem Buchmarkt und überall im Buchhandel erhältlich, auch online u. a. hier:

http://roell-verlag.de/shop/article_978-3-89754-430-7/Gibson,-Carl%3A-Allein-in-der-Revolte%3A-Eine-Jugend-im-Banat.-Aufzeichnungen-eines-Andersdenkenden-%E2%80%93-Selbst-erlebte-Geschichte-und-Geschichten-aus-dem-Securitate-Staat.html?pse=apq

Das Buch erscheint nach einer – fast dreijährigen – Verzögerung durch den Verlag.

Potenzielle Rezensenten bitte ich, Rezensionsexemplare direkt beim J.H. Röll Verlag in Dettelbach anzufordern.

Für eine Bekanntmachung meiner Buchpublikation auf einer Website oder Homepage bin ich dankbar.
In dem Buch steht das, was ich zum Banat und zur kommunistischen Diktatur zu sagen hatte.
Carl Gibson

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte
Carl Gibson

P.S.: Eine Weiterverbreitung dieser Informationen freut mich.

Kontaktdaten:
Carl Gibson
Ketterberg 8
97980 Bad Mergentheim
Telefon: 079731 99 27 176
Email: Gibsonpr@aol.com
Email: carlgibsongermany@gmail.com

Zur Person, zum Autor bzw. Bibliographie:
http://www.gibsonpr.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gibson_(Autor)

Auszüge aus dem Werk finden sich auf diesem Blog.
Soweit diese Erstinformationen – weitere Infos werden folgen.

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte 9
Carl Gibson

Carl Gibson wurde abgelichtet von Monika Nickel.

Rechtlicher Hinweis:

Alle Rechte für das Gesamtwerk (“Symphonie der Freiheit” und “Allein in der Revolte”) liegen beim Autor Carl Gibson.

Vervielfältigungen jeder Art, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Copyright: Carl Gibson

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David gegen Goliath … und Leviathan – Erfahrungen eines Dissidenten mit der Konrad -Adenauer-Stiftung der CDU bei der Kontestation des KAS-Literaturpreises an Herta Müller

Paktiert die Konrad -Adenauer-Stiftung der CDU mit ehemaligen Kommunisten? 

Hommage an George Orwell, "1984" - Big Brother is watching you! Collage Carl Gibson

Hommage an George Orwell, “1984” – Big Brother is watching you! Collage Carl Gibson

http://www.fnweb.de/region/main-tauber/bad-mergentheim/carl-gibson-gegen-herta-muller-1.1251813

Aufklärung schwer gemacht!?

Weshalb fördert, ehrt und würdigt die Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU Kommunisten, Hassstifter und Denunzianten, während sie im gleichen Atemzug aufrichtige Widerstandskämpfer und Opfer des Kommunismus abweist, ohne sie angehört zu haben?

Vielleicht deshalb, weil die Entscheidungen innerhalb der angeblich vom Staatsicherheitsdienst der DDR unterwanderten Stiftung von aktivierten Schläfern getroffen werden, die sich immer noch im Dienst wähnen wie die alte „Securitate“ – und dies, obwohl die kommunistische Welt des ehemaligen Ostblock s inzwischen untergegangen ist?

Wäre es so, dann würde das merkwürdige Vorgehen einer bedeutenden deutschen demokratischen Einrichtung im Umgang mit kritischen Andersdenkenden einige offene Fragen erklären.

Fakt ist –

Im Land der Buchen und der Linden, im Land des deutschen Michel mit den blauen Augen glaubt man heute den ehemaligen totalitären Linken, Kommunisten, Opportunisten und geschickten Wendehälsen mehr als aufrechten Demokraten, die in schwerer Stunde die deutsche Identität , Kultur und Wertestruktur eben gegen linkstotalitäre, kommunistische Ideologien verteidigten.

Noch genau erinnere ich mich an den Tag. Es war während einer Autofahrt im Jahr 2004, als in Radio die Meldung verbreitet wurde, die aus den rumänischen Banat stammendende Schriftstellerin Herta Müller sei mit dem Literaturpreis der Konrad Adenauer-Stiftung ausgezeichnet worden. Diese einschneidende und deshalb vom Gehirn für alle Zeiten gespeicherte Meldung irritierte, mich zunächst spontan, dann aber auf Dauer, je mehr ich darüber nachdachte.

Wie konnte es sein, dass eine von den Kommunisten der Ceausescu-Diktatur geförderte Schriftstellerin, die außerdem noch mit einem Kommunisten deutscher Zunge verheiratet war, von einer deutschen konservativen Stiftung ausgezeichnet wurde, von einer demokratischen Institution, die durch öffentliche Gelder finanziert wird?

Der Leitspruch Konrad Adenauers kam mir in den Sinn:

„Wir wählen die Freiheit“

verbunden mit dem Wahlspruch der CDU

„Freiheit statt Sozialismus“.

Wie konnte es ferner sein, dass die auf die deutsche Identität und konservative Werte sehr bedachte CDU über die ihr nahestehende Konrad Adenauer-Stiftung (KAS) eine kontrovers diskutierte Autorin ehrte, die während ihrer Zeit in Rumänien in ihren Werk gegen die deutsche Kultur im Banat agierte – und dies zu einem Zeitpunkt als die in ihrer Identität bedrohten Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen im Überlebenskampf standen, in einer Agonie zwischen Ausharren und Exodus?

Meine Irritation klang nicht ab – die Materie beschäftigte mich weiter und – wie es sich noch herausstellen sollte – über Jahre.

Die Konrad-Adenauer-Stiftung musste sich geirrt haben, dachte ich, und nahm mir vor, den Dingen auf den Grund zu gehen, nachzuforschen und bei der KAS nachzufragen.

Oder man hatte ihren Juroren Entscheidungskriterien zur Verfügung gestellt, die nicht den historischen Tatsachen entsprachen?

War die Konrad-Adenauer-Stiftung möglicherweise sogar instrumentalisiert worden, von gewissen Kreisen missbraucht worden, um so in der deutschen Öffentlichkeit nachhaltig diskreditiert da zu stehen?

Was bahnte sich da an – eine Verschwörung, ein Komplott?

Die erst später festgestellte Unterwanderung auch dieser Einrichtung durch Agenten der Staatssicherheit der DDR mit gezielter Deviationsabsicht hätte einiges erklärt.

Doch davon wusste ich seinerzeit noch nichts.

Um der Wahrheit näher zu kommen, musste ich also Kontakt zur Konrad Adenauer-Stiftung aufnehmen und konkrete Fragen stellen. Schließlich war zu erwarten, dass eine politisch-kulturelle Einrichtung des öffentlichen Lebens in der Bundesrepublik Deutschland, die sich für abendländische Werte in Deutschland und in Europa stark macht, die selbst osteuropäische Staaten auf den Weg in die Demokratie konstruktiv begleiten will, mir, dem ehemaligen Bürgerrechtler aus der Ceausescu-Diktatur Rede und Antwort geben würde. Der gesunde Menschenverstand legte das nahe – die individuelle wie politische Vernunft und die Gesetze der Logik.

In der Kommunistischen Welt – ein Blick ins das heutige China oder Russland verdeutlicht dies – war es üblich, Regimekritiker, Bürgerrechtler und Dissidenten ebenso abzuweisen wie kritische Staatsbürger, wenn der Einheitspartei unliebsame Themen öffentlich oder in Petitionen angesprochen wurden.

War es im Freien Westen anders?

Die Konrad-Adenauer-Stiftung hatte mein volles Vertrauen, war ich doch – als ausgewiesenes Opfer des Kommunismus  und selbst im Westen noch viele Jahre agierender Menschenrechtsaktivist – kurzfristig der damals oppositionellen CDU ( Kurt Biedenkopfs in NRW, Dortmund) als Mitglied beigetreten, mich für idealistisch Freiheit und demokratische Werte einsetzend.

Also begann ich in den Jahren 2005 – 2006 damit den Dingen rund um Aufklärung und Widerstand noch tiefer auf den Grund zu gehen und kritisch zu recherchieren. Die Aufarbeitung meiner oppositionellen Tätigkeit stand an – und mit ihr das Klären zahlreicher offener Fragen im Zusammenhang mit der tatsächlichen oder fiktiven Opposition anderer Schriftsteller.

Konnte es sein, dass ich irrte?

Konnte es sein, dass jene Herta Müller, die bereits im Jahr 1994 – als rumänische Staatsbürgerin auf Westreise – im Öffentlich-rechtlichen Fernsehen der Bundesrepublik Deutschland ihren deutschen Landsleuten im Banat eine faschistoide Gesinnung unterstellt hatte, Meriten aufwies, von welchen ich noch nichts wusste?

Also nahm ich Nachforschungsarbeiten auf, begann mit der Ausarbeitung meiner Autobiographie über die Gründung der ersten größeren Freien Gewerkschaft (SLOMR) in Rumänien und schrieb gleichzeitig an die in Deutschland dank des KAS-Preises inzwischen etwas bekannter gewordenen Herta Müller, um Informationen aus erster Hand zu erhalten.

Ihr unvollständiger Lebenslauf hatte mich stutzig gemacht. Auch war es mir rätselhaft, weshalb eine demokratische Einrichtung wie die Konrad-Adenauer-Stiftung die biographischen Daten Herta Müllers weitgehend ungeprüft und unvollständig hingenommen hatte.

Ich hätte erwartet, dass Professor Günther Rüther, der die gesamte Dokumentation der KAS-Ehrung Herta Müllers verantwortet, zunächst gründlich akademisch-wissenschaftlich recherchiert und Unstimmigkeiten hinterfragt, bevor die biographischen Daten und Materialien abgesegnet und veröffentlicht werden.

Mir jedenfalls genügt der KAS-Lebenslauf Herta Müllers nicht.

Weitere Fragen stellen sich.

Waren Herta Müllers Verstrickungen mit dem kommunistischen Machtapparat an sich bzw. der Konrad Adenauer-Stiftung nicht bekannt – oder

wurden diese nur in retuschierter Form hingenommen, quasi aus Gründen der Staatsraison, um so eine Galionsfigur zu schmieden, ein Symbol zu kreieren, mit dem man künftig noch mehr vorhatte in der nationalen und Europapolitik?

Das retuschierte Wikipedia-Porträt von Herta Müller,

 aus welchem meine Kritik an ihr unmittelbar nach der Nobelpreisvergabe entfernt worden war, eine Kritik, die Jahre dort Bestand hatte,

spricht für höhere Mächte und Interventionen … auch im demokratischen Freien Westen.

Manchmal soll nicht sein, was nicht sein darf!

Und manchmal stößt der Nachforschende auf eine Mauer des Schweigens und der Verweigerung, was verwirrt, die Skepsis mehrt und Verschwörungstheoretiker auf den Plan ruft.

Um nichts Unredliches in die Welt zu setzen und um alle Missverständnisse a priori zu vermeiden, schrieb ich Herta Müller am 10. 10. 2006 folgendes:

„Sehr geehrte Frau Müller,

Ihr Verlag war so freundlich, den Kontakt zu Ihnen herzustellen.

Ich habe einige Ihrer Bücher gelesen und rezipiere sie in einer Publikation, die ich in absehbarer Zeit veröffentlichen werde. Ich schreibe an einem Werk, das von der Konzeption her ein wissenschaftlich fundiertes Werk ist, sich aber der literarischen Form bedient, also zwischen Belletristik und Sachbuch angesiedelt ist.

Nachdem ich schon seit Monaten keinen Kontakt zu Ihnen bekommen konnte, ich habe W. Totok angesprochen, mit dem ich in Diskussion bin und Dr. Sienerth, der eines Ihrer Gespräche veröffentlicht hat, melde ich mich direkt bei Ihnen.

Ich habe viele Fragen.

Ein Gespräch wäre mir sehr willkommen, auch ein Telefonat, in dem einiges erörtert werden könnte.

Wer bin ich – ein ehemaliger Dissident aus Temeschburg / Sackelhausen, ein Nachbar von Ortinau. Ich habe 1979 die Freie Gewerkschaft SLOMR in Temeschburg gegründet, organisiert, war 6 Monate in Haft, bin 3 Jahre von Pele verhört worden.

Nach meiner Ausreise 1979 habe ich als Sprecher der SLOMR das Regime in Bukarest über die CMT und BIT der UNO verklagt. (Dokumentation im Internet).

Über dieses Thema schreibe ich ein Buch. Die Geschichte der Bewegung mit autobiographischen Rückblendungen in die Welt der Kindheit nach Sackelhausen, über die Jugend in Temeschburg, über den AMG-Kreis, über Literatur, über Literaturrezeption, über Dissidenz, über deutsche Identität, über Heimat etc.

Von mir liegt die Monographie vor: Lenau. Leben – Werk – Wirkung, Heidelberg 1989.

Mehr über mich finden Sie im Internet unter gibsonpr.de

Die Auseinandersetzung mit der Materie implizierte notwendigerweise die Berücksichtigung Ihres Werkes, speziell der Niederungen bzw. Herztier in welchen ähnlich erlebte Phänomene anders dargestellt werden.

Ich habe einige Ihrer Thesen mit in die Diskussion aufgenommen. Dabei interessieren mich neben literaturästhetischen Fragestellungen vor allem die Aspekte der Dissidenz, vor allem jene vor Ihrer Ausreise.

Was war Ihnen und Richard Wagner bzw. anderen aus der Gruppe an konkreter regimekritischer Opposition und Dissidenz möglich?

Welche Aktionen fanden konkret statt?

Ich zitiere ein Dokument, ich welchem Sie noch 1985, als Rumänien am Boden lag, die Führungsrolle der RKP anerkennen.

Sind Sie gefoltert worden?

Was ist Mythos?

Was ist Wahrheit?

Wo beginnt die Fiktion?

Manche Werke sind nur mit dem entsprechenden Hintergrund zu verstehen.

Sie sind angefeindet worden.

Auch mir haben einige Sachen aus Niederungen Bauchschmerzen bereitet und einige schlechte Nächte. – vielleicht reden wir darüber?

Ich will nicht ungerecht rezipieren und Gehässigkeiten verbreiten.

Deshalb ist Aufklärung notwendig.

Ich gehe davon aus, dass Sie einiges in Ihrem späteren Werk zurechtgerückt haben.

Trotzdem, es bleiben viele Fragen – vielleicht kommunizieren wir darüber, bevor mein Buch erscheint.

Sollten Sie sich nicht melden, werde ich Ihre Haltung akzeptieren.

Ich habe das rezipiert, was mir erreichbar und möglich war.

Mit der Landsmannschaft habe ich nichts zu tun.

Es würde mich freuen, wenn Sie aus der Anonymität heraustreten würden und mit mir als einem Ihrer Leser reden würden – mit besten Wünschen

 Carl Gibson

 

P.S. Ich kannte zufällig eine H. Müller aus Nitzkydorf. Eine Hilde.“

Eine Antwort auf – wie es mir erschien – berechtigte Fragen bleib aus.

Herta Müller wollte mir nicht antworten, vielleicht weil bereits viel zu viele Ungereimtheiten und Mythen zirkulierten, an deren Aufklärung sie kein Interesse haben konnte.

Aus heutiger Sicht – und nachdem ich im Oktober 2010 in Bukarest bei der rumänischen Gauck-Behörde CNSAS neben meiner Securitate-Opfer-Akte auch die Akte Herta Müllers „Cristina“ ausgiebig einsehen und studieren konnte – steht für mich und objektiv fest, dass Herta Müller in zahlreichen Punkten die Unwahrheit gesagt und viele relevante Fakten verschwiegen bzw. verschleiert hat.

Weite Teile ihrer angeblichen Verfolgung sind frei erfunden.

Die Beweisführung ist heute jederzeit detailgerecht möglich.

Was früher Vermutung war, ist heute Gewissheit.

Diverse Preise – vom Preis der KAS bis hin zum Nobelpreis – können de facto als erschlichen angesehen werden – bei Vortäuschung von Ereignissen und Tatsachen, die es so nicht gegeben hat und die nicht der historischen Wahrheit entsprechen.

In diesem großen Puzzle von Wahrheit und Lüge, von Mythisierung, Verdrehung und gezielter Täuschung, musste ich mir über die Jahre jeden einzelnen Baustein der Aufklärung mühevoll erarbeiten.

Stigmatisierungen, Diffamierungen übelster Art, Diskreditierung, Isolation etc. mussten – bis hin zur gesundheitlichen Gefährdung – erduldet werden, um  bei schlechtesten Bedingungen und ohne jede Förderung – eine objektives Aufklärungswerk aufrecht zu erhalten, das immer noch nicht abgeschlossen ist.

Während ich Verlage anschrieb, weiter mit der Ausarbeitung meiner Autobiographie zum Thema Widerstand in der Ceausescu-Diktatur beschäftigt war und auf Herta Müllers Antwort wartete, suchte ich nach einer helfenden Hand, nach Unterstützung im Kampf gegen den inzwischen schon niedergerungenen geglaubten Kommunismus in Osteuropa.

An wen appellierte ich?

Als ehemaliger Gewerkschafter etwa an die sozialdemokratische Friedrich Ebert Stiftung der SPD?

Als liberaler Andersdenkender an die freiheitliche Naumann Stiftung der FDP?

Nein, als Aufklärer und Antikommunist appellierte ich an die christlich-konservative Konrad-Adenauer-Stiftung der CDU, nicht zuletzt deshalb, weil ich – bei aller freiheitlichen, ja linksliberalen Gesinnung – mit ganzen Idealismus hinter dem christlich-abendländischen Demokratieverständnis stand, an der Idee des Humanum im Abendland festhaltend, auf Werten basierend auf Würde, Freiheit und Menschenrechte.

Also schrieb ich der Konrad-Adenauer-Stiftung, namentlich ihrem Leiter für Kultur Dr. Hans-Jörg Clement, am 22 .01 2006 folgendes:

Carl Gibson MA

Johann-Hammer -Str. 24

97980 Bad Mergentheim

Herrn Dr. Hans-Jörg Clement, Leiter Kultur

Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.

Tiergartenstr.35

10785 Berlin                                                                         Bad Mergentheim, den 22 .01 2006

Anfrage:

Antrag auf Gewährung eines Arbeitsstipendiums für das Buchprojekt

„Gegen den Strom – Eine Symphonie der Freiheit“

Sehr geehrter Herr Dr. Clement,

sehr geehrte Damen und Herren des Beirats,

ich gehöre zu jenen Menschen, die für eine Idee gekämpft, gelitten und ihr Leben riskiert haben. Um etwas davon der Allgemeinheit zu vermitteln, habe ich, neben anderen Aktivitäten, ein Buch konzipiert, das ich gerne in einem Jahr abschließen und veröffentlichen will.

Um diese politisch historische Dokumentation mit authentischen Zeugnissen adäquat literarisch aufarbeiten zu können, wäre eine Schaffensfreiheit von mindestens einem Jahr notwendig, nach Möglichkeit auch ein Druckkostenzuschuss.

Ich habe bisher noch nie eine öffentliche Förderung in Anspruch genommen und alle bisherigen künstlerischen wie wissenschaftlichen Projekt im idealistischen Alleingang realisiert – und dabei noch die Existenz meiner Familie sichern müssen. Ich wäre froh, wenn ich diesmal auf Hilfe seitens der Adenauer-Stiftung hoffen könnte.

Ich stehe als Liberalkonservativer der CDU recht nahe und bin bereits 1980 in die Partei eingetreten. Während meiner freiberuflichen Tätigkeit hatte ich die Ehre, mehrfach mit Bundeskanzler a. D. Dr. Kohl und Mitgliedern seines ehemaligen Kabinetts zusammen zu treffen – habe bisher jedoch noch nie persönliche Kontakte für eigene Interessen genutzt.

- Hier einige Angaben zu meinem künstlerisch-literarischen wie wissenschaftlichen Werdegang.

Ich publiziere seit 1980, vielfach im journalistischen und kulturellen Bereich. 1982 war ich Mitherausgeber der bundesweiten Kulturzeitschrift „nomen“.

Meine wissenschaftliche Autorentätigkeit begann im Jahr 1986 mit einem Aufsatz zu Nietzsches Lenau-Rezeption, der von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in „Sprachkunst“ veröffentlicht wurde.

Es folgten die Monographie: Lenau. Leben, Werk, Wirkung. Heidelberg, 1989. – ein Werk mit der Qualität einer guten Dissertation, das mit viel Resonanz in der Forschung aufgenommen und besprochen wurde.

Ferner die ebenfalls positiv rezensierten kultur- und wirtschaftshistorischen Darstellungen: Bad Mergentheim und das Trinkwasser. Die Geschichte der Mergentheimer Trinkwasserversorgung. Oldenbourg Verlag, 1994,

und: Erdgas für Tauberfranken und Hohenlohe, Oldenbourg Verlag, 1999.

In den letzten Jahren begründete ich ferner die regionalgeschichtliche Reihe: Brunnen und Quellen in Tauberfranken. Band I: Ein Beitrag zur historischen Trinkwasserversorgung des Weinortes Markelsheim, Wesel Verlag Baden-Baden, erschien 2004. Band II : Die historische Trinkwasserversorgung der Bad Mergentheimer Ortschaften, Dörtel, Herbsthausen und Schönbühl, folgte im Jahr 2005 im gleichen Verlag.

Im Augenblick arbeite ich zusätzlich noch an einem Buch zur Geschichte der Stromversorgung im Taubertal, sowie an dem breiter angelegten, sehr forschungsintensiven Werk

„ Einsamkeit und Melancholie in Philosophie, Dichtung und moderner Gesellschaft“.

Absolute Priorität genießt jedoch das zeithistorische Projekt „Gegen den Strom – Eine Symphonie der Freiheit“, in welchem das freiheitliche Eintreten eines jungen Menschen in einer der grausamsten Diktaturen des Ostblocks dargestellt wird.

Es ist ein zeithistorische Dokument zur jüngsten europäischen Geschichte, das die Gründe für den Zerfall des Ostblocks aus konkreter Anschauung heraus darlegt. Es ist ein autobiographisches Zeugnis in einer literarisch wie ideengeschichtlich anspruchsvollen Form. Ist ein Projekt dieser Art förderungswürdig?

Weitere Auskünfte erteile ich gern!

Carl Gibson

P.S. Anlagen: Eine Kurzvita, ein Exposé als Abstrakt. Ausführliche Unterlagen lege ich gerne vor.“

Die höfliche Absage des KAS-Leiters Kultur Dr. Hans-Jörg Clement wurde bereits am 26. 01.2006 aufgesetzt und mir zugeschickt – mit einer formalen Begründung verbunden und dem Hinweis, die Stiftung sei von Mittelkürzungen betroffen.

Vielleicht war zu diesem Zeitpunkt schon absehbar, dass künftig die Mittel der KAS sinnvoller eingesetzt werden sollten, u. a. für die Reise des Vorsitzenden Dr. Bernhard Vogel ins rumänische Siebenbürgen, um dort mit der von der KAS prämierten Herta Müller, ihren ehemaligen kommunistischen Ehemann Richard Wagner und dem Securitate-Informanten Eginald Schlattner im Rahmen eines Symposions Europapolitik zu betreiben, während die echten Dissidenten der Ceausescu-Diktatur draußen vor der Tür zu bleiben hatten.

Doch davon ahnte ich im Jahr 2006 natürlich noch nichts.

In den Folgejahren der Ausarbeitung recherchierte ich weiter und stieß immer wieder auf neue Ungereimtheiten und ungeklärte Fragestellungen, die ich im Jahr 2008 – nach der Veröffentlichung meines Werkes „Symphonie der Freiheit“ – endlich geklärt habe wollte.

Darüber hinaus hatten einige öffentliche Debatten (Spitzelaffäre in Berlin) diese Notwendigkeit weiter nahegelegt.

Also schrieb ich erneut an die Konrad-Adenauer-Stiftung, wieder in der Hoffnung auf konstruktive Mitwirkung und Aufklärung:

„An die

Konrad Adenauer-Stiftung e.V.

53757 Sankt Augustin

Via Fax und Email

Sehr geehrte Frau Dr. Tandecki,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 5. August.

Leider hilft es mir nicht, die Sache aufzuklären.

Ich bitte um folgende Auskünfte:

  1. Welche Jury hat diese Entscheidung herbeigeführt?

Ich bitte um Zusammensetzung und die Namen der Juroren mit Funktion und Parteizugehörigkeit.

  1. Wurden auch Historiker, ehemalige Bürgerrechtler etc. gehört?

Welche?

Ich gehe davon aus, dass die KAS sich der „historischen Wahrheit“ verpflichtet fühlt und gemäß den demokratischen Spielregeln schon im eigenen Interesse an einer Aufklärung der Materie interessiert ist.

  1. Fakt ist:

Herta Müller war lange Jahre Nutznießerin der Ceausescu-Diktatur.

In dieser Zeit hat sie als „Nestbeschmutzerin“ (Terminus der literaturwissenschaftlichen Forschung) ihre bedrängten Landsleute (klassisches CDU-Wählerpotential) verunglimpft.

Nach meinem Wissensstand hat sie sich dafür nie entschuldigt.

  1. Nach meiner Auffassung ist ihre „Dissidenten-Vergangenheit“ inszeniert und nirgendwo belegt.

Damit sehe ich eine Irreführung und Täuschung der bundesdeutschen Öffentlichkeit als gegeben an, die von der KAS noch a posteriori sanktioniert wird.

  1. Ich habe die „Materie Herta Müller „ in meinem Buch

„Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur“, Dettelbach, 2008, bis zu einem gewissen Grad aufgeklärt.

Die KAS wollte das Projekt „nicht fördern“! (Siehe Anlage!)

  1. Anfrage:

Hat die KAS nun Fördermittel für Band 2 der Forschungsarbeit eines langjährigen Dissidenten gegen totalitäre Verhältnisse:

Gegen den Strom. Deutsche Identität und Exodus?

Ich werde die Diskussion dort differenziert weiter führen.

Wenn Frau Herta Müller, deren „literarische Leistung“ höchst umstritten ist, die Wahrheit auf ihrer Seite haben sollte, dann bedarf es keiner Verteidigung durch die KAS.

Ich bezweifle auch die moralische Integrität von Herta Müller, die sich nicht kritisch ihrer Vergangenheit stellt.

Die KAS hat als moralische Einrichtung eines demokratischen Staates vielmehr die Pflicht, darauf zu achten, dass mit der tatsächlichen Wahrheit kein Missbrauch getrieben wird.

Können wir auf einmal vergessen, dass Herta Müller die Rumänische Kommunistische Partei anerkannt hat, als das Land 1985 ruiniert am Boden lag?

  1. Will die KAS den Opportunismus, in dem ich persönlich den Untergang der Demokratie sehe, noch ermutigen?
  1. Verzeihen Sie, wenn ich mich als langjähriger Dissident, deutscher Patriot und christdemokratischer Staatsbürger so einfach nicht abwimmeln lasse.

Ich werde weitermachen – mit oder ohne die Unterstützung der KAS.

Nachbemerkung:

Im Ostblock war es üblich, dass sich Bürgerrechtler und Oppositionelle, die nicht gehört wurden, am Beispiel Jan Palachs in Prag 1968 orientiert – öffentlich anzündeten, um ein Signal zu setzen.

Die Verzweiflung ist auch heute groß, wo das Unrecht geehrt wird und die Welt auf dem Kopf steht. In den Weiten Deutschlands, wo die Stimmen der Demokraten im Nichts verhallen, ist es bald auch soweit.

Die CDU soll sich nicht wundern, wenn ihre arg enttäuschten Stammwähler aus Überdruss zu den Radikalen überlaufen!

Mit freundlichen Grüßen Carl Gibson

Anlagen“

Auf mein erstes Schreiben an die KAS-Zentrale am Rhein sowie auf die an den Präsidenten der KAS, Dr. Bernhard Vogel gesandten Emails, deren Text heute nicht mehr auffindbar ist, erfolgte eine ausweichende Antwort aus der Feder von Frau Dr. Daniela Tandecki, in welcher die KAS-Ehrung Herta Müllers in Berufung auf frühere Preise und auf das Votum der Juroren gerechtfertigt wird.

Ungeachtet meiner persönlichen Betroffenheit solle ich die Entscheidung respektieren, also nichtüberprüft hinnehmen und es dabei belassen.

Ein Journalist, der von einer Ungerechtigkeit erfährt, aber nichts tut, um sie abzuwenden, der ist kein Journalist, der hat seinen Beruf verfehlt.

Bei Dissidenten ist das ebenso. Sie muckten auf, als etwas faul war im Staate Dänemark!

Und jetzt, Anno Domini 2008, fordert die KAS das ehemalige Parteimitglied der CDU Carl Gibson auf, Ruhe zu geben, Unwahrheiten zu akzeptieren, keine kritischen Fragen zu stellen.

Im Kommunismus  – bei Ceausescu und Honecker -war das so üblich!

Doch in der Demokratie?

Ein Autor und Bürgerrechtler soll schweigen, damit andere ihr Lügenwerk vollenden können?

Aus meiner Sicht – eine Ungeheuerlichkeit,

ein Skandal erster Güte!

Ergo hakte ich nach und schrieb ergänzend folgendes:

“Carl Gibson

Johann Hammer-Str. 24

97980 Bad Mergentheim

An die Konrad Adenauer-Stiftung e.V.

53757 Sankt Augustin

Via Fax und Email

Sehr geehrte Frau Dr. Tandecki,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 5. August.

Leider hilft mir auch Ihre ausweichende Antwort vom 5. September nicht, die Sache aufzuklären.

Ich bitte vorab um eine prinzipielle Auskunft:

Sprechen Sie in dieser Materie für die gesamte KAS

und ist ihre ausweichende Stellungnahme mit dem Vorstand der KAS abgestimmt?

Der geschiedene Ehemann von Frau Herta Müller,

der Dichter Richard Wagner,

nach Auskunft des Literaturarchivs Marbach seit 1972 Mitglied der Rumänischen Kommunistischen Partei,

verdächtigt mich, an einer Kampagne gegen Herta Müller im Vorfeld der KAS-Preisverleihung teilgenommen zu haben.

Deshalb sehe ich die KAS in der Pflicht den Nachweis zu liefern,

dass diese unterstellerische Behauptung falsch ist.

Alles, was ich in einer politischen Diskussion zu sagen habe, erfolgte und erfolgt öffentlich und auf der Grundlage von Fakten.

Deshalb strebe ich eine „parlamentarische Anfrage“ in der Sache Herta Müller an, die der KAS eine unvollständige Vita vorgelegt hat (Lücken über ein Jahrzehnt).- und dabei höchst wahrscheinlich erhebliche Tatsachen (eine mögliche Zugehörigkeit zur Rumänischen Kommunistischen Partei) verschwiegen hat.

Sollten Ehrungen erschlichen worden sein, dann ist eine Aberkennung des Preises durch die KAS nur eine logische Konsequenz.

In einem Schreiben vom 10.10. 2006 habe ich Herta Müller gebeten, ihr Verhältnis zur RKP aufzuklären.

Die Schriftstellerin hat dazu keine Aussagen gemacht.

Nach meiner Auffassung von Moral und intellektueller Redlichkeit ist sie zu einer umfassenden Aufklärung verpflichtet, gerade gegenüber der bundesdeutschen Öffentlichkeit, deren Ehrung sie über die KAS annimmt.

Aus diesen Gründen bitte ich die KAS nochmals um folgende Auskünfte:

Welche Jury hat diese Entscheidung herbeigeführt – und mit welchem Votum? Ich bitte um Zusammensetzung und die Namen der Juroren mit Funktion

und „Parteizugehörigkeit“.

Wurden auch Historiker, Politologen, ehemalige Bürgerrechtler etc. gehört?

Welche?

Ich gehe davon aus, dass die KAS sich der „historischen Wahrheit“ verpflichtet fühlt und gemäß den demokratischen Spielregeln schon im eigenen Interesse an einer Aufklärung der Materie interessiert ist.

Fakt ist:

Herta Müller war lange Jahre Nutznießerin der Ceausescu-Diktatur.

In dieser Zeit hat sie als „Nestbeschmutzerin“ (Terminus der literaturwissenschaftlichen Forschung) ihre bedrängten Landsleute (klassisches CDU-Wählerpotential) verunglimpft. Nach meinem Wissensstand hat sie sich dafür nie entschuldigt.

Nach meiner Auffassung ist ihre „Dissidenten-Vergangenheit“ inszeniert und nirgendwo belegt. Damit sehe ich eine Irreführung und Täuschung der bundesdeutschen Öffentlichkeit als gegeben an, die von der KAS über den Preis noch a posteriori sanktioniert wird.

Ich habe die „Materie Herta Müller „ in meinem Buch „Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur“, Dettelbach, 2008, bis zu einem gewissen Grad aufgeklärt.

Die KAS wollte das Projekt „Nicht fördern!

Anfrage: Hat die KAS Fördermittel für Band 2 der Forschungsarbeit eines langjährigen Dissidenten gegen totalitäre Verhältnisse:

Gegen den Strom. Deutsche Identität und Exodus?

In meinem Schreiben vom 22. 1. 2006 an Dr. Clement erkundigte ich mich nach einem eventuellen Stipendium bzw. nach einem Zuschuss, der durchaus auch symbolischer Art hätte sein können.

Ich werde die Diskussion in Bd. 2 differenziert weiter führen.

Wenn Frau Herta Müller, deren „literarische Leistung“ höchst umstritten ist, die Wahrheit auf ihrer Seite haben sollte, dann bedarf es keiner Verteidigung durch die KAS.

Vor dem literarischen Experiment kommt immer noch die „moralische Integrität“ der Autorin bzw. die von ihr vermittelte politische Botschaft, die auch heute noch zum Teil polarisierend, spaltend und destruktiv ist.

Die KAS hat als moralische Einrichtung eines demokratischen Staates vielmehr die Pflicht, darauf zu achten, dass mit der tatsächlichen Wahrheit kein Missbrauch getrieben wird.

Können wir auf einmal vergessen, dass Herta Müller die Rumänische Kommunistische Partei anerkannt hat, als das Land 1985 ruiniert am Boden lag?

Will die KAS den „Opportunismus“, in dem ich persönlich den Untergang der Demokratie sehe, noch ermutigen?

Verzeihen Sie, wenn ich mich als langjähriger Dissident, deutscher Patriot und christdemokratischer Staatsbürger so einfach nicht abwimmeln lasse.

Der Literaturpreis der KAS ist an sich ein politischer Preis.

Ich werde weitermachen – mit oder ohne die Unterstützung der KAS.

Nachbemerkung: Im Ostblock war es üblich, dass sich Bürgerrechtler und Oppositionelle, die nicht gehört wurden, am Beispiel Jan Palachs im Prag 1968 orientiert – öffentlich anzündeten, um ein Signal zu setzen.

In den Weiten Deutschlands, wo die Stimmen der Demokraten im Nichts verhallen, ist es bald auch soweit.

Die CDU soll sich nicht wundern, wenn ihre arg enttäuschten Stammwähler aus Überdruss zu den Radikalen überlaufen!

Carl Gibson, Philosoph, ehem. Bürgerrechtler und anerkannter pol. Häftling

P.S. Ich behalte mir vor, diese Schreiben zu veröffentlichen.“

Heute, vier Jahre danach mache ich diese einseitige Korrespondenz bekannt.

Fakt ist auch heute:

Die Konrad-Adenauer-Stiftung und somit die CDU fördert ehemalige Linke, Antideutsche und Kommunisten

und lässt im gleichen Atemzug einen aufrechten antikommunistischen Dissidenten im Regen stehen,

ohne ihn anzuhören,

ohne seine Argumente zu prüfen.

Was ist das anderes als zynische Machtpolitik jenseits von Ethos und Moral?

 

Nun – wie ging die Debatte zu Ende?

Nachdem die KAS die Angelegenheit höchst dilatorisch behandelte, im Versuch, die Sache auszusitzen wie andere in höheren Sphären der Politik, den Kritiker zermürbend mundtot zu machen, griff ich zum Telefon und erkundigte mich nach dem Stand der Dinge.

Ich wurde von Pontius zu Pilatus geschickt und vertröstet.

Schließlich erreichte mich das Schreiben des Leiters Prof. Günther Rüther vom 10.09.2008 via PDF-Datei mit dem Hinweis, die Diskussion sei aus der Sicht der KAS nunmehr beendet. Man fühle sich nicht verpflichtet, auf meine gegen Herta Müller erhobenen Vorwürfe einzugehen oder die Entscheidung der Jury zu rechtfertigen.

Darüber hinaus hätte ich mich während meines Anrufs im Gespräch mit dem KAS-Mitarbeiter Kuklik in Stil und Ton vergriffen. Von weiteren Anfragen solle ich künftig absehen.

Soweit das Machtwort von Professor Günther Rüther, der mit keinem Wort auf meine berechtigten Fragen einging.

Apropos deplatzierter Stil in der telefonischen Auseinandersetzung mit verschiedenen Mitarbeitern des KAS –

Das ist eine Unterstellung, ein Vorwurf, der sich nicht beweisen lässt. Ich weise ihn mit aller Entschiedenheit zurück.

Trotzdem, der Ton macht die Musik. Die Erregtheit eines unmittelbar betroffenen Zeitzeugen, den man Wochen lang warten lässt und der mit höchst trivialen Argumenten abgewimmelt werden soll, ohne gehört zu werden, hört sich in den Ohren eines Angestellten, der nur Dienst nach Vorschrift tut, möglicherweis e merkwürdig an. In einer Debatte aber, wo es um Wahrheit und Lüge geht, um eine mögliche Täuschung der Öffentlichkeit, schließlich um die Frage, ob die KAS frühere Kommunisten fördert, um gleichzeitig überzeugte Demokraten und antikommunistische Widerstandskämpfer zu ignorieren, zählen die Fakten und die tatsächliche Aufklärung-

Dieser kritischen Aufklärung hat sich die Konrad Adenauer-Stiftung verweigert, indem sie den Dialog mit mir aus fadenscheinigen Gründen abwürgte.

Wollte sie nur vom eigenen Versagen ablenken?

Basta!

So geht die demokratische Einrichtung Konrad-Adenauer-Stiftung mit deutschen Staatsbürgern um, die ihr Recht auf Aufklärung dubioser Praktiken einfordern.

Wurde da bereits an einem großen Rad gedreht?

Hatte man bei der KAS und bei der CDU noch mehr mit Herta Müller vor?

Sie, die Systemloyale der Ceausescu-Diktatur, war nunmehr für den Nobelpreis nominiert.

Konnte der Nobelpreis auch durchgesetzt werden, wenn der echte Lebenslauf von Herta Müller der Allgemeinheit bekannt wurde?

Wohl kaum!

Ergo musste man Carl Gibson zum Schweigen bringen … und all die anderen kritischen „Leserbriefschreiber“, die schon vor Carl Gibson an die KAS geschrieben und Fakten angesprochen hatten!

Waren sie alle Instrumente und „nützliche Idioten“ der Securitate – zu denen sie von KP-Mitglied und Herta Müller-Gatte Richard Wagner öffentlich abgestempelt und angeprangert wurden?

Ich weiß nicht, was andere der KAS berichteten – ich weiß nur, dass die KAS meiner Argumentation nicht gefolgt ist und über ihren KAS-Preis erheblich politisch dazu beigetragen hat, dass Herta Müller auch den Nobelpreis erhielt und das große Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland, obwohl ihre moralische Integrität nicht gegeben und ihr angeblicher Widerstand bzw. ihre Verfolgung im Kommunismus frei erfunden sind.

Ergo:

KAS und CDU müssen sich den Vorwurf einer moralischen Mitschuld gefallen lassen, einen Vorwurf, den ich als Mensch und Philosoph weiterhin erheben werde, weil die Spitze der Konrad-Adenauer-Stiftung und der CDU nachträglich von meinen Richtigstellungen erfuhren und trotzdem keine Konsequenzen zogen, eben deshalb, weil man sich als Teil eines Systems, das Fehler gemacht hat, nicht selbst belasten wollte.

Diese existenziell verständliche, an sich aber zutiefst zynische, ja machiavellistische Haltung werde ich nie hinnehmen. Ich werde solange öffentlich agieren, bis der Gerechtigkeit Genüge getan ist.

Mehr zur Materie auch unter:

Die Konrad Adenauer-Stiftung und die Kommunismus-Bewältigung in Rumänien

(Link zur Original-Diskussion im SbZ-Forum) unter:

http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/795-die-konrad-adenauer_stiftung-und-die/

Ein Auszug aus meinen Kommentaren dort wird demnächst nachgereicht.

 Briefcollage

Bücher, Books, Publikationen von Carl Gibson

Täuschung und Irreführung durch Stilisierung, Beschönigung im Verschweigen erheblicher Tatsachen?

Damit alles seine Richtigkeit hat, hat die Konrad-Adenauer-Stiftung ihre Preisverleihung an Herta Müller dokumentiert. Verantwortlich für diese im Internet auffindbaren Dokumentation – und somit für ihre unbefriedigenden Inhalte – ist Professor Günther Rüther, derselbe deutsche Professor und KAS-Angestellte, der mir, dem antikommunistischen Bürgerrechtler das kritische Nachfragen untersagte, vielleicht aus deshalb, weil die vom ihm zu verantwortende KAS-Preis- Dokumentation einer kritischen Überprüfung nicht standhält.
Die Konrad-Adenauer-Stiftung hat ihre Wunschvorstellungen darin dargestellt, Fakten hingebogen, geschönt, kurz inszeniert. Indem erhebliche Fakten präsentiert wurden, die nicht der historischen Wahrheit entsprechen und andere Tatsachen verschwiegen wurden, wurde die Öffentlichkeit getäuscht.
Wesentliche Ungereimtheiten, die mir damals im Jahr aufgefallen waren und die Argumentation meiner KAS-Nachfragen 2008 begründeten, können heute noch besser nachgewiesen werden, da – nach Akteneinsicht bei der rumänischen Gauck-Behörde CNSAS – weitere Daten zur Verfügung stehen.

Werfen wir einen Blick auf den Text der Ehrungsurkunde, wo es heißt Herta Müller sei 1987 aus der Ceausescu-Diktatur „geflohen“.
Fakt ist:
Die staatsloyale und von dem rumänischen Kommunisten geförderte Schriftstellerin Herta Müller, seinerzeit eine privilegierte Westreisende, wollte lange Jahre überhaupt nicht ausreisen.
Wer aus Rumänien „floh“, flüchtete, der flüchtete unter Lebensgefahr in der Regel über die Grüne Grenze. Ich selbst wurde an dieser grünen Grenze des ehemaligen Ostblocks zur Freien Welt bei einem Fluchtversuch aufgegriffen und gefoltert.
Andere Bekannte wurden totgeschlagen, in der Donau erschossen, einfach dahin gemordet.
Herta Müller aber reiste bequem mit einem Reisepass aus, nach dem sie mehrfach in der Bundesrepublik geweilt und die Spielregeln der Demokratie sowie der kapitalistischen Geldwirtschaft realitätsnah studiert hatte.
In der gleichen Urkunde heißt es weiter, Herta Müller habe sich in ihrem Werk mit der Diktatur auseinandergesetzt, sie habe gegen verordnetes Denken protestiert und den Aufbruch der nationalen Minderheiten begleitet. Das ist undifferenzierte Schönfärberei, sonst nichts.
Dass Herta Müller von „Hass“ getrieben „Niederungen“ veröffentlichte, Erzählungen, in welchen sie – statt gegen die Kommunisten gegen ihre deutsche, verfolgte Minderheit anschrieb, davon berichtet die Urkunde nichts.
Auch hört man dort nichts von den Preisen, die ihr die Kommunisten ihres Ehemannes Richard Wagner zuschanzten, um ihre Wühlarbeit gegen die eigene deutsche Minderheit im Banat zu stützen.
In der von der KAS in der Dokumentation veröffentlichten Vita Herta Müllers wird der ihr verliehene Preis der Jungkommunisten als Preis des Schriftstellerverbandes bezeichnet, eines Verbandes, dem sie nicht angehörte.
Aus meiner Sicht ist das Heuchelei seitens der Konrad-Adenauer-Stiftung, die sich ihr Bild willkürlich so zurechtlegt, wie es ihren Interessen und Zwecken behagt.
Aus heutiger Sicht erscheint dieses Prozedere als eine Art Reinwaschungsakt einer moralisch Besudelten, um sie für die anstehende Nobelpreis-Nominierung weiß zu waschen.
Das ist Machiavellismus vom Feinsten, der angeblich von der breiten Masse nicht durchschaut wird!?
Und doch wird es ins Auge gehen, mit und ohne Nobelpreis, weil eine moralisch nicht integere Person niemals weiß gewaschen werden kann.
Vor mir wurden, wenn Richard Wagner Hinweis auf eine Kampagne gegen Herta Müller zutrifft, bei der KAS wahrscheinlich andere anständige Banater Schwaben gestoppt, werte Staatsbürger, die nur über Fakten berichten und aufklären wollten?
So versteht die KAS der CDU Demokratie und den konstruktiven Dialog – als Wille zur Macht, rücksichtslos und willkürlich!?
Herta Müller, eine Opportunistin, die über Nacht die Fronten wechselte, nachdem die Titanic des Kommunismus den Eisberg gerammt und sie den Klang und Lockruf des Geldes vernommen hatte, wird von der Konrad Adenauer-Stiftung zur Heldin und Widerstandskämpferin stilisiert, obwohl kein einziger oppositioneller Akt dieser kontrovers diskutierten Schriftstellerin bekannt ist.
Die lächerliche Behauptung, sie hätte sich einer Securitate-Mitarbeit verweigert (und deshalb in der Fabrik Technometal als Übersetzerin arbeiten müssen)ist nur ein nicht verifizierbares Gerücht, mehr nicht, auch wenn es noch so oft wiederholt und in alle Welt hinaus posaunt wird.
Herta Müller ist eine Geschichten-Erzählerin mit blühender Fantasie, die ihre eigene Vergangenheit selbst erfindet.
Ja, statt sich der Geschichte zu stellen, der dubiosen Vergangenheit in Zusammenarbeit mit den Kommunisten, dem Pakt mit den roten Teufeln, wird alles, was nicht passt, ignoriert und verdrängt.
Herta Müller erfindet sich selbst – sie erfindet sich neu
und sie erfindet sich so, dass sie in eine Rolle hinein passt, die ihr andere zugedacht haben.
Steigbügelhalter, Knochennager aller Art, früher nützliche Idioten der Rumänischen Kommunistischen Partei und sogar Informanten des Geheimdienstes Securitate werden hinzugezogen, diese neuen Thesen via Mehrheitsbildung und Akklamation unkritisch zu stützen, indem sie – nach Art der Kommunisten und Post-Kommunisten Geschichte willkürlich uminterpretieren und so Geschichtsklitterung betreiben.
Authentische Zeitzeugen hingegen, die diesen Erfindungen widersprechen, Opfer des Kommunismus aus den Gefängnissen der Ceausescu-Diktatur, werden von der Konrad Adenauer-Stiftung abgehalten, ihr Testimonium zu formulieren und öffentlich zu machen, nur weil es den Zielsetzungen der Konrad Adenauer-Stiftung und der CDU widerspricht.
Auch mit Täuschung und Volksverdummung kann man Wahlen gewinnen.
Hauptsache, die breite Masse merkt nicht, was da gespielt und an welchem Rad da gedreht wird.
Ja, bei so viel destruktiver Energie und Verhinderungsbestreben – auch über bestimmte Medien – drängt sich der Begriff einer
„Herta Müller-Verschwörung“
auf, auch wenn diese Person nicht der Zweck ist, sondern nur das Mittel, den Endzweck zu erreichen.
Der Endzweck aber die der Wille zur Macht, die Sicherung der Macht und die konkrete Machtausübung in der innen- und Außenpolitik Deutschlands und Europas.
Die Gegner der CDU und die Ausländer werden noch darauf kommen, was da an konkreter Machtentfaltung vorexerziert wird – auch über Kultur oder „Literatur“!
Die Hoffnung, deutsche Schriftsteller würden aufmucken und gegen die einseitige Bevorzugung einer kontrovers diskutierten Literatin aus ihren Reihen protestieren, habe ich fast schon aufgegeben. Jeder macht seinen Kram und kümmert sich unpolitisch-apolitisch um eigene Belange, ohne sich groß zurückgesetzt, ja diskriminiert zu fühlen, selbst potenzielle Nobelpreiskandidatin, die bei der Nominierung übergangen wurden, schweigen.
Desto mehr aber hoffe ich auf die Stimme des kritischen Auslands, auf die Aufklärer-Nation Frankreich und auf die Intellektuellen dort, die sich nicht den Mund verbieten lassen wie die legalistischen Deutschen; ich hoffe auf kritische Stimmen aus Polen, wo man genau weiß, wo Widerstand gegen den Kommunismus bedeutet und wie es im ehemaligen Ostblock zuging, ferner hoffe ich auf die Intervention der Common-sense-Nationen in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten von Amerika.
Dort wird es eine kritische Nobelpreis-Nachlese geben, wo man auch über den Kulturimperialismus der Deutschen diskutieren wird, die sich mit der Nominierung und durchgesetzten Ehrung Herta Müllers möglicherweise einen Bärendienst erwiesen haben.
Die ganze Wahrheit wird noch an den Tag kommen, eben weil der kritische Sinn in den Demokratien des Westens funktioniert und auf Dauer nicht unterdrückt werden kann. Daran glaube ich fest und innerlich überzeugt.
Zurück zur KAS-Dokumentation, deren Text der Ehrungsurkunde viel Interpretationsspielraum zulässt. Je nach Sichtweise wird der Befürworter einen Aspekt betonen, der Kritiker eine anderen.
Es bedarf keiner besonderen Erwähnung, dass sich für alles Gefälligkeitsgutachter finden lässt, Prosituierte des Geistes auch aus den Sphären der Alma Mater, die gegen entsprechendes Honorar das abliefern, was man von ihnen erwartet, auch wenn sie sich in der Welt des Kommunismus nicht auskennen und auch wenn sie ihr „wissenschaftliches Gewissen“ eine Weile auf Eis legen müssen.
Pecunia non olet – im Westen ebenso wenig wie in der korrupten Scheinwelt des real existierenden Sozialismus.
Doch was ist mit dem Lebenslauf von Herta Müller?
Darf man ein „Leben“ a posteriori verfälschen, nur um zu einem billigen Zweck zu gelangen?
Was wird aus den viel beschworenen abendländischen Werten, wenn die Hüter der Demokratie nach Lust und Laune lügen und täuschen?
Weshalb ist Herta Müllers Lebenslauf nicht vollständig?
Weshalb wird auch dort gemauschelt, verdreht, angepasst, zurechtgebogen, interpretiert, verschwiegen?
Weshalb werden Lücken übersprungen und Fakten, die nicht ins Konzept passen ignoriert?
Nur, weil gewisse Dinge nicht sein sollen, die nicht sein dürfen!?
Konkret nachgefragt:
Weshalb werden die kommunistischen Preise verschwiegen, die Herta Müller in der Ceausescu-Diktatur empfangen hat?
Weshalb wird ihre Ehe mit dem langjährigen Kommunisten Richard Wagner verschwiegen?
Weshalb werden ihre mehrfachen Westreisen Jahre vor ihrer Ausreise in die BRD verschwiegen?
Den Antworten auf diese von mir oft und öffentlich gestellten Fragen geht die Konrad Adenauer-Stiftung systematisch aus dem Wege.
Je genauer man hinschaut und je mehr man selbst recherchiert hat, desto deutlicher erscheint die Intention einer Deviation über Selektion. Der oberflächlich rezipierende Leser und Bürger soll durch eine pseudoplausible Auswahl in die Irre geführt und getauscht werden.
So arbeiteten die Kommunisten – mit Halbwahrheiten, die eigentlich Lügen sind. Das System des Belügens der breiten Bevölkerung hat inzwischen die freie Welt des Westens erreicht, steht in Blüte und scheint zu wuchern, auch durch meinungsbildende Manöver wie bei der Konrad-Adenauer-Stiftung und ähnlich orientierten Parteien oder Medien.
Kritische Intellektuelle, freie Geister, unabhängige Journalisten, querdenkende Autoren, souveräne Aufklärer aller Art werden isoliert, kastriert, wenn nötig diffamiert und in die Wüste geschickt oder in die Katakomben, wo ihr freies Wort kein Gehör findet, während die großen Lügner mit und ohne Auftrag auf dem Markt agieren und mit Trug und Täuschung die Köpfe des Volkes verwirren.
Ja, so funktioniert Demokratie in Deutschland Anno Domini 2012!

Mehr zur Materie auch unter:
Die Konrad Adenauer-Stiftung und die Kommunismus-Bewältigung in Rumänien
(Link zur Original-Diskussion im SbZ-Forum) unter:

http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/795-die-konrad-adenauer_stiftung-und-die/

Ein Auszug aus meinen spontanen Kommentaren aus der Situation heraus zur Thematik wird hier nachgereicht.

Fotos: Carl Gibson
©Carl Gibson

Link zur Original-Diskussion im SbZ-Forum unter:

http://www.siebenbuerger.de/forum/allgemein/795-die-konrad-adenauer_stiftung-und-die/

Die Konrad Adenauer-Stiftung und die Kommunismus-Bewältigung in Rumänien

(Meine Vorrede als Eröffnung der Diskussion im SbZ-Forum):
Die Konrad Adenauer-Stiftung macht Außenpolitik in Rumänien (?),ohne Lust, die kommunistische Vergangenheit der Ceausescu-Diktatur mit ansprechen und mit aufarbeiten zu wollen.
Ehemalige antikommunistische Widerstandskämpfer aus der Zeit der Ceausescu-Diktatur, Regimekritiker, Dissidenten werden nicht eingeladen, ja ausgegrenzt.
Stattdessen versichert sich die KAS der Mitwirkung ehemals systemloyaler Schriftsteller wie Herta Müller, Richard Wagner (lange RKP- Mitglied) und Eginald Schlattner (Schriftsteller-Denunziant.
Dient dieser auch als “private Außenpolitik” deutbare einseitige Aktionismus den Interessen der Bundesrepublik Deutschland bzw. der CDU/CSU?
Als antikommunistischer Widerstandskämpfer und Zeitzeuge fühle ich mich verpflichtet, diese Diskussion an die Öffentlichkeit zu bringen.
Ich zitiere hier die zwei ADZ –Artikel nach dem Wortlaut des “Banatblog” – mit meinen Kommentaren (dort) dazu. Die SbZ hat zur Thematik nach meinem Erkenntnisstand noch nichts berichtet? Oder? Was sagen die „Siebenbürger.de“- bzw. die SbZ-Leser zu diesem Thema?
Ist es richtig, die Verbrechen der Kommunisten unter den Teppich zu kehren, sie zu vergessen, sie ungeschehen zu machen?
Oder verhöhnt man so nur die Opfer des Kommunismus, jene 100 Millionen Tote, die diese zynische Weltanschauung weltweit gefordert hat?

Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien:
„Nicht hier tätig, um Klagen zu erheben, sondern um Entwicklungen zu unterstützen“
ADZ-Gespräch mit Dr. Bernhard Vogel, Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung
(…)

Wenn die CDU-nahe KAS in Hermannstadt/ Sibiu/Siebenbürgen/Rumänien eine Tagung über abendländische “Werte” veranstaltet, diese Konferenz jahrelang vorbereitet und dabei die potentiellen “Kritiker” der erwarteten Einheitsharmonie a priori “ausschließt”, dann ist das durchaus ein Thema, das die Benutzer der “Siebenbuerger.de” Plattform bzw. die Leser der Siebenbürgischen Zeitung Online interessieren sollte.
Das ist meine bescheidene Meinung!
“Banatblog” ist eine noch ganz junge Initiative eines jungen Mannes (keine landsmannschaftliche Plattform!) – und in der Tat mit noch wenig “user”. (Aber Sie können gern dort auf meine Kommentare antworten!)
Doch “banatblog” hat das Interview mit KAS Präsident Dr. Bernhard Vogel aus der ADZ reproduziert bzw. den Bericht von Frau Hanelore Baier aus der ADZ über die Konferenz wiedergegeben.
Da die Diskussion über die KAS-Konferenz in Hermannstadt hier bereits im Vorfeld der Tagung angeklungen war und kritische Fragen dazu auftauchten, ist es – aus meiner Sicht richtig – sie weiter zu führen.
Die Bürger der Bundesrepublik müssen wissen, was die KAS in Rumänien macht, mit wem sie sich umgibt und wie sie über abendländische “Werte” reden will, wenn die Verfechter gerade dieser “Werte” in schwerer Zeit heute dort ausgeschlossen werden.
(Nach meinem Wissen wird die Außenpolitik vom Kanzleramt gemacht und über das Auswärtige Amt durchgesetzt, nicht über einseitige, parteipolitisch gesteuerte Stiftungen.
Was die KAS in Rumänien tut, ob sie nach der Bewältigung des Kommunismus mit Basescu redet oder nur eitles “Shake hands“ betreibt, ist durchaus ein moralisches Problem und ein innenpolitisches noch dazu, gerade im Superwahljahr!
Wenn der CDU die Wähler davon laufen, dann kann sie sich bei der KAS erkundigen, weshalb das so ist!
Ich habe vor 30 Jahren als Schüler und CDU-Mitglied die Partei-Beiträge von meinem Schüler-Taschengeld bezahlt, nachdem ich Jahre in Opposition war, aus einem Idealismus heraus und überzeugt, dass die christlich-demokratischen “Werte” den Symbolen “Hammer und Sichel” entgegengehalten werden müssen.
Das sehe ich heute auch noch so, als Zeitzeuge, der davon überzeugt ist, dass der Kommunismus noch längst nicht besiegt ist.
Wenn in diesem Land die patriotischen Kräfte demontiert werden, auch indirekt, dann ist es mein legitimes Recht zu fragen, wer das tut und weshalb.
Carl Gibson.
Wie halten Sie es mit der Kommunismus-Bewältigung?
Erledigt sich die verbrecherische Sache des Kommunismus weltweit von selbst – wie in Russland über eine Oligarcho-Diktatur oder wie? Und was sind “Werte” wert, wenn “die” unglaubwürdig sind, “”die sie verfechten?
Umwertung aller Werte – und ein neuer Pakt mit dem Teufel?
Und noch etwas zum Thema:
Wie finden Sie das, was die KAS in Sibiu/Romania bei Weihrauch und Myrrhe dort veranstaltet?
(Wer so trefflich aus dem Verborgenen schimpfen kann, der hat sicher noch ein paar Argumente auf Lager, oder?)Adrian Paunescu lässt grüßen – und Corneliu Vadim Todor! Cantarea Romaniei! Wie wäre es mit der “hora unirii”? Als Groteske a la Eugen Ionesco? Die KAS, die loyalen Schriftsteller, Panegyriker und Dozenten, der ehemalige Flottenkommandant … Und alle singen im Chor:
„hai sa dam mina cu mina“…
“iarba rea din holde piara, piara dusmanii din tara…? Intre noi sa nu mai fie, decit flori si armonie!“
Das Eiapopeia vom Himmel, würde Heine sagen, in neuer Metamorphose …unkritisch vereint!
Und: Apropos “BESCHEIDENE” Meinung!
Sie haben gerade vis-á-vis das Beachten der “Ironie” bzw. der ironischen Brechung eingefordert! Achten Sie auch in meinem Sprachgebrauch darauf?!
Auf Argumente warte ich noch! Ganz egal von welcher Seite sie kommen! Ich habe hier nur einige objektive Dinge angesprochen, die mir wichtig erscheinen, – und die zum Himmel stinken aus der Sicht eines Demokraten, ungeachtet der Tatsache, dass sich Herta Müller und Richard Wagner – nach gusto!!! – instrumentalisieren lassen, wie es immer schon ihre Art war, chamäleonhaft, je nach Wind-Konstellation, einmal von den Kommunisten in der Ceausescu-Diktatur, dann von den Linken um F.C. Delius und Olaf Ihlau aus der “SPIEGEL”-Redaktion in Hamburg … und schließlich von der Konrad Adenauer-Stiftung wie Anno Domini 2004 bei der Literaturpreisvergabe für eine “antitotalitäre Grundhaltung” bzw. jetzt, 2009, geschehen in Hermannstadt/Sibiu in Rumänien.
Wessen Brot ich esse, dessen Lied ich sing… oder? Wie soll es sogar Konrad Adenauer einmal formuliert haben: Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern… Ich sehe die Dinge da etwas anders …Machiavelli total? Nein! Wenn wir die Prinzipien der demokratischen Grundordnung opfern – und nur noch opportun, nach “gusto” eben! – in den Tag leben in der Hoffnung auf einen zu flatternden Scheck – dann können wir die Demokratie bald ganz beerdigen.
Dann triumphieren die Panegyriker – und hinter ihnen neue Diktatoren. (… , die hier gegen mich einen verleumderischen “Thread” eröffneten) verkörpern das Destruktive Prinzip schlechthin, den “Geist”, der stets verneint, weil er nicht bejahen will. Den Geist der Dunkelmänner, die das Licht scheuen – das stolze Licht, das einst der Nacht den Rang und Raum streitig macht’- und die aus dem Dunkel mit Schmutz werfen! (Mit Nietzsche gesprochen: Das Ressentiment der Schlechtweggekommenen wirkt hier!)
Von ihm erwarte ich stets nur eine “neue” Replik, wie er meine Argumente ad absurdum führen will und wie er meine Position neu zu diskreditieren sucht.
Die KAS hat nach meiner Auffassung in der Realpolitik große Fehler gemacht und befindet sich seit dem Festhalten an Herta Müller auf dem Holzweg.
Herta Müller hat -nach eigener Aussage im Spiegel Interview 1987 nach ihrer Ankunft hier – explizit betont, dass der “Hass” die Triebfeder war, die sie die Schmähungen in “Niederungen” gegen ihre deutsche Landsleute aus dem Banat verfassen ließ. Jetzt kommt die KAS und ehrt das falsche Prinzip, den “Hass”, statt auf Versöhnung zu setzen.
Dort aber, wo “kommunistische Verbrechen” anzusprechen sind, vielfacher Terror und Mord, dort scheut die KAS die Aufklärung über Ansprache und verhält sich still – wie gerade jetzt in Sibiu.
Das lässt den aufrechten Patrioten in mir aufschreien!
Die CDU Wähler werden über das KAS-Verhalten scharf urteilen – mit ihren Stimmen an der Urne!
Richard Wagner ist – als ein kleiner Autor unter den poetae minores – vollkommen irrelevant, weil er unter Hammer und Sichel viel zu lange mit marschierte, während die Widerstandkämpfer in die Gefängnisse der Kommunisten geworfen wurden oder erbärmlich am Staatsterror der Securitate scheiterten.
Im letzten Jahr kam Herta Müller mit einer Geschichte aus Rumänien zurück:
Sie sei verfolgt worden!
Mal neugierig, wie ihr das Essen in Sibiu diesmal bekommen ist!
An der Seite des Verräters Eginald Schlattner!
Und ob es eine neue Geschichte gibt,
neue Mythen …
mit Gift im Becher und einem Dolch im Gewande…??? Neue Legenden und ein neuer Anstrich?
Was Privat-Außenpolitiker Dr. Berhard Vogel, Präsident der KAS, bei seinem Empfang und Shake hands mit Rumänien-Präsident Traian Basescu wohl angesprochen hat?
Sub rosa? Man versteht mich… In der deutschen Presse erfuhr ich nichts darüber? Carl Gibson.
(…)
Sie haben mir aus der Seele gesprochen, (…)- ich hätte nie gewagt, es so drastisch zu formulieren! Früher schon hegte ich den gelinden Verdacht – und ich äußerte ihn auch schon leicht vorsichtig weiter oben – dass ich es hier mit einer vielleicht sogar “professionellen Abteilung der alten Securitate” oder des neuen Desinformationsabteilung des SRI” (rum. Geheimdienst heute!) zu tun habe, denn immer, wenn ich gewichtige Argumente in die Diskussion einbrachte, waren schnelle Destrukteure da, um sie zu zersetzen … und um mich zu beschimpfen … zu diskreditieren … in den Schlamm zu ziehen … wie weiter oben: den selbsterklärten Helden und den Philosophen aus dem Banat etc … Die Sache wäre grotesk, wenn sie nicht zu ernst wäre. (…) hat mir öffentlich hier vorgeworfen, ich würde dieses Forum “schamlos missbrauchen”! Jetzt wird aber deutlich, wer das dieses Forum “wirklich” missbraucht. Meine Vita ist offen wie ein Buch – die Beweise stehen unter meiner “Bilddokumentation” auf meiner homepage unter http://www.gibsonpr.de
und sie sind weltweit von jedem Punkt der Erde aus abrufbar! Was aber wissen wir über (…) Herta Müller und andere? Fragen über Fragen? Ich habe immer daran geglaubt, dass die gute Sonne es doch noch an den Tag bringen wird – wie im Märchen, dass die Wahrheit uns frei machen wird – und dass, wie Herta Müller es formulierte”, Lügen kurze Beine haben – nur die Wahrheit sagt sie, hat keine! Wir werden ihr Beine machen! Haben Sie noch etwas von dem starken Tobak auf Lager?
Carl Gibson
(…)
Die obskure (…) hat ganz im Geiste des Kanalrattenjournalismus der obskuren Art den Thread “Carl Gibson verunglimpft R. Wagner und H. Müller” in die Welt gesetzt, wohl in der Hoffnung, dass mich diese Schlagzeile im Internet in den Augen nicht Informierter, halb Informierter oder Desinformierter “diskreditiert” bzw. dass doch etwas hängen bleibt – wie in allen Schmutzkampagnen. Die Beweise für meine “Verunglimpfung” ist die obskure Gestalt aus Bukarest wohnhaft im “Deutschen Dorf” (so ihre Angaben im Forum!) schuldig geblieben. Dummheit schützt vor Strafe nicht, (…)- darauf habe ich (…) deutlich hingewiesen? Ist das zu hoch für Sie?
(…) Oder ist ihm nach der Entlarvung die Lust am Gespött anderer vergangen? Was ich mich immer schon fragte: Wo kommt so viel Ceausescu-Diktatur und Kommunisten-Regimefreundlichkeit her, wenn da nicht irgendwo ein Verhältnis besteht? Cui bono? Carl Gibson
Wenn alles am Geld hängt – und alles zum Geld drängt, dann ist der gut dotierte Nobelpreis doch eine große Verlockung für gewisse Leute und Kreise?
Nur, kann man “Hass”-Autoren wie Herta Müller für eine solch hohe Auszeichnung im Namen der Bundesrepublik Deutschland nominieren, noch bevor sie widerrufen und sie sich von den destruktiven Prinzipien wie falschen Symbolen distanziert haben?
Wer freut sich am meisten, wenn der Dukaten im Kasten klingt …und das Seelenheil in die Hölle springt?
Da stinkt doch etwas im Staate …oder? P.S. Zur sonderbaren Chamäleon-Identität einzelner Desinformanten hier im Forum: Ich habe gerade etwas nach-recherchiert: Wenn (…) mit (…) identisch ist, dann schreibt er sich selbst! Großartig! (…) dann ist er hier als “Mann” und als “Frau unterwegs – oder, das fragte ich bereits früher – als androgyne Person – oder gar als Multi-Person, die von ihren vielen Identitäten nicht weiß oder wissen will! Jeder mache sich seinen Reim daraus – und jeder nehme sich in Acht, mit “Täuschern” zu kommunizieren! Denn Freunde der Wahrheit sind diese Täuscher nicht! Carl Gibson
Was wissen Sie von Verfolgung in einer verbrecherischen Diktatur durch Kommunisten, unterstützt von geistigen Brandstiftern und Helfershelfern aller Art, (…) – oder soll ich als alter Don wieder Dulcinea sagen, auf die Gefahr hin, dass “Igor” aus dem fernen England Ihnen zu Hilfe eilt, um sie vor meinem ungeheuerlichen Sexismus zu beschützen? Sie unterstellen mir “Paranoia”? Sie pathologisieren mich öffentlich? Sie, wohl eine, die nichts mehr zu verlieren hat? Gute Freunde, die über Jahre von Kommunisten verfolgt und gemartert wurden, leiden heute noch unter “Paranoia” – andere sind elendig zu Grunde gegangen, weil selbst die Welt der Freiheit den von den Kommunisten angerichteten Schaden an Leib und Seele nicht mehr ausbügeln konnte – sie scheiterten an “Paranoia”, auch weil die halb verblödete, halb des-informierte Welt hier ihre Botschaft nicht mehr hören wollte! Welche Ihrer Gehirnhäften tickt gerade – und welche ist im Augenblick abgestellt, (…) oder wie auch immer Sie – ewiges Chamäleon der Täuschung – auch heißen mögen! Schämen Sie sich eigentlich nicht, die Welt hier zum Narren zu halten? Don Carlos ist seit Anfang August 2008 “Carl Gibson” – auch wenn er als Don Carlos auftritt,
denn den Klick dahinter schafft jeder … was aber ist bei Ihnen zu finden – das Vakuum Ihrer Identität, Ihres “Geistes” und ihrer “Seele”, falls (…) ihnen zugesteht, so etwas zu haben… Marxisten negieren so etwas, auch wenn sie sich “Psycho-Logen” schimpfen! Der Kreis schließt sich … wer genau beobachtet und die “Stile” studiert, kennt euch alle … an euren Federn … und an Eurer Gesinnung! Carl Gibson.

Gleiches gesellt sich zu Gleichem! Eine fehlte noch im Bunde! Jetzt ist sie da! Worauf darf der Akzent gelegt werden, auf “Neid” oder auf “Hammel”? Und worauf sollte ein “Neidgefühl” ausgeprägt werden? Auf “falsche Federn”, “falsche Zungen” “falsche Fährten” – oder auf Bauchweh-Literatur? Carl Gibson.

Das edle Gastrecht hier auf “Siebenbürger.de” werde ich nicht missbrauchen, (…). Fast alles ist schon gesagt -bald wird es ruhiger werden! Doch solange noch obskure “Täuscher” hier unterwegs sind und die Leser verwirren mit gleich mehreren Identitäten, solange glaube ich ein Recht zu haben, Fakten darzustellen, die objektiv verifiziert werden können. Vielleicht langweile ich nur Sie – und viele andere wollen hören, was ein antikommunistischer Querulant und neuzeitlicher Philosoph zu sagen hat, der im Netz schriftstellert und so die Langeweile anderer vertreibt? Wo ich kommentiere, tut sich etwas! Man klickt und will hören, was sich tut – nur Sie wollen fernbleiben – und Sie können es nicht! Welch eine Herausforderung und Faszination, den Carl Gibson zu beschimpfen!
Durch die Präsentation von Fakten, entsteht Wissenschaft und Wahrheit! Wenn Sie aber glauben, dass meine Meinungsfreiheit hier an dieser Stelle beschnitten werden sollte, dann veranstalten Sie doch ein Plebiszit, in welchem die Majorität der Siebenbürger Sachsen entscheiden soll, ob der Gastredner aus dem entlegenen Banat weiter reden soll – oder ob er für immer schweigen soll!
Ich werde mich dem Votum der Mehrheit fügen!
Vielleicht erbarmt sich der “Igel” und übersetzt mir die nur zu 80 Prozent verstanden Zeilen Ihres Dialekts, damit ich nichts Falsches verstehe! Ihre Einschätzung der literarischen Qualität von Herta Müller und Richard Wagner dürfte auch Ihrem sonstigen Literaturgeschmack entsprechen.
Über Geschmack kann man nicht streiten – oder eben doch streiten!
Mit Ihnen will ich das hier nicht angehen. Bleiben Sie bei Ihrem Geschmack und lassen Sie mir bitte den meinen! Doch moralische und politische Implikationen und Auswirkungen von politischen Schriftstellern mit Mission gestern und heute gehen alle etwas an! Und zu diesem Thema habe ich noch manches zu sagen! Oder? Carl Gibson

Ist es richtig, dass die KAS mit Denunzianten wie Eginald Schlattner, Altkommunisten wie Richard Wagner und Systemprofiteuren wie Herta Müller in Hermannstadt/ Sibiu in Rumänien an einem Tisch sitzt und über “europäische Werte” spricht, während die Widerständler gegen den Kommunismus während der Ceausescu-Diktatur nicht einmal eingeladen werden, weil die KAS offensichtlich kein Interesse hat, über die Bewältigung der kommunistischen Vergangenheit in Rumänien zu sprechen.
Das war meine Ausgangsfrage! Was sagen (…) und … die anderen aus dem Busch dazu? Dazu hörte ich noch nichts!
Vor allen aber was meinen die aufrechten deutschen Patrioten zu dem Thema, die es noch scheuen, hier ihr Wort zu erheben?
Um ihre Stimme zu hören, eröffnete ich diese Diskussion! Was (…) etc. beizutragen haben, ist seit August 2008 sattsam allen an den Bildschirmen bekannt. Carl Gibson
(…) Aus Ihrer Sicht, (…), ist alles so in Ordnung, so wie es ist! Die Verbrechen der Kommunisten bleiben unangesprochen und ungesühnt! Über adäquate Sühne können wir anderswo reden! In einem neuen “Thread”!
Hier nur meine kurze Antwort:
Aus der Sicht der Opfer – und hier rede ich nicht pro domo und nicht nur für mich, sondern auch in Namen der Gestrandeten ohne Kreuz – sieht die Notwendigkeit der kritischen Kommunismus-Bewältigung anders aus.
Was wissen die in der Bundesrepublik aufgewachsenen KAS-Mitarbeiter von real existierenden Kommunismus? Von Opposition, Verfolgung etc.
Sie wollen auch nichts wissen!
Das weiß ich aus meinem Briefwechsel mit der KAS-Stiftung!
Fragen Sie doch einmal bei Hans Bergel nach, wie man sich fühlt, wenn ein Kollege einen anderen der Securitate und der langen Jilava-Haft auslieferte …. und dann nach München kommt, ohne Lust mit dem Opfer zu sprechen, auch nicht im Rahmen einer öffentlichen Lesung. Den Bericht zu Eginalds Schlattners Lesung finden Sie hier in der Siebenbürgischen Zeitung zum Nachlesen ( Das ganze Buch ist eine Lüge…) Was wissen Sie, (…), von der Betroffenheit der Kommunisten-Opfer? Herr (…), der nicht mit dem Georg Scherg verwandt ist?Der neben Bergel, Wolf von Aichelburg und zwei anderen Literaten aus Siebenbürgen von Schlattner freiwillig belastet wurde. Und was weiß ich von (…) und (…)? Nicht einmal das Geburtsdatum! Sie wollen in einem Atemzug Herta Müller, Richard Wagner, Eginald Schlattner für ihre eklatante Zeitverkennung und Fehler entschuldigen, indem sie sie mit Oskar Pastior und Dieter Schlesak gleichstellen?
Dieser Vergleich hinkt sehr!
Die beiden können doch selbst nach Canossa pilgern und öffentlich zu Kreuz kriechen, wenn sie erwarten, dass ihnen die Öffentlichkeit verzeiht? Herta Müller hat sich zu dem “Hass” bekannt, den sie mir boshaft unterstellen, (…)! (Haben Sie irgendetwas aus meinen Werken gelesen?
Auch nur eine Zeile? Und worauf begründet sich ihre analytische Kompetenz? Wo sind ihre Meriten, Leistungen? Jauchekübel ausgießen, (…), dass machen die Obskuren hier – und wenn sich einer gegen die “Verdreher” wendet, dann wird man ihm sein “Dreher”-Sein vor, sprich seine humil-proletarische Herkunft! Wie edel – und geschmacklos! Und immer aus dem Busch und hinter der Larve versteckt, damit auch niemand dahinter kommt, wer da mit Lehm wirft…) Schauen Sie nur auf das Datum der Ausreise von Pastior und Schlesak – und auf die viel zu späte Ankunft von Müller und Wagner, die 20 Jahre später kamen … das allein spricht Bände.
Weshalb wollte die Konrad Adenauer-Stiftung gerade diese hoch “kontroversierten” Zierden als schmückendes Beiwerk – und keine Substanz? Gibt es denn (außer mir!) nicht noch ein paar andere wahrhaftige Bürgerrechtler, die dort unter Rumänen (nicht unter Wölfen wie früher!) über europäische Werte reden, ohne gleich in die Hora einzustimmen?
Ich war seit 1979 nicht mehr im Land meiner Folterer.
Herta Müller fühlt sich dort wieder wohl, obwohl sie erst im letzten Jahr ebendort “verfolgt” wurde! Soviel zur späten Stunde – denn selbst die treuesten Leser werden müde! Carl Gibson.

Es ist ein falsches, ja verheerendes “politisches Signal” an die konservative Wählerschaft und an alle “gesunden” Patrioten, wenn eine über die CDU breit im Deutschen Volk verankerte Stiftung wie die KAS sich mit opportunistischen Wendehälsen und ehemaligen Profiteuren der Ceausescu-Diktatur an einen Tisch setzt und statt über Vergangenheitsaufarbeitung und Vergangenheitsbewältigung im real existierenden Sozialismus kritisch zu reden, über “europäische Werte” zu debattieren versucht!
Was soll die Alibi-Veranstaltung, wo es doch in Rumänien zunächst einmal darauf ankommt, den “Report zur Analyse der kommunistischen Diktatur in Rumänien” wissenschaftlich aufzuarbeiten, zu popularisieren und die Konsequenzen daraus politisch umzusetzen.
Was haben unglaubwürdige Hass-Autoren wie Herta Müller und Kommunisten-Mitläufer wie Richard Wagner mit “europäischen Werten” zu tun?
Sie, die Linken, durften ihre Werke mit kommunistischem Segen (mit dem Plazet der RKP!) in den Jahren 1975-1982 drucken, während ich, der deutsche Konservative, der schon damals an dem Wertesystem der Bundesrepublik Deutschland festhielt und es nach außen vertrat, als “Rechter” ideologisch in eine Ecke gestellt wurde, ohne jede Chance, auch nur eine literarische oder wissenschaftliche Schrift zu veröffentlichen.
Freiheit oder Sozialismus?
Konrad Adenauer, mein früheres Vorbild, würde sich im Grabe umdrehen, wenn er erfahren würde, was in seinem Namen so alles betrieben wird. Der einfache Rumäne hat eine Redensart: Von der Stelle, wohin ich spuckte, esse ich (später) nicht mehr!
Acolo unde scuip, eu nu mai minanc!
Der kleine Mann bleibt sich treu! Ein Leben lang!
Und was macht der wendige Intellektuelle auf der Suche nach seinem Vorteil?
Er wendet den Hals …und paktiert mit der anderen Seite, lässt sich instrumentalisieren und manipulieren …
und das alles zum Schaden der demokratischen Kultur in einer westlichen Demokratie.
So breitet sich die “Lüge” aus und verdrängt die Wahrheit in vielen Formen.
Das Debakel nach dem Zusammenbruch der Werte spüren dann alle unmittelbar an der eigenen Existenz – doch dann ist es zu spät!
Die Lüge muss im Ansatz ausgerottet werden – wie eine Krebszelle, sonst stirbt der Organismus!
Die Linken in Temeschburg aus dem Umfeld der so genannten Aktionsgruppe Banat lehnten seinerzeit das Modell BRD ab –ja sie verhöhnten es auch noch im Gefolge Wolf Biermanns!
Diese Haltung war mir seinerzeit zutiefst fremd und suspekt.
Heute wollen die opportunistischen Wendehälse ihre Jugendsünden vergessen – und die KAS weigert sich, diese Tatbestände zur Kenntnis zu nehmen, genauso wie die Verbrechen der Kommunisten unter den Teppich gekehrt werden sollen.
Da erhebe ich Protest und sage:
J’ accuse! Mit Zola,
ebenso wie ich es in der “Symphonie der Freiheit” exponiert habe, nur noch drastischer, denn inzwischen ist die Verstrickung bestimmter Literaten mit der Kommunistischen Partei in Rumänien und sogar mit der Securitate erwiesen.
Das hier ist eine Thematik von innenpolitischer Relevanz -und ein paar Stufen zu hoch für Kommentatoren wie (…). Auch in Sachen Kommentieren gibt es mehere Ligen. Zuerst kommt die Bildung, dann das Lesen … und irgendwann das Verstehen! Nur andere beschimpfen ohne Grundlage reicht nicht aus ( … )Bleiben Sie bei Ihrem ersten Decknamen, (…), unter dem sie viele Kommentatoren beleidigt und hinausgeekelt haben, lange vor meiner Präsenz hier. Das neue Federkleid (…) steht Ihnen nicht, weil doch das Wesen (des Pudels Kern!) das alte bleibt, trotz äußerlicher Metamorphose und neuer Pseudo-Namen! Jeder kann nur das weiter geben, was in ihm ist … und solange alle anderen Aufrechten schweigen, werden (…) … und mit Abstand die halbverdeckte Frau (…) ihre geistigen Ergüsse verbreiten, verdrehen und täuschen – und in dem Element wühlen, das ihr Wesen ausmacht. Carl Gibson.

nomen est omen,(…), – jeder definiert seine Identität gemäß seiner Identifikation mit Werten – Ich habe jetzt nur noch den bescheiden Namen meiner bürgerlichen Herkunft, Carl Gibson – doch dieser macht meine gesamte Identität aus, die vor fünfzig Jahren begann und heute noch nicht abgeschlossen ist, sondern offen bleibt, auch in der Auseinandersetzung mit (…) und anderen enigmatischen Erscheinungen. Erzählen sie uns doch etwas aus Ihrem “Heldenleben”, etwas von Ihren wissenschaftlichen Meriten, statt hier nur auf meine Herabwürdigung zu zielen, (…).Haben sie einen Namen – oder einen guten Ruf zu verlieren? Lebende “Helden” liebt kaum einer, weil er das Spiegelbild des eigenen Versagens nicht erträgt. Ich war seinerzeit kein Held, sondern ein einfacher Staatsbürger, der seine Meinung offen vertrat, der für seine Überzeugungen eintrat und der handelte. Das ist alles.
Der Wert des Handels und die Summe meiner existentiellen Leistung werden andere zu beurteilen haben; nicht jetzt, später einmal, wenn alle Fakten klar vorliegen und objektiv von nicht Beteiligten und nicht Betroffenen analysiert werden.
Waren nicht Sie es, (…), der mich auf die KAS-Konferenz in Sibiu mit Herta Müller und Richard Wagner als erster in diesem Forum aufmerksam machte? (…) Kommentieren sie doch die Thematik: Die KAS in Sibiu am Tisch mit alten Systemprofiteuren! Haben Sie auch dazu eine Meinung? Dann sehen wir einmal, ob mein Namensvetter “Karl” hier im Forum wieder ausrufen wird: Gut gebrüllt, (…)! Der vielfach hier gestartete Versuch, meine Aufklärungskampagne als “Neid-Kampagne” zu diskreditieren, wird mich nicht davon abhalten, fundamental wichtige und substanzielle Dinge von innenpolitischer Tragweite hier anzusprechen.
Haben Sie auch ein Gesicht, (…)? Oder verstärken Sie nur die Schar der Masken in diesem “Grand Macabre”? Carl Gibson.

“Gegen den Strom – Eine Symphonie der Freiheit” nannte ich meine Memoiren vor einigen Jahren provisorisch, nachdem ich mich durch gerungen hatte, sie überhaupt zu verfassen.
Allein gegen den Strom, (…), das war mein Leben. Lange war ich im Zweifel, ob ich es offen legen sollte. Und ich hätte es nie getan, wenn eine Herta Müller, die früher ihre Landsleute verhöhnte, um sich zu profilieren, nicht auch noch den “Widerstand” der wahrhaftigen Opponenten gegen die Kommunisten negiert hätte, um sich selbst in die Position einer “Dissidentin” zu rücken. An der Klarstellung der Berechtigung von Herta Müller, sich selbst als andere auszugeben, daran arbeite ich bis heute.
Mein Buch “Symphonie der Freiheit” ist kein Buch, das für den Markt geschrieben wurde. Es ist ein komplexes Buch – und es ist ein Buch, das vom normal gebildeten Leser nur schwer rezipiert werden kann, weil es viel Wissen voraussetzt.
Es ist teuer – und ich habe nichts von dem Verkauf. Darüber hinaus will ich Ihnen mittteilen, dass ich mich materiell ruiniert habe, um es zu schreiben. Ich habe meine Rücklagen für das Alter hergenommen und habe mir drei Jahre “Freiheit” dafür erkauft, um die “Symphonie der Freiheit” zu schreiben.
In dem Buch habe ich Dinge gesagt, die nach meiner Auffassung als bewusst lebender “Mensch”, als Agierender und als “Philosoph” gesagt werden müssen. Es sind meine existentiellen Erkenntnisse, meine Erfahrungen, meine subjektiven Erlebnisse und meine Gedanken zur geistigen Situation der Zeit, die ich dort niedergelegt habe. Das Buch ist dick und schwer zu lesen. Noch habe ich keinen “Cent” Ertrag davon gesehen.
Wenn ich trotzdem nicht 10 Büchlein daraus gemacht habe – etwa in der Art von Herta Müller – sondern nur ein Buch, dann deshalb, weil vieles, was ich zu sagen habe, in einer Einheit zu sehen ist.
Das Buch wird nie in großen Stückzahlen verkauft werden – da wollte ich auch nicht, sonst hätte ich es anders konzipiert, mit anderen Inhalten. Doch lesen Sie darin, dann werden Sie mich vielleicht besser verstehen. “Selbstvermarktung”, Marketing in eigener Sache, brauche ich nicht! Mir kommt es auch nicht darauf an, (…), “keine Eigentore” zu schießen.
Ich sage das, was gesagt werden muss. Und ich stelle Fragen, die gestellt werden müssen – über meine Interessen hinaus.
Als Philosoph bin ich seit früher Stunde ein Bewunderer der Epikureer und Stoiker, die als “Persönlichkeiten” (nicht als Obskurantisten!) im Verborgenen leben. Es reicht mir, durch den totgesagten Park zu schreiten, wenn die Blätter treiben … Auch habe ich das materielle Sein längst abgelegt – Geld ist eben nicht eine Möglichkeit der “Freiheit”, wie Dostojewski meint, sondern eher nach Tolstoi “eine neue Form der Sklaverei”.
Dicke Bücher mit schweren Inhalten wirken erst in der Zeit! Hier im Forum werde ich schwerlich viele Leser finden, die mein Buch ( – das zu jenen gehört, die geworfen tödlich wirken, wie mein alter akademischer Lehrer zu sagen pflegte!) kaufen und verbreiten werden. Immerhin erfahren einige, dass es mich gibt… und einige geistige Positionen hinter mir! Und auch Ihre Existenz hier im Forum hat einen höheren Sinn, (…)! Denn wie würde ich meine Worte an die Welt formulieren, wenn nicht die Masken der Maskerade da wären, um im großen Carne vale ihren Beitrag zu leisten! Alles ist wohl eingerichtet in der besten aller Welt – und der prästabilierten Harmonie!
Das sagt sich auch die KAS in ihrer Ja- und Amen-Sager-Konferenz mit dem Eiapopeia vom Himmel… während sich kritische Köpfe fragen, wissen die Verantwortlichen bei der KAS überhaupt noch, was sie tun! Carl Gibson

“protestantische Streitkultur” lobe ich mir, denn sie führt über freies Denken zu Einsichten, die ideologisch oft verbaut sind. Auf das “Humanum” kommt es an im zwischenmenschlichen Sein und in der Gesellschaft, nicht auf Zwang!
Wer “Werte” hat, (…), der braucht keinen staatlichen Zwang!
Er lebt sein apriorisches “Ethos” – und er lebt und handelt richtig, weil er seine “Werte” a priori verinnerlicht hat. (Wenn ein Kaufmann oder Banker nicht betrügen will, dann betrügt er auch nicht, weil er eine pragmatisch-christliche Ethik lebt, ohne der Gier und der Gewinnsucht zu verfallen.) Wenn der Staat es aber zulässt, dass betrügerische Systeme in seinem Wirkungsbereich wildern, dann versagt der Staat – und der kleine Mann ist als der Betrogene der Dumme!)Einsichten und das Durschauen des Wirkens von Lüge und Wahrheit führen letztendlich zu “innerer Wahrhaftigkeit” und “intellektueller Redlichkeit” – das sind Kategorien, die in unserer aus den Fugen geratenen Welt der Jetztzeit noch wichtiger sind als zu Zeiten Kants oder Nietzsches. Links und rechts aber sind antiquierte Schubladen – Jenseits von Gut und Böse (auch wenn sie aus hermeneutischen Gründen bzw. um des verkürzten Ausdrucks willen doch noch gebraucht werden, auch von mir!).
Voraussetzung für richtiges Denken in der Jetztzeit – und das gilt für Herta Müller, Richard Wagner und Eginald Schlattner ebenso wie für die Verantwortlichen der KAS – ist das Anerkennen früherer Fehler und das konsequente Lösen davon.
Einsicht, Reue, Neunentwurf – nach der Auffassung der Katharer ist die Welt nicht vollkommen “determiniert” – selbst der Teufel kann noch gerettet werden … wenn er sich denn von Bösen (vom teuflischen Sein) lossagt! Dies als metaphysische Replik zum materiellen Irrweg unserer Tage, (…)! Es ist der freie Geist, der alles wirkt und schafft, er ist die Kraft…

Große Dichtung, (…), wurde oft parodiert – auch ins Schwarze treffende Poesie – Dichtung wie Ihre, die bestimmte Leute ins Mark trifft und selbst ihr Nichts erschüttert.
Die Zeit der Gesichtslosen und anonymen Obskurantisten, die andere öffentliche Menschen aus dem Verborgenen heraus angreifen und mit ihrem harpiengleichen Auswurf besudeln, geht ihrem Ende entgegen.

Immer mehr Leser und Mitwirkende in diesem Forum melden sich mit ihrem vollen bürgerlichen Namen an – und sie stehen offen zu dem, was sie hier aussagen! So muss es sein in einer “offenen” und “freien” Gesellschaft!
Ich trat von Anfang an ohne zweites Gesicht hier an. Hinter Don Carlos, dem oft Verspotteten, stand immer Carl Gibson – mit Leib und Seele … und Geist! Verzeihen Sie mir, (…), wenn ich, Ihre Poesie jetzt “parodieren ” muss”, um sie so voll zu würdigen. Ab jetzt darf Ihr Poem, dem ein Dunkelmann zunächst ein Pamphlet auf mich voraus geschickt hatte, auch in der folgenden Variante zitiert werde:
Carl Gibson nie bereue !
streue Perlen vor die Säue.
Mancher spottet dir nur so
reicht doch nie an dein Niveau.

Steter Tropfen höhlt den Stein
eines Tages stehst du nicht allein,
in dem Forum, scheinbar blinden
wirst am Ende Früchte finden.

Säe Sämann deinen Samen
beachte nicht die Dornen ohne Namen.
Vieles verdirbt auf schlechter Erde
ein Einzelnes zum Segen werde.

Von der Stirne Heiß
durch der Arbeit Fleiß
teure Perlen Schweiß
vor die Säue schmeiß.

Stähl dein Schwert in offnem Feuer
der Drache dieses Ungeheuer
wird bekämpft und liegt darnieder.
und manche Mühle dreht sich wieder.

Und die Sau die Perlen schluckt,
unverdaut sie wieder spuckt,
Trotz dem Spötter, seinem Hohn
ernte deinen Lohn.

Verändert wurden nur zwei Worte! (…) wird vielleicht aufschreien – und wie schon vor zwei Jahren den Schutz der Anonymität einfordern. Doch diese Zeiten sind vorüber. Gehört wird nur, wer mit offenem Visier kämpft – und nicht der Heckenschütze aus dem Busch. Carl Gibson

(…)
Die Verwirrrung hier im Forum hört vielleicht dann auf, wenn sich einige geradlinige Charaktere von den dubiosen Pseudonamen lossagen, damit es nicht zu ungewollten Verwechslungen und Missverständnissen kommt.(Wie ich aus persönlichen Mitteilungen weiß, wurden einige aufrechte Kommentatoren persönlich angegriffen, beleidigt und aus dem Forum hinaus geekelt – das sollte aufhören.)
Die Zahl der CDU-Enttäuschten dürfte sehr hoch sein und noch anwachsen.
Manchmal führen sich auch große Volksparteien ad absurdum, wenn sie auf die falschen Führungspersönlichkeiten setzen – oder, wie in diesem Fall, den “falschen Symbolen” vertrauen und die “falschen politischen Signale” aussenden.
Als ein Freund aus dem antikommunistischen Widerstand im Fernsehen zusehen musste, wie der ehemalige US-Präsident George W. Busch den stalinistischen Monster-Palast Ceausescus betrat, der gleiche Präsident, der im Irak-Krieg Saddam Husseins Paläste hatte niederreißen lassen, um ein Signal der “Befreiung” und der “Freiheit” an die Welt auszusenden, verstand der Freund die Welt nicht mehr.
War alles vergessen, fragte er sich?
Und wissen die Lenker der Welt noch, was sie so unüberlegt mit falschen Gesten im falschen Umfeld anrichten?
Die Konrad Adenauer-Stiftung (KAS) an einem Tisch mit den Post-Kommunisten und mit Helfershelfern der alten Kommunisten Ceausescus?
Ich wollte es nicht glauben – und doch, es war so in Sibiu!
Wer konzipierte diese Konferenz?
Und mit welcher Zielsetzung wurde sie durchgeführt?
Will die CDU auf diese Weise das konservative Wählerpotential binden?
Oder verärgert sie ihre treuesten Wähler für immer? Carl Gibson.

Köstlich, (…), unübertreffbar köstlich! Sie haben den Humor und die Groteske in eine an sich tragische Konstellation eingebracht, tausend Dank dafür! Und damit die Nachwelt Ihren preziösen Beitrag – nach dem langen und abstinenten Schlummern seit dem 1. April und dem damaligen wenig amüsierenden “Fauxpas” – nicht vergessen soll, will ich ihn zitieren: (…) Einfach toll, auch außerhalb des Toll-Hauses! Wie ich sehe, haben Sie Adrian Paunescu, Corneliu Vadim Tudor, Mihai Beniuc und noch andere Hofdichter des “geliebtesten Sohnes des Vaterlandes”, des “Titanen der Titanen” noch mitbekommen -
Sie wissen also, was Kommunismus heißt, auch bei Kim in Korea, bei Mao in China, bei Fidel Castro – und eben bei unserem “Genie der Karpaten”, der sein Volk nur mit Securitate-Terror ruhig halten konnte? Kennen Sie auch den Dichter, der die real existierende Diktatur – unter der Tarnkappe versteckt – mit der “Metapher” verändern wollte? Er soll angeblich in Sibiu referiert haben, über “europäische Werte” vielleicht? Noch hat mir keiner gesagt, auch Frau Hannelore Baier aus Siebenbürgen in ihren ADZ -Bericht zur KAS-Konferenz in Sibiu/Hermannstadt “nicht”, was Richard Wagner, Herta Müller und Eginald Schlattner dort gelesen oder ideell zum Besten gegeben haben! Das Thema: Der Pakt mit dem roten Teufel vielleicht oder: Vom freiwilligen Verrat meiner Nächsten?
Und die “Frankfurter Rundschau” hat auch noch nicht darüber berichtet ( wie vor einem Jahr!), ob Herta Müller dort, im Land ihrer Geburt, erneut und schon wieder verfolgt worden ist … von wem auch immer!
Das absurde Theater ist noch nicht tot – vielleicht schreibt (…), nach seinem Pamphlet auf mich jetzt ein Stück “Über die freiwillige Rückkehr der Folterlammes auf das Schafott” oder etwas Ähnliches, damit die Leute und (…) etwas zum Lachen haben. Das Motiv mit Don Carlos in der Rolle des Don Quichotte und seiner Auseinandersetzung mit der Gehirnhälften abspalteten angebeteten Dulcinea ist – hier im Forum – leider schon verbraucht! Carl Gibson.

Habe ich in Augsburg etwas versäumt? Wie könnte ich überall sein, hier und dort? Wissen wir jetzt, mit welcher “Metapher” der mehr oder weniger dekadente oder in der Krise verharrende Staat zu reformieren ist, nach dem gescheiterten Modell des Weltkommunismus? An welche Götter glaubt Richard Wagner heute – und gibt es bald eine Götterdämmerung – auch jenseits von Bayreuth? Carl Gibson.

Die “Big Brother”-Titelbild-Figur auf meinem letzten Buch ist nicht “Leviathan”! Nicht der “Staat”, das kälteste aller Ungeheuer ( nach Nietzsche!) ist da dargestellt, sondern der “Repressionsapparat” des “totalitär gewordenen Staates”, die degenerierte “Securitate”, der “Staatssicherheitsdienst der DDR”, der “KGB der Sowjets” etc. erscheint dort bedrohlich hinter dem “agierenden Staatsbürger”, bereit, diesen in seinen Fängen zu fangen, ihn zu erwürgen und zu vernichten!
“Big brother is watching you” / Der Große Bruder beobachtet dich! – wie früher das “Auge Gottes” in der Kirche oder auf dem Messgewand des Priesters – ist inzwischen Realität geworden, jenseits von Ideologie, überall im Westen.Der Staat wird nicht gebraucht, wenn der Bürger bereits “Werte” hat. Diese fallen aber nicht vom Himmel, sondern sie müssen mühsam erlernt, erworben werden, beginnend mit der Selbsterziehung im frühen Alter. In der Schule fehlt der Ethik-Unterricht. Das ist ein großer Fehler! Wenn ich ein “Institut für Wirtschaftsethik” bereits 1992! (lange vor der großen Krise!)in die Welt gesetzt habe, dann deshalb, weil es gerade in der Wirtschaft auf ethisches Verhalten ankommt.
Das, was wir jetzt haben, an globalem Politiker- und Manager-Versagen, wollte ich verhindern … in gesundem Wettbewerb mit Patres und unausgelasteten Hochschulprofessoren, wobei die beiden Gruppen stets etwas besser im Geschäft waren als der kleine Einzelkämpfer aus Bad Mergentheim … Nicht den Massen, nicht den Vielen, von denen du sprichst, wollte ich ethisches Handeln vermitteln oder Werte, sondern den Leistungsträgern dieser Gesellschaft, den Eliten, die das Wegelagerertum der Jetztzeit im Ökonomischen praktiziert haben und es weiter praktizieren. Das Versagen dieses Staates besteht darin, dass er – wie über die BAFIN geschehen, das verbrecherische Tun bzw. das Banditentum aus anderen Staaten (USA) dieser Tage zulässt, beginnend mit den kleinen Betrügereien mit Rotlicht an der Metzgertheke, mit den vielen Mogelpackungen im Supermarkt, mit schlecht reglementierten Produkten in Versicherungs-und Finanzbereich, mit gefälschten Statistiken, geschönten Bilanzen, über Subventionen bis hin in das Ausplündern von Aktiengesellschaften und öffentlichen Unternehmen durch Manager – alles völlig legal, wobei die Allgemeinheit als Steuerzahler für die immensen Fehler von Wirtschaftsbossen und Berufspolitikern einsteht und haftet.
Die Fehler der Politiker von heute, können einen dramatischen Währungsverfall nach sich ziehen und zu einem Zusammenbrechen des Weltfinanzsystems führen. Wer sich das nicht vorstellen kann, der sollte sich in das Jahr 1922 versetzen, als im Deutschen Reich Milliardenbeträge für ein Brot ausgegeben wurden (wie heute in Zimbabwe bei Marxist Robert Mugabe!).Damals mussten die Städte “Notgeld” drucken, weil die Reichsdruckerei nicht mehr mit den Liefern nachkam. Viele verloren alles – Hab und Gut, Haus und Hof – guter Nährboden für Radikale aller Art von links und von rechts. Wir erleben gerade heute das eklatante Versagen des Staates überall in der westlichen Welt – und überall dort, wo die Globalisierung greift.
Das alles wäre nicht möglich gewesen, wenn die “Lüge” in vielen Ausprägungen und Formen sich nicht hätte “legal” ausbreiten können.
Wir ärgern uns über die Kosten der KAS-Konferenz in Sibiu und fragen uns, weshalb die KAS öffentliche Mittel dort “so” investiert!
Doch das Ganze wiederholt sich auf vielen Ebenen, national und global. Überall werden heute Werte mit Füßen getreten, weil das “höhere Bewusstsein für Werte ” fehlt – und weil Werte einfach fehlen, eben weil sie nie anerzogen und ausgeformt wurden. Der kleine Mann, der das alles wehrlos mit ansehen muss, verzweifelt dabei. Hobbes, Locke, Hume, Smith orientierten sich noch an der Antike, die “ethisch” ein Vorbild war. Wir nach Kant und der Aufklärung, fallen in den Urzustand zurück, in das Barbarentum ohne Ethos,in das “homo homini lupus”- Dasein, wo der Mensch dem Menschen ein Wolf ist. Sehr weit sind wir von Humanum entfernt, eben weil wir nicht mehr in der Lage sind, aus Philosophie und Geschichte die richtigen Schlüsse zu ziehen. Carl Gibson.

Politikum oder Skandal?
Es gibt Zwänge der Realpolitik. Wenn Kanzler Konrad Adenauer mit den Russen verhandelt, um die deutschen Kriegsgefangenen nach einem Jahrzehnt in Gulag-Haft frei zu bekommen, wenn die Bundeskanzler Helmut Schmidt und Helmut Kohl mit Kommunisten-Diktator Ceausescu reden, um die Ausreise der Siebenbürger Sachsen und der Banater Schwaben in kanalisierten Bahnen und über Kopfgeldzahlungen (Freikauf!) in die BRD zu ermöglichen, dann ist das Realpolitik, die von Zwängen, spezifischen politischen Situationen und Konstellationen bestimmt, ja diktiert wird.
Die Beispiele können fortgesetzt werden.
Wenn Franz Josef Strauß allerdings mit Erich Honecker spricht, um einen Milliarden-Kredit für die dahinsiechende DDR “einzufädeln”, dann grenzt das an “private” Außenpolitik.
Als solche wurde das eigenmächtige und politisch nicht ganz kluge Handeln von F.J. Strauß seinerzeit in der Bundesrepublik aufgenommen.
Ähnliche Empfindungen kamen bei mir hoch, als ich von Dr. Bernhard Vogels Initiative erfuhr, in seiner Eigenschaft als KAS-Präsident nach Rumänien zu reisen, um dort u. a. auch Präsident Basescu die Hand zu schütteln und mit kontroversierten Schriftstellern zu tafeln.

(Geharnischte Protest-Partei-Austrittsbriefe helfen da wenig, wo die politischen Zielsetzungen der großen Volkspartei intransparent und unnachvollziehbar werden.)
Beide Reisen, die von F.J. Strauß in die DDR seinerzeit, und diese des KAS-Präsidenten Vogel nach Sibiu, Rumänien sind vielschichtig. Doch frage ich mich mit vielen anderen politischen Beobachtern:
Musste diese KAS-Konferenz in dieser Form so sein?
Oder sendet die KAS doch “falsche Signale ” aus und setzt “falsche Zeichen”, mit höchst “ambivalenten” Gesten und Handlungen, die nicht mehr ganz verstanden werden, zumindest nicht von alten Wählern und Anhängern der CDU.

Noch ein Wort zu Ihrer Frage, (…)!Erziehen Sie ihr Kind nach Ihrem Ethos. Der Staat ist heute leider kein gutes Vorbild. Der Staat funktioniert auch nur deshalb, weil sich viele kleine “anständige” Leute an die Spieregeln halten, an ein intuitiv gefühltes, verinnerlichtes Ethos, das den 7 Jahren von Zuhause entspricht und das in Regel bei funktionierender Erziehung den jungen Menschen von den Eltern noch vor der Schule auf den Lebensweg mit gegeben wird.
Die Mächtigen in Wirtschaft und Politik heute durchbrechen dieses “Ethos”, insofern es überhaupt vorhanden ist, weil sie wissen, dass sie “ohne Strafe” ausgehen.
(In China drohen drakonische Strafen bei Kleinstvergehen: Der Diebstahl eines Sacks mit Zwiebeln kann schon die Todesstrafe nach sich ziehen, während im Westen Einzelindividuen Schäden bis zu 50 Milliarden US-Dollar herbeiführen können, deren Folgen Abertausende ins Unglück stürzen, und dabei noch glimpflich davonkommen.)
Das Versündigen und Fehler machen ist legal möglich, da systemimmanent!
Das Ergebnis davon ist ein allgemeiner Werte-Zerfall, der jederzeit in die ganz große Katastrophe führen kann. Es bedarf keiner neuzeitlichen “Kassandra”, um davor zu warnen. Denn sie ist schon vor der Tür. Carl Gibson.

Unkritisch kritisch? Eigenbericht der Konrad Adenauer Stiftung-Konferenz in Sibiu!
War es wirklich mehr als Friede, Freude, Eierkuchen und Zuckererbsen für Jedermann unter den zum Symposion Geladenen – und das selig seligmachende Eiapopeia im Himmel?
Heine hätte sich halbtot gelacht – und Nietzsche hätte das Ganze als ein Grand Macabre der Dekadenzgesellschaft bezeichnet?
Was war das eigentlich mehr als eine Tagung-vieler Ja-und -Amen-Sager mit dem Alibi-Hinweis, wir dürften (die Schrecken) der Vergangenheit ( nicht ganz!) vergessen?
Eine Verhöhnung der Opfer!
Wie schön – und wie versöhnlich aus anderer Sicht!?
Der “Hass”, der Herta Müller antrieb, um “Niederungen” gegen ihre Landsleute zu schreiben, war plötzlich vergessen und verrauscht – wie die Schrecken der Diktatur, die fast alle dort Anwesenden nur vom Hörensagen kannten … und fast alle stimmten ein in eine Versöhnungs-Symphonie der Freigewordenen, in den großen Zusammenklang ( der Nationen / und Um – und Neuwertung aller europäischen Werte…) –
Und nachdem Herta Müller “erneut” – zum wievielten Mal eigentlich? – von “ihrer” Verfolgung berichtet hatte,
wobei natürlich alle anderen Dissidenten und Widerstandskämpfer unerwähnt blieben, hatten alle Germanisten, Literaturdozenten, Berufspolitiker und sonstige zum “Symposion” auf Kosten des deutschen Steuerzahlers geladenen Experten ein gutes Gewissen, oder Frau Prof. Lermen und Herr Prof. Dr. Bernhard Vogel?
Schließlich wurde über “Literatur” diskutiert!
Und so nebenbei über Politik! Was vergessen wurde – wonach ich aber mit Nachdruck fragte!
Wer referierte dort über “europäische Werte”?

Welcher Philosoph von Rang?
Welcher Bürgerrechtler?
Welcher antikommunistische Oppositionelle?

Welcher kritische Kopf?

Es lasen ferner RKP-Mann alter Schule Richard Wagner und Kollegen-Denunziant Eginald Schlattner?
Worüber lasen Sie?
Jeder sollte den Eigen-Bericht der Konrad Adenauer-Stiftung kritisch lesen und sich fragen,
was diese Konferenz gekostet hat!
Und was sie an “konkreten”, greifbaren” Resultaten gebracht hat – außer “Spesen”?
Das steht nicht in dem Bericht!
Ob die FAZ nachfragt? Oder sonst wer aus der deutschen Presse?
Was hatten Richard Wagner (der Mann, der als Sekretär, Pressesprecher und Manager? von Herta Müller auch ihre Drohungen an mich weiter gibt!) und Schlattner dort überhaupt zu berichten?
Gab es keine anderen “unbelasteten” Kandidaten, die überhaupt nicht mit der Rumänischen Kommunistischen Partei (RKP) oder mit dem rumänischen Geheimdienst “Securitate” zusammengearbeitet hatten, nie?
Gab es keine Alternative zur Ceausescu-Systemprofiteurin Herta Müller, die immer noch ihr altes Gaukelspiel öffentlich weiter macht, trotz meines Aufschreis hier und dort?
Wer von der KAS hat “gerade diese Auswahl” der Konferenz-Teilnehmer zu verantworten?
Wer lud diese Teilnehmer ein?
Und vor allem, wer grenzte die “moralisch Berechtigten” Zeitzeugen aus schweren Zeiten aus?

Falsche Gesten und Signale, Lüge, falsche Moral, Heuchelei, politisches Versagen und ökonomische Katastrophen hängen unmittelbar zusammen. Deshalb wollte ich mit dieser Diskussion auf die innenpolitische Brisanz der KAS-Konferenz in Sibiu hinweisen. Was wir im Makropolitischen in dem unseligen Kausalzusammenhang: Terror-Anschläge am 11. September in den USA, völkerrechtlich nicht legitimer Krieg im Irak, Despotensturz und Befreiung über Gewalt, globaler Börsencrash in den letzten Jahren erleben mussten, führte zu einem Vertrauenseinbruch nicht nur in Amerika und in die Regierung Bush, sondern weltweit. Die globale Rezession, die wir heute erleben, ist ein Produkt der Vertrauenskrise mit finanziellen und ökonomischen Auswirkungen. Dem Versagen der Politik in diesem Land – das sich allein nicht gegen Makroentwicklungen stellen kann/ Siehe die Fakten vom Gipfel in Heiligendamm, gerade zum Stichwort Hedge-Fonds und Finanzkrise) ist darüber hinaus noch ein Produkt der Desinformation, die im Kleinen beginnt, etwa hier im Forum, blüht, wächst und gedeiht und irgendwann großen Schaden anrichtet. Deshalb war ich immer für vollständige Offenheit – bei der UNO in New York und im Sicherheitsrat ebenso wie hier im Forum. Es ist eine Frage des Prinzips! Carl Gibson.

Eine Menge Holz!
Da Sie ja schon eine Weile hier im Forum dabei sind, dürfte Ihnen aufgefallen sein, dass ich in der Diskussion “KAS-Literatur-Preisvergabe an Herta Müller im Jahr 2004, in der “Nobelpreisnominierung von Herta Müller für die Bundesrepublik Deutschland bzw. im Zusammenhang mit allen anderen Preisvergaben immer auf eine Trennung
der politischen, der moralischen und der “literarischen” Ebenen plädiert habe. Lesen Sie doch alles weiter oben nach! Und vergessen Sie das Gelesene nicht, sonst kommen die alten Vorwürfe wieder. Zu meiner Vita: Lebensläufe konventioneller Natur ( wie sie bei Bewerbungen eingereicht werden) finden Sie im Netz, unter anderem unter: philosophers-today! Jeder, der mehr über mich wissen will, kann sich hundertfach informieren. Vor zwei Tagen sendete Radio ” Deutsche Welle” einen Bericht inkl. Interview mit mir in den rumänischen Sprachraum, Autor William Totok, ( 20 de ani…de la prabusirea … das nur so nebenbei, fiel mir erst gestern auf unter Ihrem Lieblings-Google-Suchzitat im Netz: Carl Gibson Symphonie der Freiheit. Siehe da, Sie können den Gang der Dinge nicht aufhalten! Sie können zwar und nach “Widersprüchen” in meinem Leben suchen, nur finden werden Sie keine. Denn ich habe geradlinig und konsequent gelebt – in allem, was ich getan habe. Zu ihrer Frage nach materiellen Implikationen:
Auch ein Philosoph muss essen, trinken, reisen, Steuern zahlen, das Brutto-Sozialprodukt ankurbeln, auch wenn er ein “Institut für Wirtschaftsethik” führt! Marketing, interkulturelles Management etc. – das alles machte ich früher, ab 1995 und weltweit!!! Damals hatte ich keine Zeit für die Mythen von Herta Müller und Co. Meine Klaviatur ist etwas breiter – und ich kann an vielen Fronten erfolgreich agieren. Doch was machen Sie, außer nach “Neidgründen ” zu schnüffeln? Machen Sie ruhig weiter! Vielleicht finden Sie noch einen “Tippfehler” meines Programmierers auf meiner Homepage? Wer nach goldnen Schätzen gräbt, und froh ist, wenn er Regenwürmer findet!!! Wie gleichen Sie in ihrer Haltung diesem Famulus “Wagner” aus Goethes Faust … Aber Sie sahen dort auch noch viele Dokumente aus dem Widerstand, aus meinem Leben, aus dem Banat, mich, umgeben von Freunden, mich, inmitten von Menschen, Was – haben Sie an gleichwertigen Dingen aufzuweisen? Noch Fragen! Carl Gibson
Apokalyptische Stimmungen werde ich hier keine verbreiten. Doch weil ich viel zu viel über die Zusammenhänge von Wirtschaft und Politik weiß, habe ich zum Themenkomplex Finanzkrise, Globalisierung etc. geschwiegen, obwohl ein Philosoph, der die “geistige Situation” seiner Zeit analysiert, dazu sehr viel zu sagen hat. (…)

Verfolgung?
Vor genau einem Jahr kehrte Herta Müller von einer Rumänien-Reise zurück, mit der alten “Story” im Gepäck, sie sei verfolgt worden!
Heute, ein Jahr danach, sitzt die gleiche Herta Müller in Sibiu im gleichen Rumänien an einer langen Tafel und lässt es sich gutgehen auf Kosten des deutschen Steuerzahlers, der auch einige Ihrer Preise finanziert hat, u. a. den der Konrad Adenauer Stiftung 2004 – und Herta Müller hat plötzlich keine “Angst” mehr in Rumänien.

Der Spuk ist weg! Die böse Securitate – ein Ammenmärchen?
Dafür liest Sie vor staunenden Ja-und Amen-Sagern, die man gleich fast allesamt mitgebracht hat, über ihre angebliche Verfolgung unter Ceausescu, während die tatsächlich Verfolgten der Securitate draußen vor der Tür bleiben,
ausgesperrt wie Hunde bzw. wie Schwarze während der Apartheid in Südafrika vor Mandela, weil ein paar “Etablierte” von der KAS nicht hören wollen, was die Andersdenkenden zu sagen haben.
Diese Diskussion, (…), begann mit der Frage, ob das “so” seine Richtigkeit hat! Was sagen Sie als deutscher Steuerzahler und vielleicht auch als aufrichtiger Patriot dazu, ohne mit der CDU sympathisieren zu müssen? Carl Gibson
Ich verweise auf mein Interview in der “Siebenbürgischen Zeitung”, wo ich die Thematik CNSAS (Rumänische Gauck bzw. Birthler-Behörde) angesprochen habe – im Zusammenhang mit dem Vorwurf Richard Wagners, ich hätte meine “Akte” noch nicht eingesehen und ich sei 30 Jahre nicht mehr in Rumänien gewesen. Meine mehrjährige Opposition ist vielfach belegt – und mehrere Dutzend Zeugen können darüber explizit Auskunft geben. Was in einer CNSAS-Akte steht (darüber schrieb ich auch in der Symphonie!) ist in meinem Fall sekundär. Ein ganzes Jahr müsste ich nach gegenwärtigen Gegebenheiten auf diese “Akte” warten – und ich müsste davon ausgehen, dass die Desinformationsabteilung der alten oder neuen Securitate sogar noch ein Kuckucksei darin versteckt haben könnte. Mit altem Papier und auf alten Schreibmaschinen lassen sich schnell sehr authentisch aussehende Dokumente fabrizieren, die gut geeignet sind, alte und neue Staatsfeinde zu diskreditieren. Doch nicht meine Verfolgung gilt es zu beweisen, sondern die von Herta Müller.
Nicht ich war in den letzten 30 Jahren mit diesem Verfolgungs-Bonus unterwegs und habe ein ungerechtfertigtes Image daraus stilisiert, sondern eben Herta Müller – mit fremden Federn … mit falschen Drachen-Zungen … die sie vorgezeigt hat und dabei die wahren Opponenten schlicht negierte-
(Siehe das Spiegel-Interview mit Herta Müller und Richard Wagner im Jahr 1987.) Dort steht es – schwarz auf weiß! Und was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen!
Von Frau Herta Müller erwarte ich Beweise, nicht von Lieschen Müller, auch nicht von der CNSAS oder von der SRI im neuen Gewand … Und von der KAS erwarte ich eine Antwort auf die Frage, weshalb sie alle belastenden Indizien ignoriert und weshalb sie sich nicht dem eigenen politischen Fehler stellt und ihn revidiert … Das in aller Kürze! Carl Gibson.
(…)
Scheinheiliges Aussitzen ist meine Sache nicht. Ich habe vor einem Jahr damit begonnen, Fragen grundsätzlicher Natur zu stellen, Fragen von innenpolitischer Tragweite, doch nicht mit der Lust, eine falsche Mine aufzusetzen und jenseits jeder Moral alles auszusitzen…mit störrisch stoischer Eselsgeduld … aber verzweifeln werde ich auch nicht. Von Haus aus bin ich unter Bauern und Gärtnern ausgewachsen – deshalb weiß ich auch, dass nicht alle Blütenträume reifen … und dass nicht alle ausgesäten Samen gleich aufgehen …und dass sie nicht wachsen können, wenn der Boden nicht bereitet ist … Der Boden, das ist unser träges Bewusstsein! Wenn die Samen keimen wie gute Gedanken, dann werden die Pflanzen sprießen, wachsen und gedeihen – und dann wird man auch Früchte ernten, wenn kein Hagelschlag dazwischen kommt oder eine alles begrabende Flut vor der Ernte.
Nur keine Bange, nervös werde ich nicht, auch wenn die KAS beharrlich schweigt wie ein Grab- Ich habe wieder gegoogelt und einen Hinweis darauf gesehen, dass die SbZ vielleicht doch noch etwas zur KAS-Konferenz mit Frau Herta Müller, Richard Wagner und Denunziant Eginald Schlattner berichtet. Dann geht die ganze Diskussion vor vorne los – oder? Carl Gibson.
(…)
Gerade blättere ich ein Beleg-Exemplar der neuesten “Siebenbürgischen Zeitung” durch – und was erblicken meine Augen? (Wie unlängst vermutet:) Einen kleinen Bericht zum Thema: Internationale Konferenz “Europa im Wandel”,klein darunter : “Hermannstadt” – und ein paar Hinweise,
“Eine von der Konrad-Adenauer-Stiftung organisierte internationale Konferenz zum Thema “Europa im Wandel: Literatur, Werte und europäische Identität hat in Hermannstadt vom 30. März bis 2 April stattgefunden”.
Selten ist eine Konferenz dieser Dimension so herunter gespielt worden.
Ministerpräsident a.D. Dr. Bernhard Vogel sprach über “abendländische Werte”.
“Die europäische Leitkultur” sei wichtig und die gemeinsame Basis der Völker seit der Antike über das Christentum bis zur Aufklärung. Worüber Eginald Schlattner, Herta Müller und Richard Wagner lasen oder referierten, schweigt sich der Bericht aus. Dafür kommt ein Hinweis auf den politischen Auftrag der KAS, die sich laut Satzung als “gemeinnützige Stiftung” auf “christlich-demokratischer Grundlage” für die “europäische Einigung” und internationale Verständigung einsetze.
Ist das so? Carl Gibson
(…)

“Symphonie der Freiheit”-Rezeption

Erfreulich zu hören, (…), dass Sie meine Symphonie in den Händen halten und dort über die Vergangenheitsbewältigung im gegenwärtigen Rumänien lesen. Sie sind einer der ersten bewussten Leser, denen die umfangreiche Dokumentations- und Recherche-Arbeit auffällt, die in einzelne Kapitel investiert wurde. Mein letztes Buch ist eben keine leicht produzierte “Belletristik”, sondern in vielen Bereichen harte Knochenarbeit, die auf langjährigen, intensiven Forschungsarbeiten beruht, u a. die Kapitel und Essays über die Dissidenz in Rumänien,
über Paul Goma,
über Mircea Dinescu – und vor allem
über Ion Caraion,
an dessen Schicksal den Fratze des Kommunismus am eindeutigsten abgelesen werden kann.
In der “Symphonie der Freiheit” ist alles “so” festgehalten, dass alle Daten und Fakten jederzeit und von jedermann “wissenschaftlich” überprüft werden können –
ganz im Gegensatz etwa zur intransparenten Vita von Herta Müller, die von Portrait zur Portrait immer neue Ungereimtheiten und offensichtliche Fehler aufweist, wobei selbst der Hausverlag keinen Wert auf exakte Aussage und Stimmigkeit legt.
Die “Fiktion” beginnt schon mit der Mystifizierung der eigenen Person – und noch keiner der wohlwollenden “Literaturkritiker” hat sich bereitgefunden, einige Diskrepanzen zu hinterfragen und aufzuklären.
Doch zurück zu Rumänien. Der innenpolitische Kampf zwischen vielen alten Kräften und wenigen Erneuern tobt auch heute noch in Bukarest – und die historische Forschung wird noch viel zu tun haben, um dem Westen klar zu machen, was dort abläuft.
Wenn die Konrad Adenauer-Stiftung (KAS) Ihrem Beispiel gefolgt wäre und auch in meinem Buch (und nicht nur dort!) einiges nachgelesen hätte, dann wäre die politisch falsche Signale aussendende Konferenz in Sibiu Anfang April 2009 “so” nicht angelaufen.
Fakt ist, die KAS “glaubt” ausschließlich Herta Müller!
Die Verantwortlichen der KAS (Hochbegabtenförderung!) sind davon überzeugt, Herta Müller sei in der Ceausescu-Diktatur verfolgt worden bzw. sie habe eine Mitarbeit mit der Securitate abgelehnt.
Wann erfolgte diese Ablehnung, vor 1984 oder danach?
Hinterfragt wurden diese “Eigenaussagen” von Herta Müller nie, auch nicht dann, als ich als einer der wenigen Fragenden überhaupt, berechtigte Fragen stellte.
Auf die Antworten von Frau Herta Müller warte ich noch heute.
Das ist in einer offenen, demokratischen Gesellschaft unzumutbar und skandalös, da Herta Müller mit “öffentlichen” Geldern gefördert wurde und wird.
Es ist nicht bekannt, in welcher Höhe.
Auch ist nicht bekannt, ob Herta Müller auch sonst – als Stipendiatin etwa – mit Steuergeldern gefördert wurde, bzw. ob die die Förderkriterien erfüllte.
Die Konrad Adenauer Stiftung glaubt einer kontroversierten Verfasserin von “schöngeistiger” Literatur (auch wenn die von “Hass” angetrieben wurde, Hetze fördert und gelegentlich alles andere als schöngeistig! ist) mehr, als den Zeitzeugen aus den Gefängnissen der Ceausescu-Diktatur.
Die eigentlichen Opfer des Kommunisten-Diktatur werden nicht einmal gehört!!!
Sie bleiben ausgesperrt – und sie werden stigmatisiert!
Wer betreibt hier also Hexenjagd und negative Inquisition, sprich Mystifikation?
Es ist bequemer so, ganz nach Vogel Strauß.
Nur kann sich die öffentliche Institution Konrad Adenauer Stiftung diese höchst einseitige Haltung auf Dauer leisten?
Es ist nicht, was nicht sein soll! Ahistorisch, agnostisch ist das!

Und was sagt Professor Rüther dazu?
Mit Carl Gibson reden wir von der KAS nicht – er hat sich im Ton vergriffen!
Und die KAS bei den Fakten und Taten?
Oder, Herr Professor?

Moralisch und politisch betrachtet ist dieses Vorgehen ein fatales Zeichen für die gesellschaftliche Kultur in diesem Land.
Die KAS ist fest davon überzeugt,
Herta Müller sei die Person, die Rumänien den Weg nach Europa ermöglicht und ebnet.
Was die Rumänen davon halten, hat die KAS wohl auch noch nicht erkundet.
Die KAS stützt sich in ihrer Haltung auf ein paar wohlwollende Stimmen von Literaturkritikern,
die Fiktion analysieren, ohne wissenschaftlich oder konkret in eigener Erfahrung über die “real sozialistische Wirklichkeit” in der Ceausescu-Diktatur Bescheid zu wissen.

Ich hätte viele “Feinde”, seitdem die “Symphonie der Freiheit” gedruckt vorliegt und wirkt, schreiben mir zugeneigte Leser. Und etablierte Journalisten, die noch keine Zeile meiner Symphonie gelesen haben, behaupten frech: Das ganze Buch sei eine Farce!
Woher wollen sie das wissen?
“Freunde” Herta Müllers aus dem linken Umfeld der Universität Temeschburg aber lassen mich wissen, ich sei ein “skrupelloser Scheindissident” -und wer Herta Müller angreife, greife alle aus der so genannten Aktionsgruppe an!
Es ist – wie bei den Drei Musketieren!
Nur schrieb Dumas einen Roman – dies aber ist “echt”, Anno Domini 2009, geschehen in der Bundesrepublik Deutschland,
im Land der Dichter und Denker,
im Land der Reformation,
nach der Aufklärung
und nach der Erfahrung von zwei totalitären Systemen!
Mit gefangen, mit gehangen? Nur weil einige “nicht immer freie” Zeitungschreiber- ihr Schicksal mit einer zurecht gelegten Meinung zu Herta Müllers Literatur verknüpfen, halten sie unbeirrt an den jahrelang verkündeten Einschätzungen und Interpretationen fest, ohne Lust, diese – angesichts neuer Fakten, die ein neuer Zeuge präsentiert – verifizieren und korrigieren zu wollen.
Es ist nicht bequem, eine festgefahrene Meinung zu revidieren – und leider Gottes folgen auch einige sonst gern “kritische” und “objektive” Akademiker dem gleichen Trend, weil sie nicht einsehen wollen, sich geirrt zu haben.
Doch mein Buch steht in der Regalen der Universitäten und einschlägigen Forschungseinrichtungen – also wird seine Botschaft nicht zu verhindern sein.
Das mehrfach angekündigte “Totschweigen” der “Symphonie der Freiheit” wird nicht stattfinden! Dafür hat nicht zuletzt dieses freie Forum hier gesorgt! Steter Tropfen höhlt den Stein – und die Wahrheit wird uns frei machen. Carl Gibson

Fotos: Carl Gibson

©Carl Gibson

Das Gesamtwerk Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte

Das Gesamtwerk Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte7 ok

Carl Gibson Allein in der Revolte Titelbild

Das neue Buch von Carl Gibson

Vor wenigen Tagen ist erschienen:

Carl Gibson, Allein in der Revolte

Eine Jugend im Banat

Aufzeichnungen eines Andersdenkenden –Selbst erlebte Geschichte und Geschichten aus dem Securitate-Staat

J.H. Röll Verlag, Dettelbach, 409 S.
ISBN 978-3-89754-430-7

http://www.openpr.de/news/704256/Allein-in-der-Revolte-Carl-Gibsons-neues-Buch-ueber-die-kommunistische-Diktatur-in-Rumaenien.html

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte
Carl Gibson

carl Gibson, Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte, Titelbilder

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte Buckrückseite

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte

Nachdem bereits ím Jahr 2008 die “Symphonie der Freiheit” im gleichen Verlag erschienen war, wird jetzt der noch ausstehende Teil des Gesamtwerkes vorgelegt.

Die “Symphonie der Freiheit” ist nunmehr vollständig.

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der RevolteNeuerscheinung:
Carl Gibson

Weshalb wurde der zweite Band vor dem ersten publiziert?
Weil die wichtigen Inhalte absolute Priorität hatten.

Nun aber wächst doch noch zusammen, was zusammen gehört!

Die Graphik auf dem Titelbild (Kirche in Bukarest) stammt
von Michael Blümel,

das Foto auf der Buchrückseite wurde im Zentrum von Temeschburg
von Monika Nickel im Jahr 2009 aufgenommen.


Einige Kurzinfos aus dem Text auf der Buchrückseite:

Carl Gibson, M. A., Jahrgang 1959, Bürgerrechtler während der kommunistischen Diktatur in Rumänien, lebt als Philosoph, Historiker und Schriftsteller (VS) in Bad Mergentheim.

Mehrere Buchveröffentlichungen, Aufsätze, Essays. Zu seinen Hauptwerken zählen die literaturhistorische Dichter-Monographie: Lenau. Leben – Werk – Wirkung, Heidelberg, 1989 sowie die autobiographische Darstellung: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, Dettelbach 2008.

Ergänzend zur “Symphonie der Freiheit”, ein Erinnerungswerk, in welchem die Geschichte der ersten freien Gewerkschaft “SLOMR” im Ostblock aus der Insider-Sicht eines Dissidenten sowie die Bedingungen der politischen und kulturellen Opposition differenziert wie kritisch beschrieben werden, schildert der Autor nunmehr im Folgeband “Allein in der Revolte” seinen Weg in den antikommunistischen Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur.
Carl Gibson beschreibt das Phänomen des “real existierenden” Kommunismus aus der konkreten Erlebnisperspektive eines jungen Nonkonformisten in Temeschburg im Banat und erörtert dabei den Kampf um Menschenrechte sowie das Ringen der deutschen Minderheit um ethnische Identität.
Zeitgeschichtlich orientiert fragt der Autor nach den Ursachen und Gründen, die zum Exodus der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen aus Rumänien führten.

Die Neuerscheinung ist seit Februar 2013 auf dem Buchmarkt und überall im Buchhandel erhältlich, auch online u. a. hier:

http://roell-verlag.de/shop/article_978-3-89754-430-7/Gibson,-Carl%3A-Allein-in-der-Revolte%3A-Eine-Jugend-im-Banat.-Aufzeichnungen-eines-Andersdenkenden-%E2%80%93-Selbst-erlebte-Geschichte-und-Geschichten-aus-dem-Securitate-Staat.html?pse=apq

Das Buch erscheint nach einer – fast dreijährigen – Verzögerung durch den Verlag.

Potenzielle Rezensenten bitte ich, Rezensionsexemplare direkt beim J.H. Röll Verlag in Dettelbach anzufordern.

Für eine Bekanntmachung meiner Buchpublikation auf einer Website oder Homepage bin ich dankbar.
In dem Buch steht das, was ich zum Banat und zur kommunistischen Diktatur zu sagen hatte.
Carl Gibson

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte
Carl Gibson

P.S.: Eine Weiterverbreitung dieser Informationen freut mich.

Kontaktdaten:
Carl Gibson
Ketterberg 8
97980 Bad Mergentheim
Telefon: 079731 99 27 176
Email: Gibsonpr@aol.com
Email: carlgibsongermany@gmail.com

Zur Person, zum Autor bzw. Bibliographie:
http://www.gibsonpr.de

http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Gibson_(Autor)

Auszüge aus dem Werk finden sich auf diesem Blog.
Soweit diese Erstinformationen – weitere Infos werden folgen.

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte 9
Carl Gibson

Carl Gibson wurde abgelichtet von Monika Nickel.

Rechtlicher Hinweis:

Alle Rechte für das Gesamtwerk (“Symphonie der Freiheit” und “Allein in der Revolte”) liegen beim Autor Carl Gibson.

Vervielfältigungen jeder Art, auch auszugsweise, bedürfen der schriftlichen Zustimmung des Autors.

Copyright: Carl Gibson

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Brunnen – Zierbrunnen, Laufbrunnen, Schöpfbrunnen, Pumpbrunnen in deutschen Städten, Klöstern und Festungsanlagen

Brunnen und Quellen im süddeutschen Raum, im Elsass und in der Schweiz

Brunnen – ein Stück Kulturgeschichte. Sie prägen das Gesicht einer Stadt.

Und das Lebenselixier “Wasser” ist die conditio sine qua non, ohne die auf unserem Planeten nichts geht.

Wasser ist Leben.

Alles Leben kommt aus dem Wasser – und in das Wasser kehrt es wieder zurück.

Was Thales von Milet viele Jahrhunderte vor Christus lehrte,

was Aristoteles und Goethe ( in Faust) wiederholten, wird heute oft vergessen –

denn in unseren, klimatisch gemäßigten  Breiten existiert Süßwasser im Überfluss.

Gutes Trinkwasser ist hier ein Standard – in anderen Regionen der Welt aber ist es ein Kostbarkeit.

Am Brunnen vor dem Tore … im Dorf, in der Stadt … trafen und treffen sich die Menschen,

 im Gespräch, im Austausch, im Dialog

Panta rhei – alles fließt … nicht erst seit Heraklit

Die Menschen der Antike, Griechen, Römer, Juden, Araber – sie alle schätzten die Kultur des Wassers in allen Formen –

nur wir,

die verhätschelten Wohlstandsbürger der Nachkriegszeit,

 blicken verächtlich-verschwenderisch auf ein Gut herab, das zur Selbstverständlichkeit geworden ist,

auf das Wasser.

Bad Mergentheim an der Tauber,

Kur- und Heilbad, ehemalige Residenz des Deutschen Ordens

Ein springender Brunnen

 

Marienbrunnen in der Altstadt von Bad Mergentheim

Marienbrunnen, Detail

Marienbrunnen, Detail, Madonna mit Kind

Marienbrunnen, Detail: das Stadtwappen von Bad Mergentheim

Marienbrunnen in der Altstadt von Bad Mergentheim, Detail

Brunnen im Schlosshof, Bad Mergentheim

Der sogenannte Milchlingsbrunnen in der Altstadt von Bad Mergentheim

“Milchlingsbrunnen”, Detail

Altes Rathaus, Bad Mergentheim

Der Kiliansbrunnen in der Altstadt von Bad Mergentheim

Kiliansbrunnen, Detail

Kiliansbrunnen, Detail

Brunnen am Kurpark

Brunnen am Kurpark, Detail

Brunnen in Jagsthausen

Zierbrunnen in Buchen – im Winter wird das Wasser abgestellt.

Kloster Schöntal

Vier Röhren-Brunnen mit einem “Mohr” als Brunnenfigur im Klosterhof, der sogenannte Mohrenbrunnen.

Tiefbrunnen – heute ohne Funktion.

Originell – Ein Frosch am Brunnenrand

Kloster Schöntal

Zisterne, Burg Weibertreu, Weinsberg

Burg Weibertreu, Weinsberg

Kaysersberg, Elsass, Frankreich

Zierbrunnen , Kaysersberg, Elsass, Frankreich

Ziehbrunnen aus alten Tagen in Kaysersberg

Würzburg, Festung Marienberg

Der Main und die Weinberge von Würzburg

Der Turm im Burghof –  Vorratslager sichert Autarkie in Notzeiten.

Tiefbrunnen in der Festung Marienberg

Blick in einen der tiefsten Brunnen Deutschlands – er sicherte das Trinkwasser, ohne das keine Leben möglich ist.

Kloster Lorch

Vier-Röhren-Brunnen im Kloster Lorch

Kloster Lorch im Remstal – im Klosterhof

Vierzehnheiligen,

Die Basilika

Vierzehnheiligen in Franken

Brunnen vor Vierzehnheiligen

Burg Abenberg

Burg Abenberg ( bei Nürnberg)

Nicht alltäglicher Brunnen in der Burg Abenberg

Laufbrunnen in Hirsau

Schwäbisch Hall im Hohenloher Land

Die Treppe – Ort der Freilichtbühne

In Hall

Zierbrunnen mit drei Röhren in Hall  – rechts an der Wand der Pranger.

Drei-Röhren-Brunnen, Detail

Drei-Röhren-Brunnen, Detail

Drei-Röhren-Brunnen, Detail

Die Comburg bei Schwäbisch Hall

Vereister Brunnen auf der Comburg

Die Comburg bei Schwäbisch Hall

Seltene Bilder – Wasser im veränderten Aggregatzustand

Winter – Aus Wasser wird Eis

Brunnen auf der Comburg – vereist

Die Kirche der Comburg

Brackenheim

Zierbrunnen in Brackenheim

Archaische Brunnenfigur ziert den Stadtbrunnen – die herkulesähnliche Gestalt ist ein Hinweis darauf, dass nur selten historische Persönlichkeiten Brunnen schmücken,  vielmehr sind es mythische Gestalten oder Fantasiefiguren.

Profaner Brunnen im Hof des Klosters Maulbronn -

der berühmte Drei-Schalen-Brunnen wartet hinter dicken Klostermauern verborgen.

Doktor Faust ziert den Brunnen seiner Geburtsstadt Knittlingen

Doktor Faust, Detail

Im Fachwerkgebäude ist das Faustmuseum untergebracht.

Festung Wülzburg (bei Weißenburg in Bayern)

Festungstor

http://de.wikipedia.org/wiki/W%C3%BClzburg

Zisterne, eine von vielen im Mauerbereich

Brunnenanlage, Detail

Gedenksteine erinnern an Flucht und Vertreibung der Deutschen

aus den östlichen Siedlungsgebieten nach 1945.

Die Mauern der bedeutenden Festung

Die Festung diente als Gefangenenlager – dementsprechend groß war die Wasserversorgungsanlage dimensioniert und für mehrere Tausend Insassen ausgelegt.

Ein prominenter Häftling in der Festung Wülzburg war der General und spätere Präsident Frankreichs Charles de Gaulle.

Vor dem Rathaus in Weißenburg – ein Zierbrunnen!

Am Brunnen, Burg Hornberg

Röhrenbrunnen in Erbach im Odenwald

Zierbrunnen vor dem Rathaus in Volkach am Main

Typisch für Franken – ein schmucker Brunnen am Markt aus Muschelkalk oder Sandstein

Ebenso typisch – die Patrona bavariae, die Gottesmutter mit dem Christuskind.

Die Mainschleife von der Vogelsburg aus betrachtet

In Mainbernheim zur Osterzeit

Brunnen des Weinorts Iphofen am Fuße des Steigerwalds im österlichen Schmuck

Röhrenbrunnen in Hirsau im Schwarzwald

Vor Wertheim fließt die Tauber in den Main

Der Engelsbrunnen – ein Schöpfbrunnen aus der Renaissancezeit in Wertheim

Rothenburg ob der Tauber

Zierbrunnen in Rothenburg ob der Tauber.

Rothenburg ist eine Brunnenstadt.

Wie in anderen ehemaligen Freien Reichsstädten auch,

zeigt das Bürgertum, was es hat: Prachtbauten und Prunkbrunnen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Rothenburg_ob_der_Tauber

Prunkbrunnen im Herzen der Stadt Rothenburg am Marktplatz

Drachentöter Sankt Georg als Brunnenfigur

Das ist Rothenburg: zwei Türme, ein Fachwerkhaus und davor

ein Brunnen.

Geschmückter Stadtbrunnen

Laufbrunnen im ehemaligen Judenviertel

Die andere Sicht

Zierbrunnen, veränderte Persepktive (stadtauswärts)

Brunnen, Detail

Brunnenfigur

Ein weiterer Brunnen in Rothenburg

Brunnengottheit – Fabelwesen

Weikersheim

an der Romantischen Straße

Brunnen im Rosenpark

Das Schloss in Weikersheim

Zierbrunnen, Stadtmitte

Brunnen und Schloss

Einsamer Zecher – in Weikersheim an der Tauber

Brunnen in Weikersheim, Detail

Evangelische Kirche

Barockfiguren im Schlosspark

Freiburg im Breisgau

Brunnen in Freiburg im Breisgau

Zierbrunnen auf dem Markplatz in Freiburg

Waldenburg in Hohenlohe

Blick auf die Hohenloher Ebene von Waldenburg aus

Brunnen mit Phönix-Darstellung in Waldenburg

Schalenbrunnen in der Burg

Geschmückter Stadtbrunnen in Miltenberg am Main

Schwanen-Brunnen im Elsass

Stadtbrunnen in Münster, Elsass

Basel

Je reicher die Stadt, desto schöner die Brunnen

In der Altstadt von Basel gibt es einige davon

Zierbrunnen in Basel

Detail

Archaischer Laufbrunnen in Wolfsberg, Garina,  Banater Bergland, Rumänien

Brunnen in meiner Geburtsstadt Temeschburg, Timisoara, Rumänien.

Artesischer Brunnen vor dem Dom in Temeschburg

Überlebensgroß – die Berliner Pumpe!

Brunnen in Berlin, Zentrum

Brunnen in Berlin – Alexanderplatz

Brunnen in Berlin – Alexanderplatz, Detail

Zierbrunnen in Rottweil am Neckar

Brunnen in Ellwangen


Brunnen in Ellwangen

Brunnen in Alpirsbach

Brunnen in Ansbach

Brunnen in Lorsch in der Pfalz

Brunnen in Regensburg

Brunnen in Donauwörth

Brunnen in Donauwörth, Detail

Alter Pumpbrunnen, Waldenburg

Zierbrunnen in Nördlingen

Zierbrunnen in Nördlingen, Detail

Brunnen, Niedernhall – Salzsieder am Werk.

Aus dem Kochen (Verdampfen) der Sole entsteht “Koch-Salz”

Brunnen ( vor der Firma Gemü), Niedernhall, Detail

Bad Wimpfen

Zierbrunnen in Bad Wimpfen

Mächtiger Turm in der reizvollen Staufer-Stadt Bad Wimpfen am Neckar

Turm, Detail

Röhrenbrunnen in Bad Wimpfen

Burg Neuhaus bei Igersheim

Runie, Alte Festungsmauer Mauer, Detail

Umrisse verweisen auf einstige Größe

Festungsbrunnen

Der Tiefbrunnen – er sicherte die Wasserversorgung und Autarkie

Blick in die Tiefe

Farne im Brunnenschacht

Carl Gibson – Bücher zum Thema Wasser:

Carl Gibson, Publikationen zum Thema Brunnen, Trinkwasser.

Fotos: Carl Gibson

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Hundert Jahre russisch-sowjetische Geschichte zur Präsidentenwahl – Demokratie oder Diktatur?

Die „Matroschka“ – sowjetische Geschichte im Zeitraffer

 

Aus der Moskauer Puppenkiste – Hommage und Politsatire dargestellt in Wort und Bild als besinnende Relecture zur Präsidentenwahl in Russland am 4. März 2912.

 

 

Michael Gorbatschow geht voran – in eine neue Zeit!?

 

Michael Gorbatschow – vom späten Triumph der Freiheit

 

Glück stellt sich dann ein, wenn Wunder wahr werden, wenn lange geträumte Träume in Erfüllung gehen, wenn sich Wünsche und Aspirationen realisieren, wenn ein großes Fernziel erreicht ist und wenn entrückte Ideale Wirklichkeit werden.

An einem solchen Glücksmoment durfte ich gleich zweimal teilhaben in einem kurzen Leben. Im Jahr 1979, als nach jahrelangem Ringen um bürgerliche Freiheiten und Menschenrechte in einer der bittersten Diktaturen Osteuropas mein Ausbruch in die Welt der Freiheit möglich wurde – und dann ganze zehn Jahre später, in jenem denkwürdigen Herbst des Jahres 1989 noch einmal, als die Völker Osteuropas fast über Nacht die lange ertragene Tyrannei einer totalitären Weltanschauung abschüttelten und frei wurden.

Welthistorische Ereignisse rollten damals vor uns allen ab, fesselnd wie auf einer Kinoleinwand – doch sehr real und diesmal nicht tragisch wie in den verheerenden Weltkriegen und in den weitaus negativ verlaufenden Entwicklungen im Osten Europas während der Nachkriegszeit, sondern aufwärtsgerichtet im Geist der Freiheit auf eine vielversprechende Zukunft hin – als Wandel zum Guten. Nahezu unerreichbare Ziele und Ideale wurden Wirklichkeit. Alles, was in den selbst noch intensivst erlebten Tagen des Kalten Krieges unerschütterlich und für Tausende Jahre zementiert schien, stürzte, innerlich morsch geworden, über Nacht. Ein finsterer Despot wankte und fiel. Und vor meinen Augen vollzog sich im fernen Bukarest der Sturz der letzten Diktatur in Osteuropa, eine Gewaltherrschaft, die meine Existenz über Jahre geprägt und bestimmt hatte. Bald darauf wurde ich noch Zeuge des Zusammenbruchs des gesamten kommunistischen Systems in der sich auflösenden Sowjetunion, ja weltweit, einer Willkürherrschaft, die über Jahrzehnte den Frieden der Welt bedroht hatte. Freudig erschüttert und mit bebenden Herzen erlebte ich in kurzer Zeit gesellschaftliche Umbrüche kaum gekannten Ausmaßes, an dessen Ende die politische Freiheit und Selbstbestimmung ganzer Völker stand.

Der Motor dieser Realität gewordenen Utopie war Michail Gorbatschow. Er entfesselte die Lawine, deren Wucht das moralisch fragwürdige Gebäude des Weltkommunismus zum Einsturz brachte, indem er die „Menschlichkeit in die Realpolitik einführte“ – und indem er überall dort menschlich handelte, wo früher die Staatsraison waltete, die kühl berechnende Macht. Durch sein beherztes Handeln im Zaudern, die Mittel der Repression in voller Wucht einzusetzen wie seinerzeit Breschnew 1968 in Prag, wurde der damalige Präsident der Sowjetunion notwendigerweise zum unfreiwilligen Totengräber einer alten Struktur – und aus der Sicht konservativer Kommunisten sogar zum Verräter an den Idealen und Errungenschaften der einst glorreichen Arbeiterrevolution. Für Millionen Unterdrückte und Geknechtete des kommunistischen Machtbereichs jedoch avancierte er zum unbestrittenen Begründer, ja zum „Vater der Freiheit“ im Europa der Nachkriegszeit. Gorbatschow wurde, um es in pathetischer Würdigung eines symphonischen Kunstwerks auf den Punkt zu bringen, zur „Conditio sine qua non“ der Freiheit in Osteuropa. Ohne diese Persönlichkeit der Weltgeschichte sehe unser blauer Planet heute anders aus.

 

Michael Gorbatschow als Puppe.

Warten auf … den Retter!

 

Als sich vor nicht all zu langer Zeit, im Jahr 2003, erstmals die Gelegenheit bot, diesem „Retter der Welt“, denn nicht viel weniger war er in meinen Augen, von Angesicht zu Angesicht gegenüberzutreten, Tuchfühlung aufzunehmen und ihm vielleicht im innigsten Dank für das Unterlassene die Hand zu schütteln, nutzte ich den Tag und die Gunst der Stunde und reiste nach Ludwigsburg.

Ludwigsburg, der königliche Lustgarten Württembergs, war eine vertraute Stadt. Früher, während den Anfängen meiner Studienzeit um 1983, als unsere Kulturzeitschrift nomen konzipiert und ediert wurde, kam ich regelmäßig in die alte Residenz. Nicht zum eigenen Plaisir oder um dem mondänen Lustwandeln zu frönen, das seit der Säkularisation auch die bürgerlichen Schichten des Volkes erfasst hat, noch um das architektonische Erbe eines rücksichtslosen Autokraten zu bewundern, der seine Untertanen bis nach Amerika verkauft hatte. Damals lockte das schöne Ludwigsburg eher als Stätte der Literatur, als künstlerischer Ort, wo sich Gleichgesinnte trafen, Intellektuelle und kreative Köpfe aller Art, hauptsächlich aber Literaturschaffende, Schriftsteller, Dichter und Kritiker. Sie kamen aus ganz Südwestdeutschland und hatten sich zu einer losen literarischen Gruppierung zusammengefunden, die unter dem bescheidenen Namen „Literateam“ fast so bekannt wurde wie anno dazumal die Schwäbische Dichterschule um Uhland, Schwab, Kerner und Lenau, dem schwarz gefiederten Raben aus Ungarn.

Alle paar Wochen trafen wir in uns ungezwungen in einer Schenke in der Innenstadt. In Lesungen wurden eigene Kreationen dargeboten. Die Teilnehmer diskutierten gemeinsamen Editionen, Anthologien und anstehende Projekte. Wie in solchen Kreisen üblich, lamentierten, polemisierten und stritten sie untereinander – doch mehr über literarische als über gesellschaftliche Themen und ganz im Geist einer dialektischen Streitkultur, die auf Erkenntnisgewinn setzt, ohne dabei persönliche Animositäten und künstlerische Rivalitäten hervor zu kehren. Kurz, alle lebten und erlebten das literarische Kunstwerk im kommunikativen Miteinander und im Dialog. Da mich seinerzeit als literarischer Ressortleiter der Zeitschrift nomen überwiegend Fragen und Kriterien literaturwissenschaftlicher Wertung beschäftigten, wurde ich von den meisten aktiven Lyrikern und Prosaisten des Kreises als „Kritiker“ wahrgenommen. Herbert, den Freund fürs Leben, hatte ich in jenem Umfeld zum ersten Mal als eigenwilligen Gedankenlyriker erlebt – und seine siebzehnjährige Tochter Iris, heute eine zunehmend bekannter werdende Malerin, die damals gerade mit dem Dichten begann. Doch das war zwanzig Jahre her!

Inzwischen war viel Wasser den Neckar hinab geströmt, und die Welt hatte sich in einer Art verändert, wie ich es mir, als ich noch im Kerker saß, in hoffnungsvollsten Vorstellungen nie hätte ausmalen können. Aus Ludwigsburg, der beschaulichen Barockresidenz mit Nebengebäuden, war eine richtige Stadt geworden. Und wie alle richtigen Städte der Neuzeit wirkte sie im Alltag unmusisch und laut. Wo war die prunkvolle Schlossanlage? Irgendwo hinter profanen Zweckbauten verborgen. Es dauerte eine Weile, bis ich sie wieder gefunden hatte. Zielstrebig steuerte ich auf die Veranstaltungshalle zu, wo das große Ereignis stattfinden sollte. Eine Viertelstunde später fand ich mich dann in einem großen Saal wieder, inmitten von Menschen, deren Blick erwartungsvoll auf ein Podest gerichtet war, das weiter unten auf der breiten Bühne aufgebaut den Mittelpunkt markierte. Sie warteten … und ich wartete mir ihnen, doch nicht wie früher so oft auf die rettende Hand der Gottheit, auf den „Deus ex machina“, sondern auf eine Gestalt aus Fleisch und Blut, auf einen Heros der Neuzeit und auf einen Charakter, der meinen Glauben an das Humanum bestärkt und mein Hoffen auf Wunder intensiviert hatte.

Neben mir ein bekanntes Gesicht – Michael, ein befreundeter Ökologe aus Bad Mergentheim, der als Umweltaktivist über einen Naturschutzverband die Einladungen zu der anstehenden Ehrung erhalten hatte. Nur galt die Ehrung nicht ihm, noch dem Erzengel mit dem Flammenschwert. Geehrt werden sollte „hier und jetzt“ der wohl bekannteste Namensvetter der Neuzeit – der andere Michael, jene politische Persönlichkeit von Weltformat, die seit Jahren nicht nur die Deutschen in den Bann geschlagen hatte – Michael Gorbatschow!

Eigentlich stand er seit seinem etwas ruhmlosen Abgang nicht mehr ganz so oft im Rampenlicht. Jelzin, der spätere Präsident des wie Phönix neu aus der Asche der Geschichte emporgestiegenen Russland, hatte ihn gedemütigt und entthront, indem er ihm Russland aus der Sowjetunion entführte. Ein Kaiser ohne Imperium war Michael Gorbatschow, als er ruhmlos abtreten musste wie schon andere Cäsaren vor ihm. Und trotzdem! Im Bewusstsein der Menschen blieb er präsent – als welthistorische Größe, die die Rosenspur der Neunten ermöglicht hatte. Zumindest in meinem Bewusstsein war dies so. Ein Zufall? Während des Wartens versuchte ich zurückzudenken und Gorbatschow in die lange Reihe der Führungspersönlichkeiten einzureihen, die das Gesicht der Sowjetunion seit den Tagen der Oktoberrevolution bestimmt hatten. Lenin, Stalin … Gorbatschow! Wo stand er in der Hierarchie? Er, der erste unter den Namen, der mir beim Aussprechen keinen Schrecken einjagte?

 

Russische und sowjetische Staatschefs im 20. Jahrhundert.

 

Die „Matroschka“ – sowjetische Geschichte im Zeitraffer

 

Entzündet an einem Reisesouvenir aus Moskau, hatte ich mich gerade erst vor wenigen Tagen mit dieser überragenden Persönlichkeit der Zeitgeschichte beschäftigt und, ein naives Abbild in den Händen haltend, über Gorbatschows Rolle in der Geschichte nachgedacht. Während eines Mittagmahls bei guten Freunden in Wachbach war mir ein originelles Mitbringsel aus Russland aufgefallen, ein Volkskunstwerk aus dem neuen, vielfach veränderten Russland. Es war eine Matroschka, im Westen auch als Babuschka bekannt – ein enigmatisches Präsent, das eines ist und auch keines ist, weil es bei näherem Erkunden in immer kleinere Gestaltungen zerfällt wie die Ringe einer Zwiebel in der schälenden Hand. Ideen kommen auf und verfliegen mit jedem neuen Bild. Vielleicht, um auf diese heiter amüsante Weise eine philosophisch tiefsinnige Botschaft zu vermitteln als leiser Hinweis auf die Vergänglichkeit der Dinge, die da nur flüchtig sind, um zu verkümmern und bald im Nichts zu entschwinden, je mehr man sich Kern und Wesenheit nähert.

Nur verkörperte jene Babuschka in meinem Händen nicht wie gewöhnlich eine altrussische Puppenmatrone im Bauerngewand, sondern, die identitätsbestimmende Tradition krass parodierend, eine politische Variation. Auf jeder Hülle erschien das Konterfei eines Führers der einst „glorreichen Sowjetunion“, beginnend mit dem Revolutionär Lenin bis in die neueste Zeit mit Präsident Vladimir Putin als Endpunkt. Putin, der neue starke Mann Moskaus auch heute noch, von dem sogar zu befürchten ist, dass er das Rad der Geschichte noch einmal zurückdrehen könnte, als Winzling! War das kein Sakrileg? Oder verwies die frivole Parodie auf die neue Freiheit hinter den Kremlmauern?

 

Putin – der starke Mann in Russland.

Als ich das grell bemalte Riesenei aus leichtem Ahornholz zu entpacken begann und angestrengt mit etwas Geschick die naiv bemalten Weichholzschalen staunend auseinandernahm, fühlte ich mich in eine Zeitmaschine versetzt, die mich rasend schnell ein Jahrhundert zurückkatapultierte, hinein in die Zeit der Oktoberrevolution, wo der Winterpalast gestürmt und alle Romanows bald danach unmenschlich exekutiert worden waren; schon fühlte ich mich zurück- und hinein versetzt in das postzaristische Russland Lenins, Trotzkis und Stalins, wo einst eine für viele Millionen Osteuropäer verhängnisvolle Entwicklung ihren Anfang genommen hatte.

Indem es Lenin nach Russland lotste und den bolschewistischen Aufruhr mit substanziellen Geldmitteln stützte, hatte das Deutsche Reich als Geburtshelfer einer neuen Ära mitgewirkt. Unbeabsichtigt hatte es dabei mitgeholfen, die Weltanschauung des Kommunismus für viele Jahrzehnte zu instaurieren, kurz bevor es selbst an sozialistischem Streben und kommunistischen Umtrieben zerbrach. Es quietschte beim Drehen der Eierschalen aus Lindenholz. Und jeder Schauerton brachte neue Gesichter hervor – neue Physiognomien mit neuen Bildern und hundert Assoziationen.

Es war ein Ausflug in die „Geschichte der Sowjetunion“ im Zeitraffertempo, was sich mir darbot: rote Geschichte, blutrote und blutige Geschichte: Den Anfang als dickstes Ei machte „Lenin“, der Ahnherr und Begründer der Sowjetunion und ihr unbestrittenes ideologisches Haupt, Vorbild für Generationen bis zum Fall des Weltreiches in jüngster Zeit! Er bildete übergroß und mächtig die äußere Hülle des synthetischen Zwiebelrings. Sein Schädel hatte die Größe eines Straußeneis.

 

Lenin – geschrumpft …

wie die Ideogie des Welt-Kommunismus.

In Wladimir Iljitschs hohlem Bauch folgte dann, immer noch gewaltig erhaben als Ei eines Aasgeiers, die eigentliche Ausgeburt der bolschewistischen Revolution: der Menschheitsverbrecher avant la lettre „Stalin“. Die Fratze des Stählernen ließ mich zurückschrecken – als Albtraum: „Väterchen Stalin“, bei dessen erlösendem Tod Millionen weinten, war ein zynischer Tyrann übelster Ausprägung, ein Diktator ohne Erbarmen, der unter den hundert Völkern der Sowjetunion noch schlimmer gewütet hatte als außerhalb der Staatsgrenzen im Krieg. Es war das schnauzbärtige Zerrbild des Bösen als Gesicht eines Diktators, der nur noch mit einem „Untermenschen der Menschheitsgeschichte“ verglichen werden kann, mit einem Wahldeutschen, dessen Name in den Ohren ganzer Völker so schrecklich klingt wie alles, was mit Stalinismus assoziiert wird, in den eigenen. Wer war der größere Verbrecher: Hitler oder Stalin? Eine Frage der Perspektive, auch aus historischer Sicht? Die gesamte Biografie dieses menschlichen Zerrbildes war eine Verbrechergeschichte – von Anfang an. Und der „Terror“, den er verbreitete, selbst im Kreis seiner engsten Angehörigen war schlimmer als die Angst vor dem Tod.

 

Stalin

Vaterländischer Held und Menschheitsverbrecher!?

Aus sicherer Distanz heraus setzte ich die Entblätterung fort. Dem Stählernen folgte die rein physisch imponierende Puppe eines Apparatschiks mit freundlichem Gesicht. Es war der immerhin schon weitaus liberalere Chruschtschow, der ungeachtet uneingeschränkter Parteiloyalität trotzdem den Mut aufbrachte, die vielfachen Verbrechen Stalins offen zu legen, eine Vergangenheitsbewältigung anzuregen und den Entstalinisierungsprozess einzuleiten. Chruschtschow, ein agrarischer Mensch, der dem Bauer und dem Rindvieh näher stand als orthodoxer Marxistendoktrin, hatte eingesehen, dass eine Weiterentwicklung der Sowjetunion nur nach Überwindung des stalinistischen Systems durch breite gesellschaftliche Reformen erreichbar ist. Ideologisch zwar weniger verbohrt als seine Vorgänger und nach wie vor schnöder Machtpolitiker des Kalten Krieges brachte er die Welt an den Rand eines alles vernichtenden Atomkriegs. Doch durch ihn wurde auch das „Phänomen Solschenizyn“ möglich – und mit dessen Wirken eine Welle der Aufklärung über die Welt des Kommunismus hinter dem Eisernen Vorhang, ein erster Anflug von Glasnost und Perestroika. Ahnten meine Gastgeber, was in meinem Kopf vorging, im Schädel eines Entsprungenen? Wohl kaum! Wer die Heilslehre des Kommunismus nicht auf eigener Haut erlebt hat, der kann auch nicht wissen, was der Kommunismus wirklich war. Sowjetischer Imperialismus und osteuropäische Geschichte sind für viele Menschen des Westens unbekannte, siebenfach versiegelte Themen.

 

Chruschtschow – Njet oder Da?

Das bemalte Lindenholz wurde leichter.

Die nächste Enthüllung förderte Leonid Breschnew an das Licht der Welt, einen behäbigen Partei- und Staatschef, der als kühler Machtzyniker alten Schlages in die Geschichte einging. Er stand für den Status quo im Ostblock, für das lodernde Prag und für einen auf Ewigkeiten zementierten Weltkommunismus. Stets hatte ich in ihm nur ein lebendes Fossil gesehen, eine Mumie, deren mentale Trägheit und Unbeweglichkeit für die Kontinuität der Unterdrückung im gesamten Ostblock verantwortlich war. Er war der gnadenlose Puppenspieler, der die Marionetten tanzen ließ, Ceauşescu und Honecker, Gierek, Husak, Kadar und Schivkov – alle nach seiner Façon! Panzer und brennende Märtyrer – das war sein Vermächtnis!

 

Leonid Breschnew

An meinen Augen huschten noch einige Schreckensgesichter vorbei, Führer der Sowjetunion, doch Figuren des Übergangs wie der einstige KGB-Chef Andropow und der Parteisoldat Tschernenko. Ihre Namen waren so blass wie ihre Taten. Kaum einer erinnert sich noch ihrer flüchtigen Erscheinung.

Tschernenko

Erst spät in der Zeitordnung immer deutlicher zusammenschrumpfender Puppenfiguren erschien als Kulminationspunkt dieses Ritus der Enthüllungen der Mann mit dem Stigma am Haupt, der Gezeichnete, an dem mein Blick viel länger haften blieb. Der Auserwählte? Es war die einzige Ikone mit humanem Antlitz: „Michael Gorbatschow“.

 

Michael Gorbatschow und die Tradition

Nur war er in jener Puppen-Ordnung bereits winzig ausgefallen, verschwindend klein, zum Taubenei reduziert, zum Friedenstauben-Ei und kaum noch zu unterscheiden von den ihm nachfolgenden Jelzin und Putin.

Was hatten die von seiner wahren Größe?

Nichts!

Boris Jelzin

Boris Jelzin, der Restaurator Russlands, der alten Macht als Reich der politischen und wirtschaftlichen Ohnmacht, schien als schmächtiger Schrumpfkopf durchaus seinem „historischen Wert“ zu entsprechen. Wenn ich an ihn dachte, sah ich das Bild einer angeheiterten, sinnenfreudigen Barockgestalt, die unter den Augen eines lachenden Bill Clinton dionysisch enthemmt auftanzt und nach dem Ewig Weiblichen greift, statt nach den Sternen.

Doch ich erinnerte mich auch des überzeugten Halbdemokraten, der irgendwann einmal auch wahre Größe gezeigt hatte, in einer glücklichen Stunde der Geschichte, als er mutig antrat und vom Panzer aus von idealistischen Antrieben bestimmt zum Widerstand gegen totalitäre Restaurationsbestrebungen aufrief, während sein Ziehsohn Putin, der unbemerkt die Stalin-Statuen ausgraben und aufs Podest stellen ließ, mir künftige Rätsel aufgab. Als „Mann des alten Systems“ und der KGB-Ordnung stützte er mit Geld und Macht den Stall, aus dem er kam, den Geheimdienst, das mächtige Militär dahinter, die eigenen Familien und ein Heer von neuen Oligarchen, während die große arme Menge applaudieren durfte wie eh und je.

Alle Ikonen russischer Neuzeit standen bald vor mir in Reih und Glied auf dem weißen Tischtuch als makabre „Geschichte der Sowjetunion“ von Alpha bis Omega. Doch mich faszinierte nur eine Puppe: die mit dem Zeichen!

War er der Auserwählte? Der von Gott Gesandte, der Retter? Michael – nomen est omen, auch in diesem Fall? Lange betrachtete ich die Gestalt in der merkwürdigen Ordnung, die die Werte verschob. Eine Ironie der Geschichte?

Gorbatschow als Endpunkt? Oder stand er für einen neuen Anfang, für ein demokratisches Russland und für ein Entlassen der Völker in die Souveränität und Freiheit? Manche, die den Untergang der großen Sowjetunion bedauerten, waren anderer Meinung.

 

Ein Gezeichneter – Gorbatschow.

 

Wer zu „Späth“ kommt, den bestraft kein Leben!

 

Jetzt, im Saal, in der Erwartung der historischen Ausnahmepersönlichkeit, waren die Reflexionen wieder präsent. Etwas unruhig sah mich um. Der Einklang freudiger Erwartung bestimmte die Menschen im Saal. Viele der Anwesenden hatten die gerade erst abgelaufenen Entwicklungen noch nicht vergessen. Die Emotionen waren noch wach und drängten sich wieder auf. Der Fall der Mauer – das Ende des Reiches des Bösen. Sie alle hatten die Abläufe der Wiedervereinigung erlebt, auf ihre Weise, mit deutschen Augen und mit deutschem Herzen erfühlt. Und weil es Deutsche waren, interpretierten sie auch den Lauf der Geschichte, die ihnen die nationale Einheit wieder schenkte, nicht nur rational, vielmehr aus dem Gefühl heraus. Plötzlich wurde es still im Festsaal.

Unten, vor den Augen der Menge, betrat Michail Gorbatschow die Bühne. Frei und souverän als große Gestalt der modernsten Weltgeschichte.

Nach Hegel und Nietzsche bestimmten die großen historischen Individuen den Lauf der Weltgeschichte – die Cesare Borgias der Neuzeit, die Napoleons … War Michael Gorbatschow einer von ihnen? Oder entsprach er doch eher dem Typus des großen Humanisten nach dem Renaissancemenschen, der aus tieferen ideellen Beweggründen wirkt und schafft?

Freundlich in die Menge lächelnd und gewandt schritt er über die Bühne zum Podest hin, wo er nach erfolgter Laudatio auch zu den Menschen sprechen sollte. Doch wer würdigte seine Verdienste hier und heute? Späth, Lothar Späth? Einer, der diesmal nicht zu spät kam und dafür auch nicht vom Leben bestraft wurde? Fast hätte ich ihn vergessen, denn neben Gorbatschow wirkte der oft gut gelaunte und witzige Ministerpräsident der Badener und Schwaben außer Dienst, den ich sonst sehr schätzte, so nebensächlich und fast trivial!

Gorbatschow bestach und war so bescheiden und menschlich wie immer. Einige seiner tieferen Züge, die auf ihre Weise mein Schreckensbild des Russen korrigierten, hatten mich immer schon berührt. Sie hatte ihn mir, den seinerzeit mächtigsten Mann des kommunistischen Weltreiches, in unbestimmter Erinnerung an den eigenen Vater, intuitiv sympathisch erscheinen lassen, von Anfang an, bereits zu einem Zeitpunkt, als andere in ihm noch den „cleveren“ Public Relations-Künstler sahen, ihn gar in die Nähe des NS-Demagogen Joseph Goebbels rückten.

Mit dem Herzen sehen, ihn über die eigene Wesenheit zu erfassen, das schien mir bei Michael Gorbatschow der wahre Weg zu sein. Gorbatschow war mir einst im Traum erschienen, gleich nach seinem Antritt als Lenker des Sowjetreiches, wohl als Projektion eigener Erwartungen – als herbeigewünschter messianischer Hoffnungsträger, als positive Rettergestalt, als weißer Ritter, voller Zuversicht, in fernster Erinnerung an den triumphierenden Erzengel Michael, der sich über die Bestie erhebt, zu dem ich oft als junger Ministrant in der Dorfkirche hochgesehen hatte, wenn ich frühmorgens auf Knien die Litanei absolvierte. Das Humane seines Wesens erwuchs aus dem Gesicht, dessen milder, Vertrauen schaffender Ausdruck die künftigen politischen Handlungen schon vorwegzunehmen schien. Und jetzt stand dieser Hoffnungsträger, an dem zeitweise das Schicksal Europas, ja selbst der Welt hing, als später Triumphator vor uns.

Michael, mein Begleiter neben mir, strahlte – auch ich war tief erregt. Die Macht des Augenblicks nahm alle ein. Manch ein Anwesender aus Ludwigsburg und der Region um Stuttgart hätte das Idol gerne umarmt, nicht nur Frauen, und ihm, dem Russen, die Hände geschüttelt. Die alte Völkerfeindschaft zweier Weltkriege schien für alle Zeiten vergessen und aufgelöst. Es war wie eine freie „Unio mystica“ der Masse mit einer Idee – ein Zusammenfall der Gegensätze, eine „Coincidentia Oppositorum“ lange getrennter Welten. Enthusiasmus lag in der Luft – unmittelbare Begeisterung.

 

Vom Zar zu Putin.

 

Sprache der Herzen

 

Die Menge applaudierte, als er seine Appelle vortrug und zu den Menschen sprach, spontan und natürlich – aus dem Herzen. Sein Ruhm war ihm vorausgeeilt wie seine Taten, die diesen begründeten. Es war ein cäsarisches Auftreten im freundschaftlichen Forum. Michael Gorbatschow hatte schon gesiegt und gewonnen, bevor er gekommen war. Jetzt ging es nur noch um das Ernten der reifen Früchte, um den späten Lorbeer, der ihm hier – wie überall im wiedervereinten Deutschland – zufiel, während ihm der Dank der Heimat versagt blieb.

Hier im liberalen Südwesten war er wirklich willkommen. Seine entspannte und erfüllte Mimik verriet es, dass er dies auch fühlte. Hier, in Deutschland, war er zwar nicht daheim, doch zumindest in einer Wahlheimat und unter Menschen, die ihm zugetan waren. Wieder warf ich meinem Begleiter Michael einen nach Bestätigung der eigenen Gefühle zielenden Blick zu, ohne dabei weiter an die Namenskoinzidenz zu denken oder an die mythische Rettergestalt der Bibel. Michaels gütiges Gesicht strahlte vor heller Begeisterung, ohne sich im Ausdruck von anderen entzückten Gesichtern abzuheben; ob jung oder alt – die unmittelbare Freude war greifbar. Es war ein kurzes Aufleuchten der Humanität in einer immer noch schwer verfahrenen, wenn auch schon besser gewordenen Welt. Eine natürliche Begeisterung erfüllte den Saal, in dem eigentlich nichts ablief, in dem sich nichts ereignete als ein „Akt des Bestaunens“ und des „Staunens über den Gang der Geschichte“, deren Fortgang nicht nur von Ideen bewegt wird, sondern auch vom Gefühl für das Richtige zum richtigen Zeitpunkt aus dem Geist des Humanum.

Die ganze Gestimmtheit des Raumes wurde nur von einer Person getragen, von einer weltgeschichtlichen Größe, die mit der gleichen Natürlichkeit in die deutsche Provinzstadt gekommen war, wie sie den heimatlichen Kaukasus bereiste. Gorbatschow, ein Ausstrahlungsphänomen an sich, wirkte durch die bloße Präsenz. Ein Nimbus war da, der nicht gesehen, doch gefühlt wurde. Die Herzlichkeit der Menschen verwies darauf.

Vielleicht hätte Hegel beim Anblick der Menschen in diesen Hallen das Walten des Weltgeistes vermutet und Kant den Wink von den Sternen auf den ewigen Frieden. Für Augenblicke schienen sich göttlicher Weltwille und Individualwille zu durchströmen zu einem harmonischen Ganzen, aus welchem das Böse gebannt war. Eine Illusion? Die Menschen hielten den Atem an – überall gelöste Spannung. Etwas vom Hauch der großen Geschichte durchwehte den Saal und erfüllte für kurze Zeit die ehemalige Residenzstadt, die schon manche gekrönte Häupter gesehen hatte, selbst Tyrannen und heimische Sklavenhändler.

Als der Ritus der Ehrung vollzogen war, löste sich die allgegenwärtige Spannung in stürmischen Ovationen – wie nach einer großen Operngala. Die Menschen klatschten rauschenden Beifall und tobten teilweise vor Verzückung – und dies lange Jahre nach Gorbatschows relativ glanzlosem Abtritt. Sie würdigten damit auf ihre Weise die Tat einer Persönlichkeit, die der Weltgeschichte einen neuen Lauf gegeben hatte. Immer noch beeindruckt und gebannt von der besonderen Stimmung im Saal überflog ich die Menge und musterte intuitiv die aufgehellten Gesichter – es waren überwiegend schwäbische, deutsche Gesichter. Und was ich erkennen konnte, das war Dankbarkeit; reinste, innigste Dankbarkeit.

Die Menschen um mich herum, junge und alte Leute, bunt gemischt, mit Videokameras und Fotoapparaten ausgestattet, beeilten sich, den „Nachklang der Weltgeschichte“ für immer einzufangen, das hautnahe Erleben eines besonderen Menschen, der das Gesicht der Welt zum Positiven hin nachhaltig verändert hatte. Sie blickten auf einen leicht gerührten, immer noch sehr menschlichen, ehemaligen Staatschef der Sowjetunion, auf einen Charakter aus einer Welt, die Präsident Reagan als das Reich des Bösen bezeichnet hatte.

Und sie sahen Bilder: Vielleicht sahen sie vor ihrem geistigen Auge, wie der Stacheldraht durchschnitten wurde, wie Grenzen durchlässig wurden – und sie erlebten vielleicht in innerer Sicht, wie Steine wankten und wie die Mauer fiel; und sie fühlten, wie die große Freiheit, getragen von beethovenscher Musik, sich ihren Weg bahnt: „Freiheit schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium“ … Friedrich Schiller, der Sohn aus dem kleinen Marbach am Neckar gleich um die Ecke, hatte in Worten verdichtet, was Beethoven inspirierte, lange nachdem Schiller der unfreien Karlsschule entflohen war. Dieser humanistische Geist großer Individuen wirkte hier – Gut und Böse in Versöhnung erlösend.

Weltgeschichtliche Ereignisse wurden für Sekunden zurückgeholt und erfüllten die Herzen der Menschen. Viele waren gerührt – auch ich, ein Abgebrühter, dessen Tränensäcke fast schon ausgetrocknet waren. Schließlich gehörte ich mit zu jenen, deren Ideal sich erfüllt hatte, zu jenen, die die Freiheit schauen durften, auch das Gelobte Land, das andere Eden, die es betreten und genießen durften über die allseits präsente Freiheit. Das war eine späte Satisfaktion der Geschichte – eine Genugtuung der menschlichen Existenz: das Realität gewordene Humanum.

Der ehemalige Staats- und Parteichef der bereits aufgelösten und in viele Einzelstaaten zerfallenen Sowjetunion Michael Gorbatschow war als Haupt seiner Stiftung nach Ludwigsburg gekommen, um für diese einen Preis, eine Ehrung, entgegen zu nehmen. Er kam für das „Grüne Kreuz“, das er als ökologische Initiative alternativ zum „Roten Kreuz“ begründet hatte, um den Menschen zu signalisieren, dass unsere gesamte Welt noch viel mehr Mitverantwortung für unsere lebenswichtige Natur und Umwelt nötig hat. Diese Initiative sah er ganz in der Tradition der gesamtpolitischen Verantwortung für die Welt, die ihm einst als Staatsmann wichtig war; und die ihn bewogen hatte, so zu handeln, wie er handelte, indem er für die Sache der Freiheit eintrat und sie in seinem Einflussbereich ermöglichte. Das Grüne Kreuz, dessen Symbolik bei mir so manche Assoziationen wachrief, fand den höflichen Beifall der schon lange ökologisch sensibilisierten Menschen – doch ihre eigentliche Begeisterung galt dem großen Staatsmann, der als Apologet und Vollender politischer Freiheit in die Weltgeschichte eingehen wird.

 

Die Zeit der Chamäleons ist angebrochen – aus frommen Kommunisten wurden orthodoxe Kapitalisten.

P.S. Die oben beschriebene “Matroschka” war nicht mehr aufzufinden – inzwischen gehen die Uhren anders in Russland – doch die Russen haben ihren Humor bewahrt.


 
 

©Carl Gibson. Alle Rechte vorbehalten

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Muss Bundespräsident Christian Wulff zurücktreten? Skandal erschüttert deutsches Präsidialamt – “moralische Integrität” und Werte im Alten Europa

GELD oder MORAL? Werte und Wertewandel in Europa.

Mit kleinen Schritten in den verhängnisvollen Kreislauf von Bestechlichkeit und Bestechung:

Pecunia non olet!? Oder?

  Deutsche Flagge im Wind

Der Fall Christian Wulff aus moralischer, staatsphilosophischer und wirtschaftsethischer Sicht.

Chronologie der Halbwahrheiten und Lügen aus Schloss Bellevue, Berlin

Schloss Bellevue – Sitz des Bundespräsidenten in Berlin. Hier residiert – immer noch – der moralische Versager Christian Wulff.

  Deutsches Parlament, Berlin

Quo vadis, Germania?

“Jeder hat seinen Preis”, sagt man … seit Jahrtausenden.

Auch die Mächtigen,

ja gerade die Mächtigen,

weil sie die Macht haben und

weil sie Einfluss ausüben können.

Die Mächtigen steuern den Gang und Lauf der politischen Entscheidungen über Einflussnahme, ganz egal ob sie Berlusconi, Chirac, Kohl, Bush oder Wulff heißen, in der Freien Welt ebenso wie im fernen Japan, bei Putin in Russland oder in Saudi Arabien.

Geld regiert, mehr Geld regiert noch besser.

Und Geld stinkt nicht!

Das wussten schon die Römer! Oder stinkt Geld doch?

Was ist los im Bundespräsidialamt – nach dem disharmonischen Abgang Horst Köhlers im Zorn?

Horst Köhler schied aus dem Amt, weil ihm die “moralische Integrität” wichtig war, weil ihm die “moralische Integrität” über alles ging!

Und Christian Wulff, der Realpolitiker und Moralapostel aus der CDU?

Als Berufspolitiker, Beamter und Ministerpräsident musste er sich der Tasache bewusst sein, dass ein “günstig” verzinstes Privatdarlehen einen “Vorteil” darstellt!

Weshalb ging er nicht zur Bank – wie jeder kleine Mann?

Geben ist seliger, denn nehmen, sagt man!

Aber man erwartet etwas! Eine Gegenleistung!?

So beginnt der Kreislauf von Bestechlichkeit und Bestechung! 

Sind deutsche Beamte bestechlich?

Unterscheiden wir uns in Deutschland nur noch graduell von “oligarschischen Systemen” à la Russland, wo mit viel Geld brutale Politik gemacht wird?

Zur Verdeutlichung der Thematik eine kleine Geschichte aus meiner Studenten- bzw. Hilfwissenschaftler-Zeit in Würzburg, (wo ich seinerzeit als nebenberuflicher Wissenschaftler Mitarbeitervereidigt” wurde; später dann noch einmal als “wissenschaftlicher Mitarbeiter” der Stadt Bad Mergentheim.

Seinerzeit nahm ich die Pflichten ernst, getreu meinem Vorbild Prof. Dr. Theo Meyer an der Uni, dessen Assistent ich war.

Eines Tages kam ein Student aus Asien in die Sprechstunde von Professor Meyer- mit Promotionsabsicht. Er brachte – im Einklang mit den heimatlichen  Sitten seines Geburtslandes – einige kleine Geschenke mit, einige Teebeutel als Aufmerksamkeit gedacht.

Professor Meyer, der ein überzeugter Demokrat und treuer Beamter war,  reichte das fast wertlose “Geschenk” unmittelbar danach an das Sekretariat weiter, mit dem Hinweis,

das Beamtengesetz des Bundes bzw. des Freistaates Bayern gestatte keinerlei Vorteilsannahme.

Kleine Geschenke erhalten bekanntlich die Freundschaft, sagt man!

Was ist klein? Was ist groß?

Millardenbetrüger (Flowtec-Skandal) in Baden-Würtemberg sollen einem Finanzbeamten einen nagelneuen VW-Golf vor die Tür gestellt haben?( Siehe: FlowTex-Skandal: http://de.wikipedia.org/wiki/FlowTex )

Das  ist Korruption!

Wo beginnt sie?

Wie klein dürfen die Geschenke sein?

Der Student aus Asien, sonst im Literaturwissenschftlichen kaum begabt, wollte als Doktorand aufgenommen werden!Mehr nicht! Der Tee war nur ein Mittel zum Zweck – wie bei Machiavelli und Cesare Borgia!

Was dachte sich  Christian Wulff dabei, als es ihm um seinen Vorteil ging?

Wollte und wie wollte er sich revanchieren?

Und kannte Christian Wulff als Ministerpräsident von Niedersachen das Beamtenrecht?

Bestimmt!

Und doch war ihm der Vorteil wichtig, das eigene Wohlergehen im eigenen Haus, in der Hoffnung,

dass alles im Verborgenen bleiben würde.

Dass die Sache mit dem günstigen Privatkredit von einem Unternehmer weder rechtlich noch moralisch einwandfrei war, dass musste der Mann, der Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland werden wollte und wurde, wissen.

(Gab es eine geheimes Zusatzprotokoll im Vertrag? )

Was ist die Gegenleistung eines Ministerpräsidenten, ja eines Bundespräsidenten, der einem Unternehmer “noch eine Gefälligkeit schuldet”.

Wo bleibt der gesunde Menschenverstand des sonst so empathischen CDU-Politikers Christian Wulff?

Was wird aus einer “moralischen Integrität”, wenn er mit soch einem Negativ-Beispiel vorangeht …

und sich nicht einmal etwas Böses dabei denkt?

Honi soit qui mal y pense!

Die Moral von der Geschicht:

Bundespräsident Wulff wird wohl zurücktreten müssen -

auch wenn er sich noch ziert wie einst Karl-Theodor zu Guttenberg, der berühmteste Plagiator Europas, heute Bestseller-Autor, der seinerzeit noch auf “moralische Entrüstung” setzte.

Was der “kleine Mann” zu halten hat, dass muss auch der Bundespräsident in der Demokratie

oder:

Quod licet Jovi non licet bovi?

 Wulff hat moralisch eklatant versagt – er muss die Konsequenzen ziehen und gehen.

Das schuldet er der demokratischen Kultur in diesem Land.

Worum stelle ich als freier Bürger diese Fragen öffentlich?

Ein Philosoph muss fragen stellen, kritische Fragen, wenn gelogen und getäuscht wird, aber jeder andere kritische Bürger muss es auch!

(Nicht wie ein Bekannter, der während seines Beamtendaseins in Loyalität zum Staat seine Meinung verbarg und der nun auch heute solche Themen nur in den eigenen Wänden im vertrauten Kreis erörtert – aus Sorge um die Altersversorgung!)

Wenn wir den Weg der kleinen Schritte in die Korruption in Deutschland billigen,

werden wir dort landen,

wo Berlusconi, Papandreu, Putin und andere ihre Nationen hinführten –

im Sumpf -

in mafiotischen Strukturen, die das Ende der Demokratie bedeuten.

 Europas Flagge im Sturm

Inzwischen steht wohl fest, dass der CDU-Politiker Christian Wulff seinerzeit gegen das Ministergesetz des Landes Niedersachsen verstoßen hat.

Nach dem Gesetz darf ein Ministerpräsident keine verbilligten Darlehen in Anspruch nehmen.Das ging bereits durch die öffentlich-rechtlichen Medien.

Der bekannte Staatsrechtler ( und Parteienkritiker)Professor Hans von Arnim hat sich bereits dezidiert dazu geäußert und die entsprechende Passage kommentiert.

Nach seiner Auffassung hat Christian Wulff in der Tat gegen das Ministergesetz verstoßen.

http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Herbert_von_Arnim

Der “geldwerte Vorteil”, den Finanzbeamte oft dem “kleinen Mann” in allen möglichen Konstellationen andichten und nachweisen wollen, ist hier im Fall Wulff eindeutig zu erkennen.

Christian Wulff ging nicht wie jeder andere Bürger auch zur Sparkasse oder zur Volksbank, um sich ein Darlehen zu besorgen,

sondern zu einem privaten Sponsor, der bereit war, ihn zu fördern – mit privaten Mitteln!

Das mag in einer Bakschisch-Republik wie Pakistan oder Afghanistan üblich sein, aber nicht in der Bundesrepublik Deutschland Anno Domini 2010.

Wer verkennt den Interessenkonflikt?So wird die politische Kultur zerstört!

Christian Wulff hat sich  ( erneut) empfänglich gezeigt,

ohne moralische Skrupel,

ohne zu bedenken, dass ein Mensch und Politiker zwischen Moral und Geld entscheiden muss.

Somit kleinen Gesten und Gefälligkeitenbeginnt die Korruption, auch in Deutschland.

Und es war nicht das erste Mal, dass Wulff gut gemeinte Gefälligkeiten annahm,

Privilegien, die Gegengefälligkeiten erwarten lassen als Kompensation.

Den Flug erster Klasse glich Wulff finanziell erst aus, als die Angelegenheit publik wurde.

“Der nicht ertappte Dieb ist ein ehrlicher Mann”, besagt ein Sprichwort.

 So agiert also unser Bundespräsident.

Lothar Späth, ehemaliger Ministerpräsident von Baden-Württemberg trat zurück, 

als seine von der Wirtschaft gesponserten Flüge bekannt wurden.

Er handelte moralisch und entschied sich für die Wirtschaft, aber gegen die Politik,

weil die Amoralität in der Politik im demokratischen Staat nicht geduldet werden darf.

Christian Wulff aber klebt am seinem Bundespräsidenten-Sessel,

ohne die Tragweite seiner nicht moralischen Handlung zu erkennen.

Das ist politisch kurzsichtig und zeugt von einem rücksichtslosen Willen zur Macht, im Grunde aber schadet solch ein Verhalten dem Präsidenten-Amt und dem Staat, der demokratischen Republik.

Es kommt jetzt nicht mehr darauf an, wie der Ältestenrat des Landtages von Niedersachsen das Verhalten des Bundespräsidenten Christian Wulff wertet oder was die – oft heuchlerische – Opposition dazu meint.

Fakt ist:

Die moralische Ebene reicht aus, um einen Rücktritt zu begründen – über strafrechtliche Implikationen hinaus.

Europa ist ein System der Werte, das nur bestehen kann,

wenn die Werte als politische Basis erhalten bleiben.

Werden die Werte der Gemeinschaft durch unprinzipielle Praktiken einzelner Politiker oder Parteien torpediert und destruiert, dann ist Europa als Gemeinschaft bald am Ende.

P.S. am 19. Dezember 2011:

Einige Politiker aus dem CDU- und FDP-Lager wollen den – aus ihrer Sicht wohl unmündigen – Bürgern bzw. dem Wählervolk klarmachen, es sei nicht besonedrs spektakulär,

den Präsidenten der Republik ( mit Anhang?) in Privatgemächern über Tage und Wochen “umsonst” zu beherbergen, zu versorgen, zu verwöhnen etc.

Wer kennt die Leute aus der Finanzbranche, die Wulff bewirteten … und dies in der Zeit nach der globalen Finanzkrise mit Bankenrettungen auf Steuerzahlerkosten?

Ist das kein unmitelbarer Lobbyismus a la USA?

In der Wirtschaft  ist das bei Geschäftsanbahnungen so üblich, besonders im Ausland, weil man ein “Gegengeschäft” erwartet, Profite erwartet.

Aber in derPolitik?

Wohin führt das Ganze, wenn solche Politik-Praktiken nun auch in Deutschland Schule machen?

Wertewandel auch hier?

Ins Negative?

Wollen wir etwa die “Werte”, die in Griechenland bei Geschäftsabschlüssen im Rüstungsbereich bei Mitwirkung einzelner Spitzenpolitiker (Minister) üblich waren, nun auch in Deutschland, ja europaweit “salonfähig” machen?

Es ist ein Skandal!

Allein der Gestus, Einladungen dieser Art mehrfach angenommen zu haben reicht aus, um Christian Wulffs Rücktritt als Bundespräsident moralisch zu legitimieren.

Viele Menschen in Deutschland leben ein Leben lang in extremer Armut und unter Verzicht, 

weil sie den “aufrechten Gang” nicht aufgeben wollen,

weil sie sie nicht verbiegen wollen,

weil sie es ablehnen, auch nur einen Teebeutel als “Geschenk” anzunehmen,

weil ihnen Anstand und Würde wichtig sind,

und weil sie – über das Christentum hinaus – humane Werte anders definieren als der christliche Politiker Christian Wulff,

der immer noch kein Unrechtsbewusstsein an den Tag legt und den Rücktritt vom hohen Amt im Staat ablehnt.

Ich schäme mich in einem Land zu leben, wo die Politik – aus reiner Machterhaltung heraus  – schamlos wird!

Solch einen Zynismus konnte der Begründer dieser Geisteshaltung Diogenes von Sinope sich bestimmt nicht vorstellen!

Ergänzung am 20. Dezember 2011:

Inzwischen wurde bekannt, dass der umstrittene Finanzakteur Carsten Maschmeyer

http://de.wikipedia.org/wiki/Carsten_Maschmeyer

die Verbreitung eines Buches über Christian Wulff über Zeitungsanzeigen in fünfstelliger Höhe (42 000 Euro) gefördert haben sollen.

Das ist ein Versuch der Vereinnahmung eines Spitzenpolitikers und ein nicht ganz legitimer Eingriff in die politische Meinungsbildung während des Wahlkampfes..

Es ist ein Beweis, dass einige Kreise der Wirtschaft von ganz bestimmten Politikern etwas erwarten.

In den Vereinigten Staaten ist die Praxis des Lobbyismus üblich und offen – hier in Deutschland hingegen fehlt noch viel Transparenz oder wie der ehemalige Präsident Michail Gorbatschow es einst für die Sowjetunion forderte:    

GLASNOST und PERESTROIKA.

Bundespräsident Christian Wullf, dessen Glaubwürdigkeit inzwischen beschädigt ist, 

sollte sich öffentlich äußern!

Noch vor der Weihnachtsansprache!

Doch es geht nicht nur um die Person des Berufspolitikers Christian Wulff –

es geht vielmehr um das Prinzip,

um die mögliche Vereinahmung von Politikern bzw. Volksvertretern durch Konzerne und bestimmte Kreise der Wirtschaft.

Die “moralische Entrüstung” der Kollegen – auch aus der Opposition – ist recht gering, weil manch einer “im Nebenberuf” und über “Mandate” mit der Wirtschaft “verbandelt” ist und nicht unerheblich dazu verdient. 

21. Dezember: Die Wahrheit kommt scheibchenweise ans Tageslicht.

Bundespräsident Wulff hat nun doch selbst mit dem “Freund” und privaten Darlehensgeber verhandelt.

Daraufhin war dieser im Tross des Präsidenten auf einer Auslandsreise in Asien (China, Indien).

Zufall? Wer es glaubt, wird selig!

Weshalb hat AWD-Gründer und Multimillionär Carsten Marschmeyer nicht den Betrag von 43 000 Euro in die Veröffentlichung von Büchern mittelloser Autoren gesteckt oder sonstige Kunst oder Wissenschaft gefördert, sondern ein PR-“Werk” über den Politiker Christian Wulff?

Das Unwort “Hannover-Connection” macht schon die Runde, selbst in der ARD.

Einzelne Akteure aus der Wirtschaft versuchen es ungeniert, deutsche Spitzenpolitiker zu korrumpieren, zu vereinnahmen – nach Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder, der auch von  Carsten Marschmeyer gesponsert wurde, nun auch ChristianWulff!?

Die aus Kripo-Verhören bekannte Salami-Taktik, nur zuzugeben,  was gerade faktisch belegt und bewiesen wurde, wird Wulff weiter in Bedrängnis bringen, seine Glaubwürdigkeit endgültig zerrütten, dem Amt und der politischen Kultur schaden und die allgemeine Politikverdrossenheit erhöhen.

Die Unterstützer-Stimmen (u. a. aus der Klientelpartei FDP und aus der CSU) verhallen fast ungehört. Während Graswurzeljournalisten und kleine Blogger mit ihrem Dagegehalten kaum Resonanz finden, werden zumindest die kritischen Positionen des Staatsrechtlers Hans Herbert von Arnim (Link oben)  ernstgenommen.

Harren wir  also der Dinge, die da noch kommen werden und warten wir auf “neue Enthüllungen” und “neue Erkenntnisse” – bzw. auf konsequentes Handeln danach.

Jetzt, wo Kardinal Meisner aus Köln, ein ranghoher Repräsentant der Katholischen Kirche, in Wulff nur noch einen “armen Sünder” erkennt, der sich hat bestechen lassen, scheint es endgültig aus zu sein für den deutschen Bundespräsidenten.

http://de.wikipedia.org/wiki/Joachim_Meisner

Die Katholische Kirche Deutschlands scheint wohl eine möglicherweise heuchlerische “Weihnachtsansprache” des Bundespräsidenten Christian Wulff nicht mittragen zu wollen!?

Also bleibt nur noch die “Resignation” im eigentlichen Sinne des Wortes – und politisch: der Rücktritt!

Inzwischen überschlagen sich die Ereignisse:

Laut Staatsanwaltschaft Hannover sollen neun Bundesbürger Strafanzeige gegen Bundespräsident Christian Wulff gestellt haben.

Sie scheinen das Handeln des Staatsoberhaupts zu missbilligen, namentlich das Annehmen eines vergünstigten Darlehens als Staatsdiener und die Gratis-Urlaubsaufenthalte bei Bekannten im Ausland.

Für viele aus dem Millionen-Heer der Beamten in diesem Staat wären ähnliche Handlungsweisen existenzbedrohend gewesen, solches Vorgehen wäre scharf geandet worden und hätte zum Verlust der Stellung geführt. ( Siehe die Geschichte mit dem Teebeutel weiter oben).

Vor dem Gesetz sind doch alle gleich – oder?

Zusatz-Kommentar am 3. Januar 2011 auf der Blog & Chat-Seite des ZDF; dort schrieb ich folgenden Kurzkommentar:

 

http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3093468.php

Maulkorb für Journalisten? – Druck schafft Gegendruck

Horst Köhler ging, weil er Moral hatte.

Christian Wulff muss gehen, weil er keine Moral hat -
bzw. nur eine Selbstbedienungsmoral.

Er klebt an der Macht und will sie behalten, obwohl er – unglaubwürdig geworden – der Bundesrepublik schadet.

Schlimm ist, dass Wulff den deutschen Journalisten einen Maulkorb verpassen will!

Druck aus dem Präsidialamt? Das erinnert an die Willkür autoritärer Systeme und ist zutiefst undemokratisch.

Seit bekannt ist, dass Wulff Vorteile annahm, fordere ich seinen Rücktritt. Auch fühle mich nicht mehr vertreten und schäme mich für diese Art der Amtsführung.

[...]

Deutsche und europäische Werte basieren auf “moralischer Integrität” – verfällt diese, dann wird die politische Kultur ihr bald folgen.

Zum Stand der Dinge am 4. Januar 2012:

Auf der Seite des ZDF habe ich ( als mündiger Bürger) gerade den Rücktritt Christian Wulffs als Bundespräsident eingefordert.

Ja, es reicht!

Die Angelegenheit ist zu ernst, um sie nur “humoresk” anzugehen. Es mag sein, dass Schriftstellern vergeben wird, wenn sie gelegentlich lügen oder ihre “moralische Integrität” nicht genau  überprüft werden  kann. Bei”Volksvertretern” aber gelten andere Maßstäbe, jenseits von Fiktion. Dort zählen Fakten und Handlungsweisen.

“Der Rücktritt Christian Wullfs als Bundespräsident ist überfällig

Christian Wulff  ist das Kaninchen, das von Kanzlerin Angela Merkel aus dem Hut gezaubert und ins hohe Amt katapultiert wurde – aus Gründen der Staatsräson und gegen erheblichen Widerstand selbst aus den eigenen Reihen.

Wulff, ein bis dahin eher blasser und unpopulärer Landespolitiker, wurde zum “ersten Diener im Staat” erhoben, nachdem der aufmüpfige, im Volk aber respektierte und populäre Vorgänger Horst Köhler aus prinzipiellen Überlegungen zurückgetreten war.

Was machte Wulff aus dem Amt?

Er nutzte es, um Privilegien für sich durchzusetzen. Die Vergütung eines Bundespräsidenten reichte ihm wohl nicht? Hybrishaft wollte er schnell mehr. Und hybrishaft verstieg er sich, indem er Druck ausübte und gegen im Grundgesetz verankerte Rechte verstieß, Bürgerrechte, als deren Verteidiger er hätte auftreten müssen. Sein Handeln disqualifiziert ihn, das Amt des Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland länger auszuüben.

Wullfs Rücktritt fordere ich öffentlich auf meinen Blogs seit dem 17. Dezember.

Seit der Bekanntgabe der Druckausübung auf die freie Presse mehren sich die Rücktrittsforderungen – selbst aus den eigenen Reihen.

Präsident Wulff ist durch seine Nichtaufklärung zur Karikatur verkommen, ja zur „Witzfigur“ ( laut Vera Lengsfeld, CDU).

Aus Dutzenden – hier – veröffentlichten Kommentaren zur Thematik spricht Enttäuschung. Viele Bürger teilen die Sorge, bisher gültige Werte und Normen könnten zerfallen und mit ihnen die gesamte politische Kultur in diesem demokratischen Staat.

Wie argumentieren die Verteidigger Wullfs? Sie verweisen auf das „Menschliche-Allzumenschliche“ nach dem Motto: „Nobody is perfect“!

Ja, auch ein Bundespräsident ist ein Mensch, aber auch einer „mit Prinzipien“!?

Wer an Anstand und Würde festhält, scheidet aus dem Amt, wenn es zu Interessenkonflikten kommt, insofern er ein Gewissen hat. Alles andere ist zynisch, rücksichtlos und vom unbedingten Willen zur Macht geleitet – das führt, als Deutsche wissen wir es, zur Aushöhlung der Demokratie  und weg vom Rechtsstaat. 

Die Enttäuschung der Bürger ist echt – Wulff, der einst im Fall Gerhard Schröder – Gazprom (2006?) mit erhobebem Zeigefinger an Ethos und Moral appellierte, sollte nun auf die Stimme des Volkes hören und endlich zurücktreten.”

Nach dem Interview mit Christian Wulff:

Der Bundespräsident hat Gesetzesverstöße zurückgewiesen. Doch wo bleibt die “moralische Integrität”? Die beiden Journalisten Schausten (ZDF) und Deppendorf (ARD) hätten fragen sollen, ob Wulff “moralisch versagt hat. Danach wurde leider nicht gefragt. Das Amt des Bundespräsidenten aber lebt von der “moralischen Integrität”. In dieser Debatte geht es um Werte, um Ethik und Moral als Grundlage demokratischer Politik.

Wulff hat abgebrüht heuchlerisch und aalglatt routiniert versucht, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen, sich am eigenen Zopf aus dem Sumpf zu ziehen – wie einst Lügen-Baron Münchhausen. Mich hat das deutsche Staatsoberhaupt nicht überzeugt. Wulff soll zurücktreten.

5. Januar 2012:

Laut einer repräsentativen Umfrage der ARD lehnt die Hälfte der Bundesdeutschen (50 Prozent) Wulff als Bundespräsident inzwischen ab. Ergo sollte er abtreten.

Im Internet, wo sich die kritischen Köpfe tummlen und ihre “Meinung” noch relativ “frei äußern, lehnen nahezu 90 Prozent der Kommentatoren  diesen selbstherrlichen und selbstgerechten Präsidenten ab, der sich in eine Opfer-Rolle hinein stilisiert.

Christian Wulff hat ein “moralisches Problem” – vox populi vox dei -

Christian Wulff sollte auf die Stimme des Volkes hören und den politischen Willen des Souveräns respektieren – noch vor einem möglichen “impeachment”!

Ein Hauch von “Watergate” über Deutschland – Wulff hat die “moralische Tragweite” seiner Verfehlungen noch nicht erkannt – http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3095312.php – wo bleiben die Stimmen der Moralapostel aus den Kirchen und die Interpretationen der Staatsrechtler und Moralphilolophen der Alma Mater? Von der Politik ist nicht viel zu hoffen – denn viele Abgeordnete sitzen im gleichen Boot mit ähnlichen moralischen Implikationen.

Die Bild-Zeitung will die Mailbox mit der Botschaft Wulffs veröffentlichen. Der Bundespräsident sitzt nun in der Falle, eine Situation, die er im Interview selbst provoziert hat. Stimmt er der Veröffentlichung nicht zu, wird er gänzlich unglaubwürdig.

Wer sich mit der Bild-Zeitung anlegt, hat schon verspielt, auch wenn es der “Präsident” ist – das ist ein ” A priori”, denn bei der “Bild” sitzen die Meinungsmacher der Nation, Akteure, die – nicht ohne Eigeninteresse und politische Hintergedanken – die breiten Massen erreichen.

Apropos Bundespräsident der Bundesrepublik: gemessen an der Macht-Stellung des amerikanischen oder französischen Präsidenten ist das deutsche Staatsoberhaupt lediglich ein – hoch dotierter – Zeremonienmeister.

6. Januar 2012 – Drei König:

Die Maskerade in Berlin geht weiter. Bundespräsident Wulff ignoriert das deutsche Volk und macht, was er will. So ging es einst in den kommunistischen Dikaturen des Ostblocks zu, in der Sowjetunion und in den Bananenrepubliken Lateinamerikas und Afrikas, wo das Volk einfach übergangen wurde.

Der selbstherrliche Berlusconi stellte Italien auf den Kopf und führte – flankiert vom Werteverfall in Griechenland  – Europa an den Abgrund, indem die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen torpediert wurden.

Jetzt macht Christian Wulff von der CDU ähnliche Dinge in Deutschland. Er führt die Werte der Demokratie ad absurdum und schafft es sogar apolitische Bürger zu täuschen.

Kritische Journalisten halten dagegen – jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten. Obwohl ich schon längst nichts mehr sagen will, mache ich weiter, hier auf meinen Blogs und in den Kommentaren auf der Seite des ZDF und auf Facebook.

Viele Menschen flüchten in den Sarkasmus, aus Enttäuschung, aus Resignation – doch wir sind das Volk und dürfen nicht aufgeben. Das lehrt uns die Geschichte.

Unser Bundespräsident Christian Wulff lügt und lügt und lügt -
vor 11 Millionen vor den Bildschirmen der ARD und ZDF – ohne Konsequenzen?
„Lügen haben kurze Beine“, sagt man im Volksmund!
Und bereits im Kindergarten singen die Kleinen: „Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht“ –

Von “Moral” hält ein „Wolf im Schafsfell“ bekanntlich nicht viel – auch nachdem die Gesellschaft erkannt hat, dass sie den „Bock zum Gärtner“ gemacht hat.
Wenn die Politikerkaste (mit  möglicherweise ähnlichem „Dreck am Stecken“) diesen notorischen Lügner und Täuscher nicht abwählen will, dann soll es das Volk tun – in einer Volksbefragung, sonst leidet bald die gesamte Republik.
Christian Wulff repräsentiert die Bundesreplik Deutschland nich mehr mit „Anstand und Würde“. Politiker, die ihn trotzdem decken, billigen die „Lüge“ und tragen die Lügen mit. Die Verabschiedung von „Werten“, von Ethos und Moral aber führt Deutschland und Europa in den Untergang.

Soviel nur ganz kurz, nachdem Bild-Zeitung und “BW-Bank” der Darstellung des Bundespräsidenten im Fernsehinterview widersprochen haben.

Die Angelegenheit ist ernst – wann hat das Volk endlich “die Schnauze voll”?
Stehen Politiker über den Dingen – und einige “Juristen” gar über den Gesetzen? George Orwells Big Brother lässt grüßen … und die Willkürherrschaft moderner Diktaturen!
Sind wir noch das Volk? Der Souverän?

Die Kanzlerin stellte sich heute demonstrativ hinter Wulff – nach meiner Einschätzung ist das falsch.

Man soll nie in ein fallendes Messer greifen ( never touch a falling knife) und auch nie ein totes Pferd reiten sagt man in Amerika, an der Wall Street und im Indianerzelt der Sioux in den Black Hills , North Dakota.

Wulff jetzt noch zu stützen, ist m. E. ein großer Fehler der sonst so klugen und tüchtigen “Eisernen Kanzlerin” Angela Merkel – ich befürchte, sie wird mit Wulff stürzen!

Dann haben wir neben der Staatskrise auch noch eine Regierungskrise!

Ist Angela Merkel amtsmüde und will sie sich so galant verabschieden?

Weitere Kommentare bei Facebook und auf ZDF ( moderiert, sie erscheinen leider nicht zeitnah, sondern manchmal mehr als 24 Stunden verzögert)  unter:

Maulkorb für Journalisten:

http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3093468.php

Pecunia non olet:

http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3094411.php

Vox populi vox dei:

http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3093945.php

Präsident Wulffs Rücktritt ist überfällig:

http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3095312.php

Ja, es reicht:

http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3095693.php

Die Heuchelei im Schloss Bellevue geht munter weiter. Christian Wulff tut so, als sei nichts geschehen.

Der Bundespräsident will zur Tagesordnung übergehen und weitermachen, einfach so,

obwohl die Hälfte aller Deutschen – das sind mehr als 40 Millionen Bürger – ihn als Staatsoberhaupt ablehnen.

Er habe einen “schweren Fehler” eingestanden – basta!

Das ist zynisch.

Das ist gewissenlos.

So regierten Honecker und Ceausescu.

Ein Glück nur, dass die freie Meinungsäußerung in diesem Land noch funktioniert.

Hier ein weiterer Kommentar auf der Seite des Zweiten Deutschen Fernsehens ( ZDF) aus meiner Feder:

Lügen haben kurze Beine:

http://www.heute.de/ZDFforum/foren/heute/F7676/msg3096836.php

7. Januar 2012:

Die Parteispitzen von CDU, CSU und FDP, das bürgerliche Lager also, suchen angeblich bereits nach einem Nachfolger für Christian Wulff. Gut so – es geht nicht anders.

Iustitia fundamentum regnorum? Nicht nur Recht und Gesetz bilden die Grundlagen der Regentschaft im Staat, sondern Moral, Ethos und die Summe der Werte, Naturrecht, Menschenrecht und göttliches Recht, die alle der “positiven Setzung” vorausgehen. Das sollte der Jurist Wulff wissen. Kein Staat kann sich ein Staatsoberhaupt leisten, das nicht mehr glaubwürdig ist. Wenn das oberste “Vorbild” im Staat, der Präsident, gegen “traditionelle Werte” verstößt, gegen Normen, die  er selbst hochgehalten hat, dann lassen sich diese bürgerlichen Werte in der Gesellschaft nicht mehr vermitteln – das führt zu Sodom und Gomorra und zu Anarchie. 

Sigmar Gabriel von der SPD hat den Namen Joachim Gauck als Präsidentschaftskandidat und Wulff-Nachfolger wieder ins Spiel gebracht, für den Fall, dass dieser resigniert.

Eine gute Alternative!?

Joachim Gauck als Bundespräsident – das wäre ein Zeichen der inneren Versöhnung nach der krassen Zäsur, die jetzt durch das deutsche Volk geht.

Gauck würde ganz Ostdeutschland erheblich aufwerten – und die friedliche Wiedervereinigung der Deutschen. 

Gauck hat das Format einer Persönlichkeit mit „Charisma und Augenmaß“, während  ChristianWulff nur ein blasser, hochgedienter Berufspolitiker war und ist.

Die Polen setzten  auf Lech Walesa, die Tschechen auf Vaclav Havel und machten die weltweit geachteten, ehemaligen Bürgerrechtler zu ihren Präsidenten, eben um ein Zeichen zu setzen:

Prinzipien gegen Opportunismus.

Joachim Gauck stand zwar nicht an der Spitze der Bürgerrechtsbewegung in der ehemaligen DDR, aber er war immerhin eine Persönlichkeit der antikommunistischen Opposition und ein kritischer Vertreter der evangelischen Kirche.

Wulff hatte seine Chance – er hat sie elend  in einem Akt von Hybris verspielt, indem er die Meinungsfreiheit, eine heiliges Recht in der Demokratie, über Druckausübung gängeln wollte. So hat er nicht nur das Heer der Journalisten gegen sich aufgebracht, sondern fast die Hälfte des deutschen Volkes.  

Wir brauchen einen weitaus besseren Präsidenten in Deutschland als Wulff, wenn Politikverdrossenheit und Radikalisierung nicht noch weiter zunehmen sollen. Die Kommunisten riefen ihre Gegner einst selbst auf den Plan, indem sie Gesetze beugten und Werte missachteten. Die Entwicklung droht nun in Deutschland ebenso, ja in ganz Europa, wenn es so weitergeht wie im Fall Wulff.

Zum Thema Amtenthebungsverfahren ( in Amerika: Impeachment):

Impeachment? -

Vor Tagen verwies auch ich auf diese Möglichkeit.

Homo homini lupus – der Mensch ist dem Menschen ein Wulf ( nach Hobbes).

Ein Hauch von “Watergate” liegt in der Luft. Nixon, der selbstherrliche Gesetzesbrecher als US-Präsident, wollte seinerzeit auch mit Einflussnahme via Druck verhinderm, das die ganze Wahrheit ans Licht kommt. Nichts als die “volle Wahrheit” zählt. Keine Manöver, keine Täuschung, keine spitzfindige Interpretation.

Es ist gut, dass sich viel Bürger zur Wehr setzen. Demokraten müssen agieren – über die eigenen vier Wände hinaus – öffentlich und im Klartext der “offenen Gesellschaft”.

8. Januar 2012:

Wulff bleibt uneinsichtig - er will seine Vergehen aussitzen, noch mit dem Segen der Abgeordneten  des deutschen Bundestages.

Die Demonstration gestern – mit dem gezeigten Schuh – vor Schloss Bellevue hat den abgebrühten Berufspolitiker wohl nicht beeindruckt.

Ungeniert macht er weiter – schamlos! Zynisch!

Eine Schande für das Amt und für Deutschland.

Jetzt ziehen wir mit dem jemen gleich? Oder?

Wulffs Versagen imAmt  -Alles Schnee von gestern?

Ich jedenfalls werde nichts vergessen – und einige alte Schuhe habe ich auch noch. 

Wollen wir  das Erschleichen von Ämtern und Privilegien sowie die Gaunerei in der Politik hoffähig machen? Aussitzen geht nicht – das ist nicht länger akzeptel, nicht zu tolerieren.

Sonst verweigern bald alle anderen Staatsdiener auch Pflicht und Gehorsam.

Was wird dann aus diesem Land – ein Refugium für Amigos? Ein Sodom oder Babylon?

10. 12. 2012 -

Einige Reaktionen meinerseits ( auf Facebook) auf die Berichterstattung von WELT ONLINE zu neuen Entwicklungen im Fall Wulff:

Investigativer Journalismus machte „Watergate“ möglich – die gute Sonne und kritische Journalisten werden noch einige verborgene Fakten und Wahrheiten an den Tag bringen.

Buenos dias, Amigos? Beziehungen und Netzwerke zwischen Wirtschaft und Politik – very welcome?

Sag’ mir, wer dein “Freund” ist … und ich sage dir, wer du bist!

Eine alte Weisheit … Nietzsche würde sagen, zu viel “Gemeinschaft” macht irgendwann gemein … und Putins „Freund“ Schröder: Wasch mir den Pelz, doch mach mich nicht nass … wer unter Wölfe geht, muss mit ihnen heulen – honi soit qui mal y pense.

Das Problem ist: Zu viele Politiker haben “Dreck am Stecken”. Deshalb traut sich kaum einer, Wulffs Rücktritt laut zu fordern.

Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus,

besagt ein Sprichwort – und die Wölfe verstehen sich gut, solange die Hackordnung stimmt und jeder seine Vorteile hat – alles Kalkül in der Politik – es bestimmt der Wille zur Macht, nicht zur Moral!

Transparenz? Glasnost und Perestroika auch in Deutschland?

Im russischen Wort “Glas- nost” steckt das deutsche Wort „Glas“ – also Durchsichtigkeit in allen Bereichen der Gesellschaft?

Glück und Glas – wie schnell bricht das, Herr Wulff!?

  

 Der Reichstag mit der gläsernen Kuppel

Der “Reichstag” in Berlin hat eine „gläserne Kuppel“ – ein Zeichen für Transparenz und Volksnähe. Christian Wulff – was hat er zu verbergen? Und die anderen Politiker in Amt und Würden? 

Diese Affäre ist nicht auszusitzen – das hohe Amt hat bereits Schaden genommen – und mit ihm die Republik.

Tacheles reden ist angesagt, schon lange, Klartext!

Wir brauchen eine Katharsis in der Politik, eine Reinigung:

der Persilschein – das ist die “moralische Integrität”jedes Bürgers und Politikers im Amt –

Deutschland, ein Lügenmärchen?

Das brauchen wir nicht!

Die Selbstbedienungsmentalität der Politiker ist eine Sackgasse -

Selbstversorgung, Nepotismus, Klüngelei, Filz, Vitamin B, Protektion, etc.  –

das kennen wir aus dem Vatikan der Borgias, aus der FDP und aus den Bananenrepubliken der Welt. In Deutschland sollte die moralische Messlatte höher liegen als in den Bunga-Bunga- Staaten Süd-Europas. 

  Reiter-Standbild Friedrichs II.

Spießrutenlaufen in Berlin, Schloss Bellevue Anno Domi 2012 -

Friedrich der Große lässt grüßen!

Der Empfang des Diplomatischen Corps – eine peinliche Groteske.

Wulff mutet sich und uns viel zu – doch das Spiel ist aus.

Wer zockt, muss auch verlieren können und endlich abtreten.

Wulff diskreditiert die eigene Partei CDU und die Kanzlerin dahinter.

Es ist zu befürchten, dass CDU und FDP morgen wieder die legitimen Fragen der SPD blockieren werden im Versuch, alles unter den Teppich zu kehren.

Das ist ein bürgerlicher Werteverfall, der sich gewaschen hat.

Das kann nur ins Auge gehen – für das gesamte konservative Lager.

Die FDP, eine Klientelpartei” in Auflösung”, inzwischen nennt man sie auch die 2-Prozent-Partei, führt sich selbst ad absurdum.

Die 400 Antworten, die Wulff dem Volk noch nachreichen wollte, bleibt er vorerst schuldig. 

Er tut so, “als ob”! Ungeniert und schamlos!

Kritischer Bürger auf der Suche nach den “Volksvertretern” und den abhanden gekommenen Werten.

Quo vadis, Germania?

11. Januar 2012:

Ja, quo vadis, Germania? Wohin gehst Du, treibst Du, Deutschland?

Wohin lenken Dich die Walter der Gesellschaft jenseits von Glaubwürdigkeit und Vertrauen? Auf Irrwege wie einst oder in eine lichte Zukunft?

Wulff hat sein – dem deutschen Volk gegebene – Wort gebrochen - aus der in ARD und ZDF vor 11 Millionen Deutschen  zugesagten Transparenz und Offenlegung aller Details wird  wohl nichts?

Ist Wulff als Bundespräsident noch tragbar?

Eine tragische Groteske, die nur Komiker belustigt? Le Grand Macabre?

Ich werde die heikle Materie, die „grundsätzlicher Natur ist“ und an der das Schicksal Deutschlands hängt, weiter beobachten und fortschreiben – bis zur Lösung.

„Weshalb machst du das“, werden einige fragen.

Weil ich davon überzeugt bin, dass Schriftsteller und Philosophen sich einmischen sollten, wenn Unrecht geschieht, wenn Vertrauen verspielt und Werte vernichtet werden – aus reinem Machterhalt heraus.

Das Allgemeinwohl und die Geschicke der Gesellschaft dürfen nicht allein Berufspolitikeren überlassen werden – alle Bürger müssen wachsam bleiben und die Politik an den Taten müssen.

Wer wortbrüchig wird, muss gehen – sonst diskreditiert er durch sein amoralisches Verhalten  auch die Anständigen in der Politik.

Zum Thema Witze und Satire gegen Wulff, die die Spötter gar ins Gefängnis bringen können:

Das erinnert fatal an die Praktiken von Stasi, Securitate und KGB im Kommunismus -

wer verhöhnt hier wen? Wulff das Volk oder das Volk den Bundespräsidenten?

Über die Präsidenten Richard von Weizsäcker, Roman Herzog, Karl Carstens zirkulierten keine Witze – und es gab auch keine Vorwürfe.

Weshalb wohl?

Wenn Harald Schmidt in der ARD nach Gusto spotten darf, dann dürfen es auch die Bundesbürger im Netz … mit Witz und Geist, doch nicht unterhalb der Gürtellinie -

Der von Christian Wulff ausgelöste Werteverfall schadet der “Republik” mehr als beißender Spott als freie Meinungsäußerung.

Wollen wir zurück in die Gängelung durch den Staat und seine repressiven Organe?

“Hering, Hering, so fett wie der Göring” – das rief ein mutiger Fischhändler in Hamburg, bis die Gestapo anrückte.

Die Nazis vertrugen nämlich keinen Spott – und doch gab es mutige Bürger, die gegen Heuchelei und Lug in Politik und Gesellschaft ankämpften.

Viele, auch  im kommunistischen Osteuropa, bezahlten ihre aufrechte Haltung mit ihrem Leben – oder sie gingen für ihre Überzeugung ins Gefängnis und ins KZ.

12. Januar 2012:

Wulff klebt immer noch am Amtssessel, in der CDU bröckelt die Solidarität,Folgekandidaten werden genannt und man besinnt sich auf die moralischen Paradigmen Theodor Heuss sowie Richard von Weizsäcker. Es rumort im Reichstag …  in der Presse und im Volk:

Richard von Weizsäcker – die hohe Messlatte in Sachen Moral!

Wie weit ist Christian Wulff von diesem Paradigma entfernt!?

Die Welt ist zwar komplexer geworden, doch auf die Moral können wir nicht verzichten.

Wulff soll endlich die Konsequenzen aus seinem vielfach fehlerhaften Verhalten ziehen und zurücktreten.

Die Zeit ist längst reif und der Rücktritt überfällig.

Christian Wulff agiert wie Karl Theodor zu Guttenberg: Er bleibt so lange im Amt, bis man ihn hinauswirft! –

Über diese Geschichte wird nie Gras wachsen.

Vox populi vox dei?

Nur die Arroganten und Selbstherrlichen in der Politik verkennen die Stimmung im Volk, die auch von ihren Abgeordneten ausgesprochen werden muss.

Brauchen wir in Deutschland Politiker vom Typus  des Karl Theodor zu Guttenberg und Christian Wulff?

Ich nicht. Sonst müssten all diejenigen, die ihr Leben in Anstand und Würde lebten, sich selbst infrage stellen.

Den einen wirft man zur Vordertür hinaus und zur Hintertür will er bald wieder hinein – das ist die frech ungenierte Manifestation des Willens zur Macht in der Politik jenseits von Ethos und Moral.

So agierte – frei nach Machiavelli – Silvio Berlusconi zum Schaden der Republik Italien.

Demagogie vom Feinsten!

Wollen wir das Modell auch in Deutschland wiederholen?

Das Feuer lodert seit Wochen – wo bleibt die Feuerwehr?

In der Tat – einige dieser Typen und Prototypen werden sicher in die Geschichte eingehen,

Gerhard Schröder, ehemaliger Bundeskanzler,

Freund Putins und längst in russischen Diensten,

Christian Wulff …

und andere … – nur als was?

Bei soviel Eigenlob der Niedersachsen Landesvertretung in Berlin sollte man stutzig werden …

Deutsche Nationalflagge über Schloss Bellevue

Theodor Heuss – der erste deutsche Bundespräsident:

(Detail, Heuss-Denkmal in Brackenheim)

Zum Stand der Dinge am 21. Januar 2012.Immerhin fordern inzwischen die GRÜNEN aus Niedersachsen Wulffs Rücktritt,

nach neuen Enthüllungen.

Und Gregor Gysi von DIE LINKE schließt sich an.

Was für mich seit dem 17. Dezember feststeht, setzt sich langsam auch auf politischer Ebene durch. Christian Wulff sollte abtreten, er sollte von Bord gehen, auch wenn er  nie ein Lotse war.

Die Harmonisten aus der Koalition ( à la Kauder) finden wenig Anklang – nur noch ein Drittel der Bundesdeutschen steht angeblich zu Bundespräsident Wulff, während die SPD in Niedersachsen gar eine Klage gegen den noch amtierenden Präsidenten ins Auge fasst.

Typen und Prototypen? (Mein Kommentar dazu steht oben!)

Was unterscheidet einige Niedersachsen von den alleskönnenden Schwaben?

Sie sprechen hochdeutsch, sonst können sie nicht viel! 

23. Januar 2012:

Christian Wulffs seltsamer Umgang mit der Wahrheit irritiert seit Wochen weite Teile der bundesdeutschen Bevölkerung.

Und trotzdem macht der Bundespräsident auf die gleiche Art weiter – zum Schaden der politischen Kultur in Deutschland.

Mit scheinheiliger Mine beteuert Wulff, auch als Ministerpräsident immer “nach bestem Wissen und Gewissen” ausgesagt zu haben. Dies, eigentlich eine leicht durchschaubare Allzweck-Ausrede und Floskel, wird zur “salvatorischen Klausel” für alles, was vorher schon unwahr war und was jetzt als unwahr, als gelogen, feststeht.

Bundespräsident Christian Wulff klammert sich immer noch an juristische Spitzfindigkeiten plumper Art, zu einem Zeitpunkt, wo längst intellektuelle Redlichkeit  und innere Wahrhaftigkeit angesagt wären.

Das schafft noch mehr Verdruss und Überdruss an einem zähen Berufspolitiker, der trotz vielfacher Fehler nicht aus dem Amt weichen will. Moralisch betrachtet ist das ein Debakel für die gesamte Republik, die in die Radikalisierung führt.

Einige Bürgerrechtler und Dissidenten haben im Kommunismus erfahren, wie ein System sich seine Gegner heran zieht, züchtet, durch eigenes Versagen und Inkompetenz – das haben wir nun in Europa ( Griechenland, Italien) und leider auch schon in Deutschland – wollen wir die Messlatte der Moral einige Stufen absenken — bis zur Bunga Bunga -Gesellschaft?

Apropos Politiker- Kommentare zur Causa Wulff:

DIE LINKE hält sich bemerkenswert schüchtern zurück – nur Renate Künast von den GRÜNEN redete Klartext und legte gestern ( 22 Jan.) Wulff nahe, so bald wie möglich aus dem Amt zu scheiden.

Kanzlerin Angela Merkel stützt ihren Kandidaten Wulff  immer noch – aus Gründen der Staatsraison, das ist m. E. ein großer Fehler. Sie könnte mit Wulff stürzen!

Wenn ein Politiker als Verfechter von Werten und Moral bis ins höchste Amt im Staat aufsteigt, und später – aus Eigensucht und Machtgier –  die gleichen Werte desavouiert, destruiert, dann muss er abtreten.

Schon die Bereitwilligkeit, Geschenke und Privilegien aller Art annehmen zu wollen, reicht für einen Rücktritt.

Wohin Käuflichkeit, Bestechlichkeit, Korruption, Vitamin B, Filz, Klüngelei, Nepotismus etc. führen, haben uns die Kommunisten und ihre Nachfolger ausreichend bewiesen – in die Entrechtung der Opfer, die das Nachsehen haben.

Der Ehrliche ist der Dumme – und der nicht ertappte Dieb ist ein ehrlicher Mann!

Nur Wulff wurde beim Lügen mehrfach erwischt, gestellt – also weg mit ihm aus Schloss Bellevue!

“Moralische Integrität” ist ein Apriori in der Demokratie. Was Willkür bedeutet, wissen einige von uns – als wehret den Anfägen … und der Fisch stinkt vom Kopf her … nicht nur  auf dem Balkan!

 31. Januar 2012:

Neue Enthüllungen der ARD in der Causa Wulff schaden dem Amt und der Republik. Anschuldigen und Rücktrittforderungen – aus den Reihen der Grünen – werden schärfer. Es wird immer peinlicher – So steuert man kein Schiff in schwerer See!

Dieser “Kapitän” sollte endlich  “von Bord gehen” und die tragisch-komische Maskerade beenden!

Als Herta Müller als Kandidatin der Bundesrepublik Deutschland für den “Nobelpreis für Literatur” vorgeschlagen wurde, habe ich in unzähligen Beiträgen und Kommentaren nach ihrer “moralischen Integrität” gefragt, weil ich davon ausging, dass die öffentlichen Repräsentanten Deutschlands unbedingt moralisch integer sein müssen, weil sie die gesamte Nation vertreten – vor den Augen der Welt, Günter Grass ebenso wie Herta Müller.

Der gleiche Maßstab ist nach meiner Auffassung von Ethos und Moral besonders an Politiker anzulegen, da sie mit ihrer gesamten Integrität für die “Demokratie” stehen.

Werden Politikerbiografien fragwüdig – wie etwa im Fall Berlusconi – dann scheitert mit dem Werteverfall irgendwann das “demokratische System”.

Nachtrag:

Zum Thema Interessenkonflikte, Lobbyismus bzw. Verzahnung von Wirtschaft und Politik vergleiche auch meinen Beitrag:

http://carl-gibson.blogspot.com/2011/04/pecunia-non-olet-was-kostet-die.html

Erst will man den kleinen Finger und dann … die ganze Hand!

Warnendes Beispiel: Das, was Silvio Berlusconi aus der Republik Italien gemacht hat!

Zur Auflockerung …nach all der Abstraktion … hier einige weitere Bilder aus Berlin:

Geschichte – Politik – Kultur … und mehr – das bietet

BERLIN,

die Metropole der Deutschen.

Hier sind einige Gelegentheitsaufnahmen,

bestimmt für diejenigen, die nicht oder nicht allzu oft nach Berlin kommen.

Schloss Bellevue fehlt – damals machte die Residenz des Bundespräsidenten noch keine Schlagzeilen.

Gedächtniskirche am Kurfürstendamm

Wir sind das Volk – oder?

Menschheitsgenie Alexander von Humbolt – in Südmarika kennt ihn jedes Kind,

in Deutschland wird er noch weitgehend verkannt.

Der Fernsehturm am Alexanderplatz  – höher als der von RIAS im Westen:

Prestigebau der DDR.

Aus Ruinen erhoben und der Zukuft zugewandt – ein Luxushotel der Sonderklasse.

Ex nihilo nihil – aus dem Nichts entstanden? – Prachtbauten der Wirtschaft und Finanzwelt.

Das Geld regiert wieder.

An der Spree – im Hinterhof der Politik.

Ein springender Brunnen im Zentrum der Hauptsstadt

Berliner Pumpe – Wasser ist Leben, auch in Berlin.

The gate is open – am Brandenburger Tor.

Michael Gorbatschow hat es möglich gemacht.

Der Reichstag

Hier schaltet und waltet die “Eiserne Kanzlerin” Angela Merkel immer noch klug und geschickt,

bisweilen aber auch – wie gerade in der Causa Wullf – mehr schlecht als recht – über die Geschicke Deutschlands in Europa.

Vor dem Reichtagsgebäude warten die Bürger.

Der Dom an der Spree

Der Dom zu Berlin, Detail.

Den deutschen Volke – Bauwerk mit wechselvoller Geschichte – Hort der Demokratie!?

Vor der Alexander von Humboldt-Universität im ehemaligen Ost-Berlin.

Ungarn und Deutsche verbindet die gemeinsame Überwindung des Kommunismus.

Fridericus rex hoch zu Ross – König aller Preußen!

Abstraktion des Schreckens als Kunstwerk -

Gedenkstätte und Mahnmal für die Opfer der NS-Zeit.

Karl Marx und Friedrich Engels – die Ideologen des Kommunismus -

Vermächtnis der DDR-Kunst in Erz gegossen.

Futuristischer Alltag in Berlin unweit des KU-Damms.

Memento – Mahnmal für die Opfer von Krieg und Gewalt.

Sowjetisches Kriegerdenkmal

erinnert an den Sieg der Roten Armee über Hitler-Deutschland

sowie an

die angeblich 55 Millionen Opfer der Sowjetunion während des Zweiten Weltkriegs.

Ein springender Brunnen am Alexanderplatz

Bürger warten vor dem Reichstag auf Einlaß -

Die gläserne Kuppel fasziniert … und die Transparenz im Deutschen Bundestag.

Unter den Linden

Vor der Uni im ehemaligen Ostteil der Stadt.

Kunst in der U-Bahn – öffentlich, nicht im Tresor – typisch für die “offene Gesellschaft”?

Konsumtempel – KDW.

Der Rausch geht weiter – auch mit dem Euro und nach der Wiedervereinigung.

Gedächtniskirche – Detail

Traditionelle Kunst irgendwo in Berlin

Modernistisches Glashaus in Berlin 

erinnert an die Sentenz:

Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.

Am Alexanderplatz – das Ratshaus.

Mahnmal -

Stelen aus schwarzem Granit erinnern an die Schrecken der NS-Diktatur,

an die Opfer von Hass, Gewalt, Krieg und Größenwahn.

Moderner Bau in Berlin

Kirche am Alexanderplatz

Zum Ende und  Neubeginn auf Schloss Bellevue:

 

Am 17. Februar, zwei Monate nach der Eröffnung dieses Blogbeitrags mit Rücktrittsforderung, trat Christian Wulff zurück.

Zum Thema ist alles gesagt, vielfach gesagt.

Mein Kandidat war Joachim Gauck.

Auf Gaucks Facebook-Seite sprach ich mich bereits vor  Wochen für ihn aus. Nun ist er der Kandidat der Vielen aus dem Volk – als substanzielles Gegengewicht zu Wulff.

Trotzdem: Kontroversen bleiben.

Nicht immer wurden jene, die an vorderster Front gegen die Kommunisten kämpften und für ihre Überzeugungen ins Gefängnis gingen, später anerkannt und geehrt. Manchmal machten “Wendehälse” das Rennen, ohne dass ihr verlogenes Treiben durchschaut worden wäre. Gauck hat viele Feinde, vor allem in den Reihen der Stasi und der SED – ehemalige Spitzel diffamieren ihn immer noch, doch selten mit offenem Visier – Gauck steht für viele aufrichtige Bürgerrechtler  und für die Aufrechten in der ehemaligen DDR. Er wird der bessere Präsident sein – auch wenn er nicht perfekt ist.

 

6. März 2012

“Ehrensold” für Christian Wulff?

Laut einer Umfrage sagen 84 Prozent der Deutschen dazu: Nein!

Was kümmert das Wulff?

Für ihn ist die Staatskasse ein Selbsbedienungsladen!

Er will sogar nach Dienstwagen, Chauffeur und Sekretariat – also ca. 500 000 Euro jährlich bis zum Lebensende –

Und dies für eklatantes moralisches Versagen?

Auch will Wulff mit dem Großen Zapfenstreich verabschiedet werden.

Eine Frage der Ehre!

Der  Große Zapfenstreich für einen unehrenhaft aus dem Amt geschiedenen?

Wulff hat keine Scham – und wohl nur Privilegien im Sinn.

Das ist schnöder, ungenierter Egoismus, unwürdig für einen Spitzenpolitiker und für den Repräsentaten einer westlichen Demokratie.

Werte und Moral interessieren Wulff wohl überhaupt nicht mehr, noch das Los von Millionen Sozialhilfeempfängern, die unverschuldet doch aufrecht ihr Schicksal ohne Arbeit täglich ertragen müssen.

Wulff will, was ihm angeblich zusteht!

Doch was steht einem moralischen Versager überhaupt zu?

In einer luziden Stellungnahme stellt Altbundeskanzler Helmut Schmidt fest,

Christian Wulff habe dem Amt des Bundespräsidenten erheblich geschadet.

Durch sein Verhalten habe er gar die gesamte politische Klasse deklassiert.

Dafür den Großen Zapfenstreich? 

Plagiator Karl Theodor zu Guttenberg lieferte den Präzedenzfall ab – doch die Vorgänger Wullfs im Präsidialamt gehen eindeutig auf Distanz. 

Ein Zapfenstreich für den unmoralisch agierenden Wulff führt nach meiner Auffassung zu einer Pervertierung der nationalen Symbole.

 

 

 

 

 

 

 

Fotos: Monika Nickel und Carl Gibson

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Mein lieber Schwan – Fotos aus Deutschland, Frankreich und aus der Schweiz

Schwäne an Flüssen und Seen – Reisebilder vom Rhein, Main, Bodensee, aus Bayern, Basel, und Metz.

Königlich – der Schwan!

Anmut, Grazie, Schönheit!

  Foto mit Seltenheitswert

 

In memoriam König Ludwig II. -

an der Stelle bei Berg am Starnberger See, wo König Ludwig von Bayern vermutlich den Freitod wählte und ertrank, erscheint ein Schwan am sturmdurchwühlten See.

Der Königsvogel senkt melancholisch sein Haupt, so als wollte er dem Lieblingsmonarchen der Bayern eine letzte Reverenz erweisen  – Empathie mit einem Schöngeist, der sein Leben der Ästhetik widmete.

http://de.wikipedia.org/wiki/Ludwig_II._(Bayern)

Ob ein Schwanengesang erklang?

Die Schwäne stehen auch heute noch treu zum Schwanenritter.

Drei Schwäne

 im Rhein bei Breisach im Breisgau

Der Rhein bei Breisach von der französischen Seite aus betrachtet.

Schwan und Möwen.

Symbol und Faszination,

quer durch die Kulturen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Schw%C3%A4ne

Schwäne und Möwe im Flug

Pralles Leben am Oberrhein

Schwäne am Mainufer in Miltenberg – Schwäne sind treu. Sie bleiben – anders als die menschen – ein Leben lang zusammen, bis zum Schwangesang, bis in den Tod.

Unter der Mainbrücke in Miltenberg

Ferne verwandte – die nicht länger “hässlichen” Entlein am Rhein in Basel

Der Rhein und die Rheinbrücke in Basel

Schwan-Familie am Starnberger See

Am Starnberger See

Das hässliche, junge Entlein mausert sich zum majestätischen Königsvogel Schwan.

Der Bodensee – ein Garten Eden für Schwäne und andere Wasservögel.

Am Bodensee bei Langenargen – Mensch und Kreatur in gegenseitiger Betrachtung.

Schwäne in Metz

Der Dom zu Metz ( Detail), Lothringen, Frankreich

Drei Schwäne in Metz

König Ludwigs Märchenschloss Linderhof

 Schwäne im Märchenschlosshof

 Der Linderhof

Identifikation?

König Ludwig II. liebte Schwäne.

Auch die Mythologie dahinter.

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen …

Schöngeist Ludwig II. wusste, was er wollte:

unmittelbar erlebbare Schönheit in Kunst und Natur.

Kriege jedenfalls wollte der Erzromantiker keine.

Schwäne am Traunsee, Österreich

Schwan im See, in Hintergrund: der Traunstein.

Karma-Bewusstsein – Mitleid und Mitleiden mit der Mitschöpfung,

gesehen in Luzern, Schweiz.

August Graf von Platen

Tristan

Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ist dem Tode schon anheim gegeben,
Wird für keinen Dienst auf Erden taugen,
Und doch wird er vor dem Tode beben,
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen.

Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe,
Denn ein Thor nur kann auf Erden hoffen,
Zu genügen einem solchen Triebe.
Wen der Pfeil des Schönen je getroffen,
Ewig währt für ihn der Schmerz der Liebe!

Was er wünscht, das ist ihm nie geworden,
Und die Stunden, die das Leben spinnen,
Sind nur Mörder, die gemach ihn morden:
Was er will, das wird er nie gewinnen,
Was er wünscht, das ist ihm nie geworden.

Ach, er möchte wie ein Quell versiechen,
Jedem Hauch der Luft ein Gift entsaugen
Und den Tod aus jeder Blume riechen:
Wer die Schönheit angeschaut mit Augen,
Ach, er möchte wie ein Quell versiechen!

Standbild des Schöngeistes August Graf von Platen in seiner Geburtsstadt Ansbach.

http://de.wikipedia.org/wiki/August_von_Platen-Hallerm%C3%BCnde

Sublimierte Schönheit und kaschierte Homoerotik verbindet Platen mit König Ludwig II.,

auch im Schwanen-Mythos,

der bereits in Parzival Wolfram von Eschenbachs vorkommt.

Standbild des Parzival-Dichters und Minnesängers

Wolfram von Eschenbach

in dem nach ihm benannten Ort

Wolframs Eschenbach unweit von Ansbach.  

http://de.wikipedia.org/wiki/Wolfram_von_Eschenbach

Schwan bei der Reinigung

Schwan und Blässhuhn

Schwan im Breitenauer See

Schwan im seichten Gewässer

Schwan im Altmühlsee

In trauter Zweisamkeit

Martin Luther ( in Weißenburg) – der “Schwan”!

Im Protestantismus gilt Reformator Luther als Schwan – nach einem ausspruch des Jan Hus kurz vor seiner Verbrennung in Konstanz am Bodenssee.

 

Das Bild des Schwans zieht sich durch Kunst und Kultur,

als Wappentier in der Heraldik,

als Bild, als Symbol, als Metapher,  

als Motiv in Literatur, Oper und Ballett

u. a.

Lohengrin von Richard Wagner

http://de.wikipedia.org/wiki/Lohengrin

 “der sterbende Schwan” sowie als “Schwanengesang” vieler Tonsetzer in Klassik und Moderne.

Bei König Ludwig II. , der sich selbst als Schwanenritter empfand und darstellen ließ, fließen einzelne Motive zu einer Einheit von sublimierter Anmut und Schönkeit zusammen.

Fotos: Monika Nickel und Carl Gibson

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Gigaprojekt Bahnhof-Umbau “Stuttgart 21″ – “mehr Demokratie wagen” via “Volksbefragung”? Glosse oder Posse?

Mehr Demokratie wagen?

Was bin ich? – ein “Hirsch”?

Selbst der majestätische Hirsch, eines der Wappentiere Baden-Württembergs, ist “gegen” Stuttgart 21.

Motto:

“Der Schiller und der Hegel,

der Uhland und der Hauff,

 das ist bei uns die Regel,

 das fällt uns gar nicht auf!”

Ja, so kennt man sie, die Schwaben in Baden-Württemberg.

Selbstbewusst sind sie – und sie können alles, außer Hochdeutsch, sagen sie von sich selbst.

Aber stimmt das noch? Beherrschen die Schwaben auch das folgerichtige Denken, so wie es von schwäbischen Größen der Literatur – und Geistesgeschichte vorexerziert wurde?

Schiller, Hölderlin, Hegel, Schelling, Uhland, Hauff und andere “schwäbische Dichter” waren allesamt aufgeklärte Geister, die “hochdeutsch” schrieben und trotzdem nach den Gesetzen der Logik dachten, selbst in der Poesie und im Märchen.

Womit aber werden wir heute konfrontiert?

Mit einer Denkblockade der Berufspolitiker, die bald in eine babylonische Sprachverwirrung führen wird.

JA ist NEIN

und Nein ist JA?

Wem es in Schilda zulangweilig wird, der reise ins Ländle, genauer in die Landeshaupstadt Stuttgart. Dort ist immer etwas los – heiße Köpfe finden dort Abkühlung durch Wasserwerfer der Polizei, wenn es den sein muss.

 Die Volksbefragung am 27. November 2011 wird den Turmbau zu Babel in den Schatten stellen – und die Verwirrung wird groß sein im Schwabenländle, obwohl Schwaben und Alemannen sprachlich nicht zu weit auseinander liegen.

Aber was veranstalten die Politiker – einen Circus, der Schildas Ruhm verblassen lässt!?

Mache Leute verstehen nur noch: Bahnhof,

andere begreifen gar nichts mehr!

Also wollen wir nun mehr Demokratie wagen?

Schön und gut – aber wie?

 Vor wenigen Tagen fand ich sie im Briefkasten vor:

Die Einladung des Landes Baden-Württemberg über “Stuttgart 21” im Rahmen einer “Volksbefragung” abzustimmen.

Was war das? Neue Zeiten?

Urdemokratische Gepflogenheiten, wie ich sie bisher nur aus Appenzell in der Schweiz kannten, nun auch im “liberal” apostrophierten Südweststaat?

Und dies ein Beispiel, gar ein Paradigma für Gesamtdeutschland?

Ich warf einen Blick auf den Auszug aus dem Gesetzestext – und verstand in der Tat nur “Bahnhof”!

Wofür sollte ich sein – und wogegen?

der Text – ein Buch mit sieben Siegeln, gerade für Nichtjuristen,

für Baden-Württemberger, die nun über etwas abstimmen sollen,

was sie überhaupt nicht kennen

oder

was sie nur vom Hörensagen kennen.

Wer ist betroffen? Wer nicht?

Als die Deutsche Einheit vollzogen wurde,

wurde ich nicht befragt!

Als die gute alte Deutsche Mark als Preis für die Einheit zugunsten der Hasardeur-Währung “Euro” aufgegeben wurde,

fragte mich auch niemand.

Doch jetzt – soll ich über Stuttgart 21 mitbestimmen, urdemokratisch wie bei Wilhem Tell?

Quo vadis Suttgart – Hoch vom Podest herab blickt Friedrich Schiller, Schwaben-Dichter und Tell-Schöpfer, auf das Treiben der Projekt Befürworter und Gegner.

Um was geht es eigentlich?

Der Hauptbahnhof Stuttgart – ein historischer Kopfbahnhof von Weltformat.

 Bahnhof-Detail:

“Der gute Stern” über Stuttgart -

Logo eines Weltunternehmens

und die genaue Uhrzeit:

Es ist noch vor Zwölf.

 

http://de.wikipedia.org/wiki/Stuttgart_21

Der Zufall wollte es, dass ich wieder einmal im Zug saß – auf dem Weg von Bad Mergentheim in die Landeshauptstadt zur Mitgliederversammlung des Deutschen Schriftstellerverbandes (VS) im Ratskeller.

Im Zug, wo man immer wieder Leute trifft, traf ich auf einen alten Bekannten. Wir sprachen über die anstehende “Volksbefragung” bzw. “Volksabstimmung” und über das Giga-Projekt.

Fotografiere ruhig auch den Bahnhof“, meinte der Bekannte, ergänzend:

wer weiß, ob er bald noch steht …”.

Und schau dir die Zelte der Protestler an, gleich neben dem Bahnhof an …”


Das hatte ich auch so vorgehabt … und trotz Nebel die Kamera mitgenommen -

die Sonne wolltes dann,

dass einiges noch dokumentiert wurde,

dass die Wahrheit an den Tag kommt:

 Herbst im Park in Stuttgart

Mehrere Hundert Bäume sollen gefällt werden, um das Projekt Stuttgart 21 möglich zu machen.

Aus ökologischer Sicht ist das eine Katastrophe, denn der alte Baumbestannd braucht ein Jahrzehnt, um nachzuwachsen.  

Der Landtag – hier fallen die politischen End- Entscheidungen nach dem Plebiszit.

Was die Schwarzen und die Roten beschlossen hatten will

Ministerpräsident Kretschmann

mit seinen Grünen im Bund mit der SPD und dem Volk nun kippen.

Internationaler Protest formt sich – das ist kein Ferienlager der Pioniere und Pfadfinder, sondern die Heimstätte aufmüpfiger Bürger,

die gegen willkürliche Entscheidungen und vollendete Tatsachen der Politik aufstehen.

Hier sitzt die Stuttgarter Börse und hier entfaltet sich die destruktive Macht der Banken, die von Großprojekten immer profitieren.

 Das Aufklärungs-Plakat der Umbau-Befürworter

Sie wollen weiter bauen und gutes Geld, Milliarden, dem schon geflossenen hinterherwerfen.

Für die Zukunft, für den modernen Technologie-Standort Stuttgart. (Argumentation Kanzlerin Merkel)

Das Groß-Projekt polarisiert und spaltet.

Wie soll ich mich entscheiden?

Weshalb sollen alle Wahlberechtigten in Baden-Württemberg entscheiden?

Wer ist wirklich unmittelbar betroffen?

Und sollten nicht nur die Betroffenen entscheiden?


Fragen über Fragen.

Appell an Ministerpräsident Kretschmann (Die Grünen)

das Blatt doch noch zu wenden.

Kann der brav gewordene Revoluzzer aus Sigmaringen den verfahrenen Karren aus dem Dreck ziehen?

In diesen heiligen Hallen winkt vielleicht göttlicher Beistand und höherere Inspiration.

In Stuttgart war viel los am 12. November 2011.

Türken sammelten für die jüngsten Erbbebenopfer in ihrer Heimat,

Exil-Syrer demostrierten gegen das Blutbad von Diktator Assad

(siehe Blogbeitrag oben)

und Aktivisten klärten überall auf

zu : Stuttgart 21 – Pro und Contra.

Exil-Syrer demonstrieren gegen die Gewaltherrschaft des Assad-Regimes in Syrien.

Im Ratskeller in unmittelbarer Nähe tagten die Dichter – auch im Sorge um dikatorische Verhältnisse in Weißrussland und Ungarn.

Über den Bahnhof debattierte man dort nicht.

Die Lyriker jammerten … über die fehlenden Leser … und das fehlende Geld.

Die Proteste vor der Haustür, am Markt, am Königsbau, am Bahnhof

interssierten wohl kaum. Die Schnauze voll? Auch von Plebiszit und mehr Demokratie?

Zeltlager wie bei Winnetou -

die Protestbewegung ist quicklebendig und aktiv,

eine Kundegebung jagt die andere …

und die Betroffenen aus Stuttgart und der Region hören interessiert zu.

Die Entscheidung der Staatsmacht, Polizei mit Wasserwerfern gegen friedliche Bürger einzusetzen, war unklug und hat polarisiert.

Auf dem Rückweg dachte ich noch über viele Dinge nach … und ich erinnerte mich:

Waren da nicht einmal drei junge Leute, Existenzgründer,

die die Idee hatten,

die Gleise nach unten zu verlegen,

um Raum zu gewinnen für die Stadt Stuttgart?

War es nicht so, dass den drei Existenzgründern das Projekt abgeluchst wurde -

für eine Handvoll Dollar?

Zwei Jahrzehnte waren ins Land gegangen -

und nun sollte ich aus Bad Mergentheim entscheiden, was im mehr als 100 Kilometer entfernten Stuttgart getan oder gelassen werden sollte?

Fragen über Fragen!

Den Text zur Volksbefragung finde ich nicht mehr – ich wollte ihn hier eingescannt veröffentlichen.

 Die Oper in Stuttgart -

Zuletzt sah ich hier Beethovens “Fidelio”, eine Oper über  Freiheit und Widerstand. In diesem heißen Herbst steht “Don Giovanni” auf dem Spielplan – Mozart, doch die Musik spielt anderswo.

Etwas von dem großem Batzen Geld, etwas von dem öffentlichen Anteil an den 4 Milliarden Gesamtkosten, könnten Gesselschaft und Kultur, Schriftsteller, Maler und Musiker gut gebrauchen.

Blick auf den Bahnhof in Stuttgart von idyllischen Schlossgarten aus.

Während meiner Studienzeit in Freiburg und Tübingen kam ich oft hier durch.

Vieles war in der Landeshauptstadt so geblieben, wie ich es einst erlebt hatte, auch im Bahnhofsinnern.

Doch konnte ich mir wirlich ein Bild machen, um vernünftig abzustimmen?

Gute Argumente sprachen für das Ausbau-Projekt,

andere eben so berechtigte Argumente sprachen dagegen.

Und die Volksbefragung selbst war an sich auch “richtig”, 

im Prinzip,

zugleich war sie aber auch eine Posse,

eine Farce, ein Groteske der Sonderklasse á la Schilda

Theater auf der Straße,

eine Tragödie mit komischen Zügen.

Der Hauptbahnhof Stuttgart

- von den Wunden, die der Abriss-Bagger am Nordflügel bereits geschlagen hatte, sah ich nichts.

Auf dem Weg vom Ratskeller zum Bahnhof kam ich an der “Stauffenberg – Ausstellung” vorbei. Neugierig warf ich einen Blick in den Raum – er war menschenleer.

Kein Besucher interssierte sich für “Widerstand”,

weil das Recht auf Widerstand heute in Deutschland zur Selbstverständlichkeit geworden ist – ebenso wie der hohe Wert Freiheit.

Wir dürfen heute widersprechen, Widerstand leisten und frei abstimmen,

auch in Stuttgart und über die Zukunft von Stuttgart.

Post scriptum:

 Nun habe ich den verlegten Zettel zur Volksabstimmung am 27. November doch noch gefunden, im Papiermüll;

hier ist der Text, über den ich und andere bald entscheiden sollen:

Nach dem Abschluss meiner geisteswissenschaftlichen Studien im Jahr 1991 habe ich weiter studiert, VWL, Psychologie und namentlich 12 Semester Rechtswissenschaft an der Universität Würzburg, so lange, bis der Freistaat Bayern Studiengebühren einführte und ich mir das Weitermachen nicht mehr leisten konnte.

Trotzdem: Die Sache oben verstehe ich nicht -

ebenso wie Altkanzler Helmut Schmidt als Volkswirt seine Stromabrechnung nicht verstand.

Ergo entscheide über etwas, was Du nur am Rande über die Medien mitbekommen hast, ohne die Details zu kennen.

Das ist Demokratie – oder Pseudo-Entscheidungsfreiheit.

In Stuttgart habe ich mir ein “Bild gemacht”, einen Eindruck erhalten – und bin doch so klug wie zuvor.

Nachtrag vom 18. November 2011.

heute kam wieder Post von Ministerpräsident Kretschmann und seiner grün-roten Landesregierung zum Thema “babylonische Sprach- und Denkverwirrung” bzw. zum Thema Chaos im Zirkus und circulus viciosus.

Ich weiß es nicht – war der Nachtrag so vorgesehen … oder hat der Aufschrei der Bevölkerung in Baden und Württemberg die nachträgliche Auflärung provoziert, gar gefordert?

Jetzt liegt eine ganze Abhandlung vor – Plebiszitäres für Einsteiger!

Ministerpräsident Kretschmann will seinen Landsleuten mehr demokratische Kultur beibringen-

einmal Revoluzzer, immer Revoluzzer?

Hier ist das Opus – auch für die Schwaben in Augsburg und Übersee … und für alle anderen Bundesländer, die mehr Demokratie wagen wollen.

Altkanzler Willy Brandt hätte seine Freude daran … das schwarz-gelbe Ländle steht Kopf … und der Hirsch röhrt dem Löwen vor dem Schloss zu:

“Was bin ich?”

Jetzt weiß sicher jeder, wo er sein Kreuzlein zu machen hat.

Bei soviel Aufklärung und Argumentation im Pro und Contra kommt mir ein Spottgedicht von Nikolaus Lenau in den Sinn,

eines Dichters aus Östereich-Ungarn, der der “schwäbischen Dichterschule “ um Uhland, Justinus Kerner und Gustav “Schwab” ( nomen est omen) sehr nahe stand:

Auf einen Professor philosophiae

 Seht ihr den Mann mit stäubender Perücke?

Wie sprudelt ihm die hochgelahrte Kehle!

Seht, an der morschen Syllogismenkrücke

Hinkt Gott in seine Welt; die Menschenseele

Ist ewig, denn sie ist aus einem Stücke!

 

Und daß der Argumente keines fehle,

Hat er ein weises ergo noch gesprochen:

Der Mensch ist frei, die Fesseln sind gebrochen!

Lenau, der oft in Stuttgart weilte, dem “Neste”, wie er die Stadt um 1832 empfand, bezog sich auf den Typus des Schulphilosophen an der Alma Mater seiner Zeit -

wie gleichen unsere Politiker den Gauklern des deutschen Idealismus!?

Das Ergo des Herrn Kretschmann aus der Landesregierung fehlt noch -

also packen wir’s an,

so oder so!

 
 

Wieder zurück in Bad Mergentheim musste ich über einiges nachdenken:

 

ich, der unmündige Deutsche,

dem man wohl keine politische Reife zutraut ( aus historischen Gründen, das versteht sich),

hätte liebend gern über die “Deutsche Einheit” abgestimmt,

über ein “Europa der Einigung” oder der “Vaterländer”,

über die Abgabe von Souveränität an eine intransparente Monster-Kommission,

über ein “Vereintes Europa”,

über eine solide, stabile D-Mark oder ein Wackel-Euro mit Enteignugsarantie

 und kaschierter Inflation

über Globalisierung,

über die Beschränkung der Bankenmacht,

über Systemrelevanz,

über Krieg und Frieden in Namen der Völker Europas,

über kriegerische NATO-Einsätze,

über Ethik und Moral in der bundesdeutschen und europäischen Gesellschaft,

über die Unlust mit Berlusconis in einem Boot zu setzen,

über Korruption und Nepotismus,

über Monopolstrukturen und erpresserische Konzerne,

über das Vertrauen zwischen den Menschen und Staaten,

über den Verlust der Glaubwürdigkeit,

über Werte,

über Freiheit und Menschenrechte,

über die Würde.

 

Darüber befragte und belehrte mich keiner – aber die “politische Kultur” kommt ja noch,

jenseits des Filzes,

dort, wo der neue Humanismus anfängt.

 

Zurück zu Stuttgart 21:

 

Mein Respekt gilt den Aktiven des Widerstands,

die im konkreten Handeln dagegen hielten,

  Kopf und Kragen riskierten,

die im Wassertstrahl des Panzerwagens der Polizei ihr Augenlicht verloren,

die Widerstand auf der eigenen Haut erlebten.

 

Zur Aufklärung in der Provinz:

 

In Bad Mergentheim wird auf Plakaten den potenziellen Abstimmen und Wählern

klar gemacht, dass JA Nein ist.

 

Ein paar Meter weiter verweist ein Plakat auf

 

Bruno Jonas,

der am 25. November nach Bad Mergentheim kommt,

 

vielleicht um seine Sicht der Dinge darzustellen.

http://www.bruno-jonas.de/

 

Ein Bruder Barnabas weiß aus bayerischer Erfahrung heraus natürlich,

dass JA  in Wirklichkeit NEIN bedeutet

und NEIN eigentlich JA.  

 

Mögen die Politiker bald auch zur höheren Einsicht gelangen.

 
 

Kunsttempel – Galerie der Stadt Stuttgart.

Innen ist man liberal – außen eher kleinlich und spröde.

Am Sitz der Weisheit -

Die Alten Griechen befragten das Orakel von Delphi,

wenn es um wichtige, existenzielle Entscheidungen ging.

 

“Erkenne dich selbst” im Landtag von BadenWürttemberg?

Weit gefehlt!

Politiker wissen immer, was gut und recht ist für das Wohl des Kleinen Mannes.

 

Ergo kommt die Entscheidung von oben her – auch wenn sie nicht immer weise ist.

 

Der Fisch stinkt vom Kopf her … sagt man in einigen Kulturen.

Vox populi – vox dei

- hier ruft der röhrende Hirsch das Volk der Schwaben und Alemannen zur Abstimmung!

Monarchisch absolutistischer Glanz und Gloria -

in der City der Stadt Stuttgart.

Aber:

tempora mutantur …

 

Monumental:

Ein Hauptbahnhof derSonderklasse,

der zum Teil niedergerissen werden soll.

Ein zünftiger Schwabenstreich à la Schilda

oder nur bloße Unvernunft?

Deleatur - nach der Maxime und Praxis der Diktatoren auf dem Forum Romanum in Rom

und der Pharaonen im Alten Ägyten.

Bahnhof Stuttgart … esse delendam.

 

Tempus fugit – die Stunden eilen …

um 12 Uhr wird das Mittagessen serviert.

im Rathaus von Stuttgart,

im Keller, wo die Dichter hocken

und im unweiten Landtag der Politikerkaste.

Bei einem Nickerchen im Sessel kommen dann große Gedanken und Visionen

von noch größerer Zukunft und rollenden Rädern unter Sternen.

Einsame Lichtgestalt über den Dächern der Landeshauptstadt Stuttgart -

die Bahn bringt uns den Göttern näher!

Meinungs- und Religionsfreiheit in Deutschland:

In den Straßen von Stuttgart unmittelbar neben dem Rathaus der schwäbischen Metropole –

ein Missionar beim Predigen.

Wer Ohren hat,  der höre

Einsamer Rufer in der Wüste – seine Stimme verhallt wie die Stimmen der Vielen bei “Stuttgart 21″.

 

Für Freiheit und Menschenrechte in Syrien engagierte Bürger am 12. November 2011 in Stuttgart -

Was verbindet diese Menschen mit der “Occupy Wall Street”-Bewegung in New York sowie in den gesamten USA mit den Bürgern neben dem Bahnhofsgelände?

Der legitime Protest in freier Gesellschaft.

Blut floss in den USA erst gestern, noch mehr in Syrien – und leider auch im sonst so friedlichen Ländle, weil der Staat es so will und anordnet.

Detail am “Hirsch” vor dem Schloss – “Nein” zu Stuttgart 21

Er steht noch … aber wie lange?

“Fest gemauert in der Erden
Steht der Bau aus Stein gebrannt.
Balde muss was Neues werden.
Frisch Gesellen, seid zur Hand.

Von der Stirne heiß
Rinnen muß der Schweiß,
Soll das Werk den Meister loben,
Doch der Segen kommt von oben.

 

Zum Werke, daß wir ernst bereiten,
Geziemt sich wohl ein ernstes Wort;
Wenn gute Reden sie begleiten,
Dann fließt die Arbeit munter fort.

So laßt uns jetzt mit Fleiß betrachten,
Was durch die schwache Kraft entspringt,
Den schlechten Mann muß man verachten,
Der nie bedacht, was er vollbringt.

Das ist’s ja, was den Menschen zieret,
Und dazu ward ihm der Verstand,
Daß er im innern Herzen spüret,
Was er erschafft mit seiner Hand.”

(Frei nach Friedrich von Schiller, Das Lied von der Glocke.)

Mögen die Politiker im Landtag Schillers Worte nachlesen und einiges dabei bedenken bevor sie ihr Schläfchen wagen.

Nachtrag am 28. November 2011:

 

Nun haben die vielen Ja und Amen-Sager, die sonst immer zustimmen, doch “Nein” gesagt und somit den Weiterbau plebiszitär abgesegnet!

 

Was Richling dazu meint?  

Der Geiz-Appell hat gewirkt:

Wozu 1 500 Millionen einfach wegwerfen, wenn man schlechtem Geld noch gutes hinterherwerfen kann?

Weitere 4 000 – 5000 Millionen?

Unsummen!

 

Dafür bekommen die Akteure Planungs- und Aktionssicherheit  … und die Stuttgarter ein babylonisches Bauwerk mit Tiefe.

 

Die “Demokratie”, sagt man, habe durch das Plebsizit neuen Auftrieb bekommen – in der Provinz!

Und im Bund?
 

 

Alle Fotos: Carl Gibson

 

 

 
 

 
 
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Pilze im deutschen Wald suchen und erleben

Mushrooms in the German Forrest and Central Europe (especially in  the south of Germany, in the Black Forrest, Odenwald, Spessart, Schwäbischer Wald, Hohenlohe)

 

Das Jahr 2010 war ein großartiges Pilzjahr. Endlich einmal  konnte man Steinpilze finden, ausreichende Mengen, um sich satt zu essen essen und einige zu trocknen – für die Soße im Winter.

Pilze, eine eigene Gattung, sind überall anzutreffen, auf Wiesen (Feld-Egerling/ Champignon), in Parks (Tintlinge), am Wegrand beim Spaziergang, vor allem aber im Wald.

Einige Pilzsorten sind essbar und wohlschmeckend,

andere sind tödlich giftig.

Regel: Nur wer sich wirklich auskennt, sollte Pilze zum Essen sammeln.

Der Fliegenpilz.

Er ist nicht zum Verzehr geeignet.

Teuflisch schön ist er und verführerisch.

Wie sangen wir schon als Kind:

“Ein Männlein steht im Walde

ganz still und stumm

es hat vor lauter Purpur

ein Mäntlein um.”

Steinpilz im Schwarzwald

Parasolpilze – essbar, solange sie zart und frisch sind.

Pilzkolonie (Stockschwämmchen?)- eher ein Genuss für die Kamera als für den Kochtopf. 

Klebriger Hörnling – eher schön als schmackhaft.

Flaschenstäublinge – sie sind genießbar, solange sie jung,und prall sind.

Perlpilz

Wer bin ich?

Ein Pilz bahnt sich seinen Weg ans Licht.

Auch Schnecken lieben Pilze.

Nacktschnecke an der Arbeit- hier im Wald richtet sie keinen Schaden an und sollte geschont werden.

Weinberg-Schnecke auf der Suche nach einer Pilz-Mahlzeit.

Zersetzung der Zersetzer – typisch für die Nahrungskette und den Kreislauf der Natur.

Die Guten ins Körbchen – die anderen bleiben im Wald.

Vorsicht bzw. Warnung:

Edle Speisepilze können leicht mit giftigen Pilzen verwechselt werden, etwa der “Waldchampignon” mit dem “Pantherpilz”

Selbst Erfahrene und Profis können sich täuschen.

Bestimmungsbücher oder Bestimmungen in Apotheken helfen weiter.

Mein Rezept:

Ich vermeide Lamellen-Pilze.

Die giftigsten Pilze  überhaupt ( Weißer und grüner Knollenblätterpilz so wie der Pantherpilz) haben auf der Unterseite des Hutes Lamellen. 

Fortsetzung folgt weiter oben auf diesem Blog:

http://carlgibsonsnaturundleben-blog.blogspot.com/2011/08/steinpilze-im-deutschen-wald-die.html

http://carlgibsonsnaturundleben-blog.blogspot.com/2011/08/wald-pilze-vor-der-kamera-faszination.html

http://carlgibsonsnaturundleben-blog.blogspot.com/2011/08/pilze-in-deutschen-waldern.html

Aus der Dunkelheit ans Licht

Ein Pilz schlüpft aus dem Unterholz.

Es gibt Hobbys, die gefährlich sind. Sie können ins Auge gehen. Bergsteigen, Klettern, Fallschirmspringen, die Wahrheit sagen – und der Umgang mit “gefährlichen Dingen” aller Art.

Pilze gehören dazu.

Wer sich auf Pilze einlässt, muss kein Hasardeur sein; aber er sollte sich auskennen und Risiken vermeiden.

Hier sind einige nützliche Links, die den Genuss ermöglichen und vor Vergiftungen bewahren:

http://de.wikipedia.org/wiki/Speisepilz

Noch wichtiger:

http://de.wikipedia.org/wiki/Giftpilz

Erst kundig machen, dannn sammeln!

Flaschenstäublinge

Klebriger Hörnling

Zwei Nacktschnecken bei der Mahlzeit

In luftiger Höhe – ein Röhrlimg auf dem Baumstumpf.

Käfer im Wald

Schön ist er – und giftig: der Fliegenpilz.

Röhrling an der Baumwurzel.

Unter Fichten und Tannen – Röhrlinge.

Pilze (hier Hallimasch?) sprießen auch auf Lichtungen, wo vor Jahren Bäume gefällt wurden.

Perlpilz

Pilze gehören in einen luftigen Korb, nicht in die Plastik-Tüte, da sie dort schwitzen und Gifte ausbilden können.

Hexenröhrlinge

Perlpilz – wohlschmeckender Speisepilz.

Fliegenpilze – die Farben können leicht variieren.

Zerfallende Trichterlinge.

Solche Pilze sollten nicht achtlos zertreten werden.

Verantwortungsvolle Pilzdreunde tragen nur das aus dem Wald,

was sie noch am gleichen Tag verzehren.

Genau hinsehen

Im jungen Stadium kann man edele Speisepilze mit ihren ( auch giftigen) Doppelgängern verwechseln.

Ein Gallenröhrling in der Steinpilz-Pfanne macht alle Pilze bitter.

Boviste im Reisig auf der Lichtung -

Sind sie genießbar oder nicht? Da scheiden sich die Geister!

Das Schöne hat viele Erscheinungsformen – hier: Vogelbeerenstruach am Waldrand in Hohenlohe.

Den Steinpilzen widme ich einen eigen Blogbeitrag:

http://carlgibsonsnaturundleben-blog.blogspot.com/2011/08/steinpilze-im-deutschen-wald-die.html

Pilze – Bescheuniger des Zerfalls.

Pilze lieben Feuchtigkeit und Wärme – und sie sprießen nahezu überall im deutschen Wald

fast das ganze Jahr hindurch

in Laub- und Mischwäldern,

vor allem aber in jungen Nadelholzbeständen und im Hochwald.

Ein Genuss für Naturfreunde, Ästehten und Feinschmecker.

Steinpilz – die Krönung des Pilzgenusses.

Fliegenpilz

Austernartige Pilze

Waldchampignon oder Perlspilz (?)  Ähnlichkeit mit dem Panther-Pilz ( tödlich giftig)

Fliegenpilz, frühes Stadium

Lamellen-Pilz

Röhrling

Trichterling

Pilzkolonie am verrottenden Baumholz

Hypertropher Pilz ( vermutlich ungenießbar)

Pilze (Schwämme) zersetzen Baumstumpf

Baumpilz

Der Schwarzwald – ideale Pilzlandschaft.

Steinpilz-Kolonie im jungen Fichtenbestand.

Funde dieser Art lassen das Herz jedes Pilzsammlers höher schlagen.

Die auf diesem Blog veröffentlichten Pilzfotos wurden überwiegend in den Wäldern der Hohenloher Gegend aufgenommen.

Wo suchte ich bisher Pilze – und welche Pilzsorten konnte ich finden?

Im Remstal ( Nadelwald) zwischen Schorndorf und Schwäbisch-Gmünd: Steinpilze, Rörlinge,

im Gramschatzer Wald nördlich von Würzburg: Parasolpilze, Safranschirmpilz, weiße, hochgiftige Knollenblätterpilze,

im Schwarzwald zwischen Freudenstadt und Basel: Steinpilze, Röhrlinge aller Art,

im Odenwald und Spessart nördlich von Eberbach gen Hesseneck: Pfifferlinge, Maronenröhrlinge, Steinpilze,

im Montafon in den österreichischen Alpen bei Gargellen: Röhrlinge, Steinpilze,

im Thüringer Wald: Steinpilze, Röhrlinge.

Am Wegrand bei Spaziergängen im Taubergrund: Tintlinge, Flaschstäublinge, Trichterlinge,

auf Wiesen und in Parks: Egerlinge, (Feldchampignons),

in Hohenlohe:Waldchampignons, Pilze aller Art.

Steinpilze kann man trocknen.

Seit meiner Kindheit faszinieren mich Pilze. Im Banat gab es nur wenige Sorten, die ich zu Gesicht bekam. In der Regel war es der Feld-Egerling, auch Champignon genannt, der auf der Hutweide vorkam, wo die Schafe der Rumänen weideten.

Gerade gestern entdeckte ich einen dieser Wiesen-Champignons auf einem Waldweg, inmitten von kleinen Steichchen in harter Erde.

Er hatte sich diesen Un-Ort ausgesucht.

Pilze werfen viele Fragen auf – und sie faszinieren, eben weil sie auch täuschen können und weil sie den Menschen an eine Grenze führen, wo der Zufall regiert und über Leben und Sternben entscheidet.

Letzte Gewißheit gibt es nicht – ein Bitterpilz unter vielen Steinpilzen macht die gesamte Pilzpfanne bitter.

Ein Giftpilz unter anderen Mischpilzen kann unser Leben beenden.

Deshalb ist Vorsicht angesagt!

Mir begegneten oft Pilzsucher, die “nur” Steinpilze sammelten.

Sie wollten kein Risiko eingehen.

Der Steinpilz hat eine fast unverwechselbare Form – und gibt Sicherheit.

Außerdem schmeckt er hervorragend!

Steinpilze im Nadelwald

Guter Grund zum Frohlocken – wer solche Stellen findet, braucht nicht lange zu suchen:

die Abendmahlzeit ist gerettet!

Steinpilze – das Wurzelwerk (Myzel) sollte immer im Wald verbleiben,

damit Nachkommen entstehen.

Dinner für Zwei!?

Steinpilze kann man in Scheiben schneiden und “panieren”

oder klassisch in Butter mit Zweibeln anbraten und mit Sahne abrunden -

in teuren Restaurants gibt es oft nur Zwiebeln mit Petersilienlaub und einen Hauch von Steinpilzen

statt “Pilze satt”.

Edler Steinpilz -

in den Jahren nach dem Atom-Supergau in Tschernobyl 1986 war das Pilzesammeln gesundheitsgefährlich, da sehr viel radioaktives Material in Pilzen und Wild angereichert wurde.

Auch heute ist das Wild in bestimmten Regionen noch belastet,

wohl auch die Pilze.

Also: Genuß in Maßen!

wer sich nicht selbst einen Nimbus zulegen will, um zu erstrahlen wie eine Madonna,

der sollte nur das aus der Natur mittnehmen, was einer Gesundheit und seinem wohlbefinden zuträglich ist.

In bestimmten Gegenden gibt es Mengenbeschränkungen für das Sammeln von “Schwammerl”.

Welch ein Anblick – ein Glücksgefühl!

Die einen suchen mit geriger Hand nach goldnen Schätzen

und sind dann froh,

wenn sie Regenwürmer finden,

die anderen waschen Gold aus dem Fluss,

sie spielen Lotto

oder in Las Vegas,

sie suchen auf dem Meeresboden nach Münzen und Amphoren,

sie gehen an die Börse

auf der Suche nach Efüllung und Lebensglück:

Andere freuen sich, wennsie einen Steinpilz zu Gesicht bekommen in Vorfreude auf die lukullischen Genüsse danach.

So verschieden wie die Pilze sind, so unterschiedlich sind die Menschen!

Einsamer Steinpilz im Wald, der bald in Zweisamkeit leben wird.

Noch kennt er seine endgültige Bestimmung nicht:

Was hat die Vorsehung mit ihm vor?

Wird eine Schnecke nahen und ihn in seine Elemente auflösen

oder

wird er im Bauch eines Philosophen landen

und

der Menschheit so zu höherer Erkenntnis verhelfen?

Miteinander – diese Steinpilze in zivilisierter Kultur sind geselliger als manche Menschen.

Krumm oder gerade – wohlschmeckend sind sie beide!

Riesen-Pilz vor dem Zerfall:

außen hui,

innen pfui!?

Manchmal ist der Wurm drin – auch das hat die Natur so gewollt.

Pilze zerfallen schon nach tagen, auch ohne fremde Einwirkung.

Steinpilze – Bild ohne Worte.

Zwillinge?

Klein aber fein!

Steinpilze vor dem Putzen und Trocknen,

An einem luftigen Ort  im Schatten lassen sich Steinpilze gut trocknen – für die Soße im Winter.

Die Ernte aus der Überfülle der Natur.

Danke!

In den meisten Jahren meines Pilzsammlerdaseins fand ich kaum einen Steinpilz.

Die beiden letzten Jahre brachten die Wende – und die Freude ist immer wieder neu!

Nach den einmaligen Steinpilzfunden in den letzten Wochen zog es uns noch mehrfach in den Wald.

Erstaunlich:

Die Steinpilze waren auf einen Schlag wie vom Erdboden verschwunden.

Dafür sprossen die “Gallenröhrlinge” in großer Zahl.

Ein Hinweis auf die Bitterkeit des Daseins?

Da keiner die Bitterpilze mitnimmt, bekommt man viele davon zu Gesicht, in klassischer Ausprägung und in skurrilen Erscheinungsformen.

Alles hat seine Zeit, auch in der Natur.

Eine kleine Nacktschnecke frisst sich durch den zarten Perlpilz.

Der Pilz-Wald:

ein Schlaraffenland aus der Sicht der Schnecken und Käfer.

Ihnen ist sogar manches “Gift” egal.

Ist das nun der tödliche “Kollenblätterpilz” oder nicht?

Letzte Gewissheit ist beim Hobby-Sammlen kaum zu erzielen.

Im Zweifel: den Pilz ignorieren, stehen lassen, aber nicht unbedingt zertreten oder zerstören, da sonst die Waldflora leidet.

Was ist das – ein Scheidenstreifling?

Verwechslungen essbarer Pilze mit hochgiftigen Artgensossen, hier etwa mit dem Pantherpilz, sind vor allem dann möglich, wenn man die Giftigen noch nie zu Gesicht bekommen hat. Oft fehlen sie auch in Bestimmungsbüchern.

Nützliche Links:

http://de.wikipedia.org/wiki/Pantherpilz

http://de.wikipedia.org/wiki/Wulstlinge

Gallenröhrling, auch “Bitterpilz” genannt,

der Doppelgänger der edlen Steinpilze.

Auf den ersten Blick erscheint er wie ein Steinpilz, er schmeckt aber bitter und ist ungenießbar.

Erst sammeln und danach daheim bestimmen und putzen?

Bestimmt nicht!

Wenn unterschiedlich erfahrene Pilz-Freunde ihre Funde in einen Korb werfen, dann kann es sein, dass Pilze zerbrechen und Stiel oder Hut des Gallenröhrlings unter die Steinpilze geraten.

Das verdirbt den Schmaus

und alle Arbeit war umsonst!

Riesiger Lamellen-Pilz am Waldrand.

Samtfuß-Krempling – Schönheit in Brauntönen.

i

Schmetterlingsporling -

im Reisig, dort wo Baumstämme über Jahre vor sich hinfaulen,

ist er anzutreffen,

bunt und ungenießbar.

Baumpilz am morschen Stamm

Käfer in seinem Element.

Was treibt, was lockt uns hinaus in den Wald zum Pilzesammlen?

Allein die Lust, einen selbstgefundenen Steinpilz zur Mahlzeit zu verarbeiten,

die Delikatesse zu genießen?

Es ist mehr!

Es ist das Erkenntnisinteresse,

die Lust zu erfahren,

was die Natur an Vielfalt hervorbirngt,

das Beobachten des Werdens und Vergehens,

das Nachdenken über Sein und Zeit,

über den Kreislauf der Atome und Elemente in der Natur.

Sein oder Nicht-Sein: darüber kann ein Pilz entscheiden.

Hexenröhrling -

der rot-bunte Stiel scheint eine Warnung der Natur.

Das gelbe Fleisch verfärbt sich an der Schnittstelle sofort dunkelblau.

Es fällt schwer, diesen Pilz als genießbar anzusehen. 

Bitterpilz

Das wussten schon die Römer – dem Limes entlang kann man sie finden,

im Schwäbisch-Fränkischen Wald ebenso wie im Odenwald

oder in den Alpen.

Nadelwald im süddeutschen Raum – hier pulsiert das Leben in vielen Formen.

Brombeerstrauch mit reifen Früchten – sie hängen nicht zu hoch.

Trotzdem:

Spitze Dornen sowie die Angst vor Zecken und dem Fuchsbandwurm halten manche Wanderer davon ab, nach den Leckerbissen zu greifen.

Die Vögel des Waldes danken dafür.

Im Dunkel des Waldes sprießen Pilze heran – verwachsen im Miteinander.

Pilze – sie sind alt wie die Welt und erscheinen in großer Vielfalt.

Jungwald

Die Feuchtigkeit des See-Ufers (hier: der Ebni See) begünstigt das Pilz-Wachstum.

Die süßen Früchte – hoch oben im Sonnenlicht!

Ein gelegentlicher Blick nach oben enstpannt die Nackenmuskulatur und vermittelt neue Perspektiven.

Der Wald:

Ort der Einkehr und der peripathetischen Medidation,

ein Gegenpol der Ruhe zur stresserzeugenden Gesellschaft.

Professionelle Pilzsucher haben ihre Stellen – geheime Plätze, wo sie das finden, wonach die Laien suchen.

Kaum einer wird seine Fundstellen verraten!

Und doch – es gibt keine Gewähr dafür, dass einer in den Wald geht und tatsächlich mit “reicher Beute” zurückkehrt.

Pilze suchen hat viel mit Glück zu tun – und mit zahlreichen Zufällen;

denn  dort, wo gestern noch Pilze sprossen, kann heute gähnende Leere sein.

Kenner wissen, wo sie suchen sollen

bzw.

wo nach den Gesetzen der Wahrscheinlichkeit Pilze wachsen könnten.

Dieser “Perl-Pilz” macht seinem Namen viel Ehre!

Die Natur bringt individuelle Strukturen hervor – faszinierende Schönheit,

ein ästhetisches Erlebnis.

Reisig-Schneise im Nadelwald.

Auf beiden Seiten fiindet man in der Regel Pilze,

wenn es längere Zeit warm und feucht ist.

Steinpilze – eine Pracht.

Welch ein Steinpilz!

Solch ein Treffer – und die Abendmahlzeit ist gerettet,

wen er denn nicht “verwumt” ist.

In der Regel ist in großen Steinpilzen bereits der “Wurm drin”.

Die feinen Maden kann man sehen, wenn der Stiel durchschnitten und gegen das Licht gehalten wird.

Das dämpft die Freude.

Mahlzeit! – Die Schnecke ist fündig geworden.

Bitterer, ungenießbarer Gallenröhrling am idyllischen Ort – fast könnte er als Steinpilz durchgehen.

Weiter unten zum Vergleich : die edlen Verwandten:

Steinpilze besonderer Güte

Jüngere und reifere Perlpilze.

Sie sind schmackhaft aber zum Trocknen kaum geeignet.

Hallimasch in der Gruppe

Fliegenpilze – jung und schon giftig.

Im Augenblick haben die Gallenröhrlinge die edlen Steinpilze abgelöst.

Es scheint, als wolle die Natur Unerfahrene vor Verwechslungen bewahren.

Die Welt der Pilze – ein Universum für sich. 

Pilzkultur

Hüle bzw. Feuchbiotop im Wald

Großer Korallenpilz

Gallenröhrling

Auch das ist kein Steinpilz, sondern ein Doppelgänger (Bitterpilz)

Der Gallenröhrling sprießt dort empor, wo es ihm gefällt.

Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht!

Eine Lebensweisheit, die auch der angehende Pilzsammler beherzigen sollte.

Die einen sammeln nur Steinpilze,

die anderen Maronenröhrlinge,

Flaschenstäublinge,

Parasolpilze,

Pfifferlinge,

Ritterlinge,

Champignons,

Stockschwämmchen,

Perlpilze und vieles mehr.

Pilze zubereiten – ein Experiment?

Flaschenstäubling

Flaschenstäublinge – (jung essbar)

Überreifer Flaschenstäubling kurz vor dem Sporenaustritt

(giftig)

Sporen-Austritt bei Berührung

Feuchte Waldlandschaft – ideal für Pilze

Laubfrosch (in der Bild-Mitte) – gut getarnt.

Auch er liebt die Feuchtigkeit. 

Nackter Ritterling

Pilzkultur

Schlanke Gallenröhrlinge

Fast ein Steinpilz – der Gallenröhrling

Hexenröhrling

Mooshügel

Licht ist Leben

Alle Fotos: Monika Nickel

Das ist die Fortsetzung von: http://carlgibsonsnaturundleben-blog.blogspot.com/2011/08/pilzzeit-pilze-in-heimischen-waldern.html

Dort weitere Details und Warnhinweise.

Alle Fotos: Monika Nickel

©Carl Gibson. Alle Rechte vorbehalten.

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Baptist Nicolae Radoi im antikommunistischen Widerstand – Mythos ALRC

Irgendwo in der Bibel kann man sie nachlesen – die Geschichte vom “verlorenen Schaf”, das glücklich zurück zur Herde findet.Ein Gleichnis!?

Ja, wenn man längst Verlorenes wieder findet, ist die Freude groß.

Die Kirche freut sich, wenn ein reuiger Sünder zurück findet in den Schoß der Mutter.

Die Gesellschaft freut sich, wenn alte Kommunisten zu Wertkonservativen mutieren, wenn opporunistische Wendehälse ihre geistigen Schandtaten von gestern vergessen wollen.

Ich freue mich, einen “alten Freund” aus der Gefängniszelle wieder zu finden,

den ich mehr als 30 Jahre vermisst hatte:

Nicolae Radoi,

im Gefängnis Popa Sapca von Temeschburg (Timisoara) war dieser Baptist und Widerstandskämpfer gegen die Kommunisten Ceausescus mein “Paketgenosse”.

Gestern rief er mich an, aus San Antonio in Texas, USA,  wo er – zu Glück und Wohlstand gelangt – seit 1981 lebt.

Wir redeten eine gute Stunde miteinander und tauschten Erinnerungen aus.

Auf seinem Blog hat er jüngst eine Geschichte veröffentlicht, wie er mich vor dem Gummiknüppel eines sadistischen Wächters bewahrte, der mich verprügeln wollte, nachdem ich während des Wachdienstes in der Nacht in der 13-Mann Zelle eingeschalfen war.

Das war 1979. Das alles hatte ich längst vergessen.

Er nicht.

Nicolae Radoi klärt weiter auf und berichtet heute auf seinem Blog über die Unterwanderung des ALRC ( des Komitees zur Verteiding des Christentums in Rumänien, das er mitgeründet hatte) und über die weiteren Machenschaften der Securitate bis zum heutigen Tag.

Er musste seinerzeit ausreisen.

Nach dem Fall des Kommunis mus in Osteuropa kehrte Radoi 1990 nach Temeschburg zurück,

wo die “Antikommunistische Proklamation” auf den Weg gebracht wurde, sieben Jahre vor dem tatsächlichen Struz der Kommunisten im Land.

Nicolae Radoi hielt damals eine feurige Rede:

“Jos comunismul” -

“Nieder mit dem Kommunismus”:

http://www.youtube.com/watch?v=6vI-6kbE_xY&feature=related

Radoi erwähnt seineLeiden in der stalinistischen Gefängniszelle in Temeschburg, wo er mit den “Jungs von der SLOMR” einsaß – “baietii de la SLMR” ( gemeint sind die SLOMR-Gründer in Temeschburg Erwin Ludwig und Carl Gibson).

Foto: Carl Gibson

Litfaßsäule mit der antikommunistischen “Proklamation von Temeschburg”.

Temeschburg, die Großstadt im Westen Rumäniens, wo im Herbst 1989 die “blutige Revolution” gegen die kommunistische Diktatur von Nicolae Ceausescu einsetzte, war die erste Stadt im Land, die sich vom “Kommunismus” als Ideologie der Welterlösung für alle Zeiten distanzierte.

In meinem Buch “Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur” widmete ich dem alten Freund und Leidensgenossen aus der Zelle, dem Schäfer Nicolae Radoi, gleich zwei Kapitel.

Wir werden uns treffen, Erinnerungen und Fakten austauschen sowei Versäumtes nachholen.

“wenn Gott will” … so redete “Lae

Wohlan! – “Gott hat es gwollt” – deus vult” ( Schlachtruf der Kreuzfahrer im Heiligen Land!),

dass wir uns wiederfanden.

Das Schaf fand zur Herde. Eine schöne Allegorie.

Nicolae Radoi war ein sehr erfolgreicher Schäfer im Banater Bergland.

Wie kam der Kontakt zustande?

Über den Banatblog unter:

http://www.banatblog.eu/banater-autoren-carl-gibson-symphonie-der-freiheit/comment-page-3#comment-16601

Radoi schrieb dort folgendes:

“Draga Carl Gibson,

Am gasit comentariul d-voastra la addressa :

http://istoriabanatului.wordpress.com/2010/04/01/mircea-rusnac-contributii-banatene-la-miscarea-de-opozitie-religioasa-anticomunista-a-l-r-c-1978/

am ramas impresionat de ce a-ti scris si vreau sa ne intilnim.

telefon meu este : 1(830) 688 – 0050

scriemi pe blogul meu: http://www.radoinicolae.blogspot.com/

felictari pentru carte:

Radoi Nicolae, eu locuiesc acum in san antonio, Texas.

aceste rinduri au fost scrise de un prieten de al meu Tarziu Ioan, din NEW YORK”

Bereits vor Jahren hatte ich angeregt, die Materie ALRC ausgiebiger zu erforschen, nachdem im

“Report zur Analyse der kommunistischen Dikatur in Rumänien”

des Historikers und Präsidenten-Reportkoordinators Vladimir Tismaneanu, Professor an der Universität Maryland, USA, und seiner 50 Autoren einiges über ALRC und SLOMR geschrieben worden war.

http://tismaneanu.wordpress.com/

Der Historiker Mircea Rusnac nahm die Arbeit auf und publizierte zwei Arbeiten,

eine über ALRC:

http://istoriabanatului.wordpress.com/2010/04/01/mircea-rusnac-contributii-banatene-la-miscarea-de-opozitie-religioasa-anticomunista-a-l-r-c-1978/

und eine über SLOMR in Temeschburg (Timisoara) Banat, Rumänien:

http://istoriabanatului.wordpress.com/2010/02/21/mircea-rusnac-s-l-o-m-r-sindicatul-liber-al-oamenilor-muncii-din-romania-1979-aspecte-banatene/

.

Foto: Carl Gibson

Denkmal für die Opfer der antikommunistischen Revolution von 1989,

die in Temeschburg ihren Anfang nahm.

Im Hintergrund die Oper. 

Auszug aus meinem Buch “Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur“:

Ein Hirte aus dem Bergland – oder: Von der Freiheit, für seinen Glauben einzustehen

Deus  vult!

Schlachtruf der Kreuzfahrer

In der Zelle herrschte eine natürliche Fluktuation. Von Zeit zu Zeit wurde ein Häftling ent-lassen oder nach schwer zu erratenden Kriterien verlegt. Andere kamen hinzu, unter ihnen auch so genannte Zuträger und Petzer, die gezielt eingeschleust wurden, um den wach-habenden Offizieren zu berichten, was in der Zelle ablief und was diskutiert wurde. Die In-formationen der Erpressten konnten dann für weitere Erpressungen eingesetzt werden. Im Rahmen eines solchen Austausches wurde eines Tages ein Häftling in meine Zelle verlegt, dessen Nähe ich bald suchen und mit dem ich mich auch rasch anfreunden sollte.

Er war ein Mann wie ein Bär; groß, etwas korpulent, gutmütig und unscheinbar, ein Rund-kopf mit Mondgesicht und blonden Haaren. Das Haupt einer Großfamilie mit vier, fünf Kindern hatte eine einjährige Gefängnishaft abzusitzen, obwohl ihm keine eigentliche Straf-tat vorzuwerfen war. Dieser Hüne hieß Nicolae mit Vornamen wie der geliebteste Sohn des Vaterlandes, Staatschef Ceausescu, wie Nick aus Bukarest und wie jener Clown aus dem Gerichtssaal, dessen Verdikt unser Hiersein zur Folge hatte. Er war ein fromm gewordener Christ, ein Neoprotestant und als Baptist ein Glaubensbruder des amtierenden amerikani-schen Präsidenten Carter – für uns war er nur Lae.

Nach einem Saulus-Paulus Erlebnis hatte Lae sein sinnlich sündhaftes Leben aufgeben und war, erleuchtet durch die feurigen Zungen zu Pfingsten, auf den Pfad der Tugend zurück-gekehrt. Wie einst ein späterer amerikanischer Präsident hatte er einen neuen Pfad beschritten und sein Seelenheil bei einem Gott hinter den Sternen gefunden. Der Alkohol, dem er zeitweise verfallen war, hieß nunmehr Satan. Inzwischen war aus ihm ein wahrer Christ geworden, ein pietätvoller Christ, ein geläuterter Phönix, wahrhaftig verändert der Asche entstiegen. Das Christentum im Verständnis der Baptisten war nunmehr seine einzige geistige wie religiöse Heimat; und Christus war für ihn der persönliche Gott überhaupt, während der Teufel, den er früher konkret in Rausch und Zorn erfahren hatte, ihm hier noch genauso präsent war als die leibhaftige Verkörperung des Bösen im Gefängnisumfeld. Sein Gottesbegriff und seine naive Religiosität erinnerten mich an mein frühes Suchen als Kind, als ich mir in der Auseinandersetzung mit dem katholischen Religionsunterricht mein Gottesbild zurechtzulegen versuchte und mich fragte, wie die Schlange ins Paradies kam.

Was hatte Lae eigentlich verbrochen? Gegen welche Gesetze hatte er verstoßen? Er war, wie ich es aus seinen mehrfachen Schilderungen erfahren hatte, während eines Gottes-dienstes zusammen mit anderen Glaubensbrüdern recht heftig an die Securitate geraten, die herbei geeilt war, um eine nicht genehmigte religiöse Feier zu unterbinden. Mutig und ent-schlossen hatte er – nach dem Vorbild Christi im Tempel – die rüden Staatsdiener einfach aus dem selbst errichteten Gotteshaus hinaus geworfen. Einfach so, aus dem unmittelbaren Gefühl heraus. Selbst die Frauen der Gemeinschaft hatten sich auf die Atheisten gestürzt und entschlossen die Kultstätte verteidigt. Für diesen Widerstand gegen die Staatgewalt war er dann zusammen mit zwei weiteren Baptistenführern verurteilt und mit Haft bestraft wor-den. Das war seine Geschichte, zumindest die Version, die er im Gespräch mit mir zum Bes-ten gab. Denn noch vertraute er mir nicht ganz. Vielleicht wollte ich ihn ja nur aushören? In Wirklichkeit hatte er viel mehr auf dem Kerbholz.

Nicolae Radoi war einer der neun Gründungsmitglieder des Christlichen Komitees zur Ver-teidigung der Glaubens- und Gewissensfreiheit in Rumänien, einer kaum erst ins Leben ge-rufenen oppositionellen Organisation, die sich der schweizerischen Christian Solidarity In-ternational angeschlossen hatte. Zwei weitere Mitglieder, die Baptistenprediger Petre Co-carteu und Dimitrie Ianculovici, waren ebenfalls hier, nur in anderen Zellen. Ihre Grün-dungsaktion war als ein politischer Akt interpretiert worden, der sich gegen das kommunis-tische Regime richtete. Darüber schwieg Lae zunächst, obwohl er wusste, dass wir beide ei-gentlich politische Häftlinge waren, eine Spezies, die es offiziell gar nicht geben durfte.

„Gibt es ein Recht auf Widerstand, ein natürliches Widerstandrecht, Lae?“ fragte ich ihn, nachdem er mir die Rauswurfaktion lebhaft ausgemalt hatte.

„Es gibt sogar eine Pflicht zum Widerstand!“ brach es aus ihm hervor. Seine Augen leuchte-ten vor Begeisterung. Die feurigen Zungen von Pfingsten, ein Fest das wie alle anderen oh-ne Spur an uns Häftlingen vorüber zog, nährten ihn scheinbar immer noch.

„Immer, wenn die Staatsmacht die Menschenrechte mit Füßen tritt, müssen wir Bürger ein-schreiten und unsere biblisch angestammten Rechte verteidigen. Christus, der Herr, hat es uns vorgemacht und uns gezeigt, wie wir handeln müssen! Schau in die Bibel – die Heilige Schrift hat auf alle Fragen eine Antwort! Sie ist das Gesetz. Nach ihren Vorgaben müssen wir handeln. Lese darin, und du wirst meine Worte verstehen.“

Foto: Carl Gibson

Die alte Bastei aus der k. u. k. -Zeit – Treffpunkt Andersdenkender, Ort der “Konspiration” und der Aushorchung durch Spitzel der Securitate.

Religiöse Dissidenz – oder: Von der Vision einer freien Kirche in einem freien Land

Da Lae bereits einige Zeit in Erwins Zelle verbracht und sich dort mit ihm angefreundet hat-te, kannte er unseren nonkonformistischen Werdegang bereits. Und er wusste genau, wes-halb wir saßen. Nur er redete nicht gern darüber, weil ihm das Politisieren nicht lag. Wir verstanden uns auf Anhieb, ohne dass es bedurfte eines tieferen Kennenlernens bedurft hätte – denn wir waren nicht nur gemeinsame Passionsgefährten; sondern wir waren auch, obwohl die Bezeichnung offiziell peinlichst vermieden wurde, faktisch allesamt politisch Verurteilte und als solche miteinander solidarisch.

Trotzdem witterte Lae, der eher von religiösen Impulsen bestimmt wurde als von ideo-logischen, in mir den Ungläubigen, den frivolen Ketzer, der gern auch Mal einzelne Bibel-geschichten verhöhnte, während er in meinem Gefährten den Bruder sah. Intellektuelle Aus-einandersetzungen waren ihm fremd. Vor allem das Gefasel von monotheistischen und dualistischen Weltinterpretationen, von zoroastrischen, manichäischen oder anthropo-sophischen Deutungen wollte er nicht hören. Er hatte seine Linie – und das genügte.

„Lae“, sprach ich ihn während eines ruhigen Moments an, „mir ist beim Duschen einer dei-ner Glaubensbrüder begegnet; ein kleines drahtiges Männlein, mit langem Kopf und starkem Bartwuchs. Er berichtete mir von den oppositionellen Abläufen draußen…und hatte Nach-richten aus Bukarest und aus Paris? Wer war diese fragile Gestalt?“

„Das kann nur Dimitrie Ianculovici gewesen sein! Einer unserer besten Prediger in Karan-sebesch. Wir kennen uns seit Jahren. Treu ist er und absolut zuverlässig! Du kannst ihm blind vertrauen.“

„Weshalb hat man ihn eingesperrt?“, bohrte ich weiter.

„Es hat mit unserer Vereinigung zu tun, mit dem Komitee zur Selbstverteidigung der Chris-ten. Wir haben es zusammen mit unserem Freund Pavel Nicolescu, den sie schon nach New York abgeschoben haben, und einigen anderen Baptisten aus der Region gegründet. Petre Cocarteu, unser anderer Prediger, ist auch hier. Er wird bald entlassen werden – und dann bin hoffentlich auch ich dran. Die Securitate hat unseren Zusammenschluss längst aufgelöst. Sie dulden keine Form der Opposition, auch keine religiöse. Jetzt wollen sie uns in alle Winde zerstreuen…unsere Vereinigungen unterbinden, die Gemeinschaft der Gläubigen zerschlagen… aber wir werden uns wieder treffen, feiern, singen…und neue Zentren grün-den, auch ohne ihre Zustimmung, wenn der Herr es so will! Du weißt, ich bin Hirte und weiß, wie man eine Herde zusammen hält…manchmal braucht man auch ein paar Hunde dazu. Gott hat uns den Weg gezeigt. Wir werden nicht wanken, sondern weitermachen, so wie die ersten Christen in den Löwenkäfigen der Römer! Damals wurden die Urchristen von Diktatoren verfolgt. Von Nero, Caligula, selbst von Mark Aurel, dem Philosophen im Kai-sergewand. Heute ist es nicht viel anders, heut sind wir Baptisten dran, nachdem man die griechisch-katholischen Christen schon ausgerottet hat. Stalin, dieser Teufel, hat den Hass gesät! Und unsere Kommunisten hier, seine Helfershelfer von Anfang an, machen in seinem Sinne weiter mit ihren Verfolgungen. Sie wollen eine reine atheistische Gesellschaft auf-bauen, eine Welt, die ohne Gott auskommt, ohne göttliches Recht und ohne Menschenrechte für alle! Sie hetzen nun wieder gegen uns in der Presse, verunglimpfen und verspotten uns als einfältige und rückständige Menschen! Doch wir vertrauen auf das Gute…und wir hof-fen auf Amerika! Präsident Carter, der, wie du vielleicht schon erfahren hast, ein be-kennender Baptist ist und ein exzellenter Prediger noch dazu, wird uns nicht verlassen – wie auch Gott uns nicht im Stich lassen wird!“

Aus Laes Ausführungen war deutlich herauszuhören, dass er sich als Teil einer religiösen Bewegung verstand, die sich dem atheistischen System widersetzte. Doch Lae war nicht der Theoretiker der Bewegung, die auch orthodoxe Christen und vermutlich auch ungarische Katholiken mit einbezog, sondern nur ein wuchtiges Mitglied des Ganzen, ein Fels in der Brandung, der ihrer Dissidentengruppe noch mehr Gleichgewicht und Stabilität gab. Die denkerische Vorarbeit war schon früher von Iosif Ton geleistet worden, einem freisinnigen Baptisten, der in England studiert hatte und danach heimgekehrt war, ferner von Nicolescu und Cocarteu, den beiden Predigern des Kreises. Ohne die denkerische Vorarbeit, die in un-serem Fall im OTB-Kreis von dem Alten und dem Musiker geleistet wurde, wäre eine dau-erhafte oppositionelle Struktur nicht möglich gewesen. Es bedurfte dieser mehrjährigen Vorarbeit, um das entsprechende Bewusstsein des Ankämpfenden zu formen. Doch Lae ging der politischen Diskussion aus dem Weg, wohl aus Furcht, Cocarteu und Ianculovici irgendwie belasten zu können. Wir waren nach wie vor belauscht mit Ohr und Blick – und im Grunde konnte keiner dem anderen Vertrauen.

Lae selbst war angewiesen worden, über die vertraulichen Gespräche mit mir zu berichten. Davon erfuhr ich erst unmittelbar vor seiner Entlassung. Unsere theologischen Debatten hingegen waren weitaus unverfänglicher, nicht zu letzt deshalb, weil sie von lauschenden Ohren weder richtig verstanden, noch umfassend wiedergegeben werden konnten.

„Meinst du, Lae, es ist göttlicher Wille, dass wir hier im Kerker sitzen? Dass man uns der Freiheit beraubt und uns der Angst und dem Schrecken preisgibt? Kann Gott das wollen?“ provozierte ich weiter, um auszutesten, wo Laes Toleranz endete. Lae hatte weder etwas von Epikur gelesen, noch von Dostojewski oder Nietzsche. Was kümmerte ihn die Theodizee?

„Quäle mich nicht mit solchen Sachen!“, gab er ungehalten zurück. „Was Gott tut, ist gut getan. Wir müssen daran glauben. Und nicht immer unsinnige Fragen stellen wie kleine Kinder, die noch nichts von der Welt verstehen. Zweifle nicht an Gott, glaube an ihn. Gott ist unsere Stütze, auch hier in der Zelle. Nur durch ihn werden wir Erlösung finden. Und wenn er will, dass wir hier eine Weile leiden, dann wird das richtig sein. Wir können den letzten Sinn der Dinge nicht durchschauen. Wir können auch nicht in Gottes Plan eingreifen. Die Allmacht brauchen wir nicht zu erkennen; wir können sie fühlen.“

Laes Argumente überzeugtem mich zwar nicht ganz – doch ich wollte nicht weiter den Ad-vocatus diaboli spielen und, wie ein Naphta auf dem magischen Berg, in ihn dringen, um ei-ne Rechtfertigung Gottes, einen Gottesbeweis oder eine Begründung des Bösen in der Welt zu hören. Hinweise, die gegen eine prästabilierte Harmonie und gegen eine höheren Sinn der Schöpfung sprachen, gab es viele vor unseren Augen als Unrecht und Leiden. Nicht zuletzt waren unsere Biographien ein Teil davon.

Lae war überzeugt, die unselige Zeit des Kommunismus würde irgendwann zu Ende sein, wenn Gott in seiner Weisheit und Güte dies so beschlossen hatte. Vielleicht führte er, dass ein anderer Erzengel nahen würde, ein andere Michael, der den Weg dazu bereiten würde. Wenn alles vorherbestimmt war, dann war jener Michael schon unterwegs – aus der Wüste nach Moskau und von dort in die Welt.

Während ich ein weltanschaulicher Skeptiker blieb, bereit, an allem zu zweifeln, nur nicht an der eigenen Individualität, und damals dem Pantheismus näher stand als mono-theistischen und dualistischen Weltanschauungen, hielt Lae unerschütterlich an einer persönlichen Gottesvorstellung fest, an seinem Christus, der Gewissheit geworden war. Mit etwas Neid bewunderte ich Laes Naivität, hinter der sich ein fester Glaube verbarg und ein hohes Maß an kosmischer Geborgenheit, konnte sie aber nicht übernehmen, da mir die religiöse Innerlichkeit fehlte. Man ist entweder zum Homo religiosus geboren oder zum aufgeklärten Freidenker bestimmt. Trotz der Einsicht in die tiefere Notwendigkeit eines festen Glaubens gerade hier in der Enge der Zelle konnte ich nicht aus meiner Haut heraus. Das war immer schon so. Rationalität und Einsicht konnten keinen Glauben hervorbringen. Ich war eben kein Augustinus, kein asketischer Anachoret, auch kein Mystiker, der Jesus als das Prinzip der universellen Liebe verinnerlicht hat, sondern ein aufgeklärter Mensch der Jetztzeit, der die Gottferne auf seine Art zu bewältigen hatte; über die bloße Vernunft und über das folgerichtige Denken. Religiöser Fanatismus und Fundamentalismus empfand ich als Sackgasse, als der Freiheit entgegengesetzte Prinzipien, die die Welt unsicherer machten. Einige weltpolitische Ereignisse, die mich noch vor der Verhaftung betroffen gemacht, ja geschockt hatten, verwiesen darauf. In Pakistan wurde der reformerisch orientierte Zulfilkar Ali Bhutto von rechtskonservativen Putschisten unter General Zia ul-Haq gestürzt und am Tag unserer Verhaftung am Strang hingerichtet – eine Diktatur mehr auf der Welt. Und in den instabilen Iran, der den Schah verjagt hatte, kehrte ein anderer finsterer Retter zurück: Ayatollah Chomeini. Doch von den kommenden Entwicklungen, die das Ende des Baptistenidols und Menschenrechtlers Jimmy Carter einleiten sollte, ahnten wir beide in der tiefsten Abgeschiedenheit einer rumänischen Gefängniszelle noch nichts.

Im Gegensatz zu mir hatte Lae hatte sogar zwei Seelen in seiner Brust, Wesenheiten, die grundverschieden waren und doch nicht auseinanderstrebten und ihn zerrissen, sondern in eigener Eintracht im Ausgleich bestehen konnten. Die eine Seele führte ihn hinauf, mehr im Glauben als im Erkenntnisstreben, hin in höhere Sphären des Metaphysischen, die Andere aber band ihn an die Scholle, von der er seit Generationen lebte. Einerseits war er der bibel-feste Hirte, der seine Lämmer weidete, der konservativ fühlte und ein familien- und gemein-schaftsbezogenes, gottgefälliges Leben führte, zu dem er nicht viel mehr brauchte als ein paar Freunde, seine Glaubensbrüder und die intakte Natur des Banater Berglands auf dem Munte Semenic; andererseits fuhr er mit einer schwarzen Wolga, eine Marke, die eigentlich nur Parteibonzen zur Verfügung stehen sollte, durch die Gegend und arbeitete noch als Fernfahrer, selbst im westlichen Ausland. Solange seine kopfstarke Familie zurück blieb, durfte er die Grenzen passieren. Das weitete seinen Horizont und verschaffte ihm Einblicke in die demokratischen Wertestrukturen des Westens, die den meisten Rumänen verborgen blieben. Da er seine beiden Welten gut miteinander zu verbinden verstand und darüber hin-aus auch noch ein tüchtiger Mann war, gelang es ihm, in kurzer Zeit ein beachtliches Ver-mögen aufzubauen. Er wurde zum Millionär, und dies vor der galoppierenden Inflation, die sich später mit dem zunehmenden wirtschaftlichen Niedergang Rumäniens einstellte.

Privater Wohlstand jedoch war den Kommunisten ein Dorn im Auge, reizte sie und forderte sie heraus. In einem Staat, wo alle gleich arm sein sollten, ausgenommen Parteimitglieder, die privilegiert über eigene Kanäle versorgt wurden, galt ein wohlhabender Bürger als Pro-vokation, als Herausforderung der sozialistischen Gesellschaft. Schließlich hatte man doch gerade erst mit großem Aufwand alle bürgerlichen Strukturen des alten Klassenfeindes zer-schlagen – und jetzt regte sich die private Initiative erneut…und war sogar effizienter und erfolgreicher als die sozialistische Kolchos- und Planwirtschaft. Eine Ungeheuerlichkeit! Konnte das mit rechten Dingen zugehen? Oder waren diese antisozialistischen Empor-kömmlinge nichts anderes als Räuber, die sich aus dem Volkseigentum bedienten? Freche Diebe, die sich auf Kosten anderer und der Volksgemeinschaft bereicherten? Dagegen gab es strenge Gesetze!

Lae hatte ein großes Haus, eine wohlgenährte Familie, zeitweise sogar eine Mercedes-Limousine und noch einen stattlichen Batzen auf der einzigen Bank im Land – bei der staat-lichen CEC! Bestimmt hatte er auch noch einiges im Strohsack oder irgendwo im Berg ver-graben. Die Tatsache, dass er auch noch ein Baptist war, ein religiöser Sektierer, der sich von der gleichgeschalteten Orthodoxen Kirche absetze, der die aufgeklärte, atheistische Weltanschauung ablehnte, um an einer rückständigen Gottesvorstellung festzuhalten, mach-te ihn doppelt verdächtig.

„Alles, was sie auf meinem Hof gesehen haben, hat ihnen natürlich nicht gefallen“, erzählte mir der Riese, dessen Unterarm kräftiger war als mein Oberschenkel, im Vertrauen.

„Sie sind eines Tages zu viert bei mir angerückt, mit einem Buchalter, und haben mich zur Rede gestellt, wo das Ganze her sei. Sie wollten mich natürlich brennen, kriminalisieren, einsperren – doch ich habe genau nachweisen können, woher der Besitz stammt. Ich habe ihnen meine Lohnzettel als Fernfahrer vorgelegt. Dann habe ihnen ausführlich erklärt, was ein Hirte so alles erarbeiten kann, wenn er gut wirtschaftet. Du weißt es sicherlich! Wir Ru-mänen sind ein Hirtenvolk! Die Mioritza kündet davon! Drei Landesteile – drei Hirten…Die Schafe durchziehen unser Leben und unsere Literatur wie die Esel unsere Politik, seit Jahr-hunderten! Wir Rumänen verstehen etwas von Schafwirtschaft… Bei der Prüfung habe ich den Leuten von der Geheimpolizei und der Partei genau dargelegt, wie viele Lämmer im Jahr aus einer Herde von sechshundert Schafen hervorgehen, wie diese vermarktet werden, was die Wolle einbringt, was mit der Milch geschieht und wie unser guter Käse entsteht, wie er gelagert und zu welchen Preisen er auf dem Markt verkauft wird…ich habe alles schwarz auf Weiß dargelegt, und ihnen alles vorgerechnet, präzise, mit spitzem Stift. Schließlich mussten die Burschen die Zahlen anerkennen und abziehen, ohne mich wegen illegaler Be-reicherung einlochen zu können. Das war ein Glück. Denn eine ungerechtfertigte Be-reicherung hätte mir ein paar Jahre mehr eingebracht. Also bin ich heilfroh, nur als Christ verurteilt worden zu sein! Als bescheidener Märtyrer unseres Glaubens, für christlichen Widerstand gegen Hammer und Sichel, im Einsatz für das Kreuz! Für eine Abwehrhaltung, für Notwehr gegen die Allmacht eines ideologieblinden Staates! Wenn Gott will, werden die feurigen Zungen auch noch andere erfassen und ihnen den rechten Weg weisen!“

Lae war kein großer Redner; doch seine Worte hatten Substanz. Er war gut doppelt so alt wie ich und weitaus reicher an Lebenserfahrung.

Nach Laes Ausführungen wurde mir schlagartig bewusst, dass auch meine Eltern, die im privaten Sektor mehr erwirtschafteten als über das offizielle Einkommen herein kam, eben-falls jederzeit mit solchen Anschuldigungen konfrontiert werden konnten. Noch gefährdeter waren jene Gemüsebauern aus Triebswetter, woher meine damalige Freundin Edith stammte und Richard, der über die Donau entkommen war, die mit Paprika ein Vermögen verdienten. Da es im Land kein Steuersystem gab, und die Erlöse aus dem Verkauf der Produkte, nach Abzug von Maut und Standgebühren, fast dem Reingewinn gleichkamen, schwammen ein-zelne Erzeuger im Geld. Das repressive System scheute es jedoch nicht, gerade in den Rei-hen der deutschen Minderheit durchzugreifen, wenn nur der leiseste Verdacht einer illegalen Tätigkeit aufkam. Unterschlagung und Bestechung waren ähnliche Delikte, wo man gern nach einem deutschen Sündenbock suchte. Wenn die Situation es hergab, suchte die Polizei gezielt nach einem Baptisten, einem Deutschen, einem Ungarn oder einem Anderen, um ei-ne Straftat zu rechtfertigen und zu ahnden. Blond und Schwarzbraun galten als verdächtige Farben. Allein in meinem persönlichen Umfeld gab es Beispiele dafür.

Was wurde aus Lae, in dessen Biographie sich so viele Abgründe des totalitären Systems spiegelten? Was wurde aus dem fromm gewordenen, religiösen Dissidenten, der mit seinen Glaubensbrüdern von einer freien Kirche in einem freien Staat träumte? So hatten sie ihr I-deal in einer Erklärung selbst definiert. Sie gingen dorthin, wo die Religionsfreiheit sehr großzügig gehandhabt wird; sie gingen nach Nordamerika und dienten dort im Rahmen ihrer Gemeinschaft ihrem Gott auf ihre Weise. Zumindest einigen von ihnen gelang der Aus-bruch. Die Gründungsmitglieder des Komitees zur Verteidigung der Religionsfreiheit im Rumänien, die Prediger Pavel Nicolescu und Petre Cocarteu, lehren auch heute noch das Wort Gottes im Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Dimitrie Ianculovici, wesentlich sensibler und zerbrechlicher als seine Mitstreiter, verfiel, in der freien Welt angelangt, der Depression, dann dem Alkohol und irrt heute, nachdem er seit vielen Jahren seine Frau ver-lor, haltlos durch die nächtlichen Pubs von New York – als Opfer der Freiheit oder als Op-fer eines totalitären Systems, das ihm die Geborgenheit seiner Heimat raubte.

Und Lae? Der Bär aus dem Banater Bergland? Was ist aus ihm geworden? Erwin besuchte ihn, als ich schon längst das Land verlassen hatte, oben auf dem Semenic, im Kreis seiner Lieben, wo gerade mit Gästen und Glaubensbrüdern aus dem Ausland Gottesdienst gefeiert wurde. Sie wollten ihn gleich dort behalten – als Teil der Gemeinschaft. Doch dann ver-schlug es Lae doch noch nach Kalifornien, wo sich seine Spur zunächst verlor. Andere Mit-glieder der religiösen Dissidenzbewegung, die an der Seite der Ausgewanderten gestritten hatten, war weniger Glück hold. Wie aus dem Präsidialreport zur Analyse der Diktatur in Rumänien hervorgeht, starben einige von ihnen unter rätselhaften Umständen, nicht anders als weitere Systemgegner, die einfach beseitigt wurden. „Gott ist groß“, sagte Lae, „und Leid und Ungerechtigkeit stammen von den Menschen!“ Durfte ich ihm da widersprechen?”

Der Dom in Temeschburg heute

Mehr zur Banater Geschichte und Opposition hier auf diem Blog bzw.  unter

http://istoriabanatului.wordpress.com/2010/04/01/mircea-rusnac-contributii-banatene-la-miscarea-de-opozitie-religioasa-anticomunista-a-l-r-c-1978/

Weiteres über Nicolae Radoi und seine Auflärung als Zeitzeuge auf seinem Blog ( in rumänischer Sprache) unter:

http://radoinicolae.blogspot.com/

Die Oppositionszeit vereint uns – von der Securitate-Folterstube, übers “Gericht” bis in die Gefängniszelle.

Für Herta Müller war die Securitate-Verfolgung ein literarisches Sujet – für uns war alles echt.

Und der Löwe hat damals noch Zähne.

Nach einem “kurzen Prozess” ohne “Verteidiger” in “öffentlicher Verhandlung”

mit ausschließlich Securitate- und Miliz-Kader als Zuschauer und Publikum,

wurden Erwin Ludwig und Carl Gibson in das Gefängnis Popa Sapca

( nur 300 Meter von Gericht und der Securitate-Zentrale am damaligen Leontin-Salajan Boulevard entfernt) eingeliefert.

Foto: Carl Gibson

Im neuen Glanz – Die “Folterkammer der Securitate” am damaligen Leontin Salajan- Boulevard. heute.

Nach “Stalinisten” benannte Straßen wurden inzwischen in Rückbesinnung auf bürgerliche und monarchische Traditionen umbenannt, Fassaden wurden neu gestrichen –

das Innenleben der Gebäude ist aber oft noch identisch mit dem der Geist der alten Zeit. 

 Polizei und Miliz (links im Bild) nutzen das Bollwerk der Unterdrückung und massiver Menschrechtsverletzungen weiter. 

Foto: Carl Gibson

Das Gericht (Dikasterialgebäude) in Temeschburg, Banat heute.

Hinter diesen Mauern wurden Erwin Ludwig und Carl Gibson,

die Gründer der “Freien Gewerkschaft rumänischer Werktätiger “SLOMR”  in Timisoara

am 6. April 1979 zu je sechs Monaten Gefängnishaft verurteilt.

Weiterführendes zur SLOMR:

http://de.wikipedia.org/wiki/Sindicatul_Liber_al_Oamenilor_Muncii_din_Rom%C3%A2nia

bzw: http://istoriabanatului.wordpress.com/2010/02/21/mircea-rusnac-s-l-o-m-r-sindicatul-liber-al-oamenilor-muncii-din-romania-1979-aspecte-banatene/

http://en.wikipedia.org/wiki/SLOMR

http://de.wikipedia.org/wiki/Freie_Gewerkschaften_(Osteuropa)

http://origin.europalibera.org/content/article/1458425.html (Audio)

http://www.dw-world.de/dw/article/0,,4191832,00.html

Foto: Carl Gibson

Der “Knast” oder “Bau” in der Popa Sapca-Straße, heute -

Das Gefängnis, wo immer schon “politische Häftlinge” einsaßen.

Eine Tafel am Eingang erinnert heute daran.

Hier saß auch Nicolae Radoi ein.

Ein seltenes Foto – Freunde weigerten sich mehrfach, die Haftanstalt auf meine Bitte hin zu fotografieren;

die Angst vor Repressalien steckt immer noch in den Knochen ehemaliger Staatsbürger.

 

In den Westen gerettete Bilder zu Nicolae Radois Vita/ Curriculum:

 

 

Die Kommunisten haben uns alles genommen,

Haus und Hof,

materielle und immaterielle Güter,

tatsächliche Werte,

 

einigen nahmen sie die Ehre,

anderen die Würde.

 

Ein paar Erinnerungen blieben,

auch an Nicolae Radoi ( aus besseren Tagen).

In Rumänien war er ein reicher Mann – als er 1980 in Amerika ankam, hatte er nicht einmal das Geld, um seine Familie zu ernähren.

 

Es war wie bei Hiob – Gott gab ihm viel

und nahm ihm alles wieder

über die Geißel des Kommunismus -

 

und nun – im “Land der unbegrenzten Möglichkeiten”,

gab ihm Gott alles wieder zurück!?

 

Erinnerungen – Amintiri:

 

 

Treffen auf dem Semenic.

 

Der Hüne in derMitte ist Nicolae Radoi,

neben ihm oben: SLOMR-Mitgebründer Erwin Ludwig.

 

 

 

Die Gefährten aus der Gefängniszelle,

Baptist und Widerständler Nicolae Radoi

und Erwin Ludwig von der “freien Gewerkschft rumänischer Arbeiter” “SLOMR”,

der ersten in Osteuropa,

ein Jahr vor “Solidarnosc” in Polen.

 

 

 

Picknick auf dem Semenic im Banater Bergland.

 

 

Unter Freunden

 

- Solidarität der Verfolgten.

 

Im Hintergrund ein PKW der Marke “Wolga”,

Laes Wohlstandsausweis nach außen.

Aus dem “Reichtum” wollten die Kommunisten ihm einen Strick drehen, siehe Kapitel oben.

 

 

Der gleich Kreis – als die Begegnung stattfand, Monate nach unserer Entlassung aus dem Gefängnis,

weilte ich bereits in der Bundesrepublik.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Hommage an den deutschen Widerstand gegen die Hitler-Diktatur – in memoriam 20. Juli 1944

Allein in der Gedenkstätte Plötzensee –  in Berlin

Neuzeitliches Requiem – Sprech-Drama mit Trauermusik,

in memoriam.


                                                                       Es lebe die Freiheit! Hans Scholl


Der sittliche Wert eines Menschen beginnt erst dort, wo er bereit ist für seine Überzeugung sein Leben hin zu geben.

Henning von Tresckow am 21. Juli 1944.



Es ist Zeit, dass jetzt etwas getan wird. Derjenige allerdings, der etwas zu tun wagt, muss sich bewusst sein, dass er wohl als Verräter in die deutsche Geschichte eingehen wird. Unterlässt er jedoch die Tat, dann wäre er ein Verräter vor seinem eigenen Gewissen.

Claus Schenk Graf von Stauffenberg

http://de.wikipedia.org/wiki/Attentat_vom_20._Juli_1944


Es gibt Orte, wohin man nicht gerne geht, weil einem das eigene schlechte Gewissen im Wege steht; Orte des Grauens, vor denen man zurückschreckt, wenn man sich den Terror vergegenwärtigt, der von ihnen ausging. Vergessen wird dabei, dass es auch Orte sind, wo die Würde des Menschen, der Anstand und die sittliche Haltung am greifbarsten werden, trotz des Schreckens. Ein solcher Ort ist die Gedenkstätte Plötzensee; ein ehemaliges Gestapo-Gefängnis, in welchem in ganz kurzer Zeit nahezu dreitausend Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und die Hitlerdiktatur in menschenverachtender Weise hingerichtet wurden, darunter illustre Charaktere, die heute das Gewissen der Nation verkörpern und das bessere Deutschland repräsentieren.

Dorthin wollte ich allein gehen. Es wurde ein individueller, ein aufwühlender Gang, denn das eigene Gehirn hatte vieles noch nicht bewältigt. Als ich nach Deutschland kam, kam ich aus einer langen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte. Sie hatte meinen Werdegang deutlich mitgeprägt. Und ich kam aus einer Widerstandsbewegung gegen ein totalitäres System. Nur bewältigt war noch gar nichts. Dafür waren die historischen Abläufe zu vielschichtig und zu komplex. Mir fehlte die geistige Durchdringung der Gesamtmaterie und noch mancher historische Baustein, um die Abläufe im deutschen Widerstand gegen Hitler bis hin zum Attentat am 20. Juli ganz zu verstehen. Einiges hatte ich mir bereits erarbeitet.

Mit unbestimmtem Grauen betrat ich die Anlage – als ein Eingeweihter in Sachen Menschenvernichtung. Sie hatte etwas von einer Schlachtbank, die an den Großen Terror während der Endtage der Französischen Revolution erinnerte. Die Guillotine, deren Anschaffung Hitler persönlich angeregt hatte, um das systematische Abschlachten von Menschen in industrieller Weise zu ermöglichen, war nicht mehr zu sehen. Sie war entfernt worden, um die Empfindungen der Nachwelt zu schonen. Nur die Haken waren noch da an einem Stahlträger – wie in einer Metzgerei – an denen die edelsten Köpfe der Nation aufgehängt worden waren, beim Kerzenschein und selbst in der Nacht, während draußen Bomben fielen.

Nun stand ich stand da, nach Jahrzehnten, und schaute in einen Raum, in dem es nichts zu sehen gab bis auf wenige Symbole des Schreckens, die zum Nachdenken anregen sollten, erfüllt von Bitterkeit und Grausen. Biographien einiger der Opfer rollten vor mir ab, individuelle Leidensgeschichten, Einzeltragödien mit Namen, deren Wohlklang ich schon im fernen Temeschburg vernommen hatte, ohne Details zu kennen; Namen aus dem Umfeld des Kreisauer Kreises und aus dem militärischen Widerstand gegen Hitler. Während ich starr da stand und stumm ins Leere blickte, drängten sich mir spärliche Bilder auf, verschwommene, vom Gehirn künstlich zusammengefügte Szenen aus dem Leben jener Charaktere, die hier hingemordet worden waren, nachdem sie ein perverses Polittribunal unter Rechtsbeugung im Schnellverfahren zum Tode verurteilt hatte.

Berthold Graf von Stauffenberg war in diesem Hinrichtungsschuppen würdelos erhängt worden; und mit ihm Fritz-Dietlof Graf von der Schulenburg und Korvettenkapitän Alfred Kranzfelder, nachdem der so genannte Volksgerichtshof ihnen einen schnellen Prozess gemacht und sie abgeurteilt hatte.

Ein kurzer Prozess? Leider wusste ich, was das war – den ich hatte selbst einen erleben müssen, mit glücklicherem Ausgang! Kein echter Vergleich – aber eine Ahnung davon.

Claus Schenk von Stauffenberg war bereits am 20. Juli – nach dem Scheitern des Attentats auf den Diktator Hitler – von einem Erschießungskommando in Berlin erschossen wurden. Mit ihm starben auf die gleiche Weise seine Mitverschwörer Albrecht Mertz von Quirnheim, Friedrich Olbricht und Hans-Bernd Haeften. Viele weitere Widerstandskämpfer folgten. Bevor Claus von Stauffenberg erschossen worden war, hatte er noch ausrufen können: Es lebe das geheiligte Deutschland!

Jetzt stand ich an der Stelle, wo Ströme Blut geflossen waren – so lange, bis die Guillotine versagte.

Dann wurde gehängt, makaber im Schein der Fackel.

Im Licht der Bombenfeuer und im Kampfgetöse des Zusammenbruchs waren die aufrichtigsten und wahrhaftigsten eines Volkes einfach aufgeknüpft worden wie Strolche und Tagediebe im rechtsfreien Raum!

Viele Unbeteiligte ahnten nichts davon. Viele Informierte blickten weg. Manche sahen zu. Und manche agierten, blind, fanatisiert oder aus reiner Bosheit heraus. Dass sich immer Menschen fanden, die bereit waren, andere Menschen umzubringen, einfach hinzumorden … Der Mensch – die Krone der Schöpfung? Und das im Volk der Dichter und Denker?

Wie dünn war das kulturelle Substrat wirklich? Wann wurde der Mensch zur Bestie? Auch darüber hatte ich bis zum Exzess, bis zur Grenze der Verzweiflung räsoniert, ohne eine Antwort zu finden.

In meiner Rückschau sah ich Helmuth James Graf von Moltke, den aufgeklärten Urgroßneffen des preußischen Feldherrn, der auf seinem Gut in Schlesien den Kreisauer Kreis begründet und am Leben gehalten hatte. Sein Tun war auf ein demokratisches Deutschland nach Hitler gerichtet. Und er handelte, vom Gewissen getrieben. An einem dieser Haken vor mir musste er unwürdig sterben.

Dann sah ich Adam von Trott zu Solz, den Spross einer alten Diplomatenfamilie, der bereits 1939 im Widerstand agierte und als Diplomat in London und New York um Kontakte zu den dortigen Regierungen bemüht war, aber überhört wurde. Weder in England, das, wie man heute weiß, damals vor der Münchner Konferenz den Krieg noch hätte verhindern können, wenn es Hitler mit einer Kriegsandrohung Einhalt geboten hätte, noch in Amerika war er ernst genommen worden. Vielleicht, weil er sehr früh opponierte. Aber verhöhnt wurde er und zynisch abgewiesen, als die Logik des Krieges ihrer Autodynamik verfiel. Also flog er auf und musste hängen, weil das Unrechtssystem der Braunen Diktatur es so befahl.

Und ich sah Peter Graf Yorck von Wartenburg und Hans von Dohnanyi, zwei andere konservative Intellektuelle, Widerstandskämpfer frühester Stunde, die sterben mussten, damit ein kranker Diktator weiter leben und im Endkampf nochmals Millionen Menschen in den Tod schicken konnte.

Weiter sah ich vor meinem geistige Auge Carl Friedrich Goerdeler, den aufrechten konservativen Politiker und Widerständler, gedemütigt vor dem Volksgericht stehen, einem schreienden Richter Freisler ausgeliefert, der mit der gleichen Dämonie schrie wie Hitler geiferte.

Goerdeler sollte nach Hitlers Sturz der künftige Reichskanzler sein. Da, wo ich jetzt stand, wurde er enthauptet, nachdem seine schon angefertigten Minister-Listen den Schlächtern weitere Opfer ans Messer geliefert hatten. Wie gut, dass unsere Liste nicht gefunden worden war. Listen, das sind oft Todeslisten ….

Die Reihe der aufrechten Charaktere, die nur an dieser Stelle von Verbrechern hingemordet wurden, fern von Recht und Gesetz, fern von Gnade, wollte kein Ende nehmen. Es gab doch aufrechte Deutsche, die, ihrem Gewissen folgend, in schwerer Zeit das Richtige taten. Manche von Anfang an; andere wie die Hitlerattentäter Henning von Tresckow und Claus von Stauffenberg später, nachdem die Menschheitsverbrechen, die aus der Logik des Krieges resultieren, die verbrecherischen Führerbefehle aus dem Bunker und der befohlene Mord an Frauen und Kindern nicht mehr zu rechtfertigen waren. Aber sie handelten aus höherer Einsicht und von wahrer Verantwortung für Volk und Vaterland getrieben!

Die Tat Stauffenbergs hatte mich immer schon beschäftigt; schon damals, als unser kleiner Widerstandskreis sich formierte, in den Tagen der Untersuchungshaft und in den langen Nächten des Gefängnisaufenthalts.

Jetzt war ich hier am Ufer der Spree in Plötzensee, am Ort des Geschehens. Hier war, Stunden nach dem Attentat, die Operation Walküre angelaufen, der Auftakt zu einem Staatsstreich, der ein demokratisches und freies Deutschland begründen sollte. Eine Reihe ungünstiger Zufälle und befehlsblinde Offiziere – wie der von Hitler zum Generalmajor beförderte Ernst Otto Remer, dem ich bald darauf unter anderen Umständen begegnete – führten zum Scheitern des letzten großen Aufbegehrens für Freiheit und Gerechtigkeit. Während Revisionisten wie Remer, der die Widerstandskämpfer um Graf von Stauffenberg öffentlich als Vaterlandsverräter bezeichnet hatte, Hetze und Hass verbreitend weiterlebten und bis ins hohe Alter hin der weltanschaulichen Haltung ihrer persönlichen Glanzzeit treu blieben, mussten die eigentlichen Widerstandskämpfer und mit ihnen ungezählte andere aufrichtige Deutsche, die an dem politischen Umsturz mitgewirkt hatten, ihr Leben lassen, während ihre Familien in Sippenhaft genommen und lange diskriminiert wurden. War das gerecht? Nach Remers Putschvereitelung forderten die kommenden Monate des fortgesetzten Krieges an allen Fronten mehr deutsche Opfer als die Kriegsjahre seit dem Ausbruch.

Etwas von dieser schier unbegreiflichen Tragik rollte in meinem Gedächtnis ab, nach Szenen, die ich aus Büchern kannte, aus Dokumentationen und vom Bildschirm. Viel Mut war bewiesen worden in einem Aufstand des Gewissens gegen massives Unrecht: Ich sah Trott zu Solz’ entschlossene Selbstbehauptung gegenüber dem Scheusal Freisler, und sah, wie Erwin von Witzleben von derselben Bestie in Robe niedergeschrieen wurde.

Das Bildnis Dietrich Bonhoeffers einsam in der Zelle sitzend, drängte sich mir auf, ein Christ vor Gott, in Gebete, in Verse vertieft, Zeilen eines geistigen Vermächtnisses aufsetzend, den Blick voller Zuversicht zum Himmel erhoben.

Miserere domine! Und dann hörte ich erneut, klar wie die Posaunen von Jericho, die leitmotivische Mahnung des Claus von Stauffenberg:

Es lebe das geheiligte Deutschland!

An diesem Ort verblutete das andere Deutschland; seine Edelsten und Besten ließen hier ihr Leben im bewussten Opfergang für das gesamte deutsche Volk, um ihm, dem geopferten Phönix, nach dem Zusammenbruch eine Reinwaschung zu ermöglichen von den Menschheitsverbrechen, in die es der dämonische Diktator Hitler gestürzt hatte und ein österliches Wiederauferstehen.

Doch war Stauffenbergs Tat repräsentativ für den deutschen Widerstand gegen Hitler kein letztes müdes Aufbäumen kurz vor dem Untergang, als das Gewissen gegen das maßlose Unrecht und Leid aufbegehrte, sondern eine bewusste Gegnerschaft, ein luzider Widerstand gegen ein totalitäres System, der von frühester Stunde an da war und konsequent durch gehalten wurde – bis in den Tod.

Es entspricht nicht der historischen Wahrheit, wie vor allem im Osten Europas immer wieder behauptet worden war, das gesamte deutsche Volk hätte geschlossen hinter Hitler gestanden, es hätte seine Aggressionspolitik mitgetragen, sein Hegemoniestreben, seinen Imperialismus; und es hätte seine Verbrechen gedeckt.

Richtig ist, dass es aus dem deutschen Volk heraus einen höchst beachtlichen Widerstand gegen Hitler gab – und dies von Anfang an aus Prinzip, lange noch bevor die schlimmen Wahrheiten bekannt wurden.

Wie vom Teufel persönlich beschützt, überlebte der Führer vierzig Anschläge! Eine makabre Groteske des Zufalls, eine Undenkbarkeit! Und Ceauşescu, dem wir kleine Dissidenten nichts entgegen zu setzen hatten, was mit der Operation Walküre vergleichbar gewesen wäre? Keinen!

Doch vom systematischen Kampf gegen Hitler wusste selbst ich, der historisch interessierte Europäer, der westliche Medien auswertete, wenn sie erreichbar waren, im fernen Banat fast nichts.

Erst späte westliche Quellen und die intensive Beschäftigung mit der Materie über Jahre erschlossen mir die volle Dimension des deutschen Widerstands gegen den Nationalsozialismus, der von allen Teilen der Bevölkerung getragen wurde, vom einfachen Mann aus den Volk wie Georg Elser im Münchner Bierkeller bis in die Spitzen der Wehrmacht zu Persönlichkeiten wie General Ludwig Beck, dem Gehirn des versuchten Staatsstreichs vom 20. Juli.

General Beck durchschaute die kriminellen Machenschaften Hitlers schon sehr früh und setzte seit 1938, also noch vor dem Einmarsch in die Tschechoslowakei, alles daran, den Widerstand gegen Hitler zu fördern, um den Diktator von der Macht zu entfernen. Die Generalität unterstützte ihn – nur England zögerte, als um Mitwirkung angesucht wurde. Wenn wir euch gegenüber so aufrichtig gewesen wären wir ihr im Gespräch mit uns, dann hätten Hitlers imperialistische Expansion, der Zweite Weltkrieg und mit ihm 55 Millionen Opfer vermieden werden können, bekennen die Briten heute offenherzig. Sie haben ihre moralischen Hausaufgaben inzwischen fast erledigt und einiges zur Vergangenheitsbewältigung beigetragen.

Auf andere kommt dieser Komplex noch zu – auch auf die Rumänen!

An dieser matten Stelle in der ehemaligen Reichshauptstadt Berlin starben für ihr Vaterland – aus einer ethischen Überzeugung und tiefer protestantischer Gesinnung heraus – innerhalb von Monaten fast dreitausend Menschen. Unter den Opfern waren auch herausragende Repräsentanten der militärischen Elite: Erwin von Witzleben und Karl Heinrich von Stülpnagel. Sie opferten ihr Leben für höhere Werte, für Gerechtigkeit, politische Freiheit und Vaterlandsliebe.

Erwin von Witzleben war als Generalfeldmarschall der ranghöchste Soldat, der von den Nationalsozialisten ermordet wurde, nachdem sie auch ihn, den General der noch vor Jahren als erster jene verhängnisvolle Vereidigung der Wehrmacht auf den Führer durchgeführt hatte, öffentlich degradiert, vor den Volksgerichtshof gezerrt und in einem schäbigen Schauprozess, ohne Hosenriemen der Lächerlichkeit preisgegeben, entwürdigt, beleidigt und gedemütigt hatten.

Erwin von Witzleben, dessen Stammbaum bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann, ging bereits 1934 auf Distanz zu Hitler. Die Ermordung Ernst Röhms auf Befehl Hitlers, wobei Teile der Wehrmacht mit involviert und somit instrumentalisiert wurden, sowie die ebenfalls von Hitler angeordneten und öffentlich im Reichstag verteidigten Ermordungen der Generale von Schleicher und von Bredow bei krasser Hinwegsetzung über die geltenden Gesetze hatten ausgereicht, um diese Haltung, die er mit General Beck, General von Stülpnagel, mit Henning von Tresckow und anderen oppositionellen Militärs teilte, herbei zu führen.

Erwin von Witzlebens Plan, den Usurpator Hitler bereits 1938, also zu einem Zeitpunkt von der Macht zu entfernen, als Europa noch nicht an allen Ecken brannte, scheiterte an einem dummen Zufall der Geschichte – an der Beschwichtigungspolitik der Engländer, am Appeasement Chaimberlains und dem verhängnisvollen Münchner Abkommen, das die Tschechoslowakei dem Diktator auslieferte und ihn mit diesem – so genannten diplomatischen – Erfolg nach innen hin stärkte; der Opposition hingegen jeden Wind aus den Segeln nahm. General Halder und von Witzleben konnten bei entsprechender politischer Kulisse ihren Plan, Hitler verhaften zu lassen nicht durchsetzen. Die späteren Blitzkriegerfolge in Polen und Frankreich erzielten den gleichen Effekt und zementierten noch den Mythos der Unfehlbarkeit.

Auch der gemeinsame Plan General von Stülpnagels, damals Oberkommandierender der Wehrmacht in Frankreich, und von Generalfeldmarschall Erwin Rommel, der die Abwehrmaßnahmen einer drohenden Invasion am Kanal koordinierte, Hitler zu einer Besichtigung der Wehranlagen nach Westfrankreich zu locken, um ihn dort durch loyale Truppen der Wehrmacht verhaften zu lassen, scheiterte an einem dummen Zufall. Hitler, der bis dahin immer wieder Gründe finden konnte, nicht nach Frankreich zu reisen, blieb endgültig fern, nachdem eine nach England gelenkte V 1 versehentlich im Abwehrgebiet einschlug.

Nach dem gescheiterten Staatsstreich von 20. Juli nahmen sich General von Beck, Generalfeldmarschall Rommel, Henning von Tresckow und andere Mitverschwörer selbst das Leben, nicht zuletzt, um keine anderen Mitwisser in drohenden Verhören zu belasten. Heinrich Karl von Stülpnagel richtete seine Pistole an die Schläfe und schoss sich durch den Kopf. Er überlebte schwer verwundet – und wurde wahrscheinlich noch von der Gestapo gefoltert bevor er in dieser Halle an diesem Haken wie ein Strauchdieb erhängt wurde.

Wie er starb hier, wo meine Füße ruhten, der andere aufrechte Soldat, der nach einem Umsturz die Führung der Wehrmacht übernommen hätte: Erwin von Witzleben. Wie viel menschliche Größe war hier verrauscht, hier vor mir?

Wie konnte ich alle würdigen und die Erinnerung an ihre altruistischen Taten wach halten? Und das große Aufbegehren jedes einzelnen Opponenten, jedes offenen Regimekritikers ins rechte Licht rücken? Die Taten von Tausenden, die gegen das Unrecht aufstanden und ihr Leben hingaben, um es zu beseitigen?

Wo war jetzt die heitere Gelassenheit eines Dietrich Bonhoeffer, der mit Gottvertrauen zuversichtlich in den Tod ging, in der Hoffnung auf das wahre Leben? Tragische Betroffenheit überkam mich – und ein spätes Schaudern vor der Dämonie des Bösen, auf die ich keine Antwort fand. Wie viele einfältige Leute hatte ich über das Böse plaudern hören, philosophisch abstrakt und ironisch wie Mephisto in Faust. Das Böse der Geschichte war echt und immer noch real. Gleichzeitig spürte ich aber auch etwas von der Macht des Ethos, das über Jahre aufrechterhalten und von ganz unterschiedlichren Charakteren vorgelebt wurde.

An solchen Taten verblasste das eigene Tun. Doch die Botschaft der Geschichte ist eindeutig – der Mensch muss in jeder Situation am Humanum festhalten und alles menschenmögliche tun, um es zu beschützen. Die Würde des Menschen, Freiheit und Gerechtigkeit sind Grundwerte, die über allem positiven Recht angesiedelt sein müssen – auf nationaler wie auf internationaler Ebene. Die Verfassung der Bundesrepublik ist eine nationale Antwort darauf – die Charta der Vereinten Nationen die Antwort der Völkergemeinschaft.

Wir hatten auch einiges erlebt in unserer Auseinandersetzung mit dem repressiven System einer Diktatur. Doch was waren unsere Erlebnisse gemessen an der Tragik, die an dieser Stelle kulminierte und im Vergleich mit dem Grauen in den Konzentrationslagern mit dem millionenfachen Tod, Leid und Schrecken, der sich im Anonymen und Namenlosen vollzog?

Das Böse hatte wieder einmal über das Gute und Gerechte triumphiert. Und das Feige über Mut und Tapferkeit! Die gesamte Weltordnung schien für alle Zeiten erschüttert. Wie schwer war es doch, in kritischer Zeit aufrecht zu gehen?

Vor dem schweren Gang an den Unort hatte ich mir eine Liste besorgt – schon wieder eine Liste – mit den Namen der Beteiligten des nationalen Aufstandes vom 20. Juli 1944, die für die Sache der Freiheit ihr Leben hingegeben hatten. Darunter waren viele illustre Persönlichkeiten bis hin zu legendären Gestalten wie Feldmarschall Erwin Rommel. Jede von ihnen wirkte als Vorbild. Und jede von ihnen verdient eine würdige Auseinandersetzung. Denn hinter jedem individuellen Einsatz für Freiheit und Demokratie bei Preisgabe des eigenen Lebens steht eine schwere Gewissensentscheidung, ein Golgotha-Erlebnis, zu dem in schwerer Zeit nur die wenigsten Menschen fähig waren.

Noch einmal sah ich zu den Haken hin und erkannte dort die Gnade meines Schicksals durch die späte Geburt. Wäre das Baumeln dort am Haken mein Los gewesen, wenn ich einige Jahrzehnte früher gelebt hätte? Wie hätte ich mich entschieden? Hätten mein Patriotismus und mein Ethos ausgereicht, um dort zu hängen?

Berechtigte Zweifel kamen auf … Wir hatten es einfacher! Wir wussten, wo wir zu stehen hatten und wo wir standen! Dafür musste ich dankbar sein. Die Zweifel an der eigenen Festigkeit wurden deutlicher, je mehr ich über die innere Entscheidungssituation der Widerständler nachdachte. An ihrer Entschlossenheit verblasste die meine. Als ich ging, ging ich in tiefer Betroffenheit, doch unerfüllt über den Verlauf der Geschichte.


Auszug aus dem Werk: Carl Gibson, Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. 2008.

Parts of the Berlin Wall in South Germany - now an "anticommunist monument

Parts of the Berlin Wall in South Germany - now an "anticommunist monument

Foto: Monika Nickel

Auf den braunen Totalitarismus folgte der rote – Reste der “Berliner Mauer”,

entdeckt:

1000 Kilometer südlich der deutschen Hauptstadt

irgenwo in Südbaden – sie erinnern und mahnen.

Die Opfer der beiden Diktaturen auf deutschem Boden im 20. Jahrhundert sollen nicht umsonst gewesen sein.

 

 

 

 

 

 

 

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Einsamkeit und schöpferische Freiheit – Koryphäen der Einsamkeit und Melancholie aus Antike, Renaissance und Moderne

 

Koryphäen der Einsamkeit  und  Melancholie aus Antike, Renaissance und Moderne

- dargestellt in philosophischen Essays und Aufsätzen

Seneca

Epikur

Ovid

Augustinus

Petrarca

Meister Eckhart

Pico

Michelangelo

Savonarola

Montaigne

Rousseau

Schopenhauer

Lenau

Nietzsche

 

 

Ovidius, Bucharest, Romania

Ovidius, Bucharest, Romania

(Foto: Carl Gibson)

Einleitung: Tausend Jahre Einsamkeit

Die „ Einsamkeit“ als Entwicklungsphänomen – Die „Vereinsamung“ und „Melancholie“ als anthropologische Konstanten und Grundbefindlichkeiten des Daseins ?

Melancholie. Hypochondrie. Acedia

Melancholie als Charakteristikum des genialen Menschen. Zur Phänomenauffassung im hippokratischen Umfeld und bei Aristoteles. Der melancholische Typus in der vorsokratischen Philosophie. Empedokles und Demokrit.

Hypochondrie

Acedia

Lebe zurückgezogen! – Das Einsamkeitsverständnis der Antike in der Epoche des Hellenismus, bei einzelnen Repräsentanten der Stoa und des Epikureismus

Der Rückzug in den ruhigen Hafen – Einsamkeit und Gesellschaft bei Marcus Tullius Cicero

Verbannt und vereinsamt am Ende der Welt – Ovids melancholische Dichtung vom Pontus

Einsamkeit und künstlerisches Schaffen

Melancholie und Versöhnung

Lucius Annäus Seneca

Senecas exsilium auf Korsika – unfreiwillige, äußere Einsamkeit und innere Freiheit

Dekadenzkritik

Otio oder Negotio – Zwischen stiller Muße und hektischer Geschäftigkeit

Psychologische und soziologische Aspekte der Einsamkeitserfahrung

Die Apotheose des einsamen Lebens in der Schrift De brevitate vitae

Die Zurückgezogenheit bei Mark Aurel und Epiktet

Die „Einsamkeit“ und „Melancholie“ im frühen Mittelalter und in der deutschen Mystik – „anachoresis“ und „monachoi“

Repräsentanten des Übergangs von der Antike zum frühen Christentum in den Jahren 300 – 400. Antonius, Evagrius Ponticus und Augustinus

Antonius, der Ägypter.

Evagrius Ponticus und Johannes Cassian

Die „Alleingespräche“ des Aurelius Augustinus aus Cassiciacum

Einsamkeit und Mystik

Meister Eckharts „Abgeschiedenheit“ und „innerliche Einsamkeit“ – Der mystische Weg zu Gott

Die Mönchskrankheit aus der Sicht Heinrich Seuses

Theresa von Avila

Der zentrale Stellenwert der „Einsamkeit“ im Werk der Humanisten

De vita solitaria – Francesco Petrarcas Loblied auf die Einsamkeit. Die Begründung der Auffassung von der “schöpferischen Einsamkeit” und der elitären Phänomendefinition

Petrarcas negativer Melancholiebegriff und Dante

Einsamkeit und Melancholie in der Renaissance

Die „Saturniker“ des Mediceerkreises

Ein Dichter am Kamin – die Melancholiebeschreibung des Angelo Poliziano

Therapierte Melancholie bei Marsilio Ficino

Marsilio Ficinos astrologisch determinierter, antik physiologischer Melancholiebegriff

Einsamkeit und Freiheit – Pico della Mirandolas Entwurf des Renaissancegenies

Lorenzo de Medicis „melancholische“ Dichtung – Der Typus des „Inamoroso“ als Melancholiker

Die Familie der Melancholiker oder die Metamorphose des sinnenden Geistes zur Plastik und zum Gedicht

Einsamkeit, Melancholie und künstlerisches Schaffen in der Renaissance. Geniale Werke der Einsamkeit bei Michelangelo Buonarotti und Leonardo da Vinci

Einsamkeit als die künstlerische Schaffensbedingung schlechthin, als conditio sine qua non des kreativen Subjekts

Leonardo da Vinci und der Wert der Einsamkeit

Girolamo Savonarola – der melancholische Reformator vor der Reformation

Einkehr und früher Protest aus der Klosterzelle

Die Schwermut der Tyrannen

Golgotha – Traurigkeit und Verlassenheit in der Todeszelle

Weltflucht in den Turm – Michel de Montaignes Essay De la solitude

Melancholie als Habitus

Der extensive Melancholiebegriff bei Democritus junior alias Robert Burton

Burtons Verdienste bei der Umwertung und Neuinterpretation der grundlosen Tieftraurigkeit zur „süßen Melancholie“

Göttliche Melancholie! Zur positiven Melancholie-Bewertung vor Burton

Das Phänomen „Einsamkeit“ in der Moderne

Die Apotheose der Einsamkeit im Oeuvre Jean-Jacques Rousseaus – Alle großen Leidenschaften entstehen in der Einsamkeit

Einsamkeit und Gesellschaftskritik bei den Französischen Moralisten La Rochefoucauld,

Vauvernaques und Chamfort

Chamfort

Die Gestimmtheit im deutschen Barock – Inklination zur Melancholie?

Einsamkeit als Lebenselixier – Das Monumentalwerk Johann Georg Zimmermanns Über die Einsamkeit aus dem Jahr 1784/85

Einsamkeit in der Sturm und Drangzeit, speziell im Werk des jungen Goethe

Das „elitäre“ Einsamkeitsverständnis Arthur Schopenhauers

Absolute Einsamkeit, extreme Vereinsamung und schwärzeste Melancholie bei

Friedrich Nietzsche, dem einsamsten unter den Einsamen

Strukturen der „Einsamkeit“ in „Also sprach Zarathustra“

Fragmentarische Aussagen zur „Einsamkeit“

Die „Einsamkeit“ in den „Dionysos-Dithyramben“

Die „Einsamkeit“ bei Jaspers und Heidegger

Das Phänomen „Einsamkeit“ im Werk Lenaus

Lenaus Verhältnis zur Philosophie. Entwicklung und Ansätze

 „Einsamkeit“ und „Vereinsamung“ als existentielle Erfahrung

Die „äußere Einsamkeit“. Situation und Grenzsituation

 „Einsamkeit“ als ontische Dimension

Die „zelebrierte Einsamkeit“ im Spätwerk

In-der-Welt-sein ist Einsamkeit

Die „metaphysische Vereinsamung“ in Lenaus „Faust“

 „Melancholie“ und „absolute Vereinsamung“ in Lenaus Doppelsonett „Einsamkeit“

Der „Kampf um das Dasein“ in Lenaus Ballade „Die nächtliche Fahrt“

Exkurs: Der „Neue Mensch“ – eine Konsequenz der Einsamkeit?

Einsamkeit heute – Selbst erfahrene und selbst beobachtete Phänomene

Bibliographie

Einleitung: Tausend Jahre Einsamkeit

„Ihr Einsamen von heute“, verkündet Zarathustra, „aus euch soll einst ein Volk entstehen – und aus ihm der Übermensch!“

Wenn Nietzsche Recht behalten hätte, müsste der Übermensch längst erschienen und an die Stelle des unzulänglichen, menschlich- allzumenschlichen Anthropos der Jetztzeit getreten sein. Doch der Mensch, wie man ihn seit Jahrtausenden kennt, ist nach wie vor noch nicht überwunden – und er ist immer noch die unzulängliche Brücke zum Hinauf, zum Neuen Menschen, der wohl ewig Utopie bleiben wird. Und er ist – obwohl er in einer Kommunikationsgesellschaft lebt – isolierter und vereinsamter denn je.

Der Mensch der Moderne existiert, ohne dass es ihm bewusst ist, nach wie vor in der Vereinzelung und lebt, nicht selten isoliert, depriviert und hochgradig frustriert in einem ihm nicht wesensgemäßen Zustand der Uneigentlichkeit fremdbestimmt in Unfreiheit – nicht anders als der Sysiphus des Mythos. Er glaubt zwar, frei zu sein, weil ihm die Gesellschaft, die ihn bestimmt, dies einredet. Doch in Wirklichkeit lebt er an seinem Leben vorbei und tut Dinge, die andere ihm einredeten, und lebt Werte, die er eigentlich ablehnen würde, wenn er einmal die Zeit zum Nachdenken fände.

Viele Menschen der neuzeitlichen Singlegesellschaft der Wohlstandsstaaten leben nicht nur – oft unfreiwillig – allein. Sie sind auch immer öfter einsam, leben in ohnmächtiger Lethargie und verfallen nach einiger Zeit der Vereinsamung, ohne aus der Situation ausbrechen zu können; ohne die Kraft zu finden, schöpferische Wege zu gehen, die Selbstbefreiung und individuelle Freiheit bedeuten würde. Manch einer verharrt in seiner unbefriedigenden Gelähmtheit, obwohl ihm die Gesellschaft, die zumindest in ihren Grundzügen eine pluralistische und eine tolerante ist, die Möglichkeit der Selbstemanzipation nicht versagt. Nur den wenigsten gelingt es, die Gängelung der Pseudowerte zu durchschauen, die Kraft zum Handeln aufbringen und eigene Wege zu gehen. Statt sich auf den eigenen Willen zu besinnen, auf die schöpferische Kraft des Handelns, auf positive Denken und Agieren, auf neue, höhere Ziele, ergeben sich die meisten der Passivität und der Ignoranz. Sie ziehen sich in ihre eigene Sphäre zurück, in ihre Welt des Alleinseins, in ihre Einsamkeit, beobachten und reagieren immer weniger und bewegen sich kontinuierlich auf den Stillstand zu – bis hinein in die Untiefen der Resignation und Melancholie.

Gründe für diese oft unfreiwillige und unwillkürliche krisenhafte Entwicklung des Menschen in die Sphären der Negativität gibt es unzählige – historische wie moderne. Tausendjährige Zeugnisse verweisen darauf. Wer die neuzeitlichen, sich gegenseitig bedingenden Phänomene des Alleinseins, der Einsamkeit, der Vereinsamung, der Trauer, der Wehmut, der Melancholie oder Depression voll er fassen will, für sich oder zu therapeutischen Zwecken, tut gut daran, die historischen Phänomenbeschreibungen zu studieren. Je genauer der Blick dahinter erfolgt und je differenzierter die Analyse, desto objektiver erscheinen die Phänomene selbst.

Die Einsamkeit, ein Überbegriff für alle noch differenzierter zu behandelnden Spiegelungen davon, markiert, phänomenologisch wie hermeneutisch betrachtet, ein Grundphänomen, während an dieser Stelle alle anderen Zustände und Gestimmtheiten als Epiphänomene der gleichen Erscheinung behandelt werden. Die Phänomenbeschreibung selbst dient der Erhellung des Phänomens und ist im Sinne Karl Jaspers Existenzerhellung.

Die Beschäftigung mit den historischen Erscheinungsformen des anthropologischen Phänomens Einsamkeit, das auch ein großes Thema der Weltliteratur ist, zeigt, dass die methodischen Zugangsformen sehr unterschiedlich sein können. Die philosophiegeschichtliche Phänomenbeschreibung steht dabei gleichberechtigt neben psychologischen, soziologischen und literaturhistorischen Interpretationen. Jeder methodischer Zugang verweist jedoch nur auf eine Priorität des Ansatzes. Das Phänomen selbst kann und muß aufgrund seiner übergreifenden Komplexität nur methodenpluralistisch erfasst werden.

Die „ Einsamkeit“ als Entwicklungsphänomen – Die „Vereinsamung“ und „Melancholie“ als anthropologische Konstanten und Grundbefindlichkeiten des Daseins ?

 

Leeres Geschwätz ist die Rede jenes Philosophen, durch die keine menschliche Leidenschaft geheilt wird. Wie wir einer Heilkunst nicht bedürfen, die nicht imstande ist, Krankheiten aus dem Körper zu vertreiben, bedürfen wir auch einer Philosophie nicht, die nicht das Leiden der Seele vertreibt.

Epikur, Fragmente.

 

Jeder Mensch ist im Verlauf seines Lebens irgendwann einmal einsam. Er durchlebt diese Erfahrung dabei unterschiedlich intensiv als wertneutrales Alleinsein, als bewusst gelebte Einsamkeit und somit als kreative Einsamkeit oder er kennt und erfährt die Einsamkeit nur als Negativphänomen, als destruktive Einsamkeit, als Vereinsamung, also als Schwermut oder Melancholie, Niedergeschlagenheit und Depression. Die Einsamkeit hat viele Namen. Und ebenso vielfältig sind ihre Facetten. Eine strenge Unterscheidung, wann der Begriff Einsamkeit in philosophischen oder literarischen Werken – in eindeutiger Absetzung von dem Melancholiephänomen – eingesetzt wird, ist auf Anhieb kaum möglich.

In der Auseinandersetzung mit der Einsamkeit und Melancholie wird man im Schrifttum, in Tagebüchern, Notizen, vor allem aber in der Korrespondenz zahlreicher Philosophen, Dichter, Komponisten, Maler und anderen Persönlichkeiten der Zeitgeschichte immer wieder auf die einfache Aussagen treffen: Ich bin einsam“ – unter ihnen nicht nur tiefsinnige Geister wie Franz Schubert oder Robert Schumann, sondern auch heitere Existenzen wie Mozart, in dessen Welt Traurigkeit und Resignation nur wenig Raum hatten. Wer nun vom alltäglichen Sprachgebrauch ausgeht, wird annehmen oder unterstellen, das Subjekt sei durch irgendwelche Gründe von anderen Menschen getrennt, fühle sich alleingelassen, verlassen, unwohl und unglücklich. Dahinter steht die Vorstellung, der Mensch sei als gesellschaftliches Wesen nur in der Gesellschaft seiner Mitmenschen gut aufgehoben und alles, was ihn aus der gesellschaftlichen und sozialen Einbettung entreiße, sei eine krankhafte Abweichung von der Norm. Der Psychologe, vor allem aber der Psychotherapeut, erlebt den Einsamen weitgehend als vorerst Gescheiterten, als Vereinsamten, als einen Patienten, der unter Einsamkeit leidet, als ein Individuum in Isolation. Ebenso der Soziologe. Auch aus seiner Sicht ist ein Mensch, der sich der Gesellschaft bewusst entzieht, der keine Freude an seinem Umfeld hat und mit diesem nicht mehr zurecht kommt, ein Außenseiter, ein Einzelgänger, ein Stigmatisierter. Das hat zu Folge, dass die gesamte psychosoziale Zugangsweise, bedingt durch den a priori einseitig pathologisch orientierten Vorbegriff, das anthropologische Grundphänomen Einsamkeit in das Negative wendet und es als Negativum auffasst. Erschwerend kommt noch hinzu, das sich im Psychologischen und Psychoanalytischen auch noch der Melancholiebegriff, oft als ein Synonym der Einsamkeit gebraucht, auswirkt, der eindeutig und von Anfang an ins Pathologische tendiert. Die äußerst vielschichtigen und komplexen anthropologischen Phänomene Einsamkeit und Melancholie werden heute in der weitgehend praktisch ausgerichteten psychologischen und soziologischen Literatur zu einer Auseinandersetzung mit der Vereinsamung reduziert. Das ist aus bestimmten Notwendigkeiten der heutigen Zeit heraus betrachtet zwar legitim, vor allem nach den Erfahrung der absoluten Einsamkeit im 19. Jahrhundert; aber es verbaut den Blick für das eigentliche Phänomen, das uns zahlreiche Philosophen von Rang, Theologen, Mystiker und unzählige große Dichter quer durch die Kulturnationen in den letzten zweitausend Jahren geschildert haben. Gerade diese Geistesgrößen setzen der Vereinsamung des Menschen die positive Auffassung der Einsamkeit entgegen. Sie führt, als religiöse Einsamkeit erfahren, bis in die Sphären der unio mystica. Als kreative und konstruktive Einsamkeit, als schöpferische Einsamkeit erhebt sie sich in der Philosophie und Literatur zum weltliterarischen Motiv von höchstem Rang. Die Aussage: Ich bin einsam wird eine eindeutige Ausweitung erfahren und eine Wendung ins Positive. Viele Dichter und Denker werden sagen: Ich bin einsam.- Aber sie werden, hinzufügen: Ich bin einsam, weil ich es so will. Und mir fehlt nichts in meiner Einsamkeit. Ich bin frei – und ich bin glücklich!

Wer die anthropologische Konstante Einsamkeit verstehen und ihre Negativausformungen konstruktiv bewältigen will, muss möglichst weit zurückblicken und das Phänomen historisch in unsrem Kulturkreis und nach Möglichkeit auch noch darüber hinaus, also interkulturell, aufrollen. Dabei geht es nicht darum, eine lückenlose Geschichte der Einsamkeit und der damit zusammenhängenden anthropologischen Erscheinungen erstellen zu wollen; denn das ist kaum möglich, da sie sich als Motiv in unterschiedlichsten Ausformungen durch die gesamte Weltliteratur zieht. Es kommt vielmehr darauf an, markante Momente und Schlüsselaussagen einzufangen, die das Phänomen in seiner gesamten Komplexität, Vielschichtigkeit und Tiefe zur Erscheinung bringen, erkennbar und begreifbar machen. In diesen Essays werden zahlreiche Aussagen zur Einsamkeit und Melancholie vorgestellt und problematisiert, die mehr als zweitausend Jahre zurückverfolgt werden können und bis in die Gegenwart reichen. Dabei soll der Bedeutungswandel, dem besonders die Begriffe Einsamkeit und Melancholie durch die Zeiten unterworfen sind, herausgearbeitet werden, ohne dass dabei die anthropologischen Phänomene aus den Augen verloren werden. Gleichzeitig aber wird, über die reine begriffsgeschichtliche Erörterung hinaus, die innere Struktur von Einsamkeit und Melancholie im Gesamtwerk besonders exponierter Repräsentanten untersucht. Auch werden die Begriffe Einsamkeit und Vereinsamung sowie Melancholie und das Gestimmtsein zur Melancholie, die natürlich zusammenhängen, in ihrer künstlerischen Verknüpfung thematisiert.

Weshalb dieser Zugang? Die Auseinandersetzung mit Studien zur Problematik zeigt, das weiter zurückreichende historische Aussagen zur Einsamkeit nicht in die Diskussion eingehen, weil sie unbekannt sind. Eine Geschichte der Einsamkeit und Melancholie – als anthropologische Phänomene oder als literarische Motive – wurde noch nicht vorgelegt; nicht zuletzt deshalb, weil die Materie nahezu unerschöpflich ist. Die heute nur noch wenigen Wissenschaftlern bekannten Mammutwerke von Burton und Zimmermann gehen zwar in diese Richtung und vermitteln – neben viel Kompiliertem – auch manches Interessante und Hilfreiche. Sie zeigen aber auch auf, dass die seit der Antike präsentierte und heute hochaktuelle Materie nur schwer systematisch darstellbar ist. Die Folge davon sind akademische Arbeiten, die sich partielle Aspekte herausgreifen und diese ohne Rücksicht auf die historischen Entwicklungen der Phänomene aus sich heraus darstellen. Ebenso fragwürdig sind zum Teil intensiv erarbeitete Werke voller Gelehrigkeit, die synthetische Metakategorien an die Materie herantragen und, verliebt in die eigene These, die Begriffe, die sie eigentlich erhellen wollen, nur noch mehr verdunkeln.

Worin besteht nun die eigentliche Zielsetzung dieser Aufsätze und Essays? Es ist eindeutig ein hermeneutisches Anliegen, das hier verfolgt wird: das Verstehen der Phänomene vor dem Ansatz der Bewältigung. Oder, um es noch deutlicher zu formulieren. Dieses Buch verfolgt nicht primär den Ehrgeiz, die anthropologischen Phänomene und Grunderfahrungen Einsamkeit, Vereinsamung, Melancholie und Acedia an sich zu beschreiben, wobei das ästhetische Vergnügen zum Impuls und Stimulans wird; es kommt darauf an, die Erkenntnisse einer mehr zweitausend Jahre alten Phänomengeschichte existentiell umzusetzen und diese auch in die Therapie einfließen zu lassen. Dieses Buch ist somit nicht etwa gegen die Psychologen und Soziologen von heute geschrieben, sondern eher – durch philosophische und literaturhistorische Ausweitung der Thematik – für sie; ferner für alle individuell betroffenen Menschen als ein Mittel, tiefer zu gehen und das Instrumentarium zu erweitern.

Ungeachtet des gesellschaftlichen Wandels sind einzelne Phänomene weitgehendkonstant geblieben – einfach deshalb, weil der Mensch sich in seiner anthropologischen Grundstruktur nicht verändert hat. Melancholie, Hypochondrie, Acedia oder Formen religiös verinnerlichter Einsamkeit können heute noch genau so wahrgenommen und existentiell erfahren werden wie in der Antike , im Mittelalter oder in der Renaissancezeit. Gerade deshalb sind die in diesen Beiträgen anhand authentischer Belege dargestellten Auseinadersetzungen mit den Phänomenen für ihre gegenwärtige Bewältigung sinnvoll und hilfreich. Während antike Autoren weitgehend den Zustand des räumlichen Alleinseins im Blickfeld haben, wenn sie von Einsamkeit sprechen, verschiebt sich die Bedeutung des Begriffes Einsamkeit mit zunehmender Nähe zur Moderne, speziell in den beiden letzten Jahrhunderten, hin zur Vereinsamung und Melancholie. Während die antike Ausprägung der Einsamkeit noch einen Zustand beschreibt, in dem sich ein Individuum befindet, umschreibt der moderne Einsamkeitsbegriff eine existentielle Gestimmtheit. Beide Begriffe, Einsamkeit und Melancholie, oft plakativ und undifferenziert gebraucht, vor allem in der Essayistik und Sekundärliteratur, sind im Grunde unstatische, fließende Begriffe, deren tatsächliche semantische Struktur nur aus der konkreten Anwendung heraus verstanden werden kann.

Bedeutende lyrische Koryphäen der Einsamkeit des 19. Jahrhunderts wie Lenau, Nietzsche und Trakl, in deren Werk Einsamkeit und Melancholie ein Zentralmotiv darstellen, liefern vielfache Beweise. So ist etwa Lenaus berühmtes Doppelsonett „Einsamkeit“ ein reines Melancholiegedicht, das ein Phänomen beschreibt, das die moderne Psychopathologie unserer Tage als schwere endogene Depression klassifizieren würde. Nietzsche fängt die negative Wendung des Einsamkeitsbegriffs ein, indem er ihn mit „Vereinsamt“ überschreibt, aber eine Melancholiesituation darstellt. Viele Gedichte Georg Trakls, aus denen düstere melancholische Stimmungen sprechen, sind mit Synonymen der Melancholie überschrieben wie „Trübsinn“ oder sie thematisieren andere Begleiterscheinungen der Einsamkeit. Andererseits werden Melancholiephänomene beschrieben, etwa in der chinesischen Philosophie bei dem Lao Tse-Schüler Tschuang Tse, in der indischen Philosophie und im Buddhismus, im Alten und im Neuen Testament oder in Shakespeares Hamlet, ohne dass der Begriff fällt.

Der Komplex von Einsamkeit und Melancholie erschließt sich jedoch nur, wenn man die diversen Spiegelungen und Nuancen durch die drei letzten Jahrtausende verfolgt und nachvollzieht. Einen mikrokosmischen Eindruck der Vielschichtigkeit dieser Problematik ist bereits zu erkennen, wenn man sich dem Oeuvre eines der großen Repräsentanten der Einsamkeitsdichtung oder des Einsamkeitsdenkens widmet, etwa aus der englischen und französischen Romantik in Verknüpfung mit den deutschen Spätromantikern bis in den Expressionismus.

Die außerordentliche Wandelbarkeit der Begriffe Einsamkeit und Melancholie wird besonders offensichtlich, wenn man sich bewusst macht, dass nicht nur die „Einsamkeit“ heroisiert und zelebriert wird, um in der „geselligen Einsamkeit“ zu gipfeln. Auch die Leid stimulierende, tieftraurige Schwermut, die „Melancholie“, erreicht den gleichen paradoxen Höhepunkt im deutschen Barock und mutiert als „süße Melancholey“ in ein Lebensfreude verkündendes Gegenbild. Die Einsamkeit, mehr oder weniger deutlich melancholisch gefärbt, ist eines der faszinierenden Themen der Weltliteratur. Als Motiv ist es mit den großen ewigen Themen der Literatur Liebe und Tod eng verwandt und teilt mit ihnen die Tiefe, die Intensität des Gefühls, die nähe des Tragischen und das zutiefst Menschliche. Künstler, die ein Werk schaffen, ziehen sich in die Schaffenseinsamkeit zurück, Maler ebenso wie Komponisten oder Dichter. Die Einsamkeit ist ein Wesenselement des Künstlers, der geistigen Menschen und des Menschen überhaupt. Denn in der Einsamkeit ist der Mensch sehr nahe am Selbst und in der Eigentlichkeit; in ihr ist er sich selbst am nächsten. Unzählige Köpfe der Kultur- und Geistesgeschichte haben die Einsamkeit evoziert und mit Lobenshymnen überschüttet.

Hier sei, sozusagen als große Ouvertüre zu einer leitmotivischen Symphonie mit unendlichen Variationen, ein Text zitiert, den Octavio Paz in seine Essaykollektion „Das Labyrinth der Einsamkeit“ eingebaut hat. Dieser Passus unter dem Titel „Dialektik der Einsamkeit“ gehört zu den schönsten und tiefsinnigsten, was je über Einsamkeit geschrieben wurde: „ Die Einsamkeit: das Gefühl und Bewusstsein, allein, der Welt und sich selbst fremd, ja von sich selbst getrennt zu sein, ist kein ausschließlich mexikanischer Seelenzustand. Alle Menschen fühlen sich irgendwann einsam; alle Menschen sind irgendwann einsam. Leben heißt sich trennen von dem, was wir waren, um uns in das zu verwandeln, was wir in einer unbekannten Zukunft einmal sein werden, und die Einsamkeit ist der tiefste Grund der Conditio humana. Der Mensch ist das einzige Wesen, das sich einsam weiß, das einzige, das nach dem ‚andern’ sucht. Seine Natur – sofern man bei ihm überhaupt davon sprechen kann, da er sich selbst gefunden hat, indem er nein zur Natur sagte – ist ein einziges Streben, sich selbst im ‚anderen’ zu verwirklichen. So ist der Mensch Sehnsucht und Suche nach Kommunikation. Immer wenn er sich seiner selbst bewusst ist, fühlt er die Abwesenheit des ‚anderen’: die Einsamkeit. (…) Die Sprache des einfachen Volkes spiegelt diesen Dualismus in der Gleichsetzung von Einsamkeit und Leid. Auch Leid der Liebe ist Leid der Einsamkeit. Kommunion und Einsamkeit, Liebe und Sehnsucht widersprechen und ergänzen sich zugleich. Die erlösende Kraft der Einsamkeit lässt aber auch ein dunkles, lebendiges Gefühl der Schuld durchscheinen: der einsame Mensch ist ‚aus der Hand Gottes gefallen’, Einsamkeit wird zu Leid, Verdammnis, Sühne, Strafe, sie verheißt aber auch das Ende des Exils. Alles Leben ist von dieser Dialektik erfüllt. Geburt und Tod sind Erfahrungen der Einsamkeit: Einsam werden wir geboren, und einsam sterben wir. Nichts ist folgenschwerer als jenes erste Eintauchen in die Einsamkeit der Geburt und der jähe Sturz in den unbekannten Tod. (…) Von der Liebe aber – die als Lust Hunger nach Kommunion, Hunger nach Untergang und Tod wie nach Wiedergeburt ist -, verlangen wir, sie möge uns ein Stück wahrhaftiges Leben, wahrhaftigen Tod schenken. Wir verlangen weder Glück noch Ruhe von ihr, sondern nur einen Augenblick – einen einzigen Augenblick – der Lebensfülle, in dem die Widersprüche sich auflösen und Leben und Tod, Zeit und Ewigkeit verschmelzen. Dunkel erraten wir, dass Leben und Tod nur Bewegungen, widerstreitende und zugleich ergänzende, der gleichen Wirklichkeit sind. Schaffen und Zerstören werden im Liebesakt eins: für den Bruchteil einer Sekunde ahnt der Mensch ein vollkommenes Dasein.“

Melancholie. Hypochondrie. Acedia

Doch was ist eigentlich „Melancholie“? Wie verhält sie sich zu Hypochondrie und zur Acedia?

Die Phänomene sind als Emanationen des Geistes, der sich mit dem individuellen seelischen Zustand auseinandersetzt, mit Sicherheit so alt wie der denkende Mensch selbst. Im alten Testament sind sie bereits beschrieben. Der Begriff der Melancholie hingen taucht erst in der griechischen Antike auf. Das Wort Melancholie wird mit „Schwarzgalligkeit“, übersetzt. Über das Schrifttum von Hippokrates von Kos, dem Ahnherr der empirischen Medizin, ist es in die europäische Geistesgeschichte eingegangen. Bisher ist in Hunderten von Studien und Darstellungen der Versuch unternommen worden, die Melancholie – das heißt primär das melancholisch Gestimmtsein oder das Gestimmtsein zur Melancholie – in Abgrenzung von der Einsamkeit, der Vereinsamung, der Hypochondrie, der Acedia sowie der Begleitphänomene Langeweile und Verzweiflung differenziert zu beschreiben. Das Resultat der Differenzierung, an der leider kein Weg vorbei führt, sind unzählige Begriffe und Auffassungen, die das eigentliche Phänomen eher verdunkeln statt es zu erhellen. Selbst der Fachmann muss nach jahrelanger Beschäftigung mit der Materie, aus der Differenziertheit zurückkehren und die Sache auf den Punkt bringen. Das bedeutet, er muss einen hermeneutischen Begriff vermitteln, der den schnellen und effizienten Zugang zur Problematik ermöglicht.

Melancholie als Charakteristikum des genialen Menschen. Zur Phänomenauffassung im hippokratischen Umfeld und bei Aristoteles. Der melancholische Typus in der vorsokratischen Philosophie. Empedokles und Demokrit.

 

Neben dem Sanguiniker, dem Phlegmatiker und dem Choleriker, Typenbezeichnungen, die sich bis heute erhalten haben, stellt der „Melancholiker“ den vierten und herausragenden Typus dar, denn schon bald nach Hippokrates wird man den Hang zur Melancholie und Genialität miteinander verknüpfen und oft sogar gleichsetzen.

Als erster wird Aristoteles in seiner Schrift „Problemata“ – in Auseinadersetzung mit den Schriften seines wissenschaftlichen Vorbilds Hippokrates im Rahmen der Genie-Wahnsinn-Thematik – die  in der Forschung viel zitierte Frage aufwerfen: “Wie kommt es, dass alle genialen Persönlichkeiten in der Philosophie, Politik, Dichtung und Kunst offensichtlich Melancholiker sind, und manche in solchem Grade, dass sie sogar von den Krankheiten ergriffen werden, welche aus der schwarzen Galle herrühren?“ Aristoteles war – wie ihr Begründer Hippokrates – ein Anhänger der psychosomatischen Lehre. Der menschliche Körper wird als Einheit von Psyche und Soma gesehen, wobei zwischen Seele und Leib Wechselwirkungen bestehen. Die Seele, das psychische Befinden, beeinflusst den Körper, während der Körper die seelische Gestimmtheit determiniert. Das Mens-sana-Bewußtsein ist eine Ableitung davon. Die im Corpus Hippocraticum beschriebenen „Melancholokoi“ würde man heute dem manisch-depressiven Krankheitsbild zuordnen, wobei Trübsinn, Trauer, Ängstlichkeit, Hypochondrie Menschenscheu typische Symptome wären.

Besonders beeindruckend und außerordentlich wirkungsreich bis in unsere Tage war jedoch nicht das Diagnostizieren der pathologischen Komponente in der Melancholie durch Aristoteles, sondern seine Assoziation von Melancholie und Genie, einer Verknüpfung aus welcher im 18. und 19. Jahrhundert die These von Genie und Wahnsinn erwachsen wird. Dieses aristotelische  Paradigma wird, wie noch zu zeigen ist, manche Geister durch die Jahrhunderte beschäftigen und auch Denkern wie Marsilio Ficino die Auseinadersetzung mit dem Phänomen Einsamkeit und Melancholie schwer machen. Generell aber wird sich eine Richtung herauskristallisieren. Je mehr sich das Phänomen Einsamkeit ins Negative neigt und sich hin zum Pathologischen

verschiebt, also je eindeutiger die tatsächliche Melancholie durchbricht, desto intensiver ist die denkerische und künstlerische Auseinandersetzung mit der Einsamkeit als Melancholie. Ein autotherapeutischer Prozess setzt ein. Am eindeutigsten vollzieht er sich in der Lyrik.

Immanuel Kant hält in seiner anthropologischen Abhandlung „Charakteristik“ an den vier hippokratischen Einteilungen fest und beschreibt  das sanguinische Temperament als das Leichtblütige, den zur Melancholie Gestimmten als den Schwerblütigen, den Choleriker als den warmblütig Hitzigen und den Phlegmatiker als den kaltblütig Affektlosen. „Der zur Melancholie gestimmte (nicht der Melancholiker; denn das bedeutet einen Zustand, nicht den bloßen Hang zu einem Zustande) gibt allen Dingen, die ihn selbst angehen, eine große Wichtigkeit; findet allerwärts Ursache zu Besorgnissen und richtet seine Aufmerksamkeit zuerst auf die Schwierigkeiten“. (Kant, S.629) Der ihm entgegen gesetzte Sanguiniker hingegen „ ist sorglos und von guter Hoffnung“.

Kants Abgrenzung der Melancholie als Zustand von dem Gestimmtsein zur Melancholie ist von besonderer Bedeutung und für das richtige Verständnis des Phänomens unverzichtbar. Die Krankheit „Melancholie“, ein Zustand exzessiver Niedergeschlagenheit und Trauer, tiefster Depression und Apathie, ist seit ihrem Bekanntwerden vor Jahrtausenden konstant und keiner Weiterentwicklung unterworfen. Das Zur-Melancholie-Gestimmtsein hingegen ist im kontinuierlichen Wandel begriffen. Seine Erscheinungsform ist oft die „Einsamkeit“ in all ihren Spiegelungen, Schattierungen und Wertungen, es kann aber auch unabhängig von ihr auftreten.

In seiner „Anthropologischen Didaktik“ geht Kant auf die „Gemütskrankheiten“ ein und definiert den gleichen Zustand mit einem anderen Begriff, nämlich als Tiefsinningkeit, wobei Kant teils zu einer eigenen Begrifflichkeit tendiert, teils die Terminologie seiner Zeit gebraucht : „Die Tiefsinnigkeit (melancholia) kann auch ein bloßer Wahn von Elend sein, den sich der Trübsinnige (zum Grämen geneigte Selbstquäler schafft. Sie ist zwar selber nicht die Gemütsstörung, kann aber wohl dahin führen.“ (K 528)

In der heutigen psychopathologischen Diagnostik spricht man, wenn man Melancholie meint, in der Regel von endogenen Depressionen oder manisch-depressiven Verhalten. Kant hat auch diese Begriffe  weitgehend antizipiert.

Hypochondrie

In seinem Kapitel „Von den Gemütskrankheiten“ setzt er die Definition der Melancholie von der „Grillenkrankheit (Hypochondrie) und dem „gestörten Gemüt (Manie)“ ab. Da in der Melancholiediskussion durch die Jahrhunderte – vor allem in Robert Burtons „The Anatomy of Melancholy von 1621 und Johann G. Zimmermanns Mammutwerk in vier Bänden „Über die Einsamkeit“, ab 1784 erschienen, – die Begriffe Melancholie und Hypochondrie weitgehend identisch gebraucht und undifferenziert eingesetzt werden, erscheint Kants alles andere als trockene Beschreibung des Hypochonders an dieser Stelle sinnvoll. Kant stellt fest: „Die Krankheit des Hypochondrischen besteht nun darin: dass gewisse innere körperliche Empfindungen nicht sowohl ein vorhandenes Übel im Körper entdecken, als vielmehr es nur besorgen lassen und die menschliche Natur von der besonderen Beschaffenheit ist ( die das Tier nicht hat) durch Aufmerksamkeit  auf gewisse lokale Eindrücke das Gefühl derselben zu verstärken oder auch anhaltend zu machen; da hingegen eine entweder vorsätzliche oder durch andere zerstreuende Beschäftigungen  bewirkte Abstraktion jene nachlassen und, wenn die letztere habituell wird, gar wegbleiben macht. Auf solche Weise wird die Hypochondrie, als Grillenkrankheit, die Ursache von Einbildungen körperlicher Übel, von denen sich der Patient bewusst ist, dass es Einbildungen sind, von Zeit zu Zeit aber sich nicht entbrechen kann, sie für etwas Wirkliches zu halten, oder, umgekehrt, aus einem wirklichen körperlichen Übel ( wie das der Beklommenheit aus eingenommenen blähenden Speisen nach der Mahlzeit) sich Einbildungen von allerlei bedenklichen äußeren Begegnissen und Sorgen über sein Geschäfte zu machen, die sobald verschwinden, als, nach vollendeter Verdauung, die Blähung aufgehört hat. – Der Hypochondrist ist ein Grillenfänger (Phantast) von der kümmerlichsten Art: eigensinnig, sich seine Einbildungen nicht ausreden zu lassen, und dem Arzt immer zu Halse gehend, der mit ihm seine liebe Not hat, ihn auch nicht anders als ein Kind (mit Pillen aus Brotkrumen statt Arzneimitteln) beruhigen kann; und wenn dieser Patient, der vor immerwährendem Kränkeln nie krank werden kann, medizinische Bücher zu Rate zieht, so wird es vollends unerträglich; weil er alle die Übel in seinem Körper zu fühlen glaubt, die er im Buche liest. Zum Kennzeichen dieser Einbildungskrankheit dient die außerordentliche Lustigkeit, der lebhafte Witz und das fröhliche Lachen, denen sich dieser kranke bisweilen überlassen fühlt, und so das immer wandelbare Spiel seiner Launen ist. Die auf kindische Art ängstliche Furcht vor dem Gedanken des Todes nährt diese Krankheit. Wer aber über diesen Gedanken nicht mit männlichem Mut wegsieht, wird des Lebens nie richtig froh werden.“ (K 526) Bezeichnend ist, dass die von Kant festgehaltenen Symptome durch die Jahrhunderte konstant blieben und auch den modernen Hypochonder von heute genau definieren.

Acedia

In einer neueren Dissertation über Evagrius Ponticus, dem Ahnherr der Acedia-Thematik, wird der Versuch einer Definition der Acedia unternommen:„ Für den Begriff der Acedia gibt es keine adäquate moderne Formulierung. Religiöse Unlust, Gleichgültigkeit, geistliche Trägheit oder Faulheit, Langweile, Überdruss, Schwermut oder Melancholie, Leere und Rückzugsverhalten werden zwar oft zur Umschreibung verwendet, treffen aber jeweils nur einige Symptome. So ist es zweckmäßiger, Acedia als Bezeichnung beizubehalten – eine Lösung, der schon Johannes Cassian nach einigen Übertragungsversuchen den Vorzug gab.“ (R. Augst, S.2) Hier wird deutlich, dass in der geistesgeschichtlichen Diskussion, oft schon im Primärwerk, ein undefinierter Begriff mit einem anderen ebenso nebulösen, intransparenten Begriff umschrieben wird. Durch die Gleichsetzungen der Phänomene untereinander oder mit peripheren Epiphänomenen wird keine weiterführende Klarheit erreicht und die gesamte Diskussion dreht sich im Kreis.

Was versteht die katholische Theologie unter Acedia? Thomas von Aquin und Bonaventura, und mit ihnen fast die gesamte Hochscholastik, sehen in ihr – unter den sieben Hauptsünden – die Sünde schlechthin. Sie ist eine tödliche Sünde. Wegen der Schuld, die der Mensch mit ihr auf sich lädt, führt sie wie ein todbringendes Gift zum geistlichen Tod, welcher dem Menschen das Leben der Gnade nimmt. Sie beraubt ihn der Nähe und Gegenwart Gottes. Sie schneidet den Menschen vom gnadenhaften Lebensstrom ab, der von Christus kommt. Acedia bedeutet die Auflösung der Verbindung eines Gliedes zum Leib Christi und damit seinen geistigen Tod.( Jehl 218) Nach heutigem Forschungsstand war Evagrius Ponticus (345 – 399) der erste Gelehrte, der das Phänomen beschrieb und den Begriff in Umlauf brachte. Evagrius Ponticus lebte als christlicher Anachoret in den Wüsten Ägyptens. Er genoss den Ruf eines Meisters, eines Weisen unter den Heiligen. Er kannte die Heimsuchungen des Lebens in extremer Einsamkeit aus eigener Erfahrung. In seinem heute noch spärlich erforschten Schrifttum, das teilweise nur in syrischer Sprache zugänglich ist, finden sich zahlreiche Ausführungen zur Einsamkeit und zur Bewältigung der Traurigkeit. Die Acedia- Situation fängt den Augeblick ein, den der Eremit, Mönch, Mystiker oder fromme Christ zur Mittagszeit durchlebt, wenn die Sonne niederbrennt und kein Schatten da ist.  Es ist die stillste Stunde, die auch Nietzsche in Zarathustra als zentrales Motiv der Schwermut wachrufen wird, das nunc stans. Die Situation, wenn der Geist der Schwere herabkommt, alles lähmt und die Meditation, also die konstruktive, konkrete Auseinandersetzung mit Gott, und mit ihm auch den Weg zur unio mystica, hemmt, gefährdet oder zerstört. Nach Lehre von Evagrius Ponticus ist die Acedia, (Akedia), (Verdrossenheit) ein Lastergedanke. Er wird von dem so genannten Mittagsdämon gesandt, um die Seelen der Einsiedler zu befallen, und zu verwirren, sie abzulenken und in zweifelhafte Gedanken zu verstricken. Wer von der Acedia heimgesucht wird, verfällt der Schläfrigkeit, der Langeweile und schließlich dem Selbstzweifel, der In- Frage -Stellung seiner Existenz als Mönch. Die Acedia wird zur inneren Katastrophe, die den Mönch sein asketisches Ringen aufgeben lässt. (Jehl 9) Johannes Cassian (360- 435), ein Schüler des Evagrius, hat diese Thesen weitgehend als eigene an das westliche Mönchtum weiter gegeben, ohne jemals auf seinen Lehrer Evagrius zu verweisen. Im 10. Buch über Klostereinrichtungen schreibt Cassian: „ Meist plagt den Mensch um die sechste Stunde die Wirkscheu, die ihn zur festgesetzten Zeit befällt wie eine Art Fieber“. In der gleichen Schrift greift Cassian die Erkenntnis seines Lehrers auf, indem er darauf verweist, das die Acedia-Situation überwunden im Ausharren werden muss: „ Die Erfahrung hat bewiesen, dass man die Wirkscheu bekämpft, nicht indem man vor ihr ausweicht und flieht, sondern ihr widersteht und sie überwindet.“ Diese Positionen in Verbindung mit der Aussage des Johannes von Damaskus, die Acedia sei eine gewisse beschwerende Traurigkeit, rezipiert Thomas von Aquin in der 35. Untersuchung über die Acedia in seinem Hauptwerk „Summe der Theologie“. Thomas von Aquin hat kein Zweifel daran, dass diese Wirkscheu, dieser Ekel am Werktun, dieser Überdruss und diese Trägheit, eine Traurigkeit über ein geistiges Gut und somit Sünde, Todsünde, Laster und Hauptlaster ist. „ Bisweilen aber dringt sie bis zur Vernunft durch, die in die Flucht einstimmt und in den Schauer und in den Abscheu vor dem göttlichen Gut, wobei das Fleisch gegen den Geist die volle Überhand hat. Es ist klar, dass dann die Wirkscheu Todsünde ist.“ (178) Die Acedia, die jedem frommen Gottsuchenden die Möglichkeit zur unio mystica nimmt, ist sie auch aus der Sicht der eines Thomas von Aquin ein Hauptlaster, das ein Reihe weiterer Begleiterscheinungen und Folgelaster nährt und nach sich zieht. Die wichtigsten dieser Erscheinungen sind die Bosheit, die Ränkesucht, die Kleinmütigkeit, die Verzweiflung (desperatio), die Lahmheit gegenüber den Geboten du die Ausschweifung im Besinn. Bei einzelnen Repräsentanten der Scholastik vor, neben und nach Thomas steht die Tristitia für die Acedia. Hauptbegriff und Unterbegriff variieren.

Worin besteht nun der Unterschied zur Melancholie? In dem Moment der Freiheit des Individuums. Während die Melancholie einen krankhaften Zustand darstellt, in welchen der Individualwille bereits tot ist, kann der von der Acedia Bedrohte sich noch zur Wehr setzen und diese durch innere Standhaftigkeit abwehren. Ist sein Fleisch hingegen schwach wie sein Wille und verfällt er ihr, dann begeht er eine schwere Sünde, die andere nach sich zieht. Der Mönch oder Christ, der zaghaft wird und zweifelt, um schließlich von Gott und der Kirche abzufallen, verhält sich wie ein Deserteur in der Schlacht. Die Folge davon ist, das irgendwann, denkt man diese Linie konsequent zu Ende, alles wankt und die gesamte Institution Kirche zusammenbricht. Aus diesem Grund galt die Acedia als Todsünde und wurde viel vehementer bekämpft als die an sich harmlose Melancholie.

Lebe zurückgezogen! – Das Einsamkeitsverständnis der Antike in der Epoche des Hellenismus, bei einzelnen Repräsentanten der Stoa und des Epikureismus

                                                                                   Weh! einsam! einsam! einsam

                                                                                  Hölderlin, Der Tod des Empedokles

Die Beschäftigung mit anthropologischen Fragestellungen und Phänomenen kann bis in die frühesten Anfänge der abendländischen Philosophie zurückverfolgt werden. Die sieben Weisen und andere Vorsokratiker streifen bereits die Materie. Das anthropozentrische Denken vieler Sophisten intensiviert es weiter. Einzelne eigenwillige, dunkle Gestalten, die im Wahn enden, wie Empedokles, repräsentieren gar den Typus des Melancholikers. Aber erst Aristoteles wird der Philosoph sein, der die Melancholie in höhere Sphären erheben wird.

Im krassen Gegensatz zu heute, wo man die Philosophie in der Regel in sterile akademische Hörsäle und Seminarräume verbannt und sich das Denken, fernab vom tatsächlichen Leben, im entrückten Elfenbeinturm vollzieht, war das Philosophieren für die Alten Griechen eine öffentliche Angelegenheit. Die zahlreichen Sophisten, Sokrates, Kyniker wie Diogenes von Sinope wie auch die großen Philosophen der Antike, Platon und Aristoteles, philosophierten auf öffentlichen Plätzen, im Bereich der Agora oder auf dem Markt. Andere Denker wie Epikur, dessen Ethik und Lebensphilosophie weit in das antike Rom hineinwirkte und zahlreiche Philosophen bis in die Neuzeit entscheidend beeinflusst hat, mieden die breite Öffentlichkeit und zogen sich mit ihren Anhängern in ein geeignetes, natürliches Umfeld zurück, in den Garten, um dort ganz im Sinne des Diktums :Lebe im Verborgenen philosophieren zu können. Epikurs Ausspruch Lebe zurückgezogen steht für eine geistige Haltung, die von Selbstgenügsamkeit und individueller Freiheit bestimmt ist nach dem Motto des Meisters: „Die schönste Frucht der Selbstgenügsamkeit ist Freiheit“.

Dieser selbst gewählte Rückzug in relative Einsamkeit entspringt dem Drang der Epikureer, frei von äußeren Einwirkungen zu philosophieren, also ungehindert durch gesellschaftliche Verpflichtungen und alltägliche Schranken nach der Wahrheit suchen zu wollen. Frei sein und frei philosophieren kann nach Epikur nur jener, der sich von den vielfältigen Zwängen der Gesellschaft befreit, speziell von politischen Ämtern und sonstigen Vereinnahmungen, und nach den eigentlichen Werten strebt: „Befreien muß man sich aus dem Gefängnis des Alltagsgetriebes und des Staatslebens“.

Bei den älteren Repräsentanten der Stoa, namentlich bei Zenon und Chrysipp, deren Denken dem Epikureismus teils verwandt ist, teils in vielen Punkten oft geradezu antithetisch entgegensetzt ist, wird der Rückzug in die Abgeschiedenheit und äußere Einsamkeit zwar auch angestrebt, doch lehnen diese öffentliche Aufgaben im Staatsapparat nicht grundsätzlich ab. Dessen ungeachtet und anders als ihre späten Nachfahren Cicero und Seneca, die sich gesellschaftspolitisch einmischen werden, bekleideten weder Zenon noch Chrysipp ein öffentliches Amt, um sich in der Zurückgezogenheit voll der Wahrheitsfindung widmen zu können.

Während sich der Blick der Stoiker auf die universelle Harmonie richtet, die der zum Selbst gelangte Weise anstrebt, stets bemüht, dem Allgemeinwohl zu dienen, nutzt Epikur den Rückzug in die Abgeschiedenheit des Gartens, um jene Seelenruhe zu erreichen, die Voraussetzung ist, um ein glückliches Leben zu führen. Das Los des Einzelmenschen im Diesseits, das es glücklich und harmonisch als großes Existenzbewältigungsprogramm aus der Einsamkeit heraus zu gestalten gilt, ist ihm dabei nahe liegender und wichtiger als das utopische Fernziel einer glücklichen Menschheit. Alles Tun und Trachten seiner psychologisierenden Ethikfundierung wird darauf ausgerichtet sein, den Menschen in die Freiheit zu setzen, indem er ihm die destruktiven Ängste vor dem Sterben, vor Schmerz und Unglück nimmt – bis hin zur Überlistung des Schicksals, das bei den Stoikern gnadenlos herrscht.

 

Der Rückzug in den ruhigen Hafen – Einsamkeit und Gesellschaft bei Marcus Tullius Cicero

Oh Philosophie, Lenkerin des Lebens, Entdeckerin der Tugend, Siegerin über die Laster! Was wären nicht nur wir, sondern das Leben der Menschen ohne dich?

Cicero, Gespräche in Tusculum, 5. Buch

 

 

Es sind im Wesentlichen zwei philosophische Schriftsteller, die Epikurs Appell zum Rückzug in die Sicherheit und Geborgenheit des Hafens folgen. Cicero zunächst, der Eklektiker, der von Epikur nur das übernehmen wird, was ihm gerade beliebt, ohne größere Skrupel das Vorbild in unzähligen Polemiken anzugreifen und zu diffamieren; dann, Seneca, der die Einsamkeitsdiskussion vertiefen und über weite Teile seines Werkes verstreut entwickeln wird.

Marcus Tullius Cicero, der große Staatsmann und Redner, als wirkungsreicher Denker ein Eklektiker, erleidet das Schicksal manch anderer Philosophen und Dichter der Antike. Er wird im Verlauf seines langen Politikerlebens das Exil kennen lernen und die Einsamkeit des Exils. Doch erst viel später wird er – von der Schaltzentrale der Macht verdrängt – in der eigenen Villa in Tusculum, in der heutigen Weingegend Frascati, in selbst gewählter Zurückgezogenheit zahlreiche Schriften philosophischen Inhalts verfassen, darunter auch die Briefe aus Tusculum, in welchen er sich auch mit Phänomenen wie Einsamkeit, Vereinsamung, Trauer, Kummer und Melancholie auseinandersetzt; existentielle Phänomene, die ihn, den langjährig gesellschaftspolitisch Engagierten, nach dem Tod seiner Tochter besonders berühren. Wie Seneca nach ihm wird Cicero aus der Not eine Tugend zu machen und das Leben des Weisen in relativer Abgeschiedenheit nonverbal zum positiven Phänomen stilisieren, indem er es praktiziert. Er wird die innere Einsamkeit des in sich ruhenden Philosophen in erstaunlicher Nähe zu seinen Nachfahren Mark Aurel und viel später Petrarca zur condiotio sine qua non geistig-künstlerischen Schaffens erheben, zur Schaffensbedingung schlechthin– zur kreativen Einsamkeit und aus der musischen Situation heraus konkret im Gespräch philosophieren und die Essenzen niederschreiben.

Wenn der Begriff Otium – otio – fällt, und er wird von Cicero oft gebraucht, ist entweder der Rückzug ins Privatleben gemeint oder der Zustand von Muße, Ruhe und Kontemplation, der in dem zurückgezogenen Privatleben erreicht werden soll. Das Privatleben des Schriftsteller ist ausgefüllt von Philosophie: „ Zu dir fliehen wir, von dir erbitten wir Hilfe un dir vertrauen wir uns an, früher schon zum großen Teile, jetzt ganz und vollständig.“ Als Cicero diese von Pathos erfüllten hymnischen Zeilen niederschrieb, war er bereits in ruhigen Hafen angekommen. Er zog sich zurück, um sich voll und ganz der Philosophie zu ergeben, um geistige Gespräche zu führen, um zu schreiben. Doch ist dieser Rückzug in sein Otium nicht mit dem Einsamkeitsverständnis später Nachfahren wie Petrarca und Montaigne vergleichbar. Während diese sich für lange Zeit ganz in sich selbst zurückziehen und, zum Selbst gelangt, aus sich heraus neue geistige Welten entwerfen, kultiviert Cicero in seinem Zurückgezogensein nicht die reine Einsamkeit, sondern den Dialog und das Gespräch mit anderen Interessierten, nicht anders als einst im Garten des Epikur. Die Gespräche aus Tusculum entstanden in Zweisamkeit, im objektivierenden Dialog. Es verwundert deshalb nicht, dass Cicero seine Schaffensbedingung, die auf den ersten Blick als Einsamkeit, als solitudine, erscheint, nicht explizit als Sujet thematisiert, sondern die musische Situation als solche einfach hinnimmt und sie mit denkerischen Inhalten allgemeinphilosophischer, psychologischer und soziologischer Natur ausfüllt.

Auch bei Horaz, einem anderen Schäflein aus der Herde des Epikur, wie er sich gern selbst charakterisierte, bei Vergil, bei dem Tragödiendichter Seneca und anderen Dichtern der Zeit, erscheint die Einsamkeit immer wieder als dominantes Motiv. Am eindeutigsten ist das Einsamkeitserlebnis jedoch bei Ovid ausgeprägt, der die unfreiwillige Einsamkeit der Verbannung in ihrer extremsten Form kennen lernen muss.

Verbannt und vereinsamt am Ende der Welt – Ovids melancholische Dichtung vom Pontus

Verbannung – ein Schreckenswort der Antike. Viele hervorstechende Köpfe antiker Geschichte und Geistesgeschichte wurden gezwungen, einen Teil ihres Lebens im unfreiwilligen Exil zu verbringen. Dem Griechen Aristoteles blieb ein solches Schicksal ebenso wenig erspart wie den edlen Römern Cicero, Seneca – und Ovid.

Tusculum, wo der einsame, doch nicht vereinsamte Cicero nach seinem eigentlichen Exil meditierte, war nicht allzu weit von Rom entfernt. Doch Tomis, wohin Ovid von Augustus verbannt worden war, weil diesem Ovids gut gemeinte Liebesanleitung in Versen, die Ars Amatoria, missfiel, lag am Ufer des Schwarzen Meeres, am Pontus Euxinus, also an der Grenze des zivilisierten Weltreiches – am Ende der Welt. Dorthin verbannt zu sein und dort im fernen Exil und unter fremden Völkern nach langen Jahren leidvollen Ausharrens letztendlich sterben zu müssen bedeutete Bestrafung, maximale Strafe.

Wenn Ovid am Ufer stand und mit müden Blick die Brandung beobachtete, traurig wie jener vereinsamte Mönch am Meer in dem Gemälde von Caspar David Friedrich; wenn er auf die See hinaus starrte, in der Hoffung, Kaiser Augustus könne sich doch noch erbarmen und ihn, den gefeierten Dichter der Metamorphosen, begnadigen und heimkehren lassen, erlebte er die Einsamkeit des Goldstrandes nicht mehr als Genuss, sondern nur noch als grenzenlose Vereinsamung, die sich bisweilen zur tiefen Melancholie steigerte. Der locus amoenus einer an sich idyllischen Natur wandelte sich unter Zwang und mangelnder Freiheit zum Schreckensort, zum locus terribilis, an welchem auch keine heitere Kunst entstehen konnte. Die Früchte dieser Zeit der Trauer und Verzweiflung sind die Tristia, einsame Elegien eines einst heiteren und lebensfrohen Dichters, der nunmehr als Verbannter fern der Heimat auf den Tod wartet.

Tomis, heute eine Großstadt am Schwarzen Meer Constanta geheißen, war zu Ovids Zeiten eine kleine Hafenstadt, die neben Histria und Calatis bereits vor Jahrhunderten als Griechensiedlung gegründet worden war. Sie lag an der äußersten Grenze des Römischen Weltreiches, bereits jenseits eines imaginären Limes und damit jenseits der zivilisierten Welt. In jenen Gebieten lebten Daker, Geten und Sarmaten, Völker, die von Rom zu den Barbaren gezählt wurden. Das von Burebistas begründete Dakerreich, einige Jahrzehnte vorher noch bis Makedonien reichend, war um 8 n. Chr., als Ovid den Schwarzmeerstrand erreichte, bereits zerfallen und Decebalus, der andere Führer der Daker, der Rom mehrfach militärisch trotzen sollte, war noch nicht einmal geboren. In jener entlegenen Ecke des Weltreiches sollte Ovid, der gefeierte Dichter Roms, für etwas büßen, was er nicht getan hatte- nicht viel anderes als Cicero vor ihm und Seneca nach ihm, weil es dem Imperator so gefiel. Augustus hatte wohl selbst den Verbannungsort ausgewählt und verfügt, dass der Dichter, der zudem noch einiges gesehen hatte, was er besser nicht hätte sehen sollen, mit dem Schiff an den entlegenen Ort brachte, wo kaum einer Lateinisch oder Griechisch sprach und wo selbst die Natur dem sensiblen Dichter feindselig entgegentrat. Ovid nahm sein Schicksal an und ertrug es mit stoischer Souveränität bis zu seinem Tod am Verbannungsort. Doch er versank nicht in apathischer Melancholie und endgültiger Resignation, sondern er blieb kreativ und fügte seinem bereits bedeutenden poetischen Werk, von dessen Unsterblichkeit er selbst in den tristen Tagen am Pontus überzeugt blieb, zwei weitere Höhepunkte literarischen Schaffens hinzu: die Tristia und die Epistulae ex Ponto. Beides sind Apologien seiner Existenz und seines Künstlertums; beide rechtfertigen sein früheres Handeln, sein Leben und Leiden als Verbannter am fremden Meeresstrand; und beides sind einzigartige Zeugnisse des Einsamkeitserlebnisses und der Melancholieerfahrung in der Antike von unvergleichlicher, nie gekannter Intensität.

Im dritten Buch der Lieder der Trauer, die von den Tränen des Dichters getränkt sind, fängt Ovid die exponierte Leidsituation des ungerecht Verbannten ein, indem er sich als ein von allen positiven Werten abgeschnittener Einsamer darstellt, der physisch und psychisch angeschlagen vor der Verzweiflung steht:

Falls du vielleicht dich verwundern solltest, weshalb eines andren

Finger den Brief von mir schrieben, vernimm: ich war krank,

krank am äußersten Rand einer Welt, die mir nicht bekannt ist,

war ich verzweifelt beinah, ob ich noch würde gesund.

Kannst du dir denken, wie jetzt, da ich liege in grausiger Gegend,

zwischen den Geten es mir und den Sarmaten zumut?

Weder das Klima ertrag’ ich, noch schmeckt mir das hiesige Wasser,

und es missfällt auch das Land selbst mir, ich weiß nicht wieso;

kein geeignetes Haus noch Speise, die nützlich dem Kranken;

keiner erleichtert die Pein durch apollinische Kunst,

auch kein Freund ist da, der mich tröstet oder die träge

weitergleitende Zeit mir durch Erzählen vertreibt.

Müde liege ich so in der Ferne bei fremdesten Völkern:

jetzt, da ich leidend bin, spür’ ich, was alles mir fehlt;

alles zwar fällt mir dann ein, doch du, Frau, gehst über alles,

mehr als zur Hälfte gehört dir meines Herzens Bereich. (Tristia, III, 3)

Der gefeierte Dichter von einst, fern von Rom, von allem abgeschnitten, verharrt allein in der Krankheit – Isolation und Deprivation werden ihm schmerzlich bewusst. Die Entlegenheit in der bedrohlichen, einschränkenden Eiswüste macht ihm zu schaffen. Er hat das Gefühl, tatsächlich am Ende der Welt angelangt zu sein; eine Empfindung, die ihm noch bewusster wird, je mehr er darüber nachdenkt. In den Briefen wird die Beklagung der Isolation erneuert und verstärkt, wobei Ovid eine moralische Wertung des Verbannungsortes einfließen lässt:

Da ich indessen das Land entbehre, wo einst ich geboren,

glaubt’ ich, ein menschlicher Ort werde mein Aufenthalt sein:

einsam lieg’ ich am Strande des äußersten Endes der Erde,

wo der Boden bedeckt bleibt von beständigem Schnee; (Epistulae I, 3)

Einen Menschen für längere Zeit seines vertrauten Umfelds, seiner Heimat zu berauben, ihn zu zwingen, in die Fremde zugehen, eine seit dem Bestehen der griechischen Polis viel geübten Praxis, ist an sich schon unmenschlich. Noch inhumaner aber ist die Verbannung eines Geistes in die tatsächliche Wüste, an einen lebensfeindlichen Ort ohne Frieden, wo nicht nur Äpfel fehlen und süße Trauben, Weiden am Ufer und Eichen am Berghang, sondern auch die elementaren Lebensbedingungen wie Trinkwasser, ein festes Haus und die höheren Notwendigkeiten eines hochintellektuellen Menschen und Künstlers, die dieser zum Überleben braucht. Ovid wird die in intensiver Klage formulierten Gedanken vielfach leitmotivisch wiederholen, er wird sie zur Anklage steigern und damit immer wieder auf sein ungerechtfertigtes und ungerechtes Leiden hinweisen. Fern von der Hauptstadt des Weltimperiums vermisst er vor allem die vertraute Sprache, das gepflegte Latein, die Möglichkeit der direkten Kommunikation, die gesamte Welt der Kunst, die geordnete Zivilisation, die manchen Qualen Linderung schafft, selbst in der Krankheit. Die Gegend ist ihm, dem mediterranen Menschen aus Mittelitalien, viel zu rau und abstoßend. Fast nur starres Eis und grimmige Kälte bestimmen sein Umfeld.

Selbst die Menschen um ihn herum, mit denen er sich anfangs nicht unterhalten kann, deren Sprache er aber noch erlernen wird, erscheinen ihm fremd. Er vermisst die vertraute Ansprache des Intimfreundes, die gesellschaftliche Kommunikation auf dem Forum. Und schließlich fehlt im, dem Liebenden, die ihm zugeneigte Gattin, es ist die dritte, die – wohl als Teil, der perfiden Bestrafung – in Rom zurückbleiben musste.

Ovidius Naso, der gelehrte Dichter, beklagt immer wieder den Verlust der Heimat – patria – ein Sammelbegriff für alles Wertvolle, das er zurücklassen musste, und befürchtet zugleich, seine Grabstätte werde nicht im heimischen Grund anzutreffen sein. Ovid steigert Klage und Anklage in der Hoffnung, das Herz des entrückten Kaisers doch noch erweichen zu können. Er hofft auf Milde und Gnade, auf Barmherzigkeit und letztendliche Rettung, obwohl er weiß, das Augustus in vielen Dingen willkürlich waltet und regiert, ohne Sinn für die Lamentationen eines exilierten Dichters, der sich ungerecht behandelt fühlt.

Wenn die Griechen einen ehrgeizigen Politiker, der nach der Macht griff, aus ihren Reihen entfernen und für eine Weile aus den Mauern der Stadt bannen wollten, beriefen sie ein Scherbengericht ein. Ein Ostrakismusverfahren auf dem Areopag, an welchem sich tausende Bürger beteiligen konnten, entschied dann darüber, ob ein einzelner, der potentiell die Demokratie gefährdete und zur Tyrannis strebte, für einige Zeit ins Exil geschickt wurde. War sein Einfluss später geschwunden, konnte er wieder ehrenhaft als Bürger in die Polis zurückkehren, seine Stellung einnehmen und über sein Vermögen verfügen. In Rom der Kaiserzeit hingegen entschied zeitweise nur eine Person, nämlich der Cäsar selbst, wer gehen musste, ob das oft sehr substantielle Vermögen des Stigmatisierten eingezogen werden sollte und ob dieser irgendwann heimkehren durfte. Der Akt verlief in der Regel pseudojuristisch nach Gutdünken und von politischem Kalkül und Launen gesteuert, wobei sich auch die Würdigsten im Staat den böswilligen Unterstellungen von Berufsdenunzianten nicht entziehen konnten. Cicero und Seneca mussten es erfahren – ebenso Ovid. Cicero wird noch darüber klagen, dass die Griechen im blinden Vertrauen auf das Maß auch jene viri optimi verbannten, die, fern von jeder Hybris, über den Durchschnitt hinaus ragten und damit das Mittelmaß kultivierten. Der Gedanke, zu Unrecht zum Exil verdammt zu sein und in der fernen Fremde leiden und sterben zu müssen, wurmte und kränkte alle. Doch bei Ovid, dessen Verbannung nur eine milde relegatio war, sollte offensichtlich in einem einmaligen Präzedenzfall ein abschreckendes Exempel statuiert werden. Denn offiziell wurde er für das Verfassen eines Werkes in die Einsamkeit der Wüste geschickt, dessen Edition bereits acht Jahre zurück lag – und dies von einem verdienstvollen Kaiser, der sich paradoxerweise selbst nach einem Leben in Muße und Kontemplation sehnte.

Die beiden Stoiker haben die Exilsituation gestützt auf eigenes Erleben vielfach reflektiert – und Ovid tut es auch in mächtigen Elegien, im welchen Vereinsamung und Melancholie als anthropologische Grundsituationen in vielfältigen Darstellungsvariationen Eingang finden. Cicero jammerte bisweilen– nur ein Steinwurf von Rom entfernt – im feudalen Tusculum auch über das Menschenlos. Seneca, der deutlich schwerer Getroffene, immerhin mehr als sieben Jahre auf der Insel Korsika im milden Mittelmeer. Doch Ovid wurde in eine abgelegene Winterwelt verbannt, in barbarisches Hinterlang mit Kälte, Eis und Schnee; in eine ihm unbekannte, melancholische Landschaft, wo die Fische im Wasser des Hister, so nennt er die Donau, und des Pontus festfrieren, wo der Wein zu Blöcken erstarrt und wo die Menschen, gegen die grimmige Kälte sich wappnend, statt leicht geschürzt und in Sandalen mit dicken Tierfellen umhüllt durch die Gegend ziehen. Ovids Umgebung am Schwarzen Meer ist nicht – wie man es aus heutige Sicht vielleicht vermuten würde – eine warme Urlaubslandschaft, sondern eine unwirtliche, noch nicht erschlossene Gegend, eine Eiswüste, in der ein aus dem Land der Skythen einfallender Nordwind regiert, ein Eiswind, der alles Leben bedroht und alles zu Eis erstarren lässt. Ovid wird mit einer abweisenden, eine lebensfeindliche Umwelt konfrontiert, mit einer Aura der Negativität, zu der er als Südländer nur eine permanente innere Abneigung entwickeln kann. Diese Aversion, diese geistige Diskrepanz zu seiner Außenwelt, die in immer wieder in die Isolation und Einsamkeit zurück wirft, kann Ovid nicht ablegen. Sie bleibt ein wesentlicher Grund seiner Klage:

Darüber hinaus ist nichts als unbewohnbare Kälte:

ach, wie nachbarlich nah ist mir das Ende der Welt!

Fern aber ist mir die Heimat und fern die geliebte Gefährtin,

fern ist, was nach diesen zwein mir jemals lieb war und hold. (Tristia III, 4)

Der Appell der Stoiker, die eigene Geistigkeit in die Öde des Exils mit zu nehmen und sich mit Vernunft und Verstand in Rückbesinnung darauf stets neu zu entwerfen, eine Forderung, die Ovid im Ansatz bekannt ist, lässt sich nur bedingt umsetzen. Die tatsächlich erlebte Welt ist mächtiger als der philosophische Trost:

Nie wird mein Vers einen Freund durch Nennung aus dem Verborgnen ziehen:

Es liebe geheim mich, wer von je mich geliebt!

Dennoch wisst: wie entfernt auch das Land, wohin ich entrückt ward,

werdet doch allzeit mir nahe mir bleiben im Geist,

und wie ein jeglicher kann, erleichtert irgend mein Unglück

und dem Vertriebenen entzieht nie eure helfende Hand.

Außer den Gütern des Geistes und des Herzens Besitz ist alles vergänglich. Eine Vanitas-Stimmung ergreift den Dichter, die seine innere Diskrepanz zur unerträglichen Umwelt, die er hinnehmen muss, noch steigert. Sein Leben im unfreiwilligen Exil an der Schwarzmeerküste wird von Kummer bestimmt, von einem Zustand, der schon bei den Alten Griechen zu den schlimmsten Lebenslagen zählte. Kummer, aegritudine, führt Cicero in seinem dritten Tusculum-Gespräch aus, wirkt noch verheerender auf die Psyche des Betroffenen als der Brand der Begierde oder die Angst. Er ist ein noch schwereres Leiden und zieht Verfall, Qual, Niedergeschlagenheit und Verworfenheit nach sich. Der Kummer „zerfetzt und zerfrisst die Seele und vernichtet sie ganz. Wenn wir ihn nicht beseitigen, so dass wir ganz frei von ihm werden, können wir vom Elend nicht wegkommen.“ Mit dieser Umschreibung beschreibt Cicero eigentlich die Seelenkrankheit Melancholie – in erstaunlicher Nähe zur mittelalterlichen Acedia – ohne dabei den ihm gut bekannten Begriff der Griechenwelt Melancholie zu gebrauchen. Er vermeidet den Sammelbegriff annehmend, die Griechen würden in der Melancholie den Urgrund aller Leidenschaften – sprich Krankheiten – sehen, bewusst, weil er ihm, dem differenzierenden Römer, zu unscharf erscheint: „Woher die Griechen das Wort [mania –griech.] haben, kann ich nicht leicht sagen. Doch ihr Wesen unterscheiden wir besser als jene. Denn jenen Wahnsinn, der, mit der Torheit verbunden, weit verbreitet ist, unterscheiden wir vom Irrsinn. Die Griechen wollen dies auch, aber können es mit ihren Worten nicht genügend. Was wir Irrsinn nennen, nennen jene [melankolia ].“ Dass Cicero in dieser verkürzten Definition irrt, geht schon aus der ihm gut bekannten Positivwertung des Aristoteles hervor, wo die Genialität als die hervorstechende Eigenschaft des Melancholikers betont wird. Oder ist jedes Genie an sich schon ein Kranker?

Das Verharren im Kummer führt, wie Cicero in gleichen Buch ausführt, zur Flucht in die falsche Einsamkeit, in eine Welt, die das Leiden noch verstärkt wie beim mythischen Helden Bellerophon, den er nach Homer zitiert: „Trauernd irrte der Unselige in den Aleischen Feldern, selbst sein eigenes Herz aufzehrend, die Spuren der Menschen meidend.“ Dem genialen Ovid ergeht es nicht besser als dem Melancholiker des antiken Mythos. Auch er ist in seinem Elend gefangen. Die Folge seines Kummers sind psychosomatische Krankheitsprozesse, direkte Wechselwirkungen zwischen Psyche und Soma, der antiken Welt seit Hippokrates und Aristoteles bekannt. Ovid merkt deutlich, wie er einer Krankheit verfällt; einer seelischen Verstimmung zunächst, dann einer richtigen Erkrankung der Seele mit eindeutigen Auswirkungen auch auf die körperliche Befindlichkeit. Die Symptomatik aufziehender Melancholie, der Anflug von Überdruss, Kraftlosigkeit, Apathie wird deutlich eingefangen. Der Geist der Schwere überkommt den Dichter, wirft ihn zurück und lähmt ihn. Trotzdem bäumt er sich noch auf und reflektiert die Leidsituation. Da ihm philosophische Kommunikationspartner fehlen, verbalisiert er seine Lage über die Kunst und hält einzelne Symptome des psychosomatischen Wechselprozesses poetisch fest:

Weder Gewässer noch Himmel noch Luft noch Erde ertrag’ ich:

weh mir, beständig hält Schwäche den Körper in Bann!

Ob nun mein krankes Gemüt sich mir schwer auf die Glieder gelegt hat,

ob es die Gegend ist, die mich so elend gemacht,

seit ich zum Pontus gekommen, verfolgen mich Träume, ich

bin nur Haut und Knochen, es schmeckt keinerlei Speise mir mehr,

und auch die Farbe, mit welcher der Herbst bei beginnender Kühle

all die Blätter durchdringt, die schon der Winter versehrt,

hält meine Glieder gepackt, und ich kann mich nicht wieder erholen:

Grund zu kläglicher Pein habe ich immer genug.

Besser nicht geht’s meinem Geist als dem Körper, sondern erkrankt sind

alle beide, und so duld’ ich verdoppeltes Weh;

nimmer verlässt mich auch und gleichsam leibhaft vor Augen,

könnte man sagen, erscheint mir meines Schicksals Gestalt:

wenn ich den Ort dann, die Sitten, die Bildung und Sprache der Menschen

ansehn muß und mir fällt ein, was ich bin, was ich war,

sehn’ ich mich so nach dem Tod, dass ich zürne der Rache des Kaisers,

weil er nicht mit dem Schwert mich für die Kränkung bestraft;

doch, da er nun einmal im Haß sich milde erwiesen,

nehme ein Wechsel des Orts meiner Verbannung die Qual! (Tristia III, 8)

Wenn Seneca in dem Trostschreiben an seine Mutter vom Wechsel des Ortes spricht, ist das eine bewusst untertriebene, euphemistische Umschreibung des Exils. Ovid, der Leidende, hingegen hofft, ihm werde ein anderer Ortswechsel die erlösende Heimkehr bescheren. Nur die Hoffnung auf Milde und Vergebung lässt ihn die Todessehnsucht überwinden und ihm Leben bleiben. Erstaunlich ist, wie genau Ovid, der hier mit dem Gegensatz Körper – Geist, corpore und mens, operiert, wobei das Seelisch-Geistige eine Einheit bildet, die an sich selbst beobachteten seelisch-körperlichen Zusammenhänge erkennt und bestimmt. Mit den Erkenntnissen der antiken Medizin seit Hippokrates vertraut, spricht er klarsichtig von seinem kranken Gemüt, von seinen Alpträumen, die ihn seit seiner Ankunft verfolgen, von seinen psychischen Leiden, die eine körperliche und geistige Versteifung, Lähmung und Schwächung nach sich ziehen. Appetitlosigkeit stellt sich ein –und später physische Schmerzen wie brennendes Seitenstechen. Mit dem seelischen Niedergang erschlaffen daraufhin auch die Muskeln des gesunden Körpers. Hinter dem seelisch-körperlichen Verfall deutet sich nach einiger Zeit schließlich auch ein nicht zu ignorierender Identitätsverfall an – was ich bin, was ich war – eine bedrohliche Entwicklung, die Ovid jedoch kraft seiner starken Persönlichkeit aufzufangen weiß, indem er wieder agiert und schöpferisch tätig wird.

Ovid verharrt immer wieder an der Grenze zur Melancholie und taucht gelegentlich schon in sie ein. Wenn die Schwarze Galle im menschlichen Körper zunahm und das Gefüge der Säfte durcheinander brachte, kam es nach der Auffassung der Griechen zu einem Ausbruch der Melancholie, zu depressiven wie manische Zuständen. Die von Ovid an sich selbst beobachteten Symptome der Seelenkrankheit wie Ruhelosigkeit, die ungesunde Gelbverfärbung der Haut, die nahende Verzweiflung verweisen auf sein Ringen mit der Melancholie. Aber er wird über sein Leiden triumphieren, indem er trotz allem aktiv bleibt und agiert. Er wird versuchen, in kurzer Zeit das Getische zu erlernen und selbst in der Landesprache der Daker zu dichten, wo ihm doch bekannt war, dass auch der König der Geten Verse verfasste. Das Festhalten an seiner Dichtkunst und der Glaube an ihre Fortdauer über die Zeiten werden ihm helfen, die psychischen und somatischen Beschwerden zu überwinden.

Faktisch ist es die Arbeit an den Trauerliedern und die Briefe vom Schwarzen Meer, die ihn im Leben hält. Und dabei hätte er es viel einfacher haben können, wenn er sich früher in Rom gegen die Kunst und für ein konventionelle Leben verbunden mir einer politischen Laufbahn entschieden hätte. Ihm, dem von Haus aus vermögenden Angehörigen des Rittestandes, wäre das Amt eines Senators sicher gewesen. Die Entscheidung für die freie Geistesentfaltung über die Kunst aber bewirkte das Gegenteil. Sie machte aus ihm einen Verbannten am fernen, gelben Meeresstrand, dem nur noch die Freiheit verbleibt, dichtend zu klagen. Wohin der Poet auch blickt, umgeben ihn Zeichen von Bedrohung und Gefahr. Dieses Meer, von anderen als das freundliche und gastliche gepriesen, erscheint ihm, dem am Meer Aufgewachsenen, diesmal ins Negative transponiert – Pontus Euxinus falso nomine dictus, stellt er fest. Das Gastliche Meer ist es nicht. Ovid wir nicht müde dies zu betonen: es ist vielmehr das dunkle und schwarze Gewässer, das in seiner negativen Ausstrahlung der schwarzen Galle der Melancholie nahe kommt. Angstvoll, von Stürmen bedroht, war er hergerudert worden. Verzweifelt suchend rannte er später im Hafen von Tomis umher in der Hoffnung, einen Schiffer zu treffen, mit dem er lateinisch oder griechisch reden kann oder gar einen Landsmann aus dem fernen Italien, der ihm Kunde davon brachte, ob das aufrührerische Germanien sein trauendes Haupt Rom bereits unterworfen hat. Doch die Hafenstadt enttäuscht ihn zunächst nur wie das schwarze, die Melancholie stimulierende Meer.

Tomis – ein Unort? Ein unseliger Ort des Verderbens? Ein verfluchter Ort ohne Glück, Hoffnung und Geborgenheit? Ein mystisch belasteter Ort, an dem nichts Gutes entstehen kann?

So etwa fühlt es Ovid. Ein alter Mythos verweist darauf. Als wohl bester Mythenkenner seiner Epoche besinnt sich Ovid auf die Geschichte von Medea, die einst, vor der Rache des Vaters fliehend, an den Ort, wo Tomis begründet wurde, geschifft sein soll. Als der rächende Vater ihr folgte, soll sie, das Schwert in die Brust ihres anwesenden Bruders gebohrt, diesen darauf hin zerstückelt und die Leichenteile auf den Feldern verteilt haben, um so den trauernden Vater von seiner Rachtat abzulenken. Deshalb heiße Tomis Zerstückelung. Ein böses Omen – denn ein fluchbelasteter Unort bringt nichts Segenreiches hervor. Die Griechenkolonie Tomis am Schwarzen Meer steigert sich zum locus terribilis, zur Brutstätte von Einsamkeit und Melancholie – zum locus horrios, zum schaurigen Ort, zum Schreckensort, wo kein Genius loci wirkt und waltet, sondern der Schrecken selbst: Tristior ista terra sub ambulos non iacet ulla polis. (Ep. II, 7) Kein traurigeres Land unter der Sonne all dieses. Die eisige Welt des Saturn, der die Melancholie der Renaissancegenies wachrütteln wird, umgibt bereits jetzt den römischen Dichter. Er hat das Gefühl, dass alles, das gesamte Leben um ihn herum, zu Eis erstarrt; dass er nur noch in einem sonnenfernen, unendlichen Winter lebt, in welchem ein scharfer Nordwind regiert.

Wenn sich Ovid bewusst macht, was er alles hinter sich lassen musste, was er – wahrscheinlich für immer verloren hat -, die liebende Gefährtin, gute Freunde, Achtung, Ehre, Ruhm und mit allem die Geborgenheit der Heimat, kommt ein Gefühl des Verlassenseins auf; eine prometheische Verlassenheit im Dauerschmerz, die noch über den leiblichen Tod hinaus reicht. Das Exil empfindet der sensible Geist als eine ganz extreme Form des unfreiwilligen Einsamkeitserlebnisses. Dem Verbannten bleibt nur die Klage über den kontinuierlich erlebten Schmerz und die Hoffnung auf geistig-metaphysische Kompensation. In patria, im heimischen Grund will Ovid wenigstens begraben liegen. Zumindest seine Asche soll, nachdem sich Geist und Seele in höhere Sphären erhoben haben, in der Heimat ruhen und damit das endgültige Verbanntsein nach dem Tode aufheben. Von diesem Trost getragen, erleidet er seine exponierte Situation als Verbannter und Zwangsexilierter mit einem gewissen fatalistischen Heroismus in einem stoischen Amor fati – ohne zu resignieren mit dem Bewusstsein eines Dichters von Weltformat, der den eigenen Wert kennt und der sich unerschütterlich mit einer gewissen elegischen Ironie über das von Willkür bestimmte Schicksal erhebt. Für seinen späteren Grabstein, von dem er hofft, dass er – ganz im Geiste antiker Bestattungstradition – in der Heimat stehen wird entwirft er die epigrammatischen Worte:

DER ICH HIER LIEGE, EIN SÄNGER DER ZÄRTLICHEN LIEBESGEFÜHLE,

DURCH MEIN TALENT GING ICH, NASO, DER DICHTER, ZUGRUND.

DER DU VORBEIKOMMST, LIEBTEST DU JE, SO MÖGEST DU GERNE

SAGEN: SANFT IN DER GRUFT RUHEN SOLL NASOS GEBEIN!

(Tristia, III, 3)

Immer noch hadert er still mit der Ursache seiner ungerechten Verbannung. Er hatte nach bestem Wissen und Gewissen die Ars amatoria gedichtet. Ein Buch für Liebende, mit besten Absichten und fern von dem Gedanken, die Sitten Roms gefährden oder schwächen zu wollen. Die Sittlichkeit Roms – welch ein Hohn! Selbst vor Caligula und Nero waren sie alles andere als streng. Ovid bekennt sich schuldig, der Autor jener Dichtung zu sein – und der Metamorphosen; doch erlehnt es stets ab, darin ein Verbrechen zu sehen, wie dies Kaiser Augustus in seiner Wertung tat, als er ihn aus der Heimat verwies. Ovids Anklage geht über das Leben hinaus. Er sieht sich als Opfer, als tragisches Opfer, dessen Schuld nur darin bestand, Talent besessen zu haben – keine Talente. Die Unerschütterlichkeit des Weisen, der standhaft Unrecht zu erdulden weiß und sich des eigenen Wertes bewusst seiend über die Dinge erhebt, eine philosophische Haltung, die Seneca aus eigener Erfahrung aber auch in Kenntnis des Ovidsche Schicksals kaum zwei Jahrzehnte später formulieren wird, entspricht nicht Ovids Haltung. Er hält den Vorwurf aufrecht – für die Nachkommen, vielleicht in der Hoffnung, seinem Leiden dadurch einen Sinn zu geben. Er appelliert aber an die Solidarität der Liebenden, für die er als einer von ihnen gehandelt hat, als er die Bücher der Ars amatoria verfasste. Von den Liebenden erhofft er sich Anteilnahme und Verständnis.

Einsamkeit und künstlerisches Schaffen

 

In späteren Jahrhunderten, vor allem beginnend mit Petrarca, wird die selbst gewählte, die freiwillig begründete Einsamkeit zum Schaffen eines Kunstwerks eingesetzt. Sie wird zur Schaffensbedingung sowohl für das klare, folgerichtige Denken wie für das besondere Kunstwerk in Musik, Malerei, Bildhauerei und Literatur. Ovid nimmt diese Entwicklung bereits vorweg, indem er die zwanghaft herbei geführte Einsamkeitssituation zum gleichen Zweck umfunktioniert. Wie kaum ein anderer vor und nach ihm nutzt er die bittere Lage des Exils mit all ihren Unzulänglichkeiten, um künstlerisch kreativ zu sein, um zu agieren und über das zu schaffende Kunstwerk die Leidsituation zu überwinden. Der Schaffensprozess rückt in den Vordergrund und erhebt sich auf eine Ebene zum Kunstwerk selbst, das Selbstzweck ist und gleichzeitig auch nur Mittel zum Zweck. Die besondere Entstehungssituation führt zu dieser sehr seltenen Wertigkeit. Eines wird das andere bedingen. Der Antrieb des Ganzen ist jedoch der Wille, die Seelenkrankheit zu besiegen. Ovid weiß genug von Melancholie und körperlich – seelischen Wechselbeziehungen, um das Seelenleiden, das ihn befallen hat, eindeutig als Krankheit zu identifizieren. Mehrfach verweist er darauf:

Denn am Gemüt erkrankt, übertrug ich das Weh auf den Körper,

dass nur ja nicht ein Teil frei von der Peinigung bleibt.

Viele Tage hindurch hab’ ich brennenden Schmerz in der Seite,

die mir des Winters Wut sehrte mit grimmigem Frost. (Tristia V, 13)

Der Niedergang wird ihm bewusst, und er fühlt, wie die kranke Seele den Körper mehr und mehr hinab zieht:

Glaubt mir, es geht zu Ende; mich lässt mein entkräfteter Körper ahnen:

nur wenige Frist dauert mein Leiden noch an.

Hab’ doch weder ich die Kraft noch die Farbe, die früher gewesen:

kaum eine magere Haut hüllt meine Knochen noch ein.

Aber im krankenden Leib ist ein kränkerer Geist: unaufhörlich

steht er in seines Geschicks düstre Betrachtung versenkt. ( Tristia IV, 6)

Der medizinische Grundsatz der Alten, mens sana in corpore sano, steht auf dem Kopf. Trefflicher kann es Ovid kaum noch ausdrücken: die kranke Seele macht auch den Körper krank. Das psychische Leiden geht dem somatischen voraus. Das ist heute nicht anders. In dieser Situation des allgemeinen Niedergangs stürzt sich der Dichter, der sich krankheitsbedingt mehr und mehr zum Melancholiker wandelt, auf die Kunst. Er bäumt sich wieder auf und nützt die Poesie als Therapeutikum, um über das zu entstehende Kunstwerk Melancholie und körperlichen Verfall zu besiegen. Die Weisheit ist – nach Cicero – die Gesundheit der Seele, während die Torheit, die man auch Wahnsinn und Verrücktheit nennt.- oder kurz missverständlich auch Melancholie, ihre Krankheit verkörpert. Doch wie der Weise sich selbst hilft, die Philosophie als Universalheilmittel einsetzend, so mobilisiert Ovid die geistigen und seelischen Widerstrandskräfte des Organismus, indem er ungeachtet aller Leiden positiv denkt und gleichzeitig handelt. Die elegische Stimmung des Handels beeinträchtigt das entstehende Kunstwerk nicht:

Ich suche, wie ich nur kann, im Gedicht Trost für mein trauriges Los;

ist hier auch keiner, um ihm zu Gehör meine Verse zu bringen. (Tristia IV, 10)

Wie das Wasser in Bewegung bleiben muss, um nicht zu verderben, kommt es darauf an, weiter zu dichten und dadurch konstruktiv und kreativ tätig zu sein. Es gilt, der lähmenden Langeweile und dem Nichtstun das schöpferische Schaffen entgegen zu stellen, den positiven Akt des Handelns:

Darum, weil ich noch lebe und trete entgegen der Drangsal,

weil mich des Lebens Verdruß noch nicht mit Ekel erfüllt,

sag ich, Muse, dir Dank: den du hast Trost mir geboten,

du, die mir Ruh’ in der Qual, du die mir Linderung bringt! (Tristia, IV,10)

Die Arbeit am Kunstwerk, das konkrete Dichten in gepflegtestem Latein, von dem er befürchtet, es könne durch das barbarische Umfeld Schaden nehmen, dem Umgang mit dem Griechischen und mit der umfassenden Mythologie der antiken Welt, trainieren seine Fertigkeiten und vermitteln ihm gleichzeitig eine geistige und sprachliche Geborgenheit. Das poetische Schaffen erfüllt einen Selbstzweck, indem – in der Auseinandersetzung mit dem bereits vorhandenen Oeuvre – neue Werke entstehen. Mit demselben Prozess werden aber auch drohende melancholische Heimsuchungen vereitelt oder, insofern sie doch einsetzen, bewältigt. Ovid erhält sich dabei eine besondere Souveränität des freien Geistes, der sich seines Wertes bewusst seiend auf keine augenblickliche Rezeption angewiesen ist. Obwohl er den zarten Kunstfreund gerne an seiner Seite hätte, der manchen Aspekt mit ihm bespricht und korrigiert, geht er seinen Weg auch allein, überzeugt davon, für die Ewigkeit zu dichten. Alleinsein und Einsamkeit sind noch kein Grund, um zu versagen. Obwohl zu unfreiwilliger Einsamkeit verdammt, sucht er sogar noch die Einsamkeit, solus agam - die selbst gewählte Einsamkeit, um aus ihr heraus kreativ zu sein und um sich damit über beide Einsamkeiten zu erheben:

Wem sollt’ ich hier meine Dichtungen sprechen als blonden Corallern

und was am Hister noch sonst lebt an barbarischem Volk?

Aber was soll ich allein? Mit welchem Geschäfte vertreib ich

leidige Muße, womit sollt’ ich vergeuden die Zeit? (Epistulae IV, 2)

Da ihn der Wein genau so wenig reizt wie das zeitabtötende Würfelspiel, die Feldarbeit, das Kriegshandwerk oder der oberflächliche Liebesgenuss, den er von seinem traurigen Bett gern fernhält, bleiben als Trösterinnen in kalter Zeit nur noch die Musen übrig. Deshalb kann er sich indirekt selbst stimulierend zurufen:

Du aber, der du ja glücklicher trinkst aus dem Borne der Dichtkunst,

liebe die Arbeit, die schönen Erfolg dir gewährt,

weih dich – du darfst es – dem Dienste der Musen und schaffst du ein neues Werk, so schick es alsbald, das ich es lese, mir zu. (Epistulae IV, 2)

Das ist ein frühes Ora et labora. Götterdienst und künstlerisches Schaffen lassen sich harmonisch und sinnvoll miteinander verbinden.

Angesichts der zahlreichen melancholischen Passagen in Ovids Spätwerk kann die berechtigte Frage gestellt werden, ob der einst heitere Ovid in die große Familie genialer Melancholiker aufgenommen werden kann. War Ovid ein Melancholiker? Wohl kaum! Die Verneinung seines Melancholikertums ist vor allem dann begründet, wenn in dem genuinen Melancholiker der Manisch-Depressive gesehen wird, in einem Typus, wie ihn im Rom jener Tage vielleicht Titus Lucretius Carus verkörperte. In Ovids teils mild, teils tief elegischen Dichtung fehlt der krasse Gegensatz zwischen dem Himmelhochjauchzend und Zum Tode betrübt; ferner fehlt das Manische vollkommen und mit ihm das Entrückte und Verrückte, das ein Teil der Krankheit ist. Ovid tangiert die Schwelle zur Melancholie, die Passivität, Stillstand und Verzweiflung bedeutet – aber er passiert sie nicht. Er verharrt an der Grenze, schaut hinüber, fühlt mit und berichtet in seiner Poesie, was er erkennt und erfährt. Insofern schafft er existentielle Dichtung, ohne in der exponierten Situation zu Grunde zu gehen.

Melancholie und Versöhnung

Gegen Ende seines disharmonischen Lebens in der Einsamkeit der Fremde mischen sich auch einige schrille Töne in Ovids klagende Dichtung. Den ewig auf Gnade Hoffenden, der während all dem Warten deutlich alterte, dessen Haare grau wurden und dessen Haut Falten warf, beschleichen nun doch noch Anflüge von Verärgerung und existentiellem Überdruss. Rom, mit dem er ungeachtet aller Abgeschottetheit durch Entfernung immer noch in Kontakt steht, ignoriert ihn weiter – auch über Augustus Tod hinaus und ruft ihn nicht zurück. Keiner seiner vielen Freunde und Bekannten hat die Macht, ihn zurück zu holen. Immer weniger Römer nehmen an seinen Schicksal Anteil. Kein Wunder, dass ihn Selbstzweifel überkommen und Verärgerung über die – so erscheint es ihm jetzt – eigene Torheit seiner Jugend. Er stellt jetzt selbst das Verfassen der Ars amatoria leicht in Frage und sieht darin eine Torheit, einen jugendlichen Akt des Wahnsinns, der ihm das halbe Leben zerstört habe.

Kein Poem, keine Epistel verschweigt seine Klage. Erst als er fühlt, dass es dem Ende zugeht, gibt es das Hadern auf und sucht Frieden mit der Welt seiner Auseinadersetzung – mit der intuitiv bewunderten – Allmacht Roms und mit der oft inniglich verachteten Lebenswelt um ihn. Erst im Alter ist er bereit, die vom allmächtigen Schicksal und den fernen Göttern auserkorene Passion endgültig anzunehmen. Ihn, den Pazifisten, der ständig unter dem Pfeilhagel kriegerischer Geten und Skythen leben musste, der sogar gezwungen war, mit zu kämpfen, überkommt nun eine große Friedenssehnsucht, ein Streben nach universeller Harmonie, Gefühle, die ihn dazu bewegen, zumindest mit den Menschen in Tomis in Eintracht leben zu wollen. Sie, die Bürger und Einwohner von Tomis, griechische Siedler, Geten, Daker, wenige Römer vielleicht, hatten es stets gut mit ihm gemeint und ihm, dem ungerecht Exilierten poeta laureatus in einer großen Geste antiker Gastfreundschaft eine neue Heimat gegeben, wenn auch ohne die Geborgenheit der alten. Sie hatten ihn nicht verstoßen, sondern anerkannt, gefeiert sogar und ihm Privilegien eingeräumt, die einzigartig waren. Nur er zahlte keine Steuern an der Küste. Die raue natürliche Umgebung und die kriegerische Natur der struppigen Geten konnten die Bürger von Tomis ebenso wenig ändern wie die äußerst entlegene Lage am Rande der zivilisierten Welt. In den vierzehnten Brief an Tuticanus, der als vehemente, von existentiellem Ekel bestimmte Klage beginnt, findet Ovid auch Worte dankbarer Versöhnung für seine Gastgeber:

Selbst die Gesundheit ist mir verhasst, und ich wünsche nur eins noch,

dass ich von diesem Ort komme, wohin es auch sei;

gleich ist es mir, wohin man aus diesem Land mich sende:

jegliches andre ist mir lieber als das, wo ich bin; (Epistulae IV, 14)

Ob Charybdis oder Styx – ja selbst noch die Welt tiefer als Styx, die Unterwelt, ist dem Dichter lieber als das Donauufer oder der gelbe Strand am Meer, an dem er täglich – einsam in die Wogen schauend – auf und ab geht im Versuch, seiner Traurigkeit Herr zu werden. (Epistulae IV,4) Es ist ihm bewusst, dass er mit seinen scharfen Abkanzelungen die wohlwollenden Gastgeber kränkt, die ihn aufnahmen, als sein Schiff in ihren Wassern scheiterte. Deshalb nimmt er etwas davon zurück und betont differenzierend, dass seine grenzenlose Verachtung nur dem lebensfeindlichen Land gilt, nicht aber seinen Menschen. Der Humanist Ovid erhebt sich über den verärgerten Zyniker und Misanthropen – guten Gewissens beteuert er:

Niemanden hab’ ich bisher durch meine Worte verletzt.

Ja, wenn finsterer ich noch als das Pech von Illyrien wäre,

wär’s mir doch nicht erlaubt, Leute, die treu sind, zu schmähn:

dass ihr Tomiten sogar meines Schicksals freundlich euch annahmt,

zeigt: so gutherzig sind Männer vom griechischen Volk.

Die ethische Sicht, hinter welcher so etwas wie ein objektives Gerechtigkeitsempfinden aufleuchtet, wird über das subjektive Fühlen gestellt. Wertschätzung und Dank kulminieren in der Aussage Ovids:

tam mihi cara Tomis, patria qui sede fugatis / tempus ad hoc nobis hospita fida manet –istauch Tomis mir teuer, das mir aus der Heimat Vertriebnem gastlich bleibt und getreu bis auf den heutigen Tag (Epistulae IV, 14).

Friede kehrt ein. Ovid, der große poeta doctus der Weltliteratur, macht sich mit dem Gedanken vertraut, in Tomis sterben zu müssen – als Verbannter, als Einsamer, der eigenen Melancholie überlassen. Ungeachtet melancholischer Heimsuchungen, die ihm die letzten Tage verbittern, hält er an einer positiven Lebensphilosophie fest, deren Grundlage nicht nur ein autarkes Denken, sondern vielmehr ein großes Oeuvre ist.

Lucius Annäus Seneca

Senecas Aussagen zur Einsamkeit bis hin zu relativ genauen und differenzierten Phänomenbeschreibungen gehen weit über das hinaus, was Cicero zu dem Thema zu sagen hat und was sich später bei Mark Aurel, dem Philosophen im Kaisergewand, oder bei Epiktet findet. Seneca, der mit seinen grundlegenden Ausführungen zur Einsamkeit eine geistige Linie festigt, die im Epikureismus und frühen Stoizismus eines Chrysipp und Zenon wurzelt, und – von Petrarca und Montaigne fortgeführt – bis hin zu Schopenhauer und Nietzsche reicht, stützt seine Erkenntnisse einerseits auf eigene existentielle Erfahrungen der Einsamkeit, die er unfreiwillig während seiner mehrjährigen Verbannung auf Korsika machen konnte; andererseits besinnt er sich auf frühere Denkansätze und greift vor allem auf stoisches, epikureisches, ja selbst vorsokratisches Gedankengut zurück. Vieles von dem, was Seneca über die Einsamkeit als Abgeschiedenheit schreibt, ist also im Wesentlichen exegetische Einsamkeitsrezeption antiker Vorstellungen, die aus dem Mythos selbst sprechen oder aus mythisch inspirierter Literatur stammen. Die von den Gottheiten bestraften, dem Alleinsein und der Vereinsamung preisgegebenen Helden Bellerophon und Prometheus, Tantalus und Sysiphus sind dort die Träger des Phänomens. Seneca verfolgt in seinen Abhandlungen jedoch nicht das Ziel zu sagen, was Einsamkeit ist, er sucht nicht nach einer Definition von solitudine, also relativ neuzeitlichen Begriff, den er nur selten verwendet, sondern er beschreibt das Leben in Einsamkeit – in otio – als ein Leben in Muße und Kontemplation, nur nicht an sich, vielmehr als Voraussetzung zu einer vernünftigen Lebensführung. Lebe zurückgezogen, dieser Grundsatz vieler Epikureer und Stoiker ist das vorgegebene Thema – Seneca antwortet darauf in einem symphonischen Hymnus mit unendlichen Variationen.

Senecas exsilium auf Korsika – unfreiwillige, äußere Einsamkeit und innere Freiheit

Manche große Geister der Antike, unter ihnen hervorstechende Charaktere wie Aristoteles, Cicero und Ovid, hatten das exsilium, das eine besondere Form des Einsamkeitserlebnisses verkörpert, am eigenen Leib erfahren müssen und tiefgründig darüber berichtet. Exil bedeutet Heimatlosigkeit, Exponiertheit, Stigma, Schmerz, Leiden und letztendlich Verzweiflung, alles Phänomene, die das vereinsamte Individuum bestimmen und die Einsamkeit als Zustand des Leides erscheinen lassen.

All das war Seneca bewusst, als er, als offensichtliches Opfer einer politischen Intrige mitten aus dem gesellschaftlichen Leben gerissen und auf die entlegene Insel Korsika verbannt worden war. Der gegen ihn erhobene Vorwurf – und es blieb bei dem Vorwurf – er hätte sich in fremden Schlafzimmern herumgetrieben und die Ehe gebrochen, war natürlich genauso absurd wie die Anschuldigung, Ovid hätte mit seiner humoresken Verführungskunst die Sitten Roms gefährdet. Wen interessierte die Wahrheit? Seneca musste die Ewige Stadt verlassen und seinen Palast gegen ein kleineres Häuschen auf Korsika eintauschen, um dort, weitgehend unter Nichtrömern, acht Jahre seines Lebens zu verbringen. In dieser Kulisse von äußerer Einsamkeit entstanden mehrere philosophische Abhandlungen und Trostschriften, in welchen sich Seneca selbst tröstet, indem er andere tröstet und einige kleinere literarische Produktionen im epigrammatischen Stil. In einem dieser Epigramme fängt er sein Lebensumfeld auf Korsika ein:

Fremdes Corsisches Land, von jähen Felsen umschlossen,

Schauerlich, menschenleer, starrt den ödes Gebiet;

Nicht bringt Früchte dein Herbst, nicht ziehet Ernten dein Sommer;

Und dein Winter voll Reif kennt nicht Pallas Geschenk;

Nicht ein erfreulicher Lenz streut hier erquickende Schatten,

In dem unseligen Land wächst nicht ein Gräschen empor;

Nicht die Gabe des Brot’s und des Quells, nicht die letzte des Feuers,

Zwei, die Verbannung nur, und der Verbannte sind hier.

Melancholische Landschaft auch da. Die inhaltliche Nähe zu Ovid ist geradezu frappierend. Die Anklänge, doch vor allem die Art, wie das Sujet angegangen wird, erinnert stark an die Schilderungen Ovids in den Tristia und in den Epistulae. Das gleiche unselige waste land, eine Natur, die weder Früchte hervorbringt, noch ästhetischen Trost spendet, das fehlende Lebenselixier Quellwasser, kaum Nahrung und Wärme, stattdessen aber winterlicher Frost und menschliche Verlassenheit. Seneca greift auf vergleichbare Melancholiesymbolik zurück, um den Schrecken des Unortes hervorzuheben. Wenn Ovid übertrieben habe sollte, als er sein natürliches wie menschliches Umfeld am Schwarzen Meer in höchster Negativität skizzierte, ohne müde zu werden, immer neue Leidensaspekte hinzuzufügen, dann übertreibt auch Seneca. Denn auch er ist darum bemüht, zu sagen, was er leidet – wenigstens im Epigramm. Wenn es aber an das Philosophieren geht, besinnt er sich auf Ciceros Tuskulanen, in welchen die bereits betonte Verniedlichung der Verbannung betrieben wird. Es ist sehr wahrscheinlich, dass Seneca jedes dieser Werke genau kannte und vielleicht sogar auf Korsika in diesen Werken las.

Innerhalb von acht Jahren Acht hatte Seneca ausreichend Zeit, Gelegenheit und Muße, um über den Zustand seiner Zwangsexilierung nachzudenken. Seine Lösungsansätze sind überliefert. Als guter Stoiker ist Seneca davon überzeugt, das Gefühl der Heimatlosigkeit und das Fremdsein in der Fremde lasse sich dadurch überwinden, indem der Verbannte den Verbannungsort in die Gesamtwelt einfügt und ihn somit als Stätte des Leidens aufhebt. Wenn einer in das Exil geht, also verbannt wird, nimmt er sich selber mit, verkündet Seneca in seinem Trostbrief an die eigene Mutter. Sein extensiver Weltbegriff und die sokratische Auffassung, jeder Mensch sei eigentlich ein Kosmopolit, ein Weltbürger, ermöglichen es ihm, die Heimatlosigkeit als solche aufzulösen und das erzwungene Exil als bloßen Ortswechsel zu deklarieren, der auf die seelische Befindlichkeit des Individuums keinen Einfluss ausüben dürfe. Seneca bedient sich der Vernunftargumente in der Art wie sie Epikur und die älteren Stoiker vorexerziert hatten. In der Trostschrift für Mutter Helvia heißt es: „Dass du der Heimat fern bist, ist nicht schlimm. Du hast dich so mit Philosophie vertraut gemacht, dass du wissen müsstest: Jeglicher Ort ist für den Weisen Heimatland.“ Die Philosophie – und der bewusste Rückzug auf diese – ist das Instrumentarium, das Heilmittel zur Überwindung der Trostlosigkeit. Es kommt darauf an, die Situation zu meistern, indem sie ertragen wird, und zwar in Rückbesinnung auf die eigentlichen Qualitäten des Menschen, vor allem auf die alle Sphären durchziehende Vernunft. Die Ratio wird zum bestimmenden Faktor: „Der Geist ist’s. Er geht mit ins Exil, und in den unwirtlichsten Wüsteneien ist er selbst, wenn er soviel fand, wie zur Erhaltung des Leibes genügt, überreich an seinen Gütern und freut sich daran.“ Das sind schöne Worte des Trostes, die vielleicht eine partielle Bewältigung der Verbannungssituation ermöglichen. Wo ihre Grenzen liegen, bezeugen nicht zuletzt die Tristia des Ovidund die schlimmen Lamentationen in den Epistulae ex Ponto, die als bittere Zeugnisse tief erlebter Einsamkeit gelten können. Ruhe und Stille, die sich fernab von der Hektik des Gesellschaftslebens, in welchem der Einzelmensch oft nur ein Gehetzter und Fremdbestimmte ist, in der Einsamkeit einstellen, ermöglichen die Meditation im religiösen und die Reflexion im philosophischen Bereich. Ovid, der ein Mensch der Gesellschaft war, bejaht diese Bedingungen weniger stark als Seneca, obwohl er auch aus der Einsamkeit heraus Kunst produziert. Er malt die nicht selbst gewollte, von anderen herbei geführte Situation als subjektive Darstellung des Erleidens von Einsamkeit, während Seneca als konsequenter Stoiker daraus eine ethische Position konstruiert. Für den Denker kommt es nicht primär darauf an zu sagen, was er gerade fühlt, sondern er weist auf ein ethisches Imperativ hin, auf das, was sein soll, was aus der Lage erwachsen kann. Bei Ovid, dem Dichter, bleibt die Klage Klage – bei Seneca, dem Lebensweisen, wird die Klage nicht mehr als solche vorgetragen, sondern gleich zum ethischen Appell erhoben. Als Stoiker erhebt er den Blick zum Himmel und flüchtet in den Trost einer Weltanschauung, die ihn mit dem Göttlichen verbindet – und somit Religion wird. Während ein Stoiker im Übergreifenden aufgehen kann und sich damit geistig mystischen Positionen nähert, an die christliche Denker später mühelos anknüpfen können, bleibt Ovid – ohne das eigene Negativlos zu akzeptieren – bestenfalls die Besinnung auf die Göttlichkeit der Kunst.

Die Ruhe der Einsamkeit, für Seneca ein Wert an sich, vor allem wenn noch die Apathie, das Freisein von körperlichen und seelische Schmerzen hinzukommt, ist die Bedingung für die von den Stoikern und Epikureern erstrebte Ataraxie, die wiederum eine Vorbedingung der höchsten Seinsform, der Eudämonie ist. Der Gleichmut der Seele führt letztendlich zur wahren Glückseligkeit, wobei Epikur deutlicher als die Stoiker das Glück im Irdischen erstrebt, die Stoiker hingegen von universeller Harmonie erfüllt sind.

Seneca appelliert an das Bewusstsein eines autarken Stoikers, der die Kraft aufbringt, unbeeindruckt vom Walten der Affekte eine strenge Lebensphilosophie durchzuhalten. Doch im tatsächlichen Leben, das vom Auf und Ab, von Hochs und Tiefs, bestimmt wird, ist es schwer, die aufwallenden Emotionen und Gestimmtheiten durch eine stoische Gleichmäßigkeit, durch eine constantia der Seele, aufrecht zu erhalten. Gerade in Tomis, dem Verbannungsort Ovids, der heute zufällig Constanta heißt, wurde dieser Beweis vielfach erbracht. In der Verbannung, im exsilium, ist das Leben, über dessen Kürze Seneca virtuos reflektiert, eben nicht kurz, sondern unendlich lang – wie jedes Leiden dem Betroffenen lang erscheint – und voller Schwankungen bis in die Untiefen der Melancholie und Verzweiflung hinein.

Von der Situation aus betrachtet ist das von anderen forcierte Exil beider Geister bis auf einige graduelle Unterschiede im Wesentlichen vergleichbar. Die große Differenz in der Exilauffassung – und damit der Bewertung des Lebens in Einsamkeit – besteht in der geradezu gegensätzlichen Haltung. Während Ovid, der einst lebensfrohe Dichter und Sarkast, seine eigene Lage reflektiert und in unzähligen Variationen vehement dramatisiert, klagt und anklagt, appelliert der schriftstellernde Philosoph Seneca an das Ausharren, an das Durchhalten in der Situation, wobei Klage und Anklage zwar nicht ganz ausbleiben, aber nicht im Mittelpunkt der Bewältigung stehen.

Es ist symptomatisch für den Philosophen Seneca, dass er, auf dem öden Fels sitzend wie später ein deutscher Minnesänger auf einem spitzen Stein, nicht das subjektive Los reflektiert, analysiert und in ein Gedicht oder in eine Tragödie fließen lässt, sondern dass er eine Schrift verfasst, die über das Individuelle hinaus geht. In den Tagen des Exils auf Korsika konzipiert und erarbeitet Seneca die Schrift De constantia sapientis , die „Unerschütterlichkeit des Weisen“, in welcher er die Autarkie des stoischen Philosophen in den Mittelpunkt stellt, indem er darlegt, das ein wahrer Philosoph selbst dann nicht erschüttert werden kann, wenn ihm Unrecht geschieht, da er sich selbst schon über dieses erhoben hat. Mit diesem Bewusstsein wird Seneca später, von seinem Schüler Nero zum Freitod gezwungen, in die Ewigkeit hinüber schreiten.

Erst in der Trostschrift an die eigene Mutter wird er auf das eigene Schicksal zurückkommen. Doch er wird sein Los nicht beklagen wie Ovid in seinen traurigen Elegien, sondern – ausgehend von anderen Fällen der Verbannung hoch stehender Persönlichkeiten aus der römischen Geschichte – wird er sein Schicksal historisch wie philosophisch zu bewältigen suchen, indem er die Exilsituation als solche verharmlost, trivialisiert und in einer weit angelegten, stoischen Weltsicht auflöst. Während Ovid, dessen nach Rom übermittelte Elegien Seneca wahrscheinlich kannte, permanent damit beschäftigt ist, sich im Kreis um das eigene Ich zu drehen, eine hypochondrische Selbstschau zu betreiben und die barbarische Außenwelt zu beschimpfen, lenkt Seneca die schon von derben Schicksalsschlägen heimgesuchte eigene Mutter von seinem Leiden ab, um ihr auf diese Weise zusätzlichen Kummer und Sorgen zu ersparen. Aus diesem Grund betreibt er keine auch andere belastende Selbstbeklagung sondern schreitet, wenn er klagt, zur Anklage, in deren Mittelpunkt nicht nur ein einzelner Gewaltherrscher wie Caligula, sondern die gesamte römische Gesellschaft seiner Zeit stehen wird. Seneca, der – aus der Einsamkeit der Verbannung heraus – somit bewusste Gesellschaftskritik betreibt, richtet seinen Blick auf den Geist der Zeit, der ein Ungeist ist – die Dekadenz.

Doch noch bevor er zum Schlag gegen die Gesellschaft ausholt, die er wesentlich mitgeprägt hat, relativiert Seneca zwei entscheidende Begriffe, die Ovid einst viel Kummer bereiteten: die Verbannung selbst und die für Ovid eminent wichtige Wertekategorie Heimat. Provokativ fragt Seneca: videamus, quid sit exsilium-  und antwortet unmittelbar darauf: Nempe loci commutatio. Was ist Exil mehr als Ortswechsel? Dann steigert er die verharmlosende Untertreibung noch indem er sarkastisch hinzufügt: Carere patria inolerabile est – der Verlust des Vaterlandes ist unerträglich. Ist er das wirklich? Ovid hätte da auf keinen Fall zugestimmt, weil für ihn der Begriff patria, Vaterland, für ihn gleichbedeutend war mit der Summe aller positiven Assoziationen, mit Werten wie Geborgenheit, Sprache, Kultur, Zivilisation und Kunst. Doch Seneca, all dies ignorierend, stellt nur fest, dass diese positive Kategorie für unendlich viele Menschen überhaupt nicht existiert; nicht nur für den stoischen Philosophen, der davon überzeugt ist, das jeder Mensch den göttlichen Samen in sich trägt, göttlich ist und diese Göttlichkeit überall hin mitnimmt, sondern für ganze Völker, die seit Jahrhunderten durch Europa wandern, der Vermischung und der Assimilation unterworfen waren, für viele Einzelmenschen und für große Individuen aus der römischen Geschichte, die fern der Heimat als Exilierte in eigentlicher Selbstbesinnung glücklich werden konnten, ohne etwas Substanzielles zu vermissen. „Und all diese Völkerwanderungen – was sind sie anderes als massenweises Exil?“ Heimatlose, Vertriebene gibt es überall auf der Welt – selbst Rom, der Mittelpunkt der Welt, wurde von einem Vertriebenen gegründet, von Äneas, der mir seinem Volk wegziehen musste, nachdem Ilias gefallen war. Der Einzelmensch kann überall auf der Welt das Bewusstsein seiner Freiheit erlangen und seinen Blick zu den Sternen erheben. „Kein Ort für die Verbannung ist zu finden, denn nichts, was in der Welt ist, ist dem Menschen fremd. Von überall hebt er gleichermaßen den Blick zum Himmel; stets gleich weit ist alles Göttliche von allem Irdischen entfernt.“ Kant wird später diesen schönen Gedanken, der aus einer psychischen Notwendigkeit entspringt, aber auch in die Selbsttäuschung führen kann, aufgreifen. Seneca verweist auf die kosmopolitische Weltsicht, die eigentlich für jeden Humanisten gültig sein sollte: „Daß du der Heimat fern bist, ist nicht schlimm. Du hast dich so mit Philosophie vertraut gemacht, dass du wissen müsstest: Jeglicher Ort ist für den Weisen Heimatland.“ Diese dem edlen Marcellus entlehnten, an die Mutter gerichteten Worte, die Ovid schroff ablehnen würde, bezieht Seneca auf seine eigene Situation auf Korsika. Eine Verurteilung zur Verbannung zieht zwar oft den Verlust des Bürgerrechts und des Vermögens nach sich und führt – selbst bei der milderen Form der relegatio, die Ovid traf, in Armut und Entehrung. Doch kein Verbannungsort ist karg genug, um nicht das wenige abzuwerfen, was der Mensch zur Erhaltung seiner Existenz benötigt. Keine Insel, selbst der wasserlose und dornenreiche Felsblock Korsika nicht, und keine Wüste kann öd genug sein, um den Menschen anzuhalten, neu Wurzeln zu schlagen; denn, da er all seine Vorzüge bei sich hat, mitgenommen hat, kann er die Unannehmlichkeiten des Exils überwinden und sich seines Dasein freuen. Auch kann der Verbannte, der sich selbst entwirft, nicht seiner inneren Freiheit beraubt werden. „Deswegen kann er auch niemals heimatlos sein, da er frei und den Göttern verwandt und mit der ganzen Welt, der ganzen Ewigkeit verbunden ist. Denn seine Gedanken kreisen um den ganzen Himmel und machen sich jede Vergangenheit und Zukunft eigen.“ Der Stoiker erhebt sich leibverachtend über die körperliche Hülle und konzentriert sich auf Geist und Seele: Animus est, qui divites facit. Während Ovid, schon leicht zur Hypochondrie neigend, den kranken Körper streng beobachtet, ohne den Auswirkungen entfliehen zu können, verkündet Seneca – obwohl auch er körperliche Leiden kannte – zumindest theoretisch die befreiende Selbsterhebung des Subjekts: „Der arme Leib da, das Gefängnis und die Fessel der Seele, wird dahin und dorthin gestoßen. Er muß Martern, er muss Überfälle, er muss Krankheiten erleiden. Die Seele selber freilich ist gottgeweiht und ewig und von der Art, dass man nicht Hand an sie legen kann.“ Plotin, Gnostiker und Christen werden ihm in diesen Anschauungen folgen.

Senecas Ausführungen zur Exilsituation stehen in der Tradition jahrhundertealter Problematisierungen der Thematik in der griechischen Literatur und Philosophie. Als einer seiner unmittelbaren Vorgänger hatte Cicero die Exilfrage in seinen Gesprächen aus Tusculum angeschnitten und dabei im fünften Gespräch die Verbannung als ein großes Übel ausgemacht. Was hat jener zu fürchten, der Geld und Ehre verachtet? Exilium, credo, quod in maxumis malis ducitur – „Ich denke, die Verbannung, die man zu den größten Unglücken rechnet.“ In diesen Gesprächen, die Ovid, dem poeta doctus, bekannt sein konnten, neigt Cicero allerdings auch schon zur Bagatellisierung der Exilsituation, indem er in der Verbannung nur eine ausgedehnte Reise oder eine Reise ohne Rückkehr sieht. Der statische Ortswechsel Senecas erfährt eine dynamische Ausweitung, die ins Unendliche strebt. Deshalb greift Cicero – stellvertretend für den Weisen überhaupt, der kraft seiner Rückbesinnung auf die Philosophie jedes Übel zu bewältigen weiß – ein Wort des Sokrates auf, in welchem sich dieser als Bewohner des Kosmos bezeichnet – als Weltbürger par excellence. Ein Kosmopolit ist überall zu Hause – frei nach der Überzeugung des Griechen Teukros: Patria est, ubicumque est bene – das Vaterland ist dort, wo es einem gut geht – also dort, wo eine freie Geistesentfaltung möglich ist, ganz egal ob diese als Philosoph oder Dichter erfolgt. Dabei kann eine adäquate Versklavung daheim sogar einem freiwilligen Exil vorgezogen werden. Cicero erwähnt eine ganze Reihe illustrer Griechen, unter ihnen Aristoteles, Theophrast, Kleanthes und Chrysipp, die allesamt ihr halbes Leben auf Reisen durch die Fremde verbrachten, um das Ausgesetztsein außerhalb der Heimat zu entschärfen. Ovid wird viele subjektive Argumente finden, um in seinem Oeuvre vom Schwarzen Meer massiv zu widersprechen. Ihm sind das existentiell Erlebte, der Schmerz, die Traurigkeit und die Melancholie, näher als der moralische Entwurf. Doch Seneca wird – das Ideal stoischer Ethik voll im Visier – Cicero folgen und – wo sich das Vorbild noch vornehm zurückhält – in diesem Kontext auch die römische Gesellschaft kritisch angehen.

Dekadenzkritik

Das Leben in der Einsamkeit löst den Zwangsexilierten auch von den falschen Werten der Gesellschaft, die er hinter sich gelassen hat; von einer schwer entarteten Welt, von der Dekadenz und eröffnet ihm – über das reine Philosophieren und Meditieren hinaus – die schöpferische Welt der Kunst. Wie die bewunderten Vorbilder Marcellus und Brutus sich in der Abgeschiedenheit der Verbannung gerade zu Wissenschaft und Kunst hingezogen fühlten, weitaus deutlicher als je zuvor im Leben, so nimmt auch Seneca den Drang war, schöpferisch tätig zu sein. Philosophieren und schriftstellerische Tätigkeit gehen nunmehr Hand in Hand und verbinden sich bei Seneca zum einem Kunstprodukt, zu einem so genannten Dialog, der in Wirklichkeit keiner ist, sondern eine Abhandlung, ein Essay, in welchen philosophische und gesellschaftskritische Inhalte in einer literarischen Form verpackt erscheinen. Dort, wo aus Musenanbetung und Gottesdienst Kunst entsteht, situations- und existenzbewältigende Kunst, begegnen sich Ovid und Seneca wieder. Ovid wird fortfahren, in seiner Trauerliedern und Episteln elegisch zu jammern, auch wenn gelegentlich eine Bitterkeit nicht mehr zu überhören sein wird. Bei Seneca hingegen wird die Schärfe der Gesellschaftskritik zunehmen und sich bis zur gnadenlosen Beschimpfung hin steigern. Selbst der Unzucht mit einer Nichte des Kaisers bezichtigt und dafür von der Macht entfernt und exiliert, wird er die Heuchelei, die ihn zu vernichten droht und letztendlich auch vernichten wird, gnadenlos brandmarken. Vomunt, ut edant, edunt ut vomant – Sie erbrechen, um zu fressen und sie fressen, um zu erbrechen, ohne die Zeit die Nahrung zu verdauen. Petronius, der mit Seneca auf Neros Geheiß in den Tod gegen musste, allerdings nicht ohne dem gehirngeschädigten Kaiser ein letztes Mal literarisch die Leviten zu lesen, hat diese sittliche Welt seiner Zeit in seinem Satyricon beschrieben – und selbst Heine hat in seinem Wintermärchen noch darüber gelacht. Doch Seneca, dem der anfangs noch mild gestimmte Artifex die Verwaltung der Staatsgeschäfte eines Weltreichs in die Hände gegeben hatte, meinte es ernst. Sein Haß auf die Gesellschaft, deren Teil er selbst lange war, entzündet sich an Caligula, dem Terroristen der antiken Welt, den, nach Seneca, die Natur nur hervorgebracht zu haben schien, um die Lasterhaftigkeit der Welt in einer Person zu vereinen. Caligula, neben Nero der zweite große Gehirngeschädigte der Antike, verspeiste an einem Abend nicht nur den Tribut von drei römischen Provinzen und führte die gerade Seneca vorgeworfene Unzucht zu einsamen Höhen – er verkörperte, durch nahezu alles, was er Morden, Schandtaten und Verbrechen unternahm, den Prototyp des Bösen.

Otio oder Negotio – Zwischen stiller Muße und hektischer Geschäftigkeit

Nach seinem langjährigen Exil und sensibilisiert durch die gemachten Erfahrungen auf der öden Insel, verstärkt sich Senecas Interesse an dem Leben in Abgeschiedenheit weiter. Er wird der Phänomenbeschreibung der Einsamkeit, die sich weiter in vielen Nuancen durch sein Werk zieht, eine eigenständige Schrift widmen: De otio – in deutscher Übersetzung: Die Zurückgezogenheit, in welcher er seine Vorstellungen zur kontemplativen Existenz präzisiert. Und er wird die Einsamkeit mit allen ihren Implikationen in anderen Abhandlungen beschreiben, speziell in seinen Ausführungen Über die Kürze des Lebens, in seinemTraktat Über die Seelenruhe  oder in der Trostschrift an Mutter Helvia – Werke, in welchen Seneca noch weit über die in De otio exponierte Reflexion der der Einsamkeitserfahrung hinausgeht.

Die ethische Formung des Menschen vollzieht sich in dieser bewussten Zurückgezogenheit. Auf den Punkt gebracht heißt es in Senecas – wohl nicht ganz vollständig überlieferter – Schrift De otio: meliores erimus singuli – „Nur wenn wir allein sind, werden wir bessere Menschen“. Rückzug bedeutet für ihn die bewusste Hinwendung zu den hervorragenden Geistern der Vergangenheit, viri optimi, denen eine Vorbildfunktion zukommt. Das eigene Handeln ist an ihren Erkenntnissen auszurichten. Die Suche nach Wahrheit und die moralische Formung des Menschen vollziehen sich in secreto – in der Stille. Die Tugend formt sich in der Zurückgezogenheit. Der gezielte Rückzug dient der Selbstvervollkommnung des Individuums, das dann seine ganze Kraft dem Gemeinwohl und der Gesellschaft zukommen lässt; ganz egal ob im Amt oder als Philosoph. Das Leben in Einsamkeit ist für Seneca, aus dem stets der verantwortungsvolle Staatsmann spricht, ungeachtet aller Selbstfindung nie Selbstzweck, sondern immer nur Mittel, um den Dienst an der Allgemeinheit besser leisten zu können. Einsamkeit ist oft nur ein temporärer Ankerplatz, der Sicherheit bietet, nicht immer ein ruhiger Hafen, der endgültigen Schutz vor den brausenden Stürmen des Lebens bietet: „Demnach kann aber auch jemand, der sich noch auf nichts eingelassen hat, ehe er irgendwelche Schicksalsschläge hinnehmen musste, einen sicheren Rastplatz suchen, sich gleich wissenschaftlich betätigen und seine Zeit in ungeschmälerter Muße verbringen als ein Verehrer des Guten und Schönen, womit man sich auch in größter Zurückgezogenheit befassen kann. Allerdings darf man von einem Menschen verlangen, dass er Menschen nützt – womöglich vielen, oder wenigstens einigen, oder wenigstens seinen nächsten Angehörigen, oder wenigstens sich selbst. Denn wer sich den anderen als nützlich erweist, dient dem allgemeinen Wohl.“

Aus dem individuellen Selbst erwächst das eigene Glück – und dieses führt, wenn sich auch andere daran halten, zum Glück der größtmöglichen Zahl. Epikureer und Stoiker dachten eudämonistisch und utilitaristisch und erteilten jedem Solipsismus eine Absage. Die Philosophie war somit kein Selbstzweck, sondern eine Dienerin der Menschheit. Cicero sah dies ähnlich. Sollten die politischen Verhältnisse in einem Staat so sein, dass einem Weisen das konkrete Wirken versagt bleibt, dann stellt der bewusste Rückzug in ein Leben in Einsamkeit immer noch die adäquateste Existenzform eines geistigen Menschen dar. Als Philosoph wirkt er schließlich über den Tag hinaus: „Doch in welcher Einstellung zieht sich der Weise aus der Welt zurück? In der Gewissheit, dass er auch dann noch zum Nutzen der Nachwelt tätig sein wird.“ Wenn es um die Frage geht, ob der verantwortungsvolle Bürger überhaupt politisch tätig werden und ein öffentliches Amt anstreben soll, dann entscheidet sich Seneca wie früher schon Cicero für die pragmatische Lösung, also für ein konkretes Agieren und stellt sich damit sowohl gegen Epikur, der genau das Gegenteil fordert und gegen die beiden Stoiker Zenon und Chrysipp, die selbst keine öffentliche Funktion anstrebten. Zurückgezogenheit bedeutet für Seneca also primär Zurückgezogenheit aus der Politik, aus dem öffentlichen Wirken in das Privatleben, wie dies in seiner eigenen Familie von einem Bruder und einer Tante vorgelebt wurde. Er fordert jedoch nicht zum Nichtstun auf, sondern ist überzeigt davon, dass ein wertvoller Mensch, der sich dem relativen Alleinsein verschrieben hat, kraft seiner Persönlichkeit, seines Gestus und sogar seines Nichtagierens auf die Gesellschaft wirkt. Den musischen Rückzug in die kontemplative Welt der Wissenschaft und Kunst kann jeder anstreben, während sich der Philosoph in der Einsamkeit voll und Ganz der Wahrheitsfindung widmet und auch auf diese Weise der Allgemeinheit dient: „Wenn du dich zur Philosophie zurückziehst, meidest du jeden Lebensüberdruss; du wirst nicht wünschen, dass es Nacht wird, weil dir der Tag verhasst ist, noch wirst du dir auf die Nerven gehen noch anderen überflüssig vorkommen. Viele wirst du in deinen Freundeskreis ziehen, und zuströmen werden dir gerade die Besten. Denn nie, auch nicht im Schatten, bleibt ein wertvoller Mensch unerkannt; er sendet seine Signale aus, und jeder, der es verdient, wird ihn an seinen Spuren erkennen“ heißt es in De tanquillitate animi, 117) Die Wertung des Lebens in bewusster Einsamkeit, in Zurückgezogenheit oder – wie Epikur es definierte – im Verborgenen, ist für Epikureer, Stoiker und Eklektiker wie Cicero gleichermaßen positiv und reicht bis zur Absolutsetzung der kontemplativen Lebensform. Seneca lässt Athenodor, aus dem ein Epikureer spricht, die Sichtweise eines ehrlichen Mannes reflektieren, der sich nach schlechten Erfahrungen vom Forum und aus der Öffentlichkeit zurückzieht. Dabei legt er ihm die Worte in den Mund: „Doch es gibt auch in der Zurückgezogenheit reiche Entfaltungsmöglichkeiten für einen großen Geist; zwar wird die Energie von Löwen und anderen Tieren im Käfig gehemmt, nicht aber die der Menschen; sie leisten in der Einsamkeit Größtes. Allerdings soll der Mensch in der Weise verborgen leben, dass er, wo er auch sein ruhiges Dasein den Blicken anderer entzieht, einzelnen un der Allgemeinheit zunützen bereit ist durch sein Talent, sein Wort, seinen Rat.“ (T 115) Radikales Eremitentum, dass nur noch eine Ansprache mit Gott zulässt, wie es von frühchristlichen Anachoreten betrieben wird, ist nicht gefragt. Auch wenn in Einsamkeit Größtes vollbracht werden kann, darf der gesellschaftliche Dialog nicht abreißen. Selbst der kreative Einsame darf sich nicht abkapseln, sondern muß aus ethischen Antrieben den Kontakt zur Außenwelt wahren.

Psychologische und soziologische Aspekte der Einsamkeitserfahrung

 

Das Einsamkeitsmotiv zieht sich als großes Thema mit Variationen durch zahlreiche Abhandlungen Senecas, wobei stets neue Nuancen und Erweiterungen formuliert werden. Zu den staatstheoretisch-soziologischen und allgemeinphilosophischen Fragestellungen gesellen sich auch psychologische, die den Komplex erweitern und bereits die Melancholieproblematik tangieren. In den „Briefen an Lucilius“ beantwortet Seneca die Frage, wie man ohne Schaden „mit sich allein sein“ kann, mit einem entschiedenen: „So ist es. Ich ändere meine Meinung nicht: fliehe die Menge, fliehe die Wenigen, fliehe selbst einen. Ich habe keinen, mit dem ich dich in Gemeinschaft gesetzt wünschte.“ Das klingt, isoliert betrachte, hart und unversöhnlich und appelliert an einen gefestigten, autarken Charakter, an eine existentielle Haltung, die nicht einfach aufrecht zu erhalten ist. Weiter unten folgt darauf der wichtige Zusatz: „Ich finde keinen, mit dem ich dich lieber zusammen sehen möchte, als mit dir selbst.“ Die Idee des Selbstseins und der Selbsterkenntnis, die bereits im Erkenne dich selbst – Diktum des Thales von Milet antizipiert wurde, ist für die gesamte hellenistische Epoche kennzeichnend. Selbstsein bedeutet dann auch bei Seneca, der diese Zeit rezipiert, immer eigentliches Sein, dem Wesen entsprechendes Sein, naturgemäßes Sein. Wer bei sich „selbst“ ist oder im Einklang mit dem eigenen Wesen lebt, lebt – vernunftgemäß – mit der Natur und mit Gott. Mark Aurel wird ihm in dieser Auffassung folgen und viel später auch Montaigne. Der moderne, von Martin Heidegger gebrauchte Begriff dafür ist die Existenz in der Eigentlichkeit. Durch die strenge Verknüpfung der Einsamkeit mit dem Selbst erhält diese eine exponierte und äußerst positive Wertung. Einsamkeit wird also zur Bedingung der Selbstfindung und der daraus resultierenden Freiheit. Damit wird eine Grundidee akzentuiert, die weitere zweitausend Jahre – bis hin zu Nietzsche und über diesen hinaus – Bestand haben wird.

Da Seneca vor allem während der Verbannung auf Korsika, ähnlich Ovid und Cicero, die äußere und innere Einsamkeit existentiell erfährt, kennt er auch die aus diesen Situationen erwachsenden Gefahren. Es ist ihm bewusst, dass nur autarke Charaktere in der Lage sind, die Einsamkeit produktiv umsetzen und durch sie zur Gemütsruhe und zur Freiheit finden. Dagegen wird dem Oberflächlichen, dem Unruhigen und Unsteten, der, modern gesprochen, in der Uneigentlichkeit lebt, die Einsamkeit zur Last. Er kann „die Einsamkeit in seinen vier Wänden nicht ertragen“. Bei einem „Trauernden und sich Fürchtenden“ gilt es zu wachen, „damit er die Einsamkeit nicht missbrauche.“ Damit ist die Suizidgefahr des Depressiven angesprochen.

In die Einsamkeit soll sich nur jener zurückziehen, der das Refugium als Chance zur Selbstverwirklichung begreift. Der Rückzug in das Privatleben – ad otium convertor- bedeutet Rückbesinnung auf die eigene Freiheit: „Es gefällt mir, meinen Lebenskreis wieder auf vier Wände zu beschränken; niemand soll mir auch nur einen Tag stehlen, wenn er mir dafür nichts bieten kann, das ein solches Opfer wert ist. Ich will ganz mir selbst gehören, an mir arbeiten, nichts Unangemessenes tun, nichts, was nach fremden Urteil schielt, ich will, von öffentlichen und privaten Sorgen frei, die Ruhe lieben.“ Michel de Montaigne, über Jahre Bürgermeister von Bordeaux, und Jean-Jacques Rousseau, der keine öffentlichen Ämter innehatte, werden diesem Ansatz auch im tatsächlichen Leben folgen, otio, solitudine und tranquillitas verinnerlichen und im selbst gewählten Asyl hinter Mauern verschwinden, geleitet von der Furcht, jemand könne auch ihnen den Tag stehlen. Doch muss dieser Rückzug aus eigenem Antrieb und aus innerer Überzeugung erfolgen – nicht aus einem erlittenen Missgeschick heraus oder aus allgemeiner Enttäuschung an der Welt. Denn dieser würde nicht zur Selbstfindung, sondern zum Selbst zerstörenden Überdruss führen. Der Ausgeglichene weiß, was er in der Einsamkeit vorfindet, während sie für den charakterlich Schwankenden und Unsteten zur gefährlichen Sackgasse wird, hinter der die Verzweiflung lauert. Ob es einen in die Einsamkeit zieht, in die Wahrheitssuche und in die Selbstfindung, ist nach Seneca – ohne dass er dies explizit aussprechen würde – eine Frage des Temperaments und der genetischen Bedingtheit. Es gibt auf der einen Seite den gesellschaftlichen Menschen, den Geschäftigen, den Agierenden, der sich nur in Gesellschaft wohl fühlt, der immer Menschen um sich braucht, die ihn anlenken; auf der anderen steht der kontemplative Charakter, der, souverän dasteht und dessen Wesen im eigen Selbst ruht. Unstete Charaktere können in der Einsamkeit nicht glücklich werden, weil sie ihrem Wesen nicht entspricht: „Das alles wir noch schlimmer, sobald sie sich, fruchtloser Plage müde, in die Muße flüchten und in einsame Studien, wozu ein Mensch nicht taugt, den es in die Politik drängt, der sich betätigen will und von Natur ruhelos ist, weil er zu wenig in sich trägt, was ihn trösten könnte. Fehlt ihm nun die Unterhaltung, die gerade ihre vielen Abhaltungen geschäftige Menschen verschaffen, findet er sein Haus, das Alleinsein, die eigenen vier Wände unerträglich. Widerwillig sieht er, dass er sich selbst überlassen ist. Daher kommt jene Unlust und Unzufriedenheit mit sich selbst und die Unbeständigkeit einer Seele, die nirgends Ruhe findet, und die mürrische und verdrießliche Hinnahme der Muße, die einem gewährt ist, – besonders, wenn man sich scheut, die Gründe zuzugeben und aus Scham seine Qual in sich hineinfrisst: Dann sind Triebwünsche in ein enges Gefängnis ohne Ausgang gesperrt und strangulieren sich gegenseitig.“ Als Seneca diesen für das Erleben wahrer Einsamkeit äußerst ungeeigneten Typus beschrieb, den Petrarca nahezu identisch wieder als den Stadtmenschen im verhassten Avignon aufleben lassen wird, dürfte sich der Römer an seinen berühmten Landsmann Titus Lucretius Carus orientiert haben, dessen unruhiges Leben er wohl kannte und den er auch darauf kurz zitiert. Lukrez, der Vorzeigeepikureer und Verfasser des Lehrgedichts De rerum natura, wird, was in der Renaissance Ficino aufgreifen wird, aus Unruhe und übermäßiger Sexualpraxis zum Melancholiker mutieren, ohne den philosophischen Trost in der Einsamkeit finden und genießen zu können. „Weil sie nun fremdes Glück empört und sie am eigenen verzweifeln, hadern sie im Herzen mit dem Geschick, schimpfen über die böse Welt, ziehen sich ins Abseits zurück, hängen ihrem Jammer nach und empfinden dabei tiefsten Abscheu vor sich selbst.“ Auch Ovid, der gesellschaftlich gut eingebettete Dichter Roms, kommt diesem Typus nahe. Nur wurde er in das Abseits der Verbannung versetzt, die der selbst gewählten Einsamkeit entgegen gesetzt ist, ohne sich wehren zu können. Ovid trotzte der drohenden Verzweiflung mit Kunstwerken, die er, über Senecas Forderung hinausgehend, auch zu seinem Nachruhm schuf.

Aus diesen Unterscheidungen wird deutlich, dass eine durch äußere Einwirkungen herbeigeführte Isolation und Deprivation vor allem bei weniger autarken Individuen zur existentiellen Krise führen und gar einen Freitod nach sich ziehen kann. Indirekt ist damit angedeutet, dass die Einsamkeit kein natürlicher Zustand des Menschen ist, speziell des Durchschnittsmenschen, von dem sich nur wenige Weise abheben. Es entspricht zwar der Natur des Menschen, ein zurückgezogenes, auf sich selbst gestelltes und mit der Weltvernunft in Einklang stehendes Leben zu führen, doch nicht eines in absoluter Abgeschiedenheit von anderen Menschen. Der Mensch, das zoon politikon des Aristoteles, braucht als Gemeinschaftswesen den Mitmenschen, die Ansprache und den Austausch, um seelisch gesund überleben zu können. Nicht jeder ist der unfreiwilligen Einsamkeitsversetztheit gewachsen. Nicht jedermann kann sich gegen eine drohende Vereinsamung zur Wehr setzen. Das war vor zweitausend Jahren genauso wie heute. Vereinsamung ist ein Zustand, der – im Sprachduktus Nietzsches formuliert – überwunden werden muß, bevor eine Schädigung der Individualität eintritt. Die Antike wurde seinerzeit mit den gleichen Symptomen negativer Erscheinungen konfrontiert wie die moderne Gesellschaft heute. Ein Ausharren in der Situation ist gefährlich und birgt zahlreiche Risiken in sich. Das Gegenteil eines beschaulichen Lebens in bewusster Zurückgezogenheit ist das gesellschaftsbezogene Leben – die Geselligkeit, die kommunikative Existenz.

Im Gegensatz zu späteren Apologeten der Einsamkeit, die zu einer Verabsolutierung des Phänomens neigen, plädiert bereits Seneca deshalb auch für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen dem Sein in Einsamkeit und dem sozialen Austausch, der Geselligkeit: Multum et in se recedendum – „Häufig sollte man sich auch in sich selbst zurückziehen: Der Umgang mit nicht gleichgestimmten Menschen stört die Harmonie und weckt die Leidenschaften aufs neue, und alles, was im herzen anfällig und noch nicht auskuriert ist, lässt er wieder schwären.“ Dann folgt der wichtige Zusatz: „Doch muss man dabei auf die rechte Mischung und auf Abwechslung zwischen Einsamkeit und Trubel achten. Jene lässt uns Verlangen nach Menschen, dieser nach uns selbst verspüren und ein hilft gegen das andere: odium turbae sanabit solitudo, taedium solitudinis turba – Die Abscheu vor dem Trubel heilt die Einsamkeit, den Widerwillen gegen Einsamkeit der Trubel.“ Wer im Mittelpunkt der Welt lebte, zu Epikurs und Zenons Zeit in Athen, zu Lukrez’, Ovids und Senecas Zeit in Rom, konnte nicht anders argumentieren.

Auch heute bedingen sich Einsamkeit und Geselligkeit. Der Einsame von heute wird, wenn er lange genug passiv in seiner Stube hockt, von der Sehnsucht nach Menschen erfüllt, in die Gesellschaft streben und wird das soziale Leben als Heilmittel gegen Isolation empfinden; während der Hass auf das Weltgewühl ihm die vertraute Einsamkeit näher bringen wird.

Seneca besinnt sich immer wieder auf die befruchtende Positivität der Einsamkeit und akzentuiert sie mit besonderer Intensität. Wie später bei Petrarca, der, auf Cicero gestützt, das Schöpferische geradezu verabsolutieren wird, kehrt Seneca den kreativen Charakter der Befindlichkeit hervor. Einsamkeit ist keine selbstgefällige Haltung, in der das Individuum um sich selbst kreist, sondern ein Medium des Kreativen: sie ist eine produktive Einsamkeit, aus der heraus Werke der Wissenschaft und Kunst entstehen und die den geistigen Austausch im Gespräch mit einschließen. Seneca schreibt: „Ziehst du dich zu den Studien zurück, so wirst du jedem Überdruss am Leben entgehen (…) Freilich, wenn wir allen Umgang aufheben, dem Menschengeschlecht entsagen und nur in uns selbst hineingekehrt leben, so wird dieser alles Strebens baren Einsamkeit die Gelegenheit zur Tätigkeit fehlen.“ Die Einsamkeit wird eindeutig funktional gesehen. Aus ihr muss ein schöpferischer Akt hervorgehen. Wer die Einsamkeit zum Endzweck erhebt, das erkennt Seneca recht deutlich, riskiert die Vereinsamung und die Selbstzerstörung. Gerade in seiner Abhandlung De tranquillitate animi , Über die Ruhe der Seele, die von besonderer Einfühlung, seelischen Tiefgang und rationalistischer Deutungsgabe zeugt, streift Seneca vielfach auch den Vereinsamungsprozess des Menschen und die damit zusammenhängenden Erscheinungen von Trübsinn, Melancholie und Verzweiflung. Als Stoiker erkennt er ihre existentielle Brisanz und sieht die Notwendigkeit einer vernunftgemäßen Bewältigung durch die Rückbesinnung auf die Leistungsfähigkeit des Denkens und der Philosophie.

Ein gewisser Schwachpunkt Senecas – und das war bereits seinen gegnerischen Zeitgenossen bewusst – besteht in der existentiellen Überprüfbarkeit seiner Aussagen. Zwischen Verkündung und Einlösung besteht bei ihm oft eine allzu krasse Diskrepanz. Während ein Epikur, dem das konkrete Erleben und Erleiden seiner philosophischen Botschaften noch wichtig war, aus einer inneren Konsequenz heraus in Alter und Krankheit auch den Schmerz ertrug und somit die Autarkie des geistigen Vorbilds verkörperte, zeigte sich Seneca im tatsächlichen Leben eher inkonsequent und schwach. Der Geselligkeit mehr zugeneigt als dem asketischen Philosophieren im kleinen Kreis, war er nebenbei auch damit beschäftigt, ein großes Vermögen anzuhäufen, das er nicht brauchte. Auch versäumte er es nicht, als Erzieher Neros und darüber hinaus am Kaiserhof den Umgang der Mächtigen zu suchen und seinen Einfluss auszukosten. Diese manchmal opportunistische Haltung machte, streng betrachtet, aus seinen philosophischen Ansätzen, die im wesentlichen eine Zusammenfassung epikureischer und stoischer Denkansätze darstellen, eine Art Schönwetterphilosophie, eine Philosophie des Scheins, die dann versagte, wenn sie im wirklichen Leben gebraucht wurde. Schopenhauer wurde später vorgeworfen, selbst von seinem gelehrigen Schüler Nietzsche, er würde zu Resignation und Entsagen aufrufen, eine Philosophie des Pessimismus lehren, um dann nach Tisch die Flöte zu spielen, also optimistisch zu leben – bei Seneca traf der gleiche Vorwurf. Auch er räsonierte zum Teil über Dinge, die er nur aus der Theorie kannte und bot Lösungen an, die an der existentiellen Dimension des Problems vorbei gingen.

Die Apotheose des einsamen Lebens in der Schrift De brevitate vitae

 

Mit der Verklärung des einsamen Lebens hat Seneca ein Thema gefunden, dass sich leitmotivisch durch die Dialoge zieht und in immer neuen Variationen entwickelt wird. In der Schrift De brevitate vitae – Über die Kürze des Lebens, geschieht dies am prägnantesten und klarsten. Es ist vielleicht auch jene Schrift, die den Bedürfnissen des Menschen im 21. Jahrhundert am nächsten kommt, weil in ihr Phänomene angesprochen, die das Leben des neuzeitlichen Individuums in der Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft nach wie vor bestimmen. Seneca wirft die Frage nach dem eigentlichen Sein auf, nach dem Existieren in der Eigentlichkeit und fragt: Ist der Einzelmensch der Herr seiner Zeit – oder ist er ein Fremdbestimmter, ein von falschen Motiven und Werten verleiteter Getriebener? Ist der Mensch frei oder unfrei?

Seneca konfrontiert dabei zwei entgegengesetzte Positionen miteinander. Die Haltung des Lebensweisen, der als alleiniger Herr seiner Zeit in der Zurückgezogenheit lebt einerseits und das Getriebensein des Fremdbestimmten andererseits: Soli omnium otiosi sunt, qui sapientiae vacant, soli vivunt –  Ganz allein die haben Muße, die ihre Zeit der Philosophie widmen. Sie allein leben. Seneca verwendet seine ganze rhetorische Energie darauf, diesen adäquat existierenden Einsamen in Absetzung von seinem negativen Gegenstück, dem homo occupatus, zu definieren und näher zu bestimmen.

Es kommt auf den rechtzeitigen Rückzug an, der möglichst früh erfolgen soll, nicht erst am Ende der beruflichen Laufbahn, denn dann ist es meistens zu spät, um noch Herr seiner Zeit zu sein und wirklich zu leben. Göttergleiche Gestaltung wie Imperator Augustus, der Ovid in die Einsamkeit gestürzt hatte, sehnten sich nach einem Leben in Muße und Kontemplation, ohne dass ihm dies vergönnt sein sollte: „Er, der sah, das alles von ihm allein abhing, der über das Schicksal von Menschen und Völkern entschied, dachte in höchster Freude an jenen Tag, an dem er sich seiner Größe entkleiden würde.“ Der hohe Wert, der dem Kaiser versagt blieb, wurde nach Senecas Auffassung auch von Cicero nicht erreicht – wohl deshalb, weil sich dieser zu spät und zu halbherzig nach Tusculum zurückzog. Zu lange Zeit verkörperte auch er – übrigens wie auch Seneca selbst – den Typus des Vielbeschäftigten, der gefragten Kapazität, des gestressten Managers, des Workaholic, der nur Pflichten und Arbeit kennt und diese nicht loslässt, bis er zum Karoshi-Fall wird und tot zusammenbricht. Seneca geht mit Cicero ins Gericht, indem er eine Briefpassage zitiert und kommentiert, wo es heißt: „Was ich hier treibe fragst du mich? schrieb er, Ich sitze in meinem Gut bei Tusculum, nur noch halb frei. Anderes fügt er noch hinzu, wobei er sein bisheriges Leben bedauert, über das gegenwärtige jammert und an seiner Zukunft verzweifelt. Halb frei nannte sich Cicero. Aber, bei Gott, ein Weiser wird sich nie zu einer so verzagten Äußerung hinreißen lassen, wird nie halb frei sein, sondern stets in voller, unantastbarer Freiheit, unanhängig, selbständig und über alle anderen erhaben.“ Damit spricht Seneca Cicero es ab, überhaupt in der wahren Zurückgezogenheit angekommen zu sein. Cicero lebt zwar schon auf seinem Landsitz, innerlich aber ist er nach wie vor der gestresste Großstadtmensch, nach dem man auf dem Forum verlangt, ein unruhiger, noch nicht zur Ruhe Gekommener homo occupatus. Nur: „ Alle Welt ist sich ja darin einig, dass ein Mensch nichts vernünftig ausüben kann, wenn er gestresst ist, nicht die Kunst der Rede, nicht die anerkannten Fachwissenschaften, da er bei seiner Zerfahrenheit nichts tiefer in sich aufnehmen kann, sondern alles, als hätte man es ihm eingetrichtert, wieder von sich gibt. Nichts versteht ein gestresster Mensch weniger als zu leben, nichts ist schwerer zu erlernen.“ Seneca fordert, jetzt zu leben, nicht erst in der ungewissen Zukunft, wobei alle Erkenntnisse der gesamten Menschheitsgeschichte genutzt werden können. Gleichzeitig kommt es darauf an, sich auf das Sterben vorzubereiten nach dem Motto: Lebe so, dass du ruhig und von allem befreit jederzeit sterben kannst. Auf das Loslassen-Können kommt es an – bei Gütern und bei Pflichten.

Für den Geschäftigen und Fremdbestimmten, der von schnöder Profitgier gelenkt wird und sich um andere Leute Dinge kümmert, die ihn eigentlich nichts angehen und nur dazu führen, dass er an seinen Leben vorbei lebt, bietet selbst der gelegentliche Rückzug keine Erholung: „Bei manchen Leuten ist auch die Freizeit von Geschäftigkeit erfüllt. Auf ihrem Landgut oder gar im Bett, in tiefster Einsamkeit, lassen sie, obwohl sie sich von allen zurückgezogen haben, sich selbst keine Ruhe. Ihr Leben kann man nicht müßig nennen, sondern nur müßige Betriebsamkeit.“ Die Zahl derer, die nicht geruhsam leben können, weil sie ihre Ruhe nicht empfinden, die schon tot sind, ohne dies bemerkt zu haben, ist enorm und umfasst all jene, die statt Einkehr zuhalten, ihre Zeit auf jede nur denkbare Weise totschlagen; ganz egal ob sie am Spieltisch sitzen, auf dem Sportplatz, im Kolosseum, ob sie in der Sonne schmoren, stundenlang beim Frisör sitzen, auf dem geschmorten Eber warten, die falschen Künste betreiben oder in den Wissenschaften unnützen Fragestellungen nachgehen. Der vernachlässigten Philosophie sollten sie sich zuwenden, nicht dem billigen Vergnügen. Für die „Narren, die von Verpflichtung zu Verpflichtung hetzen“, wird es irgendwann ein böses Erwachen geben, wenn sie feststellen, dass sie in ihrer Geschäftigkeit am Leben vorbei lebten, ohne sich um die wahren Werte, die in dem Studium der Philosophie zu finden sind, zu bemühen: „Dagegen ist deren Leben äußerst kurz und unruhig, die Vergangenes vergessen, sich um die Gegenwart nicht kümmern und vor der Zukunft fürchten. Wenn ihr letztes Stündchen kommt, erkennen die Bedauernswerten zu spät, dass sie so lange, ohne etwas zu tun, geschäftig waren.“ Wer geschichtsorientiert lebt und das Umfeld der Zeit realistisch erfasst, wird auch die Zukunft nicht fürchten. Zu diesem bewussten, vernünftigen Leben verhilft der Umgang mit der Philosophie. Die Verwandten, stellt Seneca fest, kann man sich nicht aussuchen. Doch die geistige Familie kann selbst bestimmt werden. Wer sich aus freiem Willen täglich mit Zenon beschäftigt, mit Pythagoras, mit Demokrit, mit Aristoteles und Theophrast, wird reich beschenkt werden. Er wird selbst zufriedener werden und glücklicher; er wird nicht am Leben vorüberhaschen und aufschrecken, wenn es nach so kurzer Zeit vorbei ist, sondern er wird lange leben, weil er bewusst lebt. Mit diesen Erkenntnissen erhebt Seneca das einsame Leben zu einem Wert an sich, der die Voraussetzung für eine gelungene Existenzbewältigung darstellt. Wahre Einsamkeit bedeutet also nicht leiden, sondern maximale Freiheit. Sie ist eine Chance zur Selbstentfaltung und zum dauerhaften Sein in der Eigentlichkeit. Die Anzahl derer, die Senecas Einsichten in ihrer existentiellen Haltung folgen werden ist lang. Es sind hauptsächlich Philosophen und Theologen, Schriftsteller und Dichter, beginnend mit Augustinus über Petrarca, Montaigne, Schopenhauer und Nietzsche bis hin zu Wittgenstein und Heidegger, die den Gang ihrer Gedanken aus der Abgeschiedenheit eines natürlichen Umfelds heraus entwickeln werden, ganz egal ob in Cassiciacum, in Montaigne, in Sils-Maria oder in Todtnauberg.

Doch was hat sich für all jene geändert, die der Philosoph unter der Masse subsumieren würde – nach zweitausendjähriger Geistesgeschichte? Steht heute die Philosophie höher im Kurs als damals – oder das vernunftgemäße Leben im Verborgenen? Wohl kaum!

Senecas – auch heute noch hochaktuelle – Besinnungsschrift appelliert schließlich an Paulinus, einen nahen Verwandten Senecas, das verantwortungsvolle Amt des Getreideverwalters von Rom aufzugeben, sich der Muße zu widmen und sich im Privatleben um sich selbst zu kümmern: „Trenne dich also von der Masse, mein lieber Paulinus, und zieh dich, schon ärger umgetrieben, als es der Zahl deiner Jahre entspräche, endlich in einen ruhigen Hafen zurück!“

Die Zurückgezogenheit bei Mark Aurel und Epiktet

Mark Aurel, der einzige Kaiser unter den Philosophen, versteht den Rückzug in die Einsamkeit als den eigentlichen Weg zum Selbst. Der Mensch, der in sich selbst ruht, ist unabhängig von der Außenwelt und damit frei. „Man sucht Zurückgezogenheit auf dem Lande, am Meeresufer, auf dem Gebirge; und auch du hast die Gewohnheit nach einem Aufenthaltsorte dieser Art dich lebhaft zu sehnen. Aber dieses alles verrät im Grunde eine sehr beschränkte Ansicht. Steht es dir ja frei, zu jeder dir beliebigen Stunde dich auf dich selbst zurückzuziehen. Gibt es ja doch für den Menschen keine geräuschlosere und ungestörtere Stelle, als seine eigene Seele, zumal wenn er in sich Eigenschaften trägt, bei deren Betrachtung für ihn also bald eine vollkommen glückliche Stimmung eintritt, eine Stimmung, worunter ich nichts anderes verstehe, als sittliche Wohlordnung. Gönne dir nun immerdar dieses Zurücktreten ins Innere und verjünge so dich selbst.“ Die innere Freiheit, die Freiheit des Individuums in Ketten, an die Seneca in seinen Ausführungen zum unfreiwilligen Exil appelliert, ist als ein Grundelement stoischen Denkens hier wieder allpräsent. Ein Ort schränkt die Freiheit und die Selbstbesinnung nicht ein. Es bedarf nicht der äußeren Einsamkeit im Hochgebirge oder am Meeresstrand, um zum Selbst zu gelangen, um – der Natur gemäß und im Einklang mit ihr harmonisch existieren zu können. Das Bewusstsein der Freiheit macht den Menschen letztendlich frei – auch im Kerker. Doch wie lange? Wie lange ist ein solch extremer Idealismus im tatsächlichen Leben aufrecht zu erhalten?

Mark Aurel, der in seiner nahezu zwanzigjährigen Regentschaft in vielen Fragen pragmatisch handeln muß, als politisches Oberhaupt, als Feldherr, als mächtigster Mann der Welt, ist sich der Diskrepanz zwischen Ideal und Wirklichkeit immer bewusst. Er handelt zwar ethisch, indem er an ein anzustrebendes Ideal appelliert; doch weiß er, dass das Leben so ist wie es ist – mit all seien menschlichen Unzulänglichkeiten. Er ist überzeugt davon, dass der Mensch, der nach Aristoles ein gesellschaftliches Tier ist, ein zoon politikon, für andere da sein muß. Der Mensch ist ein gesellschaftliches Wesen, das nur im Miteinader existieren kann; kein isolierter Eigenbrötler, der immer und überall eigene Wege geht. Er existiert in und mit der Gesellschaft- und nur in den wenigsten Fällen außerhalb von ihr. Selbst der Lebensweise und der Kaiser auf der Pritsche und im Bettlermantel sind für die Allgemeinheit da und haben die Funktion, ihren Part zum Wohl aller beizusteuern. Das zum Selbst gelangen unter den Bedingungen der Einsamkeit ist kein Selbstzweck, sondern nur ein Mittel, um höhere Werte zu erzielen.

Ein Unterschied zwischen Seneca und Mark Aurel, der als Denker wie andere frühere Stoiker, Seneca nicht ausgenommen, keine revolutionären Neuansätze formulieren wollte, besteht in der Wertung der Vorbildfunktion des Einzelphilosophen. Während Seneca durch die ausgeübten hohen Ämter schon kompromittierte Seneca im tatsächlichen Leben oft eine konziliante, ja inkonsequente Position einnimmt und mit der Macht paktiert muss, versucht Mark Aurel, obwohl er tatsächlich die absolute Macht inne hat, als Vorbild zu leben und zu handeln. Caligula, Nero und andere Gewaltherrscher hatten die Tyrannis kultiviert und mit ihr einer aufziehenden Dekadenz, die schließlich zum politischen Niedergang des Weltreiches führen sollte, den Weg gebahnt. Mark Aurel stellte diesem Prozess seine Existenz entgegen.

Von Epiktet, einem weiteren bekannten Kopf der späten Stoa stammt der Ausspruch: „ Mensch, wenn du einer sein willst, geh auch allein und sprich mit dir und tauche nicht in der Menge unter! Denke nach, schau um dich, geh in dich, damit du erkennst, wer du bist.“ (Unterredungen) Das „Erkenne dich selbst“ des Thales, das die abendländische Philosophie einleitet, ist hier wieder präsent. Wie die meisten Epikureer und Stoiker, von Zenon bis Cicero und Seneca, sieht Epiktet die Selbstfindung und Selbsterkenntnis in der bewussten Absetzung von der Masse. Die uneingeschränkte Hingebung an die Masse verfälscht die Individualität. Deshalb vollzieht sich das freie und vernuftgemäße Philosophieren fernab von ihr in kontemplativer Ruhe im Refugium der Einsamkeit. Trotzdem ist keiner dieser Denker bereit, seine Mitmenschen und die Gesellschaft als solche in Frage zu stellen. Der Philosoph erfüllt keinen Selbstzweck, sondern er ist ein Teil der göttlichen Vernunftordnung. Er ist für die Menschen da und für die Gesellschaft. Seine Philosophie soll dem Mitmenschen nützlich sein und der Gesellschaft im weitesten Sinn. Eine Philosophie, die nur Selbstzweck ist, und keinem nutzt, ist den meisten antiken Philosophen, die, wenn sie nicht Naturphilosophen, im wesentlichen Lebensphilosophen sind, suspekt und fremd.

 

Die „Einsamkeit“ und „Melancholie“ im frühen Mittelalter und in der deutschen Mystik – „anachoresis“ und „monachoi“

Repräsentanten des Übergangs von der Antike zum frühen Christentum in den Jahren 300 – 400. Antonius, Evagrius Ponticus und Augustinus

Antonius, der Ägypter.

 

Gestalten, die für ein einsames Leben fern der Gesellschaft stehen, sind bereits in den texten des Alten Testaments anzutreffen. Moses und die Propheten Elias und Johannes der Täufer, von denen überliefert ist, dass sie in der Wüste lebten und predigten, gehören sicher dazu. Doch erst im frühen Christentum vollzieht sich der Prozess der „anachoresis“, der Rückzug aus der Gesellschaft. Aus den asketischen Lebensweisen der Zeit, die auch für heidnische Philosophen typisch sind, kristallisiert sich dann das christliche Mönchtum heraus. Es kommt zur so genannte monastischen Wende. Es ist die große religiöse Innovation der Spätantike schlechthin.

Ein Papyrustext aus dem Jahr 324 charakterisiert die neue Lebensform jener frühen Einsiedler mit dem Begriff „ monachoi“, also „allein Lebende.“ Die frühchristlichen Eremiten und Anachoreten lebten in strenger Askese und sexueller Enthaltsamkeit teils in kleineren Gruppen oder allein in extremer Isolation mit dem Ziel, über äußere Einsamkeit die innere Einsamkeit zu finden und mit ihr den Weg zu Gott zu bahnen. Der Beginn des christlichen Mönchtums in der Wüste markiert somit auch die Anfänge christlicher Spiritualität und christlicher Mystik.

Jesus selbst hatte in seinem Ringen um letzte Wahrheit in der Wüste meditiert und den Versuchungen des bösen Geistes widerstanden. Die frühchristlichen Anachoreten und Mönche folgen diesem Beispiel und verfolgen ihren Weg zur Wahrheit, ihren Weg zu dem einen Gott, über Entsagung, Leiden, Meditation, Gebet und Dämonenabwehr. Mit Askese und Enthaltsamkeit verbinden sie bereits eine ethische und moralische Haltung, die sich im Wertesystem der katholischen Kirche bis in die Gegenwart erhalten hat, nämlich die Vorstellung, ausschließlich und rein für Gott da sein zu müssen. Wahrhaftiges Aufgehen in Gott impliziert äußerte Reinheit der Seele und absolutes, ausschließliches Dasein für Gott, ohne geistige oder seelische Nebenbuhler. Aus der äußeren Einsamkeit kann somit über den Weg der asketischen Lebensführung die innere, die religiöse Einsamkeit erwachsen bis hin zur Erleuchtung, Verzückung, Schau und der Unio mystica, der individuellen Auflösung und dem Versinken in Gott.

Evagrius Ponticus und Johannes Cassian

In der Kirchengeschichte finden sich zahlreiche Hinweise auf frühchristliche Mystiker und Anachoreten, unter ihnen auch weniger bekannte Kirchenväter, Ketzer, Verdammte bis hin zu Geistesgrößen wie Augustinus. Zwei der Repräsentativsten unter diesen sind der zum Mönchsvater apostrophierte Antonius und Evagrius Ponticus, der wohl erste Beschreiber des Melancholiephänomens als Acedia.

Antonius, der wie Evagrius in der nahe der ägyptische Wüste lebte, gilt als der Idealtyp des mystischen Initiaten. Sein Leben ist in dem Athanasius zugeschrieben Werk Vita Antonii beschrieben. Die äußere Abgeschiedenheit, in der die Mönche lebten, wird so beschrieben: „ Es gab damals in Ägypten noch nicht so zahlreiche Klöster, und von der großen Wüste wusste der Mönch überhaupt nichts; jeder, der an seiner Vervollkommnung arbeiten wollte, übte sich darin nicht weit von seinem Heimatorte, und zwar allein.“( 201)

Später wurden die Erfahrungen mit der Einsamkeit, die weitgehend in der Abwehr von störenden Dämonen bestanden, ausgeweitet. Es konnte nicht einsam genug sein. Auch Antonius verließ die Gesellschaft und zog sich in die Wüste zurück, wo er – viele Jahre in einem einsamen Kastell eingeschlossen – im Kampf gegen Dämonen ausharrte und seine Katharsis betrieb. Im Jahr 305 soll er von Freunden aus der Verschanzung herausgeholt worden sein: „ Da trat Antonius wie aus einem Heiligtum hervor, eingeweiht in tiefe Geheimnisse und gottbegeistert.“ (201) Dieser verklärte Antonius repräsentiert einen neuen Menschen, der erleuchtet aus langer Einsamkeit hervorkommt, einen Geläuterten, die den Kampf gegen die Dämonen gewonnen hat und nun Macht über sie hat, einen Heilsbringer, der Trauernde tröstet und Kranke heilt. Die Parallelen zu Jesus, der, von endgültiger Gewissheit und gestärkten Glauben durchdrungen, aus der Wüste zurückkehrt, sind offensichtlich. Der zum Mythos gewordene Antonius setzt dann seine Ausstrahlung und Massenfaszination ein, um zu wirken und die Entwicklung des frühchristlichen Mönchtums weiter voranzutreiben: „ Dadurch überredete er viele, sich dem Einsiedlerleben zu widmen. So entstanden jetzt auch im Gebirge Klöster, und die Wüste bevölkerte sich mit Mönchen, die alles verließen, was sie besaßen, und sich einzeichneten für das Leben im Himmel.“ (202) Neben Gregor von Nyssa und Makarios dem Großen stellt Evagrius Ponticus den dritten der großen griechisch-christlichen Mystiker im 4. Jahrhundert dar. Er ist das bedeutende Bindeglied zwischen dem exegetischen Denker Origenes und Johannes Cassian, seinem Schüler, der dem westlichen Mönchtum die Welt der Wüstenspiritualität vermittelt hat.

Evagrius lebte in der Zeitspanne 383 bis zu seinem Tod in der ägyptischen Wüste in Askese und relativer Einsamkeit. Da ein längeres Überleben in extremer Einsamkeit, inmitten der lebensfeindlichen Wüste praktisch unmöglich war, siedelten die ägyptischen Eremiten in Kolonien am Rande der Wüste oder in der Nähe von Oasen und lebten als Einzelindividuen in loser Verbindung und Austausch in einer Gemeinschaft von Eremiten. Jesus Christus, der nach der Taufe vierzig Tage in der Wüste verbracht, gefastet und dem Bösen widerstanden hatte, galt als großes Vorbild. Als geordnetes Leben in Einsamkeit war diese Existenzform eine Vorstufe des Klosterlebens. Evagrius selbst, dessen Schrifttum im Zuge der teilweisen Verdammung der Lehren des Origenes in Vergessenheit geriet, war ein äußerst bescheidener Charakter und genoss als Meister der Einsamkeit, Lehrer und Mystiker die Wertschätzung seiner Zeitgenossen.

Die „Alleingespräche“ des Aurelius Augustinus aus Cassiciacum

Im Gegensatz zu Evagrius’ Nachfolger Cassian, der vom Bewusstsein her ein überzeugter Mönch war und daran glaubte, dass die christliche Vollkommenheit nur den Mönchen vorbehalten sei, war Augustinus, der bekannteste und wirkungsreichste und den frühchristlichen Denkern, lediglich „ ein Verfechter des monastischen Ideals“ ( McGinn,316). Er gründete zwar mönchische Anlagen, lebte aber nicht als Mönch.

Dessen ungeachtet kennt auch Augustinus das Leben in der Einsamkeit. Die wohl intensivste Phase der Einsamkeitserfahrung durchlebte Augustinus in der Zurückgezogenheit der norditalienischen Stadt Cassiciacum, unweit von Mailand, wo er eine Rhetorikprofessur hatte. In dieser Zeit verfasste er seine philosophischen Dialoge, unter ihnen die Alleingespräche, eine Art Vorläufer der Confessiones. Die Alleingespräche, auch Soliloquien genannt, eine Form, die Hugo von St. Viktor wieder aufgreifen wird, sind Früchte der Einsamkeit im Selbstgespräch. Das Ich befindet sich im Dialog mit der eigenen Seele und mit Gott und hat die Möglichkeit, wie es Hugo formuliert, auch die innersten, verborgensten und geheimsten Dinge mit sich selbst zu erörtern.

Augustinus befand sich in jener Zeit in einer lebensphilosophischen Krise, in einer Phase geistiger Neuorientierung und einer existentiellen Schlüsselsituation. Er war dreiunddreißig Jahre alt und bereit, das konventionelle Leben, die Karriere als Rhetor, die Frauen und die antike Philosophie hinter sich zu lassen und sich taufen zu lassen. In dieser Situation vor der Bekehrung zum Christentum hält er Einkehr in sich selbst und bespricht, in einem Dialog zwischen dem eigenen Ich und der Seele, zwischen Augustinus und der Vernunft, all die Fragen, die ihm eine existentielle und religiöse Neuausrichtung ermöglichen sollen. Es ist eine Auseinandersetzung mit dem eigenen Gewissen und zugleich eine Entdeckung der eigenen Seele als Substanz, Begriff und als Unvergängliches. Im Gegensatz zum Eremiten, der seinen Dialog mit Gott führt, setzt Augustinus auf die Innenschau und bespricht die wichtigsten Dinge, die ihn beschäftigen, mit sich selbst. Frage und Antwort als Weg zur Selbstfindung, und in der Auseinandersetzung vorwiegend mit stoischem Gedankengut und dem Vorbild Cicero, die Suche nach Wahrheit und Gott, finden im eigenen Bewusstsein statt. Es ist ein notwendiger Katharsisprozess, der ihm, dem ehemaligen Manichäer, schließlich den Weg zum Christentum eröffnen sollte.

Francesco Petrarca, ein großer Bewunderer von Augustinus, wird später an die Soliloquien und an die Bekenntnisse des Augustinus anknüpfen; er wird ihre Methode, aus der Einsamkeit heraus das Selbstgespräch zu führen, übernehmen, wird diese ausbauen und weiter kultivieren.

Einsamkeit und Mystik

Meister Eckharts „Abgeschiedenheit“ und „innerliche Einsamkeit“ – Der mystische Weg zu Gott

 

Die Blütezeit der Mystik, speziell der deutschen Mystik, die inmitten des allgemeinen Niedergangs der Kirche als Lichterscheinung zur Entfaltung kommt, ist vor allem mit dem Wirken Meister Eckharts verbunden. Dieser überragende Geist der Zeit und Prediger in deutscher Sprache im frühen 14. Jahrhundert, wurde um 1260 in Hochheim bei Gotha geboren und verstarb, während ihm der Prozess als Ketzer gemacht wurde, in Köln. Meister Eckharts „Hauptbedeutung liegt in der religiösen Verinnerlichung. Das wichtigste für den Frommen ist nach Eckhart der geheimnisvolle Vorgang der Geburt Gottes in der Seele; in ihm erreicht das Herabfluten des Göttlichen seinen unteren Endpunkt, um sich sofort in das Zurückfluten in die göttliche Sphäre umzusetzen. Die Gottesgeburt erfolgt in der „Abgeschiedenheit“, der Leerheit der Seele vor allem Kreatürlichen, allen „Bildern“. Eckhart (K.Heussi, S. 243)

Bei Meister Eckhart kommt es nicht darauf an, nur in die Einöde zu entfliehen, sondern der Fromme soll zu einer inneren Abgeschiedenheit gelangen: „Wenn ich predige, “ so lehrt Meister Eckhart, „pflege ich zu sprechen: von Abgeschiedenheit und dass der Mensch seiner selbst und aller Dinge ledig werde.“ 14) Das Ledig werden ist, wie Eckhart an anderer Stelle hervorhebt, ein zentrale Forderung der Heiligen Schrift. Bevor man Gott in sich aufnehmen kann, muss man sich aller Dinge, die noch zwischen dem frommen Individuum und Gott sind, überwinden. Meister Eckhart bringt es in einem Aphorismus auf den Punkt: „ Je lediger, desto mächtiger!“. Eine weitere prägnante Sentenz steht unter der Überschrift Der schwerste Sieg; „Meister Eckhart, der Prediger sprach auch also: Es ward nie größer Mannheit noch Streit noch Kampf, denn da, wo einer seiner selbst vergisst und verleugnet“ (363)

Erst ein lediges Gemüt ist fähig, Gott in sich aufzunehmen. Das große Apriori ist die Verinnerlichung Gottes. In seinen Reden der Unterweisung im Abschnitt Von der Abgeschiedenheit und vom Innehaben Gottes wird die Frage erörtert, ob Zurückgezogensein, Alleinsein und Kirchengebet das Beste seien: „ Mit wem es aber recht bestellt ist, der hat Gott in Wahrheit bei sich. Wer aber Gott rech in Wahrheit hat, der hat ihn an allen Stätten und auf der Straße und bei allen Leuten gerade so gut wie in der Kirche oder in der Einöde oder in der Zelle. (…) Da hat er Gott allein und meint allein Gott, und alle Dinge werden in ihm lauter Gott. Solch ein Mensch trägt Gott in allen seinen Werken und an allen Stätten, und dieses Menschen ganzes Tun wirkt lediglich Gott.“ Allein schon dieser kleine Gedankengang, und es ist einer von Tausenden, die allesamt darauf verweisen, das Meister Eckharts Schrifttum zu dem schönsten und poetischsten gehört, was die Theologie überhaupt hervorgebracht hat, lässt die Gefährlichkeit dieses teutonischen Philosophen erkennen. Die Aussage, dass der Gott suchende auch außerhalb der Kirche zu Gott finden könne, stellt die gesamte Institution Kirche als einzig legitime Verwalterin der Interessen Gottes auf Erden in Frage. Ein mutiges Auftreten dieser Art, nur wenige Jahrzehnte nach der Ausrottung der Katharer in Europa und der Einführung der Inquisition, war aus der Sicht der katholischen Kirche eine ungeheuerliche Provokation. Doch Meister Eckhart, Doktor der Theologie und Professor, guter Kenner der theologischen Diskussion seiner Zeit und der „heidnischen Meister“, geht noch weiter. In seinen weiteren Differenzieren und Ausführungen zum Weg des Gottfindens greift er die zentrale Lehre des Katholizismus an, namentlich die Hauptthesen der Scholastik in der Ausformung ihres Hauptrepräsentanten Thomas von Aquin. „Wer aber Gott nicht also in Wahrheit innehat, sondern ihn von draußen her nehmen muß in diesem und jenem und wer Gott in ungleichmäßiger Weise sucht, mittels eines Werkes, bei Menschen oder Örtern: der hat Gott nicht. (…) Dieses wahrhafte Gott-Innehaben liegt am Gemüthe und an einem innigen, aufmerksamen sich hinwenden und Trachten nach Gott. Nicht an einem stetigen, gleichmäßigen Drandenken;(…) Der Mensch soll sich nicht begnügen mit einem gedachten Gott; wenn der Gedanke vergeht, so vergeht auch der Gott. Viel mehr! Man soll haben einen wesentlichen Gott, der erhaben ist über den Gedanken des Menschen und aller Kreatur.“ Nach Thomas von Aquin ist Gott die höchste Idee, das summum bonum, die Summe aller Tugenden und Werte, während als Böse als das Fehlen des Guten verstanden wird. Meister Eckhart erkennt die Abhängigkeit des Gottesbegriffs vom menschlichen Denken und weist ihn als ungenügend zurück. Damit wird nicht nur die Kirche als Ort der Andacht in Frage gestellt, sondern auch das dort verkündete Dogma. Und dies auf den Straßen zu Köln am Rhein im Angesicht der vielen „Einfältigen“ – in deutscher Sprache und für deutsche Ohren bestimmt. Das war die eindeutige Infragestellung der bestehenden mittelalterlichen Ordnung in einer Zeit, wo weltliche Macht und geistliche Macht, Ludwig der Bayer gegen das Papsttum, um die Vorherrschaft in Europa kämpften. Aus dem Blickwinkel der katholischen Kirche, die immer nur den Machterhalt verfolgte, war Meister Eckharts brisantes Wirken eindeutige Ketzerei. Im eigentlichen Sinne des Wortes „Ketzer“, von „Katharoi“, den „Reinen“ abgeleitet, war Meister Eckhart tatsächlich ein Ketzer; denn schließlich wollte er nur einen möglichst reinen Weg zur Gottesaufnahme vermitteln.

Im gleichen Text ist eine Passage enthalten, in welcher Meister Eckhart zwischen profaner Einsamkeit und innerer Einsamkeit unterscheidet. „Das kann der Mensch nicht durch Fliehen lernen, indem er vor den Dingen flüchtet und sich zur Einsamkeit kehrt weg von der Außenwelt; sondern er muß eine innerliche Einsamkeit lernen, wo oder bei wem es sei. Er muß die Dinge durchbrechen lernen und seinen Gott darinne greifen und ihn und ihn kräftiglich in sich gestalten können in einer wesenhaften Weise.“ In einem anderen bekannten Wort Meister Eckharts, in dem bereits die neuere Phänomenologie eines Husserl und Heidegger antizipiert ist, heißt es in mittelhochdeutsch: „Wiltu den kernen haben, so muostu die schalen brechen.“ Eine Sentenz mit gewaltiger Tragweite. Es kommt darauf an, den Grund des Phänomens zu erkennen, das Wesen der Dinge zu erfassen – eben in der Wesens-Schau.

Die „innerliche Einsamkeit“ ist eine Voraussetzung dafür. Den Weg dahin erläutert Meister Eckhart mit einem von jedermann gut nachvollziehbaren Beispiel. Wie beim Schreiben, das erst mühsam erlernt wird, sich dann aber zur selbstverständlichen Kunstfertigkeit steigert, wirkt schließlich das Werk Kraft seiner Kunst.

Zu einer Zeit, als Francesco Petrarca seine Auseinandersetzung mit der Scholastik aufnahm und vor den Toren der damaligen Papstresidenz damit begann, an seinem großen Opus über die Einsamkeit zu arbeiten, formulierte Johannes der Zweiundzwanzigste in Avignon jene Bulle, die Meister Eckhart zum Ketzer stempeln und viele seiner Lehren als ketzerische verdammen sollte. In der Bulle heißt es: „Einer aus deutschen Landen, Eckardus mit Namen“, der „mehr verstehen wollte als nötig war“, habe , verführt „durch jenen Vater der Lüge“ sein „Ohr von der Wahrheit „ abgewandt. Er habe „zahlreiche Lehren vertreten, die den wahren Glauben in vieler Herzen umnebelten, die er aber soviel als möglich vor dem einfachen Volke in seinen Predigten vorgetragen und auch in Schriften niedergelegt hat.“ Meister Eckhart, das steht heute fest, war eine herausragende Persönlichkeit. Er hat die  Menschen seiner Zeit stark beeindruckt. Als Folge der Verdammung seiner Schriften gerieten auch seine Lehren, die nicht mehr offiziell verbreitet werden durften, über Jahrhunderte in Vergessenheit, bis sie von dem Theosophen und spekulativen Denker Franz von Baader wiederentdeckt wurden.

Die Mönchskrankheit aus der Sicht Heinrich Seuses

 

Die Namen all jener, die Meister Eckhart vor das Inquisitionsgericht zerrten und zur Verdammung seiner Schriften beitragen sollten, sind inzwischen durch die Geschichte getilgt worden. Meister Eckhart, von dessen Leben kaum etwas bekannt ist, wirkt aber weiter durch sein beeindruckendes Werk. In seinem schwäbischen Schüler aus Konstanz, dem zweiten großen Mystiker aus dem Dreigestirn Eckhart – Seuse – Tauler, Heinrich Seuse, latinisiert Suso, fand er einen würdigen Nachfolger.

Heinrich Seuse, um 1295 in Konstanz am Bodensee geboren, war ein viel gelesener Autor des Mittelalters. Auch für ihn ist der innerliche Weg zu Gott über Abgeschiedenheit und innere Einsamkeit ein großes Thema, das in vielen Variationen angesprochen wird. Seuse folgt seinem geliebten Meister, loyal über die Verdammung hinaus, in den Kernanschauungen. Die Art der Vermittlung aber ist eine andere. Während bei Meister Eckhart die kühnste Spekulation aufblüht, sich zu höchster Abstraktion steigert und nicht selten in einem Paradoxon gipfelt, das etwas von der mystischen Schau erahnen lässt, bleibt Seuse sprachlich-stilistisch auf der Ebene des gut und unmittelbar Nachvollziehbaren. Meister Eckhart ist bei aller Bemühung um Volksnähe immer noch mehr der Philosoph und als solcher der Ahnherr deutscher Spekulation und Metaphysik, während Seuse eher zum Schriftsteller neigt. Seuses Werke sind in einer von ihm autorisierten Fassung gut erhalten; darunter auch die Schrift Das Leben des Dieners, die als autobiographischer Roman gelesen werden kann. Der Weg in die Innerlichkeit, der bei Meister Eckhart so zielstrebig, klar und fast mühelos beschritten werden kann, erscheint bei Seuse voller Hürden, steinig und verbaut. Neben den vielen absurden und heute kaum noch nachvollziehbaren Kasteiungen, die bei Meister Eckhart überhaupt keinen Stellenwert haben, und sonstigen Prüfungen wird der „Diener“ Seuses auch von der berüchtigten Mönchskrankheit heimgesucht. In dem Abschnitt Von innerlichen Leiden wird, neben den Zweifeln an dem Glauben überhaupt und an der Rettung der Seele nach dem Tod, der melancholische Komplex Acedia-Tristitia deutlich definiert: „Das andere innerliche Leiden war unsinnige Traurigkeit. Ihm war beständig so schwer ums Herz, als ob ein Berg darauf läge.“ Andere große Melancholiker späterer Jahrhunderte werden das Phänomen fast mit identischen Worten umschreiben.

In einem weiteren Kapitel Von innerem Leiden im zweiten Teil des Buches Von des Dieners geistiger Tochter wird ein vornehmer Ordensmann geschildert, „über den hatte Gott ein inneres Leiden verhängt, und durch dieses Leiden war dem armen Bruder Herz und Sinn in Trostlosigkeit versunken, dass er Tag und Nacht weinend und heulend umherlief und sich übel aufführte.“ Grund dieses Leidens war ein Teufel, genannt „Spiritus blasphemiae“, der erst besiegt werden musste, um die Krankheit  zu heilen. Seuse, als Dominikaner gut mit der Kirchengeschichte vertraut, schildert hier die Acedia, wie man sie seit Evagrius Ponticus kennt. In einer weiteren, sich anschließenden Geschichte wird die Anfechtung noch weiter ausgeweitet und von einem weltlichen Mann berichtet, der das „allergrößte Leiden“ in sich trug – er war „an Gott verzweifelt“. Etwa um 1327 veröffentlichte Heinrich Seuse, der die letzten Jahren seines Lebens, als Eckhart-Vertrauter angefeindet, strafversetzt in Ulm verbrachte und dort auch begraben liegt, die von Herder, Lessing und anderen viel beachtete Schrift Das Büchlein der ewigen Weisheit. In dem Kapitel, Wie man innerlich leben soll, wird die Kontinuität zum verehrten Vorbild überdeutlich.

„Der Diener: Herr, zahlreich sind die Übungen und mannigfaltig die Formen des Lebens, eine so, die andere so, der Wege sind viele und vielerlei. Herr, die Schriften sind unergründlich, die Lehren ohne alle Zahl. Ewige Weisheit, darum hilf mir über den Abgrund all der Lehren und Schriften und lehre mich mit kurzen Worten, woran ich mich auf meinem Wege zu einem wahren Leben am allermeisten halten soll! Antworte der Ewigen Weisheit: Die wahrste, die nützlichste, die fruchtbarste Lehre, die dir aus all diesen Büchern aufgehen könnte, eine Lehre, die dir mit kurzen Worten alle Wahrheit erschließt und dich zur höchsten Vollkommenheit eines lauteren Lebens emporschwingt, ist diese:

Lebe abgeschieden von allen Menschen!

Halte deine Seele rein von allen Bildern, die durch die Sinne sich in dich drängen!

Sei frei von allem, was Leid und Sorge über dich bringen und dich an die Erde fesseln könnte!

Lenke deinen Geist allzeit nach oben zu verborgener gottinniger Schauung; was es aber sonst noch an Übungen gibt, es sei nun Armut, Fasten, Wachen und alle anderen Kasteiungen, die richte nach jenem als ihrem Ziel und Ende und wende sie so weit an, wie sie dich dabei fördern können! Sieh, so gewinnst du das höchste Ziel der Vollkommenheit, das unter tausend Menschen nicht einer begreift, weil ihr Ziel nur bei diesen Übungen stehen bleibt und sie darum die langen Jahre irregehen.“ (242f)

Das ist Meister Eckhart-Rezeption und Exegese. Auf die Frage, welche die höchste und beste Tugend sei, antwortete Eckhart, die „lautere Abgeschiedenheit“ übertreffe alles. Sie übertreffe alle anderen Tugenden, weil sie als einzige den Menschen ganz von der Welt löse. Nach Meister Eckharts Lehre trägt der Mensch das höchste Gut, die Wahrheit, in sich. Will der Mensch zu Gott, dann muss er sein Selbst, seine Eigenheit und seinen Willen aufgeben, damit das Göttliche, das in ihm ist, voll zur Entfaltung gelangt. Der Entwerdung als Mensch folgt – im Zustand der Abgeschiedenheit – in die mystische Einigung. Der Mensch, in dem Gott voll aufgegangen ist, ist nun selbst Gott. Hier werden erstaunliche Parallelen zu Mystiken anderer Kulturen, vor allem aber zur fernöstlichen Mystik, speziell zum Buddhismus, deutlich.

Seuse greift in seiner ältesten, von Meister Eckhart stark beeinflussten, Schrift Das Büchlein der Wahrheit die Thematik der Ich-Überwindung im Sinne seines Vorbildes auf. Nach ausführlichen Erläuterungen der „inneren Gelassenheit“ wird die Selbstentwerdung in ein Bild eingefangen. Es „ist ein kleines Wassertröpflein, das man in ein Fuder Wein gießt. Denn wie dieses sich selbst entwird, indem es den Gehalt und die Farbe des Weins an sich und in sich zieht, so geschieht denen, die im vollen Besitz der Seeligkeit sind: in der unaussprechlichen Seeligkeit muß alles menschliche Begehren weichen, sie entsinken sich selbst, versinken ganz in den Willen Gottes.“ (278)

Theresa von Avila

Die unio mystica vollzieht sich immer in Abgeschiedenheit; nur löst der Vorgang der erlebten mystischen Einheit die Situation Einsamkeit als solche auf. Eine unio mystica kann die Einsamkeit aber nicht auf Dauer verdrängen. Von der spanischen Mystikerin aus Avila, der heiligen Teresa oder Teresa de Jesus – sie reformierte den Orden der Unbeschuhten Karmeliterinnen- weiß man, dass sie, im fortgeschrittenen Alter, immer wieder  Phasen der Einsamkeit und Vereinsamung durchlebte, und dies unmittelbar nach der mystischen Erfahrung. Ihre Mystik hat sie in zwei Handbüchern, Der Weg zur Vollkommenheit und Die Seelenburg, 1577 erschienen, formuliert.

Aus heutiger Sicht ist der Zustand, den sie durchlebte, nicht eindeutig zuzuordnen. War es Melancholie oder war es gar die berüchtigte Acedia, die so genannte Mönchskrankheit? Die Acedia galt in der Hochscholastik – bei Thomas von Aquin wie bei Bonaventura – als Todsünde. Der Begriff wird fälschlicherweise gelegentlich mit „Weltschmerz“ übersetzt und mit der Melancholie gleichgesetzt. Er soll eine Seelenpest bezeichnen, die von Willensschwäche und Lebensunfähigkeit gekennzeichnet ist. Für den Mystiker, den wahrhaftig Gottsuchenden aber ist die Acedia viel gefährlicher als die Melancholie. Während die Melancholie aus dem Nichts kommt und ebenso schnell und grundlos im Nichts verschwinden kann, ist die Acedia ein Phänomen, das der schwache, wenig standhafte und zweifelnde Fromme selbst herbeigeführt hat. Die Acedia lähmt den Mystiker geistig und schneidet ihn somit von Gott ab. Der Prozess der unio mystica, der zum innerlichen Aufgehen, zur Vereinigung mit Gott führen soll, wird unterbrochen. Am Ende stehen dann die weltanschauliche Katastrophe, der weltanschauliche Zusammenbruch, die persönliche Krise und der negative Einfluss auf das religiöse Umfeld.

Johann Georg Zimmermann hat der Auseinandersetzung mit dem Einsamkeitsverständnis der Eremiten weiten Raum gewidmet und in seiner aufklärerischen Sicht versucht, zwischen „falscher Einsamkeit“, die auf „Schwärmerei“ zurückzuführen sei und „wahrer Einsamkeit“ als wahrhaftigem Gottsuchen, also zwischen Mystizismus und Mystik zu differenzieren. Die schärfste Zurückweisung des frühmittelalterlichen Einsamkeitserlebnisses wird, ungeachtet der Kritik einzelner Aufklärer, Nietzsche vorbehalten bleiben. Nach Nietzsche ist die im Mittelalter weit verbreitete Einsamkeit der Eremiten überhaupt keine Einsamkeit. Sie erschöpft sich darin, Dialog mit Gott zu sein. Sie ist, mit Nietzsche gesprochen, Zweisamkeit.

Wahre, letzte, absolute Einsamkeit ist, nach Lenau und Nietzsche, nur ohne Gott möglich. Die säkularisierte Einsamkeit der Stoiker, von Seneca, über Petrarca bis zu Jean- Jacques Rousseau, die nicht gottlos ist, da jeder im Einklang mit der Natur und der Weltvernunft existierende Geist Gott, also die Weltvernunft, in sich trägt, beschränkt sich darauf, praktische Lebenshilfe zu sein. Sie ermöglicht eine ethisch fundierte und, da sie noch ein Moment der Glückseligkeit in sich trägt, teilweise auch eudämonistisch-hedonistisch ausgerichtete Weltanschauung Darüber hinaus ist sie ein Medium des Schaffenden und somit ein Stimulans des Lebens selbst.

 

Der zentrale Stellenwert der „Einsamkeit“ im Werk der Humanisten.

 

De vita solitaria – Francesco Petrarcas Loblied auf die Einsamkeit. Die Begründung der Auffassung von der “schöpferischen Einsamkeit” und der elitären Phänomendefinition

Wissenschaftliche Aufsätze und Essays über die Einsamkeit finden wir tatsächlich erst bei Petrarca und Montaigne. Beide knüpfen darin, weitgehend unabhängig voneinander, an Ciceros und Senecas Paradigmen an und setzen die stoische Linie konsequent fort.

Francesco Petrarca, eine der großen, wirkungsreichen Gestalten der Weltliteratur, mit Dante Urvater des europäischen Humanismus und der Renaissancephilosophie, wurde 1304 in Arezzo im Exil geboren. Er entstammte einer bürgerlichen Familie aus Florenz, die aufgrund politischer Wirren nach Avignon, in die fast hundertjährige Residenz der ebenfalls exilierten Päpste, verbannt worden war. Petrarca selbst verlebte die ersten sieben Jahre seines Lebens in der Toskana, die folgenden vier Jahrzehnte aber weitgehend in der Provence bei Carpentras, unweit von Avignon. Er studierte mehrere Jahre an der Universität Bologna und in Montpellier. Im Alter von fast fünfzig Jahren kehrte Petrarca endgültig nach Italien zurück und lebte dort, protegiert von mächtigen Fürsten, bis zu seinem Lebensende im Jahr 1374.

Die Vita dieses poeta laureatus verlief durchaus nicht langweilig und monoton. Bevor Petrarca sich der „Einsamkeit“ zuwandte und in ihr sein Thema fand, um die eigene Existenz als Mensch und Künstler zu stilisieren, durchlebte er einige turbulente und ausschweifende Jahre in Avignon. Während er das väterliche Erbe verprasste, lernte er das Leben der „Stadt“ mit all ihren faszinierenden Höhen und Tiefen kennen. Avignon, die Stadt mit dem mächtigen Palais du Pape als Herzstück, vermittelte schon damals die Atmosphäre einer Großstadt, während Carpentras, heute das urbane Zentrum der Region Vaucluse, im 14. Jahrhundert noch ein Dorf war. Mit dem Versiegen des Geldsegens endeten auch die Reize des dekadenten Stadtlebens. Der Dichter wandte sich schließlich ganz vom Stadtleben ab. Aus der vita activa seiner siebenjährigen Studentenzeit, die er später als unnütze Zeitverschwendung empfinden sollte, wurde eine vita contemplativa. Um sein materielles Auskommen zu sichern, empfing Petrarca die niederen Weihen und bezog später ein Einkommen als Kaplan. Aus dem sinnenorientierten Lebemann wurde zunehmend ein in sich gekehrter homo religiosus, der sich als homo litteratus verstand.

Petrarca lebte um 1330 freiwillig zurückgezogen in einem kleinen Häuschen in Vaucluse, am Ursprung der Sorge, in Studien vertieft und mit Dichten beschäftigt in selbst gewählter Einsamkeit.

Um diese Zeit empfindet er die Einsamkeit als die Existenzform schlechthin. In der 1343 entstandenen Hommage De otio et solitudine würdigt der Humanist diese Art zu leben: „Il m’a semblé qu’aucun commencement n’etait préférable à l’examen de la solitude et de la liberté (otium); non seulement parce que j’avais conscience que c’est en elles que j’ai trouvé les plus nombreuses et les plus grandes consolations de ma vie, mais parce que je me rappelais que bien des hommes, et d’illustres, avaient cherché dans ce port un remède contre les tempetes de leur existence.“ 2)

Interessant bei Petrarca, der gleich Seneca, auf die eigene Erfahrung setzt, sind die Verknüpfungen von Einsamkeit und Freiheit sowie von Einsamkeit und großer Individualität. Hier klingt bereits an, was für Schopenhauer und Nietzsche bestimmend sein wird: Einsamkeit ist ein Charakteristikum genialer Naturen – alle freien Geister sind einsam. Aus Petrarca spricht bereits das selbstbewusste Individuum, der künftige hier schon antizipierte Renaissancemensch, der die eigene Individualität zum Maßstab nimmt und damit alle konventionellen Gesetzmäßigkeiten sprengt. Schopenhauer, der sich in seiner Apologie der Einsamkeit auf Francesco Petrarca beruft, zitiert deshalb die selbstbewussten Verse:

Ein einsam Leben hab’ ich stets gesucht

Bach, Feld und Wald weiß davon zu erzählen,

Vor jenen stumpfen Geistern auf der Flucht,

Durch die ich nicht den Pfad zum Licht kann wählen. 3)

In der Zeit um 1346 verfasst Petrarca seine eigentliche Abhandlung über die Einsamkeit: De vita solitaria, deren Original im Vatikan aufbewahrt wird. 1371 schloss er das Werk, das ihm ein „Herzensanliegen“ war, endgültig ab. De vita solitaria ist ein Hymnus auf das Leben in Einsamkeit, eine „Verherrlichung des einsamen und mußevollen Lebens“. Das im Mittelalter viel gelesene Werk liegt heute in der sehr ausführlichen und gut kommentierten historisch-kritischen Textausgabe von K.A. E. Enenkel vor. Deutsche Ausgaben hingegen sind kaum greifbar und wohl schon seit längerer Zeit nicht mehr verlegt worden. Das sind Gründe, weshalb dieses bedeutende Werk weitgehend über Sekundärliteratur inadäquat rezipiert wird.

Seneca, Petrarcas großer Gewährsmann, beschreibt in seiner Abhandlung Von der Gemütsruhe die Vorzüge des Selbstseins im krassen Gegensatz zu den Nachteilen der unharmonischen und selbstentfremdeten Existenz. Petrarca greift diesen Gedankengang auf und spitzt ihn weiter zu, indem er den stets beschäftigten und von eigentlichen Dingen abgelenkten Stadtmenschen, wie er ihn aus dem dekadenten Avignon seiner Zeit kennt, dem einsamen, aber glücklichen Menschen, der mitten in der Natur lebt und arbeitet, gegenüberstellt. Mit felix solitarius umschreibt er die selbst gewählte Existenzform, während der miser occupatus die geschäftigen Stadtbewohner kennzeichnet; speziell verachteten Winkeladvokaten und den vielleicht noch mehr entwürdigten Arzt, den er verachtungsvoll Mechaniker nennt. Während das stets abgelenkte und geistlose Leben des Stadtbewohners einem sinnlosen Sklavendasein gleichkommt, schildert Petrarca die Vorzüge der Einsamkeit in plastischen Passagen : „Il ne sent en lui-même nulle envie à l’égard de personne, il ne hait personne; content de son sort et inaccessible aux coups de la fortune, il ne craint rien, ne désire rien (…) Sa vie est heureuse et tranquille, ses nuits comme ses jours libres, ses repas surs; il marche librement , s’assoit en paix, ne médite aucun complot, n’a pas à se tenir sur ses gardes; il sait qu’il est aimè pour lui-même non pour ses biens. »

4) Das ist weitgehend stoisch-epikureisches Gedankengut. Die Einsamkeit ist also die Bedingung für eine ethisch fundierte Lebensführung und Existenzbewältigung. Doch Petrarca verharrt nicht vollständig in dieser statisch-kontemplativen Denkweise. Er erweitert das stoische Modell: Einsamkeit ist Selbstsein – Selbstsein in Freiheit zumindest im Ansatz durch eine Dynamisierung des Freiheitsbegriffs.

Die Freiheit Petrarcas geht über die reine Existenzgestaltung hinaus; sie wird zur Freiheit des schaffenden Subjekts. Man hat De vita solitaria mit einer musikalischen Komposition verglichen, die eine eigene Einheitlichkeit aufweist. Das Leben in Einsamkeit erklingt immer wieder als Leitmotiv, wobei Petrarca nicht müde wird, auf die lange Ahnenreihe der von ihm bewunderten Vorbilder zu verweisen, die allesamt in Einsamkeit lebten und aus der Einsamkeit heraus ihre poetischen und philosophischen Werke schufen. Platon gehört ebenso dazu wie der vergeistigte Plotin, der sich geschämt haben soll, einen Körper zu besitzen, der vergötterte Cicero, mit welchen sich Petrarca so sehr identifiziert haben soll, dass er glaubte, selbst einiges von ihm verfasst zu haben, Seneca, schließlich Augustinus – und, die gesamte Antike überragend – Jesus Christus. Zahlreiche Stellen aus dem Alten und Neuen Testament stützen Petrarcas These, dass nur das Leben in Einsamkeit die dem geistig Schaffenden angemessene Lebensform sei.

Petrarca unterscheidet drei Formen der Einsamkeit, einer zeitspezifischen, einer ortspezifischen und einer Einsamkeit der kontemplativen Geistesverfassung. Wie bei den stoischen Vorbildern ist das Leben in Einsamkeit immer mit Studien verknüpft. Es ist eine Einsamkeit mit Büchern, mit Totengesprächen, colloqui cum omnibus, qui fuerunt gloriosi viri, im geistigen Austausch, die zu neuen Büchern führt, zu Abhandlungen ebenso wie zu großer Dichtung: „solitudine sine literis exilum est, carcer, eculeus “, schreibt Petrarca. Einsamkeit ohne Bücher ist Verbannung und Kerker. Mit Studien aber, fügt er hinzu, wird sie zur Freiheit und Lust.

Petrarca hat als Schriftsteller und Denker viel zur Einsamkeit ausgesagt und damit dafür gesorgt, das sich die stoische, ethisch definierte und zielorientierte Auffassung von Einsamkeit weiter verbreitete. Als epochaler Dichter tut er ein weiteres. Er macht die Einsamkeit zu einem literarischen Grundmotiv, das in den kommenden Jahrhunderten, im Barock wie in der gesamten europäischen Romantik aufblühen wird. Eines seiner Sonette, vielleicht sein berühmtestes, beginnt mit den Worten:

Solo et pensoso i piu diserti campi

Vo mensurando a passi tardi i lenti

In deutscher Nachdichtung: Allein, in mich versenkt, durch ödes Land, / die Schritte messend, geh ich langsam hin, (Stierle, S. 135) oder: Einsam und sorgenschwer auf öder Flur/ meß ich die Wüstenei mit meinen Schritten (H. Heintze). Dieser Einsame wird als einsamer Verliebter, als einsamer Wanderer, zum bedeutenden Motiv avancieren. Bis hinein in die Tiefen der Melancholie, die Petrarca ebenso vertraut war wie die Einsamkeit. Für einige Petrarca-Forscher ist sie die Triebfeder seines Schaffens schlechthin. Lyrische Dichtungen aber auch Abhandlungen entstehen in der Auseinandersetzung mit der Melancholie. Signifikantes Beispiel dafür ist eine nicht für die Öffentlichkeit bestimmte Schrift, das so genannte Secretum. Die vollständige Überschrift des zweiteiligen Werkes Vom geheimen Konflikt meiner Herzenssorgen und Gespräche über die Weltverachtung verweist auf seinen Charakter. Es ist eine Art intimes Tagebuch, stilistisch anspruchsvoll gestaltet, in welchem Petrarca in einer fiktiven Auseinandersetzung mit seinem Vorbild Augustinus manche seiner seelischen Geheimnisse offen legt in vielfacher Weise sein Ringen um das Selbst in einer für freie Individuen nicht einfachen Zeit dokumentiert. Bestandteil dieser psychologischen Disputationen ist auch die Thematisierung der Acedia in Distanzierung von der Scholastik, speziell von jenen Vertretern der Kirchenlehre, die das Acedia-Phänomen am vehementesten bekämpften, namentlich Thomas von Aquin und Bonaventura.

Petrarcas negativer Melancholiebegriff und Dante

Petrarca kennt die Melancholieauffassung als Acedia der Scholastik hauptsächlich in der Ausformulierung des Thomas von Aquin als Schwerfälligkeit und Trägheit. Was ihn stört ist die Interpretation dieser Seelen- oder Gemütskrankheit als Sünde, ja Todsünde und Hauptlaster, aus welchen alle anderen Laster hervorgehen sollen. Deshalb neigt er dazu, obwohl er den Begriff der accidia gebraucht, zur Melancholieauffassung der Alten, speziell der römischen Stoiker Cicero und Seneca, zurückzukehren. Petrarca hat das Melancholiephänomen in seinen Gesprächen über die Weltverachtung genauestens beschrieben. Es ist eine Auseinadersetzung mit der Seelenkrankheit, die nicht für die Welt bestimmt ist, sondern, im Sinne einer existentiellen Bewältigung, für sich selbst, zum Nachlesen, zum Bewusstwerden, zur Reflexion und Meditation. Petrarca schreibt dazu in der Vorrede: „Du also mein Büchlein wirst die Gesellschaft der Menschen fliehen und damit zufrieden sein, bei mir zu bleiben eingedenk deines Namens: denn mein Geheimnis bist du und sollst du genannt sein und du wirst mich, wenn ich in der Einsamkeit mit höheren Gedanken mich beschäftige, erinnern, wie du dich selbst erinnerst, an das, was damals in der Einsamkeit gesprochen wurde.“(17)Aus stilistischen Gründen und an Cicero angelehnt, baut Petrarca eine Dreierkonstellation auf, die ihm die Möglichkeit eröffnet, eine objektive Phänomenanalyse und Beschreibung vorzunehmen. Die allegorisch präsente „Wahrheit“ ist als höhere Instanz in den Dialog integriert, greift aber nicht ein. Die eigentlichen Dialogpartner sind Franciscus, da ist Petrarca selbst, und Augustinus, der geliebte Lehrmeister, aus dessen Mund die Wahrheit, die Antwort, die objektive Lösung auf das Problem, vernommen wird. In dem Kapitel De tristitia et miseria in Petrarcas Glücksbuch, Heilmittel gegen Glück und Unglück, entspannt sich ein ähnlicher Dialog zwischen Schmerz und Vernunft, wobei Schmerz und Traurigkeit keine Existenzberichtigung zugesprochen bekommen. Im Secretum hingegen erhält die Melancholie eine eigene besondere Gewichtigkeit, die weit über die profane Traurigkeit hinausreicht. Auf die zahlreichen Klagen des Dichters, der an seiner Zeit, an der Welt überhaupt, an der eigenen sorgenvollen Existenz, an der menschlichen Unzulänglichkeit und Endlichkeit und an vielen weiteren Erscheinungen, die allesamt Melancholie generieren, leidet, antwortet ein luzider Augustinus: „Du leidest an einer unheilvollen Seelenkrankheit. Die modernen nennen sie den Weltschmerz, die Alten heißen sie die üble Laune.“ Es folgt eine Schilderung der Krankheit aus der Sicht des Leidenden in unterschiedlichten Nuancen und Variationen, wobei auch komplizierende, ja lebensbedrohende Begleitphänomene der Melancholie, modern gesprochen der Depression, einfließen: „ Dieser traurige Seelenzustand ist für mich ein Fülle von Schmerzen, Elend und Schrecken, ein offener Weg zur Verzweiflung. Er kann eine unglückliche Seele ins Verderben treiben. Unter meinen anderen Leidenschaften habe ich ja oft, aber immer nur kurz und vorübergehend zu leiden. Diese Pest aber lastet bisweilen so hartnäckig auf meiner Seele, dass sie ganze lange Tage mich fesselt und foltert.“ Aus dieser Beschreibung, die poetisch-pathetisch weiter geführt wird, ist herauszulesen, dass es sich hierbei um eine sehr ernste, existentielle Beschreibung der melancholischen Heimsuchung handelt. Bei vielen anderen Melancholikern durch die Jahrhunderte finden sich die gleichen Symptome. Petrarca hält sich aus tausend Gründen für den allerunglücklichsten Menschen. Kaum ist eine Wunde vernarbt, schlägt ihm das Schicksal eine neue, was ihn wieder traurig macht und ihn dazu veranlasst, alles Menschliche zu hassen und zu verachten. Augustinus, der verständnisvolle Zuhörer und Therapeut, erkennt, dass diese Krankheit tiefe Wurzeln hat und nicht oberflächlich geheilt werden kann. Deshalb dringt er mit Fragen noch tiefer in die Individualität des Leidenden, dem alles widerwärtig ist, vor und gibt ihm die Möglichkeit, „die Kennzeichen des Weltschmerzes“, das Gefühlte und Erfahrene, noch ausführlicher zu artikulieren. Doch dann setzt mit der Feststellung des Augustinus „Du leidest an einer alten Krankheit. Willst du nicht ein altes Mittel dagegen nehmen?“ der therapeutische Umschwung ein. Nach der Bewusstmachung der Krankheit, fordert Augustinus nun ihre existentielle Bewältigung, durch die Rückbesinnung auf die Weisheiten und Antworten der Philosophie und auf die Werte der Antike, speziell auf das Maß als maßvolle Zielsetzung. In der griechischen Antike ist alles Hybris, was in Selbstverstiegenheit und Fehleinschätzung des Selbst über das Maß hinausgeht. Da ein hohes Ziel aber in der Regel nie zur Vollendung kommt und damit Enttäuschung hervorruft, stellt sich Melancholie ein. Das gilt es zu vermeiden. Christlich gesprochen ist Hybris Sünde. Petrarca kennt diese Zusammenhänge und das Ideal der goldenen Mitte und orientiert sich auch danach. In einem Seitenhieb auf die Scholastik, deren Acedia-Definition er ganz nebenbei zitiert, stellt der einsichtige Franciscus/ Petrarca fest: „ Schon längst habe ich meinen Wünschen ein Ziel gesetzt, und wenn ich mich nicht täusche, ein recht bescheidenes. Doch die frechen und schamlosen Sitten meiner Zeit nennen Trägheit und Faulheit, was Bescheidenheit ist.“ Petrarca leidet innerlich als Dichter und sensibler Geist. Er leidet an den Sorgen des Alltags und der Notwendigkeit, seinen Lebensunterhalt bestreiten und für die Zukunft sorgen zu müssen und sehnt sich dabei nach freien künstlerischen Schaffen und einem ruhigen Lebensendabschnitt im sicheren Hafen. Er leidet an metaphysischen Fragestellungen, an der Vergänglichkeit alles Schönen, Großen und Guten, aber er leidet auch ans seinem profanen Umfeld, der verruchten Stadt Avignon, die nur verwerfliche Existenzen hervorbringt, etwa „Mechaniker“, die sich, statt mit Harnflaschen Umgang zu pflegen, sogar erdreisten, Bücher zu schreiben. „Wer vermag meinen Ekel und Überdruss am Leben mit Worten zu schildern? Ach, diese hässlichste und unruhigste Stadt der Welt, worin aller Auswurf und Schmutz der Erde aufgehäuft ist. Keine Worte kommen dem Abscheu gleich, den ich vor ihr empfinde. (…) Manchmal glaube ich mich lebendigen Leibes in der Hölle begraben. Und da soll man noch großen Dingen und edlen Gedanken sich hingeben!“ Das einzige Heilmittel, das gegen die aufziehende Melancholie und Verzweiflung hilft, ist geistiger Natur. Es sind, neben der künstlerischen Auseinandersetzung mit den Ursachen der Melancholie, die therapeutischen Charakter hat, die tröstenden und beruhigenden Gedanken der Philosophie, die immer wieder wachgerufen und umgesetzt werden müssen. Montaigne hat auf diesem Fundament dreihundert Jahre später seine geistige Welt aufgebaut und ein weltanschauliches Programm entworfen, wie man sich auf das Leben und auf das Sterben vorbereitet. Augustinus empfiehlt jene Schriften Senecas und Ciceros, die sich mit der Seelenkrankheit, der Quelle und dem Anfang von Elend und Laster, beschäftigen: „Wenn du beim Lesen auf wertvolle Gedanken stößt, durch die du dich angeregt oder beruhigt fühlst, so vertraue nicht einfach auf dein Verständnis, sondern präge diese Gedanken tief in deinem Gedächtnis ein und mache sie dir durch langes Nachdenken vertraut.“ Diese Gedanken müssen wie ein richtiges Heilmittel eingesetzt werden, um die traurige Seelenkrankheit zu bannen, bevor sie Überhand nimmt, in Verzweiflung umschlägt und die Existenz gefährdet. Am Ende des Gesprächs steht die Hoffnung, dass man der traurigen Gemütsstimmung entrinnen kann. Petrarca geht als Franciscus einsichtig und geläutert aus dem Gespräch hervor.

Einsamkeit und Melancholie sind bei Petrarca zwei unterschiedliche Phänomene, die sich klar voneinander abgrenzen. Die Einsamkeit ist die positive Erscheinung, das Prinzip des Lichts und, im Wechselverhältnis zu angemessener Geselligkeit, die ideale Existenzform schlechthin. Melancholie aber ist das Prinzip des Dunklen, das Leiden, die Krankheit, somit der Zustand der überwunden werden muss. Petrarca sah sich selbst als Seelen- und Gemütskranker. Wie Seneca glaubte er daran, dass Seelenkrankheiten im Gegensatz zu physischen Gebrechen geheilt werden können, wenn der Leidende dies auch wirklich will. Die Einsamkeit wird immer gefeiert und verherrlicht, die Melancholie aber verheimlicht und bekämpft. Versuche, die Melancholie umzudeuten und ihr positive Aspekte abzuringen, wie es in späteren Jahrhunderten in der englischen Literatur der Fall sein wird, kommen  Petrarca nicht in den Sinn. Seine Erfahrungen der Melancholie sind nicht ästhetisch stilisiert, sondern bitter existentiell und damit entscheiden ablehnend negativ.

Petrarcas großer Landsmann und Zeitgenosse, Dante, vertrat eine ähnliche Melancholieauffassung. In einem seiner Gedichte erscheint die Melancholie als Allegorie, die mit den Worten: „Io volio un poco stare teco“ -. Ich will bei dir ein wenig weilen, an den Dichter herantritt. Die Antwort ist unmissverständlich: „Partiti“- Fort, hebe dich hinweg von mir! Noch ist die Melancholie kein erstrebtes Objekt der Sehnsucht. Dante scheut sie und flieht sie und artikuliert so eine Haltung, die bis tief hinein in die italienische Renaissance anzutreffen sein wird. Erst dann wird Michelangelo ausrufen: La mia allegrezz’ e la maniconia! Als große Gestalt der Zeitenwende, als Wiedererwecker der Antike, erstrangiger Humanist und Renaissancemensch frühester Stunde, als ein zur Melancholie Disponierter, als einer mit den Begleiterscheinungen der Accidia Vertrauter und vielfach Betroffener, schließlich als Kämpfer gegen seine Zeit und Zweifler, muss Petrarca in diese Auseinandersetzung hineingehen und Position beziehen. Seine Antwort ist sein Werk.

Einsamkeit und Melancholie in der Renaissance

Die „Saturniker“ des Mediceerkreises

                                                                                   La mia allegrezz’ è la maninconia.

Michelangelo.

Ein Dichter am Kamin – die Melancholiebeschreibung des Angelo Poliziano

Melancholie war im frühen Quattrocento ein häufig und gern gebrauchtes Wort, das teils für die Bezeichnung einer konkreten Seelenkrankheit, einer Gestimmtheit oder zur Hervorhebung eines bestimmten Wesenszugs eingesetzt wurde. Oft aber verfolgte man mit dieser Bezeichnung nur eine Selbststilisierung, die auf ein sensibles, an der Welt leidendes Individuum verweisen sollte.

Offensichtliche Anzeichen einer pathologischen Melancholie wies Lorenzo de Medicis Gattin auf, die immer wieder in düstere Phasen der Trauer verfiel. Bei dem Dichter Angelo Poliziano hingegen, dem Hausgelehrten der Medici-Familie, nach seiner Herkunft aus der Weingegend Monte Pulciano benannt, ist bereits der bewusste Umgang mit dem Melancholiephänomen anzutreffen. In einem leicht ironisch gehaltenen Schreiben an die Mutter des Prächtigen Lucrezia Tornabuoni, schreibt der bekannte Humanist Poliziano, der seine Verse nicht mehr in Latein, sondern in einem frühen Italienisch, im so genannten „volgare“ verfasste, aus der heimischen Zurückgezogenheit: „Ich sitze zu Hause am Feuer in Pantoffeln und Hausrock, und wenn ihr mich sehet, schiene ich Euch als die Melancholie selber; vielleicht scheine ich mir selbst so; ich tue und sehe und höre nichts, was mich freut, so sehr betrübt mich unsere Lage. Schlafend und wachend habe ich immer wieder diese Hirngespinste im Kopf. Ich bleibe allein und meine Gedanken wühlen in Seuchen und Kriegen und Schmerzen um die Vergangenheit und Ängsten vor der Zukunft, und ich habe niemanden, mit dem ich meine Phantasien besprechen könnte. Hier finde ich nicht meine Madonna Lucrezia, bei der ich mein Herz ausschütten könnte, und ich sterbe vor Langeweile. (Cre 97f) Die Melancholie-Situation ist perfekt eingefangen. Ein Dichter sitzt allein am Feuer, starrt in die Glut und wird sich seiner Einsamkeit bewusst. Er will ein Werk schaffen und über dieses Werk aus der lähmenden Lage ausbrechen. Doch je mehr er sich in das Sinnen vertieft und der Vergänglichkeit folgt, die sich in den Flammen vollzieht, desto mehr gerät er in die Wirren nieder ziehender Gedanken. Die Reflexionen verfolgen ihn auch noch im Schlaf, der unerquicklich verläuft. Das Unbewusste wühlt weiter, ohne ihn zur Ruhe kommen zu lassen. Unerklärliches und Phantastisches drängt sich ihm auf und zwingt ihn, die eigenen Träume, die sich nur schlecht als Hirngespinste abtun lassen, zu deuten. Wieder erwacht, weicht das Irrationale unbewusster Traumwelten – doch auch die Ratio wirft ihn reflexiv zurück und veranlasst ihn, auch die Vergangenheit zu deuten, das weite Feld der Geschichte, die er als Gelehrter im Kreis von anderen Hochgelehrten der Florenzer Akademie gut und bis in die Antike hinein überblicken kann. Das Unbefriedigende der Geschichte und ihre negative Botschaft erfassen, ja determinieren ihn und stimmen ihn traurig. Pessimismus ergreift ihn und lässt auch die Gegenwart, die ihm langweilig erscheint, unbefriedigend aussehen. Schließlich zweifelt er auch noch an der Zukunft, die ihm verbaut erscheint. Die Freude weicht aus der Situation und räumt Ängsten und destruktiver Langeweile das Feld. Das ohnmächtige Individuum weiß nichts mehr mit sich anzufangen. Jeder Kommunikationspartner, der eine bewältigende Verbalisierung ermöglichen könnte, fehlt. Damit sind alle wesentlichen Elemente, die einen Melancholiker bestimmen, ganz egal ob er in der Antike lebt oder in der Moderne unserer Tage, zusammengefasst. Der schwache Versuch, die tatsächlichen Heimsuchungen nach durchlittener Situation zu ironisieren und zurückzudrängen, ist natürlich zum Scheitern verurteilt. Der Sinnende und Grübelnde weiß, dass eine ähnliche Leidsituation aus dem Nichts wiederkehren kann. Dieses Wissen steigert seine Ängste und führt zu einem Anflug stiller Verzweiflung.

Therapierte Melancholie bei Marsilio Ficino

Marsilio Ficino, das Haupt der Platonischen Akademie in Florenz, Fürst Lorenzo der Erlauchte und Graf Pico della Mirandola, um nur die drei wichtigsten Namen zu nennen, galten ihrer Zeit als Melancholiker. Als solche empfanden sie sich auch selbst. Die Drei waren im Zeichen des Saturn geboren. Und mit ihrer Zeit, die noch an der Astrologie als empirische Wissenschaft festhielt, glaubten sie – Ficino mehr, Pico weniger – daran, dass die Sterne Einfluss auf das Wesen der Menschen nehmen und das Einzelschicksal mitbestimmen.

In einem Schreiben Picos an den hochverehrten väterlichen Freund lässt Pico sich auf ein Wortspiel ein, speziell auf die Nähe von „saturnus“ – dem Saturn zugeordnet-  und „saturus“ – gesättigt – , und fragt dabei spöttisch: „Bist Du nicht Saturniker, oder sind wir etwa Saturierte?“ (Cre 90) Die Identifikation mit dem Saturnischen, also dem Melancholischen, war gleichzeitig eine Bestätigung des Außergewöhnlichen, ein Verweis auf eine besondere Leistungsfähigkeit in Wissenschaft und Kunst. Das Cicero-Wort: „Aristoteles quidem ait omnes ingeniosos melancholicos esse“, also alle schöpferischen Menschen seien nach Aristoteles Melancholiker, ist als großes Diktum der Zeit unter den Gebildeten der Florenzer Plantonikerakademie, der Gelehrte, Musiker und Künstler angehören, eine anerkanntes Paradigma und allpräsent. Da andere positive Aussagen zur Melancholie und zu Melancholikern fehlen, wir Aristoteles’ fragmentarische Aussage, die vielleicht sogar aus dem Zusammenhang gerissen sein könnte, gerne aufgegriffen und bis zum Überdruss kultiviert.

Marsilio Ficino, der viel bewunderte Platon und Plotin-Übersetzer und Kommentator, war schon seit Cosimos Zeiten dem Hause Medici verbunden. Ihnen verdankt er das Gut in Carreggi, wo er den Sitz der Akademie und somit das geistige Zentrum der Renaissance in Italien etablieren sollte. Carreggi war der Ort unzähliger Begegnungen und Disputationen, aber auch das stille Refugium des Ficino, in dem er in freiwilliger Zurückgezogenheit seinen kontemplativen Stunden verbrachte.

Die Einsamkeit hat bei Ficino einen hohen Stellwert. Denn die Einsamkeit ist – neben Schlaf und Ohnmacht – für ihn eine jener Bedingungen, die, wie Paul Oskar Kristeller in seiner bekannten Darstellung zur Philosophie Ficinos ausführt, „durch die Unterbrechung der äußeren Funktionen den inneren Akt der Seele“ (Kr200) erleichtert und fördert. Das Bei-sich-Selbst-Sein der Seele, das für Marc Aurel genauso erstrebenswert ist wie für Montaigne, ist die Voraussetzung schlechthin, um Außergewöhnliches in Philosophie und Kunst hervorzubringen zu können. Ficino betont: „Alle, welche in irgendeiner vornehmeren Kunst etwas Größeres erfunden haben, taten dies vornehmlich dann, wenn sie vor Körper entfernt sich in die Burg der Seele geflüchtet hatten.“ Dahinter steht das Phänomen der „Entrückung“, das sich von Platon aus über den Neuplatonismus bis in die Mystik einer Theresa von Avila („Die Seelenburg“) und darüber hinaus nachverfolgen lässt. In der Einsamkeit vollzieht sich in einem mystischen Prozess eine Erleuchtung, aus dem die Inspiration zu einem genialen Werk erwächst. Das Geheimnis künstlerischen Schaffens vollzieht sich demnach in der Einsamkeit. Damit rückt die Einsamkeit zur conditio sine qua non des künstlerischen Schaffens auf.

Marsilio Ficinos astrologisch determinierter, antik physiologischer Melancholiebegriff.

Ficino war ein Melancholiker wider Willen. Er hatte sich diesen Wesenszug nicht ausgesucht, und er kultivierte ihn auch nicht übermäßig, selbst wenn gelegentliche Briefstellen ein Kokettieren mit dem Phänomen andeuten. Die Disposition zur Melancholie war für ihn Schicksal. Und zu diesem Fatum galt es im Geiste der Griechen Ja zu sagen.

In einem Schreiben an den mit ihm gut befreundeten Philosophen Giovanni Cavalcanti definiert Ficino das Phänomen und artikuliert gleichzeitig seine ambivalente Haltung zur Melancholie : „Wegen meiner allzu großen Furchtsamkeit, die du gelegentlich an mir tadelst, klage ich mein melancholisches Temperament an, das mir als etwas äußerst Bitteres erscheint und das ich nur durch häufiges Lautenspiel ein wenig lindern und versüßen kann…das hat, so dünkt mich, der Saturn von Anfang an mir eingeprägt, der mitten im Wassermann, dem Aszendenten meines Themas, stand…doch wozu hab ich mich hinreißen lassen? Ich sehe schon, Du wirst mich wiederum und nicht zu Unrecht zu einer neuen Palinodie an den Saturn zwingen. Was soll ich tun? Ich werde einen Ausweg suchen und entweder sagen, dass die Melancholie wenn Du so willst, nicht vom Saturn kommt – oder, wenn anders sie notwendig von ihm kommen muß, dann will ich dem Aristoteles beistimmen, der gerade sie für eine einzigartige und göttliche Gabe hält.“ (Lep216)

In der Astrologie der Zeit, die auch von vielen deutschen Gelehrten der Renaissanceepoche sehr ernst genommen wurde, unter ihnen Reuchlin, Agrippa von Nettesheim, Paracelsus von Hohenheim bis hin zu Kepler, galt der Saturn als Planet des Unheils. Als ein der Erde und somit dem Menschen sehr entfernter Himmelskörper stand er für Kälte, Dunkelheit, Sterben und Vergänglichkeit. Und für die Auslösung der Melancholie. So lehrte es die Tradition. Die Tendenz der Wissenschaft zielte aber schon auf die Überwindung dieser deterministischen Festlegungen. Manches Genie der Zeit, auch aus dem persönlichen Umfeld Ficinos in Florenz, bekämpften die Astrologie, unter ihnen Leonardo da Vinci in seiner Polemik gegen Magie und Alchemie sowie der Dritte im Bunde der erlauchten Akademiker, Graf Giovanni Pico della Mirandola, in dessen freiheitlichem Synkretismus ein monolitischer Hemmschuh wie die Astrologie keinen Raum hatte. Ficino kannte diese Bestrebungen und war deshalb gespalten, neigte aber zur Überwindung.

Sein Werk, De vita triplici, das er im Jahr…..vorlegte, versteht sich als Diätetik des saturnischen Menschen. Der Versuch, in den Auswirkungen des Saturn den Grund für das Vorhandensein der Melancholie zu sehen, entspricht einem Erklärungsmuster Ficinos. Doch es ist nicht der einzige. Ficino war ausgebildeter Arzt – und auch als Philosoph deutete er den menschlichen Organismus in Anlehnung an die Medizin der Antike als ein großes zusammenhängendes System, dessen Mittelpunkt die wirkende Seele darstellt. Deshalb überrascht es nicht, dass ihn die deterministische Herleitung nicht befriedigte und er auch eine medizinisch-physiologische Erklärung der Melancholie anbot. In seinem Platon-Kommentar Über die Liebe oder Platons Gastmahl findet sich – neben zahlreichen Textstellen, die die Auswirkungen des Saturn auf den verliebten Melancholiker schildern, eine Passage, die das Phänomen „Melancholie“ noch im Geiste der antiken Säftelehren deutet, aber auch ein bezeichnendes Licht auf Ficinos philosophischen Ansatz überhaupt wirft. In dem Kapitel Von den Leidenschaften, welche den Liebenden wegen der Mutter des Eros innewohnen, wird Melancholie als eine Folge der Austrocknung beschrieben, die auf Blut und Gehirn übergreift und dadurch eine Störung des körperlichen Gleichgewichts verursacht. Nach antiker Melancholieauffassung führt ein Überhandnehmen der schwarzen Galle im menschlichen Körper zu einem Ausbruch der negativen Melancholie. Ficino, der mit dem hippokratischen Schrifttum im aristotelischen Umfeld gut vertraut ist, betreibt hier Aristoteles-Exegese, geht aber auch in manchen Details darüber hinaus: „Eros ist dürr, hager und unansehnlich.“ Wer wüsste nicht, dass dürr und trocken dasjenige ist, dem die Feuchtigkeit fehlt, und wer wird bestreiten, dass bleiches und fahles Aussehen von Mangel an Blutwärme herrührt. (…)Mithin wird nur wenig und noch dazu schlecht bereitetes Blut durch die Gefäße getrieben, und deshalb magern dann alle Gliedmaßen ab und verkümmern, eben wegen des geringen und schlecht bereiteten Nahrungsstoffes.(…) Die Lebensgeister entstehen aus der Wärme des Herzens, aus dem dünnsten Teile des Blutes. Die Seele der Liebenden ist hingerissen zu dem seiner Einbildungskraft eingeprägten Bilde der Geliebten und zu der geliebten Person selber. Zu ihr werden auch die Lebensgeister hingezogen, und indem sie dorthin verfliegen, büßen sie andauernd ihre Kräfte ein. Daher bedarf es des reinen Blutstoffes, um die fortwährend erschlaffenden Lebensgeister immer wieder neu zu beleben; dadurch werden die feinsten und klarsten Teile des Blutes ständig zur Wiederherstellung der unaufhörlich nach außen verfliegenden Lebensgeister verbraucht. Infolgedessen wird das reine klare Blut verzehrt, und das unreine, dicke und dunkle bleibt zurück. Dadurch trocknet der Körper aus und verkümmert, und die Liebenden werden melancholisch, weil sich die schwarze Galle durch das trockene dicke und schwärzliche Blut vermehrt. Dieser Saft erfüllt mit seinen Dünsten das Haupt, trocknet das Hirn aus und quält unaufhörlich bei Tag und Nacht die Seele mit düsteren und schrecklichen Vorstellungen.“ Melancholie entsteht somit – modern gesprochen – durch starke psychische Anstrengungen, durch den Verbrauch psychischer Energie wie dies bei Liebenden der Fall sein kann. Die psychosomatischen Zusammenhänge sind treffend diagnostiziert und auch heute noch gültig, auch wenn der „schwarzen Galle“ heute keine Bedeutung mehr zukommt.

Ficino fährt mit seinen Deutungen fort und führt als prominentes Opfer der Liebesmelancholie Lukrez an, dessen Lehrgedicht De rerum natura seinerzeit gerne rezipiert wurde: „So erging es dem epikureischen Philosophen Lucretius infolge einer lange währenden Liebe: zuerst in Liebeswahn und dann in Raserei verfallen, legte er schließlich Hand an sich. Solche Schande stößt denjenigen zu, welche mit der Liebe Missbrauch treiben“. Exzessive Verliebtheit lässt den Liebenden, wie man ihn in Lorenzo de Medicis Sonetten findet, über das Maß hinausschießen und scheitern. Ficino ergänzt: „ Dies beobachteten schon die Ärzte des Altertums und erklärten die Liebe für ein der melancholischen Krankheit verwandtes Leiden, und der Arzt Rhazes empfahl, sie durch Beischlaf, Fasten, berauschende Getränke und körperliche Anstrengung zu behandeln.“ Im weiteren Verlauf seiner Abhandlung über Liebe und Melancholie geht Ficino in Auseinadersetzung mit Aristoteles auf die antike Typenlehre ein und erkennt im Melancholiker wie im Choleriker jene Typen, die an eindeutigsten zur Liebe disponiert sind. Während sich der Choleriker mit feurigem Temperament leidenschaftlich in die Liebe stürzt, braucht der trägere Melancholiker längere Zeit, um sich zu verlieben: „Sind sie aber erst einmal im Netz, so zappeln sie, der Beständigkeit des Temperaments zufolge, lange darin.“ (229)

Ficino setzte bei der Behandlung seiner „Melancholie“, wie auch im Schreiben an Cavalcanti deutlich wurde, auf das Therapeutikum Musik, an deren antimelancholischen Wirkung später auch Luther festhalten wird. Ficino findet sehr schöne Worte, um das Linderungsmittel der Geplagten Choleriker wie Melancholiker zu beschreiben. Es ist die „Ergötzung durch die Musik“: „Wir können uns keinem Vergnügen so ununterbrochen widmen, wie dem Wohlklange der Musik und der Betrachtung der Schönheit. Das Verlangen der übrigen Sinne ist bald befriedigt; hingegen das Gesicht und das Gehör ergötzen sich lange Zeit an Tönen und an bloßen Bildern. Die Genüsse dieser beiden Sinne sind nicht nur anhaltender, sondern auch der menschlichen Gemütsanlage angemessener. Denn nichts ist für die Lebensgeister des menschlichen Körpers passender, als die Stimmen und Gestalten der Menschen(…) Darum suchen die Choleriker und Melancholiker besonders die Ergötzung an Gesang und an der schönen Form als einziges Heil- und Linderungsmittel gegen die Beschwerden ihrer Komplexion und eben darum sind sie auch den Reizen der Liebe zugänglich.“ (230f) Zu den hervorstechenden Melancholikern der Antike zählt Ficino mit Aristoteles Sokrates, ferner die Dichterin Sappho und Vergil.

Einsamkeit und Freiheit – Pico della Mirandolas Entwurf des Renaissancegenies

Giovanni Pico della Mirandola war eine Lichtgestalt. Die Freunde im Mediceerkreis nannten ihn Phoenix oder, in Anspielung an ein Gut der noch wohlhabenden Adelsfamilie in Concordia, Princeps Concordiae, Fürst der Eintracht. Pico war der Jüngste im Mediceerkreis, vielleicht auch der Begabteste und philosophisch Weitsichtigste. Nach außen hin war er eine faszinierende Gestalt, jung, reich und schön, kurz eine Erscheinung, die auch in nichtphilosophischen Kreisen Achtung und Bewunderung erregte. Beide Beinamen, die ihm die Freunde verliehen hatten, konnten nicht besser gewählt sein. Als philosophischer Fürst der Eintracht bemühte sich Pico darum, die Philosophie Platons und die des Aristoteles miteinander zu versöhnen und sie in einen harmonischen Kontext mit dem Christentum und der jüdischen Kabbala zu stellen. Nach seiner Auffassung hatten alle Philosophen ihren Anteil an der Wahrheit. Als ein Phoenix, der aus der Asche steigt, sollte er in seiner Abhandlung De hominis dignitate einen philosophischen Ansatz formulieren, den man später als einen theoretischen Eckpfeiler dessen ansehen konnte, was man Renaissance nennen wird. Ungeachtet seiner materiellen Möglichkeiten als vermögender Graf lebte Pico, an Vorbildern wie Petrarca orientiert, zeitweise in kontemplativer Einsamkeit, Zurückgezogenheit und großer Bescheidenheit das Leben eines Philosophen und geistigen Menschen. Wie viele seiner genialen Zeitgenossen verfasste er Verse, aus denen bisweilen jugendliche Schwermut spricht. Er studierte – über seine Zeit weit hinausgehend – Arabisch und Hebräisch, und widmete sich als einer der wenigen nichtjüdischen Gelehrten überhaupt der Kabbala, deren Weisheiten und Geheimnisse er in sein Denken einbezog.

Während seiner Zeit in Florenz unternahm er regelmäßig philosophisch-poetische Spaziergänge durch die Hügel der Toskana, nicht selten in Anwesenheit seines Lehrers und Mentors Ficino oder in Begleitung von Lorenzo de Medici, der damals dem mächtigen Haus der Mediceer vorstand und im Alltag eher mit Machtausbau und Machterhaltung beschäftigt war als mit Fragen des Geistes und der Kunst.

Picos Leben verlief jedoch alles andere als ruhig. Graf Pico della Mirandola hatte nie einen festen Wohnsitz und eilte, vom Drang bestimmt, stets als freier Mensch leben zu wollen, von einem Studienort zum anderen bis nach Paris, an dessen bekannter Hochschule manche geistigen Dispute der Zeit ausgetragen wurden. Nach der Verfassung seiner 900 Thesen, die er in Rom zum Gegenstand eines Streitgespräches machen wollte, und ihrer baldigen Verdammung durch den Papst wurde Pico vom Bann des Kirchenfürsten getroffen, der ihn zwang vorerst nach Frankreich zu fliehen. Bei Lyon wurde er verhaftet und ins Gefängnis geworfen. Auch das ist symptomatisch für die Zeit. Wer die Autorität des Papstes in Frage stellte, ganz egal ob er Savonarola, Bruno oder Galilei hieß, oder ob ihn edelste Absichten leiteten, wurde für die freie Verkündung von Lehren und Thesen gnadenlos in ein Gefängnis geworfen, in der Regel gefoltert, inquisitorisch abgeurteilt und rücksichtslos auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Gewalt gegen Menschen ging nicht von den Aufrührern des Geistes aus, die allesamt friedfertig waren, sondern von den Mächtigen der Zeit und lange von einem der Dekadenz verfallenem Papsttum.

Erst nach massiven Interventionen mehrerer Fürsten beim Papst, wurde Pico de la Mirandola, der Prinz der Eintracht, wieder in die Freiheit entlassen. Lorenzo de Medici gewährte ihm im florentinischen Staat Asyl, stellte ihm eine Villa zur Verfügung und tat alles, um den über ihn verhängten Bann der Kirche aufzuheben. Dabei riskierte er einiges – die Missgunst des Papstes und vielleicht sogar Krieg. In einem Schreiben Lorenzos an einen römischen Gesandten heißt es: „Der Graf Mirandola weilt hier bei uns, wo er wie ein Heiliger und Mönch lebt ohne großen Anhang und Aufwand“. (Cre119) Bald darauf interveniert Lorenzo erneut für den Freund und bittet vehement um weitere Einflussnahme seines Gesandten: „Giovanni, ich bitte euch so sehr ich kann, diese Angelegenheiten des Grafen Giovanni della Mirandola zum Guten zuwenden. Sie sind mir nicht weniger wichtig, als wenn sie meine eigene Person beträfen. Wenn S. Heiligkeit mir je einen Gefallen tat, so bittet ihn, dass er mir jetzt gefällig sein möchte in Hinsicht auf diesen Mann, den ich so hoch schätze und das mit dem besten Gewissen.“ (Cre119) Pico wurde daraufhin nicht weiter verfolgt. Doch erst kurz vor seinem Tod wurde der Bann aufgehoben. Im Jahr 1494 starb Pico della Mirandola im Alter von nur 31 Jahren, ohne sein großes philosophisches Werk vollendet zu haben. Sein Leben glich einem Stern, der aufsteigt, hell erstrahlt und dann verglüht – und in die „dunkle Einsamkeit Gottes“, wie Pico es formulierte, zurückkehrt.

Pico galt als Meisterschüler Ficinos. Er folgte seinem Meister, zumindest solange er im Umfeld der Platonischen Akademie weilte, in Fragen der Platon-Interpretation, ohne jedoch das aristotelische Gegengewicht und zahlreiche weitere Lehren geistiger Repräsentanten anderer Kulturen aus den Augen zu verlieren. Während Ficino primär den Gelehrten repräsentierte, der konsequent und aufrichtig seine Zielsetzung verfolgt, der die Tradition achtet und den geistigen status quo der Zeit respektiert; der, statt eine Konfrontation mit der katholischen Kirche zu suchen, eher auf den konzilianten Konsens setzt und sich selbst gar noch zum Priester weihen lässt, fokussiert der aufstrebende Pico auf philosophische Neuansätze und auf Werte, die dem Lebensgefühl der aufkommenden Renaissance entsprechen. Der viel umfassender und moderner denkende Giovanni Pico della Mirandola geht in entscheidenden Punkten über seinen Meister hinaus und begründet, durchdrungen von der Idee der Freiheit und der Notwendigkeit der geistig-religiösen Toleranz, eine neue Anthropologie, die das freie, sich selbst bestimmende Individuum in den Mittelpunkt des Kosmos stellt. Diesen neuen Anthropozentrismus, der das Menschenbild vieler Renaissancedenker und Künstler nachhaltig prägen und bestimmen sollte und in welchem bereits der Geniebegriff der Epoche mit angelegt ist, formuliert Pico della Mirandola in seiner Oratio aus dem Jahr 1486, die auch unter der Überschrift Die Freiheit des Menschen bekannt ist.

Ausgehend von der Feststellung, die Pico dem Sarazenen Abdala und Hermes Trismegistos in den Mund legt, das „bewunderungswürdigste“ Geschöpf auf der Welt, das „Wunder“ schlechthin sei der „Mensch“ verifiziert Pico weitere Definitionen des Menschen aus unterschiedlichsten Quellen der Menschheitsgeschichte, um auf seine eigene Deutung der Genesis zu kommen. Gott hatte als höchster Baumeister die Welt nach den Gesetzen der verborgenen Weisheit geschaffen und vorzüglich ausgestattet. Es fehlte nur noch jener, der „die Vernunft eines so großen Werkes nachdenklich erwäge, seine Schönheit liebe, seine Größe bewundere. (…) Nun befand sich aber unter den Archetypen der Wahrheit kein einziger, nach dem er einen neuen Sprössling hätte bilden sollen.“ Darauf folgt dann die Kernaussage:„Daher beschloss denn der höchste Künstler, dass derjenige, dem etwas Eigenes nicht mehr gegeben werden konnte, das als Gemeinbesitz haben sollte, was den Einzelwesen ein Eigenbesitz gewesen war. Daher ließ sich Gott den Menschen gefallen als ein Geschöpf, das kein deutlich unterscheidbares Bild besitzt, stellte ihn in die Mitte der Welt und sprach zu ihm: ‚Wir haben dir keinen bestimmten Wohnsitz, noch ein eigenes Gesicht, noch irgendeine besondere Gabe verliehen, o Adam, damit du jeden beliebigen Wohnsitz, jedes beliebige Gesicht und alle Gaben, die du dir sicher wünschst, auch nach deinem Willen und nach deiner eigenen Meinung haben und besitzen mögest. Den übrigen Wesen ist ihre Natur durch die von uns vorgeschriebenen Gesetze bestimmt und wird dadurch in Schranken gehalten. Du bist durch keinerlei unüberwindliche Schranken gehemmt, sondern du sollst nach deinem eigenen freien Willen, in dessen Hand ich dein Geschick gelegt habe, sogar jene Natur dir selbst vorherbestimmen. Ich habe dich in die Mitte der Welt gesetzt, damit du von dort bequem und dich schaust, was es alles in dieser Welt gibt. Wir haben dich weder als einen Himmlischen noch als einen Irdischen, weder als einen Sterblichen noch einen Unsterblichen geschaffen, damit du als dein eigener, vollkommen frei und ehrenhalber schaltender Bildhauer und Dichter dir selbst die Form bestimmst, in der du zu leben wünschst. Es steht dir frei, in die Unterwelt des Viehs zu entarten. Es steht dir ebenso frei, in die höhere Welt des Göttlichen dich durch den Entschluss deines eigenen Geistes zu erheben.“ Aus der „Freigebigkeit“ Gottes resultiert „das höchste Glück des Menschen“. Pico ergänzt: „Des Menschen, dem es gegeben ist, das zu haben, was er wünscht, und das zu sein, was er will.“ Im Gegensatz zu den Tieren, die schon bei der Geburt das in sich tragen, was sie sind, erhebt sich der Mensch über die determinierenden Gene und beschreitet seinen eigenen Weg. „In den Menschen hat der Vater gleich bei seiner Geburt die Samen aller Möglichkeiten und die Lebenskeime jeder Art hineingelegt. Welche er selbst davon pflegen wird, diejenigen werden heranwachsen und werden ihm ihre Früchte bringen. Wenn er nur die des Wachsens pflegt, wird er nicht mehr denn eine Pflanze sein. Pflegt er nur die sinnlichen Keime, wird er gleich dem Tier stumpf werden. Bei der Pflege der rationalen wird er als ein himmlisches Wesen hervorgehen. Bei der Pflege der intellektuellen wird er ein Engel und Gottes Sohn sein. Und wenn er mit dem Lose keines Geschöpfes zufrieden sich in den Mittelpunkt seiner Ganzheit zurückziehen wird, dann wird er zu einem Geist mit Gott gebildet werden, in der einsamen Dunkelheit des Vaters, der über alles erhaben ist, wird er auch vor allem den Vorrang haben. Wer möchte nicht dies unser Chamäleon bewundern?“ Gott, der größte aller schöpferischen Künstler, schafft den Menschen aus der Dunkelheit seiner Einsamkeit heraus und formt ihn zu einem Individuum, das sich stets aufs Neue frei entwerfen kann. Freiheit resultiert aus Einsamkeit.

Die Schöpfung Mensch tritt nun in den Mittelpunkt des Kosmos und der ferne Schöpfer selbst verblasst angesichts eines großen, sich frei entwerfenden Individuums, das als homo faber selbst zum Kreator und Baumeister wird – ein Mensch, der denkt und schafft, dem die Kraft innewohnt, alle Gesetze zu sprengen und der selbst die Göttlichkeit in sich trägt.

Die große Freiheit, die Pico della Mirandola hier verkündet, ist, soweit sie den Bereich des Geistigen und Religiösen betrifft, unendlich ausdehnbar und wird nur durch eine ethische Festlegung begrenzt. Dem Großen Individuum, dem Renaissancemenschen, stehen alle Möglichkeiten offen. Er kann mit allen Traditionen brechen und alle Gesetze in Frage stellen – doch er darf nicht zum machiavellistisch-tyrannischen Tier, zum Cesare Borgia Typus, zur Bestie, degenerieren und das Humanum aufgeben. Das Humanum, die ethische Selbstbeschränkung des Menschen, bleibt die Conditio sine qua non. Das ist große, klare Philosophie, lange vor Descartes. Und auch sie ist eine Frucht der Einsamkeit.

Als Pico diese Philosophie der Freiheit formulierte, war er von der Idee der Freiheit, die im politischen Europa des 15. Jahrhunderts keine Selbstverständlichkeit war, durchdrungen. Demzufolge musste er alles ablehnen, was das Sein des Menschen determinierte und seine Selbstentfaltung hemmte. Also auch die Astrologie und die astrologisch determinierte Melancholieauffassung seines älteren Freundes Ficino. Es überrascht deshalb nicht, dass seine letzte Schrift gerade der Astrologie den Kampf ansagt.

Lorenzo de Medicis „melancholische“ Dichtung – Der Typus des „Inamoroso“ als Melancholiker

Lorenzo il Magnifico, für viele die Verkörperung des Renaissancemenschen schlechthin, war unbestritten in großer Staatsmann. Eine historische Persönlichkeit ersten Ranges, die durch ihr politisches und diplomatisches Geschick, durch verantwortungsvolle Zurückhaltung Florenz und der Toskana Frieden und Wohlstand sicherte. Der Prächtige war zweifellos auch ein außergewöhnlicher Mäzen, ein Förderer der Schönen Künste, der Philosophie und der Literatur. Doch war Lorenzo auch ein Dichter?

Der jüngste im engsten Kreis der philosophischen Freunde, die den Kult der Freundschaft noch im Sinne der Pythagoräer pflegten, Giovanni Pico della Mirandola stellt, im jugendlichen Überschwang, Lorenzos Gedichte noch über die der verehrten Vorbilder Dante und Petrarca, ahnt jedoch, dass er in seinem Urteil nicht ganz unbefangen ist. Aus heutiger Sicht steht fest, dass Lorenzos Dichtungen ebenso wie die Poesie eines Michelangelo oder die philosophischen Sentenzen eines Leonardo hinter der eigentlichen Leistung auf dem Hauptbetätigungsfeld zurückfallen. Dessen ungeachtet sind es wertvolle Quellen, aus welchen sich – neben der Entwicklung der toskanischen Literatursprache – vor allem etwas von dem Geist der Zeit rekonstruieren lässt; und mit ihm auch der Stellenwert von Einsamkeit und Melancholie in der Renaissanceepoche in Italien.

Lorenzo de Medici war kein eindeutiger Melancholiker. Jedenfalls litt er nicht unter der so genannten „melancholischen Krankheit“, wie sie von den poetisch- philosophischen Freunden Angelo Poliziano und Marsilio Ficino beschrieben wird. Das belegen seine Dichtungen, in denen keine eigentliche Auseinandersetzung mit der pathologischen Erscheinungsform der Melancholie – der endogenen Depression – stattfindet. Lorenzos Stanzen und Sonette sind weitgehend heiter. Nur gelegentlich setzt ein elegischer Umschwung ein, der von Vergänglichkeitsmotiven bestimmt wird. Wenn Traurigkeit aufkommt, dann ist es oft leichte, milde Wehmut, nie tieftraurige Schwermut, die in Nihilismus und Verzweiflung mündet wie bei reinen Melancholikern späterer Jahrhunderte. Hier eines seiner elegischen Sonette, dessen Gestimmtheit gut nachvollzogen werden kann:

„Wie unser Hoffen all’ in Eitles mündet,

Wie trugvoll ist, was unser Herz auch plane,

Und wie die Welt geleitet wird vom Wahne, -

Der Allgebieter Tod es uns verkündet.

Sang, Tanz und Spiel des einen Sinn entzündet;

Ein and’rer folgt des Heldentumes Fahne,

Der dritte haßt die Welt, – dass niemand ahne,

Wie’s um ihn steht, ein vierter Trug erfindet.

Nicht’ge Gedanken, mannigfache Sorgen –

So mannigfach wie’s bunte Spiel des Lebens –

Kann irrend nur die ird’sche Welt ererben.

Jed’ Ding ist flüchtig, kennt kein dauernd’ Morgen,

Der Treu des Glückes trauest du vergebens.

Gewiß ist eins nur: dass wir alle sterben.“

Alles ist eitel, nichts hat Bestand. Alles ist dem Untergang geweiht. Leben, Glück und alle anderen irdischen Werte sind der endgültigen Vergänglichkeit unterworfen. Lorenzo greift das Vanitas-Thema, das erst in der deutschen Barockdichtung zur vollen Entfaltung kommen wird, in unendlichen Variationen auf. In Corinto ist es ein Rosenstrauch, an dessen Knospen, prallen Blüten und verwelkten Blütenblättern sich der gesamte Lebenszyklus abbilden lässt. Wie die schöne Rose verblüht, so verblüht auch die Jugend – und hinterlässt ein Gefühl der Wehmut. Lorenzo kennt aber auch die heitere Bukolik, die jeden Hauch von Traurigkeit verfliegen lässt. Sein Canzona di Bacco ist ein Beleg dafür.

Eine graduelle Annäherung an die Melancholie als Krankheit ist aus folgendem Gedicht erkennbar:

„Wohin mich wendend kann ich dich vermeiden,

O trüb’ Gedenken? In welch’ dunkle Räume

Soll flüchten ich, wo ich von dir nicht träume,

Die du mir dienst allein zu meinem Leiden?

Wenn neue Blumen blühen auf den Weiden,

Wenn ich verweil’ im Schatten grüner Bäume,

Wenn ich im Flusse seh’ der Wellen Schäume, -

Was könnt’ mich wohl von meiner Klage scheiden?

Kehr’ ich zurück zu meinem Heim mit Grauen,

Dann unter tausend Sorgen wohnt inmitten

Des Herzens die, die an mir frisst und naget.

Was soll ich tun? Worauf soll ich vertrauen?

Als Gabe kann ich, ach! Mir nur erbitten

Den Tod, der sich doch allzu lang’ versaget.“

Das sind Reflexionen eines Leidenden, dem die Unentrinnbarkeit aus dem Schicksal, das Absterben und Verfall ist, bewusst wird. Die Natur tröstet nicht, sondern verweist nur auf die allseits präsente Vergänglichkeit, die hinter den grauen Mauern des Palazzo noch deutlicher wird. Die drohende Melancholie ist die Sorge hinter allen anderen Sorgen des machtpolitischen und künstlerischen Alltags; sie ist das Negativelement der Seele, das alles sinnlos erscheinen lässt. Wie im ersten Sonett, in dem der Tod die letzte existentielle Gewissheit darstellt, kulminiert auch dieses Gedicht im erlösenden Tod. Der geistig, seelisch Leidende, der Melancholiker, sehnt sich nach endgültiger Erlösung. In den zahlreichen Liebesgedichten, die Lorenzo verfasst hat, sind Liebe und Tod die zentralen Motive. Fast in jedem seiner Liebesgedichte wird, richtungweisend für die Romantik, Liebesleid mit Todessehnsucht verknüpft:

O süßer Schlaf, wenn du doch endlich kämest,

Zum Herzen, das bekümmert dein begehret,

Und hemmst der tränen Flut, die immer währet,

dass, süß Vergessen, du die Pein mir nähmest.

In einem weiteren Sonett wird deutlich, wie im Liebenden, im Inamoroso, seelische und geistige Elemente zusammenfallen und eine Einheit bilden. Lieben, Leiden, Denken, Fühlen, Sehnen gehen in einer Synthese auf:

„Wohin ich mag die trüben Augen lenken,

Nie schauen sie, woran mein Herz sich weidet,

Und stets, ihr Armen, auch die Ruhe meidet; -

So geht’s auch meinem Reden, Geh’n und Denken.

‚s ist besser drum, zur Erd die Augen senken

In Tränen. Stumm die Zunge Trübsal leidet.

Der Fluß beim ersten Schritte sich bescheidet.

Mein Denken möchte ich nur dem Herzen schenken.

Dann seh’ ich sie so schön und edel drinnen

Im Herzen, wo sie Amor eingegraben,

dass es kein and’res Gut begehret nimmer.

Dem Herzen nur gilt schweigend dann mein Sinnen:

In ihm allein will ich mein Leben haben,

Dem Leben fern und doch nicht tot – doch schlimmer!“

Charakteristisch für Lorenzos Liebeslyrik ist eine gewisse Stereotypie und eine etwas sklavische Orientierung an Petrarca. Hinzu kommt, dass die Sprachmelodie des Italienischen in der deutschen Übertragung wegfällt und selbst die eigentliche Diktion nicht mehr herübergerettet werden kann. Das lässt einzelne Gedichte plumper und weniger künstlerisch erscheinen, als sie tatsächlich sind. Die zentralen Elemente seines Gedichts sind der in Liebensleid sich verzehrende Inamoroso, der Dauergast Amor und der Gegenstand der Anbetung, die imaginäre Geliebte, die anonym bleibt und sich nie artikuliert. Ungeachtet der Nähe Lorenzos zu Ficino und dem Neuplatonismus ist die von ihm lyrisch exponierte Liebe – wie bei Petrarca – ein irdisches Phänomen, keine ewige Idee im Sinne Platons.

Lorenzo de Medicis Lyrik wäre für die Melancholiediskussion nicht ganz so wichtig, wenn es nur bei diesen Versen, die an sich nichts Besonderes haben, bliebe. Seit Wert liegt in einem anderen Bereich. Nämlich in der Ausweitung der Melancholiethematik auf das liebende Subjekt. Bei Lorenzo wird der Liebende zum Träger der Melancholie – und dies in Rückbesinnung auf die Vorbilder Dante, Petrarca und in Distanzierung zu ihnen in Verknüpfung mit einer individuellen Ficino-Rezeption. Diesen melancholischen Inamoroso, dessen spezifische Ausprägung wohl auf Lorenzo zurückgeht, wird man nur kurze Zeit später im elisabethanischen England bei Shakespeare und in dessen Umfeld antreffen und bald darauf im Melancholieopus von Robert Burton, wo er einen größeren Raum einnehmen wird.

Dante flieht die Melancholie und begegnet ihr mit den Worten: „Weiche“. Petrarca, der Melancholiker, fürchtet sie, sperrt sie in die Privatsphäre ein und versucht es mit einer gewissen Systematik, den Canzoniere melancholiefrei zu halten. Beatrice und Laura werden besungen, verehrt, gefeiert. Der Liebende leidet zwar, doch er verfällt nicht der Verzweiflung. Während Dante und Petrarca wohl kaum etwas von Platon kannten, knüpft der Neuplatoniker Lorenzo de Medici an die Platon-Interpretationen seines Lehrers Ficino an und stellt eine Identität zwischen dem platonischen Eros und seinem liebenden Subjekt her. Der Liebende, der in Liebe sich Verzehrende, der „Inamoroso“ – das ist der Melancholiker. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Aussagen, die Lorenzo zu diesem lyrischen Melancholiker gemacht hat, auf ihn selbst bezogen werden dürfen. Wer dies trotzdem tut, stilisiert den Prächtigen – weit an seinem Wesen vorbei – zum Hervorragendsten unter den Saturnikern, ignoriert aber die Fakten, die gegen eine Disposition und Identifikation mit der Melancholie sprechen. Ein solches Melancholiker-Portrait Lorenzos liefert die kundige und lesenswerte biographische Darstellung von Emmy Cremer, in welcher mehrere in eine Richtung weisende Zitate Lorenzos aneinandergereiht werden: „Alle Liebenden, schreibt er im Comento, sind von Natur Melancholiker, voller Tränen und Seufzer und stehen im Banne einer forte imaginazione, einer starken Einbildungskraft. (…) Er will leben, um zu klagen und zu seufzen. Im Schmerz genießt er den Schmerz. Wenn er in einem Sonett sich selbst beschreibt, auf einem Steine sitzend, mit dem Arm die Wange stützend wie einst Walther von der Vogelweide, so sinnt er nicht nach über die Welthändel, sondern über die verschlungenen Wege seiner Liebe und ihre Leiden, da ein hartes Geschick ihn fernhält von den Augen der Geliebten. Man mag dies als Pose empfinden, dennoch ist es wahr und richtig, wenn er sich zu den Melancholikern zählt im Sinne seines Jahrhunderts. Die im Zeichen des Saturn Geborenen – und Lorenzo galt als der Hervorragendste unter den Saturnikern, zu denen auch Marsilio Ficino und Pico gehören – waren unter seinem schädlichen Einfluss bedroht von der Neigung zur Melancholie. Aber man kannte auch die Auffassung des Aristoteles, dass gerade die Melancholiker in vielen Dingen anderen überragten, wenn die Mischung ihrer Säfte ausgeglichen war, und dass sie Gottbegeisterte sein könnten, wenn ihre Melancholie nicht durch Krankheit, sondern durch ihr natürliches Temperament bedingt war. Die Melancholie, schreibt Marsilio Ficino, hilft der Seele, sich in sich selbst zu sammeln. Wer in irgendeiner edlen Kunst Großes erfand, tat dies, wenn er … zur Burg der Seele seine Zuflucht nahm. So deutete das Jahrhundert die Natur des Melancholikers, des unter dem Saturn Geborenen. Und so empfand sich Lorenzo: zur Absonderung geneigt, zur Betrachtung, zur Einsicht. Ich glaube, schreibt er im Comento, dass jene Menschen, die von Natur Melancholiker sind, weniger Hoffnungen haben als die anderen. Die Liebenden, die im Banne der forte imaginazione stehen, sind Melancholiker; sie müssen mehr zweifeln als hoffen.“

Das hier suggerierte Melancholikerbild Lorenzos überzeugt nur auf den ersten Blick. Einer Überprüfung hält es jedoch nicht stand. Was dagegen spricht ist das dichterische Werk Lorenzos, in dem die Auseinandersetzung mit der tatsächlichen Melancholie fehlt. Dann gibt es kein eindeutiges Bekenntnis zu dem Phänomen. Und letztendlich war Lorenzo mit Pico della Mirandola, Leonardo und Savonarola, dem er geistig vielleicht näher stand, als manche vermuten, ein entschiedener Gegner der Astrologie. Die Melancholie, ein Thema seiner Zeit, bleibt auch für ihn, wie die Handhabung der Pose verdeutlicht, ein interessantes Motiv, das er sogar geistig-literarisch signifikant erweitert. Rein existentiell hat die Melancholie für Lorenzo keinen höheren Stellenwert.

Über Lorenzo de Medicis Grabstätte, von Michelangelo in den Jahren 1524 – 1534 in mühevoller Arbeit geschaffen, thront eine sinnende Gestalt in der typischen Melancholiepose, wie man sie seit Walter von der Vogelweide kennt, in sich versunken, nachdenkend. Es ist die künstlerische Umsetzung der Intention Michelangelos, dessen Lebensgang vielfältige melancholische Züge aufweist, ein zeitspezifisches Phänomen der florentinischen Renaissance so treffend wie möglich einzufangen. Auch in einem der Sonette Lorenzos erscheint das gleiche Bild:

Io mi sto spesso sopra un sasso duro sasso

e fo col braccio alla guancia sostengno,

e meco penso e ricontando vegno

mio cammino amoroso a passo a passo.

Das ist die Nachdichtung dessen, was Walter von der Vogelweide in einem seiner bekanntesten Gedichte formuliert hat:

Ich saz uf eime steine,

und dahte bein mit beine:

dar uf satzt ich den ellenbogen:

ich hete in mine hant gesmogen

daz kinne und ein min wange.

Do dahte ich mir vil ange,

wie man zer welte sollte leben:

Beide Subjekte sitzen auf einem Stein, stützen das Kinn auf den Arm und denken nach; der eine über die richtige Lebensweise, der andere über die Liebe. Das ist die Pose der Melancholie in ihrer weit verbreiteten kulturhistorischen Erscheinungsform, in deutlicher Nähe zu Dürers Paradigma Melencolia aus dem Jahr 1514. Walters Gedicht ist das Werk eines Troubadours deutscher Zunge, eine Minnesängers, entstanden in einer Zeit als Meister Eckhart in seinen deutschen Predigten das Leben in „Abgeschiedenheit“ verkündete. Das Subjekt befindet sich in einer solchen kontemplativen Seinssituation, ohne jedoch vereinsamt zu sein. Lorenzo de Medicis Gedicht ist im Gegensatz dazu ein bewusstes Melancholiegedicht. Wo bei Walter die Nachdenklichkeit vorherrscht, bricht bei Lorenzo schon die Stimmung der Trauer durch.

Die Familie der Melancholiker oder die Metamorphose des sinnenden Geistes zur Plastik und zum Gedicht

Conrad Ferdinand Meyer hat in seinem Gedicht „Il Pensieroso“ die Melancholiefrage bei den Medicis und die Entstehung der Grabstätte miteinander verknüpft und dabei einen individuellen Ansatz vertreten, der das Melancholikertum Lorenzos in Zweifel zieht und nur den Mediceer Giuliano als Melancholiker gelten lässt. Meyer, der selbst – als „der dunklen Schwermut Beute“ – viele Jahre seines Lebens in Einsamkeit und schweren Depressionen verbrachte, konstruiert eine kontemplative Situation, die sich in der Wirklichkeit wohl nie ereignet hat. Der von ihm über alles bewunderte Genius Michelangelo belauscht zufällig den Mediceer Julianus (Giuliano) in melancholischer Haltung bei der Betrachtung antiker Marmorbilder:

In einem Winkel seiner Werkstatt las

Buonarotti (…)

Da schlich sich Julianus ein, der Träumer,

Der einzige der heitern Medici,

Der Schwermut kannte. Dieser glaubte sich

Allein. Er setzte sich und in der Hand

Barg er das Kinn und hielt gesenkt das Haupt.

In diese Betrachtung baut C.F. Meyer einen Auszug aus einem Originalsonett Giulianos ein, aus dem ein melancholischer Grundton spricht:

Feigheit ist’s nicht und stammt von Feigheit nicht,

Wenn einer seinem Erdenlos misstraut,

Sich sehnend nach dem letzten Atemzug,

Denn auch ein Glücklicher weiß nicht was kommt

Und völlig unerträglich werden kann –

Leidlose Steine, wie beneid ich euch!

 

Der Mediceer handelt wie viele reine Melancholiker, die von Todessehnsucht erfüllt sind und verabschiedet sich nahezu unbemerkt aus dem Leben. Für das Grabbild, das Verwandte bei Michelangelo bestellen, benötigt der Künstler keine Äußerlichkeiten, die man ihm schildert:

So waren seine Züge, sagten sie.

Der Meister schob es mit der Hand zurück:

„Nehmt weg! Ich sehe, wie er sitzt und sinnt

Und kenne seine Seele. Das genügt.“

Der Melancholiker Michelangelo Buonarotti erfasst die ihm vertraute Wesenheit des anderen Melancholikers intuitiv. Das Wesenhafte am Melancholiker ist das Sinnen. Es überragt alle anderen seelisch-charakterlichen Eigenschaften und legt ihn fest.

Interessant ist in diesem Zugang der Aspekt, das ein Melancholiker den anderen darstellt, vor allen die Folge des Bildes im Bilde und das Detail der dreistufigen Metamorphose der Melancholie vom Betrachtenden zur Plastik auf der Grabstätte und schließlich zum „Pensieroso“-Gedicht Meyers. Wie Michelangelo, dem es bei der Gestaltung der Grabstättenfiguren nicht auf die Authentizität der historischen Persönlichkeiten der Medicis ankommt, so versucht auch Meyer den Grundzug der Melancholie herausarbeiten. Dabei verwechselt Meyer, der die Medicigrabstätten möglicherweise während seiner 1858 angetretenen Rom- und Florenzreise besichtigte, den zweiten Lorenzo de Medici, Herzog von Urbino, mit Giuliano de Medici (Bruder des Prächtigen). Im Raum steht dann noch Meyers Aussage, nur Giuliano unter allen der Familie Medici habe die Melancholie gekannt, eine Festlegung, die nachzuvollziehen ist, wenn man Meyers Perspektive beachtet. Karl Fehr, einer der neueren Biographen des Dichters, beschreibt ihn mit den Worten: „Meyer, ein tief depressiver, unter Daseins- und Zukunftsängsten lebender Mensch, ein Mensch, der Mühe hatte zu leben, ein Mensch, der in der Welt erst nach einem halben Jahrhundert Lebenszeit einigermaßen zurecht kam, er stand oft genug dem Tode näher als dem Leben; das Sterben wäre ihm manchen Augeblicken seines Lebens lieber gewesen als weiter leben zu müssen. Er beneidete Kameraden und junge Menschen, die einen frühen Tod gefunden hatten.“ Diese Haltung bis hin zur Verklärung des frühen Todes, wie man sie identisch bei Michelangelo wieder finden wird, entsprach der existentiellen Haltung des sanften Melancholikers Giuliano, der dichtete und den Schönen Künsten zugeneigt war, am praktischen Leben hingegen wenig Interesse hatte. Das findet Meyers Sympathie. Im Gegensatz dazu musste ihm Lorenzo der Prächtige, der Staatsmann und Diplomat, der die Interessen seiner Dynastie und den Willen des Volkes von Florenz zu respektieren hatte, wie ein kraftvolles Renaissancegenie erscheinen. Die leichte Annäherung Lorenzos an die Melancholie, die sich in seiner elegischen Dichtung vollzieht und aus ihn bestenfalls als einen leicht zur Melancholie disponierten Geist ausweist, überzeugt den tiefen Melancholiker Conrad Ferdinand Meyer nicht. Aus seiner Sicht ist Lorenzo ein heiterer Epikureer.

Einsamkeit, Melancholie und künstlerisches Schaffen in der Renaissance. Geniale Werke der Einsamkeit bei Michelangelo Buonarotti und Leonardo da Vinci.

Einsamkeit als die künstlerische Schaffensbedingung schlechthin, als conditio sine qua non des kreativen Subjekts.

Für nahezu alle kreativen Tätigkeiten, besonders für die Künste, ist der Daseinszustand der Einsamkeit die Schaffensbedingung par excellence. Das schaffende Subjekt ist sich selbst am nächsten, die Seele ist ruhig und der Geist kann konzentriert geordneten Denkbahnen folgen und ungeahnte Höhen und Tiefen anthropologischer, intellektueller und künstlerischer Möglichkeiten ausloten. Unzählige Beispiele aus der mehrtausendjährigen Geistesgeschichte der Menschheit sprechen dafür. Doch wohl zu keinem Zeitpunkt ist der direkte Zusammenhang zwischen Einsamkeit und geistig-künstlerischem Schaffen deutlicher hervorgetreten als in der Renaissance, speziell bei den beiden genialen Ausnahmekünstlern Michelangelo und Leonardo.

Beide Künstler galten schon in ihrer Zeit als große Einsame – und als Melancholiker, als geniale Melancholiker. In ihnen schien sich die aristotelische These, dass alle großen Geister Melancholiker seien, am eindeutigsten und treffendsten zu bestätigen. Romain Rolland hat in seiner am Anfang des 20.Jahrhunderts erschienenen Michelangelo-Monographie die Frage gestellt, welcher der beiden Genies wohl der größere Einsame gewesen sei, Michelangelo oder Leonardo – und dabei das Genie aus Vinci favorisiert. Die vielen Quellen jedoch, vor allem die literarischen, neigen zu Michelangelo; wobei Michelangelo nicht nur zurückgezogen lebte und aus der Einsamkeit heraus Kunstwerke schuf – er war darüber hinaus ein Melancholiker reinster Prägung. Das Wort „Einsamkeit“ ist ein Schlüsselbegriff seiner Existenz und führt als roter Faden durch sein gesamtes Leben und Schaffen.

Michelangelo, 1475 in Caprese im Apennin geboren, wuchs in einem kunstfeindlichen Haus auf Die ersten Malversuche belohnte der Vater, dem die Malerei verhasst war, mit einer Tracht Prügel. Er konnte es aber nicht verhindern, dass sein begabter Sohn schon im Alter von vierzehn Jahren im Garten des Lorenzo die Medici das Meißel schwang und an der Tafel des Prächtigen, dem der vielfältig Talentierte aufgefallen war, speisen durfte. Michelangelo, bald die Verkörperung des italienischen Nationalgenies, entwickelte sich in seiner fast neunzigjährigen Lebenszeit zu einem nahezu übernatürlichen Giganten der Kunst, zu einem einzigartigen Bildhauer, Maler und Architekten, dem kein Projekt zu gewaltig gewesen oder vor dem er zurückgeschreckt wäre. Er war ein Aristokrat des Geistes, der stets seinen Wert kannte und ihn auch, selbst gegen die Mächtigsten der Zeit zu verteidigen wusste, durchdrungen von der Idee der Freiheit im Politischen wie im Religiösen, stets nach der Weisheit seiner Vorväter lebend: „Wer kann, wird niemals willig sein.“ (ME6)Er war –über die Bildhauerei hinaus – ein Philosoph, der bis in die letzte Stunde seiner Tage, um Erkenntnis rang, der die Wahrheit, wie bitter sie auch war, aussprach und der sie über alles stellte; ein Geist, der vom Schönen erfüllt wie kaum ein anderer, auch das Ästhetische über die Kunst mit einer ethischen und religiösen Lebensführung verknüpfte. Er fühlte das Höhere, die ewige Wahrheit, und richtete den Blick stets nach oben. Er war ein Genie, um dessen Kunst Päpste und Könige bettelten. Er war aber auch ein Künstler von erlesener Bescheidenheit. In einem seiner Sonette, die Michelangelo, der zufällig auch noch ein großer Dichter war, so ganz nebenbei verfasste, heißt es:

Es kann der beste Künstler nichts erdenken,

Was nicht der Marmor schon in sich enthielt,

und der allein erreicht, worauf er zielt,

Dem Geist und Sinne seine Hände lenken. (ME32)

Hinter der Kunst und hinter der gesamten Natur steht nach Michelangelos Vorstellung, vor allem in der Zeit der Reife und der Spätzeit, ein höheres Prinzip, eine Gottheit, durchaus in christlicher Auffassung, die alles lenkt und leitet. Kunst und Künstler sind der göttlichen Autorität unterworfen. Mit dieser Auffassung von Gott und Welt nähert sich Michelangelo stark den Positionen des Bußpredigers Savonarola, in dessen Bann nicht nur große Geister wie Giovanni Pico della Mirandola und Sandro Botticelli, sondern auch sein eigener Bruder Lionardo standen. Der religiöse Erneuerer Savonarola, ein Dominikanermönch mit politischen Ambitionen, die ihm zum Verhängnis werden sollten, war wie Michelangelo ein Patriot, von der politischen Einigung Italiens erfüllt, ein vehementer Befürworter republikanischer Verhältnisse in Florenz, aber auch ein deklarierter Bilderstürmer und Kunstfeind – eine Haltung, die Botticelli veranlassen sollte, eine Reihe seiner künstlerisch freizügiger gestalteten Gemälde zu verbrennen. Ungeachtet einzelner Phasen der Kunstskepsis und des religiösen Mystizismus, die Michelangelo auch kannte, war er zu keinem Zeitpunkt ein Anhänger des italienischen Reformators, bestenfalls ein Bewunderer seiner Ideen und seiner Sendung in der Art, wie es Pico della Mirandola auch war. Zumindest im Bereich der menschlichen Endlichkeit bedeutete ihm Kunst alles. Sie war sein Leben. Gleichzeitig war sie aber auch der Hinweis auf die Göttlichkeit des Menschen und das Bindeglied zu Gott – oder der Ausdruck des göttlichen Willens, die diese Kunst inspirierte, ermöglichte und zuließ. Große Kunst ist gottgewollt, nicht nur in der Sixtinischen Kapelle und am St. Peter; auch ein von genialer Meisterhand geschaffener David ist göttlich:

Schlägt hart mein Hammer aus dem harten Stein

Bald dieses und bald jenes Menschenbild,

Ist er des Meisters Willen nur gewillt:

Bei jedem Schritt muss er gehorsam sein. (ME39)

Hinter dem Kunstwerk steht das selbstbewusste Individuum, der homo faber, der Kraftmensch der Renaissance, der alte Gesetze durchbricht und neue Werte setzt – das Renaissancegenie Michelangelo Buonarroti. Gerade David, der von Michelangelo als Riese aus dem Steingehauenen Zwerg, verkörpert wie keine andere Plastik das Gefühl der Renaissance, den Ausdruck von Kraft und Zorn und war somit gleichzeitig eine Identifikationsfigur für Florenz, dass sich politisch gegen das Papsttum, gegen Neapel und Venedig sowie gegen die hegemonialen Bestrebungen des französischen Königs behaupten musste.

Doch eben dieser Buonarroti hat noch eine zweite Seite, eine menschliche, eine leidende, ein tragische, eine unglückliche, mit vielen Nuancen und feinsten Facetten durchsetzt. Michelangelo –oder Michelagniolo, wie er in den Briefen unterzeichnet, war als Mensch extrem bescheiden und lebte, obwohl er stets recht vermögend war, auf dem Niveau seiner Gehilfen, mit spärlicher Nahrung, oft von Krankheiten heimgesucht, in Askese, vielfachem Verzicht in Einsamkeit und Melancholie.

Im Gegensatz zu dem von ihm hochgeschätzten Petrarca, der inmitten einer intakten Natur den locus amoenus suchte, betrieb Michelangelo, als Maler von der Natur und ihren uninspirierten Abbildungen unbeeindruckt, bewusste Weltflucht und Weltverachtung. Natur als Kulisse der äußeren Einsamkeit faszinierte ihn erst im späten Alter. Er verachtete selbst den Ruhm, den er als Eitelkeit durchschaute. Der langweilige Umgang mit den Mächtigen, mit den Päpsten, Königen und Fürsten, interessierte ihn nicht. Ebenso wenig begeisterte ihn das gesellschaftliche Leben in Florenz oder Rom. Sein Zeitgenosse Francesco de Ollanda zitiert ihn mit den Worten: „Wenn ein Mensch durch die Natur und die Erziehung so geschaffen ist, dass er die Zeremonien haßt und die Heuchelei verachtet, hat es keinen rechten Sinn, ihn nicht so leben zu lassen, wie es ihm behagt. Wenn er nichts von euch verlangt und eure Gesellschaft nicht sucht, warum sucht ihr dann die seine? Warum wollt ihr ihn zu den Nichtigkeiten erniedrigen, die seiner Weltflucht widerstreben? Der ist kein höher veranlagter Mensch, der lieber den Dummköpfen gefallen will als seinem Genie.“ (RomRo150) Wie später der Melancholiker Burton, dem die derben Zoten mit den Thamsefischern mehr bedeuteten als gesellschaftlicher Umgang, zog es auch Michelangelo vor, sich mit originellen, armen Schluckern zu umgeben, die auf ihre Weise unverfälscht und interessant waren, mit den er Späße treiben und deren Humor er ungehemmt genießen konnte, statt sich mit den gesellschaftlichen und intellektuellen Autoritäten seiner Zeit abzugeben. Diese konsequent ein ganzes Leben aufrecht erhaltene Haltung brachte ihm nicht nur viele Feindschaften ein, die selbst nach seiner künstlerischen wie existentiellen Vernichtung trachteten, sie führte auch dazu, dass er andere Genies der Kunst und Apologeten der Einsamkeit wie Leonardo da Vinci mied und ihre Werke ungerecht beurteilte.

Einsamkeit und Melancholie sind die beiden Phänomene, die der Wesenheit Michelangelos am eindeutigsten entsprechen. Die „dunkle Schwermut“ ist, wie Herbert von Einem es ausdrückte, „seine persönlichste Signatur“. (92) Sein gesamtes Leben vollzieht sich als Sein zwischen selbst gewählter Einsamkeit und bedrohender Vereinsamung. Einsamkeit und Melancholie sind die Schlüsselbegriffe seiner Existenz und gleichzeitig auch der Schlüssel zu seiner Werkinterpretation. Seine Werke sind Werke der Einsamkeit und müssen auch so verstanden werden, auch wenn sie sich nicht unbedingt sofort als solche zu erkennen geben. Die Einsamkeit war Michelangelos Wesenselement und der kontemplative, melancholische Gesichtausdruck sein charakteristischstes Merkmal. Ein zeitgenössischer Kupferstich zeigt bereits den dreiundzwanzigjährigen Micha Ange bonarotanus Florentinus sculptor optimus als sinnenden Melancholiker, das geneigte Haupt auf den Handrücken gestützt und in sich versunken. Die Bronzebüste von Daniele da Volterra, heute im Louvre, stellt ebenfalls einen von Trauer und Nachdenklichkeit erfassten Michelangelo dar, ebenso sein Selbstbildnis im Alter als Nikodemus in der Pieta.

Schon in der viel gelesenen und von manchen Geistesgrößen rezipierten Darstellung von Hermann Grimm, dem Sohn des Märchensammlers Wilhelm Grimm, Leben Michelangelos, wird die Melancholie als einer der bezeichnendsten Wesenszüge ausgemacht und teils auf die wenig attraktive Erscheinung Michelangelos mit dem Makel einer in jugendlicher Kunstauseinandersetzung zertrümmerten Nase zurück geführt: „Vielleicht war es die Entstellung seines Gesichtes, die Michelangelos natürliche Neigung zu Melancholie und Einsamkeit erhöhte und ihn herb und ironisch machte. Er war im höchsten Grade sanft, duldsam und gutmütig, er hatte eine natürliche Scheu, den Leuten wehe zu tun aber in Sachen der Kunst duldete er keine Kränkung seines guten Rechtes. (…) Er besaß ein gewaltiges Selbstgefühl“. Michelangelo war im Zeichen der Fische geboren – für manche ein Hinweis auf eine sonderbare, leidenschaftliche Persönlichkeit.Der einst hoch gehandelte Dichter und Essayist Romain Rolland hat den zentralen Wesenszug des Künstlers in seinem partiell heute noch lesbarem, teilweise aber von vielfachen Fehlinterpretationen und ganz wesentlichen Verkennungen bestimmten Michelangelo-Portrait ähnlich formuliert und auf den Punkt gebracht: „Er war einsam“. Andere Interpreten folgen ihm. So schreibt Heinrich Koch gleich zum Auftakt seiner Darstellung: „ Michelangelo war einsam. Er blieb einsam auch in seinem Ruhm. (…) Dieses Bekenntnis fixiert die Grundsituation seines Lebens. Er konnte nur in Einsamkeit tätig sein. Der Hang zu ihr war ihm angeboren. Die Umwelt, gegen die er sich abschloss, oft rücksichtslos und grob, konnte ihn nicht verstehen. Sie sah in ihm einen launenhaften Sonderling, einen hochmütigen Phantasten, einen zornigen Missvergnügten.“ (Koch7)Michelangelo empfand sich selbst als Melancholiker und seinen Lebensmodus, stets von ewiger Unruhe bestimmt, als einen „Zustand von Melancholie, oder besser von Tollheit“. (RomRo15). In verschiedenen Briefen, die für das tiefere Verständnis des Künstlers unverzichtbar sind, umschreibt er seine momentane Stimmung als malinconico, also melancholisch, oft in Verbindung mit einer gewissen Andersartigkeit und individuellen Verrücktheit. Vieles, oft sind es banale Dinge des Alltags, stimmt ihn traurig. Michelangelo findet sich aber recht früh mit seiner Melancholie, unter der er manchmal extrem leidet, ab – und findet sogar Genuss an ihr. Dank seiner ausgeprägten Willenstärke und kraft seiner gewaltigen Persönlichkeit, die der gesamten Gesellschaft zu trotzen vermag, ohne unterzugehen, lehnt er sich gegen die Melancholie als pathologisches Negativphänomen auf und deutet sie – in einem Akt besonderer Willensanstrengung – in das Positive um. Das Resultat dieses Umwertungsprozesses gipfelt in dem poetisch sublimierten Ausruf:

La mia allegrezz’ e la maniconia – Meine Lust ist die Melancholie!

Es ist gut vorstellbar, dass Michelangelo mit seiner Neubewertung des Melancholieempfindens eine Entwicklung in Gang gesetzt hat, die im gesamten europäischen Umfeld zu einer Positivinterpretation des Melancholiephänomens führte – allerdings ist es eine Wertung, die zu keinem Zeitpunkt das eigentliche Phänomen der Melancholie als Situation des Leidens verdrängen konnte. Michelangelo formuliert seine Verherrlichung des gefürchteten Phänomens als Dichtung im Sonett. Somit in einer Form, die zunächst ungedruckt von Hand zu Hand Verbreitung fand und mit dem Ruhm des genialen Künstlers wahrscheinlich auch im Ausland aufgenommen wurde, speziell im elisabethanischen England, bei Robert Burton und in Shakespeares Umfeld.

Seine letzten Jahre verlebte das Menschheitsgenie Michelangelo aus freier Entscheidung in ärmlichen Verhältnissen in seinem alten Domizil unweit der Trajanssäule im Herzen der Weltstadt Rom, manchmal gar verbittert und einsam. Was er in solchen Augenblicken fühlte, hat er in einer burlesken Reimerei festgehalten:

Eng eingeschlossen wie in seine Rinde

Des Baumes Mark, leb einsam ich und ärmlich,

gleich einem Geist, gebannt in die Phiole.

Mein Grab ist dunkel und ist schnell durchflogen,

darin die Spinnen emsig, tausendfach

am Werk, sich selbst als Weberschiffchen nützen.

Ein Berg von Kot türmt sich vor meiner Pforte.

Wer Trauben aß, wer Medizinen schluckte,

dem dient der Platz hier zur Erleichterung.

Hier lernte ich des Harnes Wasser kennen

Und auch ihr Ausflussrohr durch jene Ritzen,

die mich vor Tagesanbruch schon erwecken.

Wer Katzen, Aas, Lockvögel, Mist in seinem

Hausstand führt, bringt sie zu mir. Stört es mich,

darf ich sogar mit ihnen Umzug halten.

Das Innerste ist mir derart zerwühlt,

dass, selbst wenn der Gestank verduften sollte,

kein Brot und Käse mir im Magen blieben.

Husten und Schnupfen hindern, dass ich sterbe.

Weicht mir die Blähung unten leicht von hinnen,

so geht der Atem mühvoll aus dem Munde.

Ich bin erlahmt, geborsten und zerbrochen

durch meines Lebens Qualen. Und die Schenke,

in der auf Borg ich lebe, ist der Tod.

Den Frohsinn finde ich in dumpfer Schwermut,

und meine Qualen spenden mir Erholung.

Wer mag, dem möge Gott dies Elend schenken.

Wer am Dreikönigstage mich gewahrte,

wohl ihm, und mehr noch, sehe er mein Haus

inmitten hier der prächtigen Paläste!

Der Liebe Flamme ist in meinem Herzen

erloschen. Größre Not verjagt geringe.

Der Seele Flügel hab ich scharf gestutzt.

Ich brumm wie eine Hummel in dem Kruge.

In einem Ledersacke trage Knochen

ich und Sehnen, drei Steine in der Blase.

Des Blickes sichres Richtmaß ist zerbrochen.

Die Zähne sind wie einer alten Zymbel Tasten,

sie klappern, wenn die Stimme tönt.

Ein Bild des Schreckens zeigt sich mein Gesicht.

Die Kleider scheuchten ohne andre Waffe,

vom Wind bewegt, wohl Raben aus der Saat.

In meinem einen Ohr hockt mir die Spinne,

im andern zirpt in der Nacht die Grille,

und der Katarrh macht schnarchen mich, nicht schlafen.

Und Amor und die Musen, blühende Lauben,

was sind sie als Gekritzel und Gelumpe,

in Schenke, Gosse, Abort nun zu finden!

Hab ich so viele Puppen angefertigt,

damit mir’s schließlich geh wie jenem Mann,

der’s Meer bezwang und dann im Schlamm erstickte?

Die hochgepriesne Kunst, die einst mir Ruhm

Geschenkt, hat mich dahin gebracht, dass ich

In Armut alt und Fremden untertan.

Ich bin vernichtet, kommt nicht schneller Tod.

Das ist nicht die selbst gewählte Einsamkeit des souveränen Renaissancekünstlers, der sich zurückzieht, um große Leistungen zu vollbringen. Das ist die Einsamkeit eines Menschen, der sich ausgestoßenen fühlt, der seine Probleme mit der Gesellschaft hat, die weder seine Persönlichkeit noch sein Werk angemessen zu würdigen weiß.

Michelangelos kongenialer Zeitgenosse und Rivale Leonardo da Vinci, der in seinem Leben ebenfalls zahlreiche Wüsten der Einsamkeit durchschreiten musste, hat die Enttäuschung am Menschen und an der profanen Gesellschaft in ähnlich dramatische Worte gefasst. Es ist frappierend, dass auch dieser große Geist zur Fäkalsprache greift, um seiner Verbitterung Luft zu machen. In seinen Philosophischen Tagebüchern  Leonardos ist lakonisch vermerkt: „ Es gibt Menschen, die man nicht anders als Durchgang von Speisen, Vermehrer von Kot und Füller von Abtritten nennen muß, weil durch sie nichts anderes auf der Welt erscheint, keine Tugend sich ins Werk setzt und von ihnen nichts übrig bleibt als volle Latrinen.“ (113)

Michelangelos und Leonardos Äußerungen sind ein Beweis dafür, wie schnell Philanthropie in Misanthropie umschlagen kann. Gerade Menschen, die viel Idealismus investierten, um das Höhere im Menschen zu fördern und zum Durchbruch zu führen, verlieren irgendwann nach zahlreichen Enttäuschungen den Glauben am Menschen und ziehen sich in die Einsamkeit ihres Selbst zurück.

Die oben zitierte Burleske, in der die Motive Einsamkeit, Melancholie, Trauer und Tod gezielt eingestreut werden, hat natürlich nichts mit den großen Sonetten Michelangelos zu tun, aus denen ein ganz anderes Künstlertum zu vernehmen ist. Es ist nicht einmal eine Stilübung; es ist eine Art stilisierte Marotte in Versen, teils aus eigenem melancholischen Vergnügen heraus verfasst, mit den Ziel, sich selbst und den Adressaten, an den es sich wendet, ungeachtet der Bitterkeit zum Lachen zu bringen.

Michelangelo, der Künstlergigant überhaupt, als Vogelscheuche! Der uomo universale als gebrochenes Individuum, kraftlos, sich nach dem Erlöser Tod sehnend! Als Hypochonder, der sich genau beobachtet und alle möglichen Symptome und Krankheiten an sich feststellt, der an sich die Spuren des Verfalls und der Vergänglichkeit registriert; der schließlich selbst an seinem Lebenswerk, an den von ihm geschaffenen Kunstwerken, die ihm alles bedeuteten, zweifelt. Inmitten dieser trostlos destruktiven Sichtweise erhebt sich die Melancholie als ambivalentes Phänomen. Obwohl sie ein Elend ist, das keiner erleiden soll, spendet sie auch Trost:

Den Frohsinn finde ich in dumpfer Schwermut,

und meine Qualen spenden mir Erholung.

Gedichte dieser Art, einerseits mit tiefer Aussagekraft zur Melancholiethematik, müssen andererseits so gelesen werden, wie man die enthusiastischen, von Pathos durchdrungenen Briefe des Mediceerkreises liest –unter Beachtung der zahlreichen Übertreibungen, der rhetorische Floskeln, der Ironie und des Sarkasmus’. Nicht alles, was verkündet wird, ist echt. Und doch schwingt existentielle Bitterkeit mit, aus der die innere Wahrhaftigkeit hervorleuchtet.

Michelangelos von vielen künstlerischen Höhepunkten bestimmtes Leben hatte sicher sich auch traurigere Phasen. Als sensiblen Künstler irritierten ihn die Trivialitäten des Alltags, die vergeudete Energie in der Auseinandersetzung mit Auftraggebern, die ihre Honorare endlos hinauszögern, mit unzuverlässigen Banken, Betrügern im Steinbruch, Dieben aller Art und mit den immer wieder sich einstellenden Geldsorgen, die den künstlerischen Schaffensprozess unterbrechen und den Künstler lähmen. In einem Brief aus dem Jahr 1509, also zu einem Zeitpunkt, als er schon ein berühmter Bildhauer war, schreibt Michelangelo aus Rom an seinen Bruder Buonarroto in Florenz: „Ich bin genötigt, mich mehr als die Anderen zu lieben, und kann nicht einmal mir mit den notwendigen Dingen dienen. Ich lebe hier in großer Sorge und unter den größten körperlichen Anstrengungen und habe keinen einzigen Freund, will auch keinen, und habe nicht soviel Zeit, um das Notwendige essen zu können; drum soll man mir nicht noch mehr Not machen, ich könnte doch nicht eine Unze mehr davon ertragen.“ (MBBri44) Drei Jahre später klagt er dem gleichen Bruder, der ,neben dem Vater, das Bindeglied zur Familie darstellte: „Ich teile Euch mit, dass ich nicht einen Groschen besitze und gleichsam barfüßig und nackt bin und das, was mir noch zukommt, nicht eher als bis ich mein Werk vollendet habe, erhalten kann; und ich erdulde sehr große Mühen und Unbequemlichkeiten.“ (MBBri52) Da Michelangelo weitgehend wie ein Asket lebte, brauchte er kaum etwas für den persönlichen Bedarf. Das meiste Geld aus seinen nicht geringen Honorarzahlungen investierte in Materialien, in Wachs, Papier, Leinwand, Farbe, vor allen aber in teure Marmorblöcke, die er auf eigenes Risiko erwarb und transportierte. Erwies sich ein solcher Marmorblock, den Michelangelo in den Brüchen von Carrara oder Pietrasanta bei Aufenthalten von bis zu acht Monaten im Bruch selbst aussuchte, als mangelhaft so war der Schaden für den Künstler enorm. Darüber hinaus war die Zahlungsmoral der Päpste schlecht. In einem Brief an Fatucci aus dem Jahr 1525 klagt Michelangelo: „Ich habe die Provision, schon ist’s ei Jahr her, nicht genommen und kämpfe mit der Armut. Ich bin ganz allein in meinen Nöten und habe davon so viele, dass sie mich mehr beschäftigt halten als die Kunst“. (MBBri91) Der Künstler wird in die Einsamkeit zurückgeworfen und verfällt zeitweise der Melancholie, während der künstlerische Schaffensprozess stockt. Obwohl er leiden muss, vermeidet es Michelangelo, bei Freunden um Geld zu betteln. Dazu ist er zu stolz. Er sucht vielmehr sein Recht, indem er jeden der fünf Päpste, mit denen er es zu tun hatte, zur Rede stellt und sie an ihre Zusagen erinnert. Wenn Michelangelo größere Zahlungen erhielt, ließ er einen nicht unbeträchtlichen Teil seiner Familie zukommen, investierte in Bürgerhäuser in Florenz, erwarb viel Grundbesitz und deponierte ansehnliche Summen bei Banken. Da er im Grunde reich war, musste er auch befürchten, dass gerade die deponierten Gelder von Bankiers, Verwalter, Notaren veruntreut wurde, ebenso wie er befürchten musste, im alltäglichen Bereich betrogen und bestohlen zu werden.

Neben seinen sonstigen Wertsachen, waren vor allem seine Kunstwerke, die in großer Zahl in seinem Atelier herumlagen, begehrt. Als 1542 eine Bestätigung eines angelegten Betrags, mit dem sich Michelangelo die Freiheit des Alters sichern wollte vorerst ausblieb, jammerte er in einem Schreiben an seinen Verwalter de Riccio: „Ich habe mir die 1400 Dukaten aus dem Herzen gezogen; und die hätten mir für sieben Jahre Arbeit gedient (…) Nun stehe ich da, ärmer an Geld und mit mehr Kampf und Nöten denn je.“ Obwohl Michelangelo immer wieder zur Übertreibung neigte und seine vermeintliche Armut inszenierte, wird aus den Briefen eines deutlich- die Existenz des Individuums als Mensch und Künstler ist stets gefährdet. Das Leben bleibt in mehrfacher Hinsicht exponiert. Neben den materiellen Sorgen litt der sonst selbstbewusste, aristokratisch geprägte Michelangelo unter der politischen Unfreiheit und unter dem Zwang, den Päpsten dienen zu müssen, während sein großer Rivale Leonardo da Vinci in seiner Gesamtentfaltung viel freier war. Auch quälte ihn die Vorstellung, seine großen Kunstwerke könnten die Zeiten nicht überdauern und der Vergänglichkeit anheim fallen. Da er lange lebte, verlor er viele Freunde, ihm nahe stehende Menschen, Ideale – doch er hielt am Leben fest. Michelangelo war zwar oft krank, doch lehnte er jede ärztliche Hilfe ab, da er – nicht anders als sein dichterisches Vorbild Petrarca- die wissenschaftliche Autorität des Berufsstandes nicht anerkannte. Auch musste er nicht in Lumpen leben. Er war vermögend, sogar so begütert, dass er seinen treuen Mitarbeiter Urbino durch eine einzige fürstliche Schenkung reich machte.

Michelangelo, der in der Selbstbehauptung gegenüber den Päpsten steht Rückgrat, Mut, ja sogar bewusste Gegnerschaft zeigte, war gegenüber seiner engsten Mitarbeiter wohlwollen, mild und von zarter Güte erfüllt. Michelangelo dachte sozial, verteilte viel an wirklich arme Menschen, vor allem an jene, die es ablehnten, öffentlich zu betteln. Einfache, ursprüngliche, unverfälschte Menschen bedeuteten ihm sehr viel.

Kurz nachdem Michelangelo seinem Mitarbeiter Urbino, der ihn mehr als zwanzig Jahre begleitet hatte, ein kleines Vermögen zukommen ließ, um sein Alter abzusichern, verstarb dieser nach mehrmonatiger Krankheit in den Armen des Meisters. Für Michelangelo war dies ein Schlag, der ihn nachhaltig berührte. Aus einem Schreiben an seinen späteren Biografen Giorgio Vasari, dem Begründer der weltberühmten Uffizien in Florenz, ist der gesamte existentielle Schmerz vernehmbar: „Ihr wisst, dass Urbino gestorben ist. Darin ist mir von Gott größte Gnade geschehen, aber auch zu meinem schweren Schaden und unermesslichem Schmerze: Die Gnade hat darin bestanden, dass, wie er mich im Leben lebend erhielt, er sterbend mich sterben gelehrt hat, nicht mit Unlust, sondern mit Verlangen nach dem Tode. Ich habe ihn sechsundzwanzig Jahre gehalten und habe ihn äußerst redlich und treu befunden; und nun, da ich ihn reich gemacht hatte und erwartete, dass er meinem Alter Stab und Erholung wäre, ist er mir entschwunden, und keine andere Hoffnung ist mir geblieben, als ihn im Paradiese wieder zu sehen. Und dafür hat Gott ein Zeichen in dem so überaus seligen Tode, den er gestorben ist, gegeben. Und weit mehr als das Sterben hat ich betrübt, dass er mich lebend in dieser verräterischen Welt, unter solchen Nöten zurückließe; und da der beste Teil von mir mit ihm dahingegangen ist, bleibt mir für den anderen nur grenzenlos Elend.“(MBBri176f)

Geld spielte für Michelangelo in der Tat keine Rolle. Sein anderer Biograph, Condivi, der schon zu Lebzeiten eine Lebensbeschreibung des berühmten Künstlers herausgab, zitiert Michelangelo mit den Worten, er sei eigentlich ein vermögender Mensch gewesen, er habe nur arm gelebt. Aus diesem Grund sind die vielen Hinweise auf Armut in Briefen und in seiner Burleske objektiv nicht haltbar. Die Burleske selbst entstand wohl aus einer Stimmung heraus, wie sie der Melancholiker immer wieder erlebt, wenn das euphorisch-enthusiastische Gefühl verfliegt. Sie ist als Momentaufnahme zu betrachten, ohne die Potenz, die gesamte geniale Künstlerexistenz in Frage zu stellen. Michelangelos poetische Leistung wird erst in den Sonetten erbracht, die er in der reiferen Lebensphase, ab Sechzig bis ins hohe Alter, verfasste. Es sind Altersdichtungen, aus denen auch nur die Weltanschauung dieser Jahre hervorleuchtet. Der Geist künstlerischer Skepsis und christlicher Innerlichkeit tritt an die Stelle des zukunftsgläubigen Lebensoptimismus des frühen Renaissancegenies. Die christliche Spiritualität des reiferen Michelangelo Buonarroti ist jedoch nicht, wie gelegentlich von Interpreten hervorgehoben, Verrat an der Kunst und den Idealen der Renaissance, sondern sie entspricht einer inneren geistigen und seelischen Entwicklung des Künstlers, die auch ihm zugebilligt werden muss. Michael Engelhard, der 79 dieser Sonette – nach Rilke und anderen Nachdichtungen – ins Deutsche übertragen hat, sieht in Michelangelos Dichtungen „poetische Bewältigungen existentieller Erfahrungen. Jede dieser Erfahrungen steht gleichberechtigt neben jeder anderen. Sie werden zusammengehalten durch den Wesenskern dieses einzigartigen Menschen, der sich in jedem Gedicht offenbart.“ (ME144) Gemessen an den Sonetten Michelangelos erscheinen die Sonette seines früheren Förderers Lorenzo wie holprige Gehversuche. Auf manches der Sonette Michelangelos, die zu den schönsten gehören, die in der italienische Literatur des 16. Jahrhunderts hervorgebracht wurden, lässt sich der Ausspruch anwenden: ecce poeta. Und dabei kam es Michelangelo nicht einmal darauf an, diese lyrischen Perlen drucken zu lassen. Ihm, der auf das Unvergängliche und Ewige im Kunstwerk großen Wert legte, der daran glaubte und die Identität eines höheren Menschen daraus ableitete und rechtfertigte, erschien eine Veröffentlichung seiner Sonette als reine Eitelkeit. Er wollte seinem Publikum, die ihn als Bildhauer, als Maler und als Baumeister bewunderten, nicht noch den Dantekenner zumuten. Es reichte ihm, wenn die artikulierten Gefühle, das Pathos der Freundschaft, des Schönen und des Göttlichen, Freunde erreichten, Menschen wie den innig verehrten römischen Edelmann Tomasso dei Cavalieri und seine angebetete Vittoria Collona, die selbst eine Intellektuelle von Rang und eine begnadete Lyrikerin war. Kernthemen der Sonette Michelangelos sind das Verhältnis des Künstlers zum Kunstwerk, des Menschen zum angebeteten Subjekt, des Individuums  zum Ideal und zu Gott. Hymnen oder Lobgesänge auf Einsamkeit und Melancholie wird man vergeblich suchen.

Dort, wo die beiden Phänomene in Erscheinung treten, geschieht es indirekt im Kontext. Michelangelo arbeitete gerne nachts, fasziniert von der Ruhe und Stille der Nacht. In einem der Sonette wird diese Stimmung eingefangen:

Oh süße, wenn auch schwarze Zeit, oh Nacht,

Die jedes Werk in ihren Frieden reißt,

Gut von Verstand und Aug ist, wer dich preist,

Und wer dich ehrt, hat heilen Geists gedacht.

Dem müden Denken hast du Ruh gebracht,

Das in der schattenfeuchten Stille kreist,

Und aus der Tiefe trägst du meinen Geist

Im Traum empor, wohin ich hoffend tracht’.

O Schattenbild des Todes, in dir endet

Die böse Not der Seelen und der Herzen,

Du allen Leids letzter Heilungsborn,

Du bist’s, der krankem Fleisch Gesundheit spendet

Du trocknest Tränen, linderst alle Schmerzen

Und raubst dem Guten Überdruss und Zorn.

Hinter der dunklen Nacht steht die trostspendende Melancholie, die das Individuum mit dem Schicksal versöhnt.

Dreihundert Jahre später wird ein anderer Dichter und großer Melancholiker, der sich im Rahmen seiner Vorstudien zum „Savonarola“-Epos mit Michelangelo, Leonardo, Lorenzo und der Renaissance als Epoche intensivst auseinandergesetzt hat, in einem seiner schönsten lyrischen Gedichte überhaupt, das Phänomen der Melancholie aus einer vergleichbaren Stimmung heraus mit identischen Worten erfassen – Nikolaus Lenau in „Bitte“:

Weil auf mir, du dunkles Auge,

Übe deine ganze Macht,

Ernste, milde, träumerische,

Unergründlich süße Nacht.

Nimm mit deinem Zauberdunkel,

Diese Welt von hinnen mir,

Das du über meinem Leben

Einsam schwebest für und für.

Komm, heilige Melancholie – Komm, Trost der Welt, du stille Nacht! Andere Dichter anderer Zeiten haben ähnlich gefühlt. Michelangelo steht am Anfang einer Auffassung, die das Phänomen der ernsten Melancholie sublim veredelt.

Leonardo da Vinci und der Wert der Einsamkeit

                                                                                               Einsam wie ein Henker!

Raffael über Michelangelo

Leonardo war ein Freund der Fabel und des Gleichnisses. Wo andere Abhandlungen verfasst hätten, formuliert er eine kleine Geschichte. Eine von ihnen, die man in seinen Aufzeichnungen findet, ist der Wertschätzung der Einsamkeit gewidmet. Leonardo erzählt folgendes: „Ein Stein von ansehnlicher Größe, den das Wasser erst vor kurzem freigelegt hatte, befand sich da an einem gewissen Platz, an den ein hübsches Wäldchen grenzte, hoch über einer steinigen Straße in Gesellschaft von Gräsern und allerlei bunten Blumen, und blickte auf die große Menge von Steinen, die sich dort auf der Straße unten angesammelt hatten. Da bekam er Lust, sich auch dort unten niederzulassen, und sagte sich: Was tue ich hier bei diesen Gräsern? Ich will mit meinen Brüdern dort zusammenleben. Er ließ sich also fallen und beendete schließlich seinen eigenwilligen Weg bei den erwünschten Gefährten. Aber nachdem er dort eine Weile gelegen hatte, wurde er durch die Wagenräder, die Hufeisen der beschlagenen Pferde und die Füße der Wanderer unaufhörlich geschunden. Die einen rollten über ihn hinweg, die andern traten ihn. Manchmal, wenn er von Schmutz oder vom Kot irgendeines Tiers bedeckt war, richtete er sich ein wenig auf und blickte vergeblich zu dem Ort zurück, den er verlassen hatte, zu dieser einsamen Stätte des stillen Friedens. So geht es denen, die das einsame und beschauliche Leben vertauschen wollen mit dem Aufenthalt in den Städten, unter Leuten voll unendlicher Bosheit.“

Die Botschaft dieser kleinen Fabel, die auch von Äsop oder Petrarca hätte stammen können, ist unmissverständlich. Das individuelle Leben, in Natur, Schönheit und Harmonie eingebettet, das einsame, kontemplative Leben, ist in jeder Hinsicht dem unsicheren Dasein in der Masse vorzuziehen. Der von Petrarca in die humanistische Literatur eingefügten Diskrepanz zwischen idyllischer Einsamkeit und verruchtem Stadtleben pflichteten Michelangelo und Leonardo bei. An anderer Stelle notiert Leonardo: „Wenn du allein bist, wirst du dir ganz gehören“, (S.Bramly173) eine Haltung, die ihn mit der stoischen Linie verbindet.

Aber Leonardo aus Vinci war kein Nachbeter. Er verachtete all jene, die nur die Lehren ihrer Vorgänger nachplauderten, ohne zu eigenen Neuansätzen zu gelangen, die so genannten Gelehrten. Nach seiner Überzeugung hat nur das auf Dauer Bestand, was durch Erfahrung überprüft und wissenschaftlich objektiviert werden kann. Das gilt auch für die Erfahrung der Einsamkeit. In einem seiner Aphorismen kommt er auf das Thema zurück indem er die einsame Lebenshaltung wie folgt definiert: „Ungesellig ist, wer sich vor andern rettet“(Tagb23) Damit erteilt er der aristotelischen Definition des Menschen als zoon politikon eine Absage und besinnt sich auf die Individualität des Einzelindividuums, des großen Renaissancemenschen, der allein und nach eigenen Vorstellungen und Gesetzen unbeirrt seinen Weg geht. Hinter diesen individuellen Weg des Einsamen steht die Idee der individuellen Freiheit, von der Leonardo noch radikaler erfüllt war als Michelangelo. Wie Vasari in seiner Leonardo-Vita berichtet, kaufte Leonardo, wenn er über den Markt ging, manchem Vogelhändler die Singvögel ab und entließ sie in die Freiheit. Leonardo war sehr naturverbunden und, anders als Michelangelo, ein sehr genauer Beobachter der Flora und Fauna. Während Michelangelo die breite Palette der Künste abdeckte, als Bildhauer, Maler und Baumeister Unvergängliches schuf, als Goldschmied wirkte, als bedeutender Dichter, – manche zählen ihn unter die fünf größten Dichter Italiens – schließlich als Philosoph und Komponist, obwohl er, ihm Rahmen seiner existentiellen Möglichkeiten, das maximale an freier Selbstbestimmung und künstlerischer Entfaltung ertrotzte und durchsetzte, gelang es Leonardo, noch freier und kompromissloser zu sein.

Leonardo, 1452 in Vinci bei Florenz geboren, trat bereits 1482 aus eigenem Antrieb in die Dienste des Herzogs von Mailand und genoss am Hof des Ludovico Sforza, genannt Il Moro, eine herausgehobene Stellung als Universalwissenschaftler. Er war Dombaumeister, Gründer einer Malerakademie, Kriegstechniker und Ingenieur für Wasserwesen. Während Florenz mit der Platonischen Akademie als Zentrum des Humanismus galt, die Literatur, Philosophie und Schönen Künste bündelte, war Mailand das unbestrittene Zentrum der Wissenschaft und somit ein adäquates Umfeld für das Universalgenie Michelangelo, der dort das Abendmahl und die Mona Lisa malte. Nach Vasari soll beim Portraitieren der Gioconda, die da Vinci vier Jahre lange beschäftigte, immer wieder Musik erklungen sein, um die melancholische Eintrübung des Bildes zu vermeiden: „Er verwendete noch einen Kunstgriff: Mona Lisa war zwar sehr schön, aber während er sie malte, mussten fortwährend Musikanten und Sänger oder Komödianten da sein, die sie bei guter Laune erhielten, um den melancholischen Zug zu vermeiden, den, wer gemalt wird, leicht bekommen kann: Aber über diesem Gesicht lag ein so liebreizendes Lächeln, dass eher von himmlischer als von irdischer Hand zu sein schien, und es galt für ein Wunderwerk, weil es war wie das Leben.“(LdVMS23)

Neben der Kunstmalerei betätigte sich Leonardo als Forscher und Erfinder bis sich die Schaffensbedingungen in Mailand eintrübten. 1499 besetzen die Franzosen Mailand. Sein Gönner und Förderer Ludovico Il Moro muss fliehen. Er verliert schließlich – wie Leonardo es an einer Stelle verkürzt notiert – sein Land, seine Freiheit, ohne seine Projekte verwirklichen zu können – und schließlich auch, in einem französischen Gefängnis, sein Leben. Vielleicht war es diese tragische Entwicklung, die Leonardo in einer Tagebucheintragung ausrufen lässt:

O Zeit, du Verzehrerin der Dinge! O missgünstiges Zeitalter, du zerstörst alles! Ihr beide verzehrt mit den harten Zähnen des Alters alle Dinge nach und nach, wie in langsamem Tod!“

1502 tritt Leonardo in die Dienste des Cesare Borgia, des verruchtesten aller Renaissancegestalten der Zeit. Cesare Borgia war die Verkörperung aller Niedertracht und Scheußlichkeit. Ein Machtmensch – und als solcher das Vorbild für Machiavellis Principe- dem alle Mittel legitim waren, um zu seinem Zweck zu gelangen. Cesare Borgia und sein nicht weniger verkommener Vater, Papst Alexander VI, waren die Verbrecher der Zeit. Ihre Machtentfaltung beruhte auf allen Scheußlichkeiten, die sich ein perverses Gehirn ausdenken kann. Mord war für beide ein Mittel der Politik. Ironie des Schicksals – Papst Alexander starb an dem vergiften Wein, den er für einen politischen Widersacher bereitet hatte. Um zu überleben stellte Leonardo, dessen Genie Flugmaschinen, eine Art Hubschrauber, einen Panzer, selbst ein Unterseeboot erfinden sollte, zeitweise in die Dienste dieser Ungeheuer, bevor er 1503 in das heimatliche Florenz zurückkehrte.

Zu Leonardos Ehrenrettung ist jedoch zu sagen, dass er zu keinem Zeitpunkt Erfindungen in die Welt gesetzt hat, die im Widerspruch zu seiner strengen Ethik gestanden hätten. So gab er etwa die Details zu seinem Unterseeboot nicht Preis, weil er befürchten musste, dass sie in die Hände böser Menschen gelangen und großen Schaden anrichten könnten. Um 1500, etwa zehn Jahre nach dem Tod Lorenzos, des Erlauchten, war Florenz wieder in der Hand der Medici, nachdem es ihnen der Reformator Savonarola für mehrere Jahre entrissen und zur Republik umgestaltet hatte. Doch Savonarola war inzwischen verbrannt worden und der status quo ante war wieder hergestellt. Florenz war nach wie vor immer noch das Kunstzentrum der Welt. Michelangelo wirkte hier, sein Rivale Raffael, Sandro Botticelli und nun auch wieder der weit bekannte und allseits geschätzte Leonardo da Vinci.

Leonardo und Michelangelo waren höchst unterschiedliche Charaktere. Als Künstler waren sie unerbittliche Konkurrenten. Aber sie hatten auch viele Gemeinsamkeiten, nicht nur einen gewissen Hang zur Einsamkeit, zur Gesellschaftsverachtung und einen Hauch Misanthropie. Beide waren frühreife Multitalente, musische Menschen, die dichteten, musizierten, sinnende Naturen, stets auf philosophische Erkenntnis ausgerichtet; sie beherrschten das Kunsthandwerk, das Modellieren, die Kunstmalerei, das Metier des Baumeisters und vieles mehr. Michelangelo neigte schließlich mehr zur Kunst, während Leonardo als Forscher und Erfinder Prioritäten setzte. Beide waren von der inneren Unruhe strebender Geister erfüllt und tendierten in ihrem Schaffen zur absoluten Perfektion. Schien diese unerreichbar oder gefährdet, wurde die Arbeit am Kunstwerk abgebrochen.

Leonardo hat fast nur unvollendete Werke hinterlassen, auch die Mona Lisa und das Abendmahl zählen dazu. Bei Michelangelo verharren noch viele Ideen angedeutet im Stein. Michelangelo war arbeitswütig; er arbeitete tagsüber hart und dann noch nachts bei Kerzenschein. Leonardo war weniger als Künstler tätig, investierte aber mehr Zeit und Energie in Wissenschaft, Forschung und praktische Tätigkeiten. Beide neigten zur stillen Anschauung, zur Meditation und Kontemplation. Und trotzdem war keiner von ihnen, richtig vereinsamt. Beide hatten Menschen um sich, mit welchen sie adäquat kommunizieren konnten. In Leonardos Begleitung sah man oft zwei schöne Jünglinge, die mehr Kunstfreunde als eigentliche Schüler waren; den jugendlich frischen, oberflächlichen Gian Giacomo Caprotti ,Salai genannt, den Teufel, und den vornehmen Mailänder Aristokraten Francesco Melzi. Letzterer galt als Lieblingsschüler Leonardos und war praktisch sein verantwortungsvoller Universalerbe. Leonardo selbst war eine imposante Gestalt, eine schöne männliche Erscheinung, die faszinierte, während Michelangelo, der das Schöne über alles stellte und anbetete, selbst äußerlich verunstaltet war und hässlich wirkte. Beide verfügten über einausgeprägtes Selbstbewusstsein und hatten den Anspruch, in der Kunst der Erste zu sei. Darin begründeten sie ihre Rivalität und ihr Konkurrenzverhältnis. Beide waren großzügig und freigiebig, Leonardo noch eindeutiger als Michelangelo, der unversöhnlicher und manchmal auch menschlich schwierig war. Sie mieden einander und achteten darauf, dass sich ihre Wege in den damals noch überschaubaren Florenz nicht allzu oft kreuzten. Das lies sich aber nicht immer verhindern. 1504 sollte in der Signoria entschieden werden, wo Michelangelos gerade fertig gestellter David aufgestellt werden sollte. Es wurde eine Künstlersachverständigenkommission gegründet, der neben Michelangelo und anderen Experten auch Botticelli und Leonardo angehörten. Während sich Leonardo für einen geschützten Standort unter den Arkaden aussprach, plädierte Michelangelo für die Aufstellung vor dem Pallazzo Vechio, dem Alten Rathaus, und setzte sich damit durch.

Kurze Zeit darauf kam die Signoria zu dem Entschluss, die Innenräume des Rathauses weiter ausmalen zu lassen. Michelangelo sollte eine Wand gestalten, Leonardo eine andere. Das bedeutete endgültig die absolute Konfrontation. Michelangelo stellte sich dem Wettbewerb und nahm die Herausforderung an, obwohl er praktisch noch nichts auf dem Gebiet der Kunstmalerei geleistet hatte. Er stand kurz vor seiner Abberufung nach Rom und war damals noch keine dreißig Jahre alt; Leonardo, der Schöpfer der weltberühmten Gemälde, schon über fünfzig. Jeder der Künstler erstellte seinen Karton an einem anderen Ort. Leonardo malte eine Szene aus der Schlacht von Anghiari, Michelangelo malte dieSchlacht von Cascina. Beide Originale sind verloren. Sie wurden mutwillig von Sympathisanten des jeweils anderen zerstört. Erhalten sind jedoch Kopien der berühmten Auseinandersetzung zwischen den genialen Malern in der Ausführung von Rubens, der die Schlacht von Anghiari in einem grandiosen Gemälde in starker Anlehnung an Leonard umsetzte. Das Bild ist im Louvre zu bewundern. Der italienische Maler San Gallo, ein Augenzeuge der Werke, gestaltete nach Michelangelos Vorgaben die Schlacht von Cascina als Gemälde, das als Die Badenden bekannt wurde. Der Wettkampf, der sich zwischen 1504 und 1505 hinzog, endete im Remis. Die Zeitzeugen waren sich in der Einschätzung und Bewertung einig. Beide Künstler zeigten paradigmatische, nie da gewesene Malerei.

Girolamo Savonarola – der melancholische Reformator vor der Reformation.

Am 23. Mai 1598 wurde Girolamo Savonarola im Zentrum von Florenz gehängt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, nachdem er mehrere Tage auf brutalste Weise gefoltert worden war, ohne zu gestehen oder zu widerrufen. Aus der Sicht seiner Henker, des dekadenten, machtblinden wie inkompetenten Borgia Papstes Alexander VI und seiner Handlanger, war er ein Herätiker und Schismatiker, nicht anders als, um nur einige illustre Namen zu nennen, der große deutsche Mystiker Meister Eckhart vor ihm und Giordano Bruno nach ihm. Heute ist Gewissheit, was man damals schon vermutete. Es war ein eiskalter Justizmord im Geiste der Inquisition. Das Todesurteil stand schon fest, bevor die Beschuldigungen und Vorwürfe überhaupt geprüft worden waren. Es war eine bewusste Exekution, die aus klerikalen wie machtpolitischen Gründen herbeigeführt wurde.

Doch wer war Hieronymus Savonarola, dieser einsame Asket und melancholische Charakter, wirklich? Die Meinungen über die mehr von Charisma als von Fanatismus erfüllte Persönlichkeit, die Königen trotzte, geniale Geister der Zeit in ihren Bann zog, unter ihnen geniale Naturen wie Michelangelo, Sandro Botticelli und Giovanni Pico della Mirandola, un die dem Papsttum den Krieg erklärte, sind nach wie vor kontrovers und klaffen weit aus einander. Für einzelne Betrachter ist er schon aus ideologischen Gründen ein wild gewordener, lebensfeindlicher Dominikaner, ein obskurer Prediger des Untergangs, ein falscher Prophet und Scharlatan, der den humanistischen, kunstgetränkten Geist der Renaissance zugunsten eines primitiven Christentums abwürgen und in Florenz eine Theokratie, einen Gottesstaat, errichten wollte. Für andere Interpreten hingegen repräsentiert er den großen Nachfahren von Jan Hus, und gilt als der Präreformator der Kirche schlechthin, der Vorläufer Luthers und Calvins, der politische Visionär und Einiger Italiens, der überzeugte, innere, wahrhaftige Christ. Von Luther selbst stammt ein Ausspruch, er verehre Savonarola wie einen Heiligen. Das negativistische Savonarolabild hat weitgehend weltanschauliche Ursachen. Das Programm ist so angelegt, dass es, je nach der eingenommenen Perspektive, notwendigerweise polarisieren muss. Andererseits beruht es auf Unkenntnis seines nur spärlich bekannten, nur in geringem Maße ins Deutsche übertragenen Werkes und der komplexen historischen Zusammenhänge der Renaissancezeit wie auch auf der Übersteigerung des Ästhetischen in der Wertung. Ein Beispiel für das letztere liefert Goethe, der bekanntlich zum gesamten Christentum auf Distanz ging, wo er auf das bekannte Gespräch zwischen Savonarola und dem sterbenden Lorenzo de Medici, dem Prächtigen, zu sprechen kommt. Der große deutsche Heide und leidenschaftliche Bewunderer der Renaissancekunst ergreift dabei die Partei des freigeistigen Kunstförderers, ohne nach zeitspezifischen, sozialen und politischen Implikationen zu fragen: „Diesem großen, schönen, heiteren Leben setzt sich ein fratzenhaftes, phantastisches Ungeheuer, der Mönch Savonarola, undankbar, störrisch, fürchterlich entgegen und trübt pfäffisch in die dem mediceischen Haus erbliche Heiterkeit der Todesstunde.“ Goethe orientiert sich in dieser eindeutig überspitzt polemischen Charakterisierung an der Überlieferung des Pico della Mirandola, deren Glaubwürdigkeit – bei allem Respekt vor Pico charakterlicher Integrität – doch nicht selten angezweifelt wird. Pico, ein viel bewunderter Philosoph der Zeit und prominentes Mitglied der platonischen Akademie in Florenz, jüngerer Freund Lorenzos und später überzeugter Anhänger Savonarolas, berichtet:  Savonar