Post festum

Post festum

Bei Herta Müller ist vieles post festum,
ihr Dadaismus – mehr als ein halbes Jahrhundert nach Tristan Tzara und Hans Arp – ist ebenso post festum wie ihr
Hermetismus lange, lange nach Paul Celan.
Der von Herta Müller denunzierte und de facto literarisch ruinierte Werner Söllner, verkannter Lyriker von Rang ist ihr auch darin weit überlegen.
Ihre Sehnsucht nach „Fäkalität“ oder ihre „Urinprosa“ sind bei Salvador Dali oder George Bataille genauso vorweggenommen wie ihr von Thomas Bernhard und Peter Handke entlehntes „Nestbeschmutzertum“.
Darüber schrieb ich schon ausgiebig vor Jahren in Publikationen, deren breitere Zirkulation und Rezeption – trotz Internet – von Seilschaften über Druckausübung mit verhindert wurde.
Post festum schließlich ist Herta Müllers verkrampfter Versuch, sich als Widerstandskämpferin in Szene setzen zu wollen.
Wer tiefer gräbt und sich in die Materie einarbeitet, wird bald feststellen, dass alles nur Schall und Rauch ist.
Der Kaiser hat auch in diesem Punkt nichts an!
Alles Bluff!
Alles Show!
Solange die Welt die Lügen erträgt, wird sie weiter belogen sein!
Die Jetztzeit hat eben die geistigen Eliten, die sie verdient!
Und da die Lüge regiert, lügen alle munter mit, vor allem dann, wenn sie mit profitieren, auch wenn der Schuss nach hinten losgeht – wie bei der ZEIT, die diese Diskussion trotzdem nicht mehr aus der Welt schaffen kann.
Da die ZEIT-Redaktion in ihrem konkreativen Mitwirken an den Lügenbericht daran interessiert ist, die Materie weit aufzubauschen, schießt auch sie über die gesunde journalistische Provokation hinaus, indem sie einen Aspekt hervorkehrt, ein Detail betont, das sich ebenso als Bumerang für DIE ZEIT erweist wie das seichte Verleumdungszitat.
DIE ZEIT betont explizit im Untertitel, „Die rumäniendeutsche Schriftstellerin Herta Müller berichtet erstmals über ihre Erfahrungen mit dem Terror“!
Der Akzent liegt dabei – neben dem an den Haaren herbei gezogenen Terror-Begriff – auf dem exklusiv anmutenden, an sich aber höchst verräterischen Wörtchen „erstmals“.
Wieso „erstmals“?
Herta Müller kam im Jahr 1987 in die Bundesrepublik. Weshalb ließ sie sich ganze 22 Jahre lang Zeit, um „über ihre Erfahrungen mit dem Terror“ während der Ceausescu-Diktatur zu berichten?
Weshalb hielt sie die beiden angeblichen körperlichen Malträtierungen durch angebliche Mitarbeiter des Geheimdienstes Securitate zwei Jahrzehnte lang zurück und begnügte sich mit dem- von mir öffentlich verhöhnten – Hinweis, sie hätte einem Anwerbeversuch der Securitate widerstanden?
Vielfach hatte ich in öffentlichen Kommentaren darauf hingewiesen, solche Allerweltbehauptungen könne jedermann aufstellen. Beweisen konnte Herta Müller ihre fragwürdige Heldentat nicht.
Musste nun in der ZEIT noch viel dicker aufgetragen werden, damit weitere Kreise an Herta Müllers Verfolgung glaubten?
Mussten nun, nach 22 Jahren, neue Drohungen erfunden werden, etwa die bis zum Überdruss – als PR-Gag – wiederholte Sentenz
„Wir werden dich im Fluss ertränken, ersaufen“,
eine Farce, auf deren fiktive Herkunft ich weiter unten noch explizit eingehen werde.
Weshalb berichtete Herta Müller nicht unmittelbar nach ihrer Ankunft im Bundesgebiet „über ihre Erfahrungen mit dem Terror“, so, wie ich es seinerzeit 1979 gehandhabt hatte, als ich gleich nach meiner Entlassung aus der Gefängnishaft in Deutschland mit der Aufklärung begann?
Seinerzeit im November 1979 eilte ich unverzüglich zum US-Aufklärungssender Radio Freies Europa, Radio Liberty in München und berichtete dort in zwei mehrfach ausgestrahlten Interviews ausführlich „über meine konkreten Erfahrungen mit dem Terror“ während der Ceausescu-Diktatur, über Haft und Folter.
Anschließend informierte ich vor Ort die Liga für Menschenrechte in Paris und reiste wenige Wochen danach zum Sitz von „amnesty international“ nach London, um dort detailgerecht über Haft und Häftlingsschicksale in den kommunistischen Gefängnissen Rumäniens zu berichten.
Danach fixierte ich die gesamte mehrjährige Oppositionserfahrung in Rumänien mit Schreibmaschine auf Papier und legte das 150 Seiten-Manuskript der Lektorin Cornelia Gerstenmaier bei Ullstein/ Kontinent in Bonn persönlich vor.
Nichts von alledem hat Herta Müller getan – einfach deshalb, weil sie nichts zu berichten hatte, weil sie weder verfolgt worden war, noch gegen den Kommunismus opponiert hatte.
Und nun – nach 22 Jahren – setzt sie schamlos neue Legenden in die Welt, Grusel-Geschichten und orientalisch anmutende Ammenmärchen, die sie als Märtyrerin für Freiheit und Menschenrechte erscheinen lassen sollen und tut so, als hätte die böse Securitate all ihre Martyriums- und Passionsszenen aus ihrer Akte getilgt.
Der Persil-Schein für ein Leiden, das so nie stattgefunden hat, wird dann – neben den Attesten zahlreicher Helfer und Helfershelfer, die im eigenen Interesse alles bestätigen – auch noch von der Konrad Adenauer-Stiftung ausgestellt, damit auch die letzten Zweifler überzeugt werden und der Weg zur Nobelpreiskandidatur geebnet wird.
Wenn da nur nicht die bösen Querulanten wären, die alles anders erlebt haben und nun auftreten, um Kreise zu stören, um Ikonen zu stürzen und Umsätze zu gefährden!
Dichter logen immer schon, selbst wenn sie nur idealisieren wollten.
Doch Philosophen – mit und ohne Diplom – sind der Wahrheit verpflichtet, gerade dann, wenn sie den aufrechten Gang – an den Werten der Vorfahren ausgerichtet – ein Leben lang in Anstand und Würde praktizierten.

Carl Gibson mit seinem neuen Werk Allein in der Revolte
Carl Gibson

carl Gibson, Symphonie der Freiheit und Allein in der Revolte, Titelbilder

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte Buckrückseite

Carl Gibson neues Buch Allein in der Revolte

Copyright: Carl Gibson
Fotos von Carl Gibson: Monika Nickel

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