Nikolaus Lenau: “Der Kranich” – Poesie der Hoffnung in trister Zeit

 

Reiher über den Dingen


Große Herbstlyrik der Romantik

 Stoppelfeld

Nikolaus Lenau

Der Kranich


Stoppelfeld, die Wälder leer,
Und es irrt der Wind verlassen,
Weil kein Laub zu finden mehr,
Rauschend seinen Gruß zu fassen.

Kranich scheidet von der Flur,
Von der kühlen, lebensmüden,
Freudig ruft ers, daß die Spur
Er gefunden nach dem Süden.

Mitten durch den Herbstesfrost
Schickt der Lenz aus fernen Landen
Dem Zugvogel seinen Trost,
Heimlich mit ihm einverstanden.

O wie mag dem Vogel sein,
Wenn ihm durch das Nebeldüster
Zückt ins Herz der warme Schein
Und das ferne Waldgeflüster!

Hoch im Fluge übers Meer
Stärket ihn der Duft der Auen;
O wie süß empfindet er
Ahndung, Sehnsucht und Vertrauen!

Nebel auf die Stoppeln taut;
Dürr der Wald; – ich duld es gerne,
Seit gegeben seinen Laut
Kranich, wandernd in die Ferne.

Hab ich gleich, als ich so sacht
Durch die Stoppeln hingeschritten,
Aller Sensen auch gedacht,
Die ins Leben mir geschnitten;

Hab ich gleich am dürren Strauch
Andres Welk bedauern müssen,
Als das Laub, vom Windeshauch
Aufgewirbelt mir zu Füßen:

Aber ohne Gram und Groll
Blick ich nach den Freudengrüften,
Denn das Herz im Busen scholl,
Wie der Vogel in den Lüften;

Ja, das Herz in meiner Brust
Ist dem Kranich gleich geartet,
Und ihm ist das Land bewußt,
Wo mein Frühling mich erwartet.

Lenaus bedeutendes Gedicht verweist darauf: Der Kranich ist ein wichtiges Thema der Kulturgeschichte mit hoher Symbolkraft in verschiedenen Kulturen und Zeiten,

vergleiche dazu:

http://de.wikipedia.org/wiki/Kraniche

Wer offenen Auges durch die Welt schreitet, wird manches entdecken, was die Natur an Schönheiten bereit hält, gerade im Herbst, wo Vergänglichkeit und Wiedergeburt im Widerstreit liegen.

Einiges verabschiedet sich, um den kalten Winter zu überstehen,

andererseits regt sich bereits jetzt neues Leben, entschlossen Schnee und Kälte zu trotzen.

Einsamer Baum am See

Werden und Vergehen in eigener Ästehtik

Mir unbekannte Pilze bevölkern Baumstumpf

Rätselhafte Pilzkultur – sie sehen aus wie kleine Quallen,

eine Art Gallertpilze?

In der Welt der Pilze wartet manche Überraschung,

Potenzial für Neuentdeckungen.

Am Teich

Ameisenhaufen – pulsierendes Leben, millionenfach

Hecke am Waldrand

Zwei kleine, weiße Schnecken im Schlaraffenland. Sie fressen sich durch den opulenten Steinpilz ebenso wie durch die hochgiftigen Knollenblätterpilze.

Akazien, die Bäume meiner Kindheit im Banat, am Seeufer.

Birkenwald – er ist selten geworden.

Natürlicher Zerfall – in wenigen Jahren wird aus Holz kostbarer Humus.

Abendstimmung am See

Im Lebensraum des Rohrsängers

Am See

Fotos: Monika Nickel und Carl Gibson

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