Semprún, Sansal … ein Friedenspreis und die gesellschaftliche Heuchelei dahinter – „aufrührerische Gedanken“ im Blog verbreiten!

Nach Jorge Semprún erhält nun auch Boualem Sansal den

http://de.wikipedia.org/wiki/Friedenspreis_des_Deutschen_Buchhandels

Wenn er wieder zwanzig Jahre alt wäre, würde er einen Blog gründen und im Internet aufrührerische Gedanken verbreiten –

das sagte Jorge Semprún kurz vor seinem Ableben.

Höchst sympathisch diese Aussage, gerade aus der Sicht eines Bloggers, der ähnlich denkt und fühlt.

Jorge Semprún war ein Kämpfer, ein Mann der Widerstands gegen Totalitarismus, ein Zeitzeuge mit KZ-Erfahrung, der wusste, dass der Kampf für Freiheit und Menschenrechte nie zu Ende sein wird und dass dieser – nach dem konkreten Agieren an der Front – auch danach permanent ausgetragen werden muss:

mit geistigen Mitteln.

http://de.wikipedia.org/wiki/Jorge_Sempr%C3%BAn

Was machte die Gesellschaft aus Jorge Semprúns Tod?

Nicht viel! Immerhin merkte man, dass ein Dichter von uns ging, ein großes Individuum, das gegen seine Zeit ausgestanden war.

Sonst: The same procedure as every year!

Manch ein wohlwollender Nachruf war zu hören! Jetzt, wo man Jorge Semprun verloren hatte, fiel erst auf, was wir verloren hatten. Kritisches hörte ich kaum – aber manch Banales. Nobelpreisträgerin Herta Müller ließ es sich nicht nehmen, auch ein paar Zeilen zu schreiben, ganz so, wie es ihre Art ist, um sich selbst wieder ins Gespräch zu bringen … ihre eigenen Leiden!

http://www.faz.net/artikel/C30437/herta-mueller-ueber-jorge-semprun-der-bumerang-des-gluecks-30435911.html

Die FAZ veröffentlichte das Magere online – auch auf die bewährte Art: und unkritisch, wie auch sonst alles, was von Herta Müller kommt. Da Herta Müller selbst nie die Frage aufwarf, weshalb man ihr den Nobelpreis zu erkannte und nicht etwa Jorge Semprún, der meines Wissens nach nicht einmal nominiert war, hätten die kritischen Journalisten von der FAZ dies tun können! Ein Gebot des Anstands?

Herta Müller schrieb ihren Lager- Literatur- Roman „Atemschaukel“ mit Informationen aus zweiter Hand, Informationen, die ihr Büchner Preisträger und posthum enttarnter Securitate- IM Oskar Pastior zu Verfügung stellte.

Second- Hand- Fiktion?

Jorge Semprún war selbst im KZ – Er überlebte Buchenwald ( bei Weimar),

http://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Buchenwald

 wohin ihn die Gestapo verfrachtete, nachdem er als Mitglied der französischen Widerstandsbewegung „Résistance“ http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%A9sistance

 einen deutschen Munitionszug in die Luft gesprengt hatte.

Ein Leben lang schrieb Semprún darüber!

Gehör fand er nur mäßig – man ehrte ihn mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, ( doch der Nobelpreis als Krönung seines Schaffens blieb ihm verwehrt.

Weshalb? Weil er ein Kommunist war? Weil er vergaß, aus dem Kommunisten einen Wendehals zu machen, sich mit der Macht der Konservativen zu arrangieren?

Weshalb zählt „Fiktion“ a la Herta Müller mehr als der poetische Tatsachenbericht eines authentischen KZ-Überlebenden? Semprún hat die Diktatur beschrieben, die Francos in Spanien, die der Nazis und die der Kommunisten, die ihm das freie Wort verweigerten und ihn aus der Partei verbannten. Semprún- ein Unverstandener? Ein Übergangener? Es ist nicht weit her mit der Gerechtigkeit in der Literatur – die mit Lobby machen das Rennen, auch wenn ihre Produktionen dürftig sind, während andere leer ausgehen. Zu Sansal – man will auch ihn mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ehren! Wohlan! Doch wer kennt hier mehr als seinen Namen? Vor einigen Monaten schrieb ich über ihn – mit wenig Resonanz, gerade dann, als Sansal von Frankreich aus den von Präsident Sarkozy nach Libyen geschickten Philosophen Bernhard- Henry Levy kritisierte.

http://carl-gibson.blogspot.com/2011_03_01_archive.html

 (Dort schrieb ich u.a. : (Nachtrag am 30. März, 2011, 23 Uhr) – Mein sicher nicht singulärer Aufschrei wurde vernommen Inzwischen meldete sich der algerisch-französische Schriftsteller Boualem Sansal ( homme des lettres) zu Wort, Details zur Person unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Boualem_Sansal

 die oben von mir thematisierte Tandem-Aktion Levy- Sarkozy höchst kritisch kommentierend. Europa müsse wieder weg von der Doppelmoral, weg von der Heuchelei und weg von der opportunistischen Verlogenheit und wieder hin zur Moral, zurück zum humanistischen Ethos der Völker im Geiste der UNO-Erklärung. Das ist genau das, was ich seit längerer Zeit hier öffentlich einfordere. Nach Sansal wolle Frankreich sein desolates Image in Nordafrika wieder etwas aufpolieren, ergo einen “gerechten Krieg” führen. Dabei werde vergessen, dass Präsident Sarkozy noch unlängst mit Diktator Muammar el Gaddafi paktierte – ( nicht anders als Silvio Berlusconi in heuchlerischer Kumpanei).

Soweit Sansal, der als genuiner Algerier die vitalen Angelegenheiten des Maghreb und der Arabischen Welt sicher besser kennt und weniger polemisch behandelt als Levy. Aber kann aus einem “unheiligen Krieg” ein Fundament der Werte entstehen? Der Zirkus innerhalb der uneinigen NATO, wie in Libyen vorzugehen sei, ist der eindeutige Beweis dafür, dass dieser an den Haaren herbei gezogene “Krieg” ohne Kriegserklärung und Parteinahme für eine Bürgerrechtspartei auch innerhalb des westlichen Bündnisses höchst umstritten ist und bleibt. Die Zeit der Diktatoren neige sich dem Ende zu, meinen einige Politiker. Doch wie konsequent sind die Befreier? Was wird aus einem freien Tibet? Wer legt sich mit China an? Was aus einem unabhängigen Tschetschenien? Was aus einem eigenständigen Kurdenstaat? Und aus einem souveränen Palästina? Wird Lukaschenko doch noch ausgebombt? Vor Putins Haustür? Oder Jemen? Syrien? Bedenkliches vollzieht sich hinter den Kulissen ( bei NATO und UNO), wobei zwischen Einzelstaaten hart gepokert und gefeilscht wird – auf Kosten der Prinzipien, die die “westliche Wertegemeinschaft” begründen und bestimmen. Werden die Werte auf dem Altar der Macht geopfert? Wenn die Philosophen versagen, dann ist es mit dem Irren opportunistischer Macht-Poliker und Militärs nicht weit her. Boualem Sansals Korrektur ist wohltuend, während der sonst kritisch-streitbare 68-Sartre-Revolutionär Levy sich weit von den “Französischen Moralisten” entfernt hat, um einer neuen “Philosophie der Macht” das Wort zu reden – dopo Nietzsche!)

Sansal hat die Heuchelei des Westens angeprangert, jenes Westens, der mit Diktator Muammar el Gaddafi paktierte, obwohl jedermann wusste, wessen Geistes Kind der ehemalige Putschist und Menschenrechtsverächter seit 40 Jahren ist. Falschinformationen und Desinformation überall – kein Wunder, wenn gegen die Prinzipien des Völkerrechts Krieg geführt werden und die Öffentlichkeit über manches unwahrhaftig informiert wird. Mögen die Blogger – als Kontrollinstanz der lahmen, unfreien Mainstream- Journalisten Jorge Semprúns Anregung beherzigen und weiterhin nicht nur aufrührerische Gedanken verbreiten, sondern auch der Wahrheit zum Durchbruch verhelfen.

About carlgibsongermany

Writer, author, philosopher, historian, critic, blogger, Zeitkritiker, Publizist, Natur- und Lebensphilosoph, freier Schriftsteller, Blogger.
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One Response to Semprún, Sansal … ein Friedenspreis und die gesellschaftliche Heuchelei dahinter – „aufrührerische Gedanken“ im Blog verbreiten!

  1. Mein Artikel hier – mit der Kritik an Herta Müller – erregt die Geister . Einem meiner Kritiker antwortete ich auf Facebook folgendes:

    “Ich gönne Ihnen Ihren dezidierten Literaturgeschmack, Herr (…) – gewisse Leute (Michael Naumann) von “Cicero” und der Leiter des Carl Hanser Verlages sehen die Dinge ebenso, auch Gönner von der KAS ( Konrad Adenauer Stiftung) und Leute aus der Alma Mater bzw. von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie Folger aus Stockholm (Nobelpreis-Komitee) – ich vertrete die andere Seite, diejenigen, die es nicht hinnehmen, dass das im Trüben Fischen über die Aufklärung gestellt wird –
    Lügen haben kurze Beine, sagt nicht nur Herta Müller – und Hochmut kommt vor den Fall. Die Unwahrheiten der Herta Müller ( ob als Fiktion verkleidet oder echt) werden keinen Bestand haben – und ihre Literatur auch nicht.

    Was sagte doch Literatur -Papst Marcel-Reich Ranicki zu der ominösen Vergabe: Kein Kommentar. Entweder MRR irrt – oder er verseht nicht s von Literatur – wie ich!
    Oder er darf nichts sagen – in dieser “offenen Gesellschaft” – die Zeit wird die Sache objektivieren. (Aber nicht DIE ZEIT, denn dort darf Herta Müller lügen, bis sich die Balken biegen – ohne Konsequenzen …wie in der Politik.”

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