“Spätrömische Dekadenz” und die Folgen – Charisma und Augenmaß in der deutschen Politik

Vom hohen Aufstieg und tiefen Fall der Polit-Akteure Guido Westerwelle und Karl-Theodor zu Guttenberg

Hochmut kommt vor den Fall,

besagt ein Volksweisheit.

Alte Mythen künden davon – Ikarus,

und dahinter

Prometheus, Tantalus, Sisyphus in der Antike

sowie Faust und Don Giovanni in der Renaissancezeit,

am Vorabend von Aufklärung und Moderne.

Heute stehen zwei Namen im Rampenlicht:

Karl -Theodor zu Guttenberg – ein Unersättlicher, der nach dem Sternen griff und Regenwürmer erntete,

und

Guido Westerwelle, noch kurze zeit FDP-Chef,

ein nicht minder kluger Kopf,

der in einem Augenblick von Selbstüberschätzung, Selbstvergessenheit wie geistiger Entrückung das Prinzip „Verantwortung“ vergaß,

indem er den Ausdruck „spätrömische Dekadenz“ nicht nur lauthals verkündete,

 sondern auch so lange vertrat,

bis er die Armen Deutschlands gegen sich und die deutsche Nation gespalten hatte.

Nicht nur die Kernspaltung spaltet ein Volk!

Auch kurzsichtige Politiker können es tun, wenn sie das von Max Weber als Paradigma vorgegebene „Charisma und Augenmaß“ aus den Augen verlieren.

So lange eine Gesellschaft ethisch definiert ist und offen an Ethos und Moral festhält, wird jeder Politiker, der sich gegen die vorgelebten Werte versündigt, früher oder später scheitern.

Öffentlich Wasser predigen und heimlich Wein trinken – das funktioniert nicht mehr.

Das Volk ist wachsam – und gerade in Wahlzeiten wird manches abgestraft:

Politische Inkonsequenz (wie jüngst bei der FDP und CDU ) ebenso

wie das Verhöhnen verfassungsrechtlich garantierter Grundwerte wie Würde, Wahrheit und Recht.

Lange vor „KT“s Niedergang, als der Stern des CSU-Politikers noch kometenhaft stieg, verfasste ich, gewissermaßen avant la lettre, auf der linken Plattform DER FREITAG den Beitrag: 

Es dauerte dann fast noch ein Jahr, bis der Polit-Superstar zu Guttenberg (CSU) sich dann selbst ein Bein stellte, indem er Anstand und Würde aus den Augen verlor und damit die Grünen „auf Augenhöhe“ brachte

und in Regierungsverantwortung in Baden -Württemberg.

Werden Werte leichtfertig aufs Spiel gesetzt, führt das zu politische Erbeben und Tsunamis, die alles Gewohnte hinweg fegen – wie nie da gewesen:

 Den Pseudo- Liberalismus,

den Pseudo-Konservativismus,

die Atomlobby

und noch vieles mehr.

Tragisch-komische Entwicklungen stellen sich ein.

Ebenso vor einem Jahr, als Guido Westerwelle getragen von einem zufälligen Wahlerfolg in die Regierung und an die Spitze des Außenministeriums der Bundesrepublik Deutschland getragen worden war, fragte ich mich mehrfach und öffentlich, ob ein nach innen stark polarisierender Charakter die Geschicke der Bundesrepublik nach außen adäquat vertreten würde

ich fragte  teils polemisch, teils ernsthaft unter:

Inzwischen macht Guido Westerwelle seinen Job als Außenminister recht gut,

etwa in der Haltung der BRD zur Intervention westlicher Staaten in Libyen bei Abstinenz Deutschlands,

der  auch wenn er im gleichen Atemzug heute in China – genau wie vor einem Jahr –

erneut vergisst,

die eklatanten Menschenrechtsverletzungen dort beim Namen zu nennen.

Politisch-ökonomischer Pragmatismus darf aber nicht soweit gehen,

dass mit zweierlei Maß gemessen wird.

Die „relativ gute Arbeit“ im Auswärtigen Amt kann jedoch den politischen Flurschaden nicht ungeschehen machen, den die deplatzierte Abkanzelung der Ärmsten der Armen in diesem Land über den Ausdruck „spätrömische Dekadenz“ versursacht hat.

 Auch Hartz IV-Empfänger haben ein gutes Gedächtnis, wenn es um persönliche Verunglimpfung Benachteiligter geht, die oft nur durch das Versagen des Staates zu dem wurden, was sie sind, nämlich zu Opfern der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise, die von den Regierungen des Westens mit verschuldet wurde.

Ethisches Versagen – etwa in der Atompolitik – lässt sich nicht einfach durch das Einberufen einer Ethik- Kommission aus der Welt schaffen.

 Wer wird in diese Ethik- Kommission berufen?

Unabhängige, kritische Philosophen?

Oder saturierte Politiker und übersorgte Universitätsprofessoren, die für eine Handvoll Euro als Aufwandsentschädigung und in vorauseilenden Gehorsam das attestieren, was bestimmte Kreise hören wollen,

quasi als Opium-Pillen zur Besänftigung des Volkszorns nach Fukushima!

Als ich im Jahr 1993 in Bad Mergentheim das „Institut für Wirtschaftsethik“ in die Welt setzte und diese Einrichtung bis zu heutigen Tag aufrecht erhielt, ging ich stets davon aus, dass auch mein Kritizismus einmal in die Debatte eingebracht werden könnte – nach offiziellem Ruf und von der Basis aus.

Weit gefehlt!

Wenn die Moralisten aus der katholischen und der evangelischen Kirche zur Atompolitik schweigen, dann sollen es die unabhängigen Philosophen wohl auch tun?

Grotesk – vor einiger Zeit traten Repräsentanten der Atomwirtschaft an mich heran, angeblich aufgrund einer Empfehlung mit der Anfrage, ob ich einen Vortag vor Fachleuten  im Umgang mit Journalisten abzuhalten bereit sei – ein Namenskoinzidenz war der Grund der Verwechslung.

Das Unglück von Fukushima hat neue Fakten geschaffen – in der Wirtschaft und in der Politik. Aus dem so genannten „Restrisiko“ ist eine konkrete Gefahr erwachsen, die so einfach nicht mehr beherrscht werden kann.

Bundeskanzlerin Angela Merkel ist gut beraten, sich auf diese neue, existenziell brisante Situation einzustellen :

aus Gewissensgründen, aus Ethos und Moral,

aber auch aus einem politisch-pragmatischen Überlebenswillen heraus.

Wer die Zeichen der Zeit und den Werte-Wandel einer Zeit verkennt, wird hinweg gefegt werden – wie von einem Tsunami!

Bundeskanzleramt in Berlin

Bundeskanzleramt in Berlin

 

(Foto: Monika Nickel) – Blick auf die Machtzentrale (Bundeskanzleramt) in Berlin – Nach dem Fukushima-Effekt in Politik und Wirtschaft kommen auf Bundeskanzlerin Angela Merkel turbulente Zeiten zu, numehr ohne Polit-Superstar Karl-Theodor zu Guttenberg … und bald wohl auch ohne Guido Westerwelle als Außenminister?

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