Literatur, Kritik und Geschäft – Buch-Macher Nachlese

 

Einen “Verriss” zu schreiben oder ihn apodiktisch im Fernsehen zu verkünden, setzt zwei Dinge voraus:

Eine “geistig-moralische Autorität” verbunden mit literaturwissenschaftlicher Kompetenz und “Unabhängigkeit” von Medien (Fernsehen, Zeitungen) bzw. von Verlagen.
Marcel-Reich Ranicki hatte Jahrzehnte hindurch nahezu beides, doch nur nahezu, denn die Schar derer, die seine literaturhistorische Kompetenz bezweifelten, war nicht allzu gering, weder in der Wissenschaft, noch im Kreis der Literaten und Autoren.

Trotzdem hatte Marcel Reich-Ranicki in der FAZ und im “Literarischen Quartet” eine Art Übermachtstellung inne, die ihm apodiktische Beurteilungen ermöglichte, “Verrisse”, die manchmal nichts anderes waren als ressentimentbestimmte Abkanzlungen subjektiver Art, gelegentlich gar aus persönlichen Aversionen heraus (Martin Walser).

Doch wie frei war “Literaturpapst” M. Reich-Ranicki wirklich?

 
Diese Frage stellt sich, wenn man sein Verdikt zum letzten Literaturpreis zur Kenntnis nimmt, sein Machtwort zum Sujet Herta Müller.
Aufgefordert, sich zu äußern, sagte Marcel Reich-Ranicki nur: “Kein Kommentar”!
Was ist das – ein “Verriss”?

Ein Totalverriss?
Wer liegt da auf einmal falsch – der “Sainte Beuve” der Bundesrepublik oder das schmale, höchst kontroversierte Werk von Herta Müller?
Wer spricht da “Klartext”?

Der Oberkritiker, der aussagt, da gäbe es nichts zu kommentieren, zu kritisieren, zu verreißen?

Ex nihilo nihil?

Wo nichts ist, kann auch nichts verrissen werden?
Oder wollte Reich-Ranicki doch ein Machtwort sprechen – und jemand hielt ihn zurück?

Auch Reich-Ranicki ist “Autor”, auch er veröffentlicht in einem großen Verlag -und auch er hat viele liebe Kollegen, die er nicht etwa mit einem Radikal-Verriss von nobelpreiswürdiger Literatur vor den Kopf stoßen will.

Ein “Verriss” ist an sich immer geschäftsschädigend und kann einen kleinen Verlag, der alles auf eine Karte, sprich auf ein gutes Buch eines talentierten Autors gesetzt hat, schnell in den Ruin treiben – und nebenbei den Autor auch psychisch zerstören, seine schöpferische Kraft für alle Zeiten lähmen.
Deshalb ist Vorsicht angesagt, gerade bei apodiktischen Urteilen und Verrissen von der Kanzel herab.
Ein schöngeistiges Werk, Literatur, Kunst entstehen in Jahren mühseliger Arbeit – verrissen wird ein Buch mit einer Sentenz, wobei nicht einmal festgestellt werden kann, ob der über das Werk Urteilende dieses gelesen und verstanden hat.
Marcel Reich-Ranickis literarische Ziehtochter Elke Heidenreich hat im ZDF hoch gepokert und verloren; sie hat sich selbst schachmatt gesetzt, weil sie Dinge durchsetzen wollte, die nicht durchzusetzen waren.

Was sagte sie zu Herta Müllers Nobelpreis?

Soviel wie ihr Mentor – nichts!
Aber sie kommentierte Herta Müllers Frisur … und heute, nachdem ihr Internet-Projekt, Werke zu besprechen, nicht angekommen ist, findet die bekannte Literaturkritikerin und Moderatorin kaum noch Gehöhr.
Elke Heidenreich und Herta Müller veröffentlichen im gleichen Verlag (Rowohlt) – ist da noch “objektive” Kritik möglich?
Ist da ein freies Urteil möglich, wenn man damit möglicherweise das eigene Verlagshaus schädigen könnte?
Es ist zwar einfach mit einem “Verriss” einen unbekannten Autor ohne Lobby zu vernichten;wenn aber massive Protektion (wie im Fall von Herta Müller) und substanzielle Geschäftsinteressen (Millionenumsätze bei einer Nobelpreisträgerin) dahinter stehen, wird jeder Kritiker sich hüten, es sich mit allen (Mächtigen) zu verderben.
Da sagt man besser “Kein Kommentar” und ärgert sich im privaten Kreis.

(Nur sagt auch das Negierende “Kein Kommentar” mehr als tausend Worte.)

 

Was ist das Gegenstück zum Verriss?

Die “wohlwollende Rezension”, die oft schon fertig in der Schublade befreundeter, beauftragter Rezensenten liegt, noch bevor das Buch auf dem Markt ist.

(Seit etwa 30 Jahren beobachte ich diese Praxis, wie ein Buch “gemacht” oder wie Autoren vernichtet werden: Den Stab über anderen zu brechen ist einfach, gerade wenn man es mit den Kriterien literarischer Wertung nicht so genau nimmt!

Ein geistig-literarisches Kunstwerk aber selbst zu erschaffen, ist schon etwas diffiziler!
Wie war das doch gleich mit den Kritikern, die eigentlich nur verhinderte Künstler waren … und mit der Destruktion aus dem Ressentiment heraus?

“Der erste Satz eines Romanes reicht, um zu beurteilen, ob es ein gutes Buch ist.”

Welch eine Offenbarung!

Machen Sie sich doch gleich an die Arbeit und mustern und misten Sie die Weltliteratur nach diesem Kriterium aus.
Aber vergessen Sie nicht mit dem Primärwerk von Marcel Reich-Ranicki zu beginnen!

Während meiner Studienzeit kreuzte einmal ein “deutscher Professor” meinen Weg, der eine Lehrveranstaltung über “Roman-Anfänge” abhielt. Kollegen spotteten darüber: Er wolle sich das Lesen des Romans ersparen!

Der Mann war ein Gegner des “Leistungsprinzips” an der deutschen Hochschule in Forschung und Lehre, ergo begnügte er sich mit dem Anfang …

schließlich war im Anfang das Wort …

Später las ich Autoren, die einfach drauf losschrieben, ohne etwas von Romantheorie gehört zu haben. Ihre “Romane” hatten weder Anfang, noch Ende, noch hatte sie etwas mit dem “nouveau roman” zu tun, der all das nicht braucht.

Der erste Satz: Eureka! reicht da noch lange nicht aus. In vielen Werken muss man sich zur Essenz durchkämpfen.

Aus dieser Einsicht heraus schlagen manche Leser das Buch irgendwo auf … und lesen … wenn es ihnen gefällt, was sie vorfinden, lesen sie weiter, sonst legen sie das Buch aus der Hand.

Für eines meiner Bücher gab ich eine Leseempfehlung heraus ( a la Ezra Pound – How to read …) mit dem Hinweis, man könne von hinten nach vorn lesen, nur in der Mitte irgendwo, selektiv oder von Alpha bis Omega wie seit tausenden von Jahren hier in Europa, bzw. man könne das Werk auch links liegen lassen .. oder rechts!

Reich-Ranicki machte es sich oft einfach mit seinen Bewertungen …

und war oft auch ungerecht.
Da ich selbst schon Opfer eines (höchst wahrscheinlich bestellten) Verrisses wurde, weiß ich, wohin das führen kann, in jahrelange Apathie, Lähmung, Resignation.

Haben Kritiker je über die Früchte ihrer Destruktion nachgedacht?

Spitz und prägnant auf den Punkt gebracht!
Maler und Philosophen verstehen etwas von “Perspektiven”, nicht nur in Sachen Wahrheitsfindung.
Wer andere Kunstwerke kritisch analysiert, sollte auf seine “Warte” achten, auf seine Ausguckposition, auf seine Befähigung (Kurzsichtigkeit?) und auf die vielen Zerrperspektiven und Hohlspiegelbilder, die ihm die Welt vorgaukelt.
(Ganz abgesehen von Instrumentalisierung, Manipulation durch andere.)

Gerade größere Werke ( auch in der Literatur) sind durchkomponiert, haben unterschiedliche Strukturen bzw. Gesichter.
Wie soll eine Kritik gelingen, wenn Konzeption und Intention des Autors (schon aufgrund des inadäquaten Zugangs) verkannt werden?

Das Gerede beim “Literaischen Quartett” mit Selbststilisierung ist eine Gauklerveranstaltung für die Ahnungslosen aus der breite Masse, die selbst nie schreiben werden und die auch keinen eigenen Literaturgeschmack entwickeln werden, weil das Kunstsensorium schlechthin fehlt. Solche Leute sind dann auch von einem “Verriss” beeindruckt, von Preisen und Lobhudelei … nach dem Motto:
Es muss doch etwas dran sein, wenn man(MRR!) das Buch im Fernsehen bespricht, wenn es gar mit dem Nobelpreis ausgezeichnet wird …
So denkt die Masse!

Man kann hochgeistig über fragwürdige, bis schlechte Literatur reden; im Grunde aber
führt jedes apodiktische Urteil, jeder “Verriss” sich genauso selbst ad absurdum wie die unbegründete Lobhudelei.

Diesmal kann ich Ihnen auf breiter Front zustimmen!
Nur, müssen wir die Dinge so hinnehmen, wie sie gerade sind?
Bedeutet das nicht Kapitulation vor den Strukturen der Macht?

Ich erinnere daran, dass sich der streitbare, bisweilen polarisierende Martin Walser mit Marcel Reich-Ranicki angelegt und einiges an Mechanismen der Selbstdarstellung und Kompensation decouvriert hat. (Tod eines Kritikers).
Was Schirrmacher daraus machte, ist bekannt.

Wollen wir alles, was nicht stimmt, mit weltanschaulichen Aspekten und “political correctness” abhandeln und die Tabus bestehen lassen?
Oder haben alle anderen Kritiker, die zufällig auch Autoren sind, noch ein Wörtchen mitzureden, obwohl man ihnen die etablierte Plattform versagt?

Der aktuelle Nobelpreis und die ungeistige, weitgehend nicht erfolgte Auseinandersetzung
mit der Materie, die diesen ermöglichte, bestätigen meine Skepsis noch.
Ein paar Lobbyisten legen fest, was Sache ist. Alle anderen sollen schweigen.
Eine kritische Diskussion ist nicht vorgesehen.
FAZ, DIE ZEIT, DER SPIEGEL etc. wissen schon, was wahr und richtig ist, was sich politisch ziemt oder nicht (quod licet oder non licet!).

In totalitären Staaten war das nicht anders, nur plumper – hier ist manches subtiler:

Verlogen und heuchlerisch ist es trotzdem.

Ich höre schon die Totenlieder, die man dem “Freitag” und dem freien Wort frohlockend singt, in der Hoffnung, dass man bald das ganze Sagen hat.

Meine Grundfragen hier:

Sind wir noch frei – oder befinden wir uns auf dem Weg in eine Meinungsdiktatur, bestätigen sich mehr und mehr im negativen Sinn.

Deshalb publiziere ich und kommentiere hier wesentlich mehr ,auch zu anderen Themen der Jetztzeit, als ich es vor Wochen noch vorhatte. Das ist ´die Pflicht des Zeitkritikers, der nicht nur mit der ZEIT seine Probleme hat.
Wer einmal unfrei gelebt hat weiß, was es bedeutet, nicht mehr frei argumentieren zu dürfen.

Wer die literarischen Kreationen des Dadaismus und Expressionismus kennt und seine Lust daran hat, wird auch gegenüber der surrealen Wortakrobatik Herta Müllers gnädig sein und diese tolerieren, obwohl sie nur in seltenen Fällen innovatorisch ist und ganze hundert Jahre post festum daherkommt.

Nur geht es mir – bei aller Skepsis -nicht primär um sprachlich-ästhetische Wertungen, sondern um die Schnittstellen, wo aus Literatur Moral und Politik wird. Dort setze ich an und frage nach moralischer Integrität, Wahrheit, Instrumentalisierung etc.
Über Literatur wurde immer schon eine geistige Debatte ausgelöst, die zugleich moralischer und politischer Natur ist.

Wie glaubwürdig ist ein Wendehals?


War Grass ein Nazi und Christa Wolf systemloyal?


Die geistig-literarische Autorität wankt mit der moralischen
.

Deshalb hinterfrage ich das auch bei Herta Müller, weil ich Gewissheit haben will – und weil ich mit den vielen, die Realitäten und die Geschichte verfälschenden Ungereimtheiten nicht leben will.

 
Das ist ein Gebot der intellektuellen Redlichkeit und der inneren Wahrhaftigkeit. Keine Persönlichkeit der Zeitgeschichte wird sich auf Dauer dieser Überprüfung entziehen können.

Was die “Kriterien literarischer Wertung” bei Herta Müller betrifft, bin ich gerne bereit, etwa zusammen mit den Studierenden des Literaturinstituts in Leipzig (siehe den Beitrag hier auf Freitag) literaturanalytische Gespräche (z. B. über “Herztier” oder “Niederungen”) zu führen

bis hin zu den Kreationen, die Herta Müller ( oder ihre Verleger) “Essays” nennen

bzw. zu der so genannten “Poetik”.

 

Hundert Sachen behagen mir da nicht – vielleicht bin ich subjektiv befangen, konservativ etc.
Herta Müllers kontrovers diskutierten Werke eignen sich sehr gut, um “verrissen” zu werden.

Dieser bittere Kelch ging – aus welchen Gründen auch immer – bisher an ihr vorbei, auch weil sie eine Nischenexistenz führte und kaum einer von der Nobelpreisnominierung wusste.

Ich habe bestimmte Kreise zu sensibilisieren versucht, um eine Debatte anzustoßen ( auf literaturwissenschaftlicher, moralischer und politischer Ebene) – ohne Erfolg.

Deshalb waren viele überrascht, als der Nobelpreis gerade an sie vergeben wurde … und nicht an die hundert anderen, die angeblich noch vor Herta Müller an der Reihe waren.

Marcel Reich-Ranicki wollte diese Ehrung nicht kommentieren – die (nach meiner Information) einzige, präzisere Stellungnahme (zu “Der Fuchs war damals schon der Jäger”) fiel Anfang der neunziger Jahre eher ablehnend aus. Reich-Ranicki warf der Autorin vor, sie würde nichts Neues über die kommunistische Welt im Ostblock mitteilen. Der Vorwurf, Realität und Fiktion beliebig zu mischen, besteht auch heute noch, wird aber von Westbürgern nicht verstanden, weil sie die Erfahrungen einer Diktatur kaum noch selbst gemacht haben.

Was wird aus Herta Müllers Werk, wenn wir das kritische Instrumentarium eines Karl Kraus oder Kurt Tucholsky (Siehe das Zitat unten!) anlegen?
Gute Literatur muss die Zeiten überdauern. Das “Nobelpreiswürdige” an Herta Müllers Oeuvre gilt es nach meiner Auffassung erst noch zu eruieren – immerhin steht sie jetzt auf einer Stufe mit Thomas Mann.

Sonderbare Autorität dieser Lektor, der verhindert, der den allzu schwachen Leser vor dem bösen, gefährlichen, schlechten Buch schützen zu müssen glaubt!

Grundsätzlich sollte jedes Buch erst einmal eine Chance haben, denn immerhin steckt viel Arbeit in einem Werk und oft auch Herzblut.

Vor allem aber ist ein Buch: Kreativität

– und ein
Lektor, Redakteur, Kritiker ist oft nicht mehr als ein Verhinderer, ein Destruktiver, der die eigene Unfähigkeit über “Verriss” und Zersetzung des künstlerisch Schaffenden kaschiert, kompensiert.

Bevor Kritik selbst zum Kunstwerk wird, etwa bei Heine oder Nietzsche und anderen großen Autoren, die nebenbei auch Kritiker waren, (auch Karl Kraus, Tucholsky)bleibt sie destruktiv – und der Lektor bzw. Feuilleton-Redakteur sowie der negative Rezensent nichts als zweite Garnitur …
ich erspare mir hier die Worte großer Autoren über Kritiker und Co.

Noch ein Wort zum Lektor: Bei gewissen Autoren frage ich nach seinem Anteil, nach seinem obskuren Mit-Schöpfertum.

 

Wie weit es mit der Kompetenz der Kritiker, Rezensenten, Feuilleton-Redakteure her ist, verdeutlicht ein Blick in ihre Literatur-Liste.
In der Regel pfeift dort der Wind!

Nur selten sind diese Leute ausgewiesen, noch seltener mit einem Standardwerk der Forschung oder mit einem literarischen Werk von Rang.
(Lektoren, die den Sprung zum Primärautor schafften wie z.B. Peter Härtling, bleiben die Ausnahme.)

Jährlich erscheinen ca. 100 000 neue Buchtitel.
(Das Buch ist noch längst keine aussterbende Spezies.)

Und doch bin ich dafür, dass jeder das veröffentlicht, was er geschrieben hat. Gut, das es Möglichkeiten gibt, sein Buch selbst zu verlegen … oder im Internet zu veröffentlichen.
Verlagslektoren, Redakteure, Rezensenten haben ihre Macht längst eingebüßt.

Da ich selbst als Redakteur, Lektor und Kritiker agiert habe, darf ich vielleicht ein Wörtchen mitreden – grundsätzlich stehe ich aber auf der Seite der Schaffenden, der Autoren, der freien Journalisten, der Zeitkritiker, der Aufklärer.
Über meine Publikationen hier differenziert reden zu wollen, würde etwas zu weit führen; trotzdem: Das erste, die Monographie: Lenau. Leben – Werk – Wirkung, erschien 1989 im Carl Winter Universitätsverlag Heidelberg, ein Verlagshaus mir einer mehr als hundertjährigen Tradition und bei Gott kein Eigenverlag –
das letzte “Symphonie der Freiheit” erschien in dem Verlag des Philosophen Dr. Josef Röll, Dettelbach, 418 eng beschriebene Seiten in großen Format.
(Deshalb rede ich hier selbstironisch vom “dicken Buch” (in Absetzung von schmalen Bändchen), weil ich keine Eigenwerbung machen will.
Wer mehr über mich erfahren möchte, kann bei wikipedia.org nachschlagen oder unter meinem Namen googeln, wenn er mehr wissen will.

Was Sie unter meiner “Masche” verstehen, müssen Sie mir noch erläutern.

Apropos Promotion – das Lenau-Buch oben war zugleich meine Dissertation.

Auf das formale Verfahren habe ich aber verzichtet, nachdem ich an der Uni Würzburg von Rivalen meines Doktorvaters gemobbt und aus der Forschung und Lehre gedrängt wurde. (Darüber mehr in Bd. 2 “Gegen den Strom” bzw. im Internet, googeln!)

Ein (nach aller Wahrscheinlichkeit bestellter) “Verriss” meiner Lenaumonographie, die einerseits als das Beste bezeichnet wird, was je über Lenau geschrieben wurde, war der Grund dafür – auch für mein jahreslanges Schweigen in literarisch-publizistischen Bereich.

Carl Gibson, Lenau. Leben -Werk - Wirkung. Carl Winter Universitätsverlag Heidelberg 1989. 321 S.

Carl Gibson, Lenau. Leben -Werk - Wirkung. Carl Winter Universitätsverlag Heidelberg 1989. 321 S.

Foto: Carl Gibson

Das Standardwerk: Carl Gibson, Lenau. Leben – Werk – Wirkung.

Carl Winter Universitätsverlag Heidelberg 1989, ist heute weltweit verbreitet und wird von 169 Bibliotheken gehalten.

Trotzdem hält sich auch der “Verriss” von Beatrix Müller-Kampel, heute Außerordentliche Professorin an der Universität Graz, immer noch im Internet.

Der “Verriss” meines Werkes kostete mich seinerzeit (1991) den “Doktor”, verhinderte die reguläre Promotion und beendete meine akadamische Laufbahn (Lehrauftrag) an der Universität Würzburg. 

(…): Ihren Beiträgen hier zur Kritik der Kritiker will ich mich hiermit voll anschließen und noch betonen, was ich oben mehrfach gesagt habe:

Kritiker sind die Feinde des Schaffenden,

sie selbst sind unfruchtbar und agieren aus dem Ressentiment des Schlechtweggekommenen heraus.

Das hat bereits Nietzsche decouvrierend auf den Punkt gebracht.

Wenn man “Kritiker” angreift und auf ihre Arroganz hinweist, dann werden sie schnell ungehalten, gar böse und ausfällig. Ihre scheinbare Macht und Autorität beeindruckt nur Ahnungslose und Leute ohne Geschmack, die das Vorurteil anderer zur eigenen Meinung machen.
Suspekt ist, wenn einzelne Bücher aus 100 000 Neuerscheinungen herausgegriffen und fürs Volk thematisiert werden – oft ist nicht mehr dahinter, als das kommerziell- manipulative Agieren einer Marketingabteilung eines Großverlags, der in nur wenigen Jahren früher eigenständige Verlage mit gutem Namen einfach “geschluckt” hat.


Bücher werden heute “gemacht”
– Rezensenten und wohlwollende Kritiker bzw. Verreißer von Gegenprodukten sind heute nur die letzten Glieder der Marketing-Kette, die das Produkt (Marke) auf dem Weg in den Markt durchläuft.

Wenn Geld gescheffelt werden soll, sind alle Mittel recht, auch Tricks, Lügen und gekaufte Kritiker bzw. Rezensenten.


Welcher Kritiker ist heute noch wirklich frei?

Der Einzelkämpfer vielleicht, der eine Kritik schreibt und sie auf seinem Blog veröffentlicht. Bei Online-Buchhändlern kann bereits “manipuliert” werden, denn jeder Autor hat einen Bekannten, der ihm die “zur Not selbstgeschriebene” Rezension als “Kundenrezension” ins Netz stellt.

 

 

Kritiker vertragen keine Kritik!
Schon gar nicht, wenn sie glauben, nimbusumhüllte “professionelle Kritiker” zu sein.

Was ist ein sogenannter professioneller Kritiker?

Einer, der auf Zeit ein Pöstchen hat, eine Kanzel, von der herab er andere “abkanzeln” kann?
Besserwisser in Sachen Literatur sind da noch die Rezensenten, die sich schlauer vorkommen als die Autoren sowie manche Lektoren, die lieber ein Buch verhindern, statt es auf den Weg zu bringen, nur weil sie so den Leser vor dem Schund bewahren wollen.
Wie wäre es mit einem Preis für die beste “Buchverhinderung” bzw. für den besten “Verriss”?

Duldet ein Marcel Reich-Ranicki die Widerrede?

Und wagte es jemand, “Lauter Verrisse” zu zerpflücken?

Dabei vergessen Negativisten und Destrukteure (Kritiker, Rezensenten, Lektoren) eines:


Selbst ein Buch zu schreiben und es ohne Protektion regulär zu veröffentlichen.

 

Verzweifeln Sie nicht an den wenigen Destruktiven hier und bleiben Sie dem “Freitag” treu wie es  auch praktiziere.
Leute wie “(…)” charakterisieren sich selbst, indem sie das tun, was sie tun: chronisch penetrant dagegen halten, Andersdenkende bekämpfen, mit Unterstellungen überhäufen!
Und was ist dahinter:
Wo sind die Beiträge, die “(…)” hier eingestellt hat?
Null?
Wo sind die Bücher und Aufsätze, die er geschrieben hat?
Er lektoriert angeblich Bücher zur Stromversorgung und Wasserversorgung?
Das was er lektoriert, habe ich als “Autor” geschrieben ( als Historiker).
Gleich fünf Bücher dieser Art, in renommierten Fachverlagen veröffentlicht.)
Er kennt sich angeblich in Essen und Trinken aus – das impliziert ein Sensorium für Genuss.
Aber ich sagte es bereits hier an anderer Stelle: Jeder gibt das, was er kann – und jeder ist am Ende, was er ist (isst!) (seines Pudels Kern – diese ureigenste Wesenheit ist nicht zu verleugnen.)

(…)
in einer Zeit, wo bestimmte Autoren nach ganz obskuren Entscheidungskriterien einseitig protegiert und anderen bevorzugt werden, haben es die unbekannten Einzelkämpfer mit ihren Kleinstverlagen sehr, sehr schwer.

Der Weg, einen Verlag zu finden, ist schon ein Spießrutenlaufen an sich, denn wir haben fast keine Verlage mehr – sie sind alle unter wenigen Dächern versammelt …und die Autoren dort oft ein unkritisches Lager, wo jeder sich irgendwie selbst zu behaupten sucht.
Den aufopferungsvollen Weg zum Buch, der Jahre andauern kann, wird von Kritikern und Zeitungsschreibern oft ignoriert – sie wissen es besser, a priori, weil sie ja Kritiker sind, “befähigt” und auserkoren zum “Verriss”.
Das ist ungerecht!
Wie viele Künstlerkarrieren wurden bereits durch subjektive Kritiken vernichtet? Künstler sind sensibel, mit oft übersensibler Psyche.
Eine “ungerechte” Einschätzung kann sie für Jahre zurückwerfen, ganz lähmen.
Das wird vergessen wenn so apodiktische Urteile kommen wie: das ist ein schlechtes Buch,… dieser Autor hat kein Talent … ich habe den ersten Satz in seinem Buch gelesen und sage ihnen, diese Buch taugt nichts … der Autor sollte besser Kritiker werden!

Ein schöner Satz ist das, (…): “Wer Autor geworden ist, hat die Niederungen der Verrisse hinter sich.”
Autor sein, Schaffender sein, ist eine Sache des Bewusstseins – und eine Stufe des Lebenswegs, manchmal!
Ich erinnere an ein Wort von Stefan Zweig (möglicherweise aus seinem Lebensrückblick “Die Welt von Gestern”.
Stefan Zweig fordert dort viele Jahre der “Dienerschaft” ein. Erst wer lange Zeit große Dichter, Schriftsteller, Philosophen etc. gründlich studiert hat, wer über sie und ihre Zeit intensiv gearbeitet, veröffentlicht hat, wird irgendwann zu eigenen Anschauungen, Botschaften, Stil etc. gelangen.
Diese Werke der Dienerschaft müssen nachvollziehbar sein, gerade dann, wenn man sich als “Kritiker” über andere Autoren, Repräsentanten seiner Zeit erheben will.
Mehr Empathie ist angesagt.

Diese Gedanken entzündeten sich in der Auseinandersetzung mit „professionellen Kritikern“, Amateuren, Lektoren und Pseudolektoren

http://www.freitag.de/kultur/1011-lob-des-verrisses

Carl Gibson, Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. 2008. 418 S.

Carl Gibson, Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur. 2008. 418 S.

Foto: Carl Gibson

 

Carl Gibson: Symphonie der Freiheit. Widerstand gegen die Ceausescu-Diktatur, Dettelbach 2008.

Große Verlage wollten dieses Freiheits-Werk über Widerstand und Oppositionen im kommunistischen Rumänien nicht drucken – angeblich “schwere Kost” für eine zu kleine Leserschar!?

Der zweite Teil des Buches sollte im gleichen Verlag erscheinen (Herbst 2010). Bisher ist der Verleger seiner vertraglich zugesicherten Veröffentlichung noch nicht nachgekommen, obwohl er das Manuskript fristgerecht erhalten hat.

Eine Fortsetzung der Diskussion schloss sich an:

Die Preisträger werden immer unbekannter, ebenso die Laudatoren.
Das Unbekannteste aber und stets im Obskuren verborgen bleibt die “Jury”.
Wer hat sie berufen, wie ausgewogen ist sie besetzt, wie hat sie abgestimmt, wer war Pro, wer war Kontra, was stand zur Debatte, nach welchen Kriterien wurde “Literatur” bewertet.
Eine unendliche Geschichte, die objektive Kritiker und Literaturwissenschaftler zur Verzweiflung bringt.
Ich habe zwei Diskussionen zur Thematik hier begründet, einmal zum “forcierten Nobelpreis” für Literatur 2009,
dann noch:

www.freitag.de/community/blogs/carl-gibson/literatur-preise-und-kunstfoerderung—grenzphaenomene-der-manipulation

Fragen über Fragen, nur aus literatur-ästhetischer, sprachlich-stilistischer Sicht, nicht aus politischer oder geistig-moralischer!

Wer immer etwas zu sagen hat:
Nein, nicht der bestellte „Laudator vom Dienst“, der das sagt, was allgemein (in der Regel von Literatur- und Kunst-Banausen aus dem Publikum) erwartet wird, sondern der Berufs-Politiker:
Er redet über alles, obwohl er fast zu nichts Konkretes zu vermelden hat.
Wenn wir schon von “Niedergang” sprechen – die “Literatur” (siehe Nobelpreis an Herta Müller) kann da gut mitreden, gerade die preisgekrönte.

Wir werden mit vollendeten Tatsachen konfrontiert!

Als Herta Müller von Verlagsmanager, Kulturstaatssekretär und ZEIT- Mitherausgeber Michael Naumann (SPD) fern von aller Öffentlichkeit als Nobelpreiskandidatin der BRD in Stockholm nominiert wurde, wäre ein “Debatte” angesagt gewesen.
In der Tat – mehr “Transparenz” (Glasnost, auch in der Kunst!)
Weshalb gerade Müller – und keine andere?

Weshalb wurden gute Schriftsteller mit einem beachtlichen, viel prämierten Lebenswerk einfach übergangen?

Reichte das, was Herta Müller bis vor ca. 10 Jahren an schöngeistiger “Literatur” vorgelegt hatte, um einem Siegfried Lenz, Martin Walser, H. M. Enzensberger, Peter Handke etc. vorgezogen zu werden?
Sigrid Löffler fand Herta Müller vielleicht gut, Marcel Reich-Ranicki, der zum Nobelpreis an Herta Müller “keinen Kommentar” abgeben wollte, fand sie überhaupt nicht gut. “Kitsch” oder “Weltliteratur”?
Naumann, ihr uneingeschränkter Befürworter und Förderer, sieht in ihrem schmalen Oeuvre ein Meisterwerk (im Hausblatt ZEIT!) – dafür wird Iris Radisch in der gleichen ZEIT zurückgepfiffen, weil sie wie Reich-Ranicki auch nicht alles so großartig und toll fand! Toll vielleicht, surreal, aber auch dadaistisch-expressionistisch hundert Jahre nach der Bewegung, post festum und epigonal?
Zwei Jahre lang habe ich versucht eine Diskussion in Gang zu bringen, vergeblich. Sie wurde verhindert!
Also wozu noch Preise und Lobhudeleien, wenn wir als Lesepublikum doch nur noch zur Kenntnis zu nehmen haben, was ein einflussreicher Politiker und Tausendsassa in Sachen Kunst- und Kulturförderung “gut” findet.
Einer diktiert, was gelesen werden soll, nötigt uns auch noch zu einem – vielleicht schlechten – Geschmack und macht dabei sogar noch ein Geschäft.
Wenn ich das Wort “Preis” höre, klingeln bei mir schon die Alarmglocken – verbunden mit der Frage,
wer will nun schon wieder über – wen auch immer – was durchsetzen?

Die “Literatur” an sich interessiert nicht mehr primär. Sie ist leider nur noch ein Mittel zum Zweck … und leider, leider ist das auch auf andere Bereiche der Kunst und Kultur ausdehnbar.

Wenn es um die „Wahrheit“ und „Echtheit“ geht, hat eine Preisverleihung in der Tat viel mit einer Leichenbestattung zu tun, wo sterile, fremde Leute ihren Krokodilstränen des Mitgefühls freien Lauf lassen – doch nirgendwo hört man so viele Lügen wie am Grab.

(…),

Sie werden es mir vielleicht nachsehen, wenn ich im Fall Herta Müller nicht ganz so wohlwollend und unbefangen an das Sujet herangehen kann, denn ich war fast zwei Jahre lang damit beschäftigt, diesen Nobelpreis verhindern zu wollen, nicht aus rein literarisch-sprachlich-stilistischen Überlegungen, sondern aus moralischen und politischen Gründen.

Vielfach habe ich versucht, gerade diese “moralische und politische Integrität zu hinterfragen, weil ich sie bewiesen haben wollte – aus rein prinzipiellen Gesichtspunkten.

Ich wollte es nicht hinnehmen, dass eine Allianz von Konrad-Adenauer-Stiftung, Michael Naumann und anderen mir nicht näher bekannten politisch einflussreichen Kräften eine bestimmte Kandidatin forciert ins Ziel bringt, ohne dass eine Debatte – vor allem über “moralische Integrität” stattgefunden hat, da der Nobelpreis a priori ein “ethisch” definierter Preis ist.
Ein Kandidat sollte – als künftige moralische Autorität – ohne Makel sein!
Die Details und Argumente finden Sie hier:

 www.freitag.de/community/blogs/carl-gibson/der-forcierte-nobelpreis—herta-mueller

Herta Müller steht heute auf einer Stufe mit Thomas Mann!
Ist das gut so?
Wird ihr schmales Oeuvre den Geist dieser Zeit überdauern?
Und wird etwas davon in die Literaturgeschichte eingehen?
Ich zweifle daran.
Zur „literarischen Qualität“ von Herta Müllers Werken kann man unterschiedlicher Meinung sein. Je nach individuellem Geschmack kann man das, was sie schreibt, mögen oder nicht – wie andere moderne Kunst auch.

Eine andere Sache sind Politik und Moral. Da setzen meine vielfachen Bedenken ein, die „Wahrheit“ einfordern, nicht „erfundene Wahrnehmung“ und Fiktion.

Das Schlüsselwort zum “Phänomen” Herta Müller ist die fehlende “Transparenz” in ihrer Vita vor 1987.
Herta Müller war eine privilegierte Westreisende. Vor ihrer Ausreise in die BRD war sie mehrfach im Westen, während andere Freiheitsuchende an der “grünen Grenze” erschlagen wurden.
Sie war systemloyal und wurde von dem bestehenden Regime Ceausescus gefördert. Verheiratet war Herta Müller seit 1984 mit den Dichter Richard Wagner, der von 1972-1985 in der Rumänischen Kommunistischen Partei war – als Mitglied.

Müller und Wagner haben diese RKP- Politik auch dann noch mitgetragen, als die Verbrechen des Systems am Volk (Aushungerung, Geleiten des Landes in den Ruin)allen klar wurden.
Als Müller und Wagner im Jahr 1987 doch in den Westen kamen, änderten sie ihre Haltung und wurden hier als “Dissidenten” wahrgenommen, obwohl sie nichts mit konkretem politischen Widerstand gegen das Ceausescu-Regime zu tun hatten.
Im Jahr 1984 setzte sich der Förderer von Herta Müller und Richard Wagner, der Chefredakteur der Neuen Banater Zeitung
aus Temeschburg, Nikolaus Berwanger hier in der BRD ab – somit entfiel die schützende Ägide dieses “ersten Repräsentanten” der deutschen Minderheit im Banat. Berwanger wunderte sich hier im Westen später (1988), dass Herta Müller als “Dissidenten” wahrgenommen wird.
Kurz: Herta Müllers Vita vor 1987 ist dunkel, intransparent.
Meine Sicht der Dinge: Wenn jemand aus der literarischen Zunft übermäßig stark gefördert wird – und das ist bei Herta Müller der Fall – dann sollte der gesamte Lebensverlauf “transparent” sein, damit jedermann auch von der “moralischen Integrität” einer übermäßig Geförderten überzeugt ist.
Darüber hinaus benötigt jeder Literaturwissenschaftler, der ein Werk – über die reine Textimmanenz hinaus – adäquat deuten will, die komplette Vita zur Exegese.
Wie oft habe ich das Vorlegen eines “kompletten” Lebenslaufs angeregt?
Nichts ist erfolgt!
Herta Müller schweigt seit Jahren.
Weshalb?
Zur “Verschwörung” – die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) zeichnete Herta Müller mit ihrem Literaturpreis für das Jahr 2004 aus, verschanzt hinter der Entscheidung einer “Jury”. (Details zur Ehrung sind im Internet abrufbar. PDF-Datei).
Als ich im Jahr 2008 in mehreren Schreiben an die KAS unbequeme Fragen stellte, würgte Professor Günther Ruether die einseitige Sache ab.
Als ich dann im letzten Juli auf Herta Müllers Artikel in der ZEIT “Die Securitate ist noch im Dienst” reagierte und auf diverse Ungereimtheiten und Unwahrheiten hinwies, wurde mein “Offener Brief an Herta Müller” auf ZEIT- Online “entfernt” – und ich wurde gesperrt. (Die Reste der Kommentare sind dort noch abrufbar.)
“Verschwörung” oder nicht – jedenfalls wollte man meine Fragen nicht hören, weder bei der KA, noch bei der ZEIT des Mitherausgebers Michael Naumann.
Jeder kann das nennen und bewerten, wie er es will.
Die Frage ist nur: Sind die aufgeworfenen Fragen legitim?

Und was hat eine Person zu verbergen, die “moralisch integer” zu sein vorgibt?

Je tiefer und differenzierter wir in diese Diskussion einsteigen, desto klarer sehen wir.

Nur ist es leider so: Den meisten Lesern und Mitdiskutierenden geht es bei Herta Müller etwa so wie mir bei Frau Lewitscharoff: Da man nichts von ihr gelesen hat und von ihrer Vita nichts weiß, glaubt man ihr – und kann nicht “kritisch” mitreden.
Auch ich habe Herta Müller lange geglaubt – bis ich dann in konkreter Auseinandersetzung mit dem Thema merkte, dass viele Details von grundsätzlicher Bedeutung noch nicht aufgeklärt sind.

War Herta Müller systemloyal – und wurde sie opportunistisch zum “Wendehals”?

Wird sie eingesetzt, um eine bestimmte Politik durchzusetzen?

Jedenfalls haben Herta Müller und Richard Wagner mir im August 2008 mit Anwälten und Gericht gedroht, nachdem ich mich in die so genannte “Spitzel-Affäre in Berlin” eingemischt hatte und ihre Denunziationen hinterfragte.

Meine direkte Anfrage an Herta Müller aus dem Jahr 2006 über ihren Verlag blieb unbeantwortet.
Ich hätte mir eine breite Debatte noch im Vorfeld der Nobelpreisvergabe gewünscht – sie fand nicht statt.
Diskutiert wurde die Materie mit meinen Fragen aber sogar in Schweden im Blog der Germanistin Dr. Bodil Zalesky. (Heute noch abrufbar.)
Das Nobelpreiskomitee erfuhr wohl nichts davon. Soviel in aller Kürze.

Aber die eigentliche Diskussion, beginnend mit Fragen literarischer Wertung, beginnt erst.

(…), Sie sind sehr gnädig und konziliant. Man kann eine Sache wohlwollend betrachten, aber auch kritisch.
Leider wurde die Herta Müller-Materie noch nicht kritisch analysiert oder in den Medien debattiert.
Mir geht es um folgende Frage:

Ist es aus bundesdeutscher Sicht wichtig zu erfahren, was vor 1987 war, ob Herta Müller und ihr Gatte Richard Wagner mit den Kommunisten paktierten, ob sie mit den Wölfen heulten oder nicht.

Wenn es denn so war, dann können Müller und Wagner dazu stehen, sich eventuell entschuldigen und ihre “Kehre” (Heidegger) oder ihre Kehrtwendung in den Anti-Kommunismus rechtfertigen und leben.
Aber sie dürfen ihr Vorleben vor der Ausreise 1987 “nicht ungeschehen machen wollen” oder das verstecken, was war.
Das nehme ich so nicht hin. Das wäre Betrug. Damit wären Ehrungen etc. bis hin zum Nobelpreis eigentlich “erschlichen”.
Das darf nicht sein.
Ich stand seinerzeit im anderen Lager, in der antikommunistischen Opposition, ging ins Gefängnis, durfte nicht veröffentlichen. Schauen Sie nach in meinem Wikipedia- Portrait.
Was in meinem letzten Buch steht, können sie über books.google.de herausfinden.

Über die Fakten selbst kann ich konkret Auskunft geben, wenn jemand hier danach fragt. Im Internet finden sie unzählige Informationen, Dokumente, Bilder zu meiner Opposition. Die geführte Debatten können nachgelesen werden.

Was hindert Herta Müller daran, einen umfassenden, lückenlosen “Lebenslauf” vorzulegen?
Die Forschung verlangt danach! Wie wollen wir Werke deuten, wenn wir nicht wissen, was damals war, was wirklich war und was erfunden wurde.

Gerade wurde mir eine Liste zugemailt, eine Art Netzwerk Herta Müller, alles Forscher, die sich mit dem Werk der Nobelpreisträgerin beschäftigen oder noch beschäftigen wollen.
Aber arbeiten wir am “Mythos”, an der “Mythisierung” – oder doch auch an der kommunistischen, totalitären Wirklichkeit und an deren Aufarbeitung bzw. Bewältigung.
Unkritisch wohlwollend (wie in der Kirche) lief es bisher ab – die Zukunft aber wird “kritisch” verlaufen. Dafür hat der Nobelpreis gesorgt.
Und noch etwas: Ich will nicht Recht behalten wollen!
Ich will nur, dass die ganze Wahrheit ans Licht kommt.
Zu “Niederungen” könnte ich Ihnen hier seitenlange Interpretationen aus meiner Feder einspeisen, zitieren. Doch das würde zu weit führen.
Das Thema “Securitate” ist etwas Eigenes und sehr speziell. Der Lyriker, Romancier und Essayist Dieter Schlesak hat hier auf Freitag eine exzellente Analyse veröffentlicht, die ich wärmstens empfehle, mit sehr differenzierten Bezügen zu Herta Müllers Haltung in Rumänien.

Der Link zur Originaldiskussion:

http://www.freitag.de/community/blogs/ingo-arend/staatsbegraebnis-die-verleihung-des-berliner-literaturpreises-2010

Dies als Nachlese zu den Buchmessen, wo – ohne Rücksicht auf Ethos und Moral – mit der Ware Buch viel Geld gemacht wird.

Auf der Strecke bleiben oft Wahrheit und Gerechtigkeit – in vielen Formen.

About carlgibsongermany

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2 Responses to Literatur, Kritik und Geschäft – Buch-Macher Nachlese

  1. Mihail Lungu says:

    In der öffentlichen Meinungsbildung gab es schon immer Situationen, wo die Äußerung einer differenzierten Meinung einem gesellschaftlichen Selbstmord gleich kommt. Man wird als Nörgler, Querulant oder Neidhammel abgestempelt, schon lange bevor man seine Meinung zu Ende sagen konnte. MRR, den ich als Literaturkritiker nicht unbedingt schätze, ist jedoch viel zu schlau, um in diese Falle zu tappen. Alle Achtung!
    Ich habe von Herta Müllers „Der Fuchs war damals schon der Jäger“ die gräßliche Übersetzung auf Rumänisch gelesen. Voller Entrüstung habe ich die Originalausgabe bestellt und großspurig verkündet, ich werde das Buch selbst übersetzen. Mittlerweile habe ich das Buch erhalten, gelesen, und dann gleich meine Versprechung zurückgenommen…

    • Da viele Leute keinen eigenen Kunst- bzw- Literaturgeschmack entwickeln, sagt “man” ihnen, was sie gut zu finden, zu lesen und zu denken haben.
      So werden Meinung und Politik gemacht.

      Herta Müller hat allerlei Nonsens über Rumänien in Umlauf gebracht, in einer sonderbaren Vermischung von Fiktion und Realität.
      Und das nicht nur in der “Literatur”, wo jeder sagen kann was, er will, sondern auch in Interviews.
      Zu einer kritischen Diskussion – etwa mit ehemaligen antikommunistischen Dissidenten – auf einem Podium ist Herta Müller wohl nicht in der Lage oder bereit!?
      Sie weicht aus und zieht es vor, Statements aus der Deckung abzugeben, ohne sich der Debatte zu stellen.
      Die Deutschen hier bzw. die West-Europäer nehmen das alles hin, weil sie die Realitäten im kommunistischen Rumänien während der Ceausescu-Diktatur weder kennen noch überprüfen wollen. Mythos statt Logos.
      Herta Müller lebt davon. Das macht ihre Literatur aber nicht besser.
      Mich wundert es, dass die Rumänen all diese Nonsens-Geschichten (“Ohne Haftbefehl gehe ich nicht mit”, etc.) so hinnehmen, ohne an der eigegen kritischen Historiographie interessiert zu sein.

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