In Memoriam „Weiße Rose“

 

Und dann … waren da nicht noch ganz andere Köpfe, die rollen mussten?

Im fernen Berlin?

Weil der Führer es befohlen hatte?

Köpfe von Friedfertigen, von reinen Pazifisten, die gegen Krieg und Vernichtung aufstanden und für eine Idee: für die Idee der Freiheit? Und für die Vorstellung von einem „freien, ehrenhaften, würdevollen Deutschland“?

War da nicht eine ganz andere „Weiße Rose“?

Ein Symbol des Kampfes gegen übelste Tyrannis!

Ein Symbol des Widerstands! Des Aufbegehrens des Gewissens, des aufrechten Bürgers gegen maßloses Unrecht!

Ein Sinnbild des Widerstands gegen den mit Abstand größten Verbrecher der Menschheitsgeschichte, gegen Hitler, und gegen das System des Nationalsozialismus in Deutschland?

Was wusste ich von den Geschwistern Scholl aus Forchtenberg am Kocher? Von Hans und Sophie? Von ihren geistigen Mistreitern Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell. Von ihren zahlreichen Unterstützern aus München?

Es waren junge Leute in meinem Alter, die aufgestanden waren und vom Gewissen getrieben friedlich gegen ihr totalitäres Regime opponierten, nachdem sie dessen verbrecherische Politik und Kriegsführung teilweise aus eigenen Anschauungen an der Front kennengelernt hatten. Der verbrecherische Vernichtungskrieg im Osten hatte sie veranlasst, andere Mitbürger aufzuklären und zum „Widerstand gegen Hitler und seine Handlanger“ aufzurufen. Ihr Schlüsselwort war Freiheit! Sie war ihr moralischer Antrieb und der Motor ihres Gewissens!

Nachdenklich saß ich auf einer Bank und blickte konsterniert in die Zeit … Noch wusste ich nicht viel über den „Widerstand gegen Hitler“. Nur das Wenige, was ich den Nachrichtenmagazinen entnommen hatte. Noch spärlicher waren meine Informationen über die anderen Attentatsversuche auf den zynisch diabolischen Diktator, von Elser bis zu Claus von Stauffenberg; vom Kreisauer Kreis bis hin zu Heros Erwin Rommel und der zwielichtigen Gestalt von Admiral Canaris. Doch war mir bewusst, dass „unzählige andere anständige Deutsche“ mit aufgestanden waren, um auf ihre Weise früher oder später zu handeln; und dass sie als Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus und gegen die Hitlerdiktatur im Dritten Reich verfolgt, abgeurteilt und ermordet worden waren. Das genügte mir, um an eigene Aktionen zu denken. Nur war ich noch weit davon entfernt, die Tragweite der Handlungen des „Widerstands“ zu erfassen. Damals sah ich die deutsche Widerstandsbewegung im Chor der vielen Freiheitskämpfer aller Zeiten, ohne den besonderen Charakter der Taten zu erkennen. Die Reife der Durchdringung und ein ausdifferenziertes, vertieftes Geschichtsbild fehlten mir noch. Doch die Vorbildfunktion der Widerstandshelden stand fest. Deshalb wollte ich nicht zurückstehen.

Auch wir lebten in einer Diktatur, deren selbstgefälliges Walten so nicht hingenommen werden musste. Die Freiheit war ein Wert, der einem nicht so einfach zufiel wie eine reife Frucht vom Baum. Sie war fern wie ein Edelweiß an steiler Felswand und versteckt hinter spitzen Dornen. Sie zu erlangen erforderte Leidensfähigkeit und Mut – Aktion und Passion. Hatte ich diese Eigenschaften?

Advertisements

About carlgibsongermany

Writer, author, philosopher, historian, critic, blogger, Zeitkritiker, Publizist, Natur- und Lebensphilosoph, freier Schriftsteller, Blogger.
This entry was posted in Buch, Publikation. Author Carl Gibson, History, Politics, Literature, Essay and tagged , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , , . Bookmark the permalink.

Leave a Reply

Fill in your details below or click an icon to log in:

WordPress.com Logo

You are commenting using your WordPress.com account. Log Out / Change )

Twitter picture

You are commenting using your Twitter account. Log Out / Change )

Facebook photo

You are commenting using your Facebook account. Log Out / Change )

Google+ photo

You are commenting using your Google+ account. Log Out / Change )

Connecting to %s