Schwarz, Rot, Gold

 

Das unlängst geführte Gespräch mit dem Parteifunktionär hatte auch etwas Gutes. Es lenkte meine Aufmerksamkeit auf einen Bereich, den ich bisher noch nicht angemessen beachtet hatte; auf „Farben“ und „Symbole“ und verleitete mich dazu, tiefer über deren Kraft und Wirkung nachzudenken. Trotzdem widmete ich mich fortan nicht gelehrigen Abhandlungen, etwa Goethes „Farbenlehre“ oder seinen Ausführungen über „Symbolik“, noch dem frohen Farbenspiel der Chamäleons, die ich täglich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Tierparks beobachten konnte, sondern ich konzentrierte mich vielmehr intensiv auf die „Farben der Völker“, auf nationale Farben und Symbole. Die Wesenheit eines ganzen Volkes erscheint prägnant im Bild – als Sonne, als Halbmond, als gestirnter Himmel, als Kreuz, als Tier in seiner Nationalflagge mit einer symbolischen Farbe im Hintergrund oder nur als Farbe, ohne Wappen oder Emblem.

Die Franzosen setzen auf ihre „Trikolore“ mit den Farben Blau, Weiß und Rot, die seit der großen Revolution auch für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit stehen, während die „Russen“ inzwischen die gleichen Farben gegen die blutrote Fahne der untergegangenen Sowjetunion eintauschten, nur in anderer Anordnung Solchen Vorbildern folgten die noch jungen Rumänen in ihrer „Dreiheit“ und setzten in ihrem Banner der Dreieinigkeit auf Rot, Gelb und Blau, auf naturnahe Farben, in welchen sich Himmel und Erde begegneten. Erst mit dem Machtantritt der Kommunisten 1945 wurden die drei Naturfarben vom „Rot des Blutes“ verdrängt, dem Rot aller kommunistischen Parteifahnen weltweit, oft im unseligen Bund mit „Hammer und Sichel“ alle anderen Symbole überlagernd. Der Hammer des Arbeiters und die Sichel des Bauern, Symbole einer erfolgreichen Proletarierrevolution, standen im sozialistischen Rumänien wie überall im Ostblock für eine nicht zu hinterfragende Unterwerfung unter das Zepter Moskaus. Erst 1989, nach dem Sturz von Diktator Ceauşescu, wurde das kommunistische Wappen von Rebellen aus der Staatsflagge gerissen und dann auch offiziell verworfen, hoffentlich für immer!

Doch es waren seinerzeit Anno Domini 1977 nicht die „rumänischen Farben“, die mich seinerzeit faszinierten. Mein Sinn und Trachten galt „Schwarz, Rot und Gold“, den deutschen Farben, mit denen ich mich identifizierte und deren demokratische Tradition sich bis in das frühe 19. Jahrhundert zurückverfolgen ließ. Es waren die Farben der „Burschenschaftler“ aus Hambach in der Pfalz und der „Badischen Revolutionäre“ aus Rastatt am Rhein – unbelastete Farben, die für Freiheit und nationale Einheit standen.

Was sprach dagegen, dass ich, gemäß der „Lex sanguinis“ ein „Deutscher“, mir diese Farben zueigen machte und sie öffentlich zur Schau trug, auch auf dem Territorium eines anderen souveränen Staates, mehr als dreißig Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg? Feigheit? Angst?

Was hatte ich zu verlieren? Außer meinen unsichtbaren Ketten? Eine Idee war geboren, eine Schnapsidee vielleicht, die zunehmend Eigengewicht bekam und Autodynamik entwickelte. Mit diesen Farben war möglicherweise das zu erreichen, was ich immer schon bezweckte: Aufsehen erregen und die Autorität des Staates herausfordern – diesmal als gezielte Provokation.

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