Ein Liebling der Götter – von der Freiheit realsozialistischer Pädagogik

 

Brav sein, folgsam sein, nicht aufmucken – das war die zentrale Botschaft der von uns erlebten Pädagogik, die von Elternhaus, Schule, Kirche und Staat mitgetragen und unterstützt wurde. Doch wie sollten wir zu braven Bürgern herangezogen werden, wenn die Lehrer selbst gegen diese Kardinaltugend verstießen? Zumindest einer von ihnen tanzte völlig aus dem Reigen: Theophil! Welch ein Name! Fast klang er so lieblich vertraut wie Amadeus! Nomen est omen? In seinem Fall irrte die Regel. Das Omen wich stark vom Nomen ab. Ein Freund, ja Liebling der Götter war unser „Gottlieb“ bei Gott nicht!

Eines schönen Tages zu Schulbeginn betrat unsere gutmütige, oft wohl gelaunte Klassenlehrerin den Schulraum und stellte uns Zwölfjährigen diesen etwas argwöhnisch drein blickenden Herrn um die Fünfzig vor, der uns fortan gleich in zwei meiner Lieblingsfächer unterrichten sollte, in Geografie und Geschichte. Beide Fächer hatten viel mit den Besonderheiten fernen Welten zu tun, die uns räumlich verschlossen blieb und mit der Menschheitsentwicklung durch die Jahrtausende. „Theophil“ sollte uns möglichst davon vermitteln, sollte!

Schon während die kleine runde Dame aus der Nachbarschaft mit ein paar einführenden Worten ihren künftigen Kollegen uns aufs Wärmste empfahl, kreiste Theophils musternder Blick durch den Klassenraum. Röntgenhaft und skeptisch tastete er uns ab wie ein Feldherr den aufmarschierenden Feind vor der Schlacht, so als wollte er die potenziellen Gegner von Morgen gleich ausmachen und fixieren. Noch ahnte keiner, was noch auf uns zukommen sollte, auch ich nicht, obwohl ich mich fragte, was dieser Kauz mit dem verschmitzten Schelmenblick im Schilde führte. Doch wohl keine Eulenspiegelei hier in der Schule?

„Gudden Tackkk, Giiiender!“ hallte es durch den Raum. Schallendes Gelächter – die Klasse tobte verhalten. Die Reaktion auf die merkwürdige Aussprache des rätselhaften Städters von irgendwoher kam unerwartet plötzlich und von vielen Mitschülern zugleich. Ähnliches hatten wir noch nicht vernommen. Die seltsame Intonation irritierte wie ein schriller Ton in der Oper oder wie ein verstimmtes Instrument, dass das empfindliche Gehör eines Musikers beleidigt. Sprachlich weitgehend verwöhnt war uns solch ein verhunztes Deutsch noch nie vorgesetzt worden – schon gar nicht aus dem berufenen Mund eines Pädagogen. Selbst das Deutsch rumänischer Lehrer klang kultiviert, verglichen mit dieser defekten Intonation, die eine Zumutung war. Wie sollte ein heranwachsender, noch im Lernprozess stehender Schüler ein „gutes Deutsch“ erlernen, wenn das große Vor- und Leitbild, der Lehrer die Sprache nicht nur unsprachgemäß gebrauchte, sondern willkürlich jenseits von Phonetik und Grammatik, einfach so, wie es ihm gerade einfiel. Ein „Pidgin-“ Deutsch, das redeten die „Zigeuner“, die zum Teil Analphabeten waren, doch nicht der „Herr Lehrer aus der Stadt“?

Unsere erste Begegnung hatte es in sich. Zunächst war alles mehr Spaß als Schock. Während einigen von uns beim Loslachen die Tränen in die Augen traten, nicht viel anders als beim lustigen Auftritt eines Clowns in der Manege, verfärbte sich Theophils Kopf glutrot. Der Stier hatte das „rote Tuch“ entdeckt, seine Widersacher ausgemacht. Er schnaubte in Ohnmacht, unfähig zu reagieren und auf uns loszugehen, weil die Situation es nicht erlaubte. Doch waren die Feindseligkeiten hiermit eröffnet; die Schlacht konnte beginnen – oder besser gesagt das „Psychogemetzel“ Lehrer contra Schüler mit ungleichen Mitteln und Waffen. Was dann in der Folgezeit von etwa drei Jahren tatsächlich auf uns zukam, war eine ausgekostete Racheaktion auf Zeit, die persönliche Vendetta eines Systemzöglings, der innerhalb des Systems und im Schutz des Systems „erzieherisch“ schaltete und waltete, wie er es wollte. Es war die erste selbst erlebte Manifestation staatlicher Willkür in pseudopädagogischer Form. Es sollte fortan ein fairer „Kampf“ werden, in welchem Minotaurus zum Torero mutierte, bereit jeden von uns mit spitzem Degen aufzuspießen. Wir waren die wehrlosen Opfer, ausgeliefert und entrechtet, während dem selbstherrlichen Befehlshaber eine prall gefüllte Waffenkammer zur Verfügung stand.

Die Spatzenjagd folgte auf dem Fuß – als Dauerkanonade ganz nach Theophils Geschmack, bei der unser Götterfreund nicht nur die „Dicke Berta“ und „Dumm Dumm-Geschosse“ einzusetzen bereit war, sondern noch manches mehr „unterhalb der Gürtellinie“. Jenseits jeder Verhältnismäßigkeit nutzte er die breite Palette seines gesamten Waffenarsenals an Schimpfwörtern und Verballhornungen, um sie auf unseren ungeschützten Häuptern niedergehen zu lassen. Dann kam die vernichtende Einzelkavalkade, die so lange anhielt, bis einige sensible Charaktere aus unseren Reihen irreparabel geschädigt waren und bei jeder anstehenden Stunde mit dem Monster zitterten. Keiner war in der Lage, das gelegentlich sogar heiter inszenierte Psychogemetzel zu stoppen.

Bevor er nach Sackelhausen „abkommandiert“ worden war, hatte sich unser Götterspross, der Mars huldigte, sonst aber kaum an Elysische Felder erinnerte, an irgendeinem Gymnasium in Temeschburg etwas geleistet, hörte man munkeln. Etwas Hybrishaftes? Eine noble Sünde der Erkenntnis, wie der vermessene Ikarusflug kann es nicht gewesen sein; eher etwas frivol Vulgäres, einen Fauxpas – oder wahrscheinlicher noch einen mehrfachen Fauxpas? Also hatte man irgendwo die Notbremse gezogen und ihn, das „Enfant terrible“ der Lehrer-Kaste, aufs Land versetzt, bestraft, verbannt? Zufällig gerade zu uns, nach Sackelhausen? Der Unterricht dieses Geliebten der Gottheit, der immerhin von dem System, dem er diente, nicht ganz im Stich gelassen worden war, stand für Chaos, für konstantes, gleich bleibendes Chaos. Die Griechen hatten es ihm genauso angetan wie die modernen Chaostheoretiker. Und trotzdem konnte auch bei ihm alles kippen – nach einem Wort oder einem falschen Wimpernschlag.

Wenn er seine spärlichen Ausführungen über Geschichte zum Besten gab, die nur das in schlechter Essenz widerspiegelten, was er unmittelbar davor aus dem Schulbuch heraus gelesen hatte, sagte er introduktiv in merkwürdigem Tonfall: „Giiinder, was annnbelangt die heutttige Lekkktionnn …“ Wenn er aber Inhalte abfragen wollte, hieß es im selbst gezimmerten Jargon: „Es gommt zur Antwort …“ – nach einer kurzen Pause benannte er dann einzelne Opfer, indem er die klaren deutschen Eigennamen durch pathologisch wirr konstruierte Verunglimpfungen ersetzte: Der weiße Vogel, das blinde Huhn, das Trampeltier, der blöde Hund …und schlimmere Beschimpfungen waren dann zu hören. Der kranken Fantasie und Kombinatorik schienen kaum Grenzen gesetzt. Nach kurzer Zeit hatte er mit viel Erfindungsgeist zahlreiche Neologismen geprägt, die er zum Leidwesen vor allem der sensibleren Mädchen virtuos einsetzte. Emanzipiert, wie er zu sein glaubte, kannte er keine Ausnahmen. Er verspottete, verhöhnte und brandmarkte alle, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Herkunft oder psychophysische Konstitution. Mich nannte er gelegentlich auch irgendwie originell und geschmacklos zugleich „Die Wüste – nach der „Gibson-Wüste“ im fernen Australien, während eine Lehrerin später in der Elften sich einen Vergleich mit dem Gibbon-Affen nicht verkneifen konnte. Er verhöhnte auch mich, obwohl ich eigentlich gut mit ihm zurechtkam, da ich in der Lage war, jene sogenannten „Fragen der Logik“ in Sekundenschnelle zu beantworten. Das imponierte ihm, hielt er sich zudem auch noch für einen gestrengen Denker, der sich die Disziplin der „Logik“ auf die Fahnen geschrieben hatte. In Wirklichkeit aber stand er den einfachen Bauerntölpel mit drei Schulklassen näher, die, ohne etwas von Logik vernommen zu haben, jede ihrer Aussagen mit einem „Na, logisch“ bestätigten. Freunde der logischen Antworten gab es noch mehr in der Klasse; Ewald, Erich, Erwin und andere Mitschüler aus dem Freundeskreis schafften dies auch und strichen damit im Augenblick Bestnoten ein, während andere Schüler, denen die Spontaneität vom Wesen her nicht lag, eine halbe Stunde und länger vor Aller Augen mit bohrenden Fragen gequält und gedemütigt wurden. Das entsprach einer „realsozialistischen Pädagogik“ der besonderen Art, die das hervorbrachte, was Theophil, der Götterliebling, so trefflich zu bezeichnen wusste, nämlich: „Geisteskrüppel!“ Und seelische Opfer noch dazu.

Bei Theophil, der gerne ein Krieger geworden wäre, noch lieber aber ein Geisteskrieger, kam es nur darauf an, auf unsystematisches, wildes Fragen, schnelle improvisierte Antworten zu hören. Kürze war sein Kriterium – gedanklicher Blitzkrieg. Kurz und bündig? In der fatalen Kürze lag bei ihm die Würze. Ihm genügte gar ein Wort, wenn es nur schnell kam – wie aus der Pistole geschossen – und seinen Erwartungen gemäß, das Richtige zu sein schien. Wer diese spezielle Kunst der „raschen Replik“ beherrschte, hatte es gut bei ihm, auch ohne aufwendiges Pauken. Mir kam dieser Stil, den Unterricht mühelos zu bewältigen, entgegen, während andere Schüler, die nach alt hergebrachter Art brav und diszipliniert ihre Hausaufgaben erledigten, an Theophils chaotischen Fragestil nahezu scheiterten. Als „Belohnung“ und „künftige Motivation“ winkten ihnen dann neue Kosenamen übelster Ausformung. Kaum ein Schüler konnte sich den schöpferischen Wortprägungen entziehen. Die Unart, Kinder herab zu würdigen und gezielt zu demütigen, statt ihr Selbstbewusstsein und ihre Entwicklung zu fördern, sprach sich natürlich schnell herum und führte zu Reaktionen. Doch während einzelne Eltern entrüstet aufbegehrten, in die Schule strömten und das Ende des Spuks, den man heute in der zivilisierten Welt „Mobbing“ nennt und strafrechtlich verfolgt, einforderten, machte der kleine böse Halbgott unbeeindruckt weiter, vermutlich protegiert von Oben und ganz im Einklang mit den „ethischen Prinzipien“ des Staates, dem er diente, indem er seiner wortkombinatorischen Kreativität freien Lauf ließ und auf diese Weise verantwortungsvolle, loyale Staatsbürger heranzog. Einige der weniger Betroffenen amüsierte der parodistische Zirkus mehr, als er schockte. Als linguistische Delikatesse der besonders unfairen Art blieb er über Jahre hinaus ein unversiegbarer Quell der Heiterkeit und des Lachkrampfes. Für die schwächeren und unsicheren Schüler hingegen, auf deren Problem Übermensch und Abgott Theo überhaupt nie Rücksicht nahm, wurde diese höchst unkonventionelle Pädagogik zur Katastrophe. Wenn zwei, drei Wissensfragen falsch beantwortet worden waren, ließ er sich schnell zu sarkastischen Kommentaren hinreißen, die nahezu immer über die Grenzen des guten Geschmacks hinaus schossen, um irgendwo im proletarischen Jargon der Gosse landeten: „Martha! Groß bist du! Dick bist du! Und dumm bist du! Marsch am Platz! Fünf!“ Das etwa war sein persönlicher Stil, die Unflätigkeit der Bierkutscher, Gossenjargon vom Feinsten, eine Unterweisungsart, die der sozialistischen Pädagogik ihre besondere Würze gab. Und Theophil – das Salz der Erde? Der „Pädagoge“, der als klassischer Lehrer schlicht versagte, war sich selbst nicht zu schade, ganz so nebenbei Schüler mit Westverwandtschaft zu erpressen und sie so lange zu schikanieren, bis sie ihm die seltenen Güter heranschafften. Als Mensch war er ein dubioser Charakter, eine zwielichtige Gestalt, ein skurriler, von Spleens und Launen bestimmter Außenseiter, ein Original zwar mit wenigen sympathischen Zügen, doch mit höchst fragwürdigem Humor und einer ganzen Reihe übler Marotten ausgestattet, die allesamt für uns braven, bis dahin wohlerzogen Kinder neu waren. Von Anstand und Würde hatte er noch nichts gehört. Und sein sonderbares Gehabe war gut geeignet, den wahren Lehrer als Respektsperson, Autorität und Vorbild ad absurdum zu führen. Das Einzige, was von ketzerischer Warte aus betrachtet, noch positiv an ihm auffiel, reduzierte sich auf den Aspekt des anderen Programms, das er vehement praktizierte: Er tanzte, sichtbar für uns alle in der Gemeinde, seine eigene Hora innerhalb und außerhalb des großen Reigens nach einer selbst komponierten Musik; kurz: Er machte, was er wollte. Da ihm weder Eltern, noch Rektor oder Kollegen Einhalt gebieten konnte, drängte sich der Verdacht auf, er müsse ein Repräsentant des Systems sein, einer aus den Reihen der auch sonst unfähigen stalinistischen Kader, die ohne grundlegende Ausbildung oder fundiertes Wissen, allein über ein rotes Parteibuch oder sonstige Beziehungen zum Lehrer avancierten. Unmögliche „Pädagogen“ dieser Art wurden dann ohne Rücksicht auf Verluste auf wohlerzogene Kinder losgelassen wie alttestamentarische Plagen, ohne zu bedenken, dass auch auf solche Weise das Vertrauen heranwachsender Bürger in Staat und Regierung untergraben wurde. „Per aspera ad astra“ seufzten schon die jungen Römer auf ihrem Weg zu den Sternen. Sie umschifften erfolgreich die Scylla und die Charybdis – aber sie mussten nicht an solchen Theophils vorbei, Gestalten, die zumindest für einige von uns schlimmer waren als jede Klippe in tosender See. Dieser „Lehrer“, der seine Schüler als Geisteskrüppel beschimpfte, selbst aber nicht in der Lage war, einen einzigen korrekten Satz in Deutsch zu formulieren und richtig zu intonieren, machte aus einer konservativen Bildungseinrichtung, aus unserer sonst vorbildlich funktionierenden Schule, für einige Zeit eine Irrenanstalt – ein „Tollhaus“, das nicht in der Realität einer sozialistischen Nation, sondern in den „maghrebinischen Geschichten“ Gregor von Rezzoris angesiedelt schien.

Die Untugend wurde indirekt zum Programm erhoben. Und keiner stand dagegen auf! Besonders verheerend wirkte sich sein Psychoterror bei labileren Schülern aus, die, vollkommen verunsichert und verängstigt, beim Abfragen alles falsch machten, obwohl sie tagelang gebüffelt hatten. Die öffentliche Bloßstellung der Schwachen, die im dortigen Schulsystem auch sonst nicht schulisch gefördert wurden, vermehrte die allgemeine Destruktion und warf die ausgesetzten jungen Menschen noch mehr zurück. Wie sollte einer, der die halbe Schulzeit hindurch so „unterm Rad“ gefoltert worden war, den Staat lieben, der ihm solches auferlegt hatte? Doch gegen diesen „Liebling der Götter“ war kein Kraut gewachsen. Man musste ihn hinnehmen wie so vieles, was toleriert werden musste, obwohl es objektiv falsch und verheerend war.

Ein paar Spaßvögel unter uns, die nicht allzu viel unter ihm zu erdulden hatten und ihm sogar einige nette Züge abgewinnen konnten, drehten den Spieß um und reagierten auf seine Macken, Mucken und sprachlichen Absonderlichkeiten mit dem gleichen Spott, allerdings fern von seinen Ohren. Beinahe wäre dies einmal ins Auge gegangen. Als ich während einer Pause im Schulhof an einen dicken, bestimmt hundertjährigen Maulbeerbaum gelehnt, an meiner Jause herum knabberte, fragte mich ein Mitschüler, welches Thema in der folgenden Stunde anstehen würde. Geschichte stand an. Doch ich sagte nur kurz: „Gleich kommt der „Kampf“!“

„Welcher „Gampf“, erkundigte sich Theophil plötzlich, argwöhnisch hinter dem gleichen Baum hervortretend. Er hatte so nebenbei mitgehört und vermutete da etwas. „Die Punischen Kriege“ antwortete ich etwas erschrocken, doch immer noch geistesgegenwärtig mit natürlicher Schlagfertigkeit. Es wirkte überzeugend. Theophil gab sich zufrieden. Und mir blieb die Watsche erspart. Doch misstrauisch, wie er war, war er dem Braten auf der Spur. Die Nase trog nicht. Wir hatten ihm, einen seiner markanten Sprachfehler veralbernd, den Beinamen Kampf verpasst, einen Begriff, der bei ihm immer als Gampf ausgesprochen wurde; und in der Regel eingebaut in eine jener floskelhaften Sentenzen, die er dutzendfach zum Besten gab. Wenn er mit sichtlicher Begeisterung über den „heroischen Kampf“ aufständischer Bahnarbeiter CFR unter der Führung der Kommunistischen Partei KP und deren Jugendorganisation VKJ, die es merkwürdigerweise in der Vorkriegszeit noch gar nicht gab, reden wollte, hörten wir nur rhetorisch fragwürdige Parolen, in denen es von mündlich unzulässigen Abkürzungen wimmelte: „Giiinder, heute lernen wir über den Gampf der Ge-Fe-Risten, gefffirrrt unter der Er-Ka-Pe und Vau-Ka-Jot.“ Das Märchen von „Allerleirau“ kam mir bei dieser Sprachberieselung in den Sinn und die bunte Welt der Chamäleons, in der Theophil ein besonders schillerndes Exemplar abgegeben hätte. Seine kommunistischen Überzeugungen, die wahrscheinlich sogar echt waren, flossen in seine Aussagen mit ein, deren Banalität oft kaum noch zu übertrumpfen war: „Giiinder, was anbelangt das Statttsrecht! In Rumennnien hat jeddder Arbeiter ein Recht auf Urrrlaub!“ Wie schön und dumm! Der bunte Vogel, den er in manchen seiner Schüler sah, war er im Grunde selbst. Mit Theophil, der eigentlich nur eine verunglückte, anachronistische Gestalt war, verhielt es sich nicht viel anders als mit den Helden der Geschichte: Während die Anständigen und Wahrhaftigen in Vergessenheit gerieten und ihre historischen Leistungen verblassten, blieb die Erinnerung an die Schurken und Verbrecher der Menschheitsgeschichte für alle Zeiten wach.

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